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Meler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

naSmttteeB.

Donnerstag, 21. April 1927

Amtliches Organ der Stadt Kassel. 17. Jahrgang

Nummer 92. Amtliches Organ der Stadt Kassel.

Nnzetarnvretic: eiitbeimitot (BefiDäft&inietgen 3eU< W A. auBmartta« ®ef*aft8. anjeitt» Seile 30 A. framtlienorn. Zeile20 itnj. auB ßafJel d. Wort 4 A, aus», kl. An». Seite 20 A. Reklamen Zeile 75 Oilertgebübr 20 4 (bei Suf. «er Dfiertea 50 A. Rechnungsbeträge inner». 5 Lagen Mölbar. ftttr 6. Richtig, kett aller durch fternlvrecher anlgeaedeneu »n«inen sowie für Sutnabmebaten und Platze kann nicht garantiert werden. Kür Aineigen mit delooberS schme. rigem Lad 100 Prozent Ausschlag. Druckerei: Schlachiboiitraße 28130 ®ef*aftfi- fteUe: Kölnische Strafte 5. gegenüber der Svobritrafte. Kernivre-ber Ö51 und 952.

Ixe Saftetet «eueften RachnLten erlebet tut» wdchenut» techdmai nachmtnagd. Der flbonnementepreie beträgt füi den Monat 2. bei ireier Huktellung in» Hand, in der Geschäftsstelle abaedolt I.W> Dur» dte Poft monatlich 2^-X auslchlieftlich Zuftellungdaebüln «erlag und Rchaktion Schlachtbosftrafte 88/30. Kernlorecher 961 und 952 ftür unverlangt etngeianüte Beiträge kann die Re- daktion eine Betantwortnng oder Gewähr in keinem stalle übernehmen. Rück» ubtuna de» BeaugSgelde» oder «usvrüche wegen etwaiger nidbt ordnnngsmäftiger ?«eternna !ft auSaefchloften Postscheckkonto Frankfurt am Main Nummer 6380.

Der Räumungstermin ist Mig.

sft das Locarno? Frankreich bricht auch Locarno!

Weder Räumung noch Abbau am Rhein.

Berlin, 20. April.

aus veuricyem -öo= |eictIi^cn Erklärungen der Westmächte be­lasse mit dem an Reffend die Herabsetzung der Besatzungsstärke

Alle

Einladung reagiere. Ueberhaup't ist in der gan­zen Rheinlandfrage, die umso heikler wird, je mehr Deutschlands Stellung in der Welt sich bessert, in der letzten Zeit leider gar nichts ge­schehen, und die Hoffnungen, die man seinerzeit nach der Zusammenkunft Briands und Strese- manns in Thoiry hegen zu dürfen glaubte, sind Seifenblasen gewesen, die schnell zerplatz­ten. Der große Gedanke, mittels f i n a n z i e l - ler Opfer das Rheinland frei zu machen und den Brüdern und Schwestern am Rhein die Last der Besatzung abzunehmen, ließt sich nicht ver­wirklichen und auch sonst ist, trotzdem vieles bes­ser geworden ist, doch nicht das erfüllt worden, was man sich von dem vielbesprochenen Geiste von.Locarno verhieß. Die gewaltige Zahl der Ordonnanzen, die die Rheinlandkommis­sion erlassen hatte, und die so surchtbar ties in das Leben jedes Deutschen im besetzten Gebiet eingrisf, ist zwar etwas verringert und derbes- fett worden und auch sonst ist manche Härte retouchiert worden, aber die große Sehnsucht nach der Räumung ist unerfüllt geblieben.

Zu dem öffentlichen Eintreten Stresemanns für eine baldige Rheinräumung schreibt ein Pariser Blatt: Wenn Stresemann erklärt, daß

Eine Glurmkatastropde in der Schule.

Carrollton (Illinois), 20. April. (Funkte lc- gramm.) In Centerville (Illinois) wurde eine Schule durch einen Tornado zum Einsturz ge­bracht. Der Lehrer wurde getötet, fünf­undzwanzig Schüler unter den Trüm­mern begraben. Zwei Kinder wurden in einer benachbarte« Stadt aus der Straße durch berabkallende Ziegelsteine getötet In Sardin wurde ein Mann getötet und mehr als ein Dutzend anderer Personen verletzt.

werde". Sehr richtig sagte der Minister in die­sem Zusammenhänge, daß sich die Ausrechterhal- tung der fremden Besatzung aus deutschem Bo­

den nicht vereinbaren 1 ..

Deutschland ergangenen Appell, an der Frie­denssicherung mitzuarbeiten. Es hat aber nicht den Anschein, als ob man in Paris auf diese

Selbst die «Hesallenen wrden... bestraft

Berlin, 20. April. (Funkdienst.) Ein Blatt meldet aus Mainz: Das französische Kriegsge­richt verurteilte den Kaufmann Schmiedel iu 150 Mark Geldstrafe oder dreißig Tagen Ge- ängnis. weil er in Höchst am Main zur Geld- ämmlung für einen Denkmalsfonds zur Er­richtung eines Gefallenendenkmals aufgefordert hatte.

Außenminister Stresemann hatte in seiner Osterumschau die Politik mit dem Aprilwetter verglichen und dafür plädiert, daßin den Rheinlandsragen die Initiative freiwillig von der anderen Seite ergriffen und durchgeführt

Reichsregierung ein derartiges Ansinnen ent­schieden zurückweisen wird. In der Milhelmstraße scheinen Zusicherungen des britischen Außenministers und auch der italieni­schen Regierung vorzuliegen, nach denen diese gewillt sind, das berechtigte Verlange« Deutsch­lands zu unterstützen. Man glaubt aber nicht, daß in der Räumnngsfrage schon vor der Junitagung des Völkerbundes eine Entscheidung herbrigeführt wird. Die französi­sche Regierung dürfte mit den übrigen Kabinet­ten in einen längeren Gedankenaustausch eintre- tcn. Erst auf der kommenden Völkerbundsta­gung werden die Verhandlungen mit dem deut- chen Reichsaußenminister in das entschei­dende Stadium treten. Sich" ist, daß eine sukzessive Abberufung der Truppen aus dem Rheinland vorgenommen werden wird.

*

London ist darauf gefaßt.

London, 20. April. (Eigene Drahtmeldung.) Man spricht hier davon, daß eine Kontrolle der Sprengungsarbeiten bei Königsberg durch die deutsche Regierung mit der Bemerkung, daß nur der Völkerbund dazu berechtigt fei, glatt abgelehnt worden sei. Der deutsche Botschaf­ter in Paris wird außerdem demnächst Brr- and persönlich darauf Hinweisen, daß Deutsch­land sich mit einer längeren Verschiebung der Rheinlandräumung nicht mehr abfindcn könne.

Sie verlangen auch für Truppenverminderung... Garantien / Die Strese- mann-Offenfive im Gange / Zusagen ans London «nd Rom / Stürmen die Machte Hankau? / Erdbeben» und Sturmkatastrophen.

Am Juni wirb flchs zeigen.

Die Räumungsoffensive endlich im Gange.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 30. April.

Wie wir hören, steht eine Demarche der Botschafter in Paris, London und Rom bezüglich des Räumungsartikets bevor, da auch nach Aeu- tzerungen maßgeblicher Persönlichkeiten im Aus­lande einer Räumung deS Rheinlandes nichts mehr im Wege stehen tonn. Als auffällig wird vermerkt, daß sich in Paris wieder Bestrebungen geltend machen, für die Räumung deS Rheinlan­des wirtschaftsvolitische Konzessionen, oct- mutlich bei den HandelSvettragStverhandlungen, zu erlangen. ES ist selbstverständlich, daß die

Was Du tun willst...

Oesterreich wartet aus uns.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 20. April.

Wie verlautet, sollen unmittelbar «ach Wie­derzusammentritt des Parlaments zwischen den großen Parteien Besprechungen über eine För­derung der Anschlußbewegung aufge­nommen werden. Für Pfingsten erwartet man das Eintreffen österreichischer Parlamentarier in Berlin zum gleichen Zweck.

Wirb Hankau gestürmt?

England will Tschangkaischek anerkennen.

(Eigner Drahtbericht.)

London, 20. April.

Ein Arbeiterblatt schreibt: Die britische Re­gierung erwägt bereits, mit Tschangkaischek als einer de farto-Regierung zu verhandeln. Der Korrespondent führt aus: Die britische Regie­rung wünscht dringend, daß S t r a f m n a h- men sich lediglich gegen die Hankauer Re­gierung richten sollen und nicht gegen Tschang- taischek. Deshalb wird der vor Tschangkaischeks Straatsstroich erwogene Gedanke, Nanking zu besetzen, aufgegeben werden. Dagegen wird der Plan einer gewaltsamen Wiederbesetzung der Hankauer Konzession wegen Nichterfüllung des Abkommens sehr ernstlich erwogen.

* * * ,

Richt hefler wie die Bolschewisten.

Ausländerslucht aus Nanking.

London, 20. April.

Derzweiie"Biömarck

Fürst Otto auf den Spuren des Großvaters.

liebet die Ursache« ««b Wirkungen der Tat­sache, daft der Enkel des eisernen Kanzlers, ssiirst Otto ». Bismarck, am 1. Mai in de« diplomatische« Die«st als Geiaudtichastsrat übernommen werde» soll, liiht sich unsere samt, lientnndige Mitarbeiters» wie folgt aus:

In Bismarcks Enkel, Otto von Bismarck, fließt nicht nur das schwere ostelbische Blut der Bismarcks, sondern auch das leichte der öster­reichischen Mutter, Gräfin Hoyos, die freilich nur halbe Oesterreichevin ist. Denn ihre Mut­ter war Engländerin, eine Tochter des großen Torpedofabrikanten Whitehead. Indessen ist der österreichische Einschlag bei dem Fürsten Bismarck, der, als sein Vater starb erst sieben Jahre zählte und lediglich von der Mutter er­zogen wurde vorherrschend. Er ist der Typus des liebenswürdigsten österreichischen Grand­seigneurs. Der neue Anwärter für den diplo­matischen Dienst ist noch zu jung, als daß man, abschließend darüber urteilen könnte, ob und wieviel er von dem staatsmännischen Genie des Großvaters, den politischen Talenten des Va­ters geerbt hat. Aber selbst wenn dies nicht allzuviel wäre, könnte er mit seinem Namen und dem Charme seines Wesens im Außen­dienste des deutschen Reiches mancherlei Nutzen bringen. Vorbedingung ist natürlich ein ent­sprechender Wirkungskreis. Presse - Gerüchte, daß die Deutschnationalen den sozialdemokra­tischen Gesandten in Riga

Dr. Köster herausekeln wollten, um den Fürsten an seine Stelle zu setzen, erledigen sich durch dessen große Ju­gend (er ist erst 30 Jahre) von selbst. Vor­läufig, soll sich Fürst Otto Bismarck einarbei­ten, dann wird man ihn zum G e sa n d sch a f ts- r a t ernennen. Als solcher könnte er zum Bei­spiel in London, wo sein Vater in den achtziger Jahren Botschastsrat war, vielleicht auch in Buenos-Aires oder Rio de Janeiro Nützliches

ein mutiges Wort.

Breitscheid in der Löwengrube von Lyon.

Lyon, 20. April.

Der deutsche Delegierte Dr. Breitscheid erklärte auf dem Sozialistenkongreß, nach Ab- chlutz der Locarnoabkommen sei die Räu­mung deS RhetnlandeS und des Saar- g e b i e t e S zur Festigung des Weltfriedens u n- bedingt erforderlich. Er forderte zur Zusammenarbeit für den Frieden und die Völ- erversöhnuna aus. Eine Verständigung zwi- chen Sozialisten und Kommunisten sei unmög­lich. Der jugoslawische Delegierte umarmte nack einer Aussprache den italienischen Delegierten

SadN wohl, Avrllflung-irüume i

Berlin, 20. April. (Privattele^ramm.) Wie wir erfahren liegen bezüglich der am Donners­tag wieder beginnenden Abrüftungsverhandlun- gen in Genf keine neuen deutschen Vorschläge vor. In London find laut Pressenotiz die Hoff­nungen auf einen Erfolg in Genf auf den Null­punkt gesunken.

Auf glühender Erde.

Erdbebenrisse in den Tropeninseln.

(Durch Funlsvruch 1

Rewyork, 20. April.

Im Starben der Philippinen Inseln Luzon und gleichzeitig auf der japanischen Intel Formosa hat sich ein Erdbeben ereignet. Au der Insel Luzon find bedeutende Schäden ver. ursacht worden. Sogar in Manila haben mehrere Häuser Risse bekommen. Einzelheiten fehlen.

nicht verwirklicht worden seien und daß die Aufrechterhaltung dieser Besatzung eine Ano malte bedeute, so vergißt er die geringste An- pielung auf die Garantien zu machen, die Deutschland geben könnte, um eine Regelung fcu ermöglichen. Ein Blatt bemerkt dazu, hier wird also von dem französischen Blatte behauptet, daß Deutschland nicht nur für das gänzliche Verschwinden, sondern sogar schon für eine :?erabsetzung der Besatzungstruppen irgend­welche Bürgschaften zu leisten habe. DaS ist eine unglaubliche Verdrehung des Tatbestan­des. Die Botschafterkonferenz hat mit Unter­schrift Briands in feierlichster Weife eine erheb- liche Herabsetzung der Stärke der Besatzungs­truppen versprochen. Dies Versprechen ist bis heute nicht erfüllt. Es war an keinerlei Bedingung geknüpft, sondern seinerseits die Voraussetzung dafür, daß die Loearnoverträge in London unterzeichnet wurden.

leisten und zwar auch dann, wenn seine Haupt- tätigkeit auf dem Gebiete des Gesellschaftlichen liegen würde. Er wird sich dann freilich im­mer das Wort seines Großvaters vor Augen halten müssen:Durch Jahre sind die Diplomaten nicht viel mehr als dekorierte Sta­tisten und Briefträger, welche zwischen guten DinerS unld bösartigem Klatsch dahinwandeln, und dann kommt einmal eine Stunde, wo alle Eigenschaften eines großen und starken Charak­ters von ihnen gefordert werden, und die Ehre ihrer Nation an einigen Worten ihres lächeln­den Mundes hängt. Die Gründe, die den jun­gen Fürsten bewegen, in den diplomatischen Dienst zu treten, sind wohl in der

Hauptsache finanzieller Natur.

Denn die Befürchtung, die schon sein Großvater aussprach, als ihm Wilhelm I. Friedrichsruh als Basis des Fürstentitels schenkte, haben sich als richtig erwiesen. Trotz seiner dreißig­tausend Morgen ist der Sachsenwald bei den schlechten Holzpreisen nicht imstande, die großen Lasten zu tragen, die sich aus der Apana - Regierung der verwitweten Für­stin Herbert Bismarck und ihrer übrigen vier Kinder ergeben. Von den beiden Schwestern deS Fürsten Otto Bismarck junior hat die ältere den Major a. D. von Bredow geheiratet, der in erster, durch den Tod gelöster Ehe mit einer Tochter des reichen amerikanischen Senators Newlands vermählt war. Ihr großes Ver­mögen ist indessen auf ihr einziges Kind, eine Tochter, Lbergegangen. Die jüngere Schwe­ster des Fürsten Otto ist die Gemahlin des be­kannten Modephilosophen Grasen Hermann Keyserling! m Darmstadt. Von seinen bei­den Brüdern bewirtschaftet der altere das ihm gehörige Reinseld in Pommern, der jüngere lebt in Friedrichsruh. Die Meldung des Für­sten Bismarck zum diplomatischen Dienst mag zum Teil aber auch aus dem Wunsch beruhen, einmal fein eigener Herr

zu sein. Das ist in Friedrichsruh nicht mög­lich, denn dort ist seine Mutter die Für­stin Marguerite Herrin des Haushalts geblie­ben. Aus sie muß dauernd Rücksicht genommen werden, und da sie zart und kränklich ist, im» mer im Bett liegt und nur die allernächsten Verwandten sehen mag, ist das Leben im Sach- senwalder Herrenhaus kein sehr erfreuliches. Die Heirat mit dem zweiundzwanzig Jahre älteren Grasen, späteren Fürsten Herbert Bis­marck, war eine V e r n u n f t e h e, die Erfül­lung eines Wunsches ihrer Mutter, der Gräfin Georg Hohos-Whitthead, einer ehrgeizi­gen Weltdame von internattonalem Ein­schlag, die nie genug Fürstlichkeiten bei sich 'ehest konnte und das Lebensziel batte, ihre Töchter möglichst glänzend zu verheirate- Aber die Ehe mit dem so viel älteren Mann, de. viel gelebt hatte und durch den ihm vom Vater auf-

Ein Blatt meldet aus Schanghai: Trotz der Versprechungen Tschangkaischeks find die Zu­stände in Nanking nicht besser geworden als früher. Kein Ausländer kann an Land gehen und das P l ü n d er n dauert fortgesetzt au. E würde ein großer Fehler sein, zu glauben, da Tschangkaischek den Ausländern größeres Ent­gegenkommen zeigen oder seine Versprechungen besser einhalten wird alS die Kommunisten.

Ausländer begeben sich nach Schanghai.

Nicht einmal das in Locarno gegebene Ver­sprechen, die Zahl der BesatzusgStrup­pen herabzusetzen, hat eme Einlösung gefun­den. Trotz der uns zugesicherten deutschen Friedensstärke von 50 000 Mann beträgt die fremde Besatzung immer noch fünfundstebzigtau- send Mann und statt der sechsundzwanzig deut­schen Garnisonen gibt es jetzt sogar noch hu n- dertundsünfzehn Garnisonen für die Besatzungstruppen, und in diesen Garnisonen sind trotz bitterster Wohnungsnot nicht weniger als 9364 Wohnungen von den Besatzungstrup- pen beschlagnahmt. Alle bisherigenErleichte­rungen" können unS nicht darüber Hinwegtäu­schen, daß es immer noch sehr bitter und schier unerträglich ist, deutschen Boden in fremder Gewalt zu wissen. Nach wie vor muß alles getan werden, um die Freiheit des Rheinlandes zu erringen. In Frankreich geht man natürlich über den Stresemann-Appell mit einer leichten Hanndbewegung hinweg und spricht, obwohl man selbst gesichert ist, wie keine Macht der Erde, und obwohl man den Locarno- Pakt in der Tasche hat, immerwi-dervon Garantien und Sicherungen, obwohl niemand mehr diese Terminologie begreift, nach- dem doch Frankreich schon bereit war, gegen eine entsprechende f i n a nn z i e l l e Entschädi­gung aus diese Garantie, die man heute wieder fordert, z u v e r z i ch t e n. Es ist sehr bedauer­lich, daß man sich in Frankreich noch nicht dazu entschließen kann, im Interesse einer wirklichen Verständigung die Hand einmal weit aufzu­machen und eine Tat zu tun, die in Deuftch- land sicher dankbaren Herzens ausgenommen werden würde. Die Zeit kommt ja doch, wo diese Tat getan werden muß, ohne daß Gegenleistungen gegeben zu werden brauchen. Warum sie also nicht jetzt schon tun?

Tatsächlich scheint nun Stresemann die große Räumungsossensive doch eingeleitet zu haben. Der Außenminister hat ja wiederholt betont, daß Deutschland das Recht hat, die Räumung des jetzt noch besetzten Gebietes zu fordern, doch wollte die Reichsregierung den Zeitpunkt auswählen, an dem eine solche Forderung geltend gemacht werden soll. Allem di« Tat­sache, daß die Zerstörungsarbeiten an den deutschen Ostbesestigungen noch nichr zum Abschluß gelangt sind und daß auch das Kriegsgerätegesetz vom Reichstag noch nicht ver­abschiedet wurde, ließ den unvermeidlichen Vor­stoß gegen Paris aus Grund deS Versailler Ver­trages noch als verfrüht erscheinen. Wenn sich Stresemann nun doch schon entschlossen hat, den schicksalsschweren Schritt zu tun, so wird auch er .. Garantien genug in der Tasche haben um auf einen Erfolg trotz des wütenden Prefle- gekläsfs aus Paris rechnen zu können -r-