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Dienstag. I. MLrz 1927.

Nr. 50. 17. Jahrgang.

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Wie zwei Goldfälscher entdeckt wurden.

Vor dem Geschworenen-Gericht in Manche­ster fand soeben die Verhandlung gegen zwei Brüder statt, die jahrelang, ohne entdeckt zu werden, in London und in nicht weniger als 54 Provinzstädten falsche von ihnen hergestellte Banknoten in Umlauf brachten und Geschäfts­leute um viele Tausende von Pfund schädigten. Die falschen Noten waren so gut angefertigt, daß sie selbst die Bank von England anstands­los annahm und bei der Verhandlung die Sach­verständigen sie ebensowenig wie die Richter von erbten Noten unterscheiden konnten. Was der englischen Polizei mit all ihren Hilfsmitteln und ihrem ganzen Scharfsinn nicht gelang die Entdeckung der Fälscher vollbrachte eine einfache Verkäuferin in einem kleinen Laden­geschäft in Oldham bei Manchester.

Es gehörte zur Praxis der Fälscher, in den Läden kleine Käufe zu machen, die sie mit gefälschten Pfundnotcn bezahlten, um das Wechselgeld in die Tasche stecken zu können. Die kleine Verkäuferin hatte eines Tages soeben einen der Fälscher mit Tabak bedient und ihm aus die falsche Note 19 Schilling herausgegeben,

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als sie bemerkte, daß der Mann in einen gegen­überliegenden Laven eintrat, bald darauf wie­der herauskam und dabei aus der Straße sein Wechselgeld nachzählte. Dies kam ihr verdäch­tig vor, und sie machte einen in der Nähe ftatio- menen Polizisten aus ihn aufmerksam.

Dieser beobachtete ihn unauffällig und kann« te feststellen, daß er gleich darauf einen dritten Laden mit derselben Absicht betrat. Er nahm nun den Fälscher in Haft, und auf der Polizei­station fand man bei ihm eine Menge kleiner Artikel vor, die er gekauft hatte sowie eine be­trächtliche Summe echten Wechselgeldes und 21 laufend nummerierte falsche Noten. Der eine der Brüder wurde zu sieben und der ander zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Efis.

Wußten Sie das schon?

Wissenswertes aus aller Welt.

Im Königreich Siam veranstaltet man in langen Aquarien Wettrennen zwischen verschie­denen Fischarten. In Bangkok verwettete ein­mal der König Chulälong Koru bei solchem Fischrennen eine seiner Frauen.

Wer in Dänemark einen Wald abholzt, muß ein gleichgroßes Stück Land mit jungen Bäu­men bepflanzen lassen.

Eine Taschenuhr, die in zwei Sekunden fünf Schläge ausführt, macht in einer Minute 150 Schläge, in einer Stunde 9000, in einem Tage 216000. Um 1 Million Schläge auszusühren, sind vier Tage 15 Stunden nötig. Nach zwölf Jahren und 10 Monaten würden 1 Milliarde Schläge gemacht sein. Um aber 1 Billion Schlä­ge auszuführen .wären etwa 12600 Jahre nö­tig. Seit Christi Geburt hätte die Uhr erst 150 Milliarden ausgeführt, so daß die Uhr, um die Billion auszufühlen, noch etwa 10 750 Jahre laufen müßte.

Im Jahre 1924 kamen in Preußen 861 Fälle von Mord und Totschlag vor. Getötet wurden 585 männliche und 276 weibliche Personen.

Der Loreleyselsen am Rhein hat ein 17facheS Echo. Der Königsplatz in Kastel wirft das Echo 8mal zurück.

Der größte Bahnhof in Europa ist der neue Hauptbahnhof in Hamm. Er ist 570 Meter breit und 9,3 Kilometer lang. Auf seinem Gebiet lie­gen 300 Kilometer Gleise. Der Bahnhof wird täglich von 298 Zügen durchfahren.

Schlafkrankheit?

F Ein rälselhfrer Krankheitsfall.

Vor einraen Tagen ist in Bitterfeld der Rechtsanwalt und Notar Dr Mende unter Um» stänoen gestorben, die aus eine Schlafkrankheit schließen lasten. Rach einem ärztlichen Gut­achten des Direkwrs der medizinifchen Univer- sttätspoliklinik Professor Dr. Grund in Halle wurde als Enlstehungsursache ein besonderer Erreger angenommen, dessen nähere Natur noch nicht sestgestellt ist.

Es handelt sich nach anderen Meldungen of­fenbar um Encephalitis lethargica mit den schweren Folgeerscheinrngen ves Parkinsonis- mus. Die Krankheit ist bei unserer Bevölke­rung seit 1922 nur zu genau bekannt als Kops­grippe. Es ist tatsächlich eine Grippe, bei der es zu chronischen Folgeerscheinungen' kommt, die außerordentlich schwerwiegende Nervenstö­rungen im Gefolge haben. Seit 1922 bis heute haben sich Heilstätten und Stechenhäuser ange- fullt mit den unglücklichen Opfern dieser furcht­baren Krankheit. Namentlich die jugendlichen Opfer der Seuche bieten auch für den abgebrü- tcsten Mediziner einen furchtbaren Anblick. Die Kranken machen den Eindruck von Verblödung Sie haben sehr häufig einen maskenartigen Ge- sichisansdruck und die weitgehende Steifigkeit die nach Gutachten von Professor Dr. G und auch bei dem vorliegenden Fall in Erscheinung getreten ist. Ihr Intellekt ist aber durchaus nicht immer gestört. Sie haben nur eine stark verminderte Fähigkeit, die Befehle an ihre Muskeln zur Ausführung von Bewegungen vom Gehirn aus weiterzuleiten. Ihre Bewe­gungen haben deshalb etwas unendlich Langsa­mes, Steifes, an vorgeschrittene Verblödung Erinnerndes.

Richt nur Deutschland sondern auch England leidet befand, stark gerade unter dieser bedau­erlichen Form der Grippe Es ist noch nicht ge­lungen, den Krankheitserreger auf Kaninchen zu übertragen. Der erste Schritt zur planmäßi­gen und sicheren Bekämpfung ist also noch nicht ausgeführt worden. Das Preußische Wohl- fahrtsministerinm hat zur Bekämpfung dieser Krankheit besondere Energie ausgewandt. Im akuten Zustande ist sie heilbar: wenn sie dage­gen chronisch wird, ist sie bis heute leider un­heilbar. Die Opfer der chronischen Erkrankung an dieser Form der Grippe siechen im Augen­blick in Deutschland noch zu vielen Hunderten, ja Tausenden dahin.

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den Stühlen, während die übrigen, von Krämp­fen geschüttelt, dem Ausgang zustrebten. Direk­tor Striese imRaub der Sabinerinnen" ist Hoftheater gegen diese Schmiere in Reinkultur jedoch der orkanartige Beifall nach Schluß der Vorstellung bewies, wie dankbar die Berliner für derart ungewollte Komik sind.

Will man die Adresse eines Einwohners haben, wendet man sich an das Einwohner- Meldeamt. Jede Auskunft kostet 50 Pfennig. Das ist bekannt, nicht aber, daß diese Behörde Briefmarken nur bis zur Höhe von 20 Pfennig entgegenmmmt. Wer also die halbe Mark in Marken beilegt, erhält die Anfrage ohne Aus­kunft zurück mit der Aufforderung, entweder ein 50-Pfennig-Stück oder 20 Pfennig in Mar­ken und den Rest in barem Gelde beizufügen! (Verrechnungsscheck und Wechsel auf Sicht wer­den nicht angenommen.) Eine ohne Frage sehr praktische Einrichtung, den Verkehr zwischen Behörden und Publikum zu erleichtern.

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