Kasseler Neueste Nachrichten
Aus afftr Welt.
Der Ozean erneut überflogen.
Der portugiesische Flieger Sarniento de Berres, der von der Insel Bissagos (an der westafrikanischen Kustes zum Ueberseeflug nach Brasilien gestartet war, war gezwungen, 150 Seemeilen von der brasilianischen Küste entfernt bei der Insel Fernandv de Noronba niederzugehen. Tort hat bekanntlich auch de Pinedo bei seinem Ozeanflug eine Zwischenlandung vorgenommen Beires' Flug zwischen Bissagos und Fernando de Noronba hat 17 Stunden 30 Minuten gedauert. Nachdem Sarniento de Beiris und 'eine drei Begleiter Freitag früh 6,25 Uhr die Insel Fernando de Noronha wieder verlassen hatten, sind sie nachmittags in Port Natal (Brasilien) wie ihr Vorgänger Pinedo gelandet.
Paris ist leer
Weil es zu teuer geworden ist.
Von
Den spannenden Jammenroman, der oon allen TDitglfedem des ßauses gelesen werden bann, finden Sie in den Kasseler Deuesten Qadiriditen.
l. Beilage
Sonntag, 20 MLrz 1927.
Revue „Ca . . c'vst Paris" (So ist Paris); sie wird im Theatre Moulin Rouge gegeben, das aus dem Montmartre neben dem gleichnamigen bei tonnten Tanzlokal liegt. Die weibliche Hauptrolle spielt die Mistinguett, bte nah Agnes Sorel, der großen Tragödin, (seit einem Jahre Gräfin Segur) die populärste alber Pariser Künstlerinnen ist. Wenn man eine der Logenschließerin ihres Theaters — sie ist nämlich Hauptaktionärin des Theaters Moulin Rouge —nach ihrem Mter fragt, ertönt prompt die Antwort: „neunundfünfzig Jahre mein Herr." ES ist wirklich ein Wunder' Sieht man sie auf der Bühne tanzen und singen, so acht man ihr höchstens fünfunddreißig. Ihr Hauptpartner und jetziger Freund ist ein junger englischer Aristokrat, der fünfundzwanzig- jährige Carl Loslie aus der bekannten englischen Grafenfwmiilie. Auch, er tanzt und singt wie die Mistinguett mit hinreißendem Charme und Temperament. Das männliche Gegenstück zur Mistinguett ist Maurice Chevalier, der allabendlich im Casino de Paris in der Revue „Paris" auftritt. Auch Chevalier ist einer der beliebtesten Pariser Bühnenkünstler; er ist Mitte dreißig, der Typ des großen, eleganten Parisers, dem es Freüde macht, möglichst viele Herzen zu brechen, der aber immer kübl und ironisch dabei bleibt. Er singt mit vollendeter Kunst Couplets, die freilich unpolitisch sind. Seine Hauptdarstellerin ist Pvonne Vallee, mit der er seit einigen Jahren verheiratet ist.
Str. 67.
Siebzehnter Jahrgang.
* Der Prozeß Domela wird nur zwei Stunden dauern. Der Prozeß gegen den falschen Hohenzollernprinzen Harry Domela wird bestimmt Anfang April zur Verhandlung kom- men. Um den in die Affäre verwickelten im öfsentlichen Leben stehenden Persönlichkeiten eine weitere Blamage zu ersparen, werden die Zeugen aus Gotha, Heidelberg und Weimar nicht geladen, sondern nur kommissarisch vernommen werden. Die Verhandlung, die vor dem Einzelrichter stattsindet, wird deshalb nur von sehr kurzer Dauer sein und höchstens zwci Stunden beanspruchen.
* Das Kind ohne Auge«. In das Kreiskrankenhaus Lübbecke wurde ein «engeborenes Kind zur ärztlichen Behandlung eingeliefert, das keine Augen besitzt. Das eigentliche Sehorgan. der Augapfel, ist nicht vorhanden, jedoch sind die Augenlider leicht angedeutet. Das Befinden des Kindes soll durchaus nicht hoffnungslos fein, und man erwartet, es am Leben zu erhalten. Ein hinzugezogener Spezr- alarzt erklärte, daß das Kind ein medizinisches Rätsel darstelle, wie es noch nicht vorgekommen sei.
• Ein Justizskandal in Budapest. Die Budapester Polizei bat den Zivilrichter Stefan Ragt verhaftet, weil er teil Jahren nur solchen Rechtsanwälten Konkursverwaltunaen übergab, die ihre Honorare mit ihm teilten. Das Geschäft bat mehrere Millionen Nutzen gebracht. Mit Nagy wurden bisher seine Frau, seine Freundin und siebzehn Rechtsanwälte und Bücherrevisoren verhaftet.
* Das Geld im Huhn. In Hörde lWestf.i erhielt eine Bewohnerin von ihren in Ostpreußen wohnenden Eltern ein Paket, worin sich neben anderen Lebensmitteln auch ein geschlach- tetes Huhn befand. Beim Auspacken bemerkte die Frau in der Brust des Huhnes ein Stück Papier, das sie achtlos in den Kohlenkasten warf. Nach einiger Zeit bemerkte sie, daß ihre beiden kleinen Kinder am Fußboden mit Geld- 'cheinen spielten. Nach der Herkunft befragt, deuteten sie auf den Kohlenkasten. Die Eltern der Frau hatten vorsorglich den Betraa in Pa- Vier eingewickelt und in das Huhn gesteckt.
* Der Hecht im Hecht. Ein seltener Fang glückte in Rumfleth, wo ein 55 Zentimeter langer Hecht ins Garn ging, der, wie sich beim Oeffnen zur Ueberraschung ergab, einen zweiten Hecht von 30 Zentimeter Länge in sich barg.
s Der betreffende Fischer hatte schon einmal das ! Glück, einen Hecht zu fangen, der zwei ander« Artgenossen verschlungen halte, von denen ihm einer noch zur Hälfte aus dem Maule tagte.
* DaS verlorene Heidelberger Herz, einige '.ustige Kegelbrüder des Kegelklubs »Stolz vorbei in Mittelborbach, Saarpfalz) waren durch eine Kartoffel, die wie ein Herz aussah, auf den Gedanken gekommen, diese dem Heidelberger Magistrat zuzuschicken, indem sie hinzufüg- .en, ob dies vielleicht das verlorene Heidelberger Herz fei, von dem alle Welt singt. Bom Oberbürgermeister Heidelbergs ging daraus ei» vitziges Dankschreiben ein mit dem Bemerken, :>er Eigentümer des Herzens habe sich noch nicht
Ist Füll WWM.
25) Koma« von Otfried von Haustein.
„Sie können Ihren Sohn besuchen, und ich verspreche mir viel von Ihren Worten."
Während die Mutter zur Zelle geführt wurde, gab der Untersuchungsrichter einem Kommi- sar und einem Protokollführer den Auftrag, ihr nachzugehen und die Unterredung, ohne daß Menzel eS merkte, hinter der offenen Tür zu belauschen.
Walter Menzel war im Wartezimmer geblieben.
Ewald erhob sich von der Pritsche, als die Mutter etntrat. Er sah bleich, abgezehrt und Verstört aus.
„Mutter, endlich kommst du zu mir."
„Ja, mein Kind, deine tiefunglücklichc Mutter."
Die alte Frau begann zu reden, erst stok- kend und unter Tränen, dann immer eifriger Sie sprach vom Andenken des VaterS, wie eine fromme Frau zu sprechen vermög. Sie flehte rhn an: „Gib der Wahrheit die Ehre, gestehe, was du getan hast."
Ewald hörte auS allem heraus, daß auch die Mutter an seine Schuld glaubte.
Er empfand keinen Schmerz, er war so stumpf geworden durch alles das, was in diesen Tagen über ihn hereingebrochen war, daß et nicht mehr imstande war. Kummer zu fühlen Aber unsägliche Bitterkeit war in ihm.
Er sah die Mutter an.
Et hatte sie herzlich lieb. Run aber wat es ihm. als stünde dort eine fremde Frau, jedoch eine Fran, die ihm unendlich leid tat. denn er sah ja. wie sie litt.
Dann schließlich überwog die Bitterkeit in ihm „Mutter, wenn du nur zu mir gekommen bist, um mir das zu sagen, dann bitte ick dich, geb und laß mich allein. Ich habe nicht? zu gestehen denn ich habe kein Unrecht itian"
Vergeblich versuchte die Mutter immer wieder, in ihn zu dringen, et hatte nur noch ctn-
gen hatte. Dadurch sind dem Reich rund fünf Millionen Goldmatt Zoll hinterzogen worden. Der wegen Verdunkelungsgefahr verhaftete Inhaber Nödling hat bereits ein Geständnis abgelegt, ebenso wie der in Hast genommene Filialleiter in Mainz, der Kaufmann Wirth. Die Frankfurter Kriminalpolizei hat 90 Fahndungsbeamte nach Mainz und OppenyUm geschickt, um die Helfershelfer der Verhafteten sowie die Abnehmer des falsch deklarierten Sprit? ausfindig zu machen, da bei ihnen ein Ertrag für die entgangenen Zollverluste beansprucht werden soll, weil die Firma Nödling allein hierzu nicht imstande sein wird.
Aus Domelas Spuren.
Der falsche Gras vo« Puttkammer.
Ein Prozeß, der an die Vorkommnisse in Mitteldeutschland mit dem falschen Hohenzollernprinzen erinnert, fand vor dem Schöffengericht in Friedland (Meckl.) seinen Abschluß. Angeklagt war der 23 Jahre alte Kaufmann Weidenbach aus der benachbarten Stadt Neustrelitz, der unter vorgelegten Zeugnissen und sonstigen gefälschten Papieren die Gutsbesitzer der Umgegend ausgesucht hatte, sich als Hans Joachim v. Puttkammer, Leutnant z. See a. D., ausgegeben hatte und hierbei zahlreiche Betrügereien verübt hatte.
Ueberall war er mit offenen Armen empfangen worden, hatte zahlreiche Geldspende» erhalten und war mit Auszeichnung behandelt worden. Ganz hervorragende Kenntnisse der v. Puttkammerschen Verhältnisse öffneten ihm überall Tür und Tor. In dem Hauptverhandlungstermin bewies er einen Schneid und eine Geschicklic^eit, daß selbst das Gericht dies anerkennen mußte. Nur war es unverständlich, daß die von ihm Hereingelegten ohne weiteres seine Angaben, er fei Leutnant z. See während des Krieges gewesen, wo er noch Kind von elf Fahren war, glaubten.
Es stellte sich heraus daß er diese Gastrolle« schon in allen Gegenden Deutschlands gegeben hatte und deshalb schon erheblich vorbestraft war, gegenwärtig befindet er sich in Greifswald, wo er wegen derselben Hochstapelei eine längere Gefängnisstrafe zu verbüßen hat. DaS Gericht verurteilte ihn zu der niedrigen Strafe von zwei Jahren sieben Monaten Gefängnis. Stolz erklärte der Angeklagte, er nehme die Strafe nicht an, er sei Herr v. Puttkammer und habe nichts gemacht.
Hanskari Wehrenfe'd.
Wuchcrvreil« au der Rioiera. / Paris doppelt Io teuer als im Vorjahr. I ®el<bu>ilene Berguü- aupgslotalr. I »eecifteruua Mr de* Äojeutapa- tier. I Die Mijri«su«N ift ewig jung.
Wenn nicht alles ttügt, ist dem französtfcheu Fiuanzdiktawr Poincars die Stabillsierung des Franken gelungen. Die französische Wirt- schäft atmet erleichtert auf. Das dumptng aus dem Weltmarkt ist zwar zu Ende, aber geordnete Währungsverhältnifle sind schließlich die einzig haltbare Basis von Handel und Wandel. Sttagenb beiseite steht nur die große französische Fremdenindusttte, die trotz der starken Schwankungen des Franken in den letzten Fahren gut verdient hat, und zwar nicht nur in Papier, sondern auch in Gold. Die große Masse wohlhabender Reisenden bleibt nämlich weg.
Frankreich ist das teuerste Land Europas geworden. Paris und die französische Reviera Waren noch nie so leer wie in dreien Monaten, und nur einige Luxushotels in Cannes, Nizza und Paris, die eine Stammkundschaft reiche: Amerikaner und Engländer haben, sind voll besetzt, die Mehrzahl der großen Hotels ist zu zwei Drittel leer. Kein Wunder! An der Riviera kosten Zimmer mit Pension in allerersten Hotels 250 bis 400 Franken, also rund 40 bis 65 Mark täglich, in ersten Hotels 150 bis 200 Franken täglich, das sind 25 bis 30 Mark Dazu kommen die Kosten der sechsunddreißig- stündigen Fahrt in Zügen, die in Frankreich nur erste Klasse führen Nur reiche Leute können sich daher heute einen längeren Aufenthalt an der Reviera leisten. Auch Paris ist enorm teuer geworden; dort sind die Preise mindestens doppelt so hoch meist noch höher als tnt Vorjahre. Vor einem Jahre hatte der statt ch- sische Franken fast den gleichen Wert wie heute. Im Frühjahr glitt er dann enorm nach unten. Seiner Entwertung paßten sich die Preise steigend an. Als aber dann im Sommer die Aufwärtsbewegung begann, blieb ihre Rückbildung aus. So geht die Hotelindustrie, wenn sie nickt durch Rationalisierung und Gründung von Hotsltrusts billiger wird,
einer schrecklichen Krise entgegen.
Paris ist leer und wird teer bleiben. Der englische Mittelstand, der amerikanische Kleinbürger, der im vorigen Sommer die Seinestavt überschwemmte, wird in diesem Jahre fehlen. Auch die deutschen Studenten und die Ver- gnügungsreisenden des rheinischen Mittelstandes, die im Sommer 1926 so zahlreich in Paris waren, daß man im Cafe de Paris und dem Bierrestautaut von Weber in der Ruo Royal nur noch deutsch hörte, kommen nickt wieder. Eine der Folgen des verminderten Fremdenzuflusses ist die Schließung zahlreicher Ver- gnügungslokale auf dem Montmartre. In den nicht geschlossenen ist der Pariser jetzt unter sich, und nur ab und zu noch, wie bte Korinthe im Kuchen, kann man dort einen reichen Ausländer aufpicken. Das künstlerische Ereignis dieser Saison ist die Aufführung des Rosen- kavakters („Le Chevalier ä la Rose") in der Großen Oper. Das Sttauß'sche Stück wird dort einmal di« Woche gegeben, und zwar stets am Freitag, einem der regelmäßigen Galaabende , an dem alle Bestücket des Parketts und der beiden ersten Ranglogen in Gesellschaftstoilette zu erscheinen pflegen. Der Rofen- kavalier ist immer ausverkaust und wird mit restloser Begeisterung ausgenommen. Dieser Beifall kann eigentlich nur der Musik gelten, denn weder die Ausstattung, noch die einzelnen Mitwirkenden stehen auf der Höhe einer Berliner, Dresdener oder Wiener Aufführung.
An der Spitze aller Revuen
— e8 werden jeden Abend ungefähr sechs in Paris gespielt — marschiert die Mistinguett-
Der ©prttffanöal in Oppenheim.
Zu den schon gemeldeten großen Spritschiebungen und Zollhinterziehungen, denen man in Mainz neuerdings auf die Spur gekommen ist, erfährt man noch, daß es sich in erster Linie um die altangesehene Firma Nödling in Oppenheim und deren Klosterbrennerei Miriacon eine der bedeutendsten ihres Faches, handelt, die in ihrem Umsatz nur von wenigen deutschen Firmen übertroffen wird. Die Kriminalpolizei stellte weiter« Nachforschungen an, und es ergab sich, daß die Firma Nödling im Laufe der letzten Zeit etwa achtundzwanztg falsch deklarierte Waggons Sprit aus dem Ausland bezo-
efunben.
♦ Der Mensch kann 125 Fahr« att werde*. Nach Pariser Meldungen hat ei« bekannter russischer Spezialist für $)rüfenübertragung, Dr. Sergius Woronoff, erklärt, er fei durch die Ergebnisse feiner letzten Studien zu der Ansicht gelangt, daß mit Hilfe der Drüsenübertragung die Menschen ein aktives Leben von 125 Jahre« erhalten könnten. Darauf würde eine Periode von Altersschwäche eintreten, der nach drei Monaten der Tod folge.
* Ein Postsack im Fischernetz. Ein französischer Fischdampfer fischte im Kanal in der Nähe von Brest einen amerikanischen Poftsack aus dem Meer. Der Sack war nach Hamburg bestimmt und enthielt eingeschriebene Briefe und Wertbriefe über größere Summen. Ma« nimmt an, daß der Postsack von Dieben anf einem Postdampfer gestohlen worden ist, daß sie aber vor dem Oeffnen deS SackeS gestört wurden und deshalb denselben Über Bord warfen. Der Sack, dessen Inhalt noch vollzählig zu sein scheint, wurde inzwischen nach Hamburg weitergeleitet.
* Auf sechs Mark Tabak 410 Mark Zoll. Ein Einwohner von Wald-Fischbach, der ein Weth« nachtspaket aus Amerika mit 2,6 Kilogramm Tabak im Werte von sechs Mark erhalten hatte, erhielt dieser Tage eine Zollaufforderung von 410 Mark. Auf Anfrage wurde ihm die Rich- tigfeit des Zollsatzes bestätigt.
„Dchrecker ist wieder da."
Erna nickte nur.
„Er beging die unglaubliche Taktlosigkeit, in dieser Stunde um deine Hand anzuhalten."
Erna gab keine Antwort.
Schweigend saßen sie nebeneinander, als draußen die Türklingel erscholl und gleich darauf die Oberschwester höchst erregt eintrat.
„Was bringen Sie für neues Unglück?" „Eben war die Polizei im Sanatorium." „Was ist gefchehen?"
„Herr Doktor Schrecket ist verhaftet worden.-
So furchtbar dieses neue Ereignis war, der Geheimrat und seine Tochter fühlten sich fast erleichtert; aber beide waren unfähig zu sprechen.
Die Oberschwester blieb an der Tür stehen.
„Herr Doktor von Gordon läßt Herrn Geheimrat bitten, ins Sanatorium zu kommen. Die anderen Herren Aerzte sind vollkommen verstört. Herr Doktor von Gordon hält es für notwendig, daß Sie mit ihnen sprechen
„Ich komme."
Geheimrat WiSlizenus ging mit müden Schritten durch den Park und trat in fein Zimmer.
Doktor von Gordon ging ihm entgegen. „Mein lieber, mein schwergeprüfter Freund."
Wie wohl taten die wenigen Worte.
Tann sprach der Chirurg: „3* bitte Sie, richten Sw ein paar Worte an unsere Hingen Kollegen."
Der Geheimrat lächelt bitter. „Was soll ich sagen? — Menzel, dem ich vertraute wie einem Sohn, ist verhaftet. Schrecket ist verhaftet Wer weiß, ob nicht vielleicht Doktor Weyer, Doktor Kraufe oder Doktor Lehnert, warum nickt auch nock Doktor Krüger morgen verhaftet werden, ich kann nicht zu ihnen sprechen."
„Dann will ich es für Sie tun. Mer ich bitte Sie, kommen Sie mit An-ck im größten Unglück darf man nie ungerecht sein."
„Ja, kommen Sie, lieber Freund."
Sie gingen in das Aerztezimmet, wo öle Herten mit verstörten Gesichtern warteten.
mal zu ihr gesagt: „Arme Mutter, wie tust du mir leid!"
Dann hatte er sich abgewendet und sprach nicht mehr.
Landgerichtsrat Wilhelmi hatte noch einen zweiten Tamenbeluck bekommen.
„Ich bin Erna Wislizenus, die Tochter des Geheimrats."
„Sie wünschen, gnädiges Fräulein?"
„Ich bin die Verlobte des Doktor Ewald Menzel und bitte um Erlaubnis, meinen Bräutigam sprechen zu dürfen."
Der Richter überlegte. Er hatte von dem vergeblichen Versuch der Mutter, die weinend an dem Arm ihres anderen SohneS das Haus verlassen hatte, gehört; vielleicht vermochte die Braut, was der Mutter mißlungen. Er ließ sie in die Zelle geleiten. Wieder nahm der Kommissar den Lausckerposten ein.
Ewald sah Erna eintreten und zuckte zusammen.
„Auch du?"
Sie streckte ihm beide Hände entgegen. Bei keinem Anblick fühlte sie, daß alle Kraft sie verließ. Aber in ihm lebte noch der Gram über das. was ihm die Mutter angetan.
„Willst auch du mich fragen, ob ich ein Verbrecher bin?"
Sie schüttelte den Kops und fand ihre Festig feit wieder.
„Nein, Ewald, denn schon die Frage würde ia ein Zweifel sein, und ick zweifelte feinen Augenblick an dir."
Da war es mit Ewalds Fassung vorbei. Er batte zu viel in diesen Tagen geduldet, um lich noch beherrschen zu können. Er fckluchzte laut auf. Erna umschlana ihn mit den Armen vreßte ihn an sich, und schluchzte.
„Du Liebster! Du Armer! Habe Geduld und denke, daß ick nie. Nt« an dir zweifeln werde, daß ich dick liebhabe von ganzem Herten. und daß au* Vater nur verwirrt ist. aber ’m Innersten dick au* noch gern hat."
Erna fuhr wieder zur Villa zurück Sie 'üblte sich ruhiger, als je. Sie hatten einander niek mehr aefagt als Worte vermögen.
Später Abend war eS. Vater und Tochter standen einander gegenüber.
Wislizenus lud mit einer müden Bewegung zum Sitzen ein. Dann begann Herr von Gordon: „Meine lieben, jungen Kollegen. Sie alle sind Zeugen eines großen Mißgeschicks, das übet das Sanatorium hereingebrochen ist, Sie sehe« meinen werten Freund, Ihren verehrungswüt- digen Chef, Herrn Geheimrat Wislizenus, völlig niedergebrochen. Erlauben Sie, daß ich alS Menschenkenner meine Meinung sage: Trotz al- lern bin ich überzeugt, daß die beiden verhafteten Herren unschuldig sind. Meine Herten: Ich glaube, die deutsche Aerzteschast hält ihre Stan- desehre zu hock, als daß ein Arzt eines solchen Verbrechens fähig wäre."
„Da haben Sie recht."
Mit festet, starker Stimme hatte diese Worte ein Fremder gesprochen.
Als die Herren auffchauten, stand Doktor Schlüter, der ungesehen eingetteteit wat, mitte« im Zimmer.
„3a, meine Herren, es ist richtig, und auch ich bin überzeugt, daß ein Arzt eine solche Tat nickt begehen wird, sondern nur eine gemeine, niedrige Verbrechernatur."
Schlüters Ton klang geradezu herausfordernd.
Wislizenus begann zu hoffen.
„Haben Sie eine Spur?"
„Rein, Herr Geheimrat, keine Spur, sonder« der Fall ist vollständig geklärt. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, Herr Doktor Menzel und Herr Doktor Schrecket sind unschuldig."
Wislizenus fragte mit bebender Stimme: Und wer ist der Täter?"
„Em ganz gemeiner Halunke ist der Verbrecher. Ein früherer Chauffeur, der während deS Krieges Sazarettwärterdienste getan hat. in Gemeinschaft mit feiner Geliebten."
Doktor von Gordon stieß einen Schrei aus.
Aber fchon stand Scklüter vor ihm. „Friedrich Rückert, ick ve-hafte Sie wegen des Diebstahls des Radiums im Sanatorium Wislizenus und wegen des Verdachtes, den Chirur- s m Herrn Doktor von Gordon ermordet zn Hadem (Sortierung folgt.)