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Sonntag, 6. März 1927.

rüttung subjektiv schuldig, so muß die bisher schematische Zuteilung der Kinder an den soge­nannten schuldigen Teil von selbst fortsallen. Mer selbst im Falle deS Schuldigseins ist es noch lange nicht gesagt, daß der ungeeignete Ehegatte auch der

ungeeignete Erzieher der Kinder

ist. Es ist nicht angängig, auch in Zukunft dar­an festzuhalten, daß der unschuldig geschiedenen Ehefrau nur die Sorge für die Person des Kindes zuerkannt wird, der Ehemann aber auch nach der Scheidung weiterhin die elter­lich e G e w a l t in Händen Hai, also die allei­nige gesetzliche Vertretung und Vermögensver­waltung für seine Kinder besitzt. Diese Rege­lung ermöglicht e8 dem Manne, alle Bestim­mungen der Frau, z. B. auch über die für ein Kind geeignete Berufswahl (Abschluß eines Lehrvertrages), zu durchkreuzen und seine An­gehörigen unter ständigem wirtschaftlichen und nroralischem Druck zu halten, ja auch eventuell Vermögen der Kinder in fahrlässiger oder bös­williger Weise zu vergeuden.-Es soll also im Scheidungsfall in Zukunft nicht ohne weiteres an der schematischen Teilung zwischen elterlicher Gewalt und Personensorgerecht festgehalten wer­den. Wir sind uns wohl bewußt,'daß es nicht leicht sein wird, all die Sicherungen, besonders auch im Antragsrecht auf Scheidung zu schaf­fen, um soweit es im menschlichen Leben überhaupt möglich ist Sicherheit gegen das Gebühren leichtsinniger, pflichtvergessener oder gar böswilliger Menschen zu schaffen, daß der jetzige Rechtszustand hiergegen irgendeine Ge­währ böte. Im Gegenteil, wir beklagen an ihm, daß er der Leichtfertigkeit und Gewissenlosig­keit keinen Riegel verschiebt und darüber hin­aus auch noch anständige Menschen, die sich ohne subjektives Verschulden auseinandergelebt ha­ben, dazu zwingt, vor dem Gericht eine verloge­ne Tragikomödie zu spielen, um den Anforde­rungen des Gesetzes nach derbeweisbaren sittlichen Schuld" wenigstens eines der Ehegatten zu entsprechen, und daß in dieses widerwärtige Spiel auch noch Anwalt und Richter mit hinein­gezogen werden. Dieser tägliche Rechtsbettug ist für die beteiligten Personen und für das Ansehen des Rechts gleich unwürdig und ab­träglich und in keiner Weise geeignet, das Ge­fühl für die Heiligkeit der Ehe zu vertiefen und den sittlichen Willen zu stärken, diesem Gefühl alle nur irgend noch erträglichen Opfer an per­sönlichem Glück zu bringen, um die Ehe auch in

sprechen wieder mit Newyork.

Begrüßungstelegramme durch das neue Kabel.

Berlin, 5. März.

Gestern abend wurde die neue Kabel-Ver­bindung zwischen Deutschland und Amerika zur öffentlichen Benutzung freigegcben, nachdem am Nachmittag zuerst Begrüßungs-Tele­gramme zwischen dem Reichspräsidenten und dem Präsidenten der Bereinigten Staaten gewechselt worden waren. Rach dem Verlust der Vorkricgskabel durch den Versailler Ver­trag wurde jetzt daS neue Kabel von Bor­kum nach den Azoren durch das Schiss Neptun" im August und September 1926 ver­legt. Das neue Kabel besitzt die zehnfache Leistungsfähigkeit des alten und bewältigt nicht weniger als 1800 Buchstaben in der Minute.

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Hallo! Hier Frankfurt! Hier Newyork!

Berlin, 5. März. Nachdem auf Anregung eines Londoner Beamten zwischen einem Frankfurter Beamten und N e w y o r k ein Probetelephongespräch stattgefunden hat, und in der Nacht vom 8. zum 9. Februar bei Wiederholung des Versuchs unter Verwendung eines gut englisch sprechenden Beamten ein G e- spräch von fünf Minuten Dauer bei sehr guter Verständigung abgewickelt worden ist. hat nun der Reichspostminister bei der eng- lischen Telegraphenverwaltung angesragt, ob

Äeffeler Neueste Nachrichten

TT. Fahrgans.

Trusts und Monopole durch stlufrichiung der proletarischen Diktatur.

pin« Ausdehnung de» Telephonver- kehrs mit Newyork möglich sei.

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3ro modernen Luftsalon.

Berlin, 8. März. DaS neue Junkers-Groß­slugzeug wird drei geräumige Kabinen enthal­ten, von denen die erste zwei Belten auf­weist nach dem Muster der Bettvorrichttmg in Schlafwagen. In der zweiten Kabine sollen vier Klubsessel montiert werden, in der dritten ein Klubsessel und ein Sofa für meh­rere Personen. In den drei Kabinen sollen im ganzen fünf Personen Platz finden. Einen be­sonderen Komfo-rt erhält jeder der drei Räume durch elektrksche Beleuchtung, Lük- tungsmöglichkeit durch Ventilatoren und Warm­luftheizung. Die Sessel sind außerdem in Liegegelegenheil verstellbar. Unterhalb dieser Räume für die Fluggäste befinden sich die Frachlräume selbst für größere Kabi­nenkoffer und schwerere Frachten.

Maffenflüge über den Atlantik.

Ein Dutzend Weltflieger unterwegs.

Lissabon, 5. März.

In Casablanca trafen gestern vier Welt­flieger ein, die ihre Flugexpedition unter Lei­tung des Flieger-DichterS Major Sarmiento Beires ausführen. Der Weiterflug nach Vila Oismcros (nödlichen Senegal) erfolgt heute.

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lieber dem Ozean verschollen.

Madrid, 5. März. Von den uruguayischen Weltfliegern, Major Narre Borges und dessen Bruder, die am Mittwoch von Casablanca zum Transozeanflug nach den Kanarischen In­seln gestartet waren, fehlt jede Spur. Man be­fürchtet, daß die Flieger auf offenem Meer eine Panne erlitten haben und ihren Flug abbrechen mutzten, wenn ihnen nicht gar Schlimme­res zugestotzen sein sollte. Kundschafterschiffe und Panzerkreuzer suchen die Gegend um die Insel Madeira ab.

London-DerUn in knapp 5 Stunden.

Gestern legte der englische Verkehrspilot MacSetosh die Strecke LondonBerlin ohne Unterbrechung in 4V* Stunden zurück. Das Flugzeug O H 50 stattete im Laufe des Nachmit­tags wieder von Tempelhof nach London, aber nur bis Hannover, von wo heute der Wei­terflug nach England erfolgte.

¥ Rund um den Atlantik.

Die französischen Flieger Condouret vnd Terrassier haben den Plan gefaßt, einen 40 000= Kilometer-Flug rings um den Atlantischen Ozean von Paris über Dakar, Rio de Janeiro, Buenos Aires, Panama und Newyork nach Paris zurück in Etappen von 40005000 Kilo­meter zu unterehmen. Ihr Flugzeug wird durchschnittlich vierzig Stunden lana un­unterbrochen fliegen müssen. Die beiden Flieger sind in Sao Paulo (Brasilien) eingetrcffen.

DieNoHllfe" als letztes Mittel.

ferer Ueberprüsnng der Filmveklame. Für die

Technische Rothilse" werde« 2% Millionen Mart gefordert. Abg. Dr. Schreiber (Ztr.) ges durch daS Verantwortungsbewutztsein des geS durch das Verantwoartungsbewußtsein des GesamtvolkeS ersetzt werden. Zurzeit sei sie noch nicht zu entbehren. Abg. Rosen­baum (Komm.) verlangte di« Streichung sämt­licher Mittel für die Technische Nothilfe. Staatssekretär Dr. Zweigeri erklätte, di« Nothilfe werde sich auf das äußerste zurückhalten und ihre Vorbereitungen vor allem aus die Bekämpfung von Elementar- Ereignissen richten. Sie sei in der Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1926 sechsundvierzigmal lediglich zur Bekämpfung von Elementar-Ereigniflen eingesetzt worden. Der Staat könne sie als das letzte Mittel zur Aufrechterhaltung des staatlichen Lebens im Interesse der Gesamtheit seiner Bürger nicht entbehren. Es brauche nur auf die Bedeutung der Jnbetriebhaltung der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke, "ber Eisenbahn und Post hingewiesen zu werden. Es sei anzu­erkennen, daß die Gewerkschaften sich be­mühen, bei Streiks die Verrichtung der Not­standsarbeiten sich er zu st eilen. Häufig aber seien ihre Bemühungen vergeblich ge­wesen. Die angeforderten 2% Millionen seien deshalb nur eine Sicherheitsprämie. Vorläufig sei e8 unmöglich, weiter abzubauen.

Sollten die Erfahrungen eine derattige Mög­lichkeit ergeben, so würde es ohne Verzug ge­schehen. Die Aufhebung de? Streikver­bots in lebenswichtigen Betrieben werde z. ZI. geprüft. Die 2% Millionen für die Teno wur­den bewilligt und statisttsches Material für die Tätigkeit der Teno gefordert.

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Bum Iustizminister ernannt

Berlin, 5. März. Ministerpräsident Braun hat den Senatspräsidenten Dr. Schmidt zum Justizminister ernannt. An den scheidenden Iustizminister am Zehnhoff richtete er cm herz­liches Dankschreiben.

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Ilm das 23rot nicht zu verteuern.

Berlin, 5. März. Das Reichskabinett will den Blättern zufolge in einem Gesetzentwurf die ermäßigten Lebensmittelzölle bis zum 31. Juli verlängern, d. h. bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Zolltarifnovelle vom 17. August 1925 ihre Wirksamkeit verliert.

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Keine Pension für Sagoto

Berlin, 5. März. Der frühere Poiizeipräss. dcnt von Jagow hat ttotz seiner Verurteilung wegen Hochverrats auf Zahlung seiner Pension geklagt. Das Landgericht hat in erster und zweiter Instanz seine Klage abgewiesen.

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Höhere Auswertung unmöglich.

Berlin. 5. März. Das Reichskabinett be­schloß auf Grund neuer Aufwertungsanträge, daß eine umfassende Aenderung der Aufwer­tungsgesetzgebung nicht erfolgen könne, um nicht die Währüngsverhältnisse zu erschüttern.

<£rft nach Ostern, Diktaturprozetz" Sodenstern-Mahraun vertag!.

Berlin, 5. März.

In dem bereits erwähnten Prozeß deS SchttstleiterS Majors a. D. von Soden st ein gegen den Hochmeister des Jungdeutschen Or­dens, Atthur M a h r a u n, soll Sodenstern in einer vettrauten Rede behauptet haben, man müsse einen Kommunistenputsch inszenie­ren, indem die Großindustrie einige zehntau­send Arbeiter auf die Straße werfe» sollte Dann könne man die nationale Diktatur aufrichten, da die Regierung zur Niederwer­fung sich der nationalen Verbände bedienen müßte usw. Da der Beklagte die Ladung von Zeugen beantragte, mußte jedoch der Prozeß bis nach Ostern vertagt werden.

©tubentennot unv...leeres Vottrmonaie.

Bei der Drei-Millionenansorderung für fhi< dcntische Wirtschaftshilfe bat ein Regierungs- Vertreter auch die finanzielle Gesamtlage zu be­rücksichtigen und ließ darüber keinen Zweifel, daß das Reichsfinanzministerium sich energisch Ausgaben widersetzen würde, die schließlich die Balanzierung des Etats erschüttern wür­den. Abg. Külz (Dem.) schilderte die Rot der Studierenden und die segensreiche Wirkung von Studentenhäusern und befürwortete eine mög­lichst ausgedehnte studenttsche Wirtschaftshilfe.

Aus Volliik und Wirlfchast.

Die Parlamente machen es nicht besser. Fit der Berufungs-Beleidigungsklage des Minister« Präsidenten Braun gegen den völkischen Ge­schäftsführer Fahrenhorst wurde die sechs- monattge Gefängnisstrafe auf drei Monate- Gefängnis herabgefetzt und Strafaus­setzung bewilligt mit der Begründung, die all­gemeine Verrohung der Sitten im politi­schen Kampfe, wie sie sich nicht nur in Verhand­lungen, sondern auch in den Parlamen.« ten zeige, bilde einen gewissen Ent sch uldk« gungsgrund für den Angeklagten.

Ministers Abschiedsgrüße. Der preußische Justizminister Dr. Am Zehnhoff hat sich gestern von seinen Beamten verabschiedet. Zum Rach« folgte dürfte Senatspräsident Schmidt-Lichten­berg in diesen Tagen ernannt werden.

Neues aus Kassel.

Aus dem rellgföftn Leben.

Christus und die Gegenwart!" .

lieber Tod und Auferstehung, das wichtigst« Problem im religiösen Leben, das große Ge­heimnis des Christentums, sprach am Mittwoch abend Herr Dr. Johannes Hemleben im gut besuchten Saale der Alten Akademie. Wie be­gegnen wir dem Tod? Die Beantwortung die­ser Frage gipfelt darin, daß wir von der Ge­burt an, wo wir dem Tod am nächsten stehen, während des ganzen Erdenlebens vomSeelen-

Der Staat kann fie noch nicht entbehren.

Berlin, & März.

Im Haushaltsausschuß äußette heim Jn- nenministeretat D. Mumm (Dn.) beim Kapi­telFilmprüfstelle" den Wunsch, daß die Zen­sur über den Film und seine Reklame et­was schärfer gehandhabt werde. In Mün­chen erscheine ihm die Handhabung etwas laxer. Eine Novelle zum Filmgesetz sei erwünscht. Minister v. Keudell erklärte, bisher seien nur in zwei Fällen in Bayern mit Rücksicht auf die dort bestehenden besonders scharfen po­litischen Gegensätze in der Bevölkerung Po- temkin-Verbote ergangen. Angenommen wurde ein Antrag Dr. Schreiber bett, schär -

Wte fie sich zanken.

Ein Bannstrahl gegen Maslow u. Ruth Fischer.

Essen, 5. März.

Aus einem Flugblatt der Maslow-Gruppe, las Tbälmann auf dem Kommunistenparteitag eine Stelle vor, die den Parteitag als den bis­herverlogensten Parteitag- bezeichnet. Unter lebhafter Zustimmung der Versammlung stellte er Maslow und Ruth Fischer als Verräter und Gründer eines neuenRcichslügenverbanbes" hin. Zum Kampfe gegen die Trusts und Mo­nopole will Thälmann Jndusttieverbände mit revolutionärem Klasseninhalt schaffen. Zentra­les Kampfziel solle die Medereroberung des Achtstundentages sein, und die Vernichtung der

tob umgeben sind. Die in uns vorhandenen Le­benskräfte, d. h. Gegenkräfte, bewirken ein stän­diges Werden und Vergehen, sodaß wir bett Tod wirksam im Körper tragen können. Alles Sichvettiefen entfremdet vom Leben, weil das Wesen des Denkens auf der Tatsache beruht, Teilbegriffe aus dem Weltall zu greifen, so geht der Ursprünglichkeitscharakter verloren und große, heilige Begriffe werden zur Phrase, der Tod tritt uns in Gestalt des Lebens entgegen.

Nur auf der Flucht vor dem Denken ist es uns möglich, ohne Todeskampf leben zu körnten. Der dauernde Todesprozeß, in dem wir uns befinden, wird beendet in dem Augenblick, wo die Todeskräfte über die Lebenskräfte den Sieg davontragen, dann trifft uns der Leibestod.

Sonntagsgedanken.

Berufsfreude!

Entweder sie ist vorhanden ober sie fehlt unb an ihrer Stelle herrscht Arbeitsunluft. Tas Kind, das sich auf die Schule und all das Neue freut, das sie ihr täglich wechselnd bietet, der Sohn, die Tochter, der Vater, die mit dem Be­wußtsein zu ihrer Arbeitsstätte eilen, auch an ihrem bescheidenem Teile am großen Witt- fchaftsbettiebe mit zu arbeiten, die Hausfrau, die jeden Tag von Neuem ihre Pflichten aus- itintmt, im beglückenden Bewußtsein, mit ihrer Arbeit das Wohlbefinden, das geistige und körperliche Gedeihen ihrer Familie zu fördern, ja für diese direkt unersetzlich ju sein, sie alle wissen, was echte Berufsfreude ist.

Erfüllt von ihr. fühlen sie sich über sich selbst hiitansgehoben, fühlen sie sich als ein Teil des großen Ganzen, das jeglichen Forffchritt, jeder Erfindung vorangehen muß: der alle Kräfte einenden, segensvollen Arbeit. Durch­drungen von diesem Bewußffein, auch wenn es ihnen nicht klar vor Augen steht, nicht voll er­messen wird, sind ihnen die Tage der Ruhe und Ausspannung nicht Selbstzweck, sondern nur Mittler zu neuer Sammlung, neuer Stärkung der Arbeitskräfte. Genießen sie, unfteiwillig, wie in den Tagen der großen Feste oder in den Ferien, eine Reihe arbeitsloser Tage, bann können sie zuletzt voll heimlicher Ungebulb kaum das Ende derselben erwarten, um voll neuer Berufsfreude ihre Berufspflichten wieder aus­zunehmen. Die Berufsfreudigen sind beglückt, Wenn sie arbeiten dürfen und mißgestimmt, übellaunig, ja manchmal geradezu unaussteh­lich, wenn.sie unfreiwillig zur Arbeitslosigkeit, zum Müßiggang gezwungen sind. Arbeit ist ihnen der Inbegriff wirklichen Lebens. Ohne diese würde es ihnen schal, leer unb öde er­scheinen.

Wie ganz anders die Menschen ohne Berufs­freude, ohne Liebe zu ihrer Arbeit. Dem Kinde erscheint die Schule mit ihren Pflichten als eine Strafe, die es täglich von Neuem dulden muß. Die außer dem Hause tätigen Familicn- gliebcr beginnen ihre täglichen Berufs­

pflichten nur mit dem einen Wunsch-Gedanken, daß sie möglichst gleichmäßig unb reibungslos verlaufe» mögen, dis der voll heimlicher Unge­duld erwartete Feierabend naht. Der Haus­frau erscheinen die täglichen Haushaltungs­pflichten wie ein überragendes Gebirge, von dem sie Stein auf Stein mühsam abzutragen, gezwungen ist. Jede Handreichung, die getan werden muß, soll die Haushaltmaschine nicht ins Stocken geraten, erscheint ihr wie eine Zwangsarbeit, die sie freudlos mit müdem Geist erledigt.

Ist es unter diesen Umständen nicht erklär­lich, daß dort, wo die Berufssteude fehlt, die Lebensfreude, die Daseinslust keine Nahrung findet, sich nicht dauernd behaupten kann und ungezählte Menschen das ganze Leben als eine Kette mehr ober minder großer Prüfungen, mehr oder minder schweren Lasten empfinden, denen sie sich widerstandslos beugen müssen?

Dabei ist es gar nicht so schwer, auch dem unbeliebten, dem unbegehtten Beruf schließlich die besten Seiten abzugewinnen. Es gehött nur etwas Selbstüberwindung dazu, den erste» Schritt auf dem Wege zur Erlangung befriedi­gender und schließlich auch beglückender Berufs­freude zu tun. Es ist dabei sehr förderlich, statt immer nur über sich, auch einmal unter sich zu sehen unb sich an jenen ein Beispiel zu nehmen, die oft viel schwerere Pflichten getreu« lich ausüben, weil sie wissen was davon für andere abhängt. Th.

Ein Abend Hans Schlencks.

Eine Kundgebung für den beliebten Künstler.

Der Freyschmidt'schen Buchhandlung in der Wilhelmsstraße gebührt der besondere Dank für eine Veranstaltung, die sie Kasseler Kunstfreun­den dieser Tage in ihren Geschäftsräume» be­reitet hatte. Herr Hans Schlenck vom Staats­theater gab eine geradezu klassische Vorlesung aus Galsworthy's Werken. Aus diese im höch­sten Grade fesselnde Darbietung ein; »geben, verbietet der Raum Wir können nur auf bal­dige Wiederholung hoffen. Am Schluß stattete der Schriftsteller Theodor Riebeling Herrn Schlenck den Dank der Anwesenden ab und gab

dem allgemeinen schmerzlichen Bedauern Aus­druck, daß Schlenck von unserem Staatslheater scheiden muß, um von höherem Kothurn herab die Größe der dramatischen Kunst zu bertünben. In München werde unserem jungen Helden und Dramaturgen, seiner idealen Kunstbegeiste- rung und seiner dramaturgischen Gestaltungs­kraft der verdiente Lorbeer grünen.

Riebelttrg bat die Versammlung, Herrn Schlenckbie Sympathie der Kasseler Kunst­freunde und ihre aufrichtigen Wünsche zu be­weisen aber nicht mit lautem Hochruf, son­dern mit stillem Schweigen. Schweigende Lip­pen künden das vollere Herz.» Wie wir er­fahren, wird an derselben Stätte am 20. März Fräulein Eva Hofmann eine Märchen-Vorle­sung halten. »g.

(Sin wichtiges Dokument.

Bitte den Brief sofort zu Verbrennen!"

An einem regnerischen Sonntag-Nachmittag sitze ich in meinem Zimmer unb krame in einem Päckchen alter, halbvergilbter Briesschasten her­um. Das Päckchen ist nicht sehr umfangreich, denn ich habe ben Grundsatz, alle Briefe,' die nichts Wichtiges ober sonst Bemerkenswertes enthalten, stets wegzuwerfen, sobald sie erledigt sind. Nur was für mich von irgendeiner Be­deutung ist, hebe ich auf.

Bet der Durchsicht fuße ich auf einen Brief, dessen Datum über dreißig Jahre znruckliegt. Das interessiert mich, und neugierig mache tch mich ans Lesen, um zu sehen, was dieser Brief so Wichtiges und der langen Aufbewahrung Wettes enthalten mag. Aber seltsam: Ter Bries ist der inhaltsloseste unb unbedeutendste von allen, sein Inhalt ist so ntchtig, daß ich im­mer wieder verständnislos den Kops schütteln muß. Von irgendeiner gletchgültigen Person wird irgend etwas Gleichgültiges erzählt es mag mich damals, vor dreißig Jabren. interes- stett haben, aber wichtig konnte mir das. was darin steht, auch damals nicht gewesen fein.

Was mag dem belanglosen Schreiben eine so lange Lebensdauer bei meinen Papieren ver­schafft haben? Immer wieder sinne und über­lege ich, lese zum zweiten und dritten MM"und

komme nicht dahinter. Ich drehe das Blatt um und nun finde ich auf der Rückseite einen kleinen Zusatz:Bitte diesen Brief nach dem Lesen sofort zu verbrennen!-

Das war's. Dieser Zusatz hat den Brief et# halten. Ohne ihn wäre et längst vernichtet Worden. Max Cervas.

«Ich bin eben.. "

Man kann alles entschuldigen.

Ich bin eben nervös"' behauptet bet Mensch, wenn er seinen Lannen die Zügel schie­ßen läßt!

Ich bin eben aufrichtig" behauptet der Mensch, wenn er ohne Not seinem lieben Näch­sten eine unangenehme Wahrheft ms Gesicht sagt!

Ich bin eben anders eingestellt" behaup­tet der Mensch, wenn er einer unbeguenten Ver­pflichtung entgehen will!

Ich bin eben unverstanden" behauptet bie junge Frau, wenn sic sich einmal lanaweilt!

Ich bin eben für Sauberkeit" behauptet die Hausfrau und putzt solange, bis sie den teuren Gatten zum Hause hinausgeputzt hat!

Ich bin eben bie Stütze" behauptet daS neue Fräulein unb setzt sich mit bem Roman ins Wohnzimmer!

Ich bin eben bas Haupt der Familie" behauptet der Hausherr.Unb ich der Hals!" lächelt die Gattin,bitte, dreh' mal dcn Kopf ohne mich!" J. Adams.

Aus Kunst und Wissen.

** Beethovenfeier in Griechenland. Auf Anregung des Athener Konzertvereins findet hier vom 20. bis 27. März eine Beethoven- Woche unter dem Protektorat des Ministers für Volksbildung statt, zu der ihre Teilnahme auch der deutsche Gesandte u. der östetteichische Ge­neralkonsul zugesagt haben Bei der Hauptauf- siihrung wird die 8. Sinfonie und die 106 Sou nate na cbdem Orchestersatz von Weinaattner MN Vortrag gelangen. Unter Mitwirkung deS Pianisten Rubinstein werden weitere Konzert« von griechischen Künstlern gegeben werden.

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