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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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»nteiaenvreife: &tnbetrni(*e (»eldfdfiiantetden .tC'le-»> * auswärtige «et»dft6. an^etgen .-teile au 4 ibamiltenanz. Seite 20 4. ÄL Sm. aub Saffet b. Wort 4 4. aus« kl. Anz. Seite 20 4. Reklamen Seile 75 4. Cffengebübr 20 4 ibet Suf. »er Offenen 50 4. Re-bnungsbeträge innert. 5 Tagen zahlbar rtür b. Richtig, ten aller burck ibernfvrecher aufgegebenen «nzetaen toroie füt flafnabmebaten nnb Pläve kann ntch, eir.mnen werben, Äiir Anzeigen mit betonter» jcbttre- rtgem Latz INO Proient AnffLlag. Druckerei: Lchlamibofftrakie *»30 ®ef<6«ftS. Kelle: »btnifibe Strafte 5. aegenSber bei Lvobrftrafte Äernf»re»er 951 unb 952

Hessische Abendzeitung

Freitag, 22. April 1927

Rrrmmer 93.Zlmtlicbee Organ der Stadt Kassel.

Amtliches Organ der Stadt Kassel. 17. Jahrgang

polen hält in Oberschlesien nicht Wort.

Banditen verbrennen einen Äug mit 187 Passagieren.

Zn der Hinterhand.

Wo ist Deutschlands Platz im Bölkerringen?

Von

Staatssekretär Frhr. v. Rheinbaben (M. d. R.)

Wenn eS heute überhaupt eine leitende und zutn Ausbau Europas führende Idee gibt, dann ist es die der Zutammenarbeit der eu­ropäischen Großmächte, in die vielleicht später einmal auch Rußland eintreten kann. Deutschland ist an seinen Grenzen verstümmelt, verarmt und übervölkert. Es hatte in den ab­gelaufenen Jahren dringendste Existenzproble­me zu lösen und mußte sich dazu in die »V o r- derhand" begeben, d.h. mit seinen größten und mächtigsten Kriegsgegnern um die elemen­tarsten Voraussetzungen seiner Wiederauser- stehung ringen. Tas war auf eine kurze For­mel gebracht der Sinn der Politik vom Ta- wesplan über Locarno nach Genf und Thoiry. Der Umschwung derVerhältnisse in Frankreich, die Ablenkung Englands von Europa durch weltpolitische Konflikte und vorsichtigste Rück­sichtnahme auf die Empfindlichkeiten und In- teresicn amerikanischer Finanzpolitik führten uns in die jetzige Periode des A b w a r - lens hinein und wieder empfiehlt sich für Deutschland eine »Politik der Hinter» Hand". Eine neue Weltlage kündigt sick langsam an. Wie soll sich Deutschland in ihr verhalten? Nach dem Fehlschlägen der aus Thoiry gesetzten Hoffnungen einer deutsch-fran­zösischen »Gesamtlösung" müssen wir nun an­dere Wege einschlagen. England war die trei­bende und letzthin ausschlaggebende Kraft ebenso beim Zustandekommen des Sach­verständigenplans. wie bei Locarno und der Räumung Kölns. Politisch betrachtet wird auch die Räumung der 2. und 3. Zone nicht eher er­folgen, als bis die englische Politik erneut es für richtig und nötig hält, entsprechend auf Frankreich einzuwirken. Vorläufig ist sie vom Gegensatz zu Rußland und von den Schwierigkeiten in China beherrscht und wird schon au- diesem Grunde in innereuropäischen Fragen auf Dilatieren, auf Hinhalten, auf Be­ruhigen wirken. So erhalten wir zwar hier und da die üblichen platonischen Unter­stützungs-Erklärungen, aber praktisch wird in absehbarer Zeit kaum etwas Positives erfolgen. Ob die Aufrollung der Räumungsfrage durch Deutschland aufgrund deS Artikels 431 an die­ser Lage in kurzer Frist etwas Entscheidender ändern wird,bleibe zunächst einmal dahinge­stellt. , _

Auch in Osteuropa besteht eine Menge Kon­fliktstoff. Polen buhlt um Englands Gunst und um Englands und Amerikas Geld. Gleichzei­tig wendet es keineswegs seinen Blick von dem großen östlichen Nachbarn ab u. folgt vielleicht für manchen europäischen Beobachter überra- schenderweise den Spuren Lettlands und Est­lands beim Abschluß eineS SchiedsvertrageS mit Rußland. Das deutsche Interesse in die­sem ganzen Fragenkomplex liegt klar zu Tage. Wir sind und bleiben hier gezwungenermaßen »in der Hinterhand". DaS Einzige, was wir in der Richtung nach Osten neben den so schwie­rigen Handelsvertragsverhandlungen mit Po- len für die nächste Zeit wirklich und positiv alS Voraussetzung für alles Spätere tun könnten, tun wir leider auS Mangel an Mitteln und auS bürokratischer Schwerfälligkeit viel zu we­nig: Die umfassende Stützung der unS verblie­benen Ostmark! In China werden die Dinge immer unübersichtlicher und chaotischer. Hier drängt sich die Politik der Hinterband ganz selbstverständlich alS die einzig richtige ans. Hier stehen wir vor der schwierigen Aufgabe, das traditionelle Freundschaftsverhältnis mit dem chinesischen Volke als Ganzes zu wahren und gleichzeitia die für uns ebensowohl wie für andere Mächte bestehenden gemeinsamen AukunfSinteressen wirtschaftlicher Natur nicht aus dem Auge tu verlieren.

Die dritte Wetterecke unserer Tage liegt in Albanien, auf dem Balkan, im Mittel- meer. Hier darf das grundsätzlich für das entwaffnete und nickst in vollen Besitz seiner Souveränität befindliche Deutschland aeaebene Gebot der Z u r ü S h a l 1 u ng nicht in ein solches der AuSschaltun g auSarten. Das ist ja gerade der Sinn der Socarnopolittk gewesen, daß jede Neuentwicklung in Europa ohne Deutschland sehr leicht zu einer solchen gegen Deutschland werden müßte. Schon aus der Mitoliedtchaft im V^ft-rbinch heraus wird Deutschland aenötiat sein zn je­dem enropäischen Konflikt so ober so Stel­lung iit nehmen Mttb niemand wird eS uns ver­

denken können, daß diese Stellungnahme in er­ster Linie nach wohl abgewogenen deutschen Interessen erfolgt. Das eben wird in diesem Gedankenkreis die neue zielbewußte »Politik der Hinterhand" sein! Unser Schicksal wird sich nicht durch Konferenzen und StaatSmänner- phrasen ändern, sondern nur durch die euro­päische Weltlage überhaupt. Je mehr dieser Gedanke im deutschen Volke auf­gegriffen und verstanden wird und je mehr er ohne tönende Deklamationen in Einklang mit den nun einmal bestehenden heutigen Rcchts- und Machtgrundlagen gebracht wird, desto bes­ser wird aus solchem zunehmenden Verständ­nis heraus die deutsche Außenpolitik ihren schweren Weg weitergehen können.

Holen wieder wortbrüchig.

Betrogene Oberschlrster. Und der Völkerbund? (Funktelegromtm

Berlin, 21. April.

Die Erklärungen bei schlesischen Wojewvden in der ostoberschlesischen Schulfrage (die Einstellung der Strafbefehle gegen Eltern, die ihre Kinder der deutschen und nicht der pol­nischen Schule zugeführt haben) sind laut Pressenotiz keinesurrgs befriedigend. ES sind in sechshundert Fällen teils Poli- zeistrasen in der Angelegenheit des Schulstreiks vechängt oder aber Gerichtsverhandlungen ein­geleitet worden. Diese sechshundert Fälle wer­den von den Erklärungen des Wojewoden nicht berührt. Die Verhängung von Schul­strafen steht überhaupt in vollem Gegen­satz zu dem Genfer Abkommen. Wenn ein Wojewode dann weiter erklärt, die Kinder, die sich int Schulstreik befinden, sollenbaldmög­lichst" den Minderheitsschulen zugeführt wer­den, so fragt sich vor allem, was der Wojewode in der Praxis unterbaldmöglichst" ver- steht. In den deutschen Kreisen herrscht also starke Verstimmung, sodaß angeregt worden ist, fich erneut an den VölkerbundSrat zu wenden.

*

voincors auf der Wacht in Straßburg

Paris, 21. April. (Eigener Drahtbericht.) Ministerpräsident Poincare betonte auf dem Studentenkongretz in Straßburg, die Universi­tät fei stets eine elsässische Universität geblieben und werde es bleiben. Gleichzeitig aber sei sie eine durchaus französische Universi­tät» in der die Studenten aller Landesteile stets zu Hause seien.

Schon abgewiesen?

Die Rheinräumung soll vertagt werden. (Eigener Drahtbericht.)

Paris, 21. Avril.

Ein Blatt erklärt, daß in der Rheinland räumungSfrage eine Anfrage der deutschen Botschafter in Paris und London eine g e - schlofsene Ablehnung erfahren habe. Man dürfe erwarten, daß Deutschland nuumehr in der Junitagung noch keinen generellen Räu- muügö-Antrag stellen werbe.

Fette Spionenbeute.

Moskaus Mobilmachungspläne entwendet?

(Eigene Drahtmeldung.)

Kopenhagen, 21. April.

Ein Blatt meldet aus Moskau: Die Geld gebet der in Moskau aufgehobenen internatio­nalen MUitär-Spionage-Zeutrale find Polen und Engländer. Verhaftet wurden auch einige Deutsche. Die russischen MolibmachungSpläne sollen entwendet worden sein.

Moskau läßt sich nicht reizen.

Der Rätekongretz als Säule der Regierung.

(Eigener Drahtbericht.)

Moskau, 21. April.

Der Rätekonareß der Sowjetunion billigte einstimmig die Tätigkeit der Regierung und ihr weiteres politisches nnd wirtschaftliches Programm.

Moskau, 21. April. (Eigene Drabtmeldunq.) Der Rätekongreß stellte mit Befried iguna fest, daß die Friedensbeftrebungen in einigen Staa­ten Widerhall fanden und h-bt hervor daß die friedliche Politik durch die ro " <M n b < Feindselfakeii feiten» ei-tiae- ^»<mte^ sehr erschwert wurde Die ttemennw wurde beauftragt, zur Abwehr erneuter Ver­

suche von jeglicher Seite, die Sowjetunion zu einem Krieg herauszufordern, bereit zu fein. Die Politik in China beruhe auf der Anerken­nung der vollständigen Souvtiräni- tät Chinas und auf dem völligen Verzicht der Sowjetunion auf besondere Vorrechte.

157 Banvitenopser.

Im Zug ringeschloffen und verbrannt.

(Eigene Drahtmeivung.)

Mexiko, 21. April.

Bei Simon im Staate JaliSeo wurde gestern ein Personenzug von Räubern zur Ent­gleisung gebracht und verbrannt. Einhun­dertsiebzig Insassen des ZugeS sowie die gesamte siebzehnköpfige militärische Es­korte sind entweder von den Räubern er­schlagen worden oder mit den Trüm- mern des Zuges verbrannt.

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Sine grausige Teufelei.

Mexiko, 21. April. Zu dem Ucberfoll wird noch gemeldet, daß. nje .Mnbiten zunächst die militärische EUe ^üroä^.o. 'töteten und öunn vi< Passiihe-c rn oen'Wdsten einschloffen, die sie mit P>-- oleum begossen und in Brand setzten. Wer auS dem brennenden Zug zu flüchten versuchte, wurde niebetge« schossen. Der Zug wurde von den Flammen völlig verzehrt. Die Zahl von 187 sieht man jetzt schon als zu hoch gegriffen an.

Der Schreckensbericht des Lokomotivftlyrers.

Paris, 21. April. (Eigene Drahtmeldung.) Ein Blatt meldet zu dem Ueberfall in Mexiko: Dem Lokomotivführer gelang es, während des Attentats zu flüchten und die nächste Hilfsfta- tion zu erreichen. Die Täter find mutmaßlich mexikanische Kommunisten auS dem Delgcbiet. Die Regierung hat sofott drei Schwadronen Kavallerie zur Verfolgung aufgebvten.

Der Mississippi steigt und steigt

Newyork, 21. April. (Funktelegramm.) Die Ueberschwemmungen im Misstsfippigebiet neh­men immer größeren Umfang an. Zurzeit stehen etwa 6260 Quadratmeilen Land unter Wasser, sünszigtausend Personen sind ohne Obdach.

Neuenahr besetzungSfrei.

Die neue Demarkationslinie tritt in Kraft.

(Funktelegrammi

Koblenz, 21. April.

Nach dem neuen Rheinlandabkommen wird die nördliche Demarkationslinie der zweiten Besatzungszone, die am 1. M a i in Kraft tritt, hauptsächlich von Land­straßen und Eisenbahnlinien gebildet. Zwecks reibungslosen BerkehrS für die Besatzung find sogenannte Ueberaangsstreifen gebildet worden, die gewisse Geländegebiete nördlich und südlich der Demarkationslinie umfassen. Als Gegenleistung wurden gewisse Zugeständ­nisse gemacht; so soll Bad Neuenahr grund­sätzlich von Besatzung freibleiben und nicht auf Personalausweise kontrolliett werden. Der Oberpräfident fordert zur Respektierung der Besatzung sowie Ruhe und Ordnung auf. Zuwiderhandlungen werden bestraft.

Einheitsfront gegen Moskau Dschiangkaischek »erhandelt mit Tschangtsolin

(Eigene Drahtmeldung.)

Rotterdam, 21. April.

Ein Londoner Blatt meldet, daß der abae fallene General der Südarmee Dschiangkaischek offizielle Verhandlungen mit Peking auf genom­men habe über die Bildung einer Einheitsfront gegen den Bolschewismus in Asien Auch aus Schanghai wurden alle Russen mit nur zwölkftündiger Frist auSgewiesen Nach diesem Vorgehen verhalten fich die Mächte lorläufig weiterhin abwartend.

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Ab nach Schanghait

Paris, 21. April. (Eigene Drahtmelduna.i Laut Pressenotiz gehen beute fünf französische Kriegsschiffe mit 7500 Mann Truppen nob einmal nart Ostasien Die indische Brigade soll in? Cb'nandf tudi-n -rückaernfen wert-n feil üe füi ->en D-en'* genügend ovSn?» rüstet sei ES bandc'i sich um die indischen Truppen in Schanghin, die letzthin meuterten.

Wilhelm ll- und Ebert.

An der Todesstunde der Blonarchir.

Einem bereite kürzlich veröffentlichten Kapitel aite den ..Erinnerungen" des lebten kaiserlichen Kanzlers Prinz Mar von Baden lallen mir deute das noch interessantere aus den Schicksalstagen von 1918 folgen, das.den dra, «attfcheu Noveuiderrevolutions-Verlauf schildert.

Am Morgen des 9. November wußten wir, daß die revolutionäre Welle im Lande weiter­steigt, offenbar unaufhaltsam. Die lokalen Nachrichten aber scheinen zu ergeben, daß Ber­lin bis jetzt fest in unserer Harrt ist. Auch das Gebiet östlich Berlins ist noch ruhig... Etwa um 10 Uhr kam die Schreckensnachricht, welche die Grundlage aller Zuversicht zerbrach: die Naumburger Jäger sind zu den Aufständischen übergegangen. Ich gab die Nachricht nach Spa weiter ebenso wie die nach­folgenden sich häufenden Meldungen über ver­sagende und meuternde Truppen. Ich forderte die Enlischertung wrtb habe sagen lassen, es handele sich nicht um Smndm, sondern um Minute n. Rach 11 Uhr lauteten die Nach­richten bestimmter; die für mich maßgebenden Delephonmeldungen aus dem Hauptquartier in Spa, wo sich der Kaiser aufyielt) waren: die Angelegenheit sei jetzt sachlich entschieden, der Kaiser habe sich ,

zur Abdankung entschlossen. "J Ich sagte mir, wir können die Revolution nicht niederschlagen, vielleicht aber ersticken. Jetzt heraus mit der Abdankung, mit der Berufung Eberts, mit dem Appell cm das Voll, durch die verfassunggebende Nationalver- sammlung seine eigene Staatssorm zu bestim­men. Wird Ebert Mr als Volkstribun von der Straße präsentiert, dann kommt die Repu- blick, ist es Liebknecht, auch «bei Bolschewis­mus. Aber wenn der abdankende Kaiser Ebert zum ReichSLanzler ernennt, dann besteht noch eine schmale Hoffnung für die Mo-, n a r ch i e. Die Situation entwickelt sich reißend schnell zu Gunsten der Revolutionäre. Wir versuchten einmal über das andere, den Kai­ser zu erreichen. Ein Telephon in der Villa Fraineuse war abgchängt, das andere besetzt. Ich sah mich vor die Wahl gestellt, entweder abzuwarten und nichts zu tun, oder auf eigene Verantwortung zu bandeln. Ich wußte, daß ich formell nicht berechtigt war, ohne EinverständniseMärung des Kaisers die Veröffentlichung vorjjlnehmen, aber ich hielt es für meine Pflicht, den mir als feststehend mtegeieilten Entichluß des Kaisers bekanntzu­geben, solange er noch einen Sinn hatte. Um die 12. Stunde war die Depesche über die Ab- danfttng des Kaisers in den Straßen Berlins bekannt. Fast gleichzeitig wurde mir eine Ab- oidnung der Sozialdemokratischen Partei ge­meldet. Sie wurde von Ebert geführt. Ich fragte ihn, ob er bereit sei, den Posten des rteichskanzlers anzunehmen. Ebert antwor­tete: »ES ist ein schweres Amt, aber ich werde es übernehmen". Der Staatssekretär des Aus­wärtigen richtete alsdann die Frage an ihn: .Sind Sie bereit, die Regierung innerhalb der Verfassung zu führen, auch

innerhalb der monarchistischen Verfassung? EbertS Antwort war: Gestern hätte ich diese Frage unbedingt bejaht, heute muß ich mich eist mit meinen Freunden beraten..." Die Zusammensetzung der neuen Regie- rung wurde erörtert. Ich gab den Staats­sekretären zu bedenken, ob sie nicht ihren Ent­schluß zum Rücktritt revidieren wollten, denn ich war von der Notwendigkeit durchdrungen, unter allen Umständen den Zusammenbruch der Regierungsmaschine zu verhindern. Es galt, an Legalität und Kontiunität zu retten, was noch ,u retten war. Der Kriegsminister gab ein leuchtendes Beispiel. Da traf um 2 Uhr nachmittags die Nachricht ein, Scheide­mann habe von der Rampe des

Reichstages die Republik ausgerufen.

Das war km Munde eines Unabhängigen keine unwiderrufliche Proklamation gewesen: die Unabhängigen ließen seit Monaten die soz.ale Republich hochleben. Die Erklärung des ZtaatSsekretärs aber band seine Partei. Scheidemann führte den letzten Stoß ge­gen die Monarchie. Ebert kehrte in die Reichskanzlei zurück, um seine Verhandlungen iber die Regierungsbildung fortzuführen Er war immer noch bemüht, den organischen Zu­sammenhang mit der Vergangenheit nicht zu lösen... Unter Hausmanns und Wohl auch 'imemt Be'hikke -nt^nrt-u zwei Aufrufe Fn "vm ersten verk"-dete E^ert die lieber- 1 o b m e der Kontferfchaft. Der zweite richtete sich an die Kräfte der OrUung, die bett