Kasseler Neueste Nachrichten
Siebzehnter Jahrgang.
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Spannendfte Romane: ßaffefer 9leuefte 9lad)tidjteni\
2. Beilage.
Sonntag, 1. Mai 1927.
mungen veranstaltet. Und waS mich besonders I nanzen Frankreichs scheinen saniert. Mussolini freut: Die Kritiker aller Fakultäten halten bcn| löffelt nicht. Die Häuptlinge der Industrie vcr- «chnabel und die Dichter tirilieren keine lenzr- zichten auf die Gründung von Konzernen. Auch gen Strophen. Ein gesegneter Tag. Die Fi-j findet kein Schönheitswettbewerb statt und der
Unser Münchener XI.»Mitarbeiter schreibt uns: Wir harrten auf die Telephonverbindung mit Ehrwald einige bange Minuten hindurch. Es nutzt nichts; der Vorstand zweifelt nicht am Gelingen der Tat. Der Name Übet ist Garantie wider alle Bedenken; aber in solchen Augenblicken versagt die Nervenleitung. Hand und Sinne zittern . . . Bis j)a§ nervöse überreizte Ohr die mehrmals wiederholte Nachricht aufnimmt: Übet hat die Scharte erreicht und nimmt Kurs auf Ehrwald. Jetzt sind wir alle „übcrnt Berge". Man spricht wieder ruhiger. Man schreit das Fräulein vom Amt nicht mehr an, wenn sie anfragt, ob die Verbindung noch gebraucht werde . . . und dann läuft die Meldung ein: Übet ist glatt gelandet. — Der Flug von der Zugspitze nennt sich eine „sportliche Leistung". Ünd er ist sportlich in dem Sinne, daß
vom bisher höchsten Punkt aus die bisher weiteste Strecke durchflogen wurde.
Aber darüber hinaus ist e8 vielleicht doch etwas mehr. Die sportliche Leistung wird nun seit langer Zeit nach Metern und Sekunden bewertet. Ein Meisterläufer ist eine wunderbar funktionierende Maschine — aber keine Persönlichkeit. Hinter einem Kanalschwimmer fährt ein Begleitboot. Der Boxer durchkämpft feine Runden. Der Mensch, der ganz allein auf sich angewiesen, feilten Mann stellt, ist feiten geworden. So wächst alfo der Flug von der Zugspitze über die Sportleistung hinaus und wird zur Angelegen- jctt der Persönlichkeit. Mit unendlicher Mühe chleppten Übet und feine Leute den Alpensegler die steilen Wände hinan. Den einen Flügel entriß ihnen der Schneesturm und trieb ihn zu Tal. Mit primitiven Hilfsmitteln wurde er geflickt. Seit Jahr und Tag erforscht man die Aufwinde, die Fallböen über Schluchten und Graten. Aber die Dämonen der Berge sind eigensinniger Natur, sie lassen sich nicht registrieren und in ihrem Ursprung begründen. Aus
Ein alter Elfer.
General von Gallwitz 75 Jahre alt.
Die Welt ruht aus.
Oder: ein Tag ohne Zeitung.
In der Frankfurter Zeitung finden wir einen hübschen Beitrag über das Thema „Der Leser und seine Zeitung". Ich kenne, so erzählt her Verfasser, ein nettes Töchterchen netter Leute Sie erzählt uns: Der Papa ist so komisch. Am Freitag beim Kafseelrmken sagte er
„Trotz des miserablen Wetters -st heute ein wunderschöner Tag, denn es kommt keine Zeitung. Kein Staatsanwalt steht vor Gericht, kein Landgerichtsdirektor, kein Amtsrichter, kein Kommerzienrat. Es ruhen die Disziplinarver- handlungen gegen hohe richterliche Beamte. Barmat kann ausschlafen. Die sämtlichen Ferne- -Mörder auch. Tie Kriminalpolizei entwickelt kein „fieberhafte Tätigkeit" und kein Schurke legt „ein umfassendes Geständnis" ab. Es schweigen die Parlamente, es schweigt selbst Stresemann. Herrlich ist es. Der Aktienmarkt liegt still. Der Völkerbund frübftüdt in Frieden. Keine Abrüstungskonferenz foppt die Welt. In Polen ist Ordnung. Der Hexenkessel aus dem Balkan brodelt nicht. Die Bolschewisten enthalten sich der Noten. Vor Kanton nichts Neues. England spi-elt kein doppeltes Spiel. Keine Revolution in Portugal, Albanien, Griechenland Uruguay. Es ist köstlich. Kein Flugzeug stürzt, kein Auto purzelt in den Abgrund, kein Zug entgleist, kein Schiff geht unter. Sämtliche Rekorde bestehen zu Recht, keiner wird angegriffen. Die Vorkämpfer ruhen von ihren Kinnhaken. Es werden heute keine Erd- bebcn keine Wirbelstürme, keine Ueberschwem-
schlanken Trägern erklimmt die Bahn von Menschenhand den Bergrtesen. Unten im Tal schimmert Ehrwald. „Zum Greifen". Aber dazwischen liegt, unsichtbar dem Auge,
unbekanntes, unerforschtes Gebiet.
Die Eignung gewisser Höhenlandschafte» des deutschen Mittelgebirges für den Segelflug, der hier aus einer Spielerei, aus ganz bescheidenen Anfängen zur hohen Schule jeder Fliegerei erwuchs, lag gerade darin, daß die fünften Wellen der Bodenerhebungen irreguläre Windströ- mungen nicht begünstigen konnten. Denn das motorlose Segelflugzeug wird vom Wind getragen. Wer sich üuf jemanden verlassen will, der muß ihn vorerst kennen . . . Udets Meisterhand am Steuer hatte
tückische Böen, Fallwinde über den Graten, all diese Luftströmungen, die in ihrer unmotivierten Eigenart den eigensinnigen Gebirgssor- mationen so nah verwandt sind, zu willigen Geistern gemacht, die den menschlichen Vogel willig tragen und führen mußten, um das weite Ziel Ehrwald erreichen zu können, mußte sich Übet mit Hilfe ber Gegenwinde über feinen Startplatz erheben, ehe er zum Gleitslug ansetzte. Der Mensch im Führersitz wird zum empsindsamen Nervenbündel, das jeden Eindruck registriert, als die tote Materie. Nie werden Maschine und Mensch so zur vollkommenen Einheit wie in dieser Lage. Die Steuerflosscn des Flugzeuges scheinen mit den motorischen Nerven direkt verbunden. Die grübelnde Vernunft ist auSgeschal- tet. lieber den Schluchten der Alpen schwebt ein vollkommener Organismus — kein menschliches Stückwerk — kein Behelf — ein wirklicher Vogel. Dort wo sich das Produkt menschlichen Geistes im Verein mit diesem selbst wieder zum natürlichen Gebilde umwandelt liegt der höchste Ausdruck, das höchste Ziel menschlichen Strebens.
Anzeigenteil verschont uns mit Lippenstiften, Puder und Creme, noch belästigt er uns mit Angaben, wie wir dünner oder bitter werben können. Er zwingt uns nicht, nach der Reviera aufzubrechen und verlangt nicht, daß wir Gum- unreifen kaufen, er empfiehlt keine Büstenhalter und erschreckt uns nicht mit Todesanzeigen. Kein Buch wird uns nahegelegt, keine Zigarette, um Weinbrand preist sich an, keine kitzelnde Feder verkündet für die nächsten vier Wochen die große Mode. Wir sind vor allen Aufre- gungen gefeit. Und darum wollen wir fröhlich ,ein und diesen Tag der Gnade recht genießen."
So sprach der Papa und wir handelten nach seinem Wort. Aber am anderen Morgen, beim waffeetrinfen, klingelte er dem Mädchen: „Wo ist die Zeitung? Noch nicht da? Es ist ein Skandal. Em Skandal ist cs! Schlafen die Kerle? Man will doch wissen, was in der Welt ?Veht! Das kann ich doch verlangen! Was bilden sich diese Menschen ein?" Und er war nahe daran, die Zeitung abzubestellen.
Ein Fest der Kultur.
Sln verwegenes Fllegerstückchen
Adels Flug von der Zugspitze gelungen.
Das Neueste aus der Werkstatt der Frau Mode.
Dieses hübsche Deux-Piece-Kleid wird au8 rotem Crepe de Chine gemacht uns kann bei offiziellen Gelegenheiten getragen werben. Ter schmale Stosfstreisen, der vorn über den pumper läuft, der Gürtel und der Saum sind aus schwarzer Seide; der rote Hut ist mit breiten Wtoaräen Moireband garniert. Der Rock zeigt drei Quetschfalten, und man ^^^rkeN' daß der Jumper n geschmackvoller Weise überfällt. Denjenigen, die auf.
I l° sehr lreben, fei mitgeteilt, daß dieses Kleid auch aus marine,
blauem Crepe mit seidener ober Satm-Gacni erung in derselben Farbe gemacht werden ^a^Lchnittmuster^nd^unt^Nr^lNN^in deq Maßen 42.44.46 und 48 für 80 Psg. erhältlich
Am 2. Mai feiert in Berlin General der Artillerie Mar von Gallwitz, der bekannte Heerführer und Oberbefehlshaber der „Heeresgruppe Gallwitz" feinen fünfundsiebzigsten Geburtstag. Er wurde in Breslau, geboren und trat nach Erlangung des Reifezeugnisses für die Univer- , siität am 13. August 1870 als Avantageur in bas FeldartillerieMegiment 9 in Rendsburg ein, in dem er den Feldzug gegen Frankreich mitmach- te. Am 9. März 1872 wurde er zum Leutnant befördert und wurde kurze Zeit daraus Abtei- lunasadjutant. Von 1877 bis 1880 besuchte er die Kriegsakademie, woraus er 1881 zum Oberleutnant und im Jahre 1882 zum Adjutanten der 11. Felbartillerie-Brigade
in Kassel ernannt würbe. Im folgenden Jahre wurde er am 1. Mai zur Dienstleistung beim Großen Generalstabe kommandiert und war dann in Stettin, Glogau, Wie-' eben und Münster. Rach ungefähr einjährigei Tätigkeit als Abteilungskommandeur im Kiirheffischen
Feldartillerie-Regiment Nr. 11 in Kassel die er am 18. Oktober 1895 antrat, wurde er am 12. September 1896 zum Oberstleutnant befördert und am 17. Juni 1897 zum Abteilungsches im Kriegsministerium ernannt. 1903 wurde er zum Direktor des Armee-Verwaltungsdepartements im Kriegsininistcrium und zum stellvertretenden Bevollmächtigren zum Bundesrat ernannt. 1913 erhielt er den erblichen Adel und bei der Mobilmachung wurde er Kommandierender General des Gardereservekorps. Im Kriege, 1915, wurde er bereits Oberbefehlshaber einer Armeegruppe und im August desselben Jahres Führer der 17. Armee, eine Stellung, die er im November desselben Jahres mit der Führung der 11. Armee vertauschte. Gleichzeitig wurde er vorn Kaiser ä la suite des Feld- artillerie-Regiments Nr. 76 gestellt. Im nächsten Jahre erhielt er den Oberbefehl über die 2. Armee und im Dezember über die fünfte Armee. Endlich, am 22. September 1918, wurde er Führer der nach ihm genannten
Heeresgruppe „Gallwitz"
Seine Taten im Kriege gehören der Geschichte an. Ueberaö wußte er feine Truppen zum Siege zu führen, und in Zeiten der Not hatte er sich oft genug als ein Retter erwiesen. Nach Beendigung des Krieges wurde er am 6. Dezember 1918 mit Genehmigung feines Abschiedsgesuches mit Pension zur Disposition gestellt. Im Juli 1915 bekam er für seine Verdienste im Krieg den Orden Pour le merite und im Dezember desselben Jahres das Eichenlaub dazu. Im Mai 1917 wurde ihm der Rote Adlerorden, Großkreuz mit Eichenlaub und Schwertern, verliehen Als besondere Auszeichnung bekam er endlich am Weihnachtstage deS Jahres 1917 den Orden vom Schwarzen Adler, eine der seltensten Auszeichnungen, die nur besonders hochverdienten Männern zuteil wurden.
Ehrwald, 30. April. Übet ist gestern vor mittag um 10.35 Uhr von ber Zugspitze gegen Rorbwesten, in der Rickstung nach dem Abhang des Schneefernerkopfes gestartet. Ueber dem Rand der Scharte zog er eine Kurve auf Ehrwald und landete hier nach einer Flugzeft von 25 Minuten.
ßrprobt und bewährt.
Praktische Ratschläge für das Haus.
Angesengte Stoffe reibt man vorsichtig mit eitlem Flanelltuch, das man in kaltem Wasser angefeuchtet, ausgewrungen und mit t.vas Glyzerin betupft hat. Etwaiae Glyzerinsp..ren entferne man hinterher mit Alkohol.
Hand- und Achselschweiß beseitigt man durch Waschungen mit einer Lösung von einem Liter Wasser und einem Eßlöffel Borax.
Terpentin wirkt schmerzstillend bei Rheuma- tismus; man lege zu diesem Zwecke ein mit 2:etpcnftn besprengtes Wolltuch auf die fdim-r- zende Körperstelte.
Fingerabdrücke entfernt man von Oelgemäl- den mit einem weichen Flanelltuch, das man in L>almiakwasser getaucht und gut ausgewrnn» gen hat.
Hochglanz bei Gläsern wird erzielt, wenn man zum Spülen warmes, mit Soda versetztes SSaffer benutzt und die Gläser mit einem Tuch völlig trocken reibt.
Zum Fensterputzen benutze man kein Soda- wa^r, h>eil_ Soda das Ledertuch ruiniert.
Eiweiß läßt sich schneller und besser «chlaacn, wenn man eine Messerspitze Salz hineingibt. ™ Neue Seidenstrümpfe lassen nicht so schnell Maichen fallen, wenn man sie vor dem Trogen m sehr heißem Wasser wäscht, da durch das Waschen die Seide dichter wird
Beim Abschäumen ber Suppe kippe man dm Topf em wenig, sodaß die niedrigere Seite tu ich gewandt ist. Der Schaum steigt dann nach der entgegengesetzten Seite auf und kann besser abenomrnen werden.
Messing läuft nicht an, wenn man eS einmal wöchentlich mit einem ganz leicht mit Näh. iitascb nei.ok angef-uchteten Wolltuch obre:bt
Die große Buchkunst-Ausstellung in Leipzig. Wenige Wochen nur sind es noch bis zu dem „größten Fest der geistigen Kultur", wie Hugo von Hof- mannschal die Internationale Buchkunst-Ausstellung in Leipzig in einem Briefe an ihren fßräfu - . denken, Prof. Hugo Stiener-Prag, genannt hat. Ausmag und Substanz der Ausstellung die am 28. Mai eröffnet werden wird, ^asssn sich jetzt, wo die Vorarbeiten ihrem ent» weidenden Ende zugehen, immer deutlicher er» fennen. Nicht nur alle europäischen Staaten, auch Amerika und Japan werden mit ihren 'm ber Reihe der insgesamt 19 Nationen stehen. Bekanntlich ist die Verbindung mit dem Auslände nicht aus dem offiziellen Wege über die Regierungen er» folgt, sondern durch kollegiale Komitees, durch Vertrauensmänner, die in gemeinsamer Arbeit mU den führenden Künstlern der einzelnen Lander die Kollektionen zusammenstellten. So m also der internationale Charakter der Ausstellung m weitester Bedeutung gesichert und em noch nie gesehener Querschnitt durch die gegenwärtige Situation des künstlerischen Buch- U^kse.uf Srg^en. Allein über 200 deutsche -öuefjflinder haben sich angemeldet und ihre Arbeiten zur Auswahl des Besten eingesandt.
Am eindringlichsten wird der international n/r*.rö^cr in ber Sonderverau-
aaltung Das Kinderbuch aller Völker" zur ™;?™nVomnKn’- ba hi" auf verhältnismäßig engem Raume eine einzigartige Gelegenheit L^en w.rd, die schönsten und phantasievoll- t"1 Bild» und Marchenaußerungen der ver- ichledenen Nationen vereint zu sehen und dar» uber hinaus wertvollste Erkenntnisse der Döl- kerpiyche zu erschließen.
^inn der Ausstellung haben sich der Ausstellung, die Altmeister deutscher Wissenschaft, Dichtung und Kunst: h°n Warnas, Gerhart Hauptmann und Max Liebermann mit seingeistigen Worten be- wand' "Auch in schlichtem Ge-
wand sind gute Bucher gute Freunde. Die Buchkunst aber verstärkt diese Freundschaft und verleiht ihr Würde und Anmut." — Gerhart bekannte: „...Das Buch, die Ma- Ä*« des Geistes, trägt diesen durch redliche Jahrtausende in unwelklicher Leb end'g- ^'l- ~>e Kultur der Menschheit besitzt nichts "ichts Wunderbareres und Kchl^.'. das wichtiger wäre! Biblos heißt im A^l/chen das Buch: es hat göttliche Ehren ^latigt, nicht nur in Form der Bibel." — Wunsch Max Liebermanns:
»Auch tut Buchbetrachten müsset Eins wie Alles . D-nn was.innen ift ist draußen". Es 8 "ner Buchkunst-Ausstellung, Bucher zu steigern, deren äußere Gestalt sich mit ihrem inneren Gehalt zu einem harmont- ichen Ganzen vereinigte."