Nr. 50.
Siebzehnter Jahrgang.
Kasseler Neueste Nachrichten
3. Beklage.
Dienetag, 1. März 1927.
Oberbürgermeister Dr. Seehen.
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Oberbürgermeister Dr. Seetzen, Wurzen, wurde soeben zum Präsidenten des evangelisch- lutherischen LandeAonststoriums Sachsen in Dresden gewählt. Seit 1901 ist er Mitglied der Sächsischen Landessynode, deren Präsident er 1917 wurde. Er ist außerdem Angehöriger des Donttapitels in Wurzen.
Das Rätsel von Lauerwltz.
Völlige Aufklärung durch ein Geständnis.
Die im Glogauer Gerichtsgefängnis befindliche Besttzersfrau Baumgart, die seinerzeit wegen des Kapitalverbrechens in Klein-Lauer- witz, Kreis Guhrau, in Haft genommen wurde, machte dem Untersuchungsrichter folgendes Geständnis:
Der in Westfalen lebende Ehemann hatte seinen Angehörigen mitgeteilt, daß er von ihnen für die Folge für jeden Morgen Pachtland drei Zentner Roggen verlange. Der uneheliche Sohn Willi Gerntle geriet durch diese Forderung in Verzweiflung, da er annahm, daß er ihr nicht Nachkommen könne. Er drang in der Nacht zum 12. Dezember in das Schlafzimmer seiner Mutter, machte dieser Vorhaltungen und versuchte sie zu erwürgen; er brachte ihr aber nur einige Schnittwunden am Halse bei. Darauf verließ er die Schlafstube, begab sich in die Küche und ermordete dort die Großmutter. Nach dieser Tat begab er sich auf den Boden, brachte sich dort Schnittwunden am Halse bei. Dabei stürzte er durch den Boden in die Vorratskammer, wo er von seiner Mutier tot aufgefunden wurde. Die Mutter schnitt daraus den Kopf des toten Sohnes vollends üb, wickelte ihn in eine Schürze und wars ihn in einen benachbarten Teich. Daraus zündete die Frau die Besitzung an und begab sich zu dem Gemeindevorsteher, um ihm Kenntnis davon zu geben, daß es in ihrer Besitzung brenne.
Die Besitzung wurde vollständig eingeäschert und bei den Ausräumungsarbeiten fand man die vollständig verkohlten Leichen der Großmutter und des Sohnes. Trotz aller Bemühungen konnte der Kopf des Sohnes aber nicht aufgefunden werden. Der der Tat verdächtige Ehemann konnte sein Midi in Westfalen nachweisen, weshalb die Ehefrau festgenommen wurde. Das Verbrechen hat durch dies Geständnis seine Aufklärung gefunden, und die Frau wird sich jetzt nicht mehr wegen Mordes, sondern lediglich wegen Brandstiftung zu verantworten haben. Das Doppelverbrechen hat seinerzeit weit über Schlesien hinaus großes Aufsehen erregt, da in der gleichen Nacht auch die Besitzung der Eltern der Ehefrau in einem Rachbardorf m Flammen aufging.
Biegsames Glas.
Fensterscheiben, die nicht splittern können.
Die häufigen, ost recht gefährlichen Verletzungen durch splitterndes Glas, wie sie bei Wagenzusammenstößen besonders in Großstädten bisweilen sogar den Tod im Gefolge haben, sind schon lange Anlaß dazu gewesen, ein Glas zu finden, das solch unheilvolle Möglichkeiten ausschließt. Die Erfindung eines künstlich biegsamen Glases seitens der beiden Wiener Che- miker Pollack und Ripper, das im vorigen Zähre berechtigtes Aufsehen erregte, hat sich wohl in der Herstellung als zu teuer erwiesen, um allgemeine Verwendung zu finden. Andere Versuche, durch Drahteinlagen nicht splitternde Glasscheiben herzustellen, haben wiederum den Nachteil, daß sie keine klare Durchsicht ermög- lichen und insofern für Fenster nicht geeignet find.
In recht einfacher Weise wird nun das Pro- blem so gelöst, daß zwei dünne Glasplatten vermittels einer dünnen Zelluloidschicht unter Hohem Druck zusammengekittet werden. Das Zelluloid ist durch die überdeckenden Glasplatten auf allen Seiten geschützt, und die neue, eigentlich aus drei Schichten bestehende Glas- scheibe unterscheidet sich kaum von den bisher gewöhnten. Die Durchsichtigkeit und die Behandlung der Glasscheibe im Gebrauch weicht in nichts von den bisherigen Eigenschaften des gewöhnlichen Glases ab. Der außerordentliche Vorteil, den eine in dieser Weise zusammengesetzte Glasscheibe bietet, ist der, daß bei der Einwirkung stumpfer Gewalt das Glas nicht in Splittern umhergeschleudert wird, sondern daß die verklebende Zelluloidschicht die GlasMitter festhält und sich bei Einwirkung
Aus dem romantischen Himalaja.
Eine Reise nach Phalnt/Weibliche Kulis/Müh- seligketten aus dem Wege / Mount Everest.
Im Hetzen der Himalaja-Berge, dem Mount Everest gegenüber, liegt der Lingalcla- Berg, wo Sikhim, Reval und Brttisch-Jndien zusammenstoßen. Von der Spitze des Lingalela hat man prächtige Aussichten, nicht allein auf die ganze Mount Everest-Kette, sondern auch aus den Mount Everest selbst, den man dort vom Fuß bis zur Spitze klar, und durch keine dazwischenliegenden Gipfel verdeckt, beobachten kann. Um diese Aussicht zu genießen, muß man einen viertägigen Manch von 50 Meilen von Darjeeling über eine ständig steigende Bergkette machen, bis die Höhe des Lingalela- Paffes erreicht ist Auf dem Paffe wehen heftige Winde, die direkt von den Gefilden des ewigen Schnees kommen. Unterhalb der Paß- e, in einer vor Wind geschützten Talmulde,
Phalut Bungalow, wo der Reisende Unterkunft für die Nacht findet.
Gewisse Vorbereitungen sind nötig, bevor man seine Reise nach Phalut antreten kann. Vor allem muß man die Erlaubnis haben, die Regierungsbungalows sowie die Straßen benutzen zu dürfen. Da es unterwegs absolut keine ananderen Unterkunftsmöglichkeiten grbt, wird für jedes Bungalow (zu deutsch: Rasthaus) eine sorgfältige Liste geführt, so daß keine Uebersül- lung entsteht, da ein Bungalow nur eine beschränkte Anzahl von Gästen aufnehmen kann. Hat man die Reiscerlaubnis erhalten und sind die Daten für die Bungalows festgesetzt, kommt die Verpflichtung von Dienern und Kulis an die Reihe, und zuletzt, aber nicht minder wichtig, die Zusammenstellung eines Lebensmittellagers, um für jeden Reisetag versorgt zu sein.
Zuerst wählten wir sieben starke Nepal- gmten zu Kulis aus Wir gaben jeder einen orschuß von i Rupie und die Hauptkuli setzte ihren Fingerabdruck auf die Abmachung für olle, daß sie für zwölf Annas täglich pro Kuli mit uns gehen wollten. Dann kam die Wahl eines Dieners, der jeden Abend die Baderäume zu besorgen und heißes Wasser für alle zu bereiten hatte. Er war schnell gesunden. Danach wurde ein Rickshawdiener zu 1 Rupie und 8 Annas engagiert, der den Stuhl mit unserem fünftährigen Töchterchen Marlen zu tragen hatte.
Wir waren eine beträchtliche Anzahl, als wir zum Marsch bereit waren. 15 Diener gingen mit uns, davon acht Kulis. Die stärkste Kuli trug den Frühstückskorb und den Kocher, in dem. während sie ihn auf dem Marsche trug, heiße Gerichte kochten. Auf diese Weise hatten wir anstatt eines kalten Frühstücks täglich ein warmes Mittagessen. Die vier iibereinanderge- stellten Aluminiumschüffeln paßten in einen Zylinder, der heißes Wasser enthielt. Darunter wurde ein Kohlenßeuer unterhalten. Das Ganze wurde in einen Metallbehälter getan, der einen Handgriff hatte, so daß er leicht getragen werden konnte. Um 10 Uhr morgens brachen wir aus. Nach vier englischen Meilen sahen wir den bekannten Ghoom-Felsen. Um 3 Uhr erreichten wir das erste Dorf Lukiopokri. Von der Hauptstraße führte oberhalb des Dorfes ein Pfad 1% Meilen weit nach dem Bungalow. Der Pfad war mit Moos und Blättern bedeckt und lief unter grünen Bäumen entlang, links und rechts sah man wunderschöne Farne
und tropische Pflanzen. Der Jorspokri Bungalow liegt auf einer Kuppe, von der man einen prächtigen Blick aus die Ebenen und auf die Himalla-Schneegesilde genießt, die die Berggipfel hoch oben krönen.
Am nächsten Morgen, nachdem wir Hühnchen gebraten und in den Kocher getan hatten, ging der Weg durch ein wahres Feenland von Farnen. Palmen, Moosbänken, blühendem Wein und dichtem grünen Laubwerk. Als wir die tauptstraße erreichten, setzten die Kulis ihre ast ab, um sich von den Blutegeln zu befreien, die sich beim Gehen durch das nasse Gras festgesetzt hatten. Von Samana Busti, unferm nächsten Halt, stiegen wir steil bergan nach Manibanjan. Ms wir das Dcrs erreichten, rasteten wir auf einer regalähnlichen Bank, die am Wege zur Bequemlichkeit der Kulis errichtet ist, die sich ausruhen wollen, ohne ihre Lasten abzusetzen. Um 3!4 Uhr erreichten wir Tonglu Bungalow. Von der Veranda genossen wir herrliche Ausblicke aus den Kanchinjuuga und die Schneegebirgskette.
Am nächsten Tage stand ich um 5 Uhr in der kalten grauen Morgendämmerung auf und war auf der Spitze eines naheliegenden Berges, ehe die ersten schwachen Sonnenstrahlen über dem Gebirge leuchteten. Es ist unmöglich, die zauberhaften Sonnenauf- und Untergänge über dieser erhabenen Kette von Bergen, Tälern und Ebenen zu beschreiben. Da nun der Weg zu steil bergab ging, um zu reiten, gingen wir den größten Teil des Weges bergab zu Fuß. Der darauffolgende Aufftieg war lang und hart. Wir gingen auf einen Berggrat mit steigen Abgründen zu beiden Seiten, der manchmal nur so breit war, daß die Pferde gerade darauf gehen konnten. Es wuchsen keine Bäume mehr dort, doch die steilen Berghänge waren mit Gras und niedrigem Buschwett bedeckt, dessen rote Blätter und Scharlachbeeren Herbstsarben in die Landschaft trugen. Die prächtigste Gebirassze- nerie lag vor uns ausgebreilet. Zur Rechten Täler und Berge der Kinchenjunga Schneekette mit Hunderten von Berggipfeln, die in der Sonne glänzten und glitzerten. Zur anderen Seite der Mount Everest, in Majestät sich über die ihn umgebenden Gipfel erhebend. Es ist unmöglich, die Schönheit und Großartigkeit der Szenerie in Worten zu malen . . .
Den nächsten Morgen brachen wir früh auf; denn wir batten einen doppelten Marsch vor uns, um Darjeeling zu erreichen. Wir hielten unsere Zeit viel besser inne, als wir erwartet hatten und fanden uns zu unserer Ueber- raschung schon um 11 Uhr im Jokipori Bungalow. Als die Kulis anlangten, fragten wir sie, ob sie den weiten Marsch noch am selben Tage machen wollten, wenn sie den Lohn von zwei Tagen für die zwei Märsche an einem Tage erhielten, und sie waren alle entzückt bei dem Gedanken, eher zn Hause zu sein, als sie erwartet hatten. Wir kamen ausgezeichnet vorwärts; den letzten Bergabhang ging es in doppelter Schnelligkeit herab, so daß wir bereits nachmittags zu Hause ankamen. So endete eine Reise, die von Anfang bis zu Ende ein seltenes Vergnügen war und an einer Schönheit der Szenerie kaum übertroffen werden kann.
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Rast in Manibanjan.
Die Bewohner dieser Gegend sind meistens Ghnttas. Man erinnert sich ihrer aus dem Weltkriege, wo sie in der Schlacht bei Cam brai 1916 die Gewehre wegwarsen und mit ihren langen Messern zum Angriff vorgingen.
Harry Liedtke als Sänger.
Der jetzt 39lährtge Harry Liedtke ist bekannt als einer der gesuchtesten Darsteller des deutschen Films. Er kam zum Film, nachdem er bereits eine erfolgreiche Bühnentätigkeit hin- ter sich hatte. Seinen größten Film-Erfolg erzielte er als Peter Voß in allen Teilen des .Mann ohne Namen". Nun wird er Sänger.
von Druck und Stoß nur nach der estlgegen- gesetzten Sette einbiegt. .
Für die Langfingerkategorie bringt aller cings dies neue Glas einen Nachteil. Schaufenster und Auslagekästen in Geschäften, speziell von Juwelieren, Museen etc. lassen sich nicht mehr einfach mit dem Glaserdiamanten aufschnetden. Tie zwischen den beiden Glasschichten befindliche Zelluloidschicht setzt dem Diamanten einen schwer überwindbaren Widerstand entgegen. Wohl durchschneidet der Diamant die äußere Glasschicht, nicht aber die innere, da er am Vordringen durch die Zelluloidschicht gehindert ist. Das einfache Anritzen des Glases und Eindrücken der Scheibe hat also damit ein Ende, und die Langfinger müssen sich schon eine neue Methode ausarbeiten, um ihrem Berufe nachzugehen, oder nmsatteln.
Buntes Allerlei.
Warum Ne Masken trugen...
Im 16. Jahrhundert, zur Zeit Heinrichs H. von Frankreich, kam die Mode auf, daß man, um bei Kälte oder ungünstiger Witterung sein Gesicht zu schützen, zum Ausgehen Masken trug, die, aus Stoff gefertigt, Augen und Nase deckten, den Mund aber frei ließen. Gewöhnlich wurden diese Masken nur von Damen getragen und zwar besonders gern von solchen die durch die Maske auch ein wenig hübsches Gesicht zu verdecken suchten. Eines schickt sich nicht für alle und deshalb wurde es bald Brauch, daß hübsche Damen, so bald sie eiy, Herr auf der Straße grüßte, sogleich die Maske abnahmen, um ihr Gesicht zn zeigen. — Ein ganz anderer Grund hat das Maskentragen zur Zeit der Königin Elisabeth von England veranlaßt. Damals trugen die Damen bte Masken nämlich nur im Theater .aber ebenso wie die Französinnen wußten, warum sie die Masken ttugen, so wußten es auch die englischen Damen. Tenn sie gingen mit Vorliebe in die Stücke, in denen die meisten Gemeinheiten vorkamen, und solcher Stücke gab es damals mehr als genug. Die vornehnten Damen — darunter auch die Königin und ihr weiblicher Hofstaat — hörten die unanständigen Dinge zwar sehr gern, wollten aber dabei nicht gejeyen ooer erkannt werden.
Glvutzpanzer für den Etterkampf.
Das Ergebnis des Wettbewerbes um den besten Schutzpanzer für die beim Stiettampf verwendeten Pferde ist jetzt bekannt geworden. Der in Madrid tagende Ausschuß hat 6 der eingereichten Modelle zur näheren Prüfung empfohlen, und diese sollen nun noch eingehender ausprobiert werden, indem einige Picadorcn mit dieser Ausrüstung den Stieren entgegentre- ten. Sachverständige glauben, daß alle eingereichten Panzer zu fchvach sind, um den Angriff eines mächttgen andalusischen Stiers auszuhalten, aber die Vertreter des spanischen Tierschutzvereins, die bei dem ganzen Wettbewerb die treibende Kraft waren, bestehen darauf, daß die empfohlenen Modelle genau geprüft werden und erhoffen sich davon viel für die unglücklichen Pferde.
Woher flammt der Karneval?
Die Bezeichnung Karneval ist in Deutschland erst in der nachmittelalterlichen Zeit entstanden, denn erst im 17. Jahrhundert kam das Wort da und dort einmal auf. Gewöhnlich wird die Erklärung gegeben, das Wort Karneval flamme ab von Carnevale, das heißt,Fleisch leb wohl, nämlich das Fleischesten zur Fastenzeit. Es gibt aber noch eine andere Erklärung, die eine noch größere Wahrscheinlichkeit für sich hat. In den italienischen Städten, wo die Karnevalvergnügungen auftamen, wurden bei diesen Vergnügungen große Umzüge abgehalten, wobei stets ein Schiff auf Rädern oder ein Schiffs- waen mitgesührt Wurde. Aus diesen Schiffs- wagen oder Cerrus navalis waren immer allerlei Schalksnarren untergebracht, die vor dem zuschauenden Volke auf den Straßen Narrens- poffen trieben, und so mag der Name Carrus navalis zur richtigsten Charakterisierung dieser Volksvergüngen häufig angewandt worden fein, Schließlich aber wurde daraus kurz Karneval.
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Das Matt für den Stadtbewohner: Kasseler Neueste Nachrichten!