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VtatSfag, t MSrz 1927.

Kasseler Neueste Nachricht«

17. Jahrgang. Nr. 50.

vergnügt weiter.

Ruth Goetz.

fand allgemeinen Beifall,

»ee«

Tiaarsrates

und des

Rokoko machte stch noch einmal geltend in König Jsromes Karneval...!

Die gesckühte Handiascke.

MS neueste Mode kommt aus Paris eine Handtasche, die so gearbeitet ist, daß dieHcmd- taschenmarder" ste nicht absckneideit können.

Minister als Hirr sührie sie. Tie wollten da­durch die Unwichtiqkeit ihrer Stellung versinn­bildlichen. Ein Major von Hammerstera ver­kleidete stch als Teufel in schwarzem Trikot mit

Deutsche Frauenkleidung.

EineModenschau" im Frauenklub.

Der VerbandDeutsche Frauenkleidung und Frauenkultur", deflen Bestrebungen, durch eine zweckmäßige, gesundheitliche Kleidung der deut­schen Frau ihre Eigenart und durch sie einen gesunden Nachwuchs für unser Volk zu schaffen, immer weitere Kreise deutscher Frauen erfaßt, hatte aus derGesolei" in Düsseldorf eine große Anzahl Modellkleider und Unterwäsche ausge- stellt. Die allgemeine Beachtung, die diese Aus­stellung dort fand, veranlaßte den Verband, ei- nen Teil der Modelle und einen Ausschnitt aus der großen Düsseldorfer Ausstellung den Orts­gruppen für lokale Werbung zur Verfügung zu stellen. Auch die hiesige Ortsgruppe machte diese Wanderausstellung" ihren Mitgliedern und Freunden einer deutschen Frauenkletdung zu­gänglich. Am Sonnabend nachmittag füllten sich die Räume des Frauenklubs in der Opernstraße mit einer zahlreichen Anhängerschaft, um der Vorführung der Modellkleider beizuwohnen. Annähernd siebenzig verschiedene Kleider, vom einfachen Hauskleid bis zur eleganten Balltoi- lette und dem Brautkleid, zogen in rascher Folge an den Augen der Beschauer vorüber. Besonder Aufmerksamkeit erregten ein tief­blaues, indanthren gefärbtes Leinenkleid mit Baststickerei, ein vielseitiges, kombiniertes Woll­kleid mit Bluse, Rock, Breeches und Jacke, ein weißseidenes, duftiges Kleidchen, über und über eine Handstickerei, schwarzer Tast mit reicher Filetgarnierung und noch viel andere. Eine Fülle von teilweise hervorragenden Schöpfun­gen deutscher Kleiderkünstler und Künstlerin­nen waren der schlagendste Beweis dafür, daß die deutsche Frau auf alles Ausländische verzichten kann. Alles, ihrer Eigenart und ihrer Ge­sundheit dienliche an Kleidung und Schuhwerk ist in reichster Auswahl vorhanden. Eine kleine Ausstellung gesundheitfördernder Wäsche und Kleidung, sowie die Vorführung der Modelle

Ulrich Rauscker.

Die Verhandlungen zwischen Deutschland und Polen sind von der deutschen Seite be­kanntlich unterbrochen worden, weil Polen in der Ausweifungsfrage zu keinen Zugeständnis­sen bereit ist. Ueber diesen ganzen Fragenkom­plex soll der deutsche Gesandte in Warschau, Ulrich Rauscher, dem Auswärtigen Ami Bericht erstatten. Herr Rauscher ist zu diesem Zweck in Berlin eingetroffen.

Schaum, welcher auch dem König tn das Ge­sicht spritzt." Die Mitglieder des ' erschienen einmal als eine Herde Hühner; der

Kleine Rundschau.

Irviche als Hauskapelle.

Der eintönige Orgelchor der Frösche kann an heißen Sommerabenden vielleicht ganz stim- mungsvoll sein, aber niemand wird ihm so ho- he musikalische Reize beimessen, daß er grade Frösche zu einer Hauskapelle auserseben würde. Dennoch gibt es eine Dame, die diesen seltsa­men Geschmack besitzt. Es ist Lady Byng, die Gattin des früheren Generalgouverneurs von Kanada. Das besonders melodische und tiefe Gequäke der kanadischen Sumpf-Baumfrösche hat es ihr so angetan, daß sie sich jetzt eine An­zahl dieser Tiere aus Kanada schicken läßt, da­mit sie in ihrem prächtigen Heim zn Thorpe Hall in Essex die Hausmusik übernehmen Der große Garten ihres Heims ist ganz im kanadi­schen Stil angelegt und mit kanadischen Pflan­zen ausgestattet. In dem See, der den Namen kanadische Bay" führt und von kanadischem wilden Geflügel bevölkert wird, sollen auch die Fröscht ihr Heim erhalten. Sie machen die Rei­fe Mei den Atlantischen Ozean in Zinnkästcn. in denen sie in nasses Moos gebettet sind, und man hofft, daß sie sich ihre Stimmgewalt, nach der sich die Herrin des Besitzes so sehnt, in vollem Umfang bewahren werden.

Sin Schuppen vanzer aus 47520 Gliedern

Ein junger Mann in Nottingham in Eng­land hat einen Schuppenpanzer anqeferttgt nach der Arr derer, die in den Kreuzzügen getragen wurden, und der von Kennern als ein Muster von Geschicklichkeit und geduldiger Forschung bezeichnet wird Der junge Mann verwandte zwei Jahre auf die Zusaminensetzung der Rü­stung uno noch viel mehr Zeit auf die vorberei­tenden Nachforschungen nach erakren Etnzclhei- ten und auf die Anfertigung der Bestandteile, Von der Riesenarbeit kann man sich einen Be­griff machen, wenn man hört, daß die Anzahl der Schuppen der Rüstung 4752J ist. Jedes einzelne Glied erforderte 4 Manipulationen, al­so 190,080 im ganzen. Die Rüstung besteht aus 4, Stücken: Der Haube, die Kopf, Hals und Schulter bedeckt, dem Teil, der Rumps und Ar­me schützt, und in fingerlosen Handschuhen en­det, der Beinbedeckung, und den Kniekappen. Außerdetn hat der Künstler für sein aus der Kreuzrttterzeit stammendes Schlvert eine Schei­de hergestellt sowie einen Gürtel und einen Schild. Die ganze Arbeit ist histonsch getreu nach Vorbildern, die er in Kirchen, auf Gcab- mälern aus den Jahren 12771325, also der Periode der Kreuzzüge, gefunden hat.

auch seine Vorzüge... aber schon einmal weil ein Kleid immer eine größere Ausgabe bedeu­tet, mußte man auf eine Anschaffung verzichten, wenn es zur Bluse noch immer gereicht hatte Nun ist die Bluse wiedergekommen, freilich in einer Gestalt, die der heutigen Zeit mehr an­gepaßt ist, in der Form des Jumpers. Zu allen Jackenkleidern wird der Jumper getragen Man ist in Bezug auf die Zusammengehörig­keit der Farben von Rock und Bluse, richtiger gesagt von Rock und Jumper, gar nicht mehr empfindlich. Nur müssen die zusammengestell­ten Farben harmonisch fein. Die Jumper werden immer in zarten pastellartigen Tönen genommen, bei denen grün und lia im Vorder­gründe stehen. Auch Weiße Jumper sind sehr beliebt, ebenso wie seinerzeit die weiße Bluse eine nicht zu unterschätzende Rolle gespielt hat­te. Charakteristisch für den Jumper von heute ist der Gürtel, der überhaupt in der kommen­den Saison zu neuer Blüte ersteht. An die Stelle des bisherigen Gürtels tritt jetzt der gurtartige Teil des Jumpers, der immer eine gewisse Länge bedingt. Demzufolge ist auch der neue Jumper länger, als es der vorherige gewesen.

Kragen und Kravatte gehören gleichfalls zu dem neuen Jumper und bilden oft seine schönste Garnitur. Es wird neben dieser Garnitur viel Lingerie als Aufputz verwendet, wie denn über Haupt die Lingerie und der Durchbruch stch mehr und mehr einführen. Kleine Rüschen an den Seiten, kleine Rüschen an den Aermeln, Jumper mit Hohlsaum sehen al­lerliebst aus und können mit verhältnismäßig wenig Mitteln hergestellt werden. Der Jumper

Schwanz und Pferdefuß; ein Kind als Engel saß auf seiner Schulter. Bei diesen Maskenfe- sten wurden auch prächtige Tänze aufgesühri.

Auch über die Winterfestlichkeiten aus dem Beginn des Jahres 1811 sind wir genügend un­terrichtet.

Am 21. Februar war eine große Maskerade im Theater zu Napoleonshöhe, dem jetzigen Ballsaal neben dem Schloß Wilyelmshöhe. Die Idee der Hosquadrille war die Befreiung eines ottentalischen Serails aus algerischer Ge­fangenschaft. Der Kampf war so hitzig, daß der König s-lbst Frieden gebieten mußte. Eine andere Aufführung war folgendermaßen: Mte benuwste Bäume standen im Saal. Eine hei­tere Musik ertönt. Unter fröhlichem Lied er­scheinen zwölf Biänner mit Sterten, tanzen, und schicken sich an, die Bäume zu fällen. Da öffnen sich die Stämme und ich ent Baum entschlüpft eine reizende Waldnymphe." Ein dabei ein» tretender Zwischenfall muß hier übergangen werden.

Der Kasseler Fasching des Jahres 1812 wur­de bereits am 13. Januar durch einen glänzen­den Maskenball bei dem Justizminister Sime­on eröffnet.Dann aber setzte der Karneval voll ein, und mit ihm eine Zeit frivolsten UebermuteS in Geste und Kleid." In jeder Woche fanden miuoestens sechs oder sieben Fest- lichkeiten statt. Es war Sitte, die ersten paar Stunden als schwarzer Domino zu erscheinen, und dann dies Kostüm gegen ein weit prächti­geres zu vertauschen. Bei dem Ball des Fi­nanzministers sah man Nürnberger Trachten nach Bildern von Albrecht Dürer Zehn Her­ren und Damen vom Hose erschienen als Nar­ren und Närrinnen mit einem Kerkermeister; jede Maske vettörperte eine fixe Idee" Von andern Maskeraden sagen die Ehronisten:Die Zahl dr einzelnen schönen Kostüme war zu groß, als daß ich sie im Detail beschreiben

könnte" ober aberMalerei und Beleuchtung waren glücklich verschwistert " Auch irn Thea­ter griff Faschingslanne um sich. Bei dem Hof marschall Boucheporn fand eine Windmühle großen Beifall Der Schlußball des Faschings von 1812 fand bei demselben Gastgeber statt Er verdiente durch die sinnreiche und geschmack­volle Anordnung sowohl als auch durch den Reichtum der Kleidungen und Kostüme zu eine1 der schönsten Feste unseres erfindungsreichen Zeitalters gezählt zu werden." Gras Bouchen- porn batte sogar, um mehr Raum zu kwaffen die Wände zum Nebenhaus, der ehemaligen Malakademie durchbrechen laffen, und dadurch hohe künstlerische Wirkungen hervorgerufen Parks mit einem Liebestempel waren vorhan­denmit zauberhaftem Ltcht und balsamischen Lmften des Frühlings." vr. Lcdleicdert.

Man hat bte gesamte Regierungszeit des Kö­nigs von Westfalen als Karneval bezeichnet. In gewisser Hinsicht war sie das auch. Ern Fest jagte das andere. Aber es fehlte gleich­falls nicht an trüben Stunden, sehr trüben so­gar! Im Jahre 1807 war das Königreich West­falen eingerichtet worden Gleich in den 1. beiden Wintern fanden prunkv. Feste statt. Aber erst im Winter von 1809 auf 1810 setzten die Festlichkei­ten in reicherem Diatze ein. Ueber die Maskera­den desWinter 1810 werden zum Teil interessan­te Einzelheiten berichtet. Einmal wurde eine hessische Bauernhochzeit darac stellt, die von der Königin Katharina von Westsaleil sehr beifällig ausgenommen wurde.Die königliche Qua­drille stellte ein Piquetspiel dar. Der König als Zauberer und die Königin als Fee dirigier­ten das Spiel. Die einzelnen Karten wurden von Damen rmd Herren dargestellt." Tann wurde ein Jahrmarkt vorgesührt; in allen Ni­schen waren Buden eingerichtet. Die Bude des Königs, der als Orientale Schawls usw. ver­schenkte, kam durch den Audi mg so ins Wan­ken, daß er rief:Mes dames, vous me detro- nez!" (Meine Damen, Sie entthronen mich!) Zu diesen Maskeraden hatten alle Eintritt, die schon einmal bei dem König eingefiihrt gewe- fen waren. Später, durch Platzmangel nach dem Brande des Schlosses beengt, wurden auch diese Einladungen eingeschränkt. Häufig gab es habet große Heiterkeit, wenn diejeniaen, die an die Genüsse des Hofes noch nickt gewöhnt waren, z. B. Eis in ihren Hosentaschen und Beuteln mit »ach Hause nehmen wollten; durch­näßt standen sie dann schließlich da.Ein an­derer war in den Besitz einer Flasche Cham­pagner gelangt und hatte schon die fesselnden Banden gelöst. Da wird er plötzlich vom König angeredet. Die Flasche hält er aus den Rücken, gewärmt von den sie haltenden Hände». Mit Gewalt löst sich der Pfropf und übersprudelt den nicht alü üichen Besitzer mit brausendem

Kasseler Fastnacht unter Zrrome

Buntes £ebtn am Hofe des westfälische» Königs.

Man steht tarierte Regenmäntel in sehr hüb­schen Schottenmustern, die ebenfalls mit Dem unvermeidlichen Gürtel geschmückt sind. Ter Kragen kann aufgestellt werden, die Taschen sind häufig schräg eingeschnitten. Auch das Re­gencape erfreut sich steigender Beliebtheit, es ist weit und fällig geschnitten und so lang, daß es das Kleid bedeckt. Es hat einen großen Kragen, den man bei schlechtem Wetter hochrol­len kann. Meistens macht man zu den Regen­capes und -Mänteln passende Hüte. Es gibt auch eine ganz neue Erfindung eine soge­nannte Regenhaut, die es neuerdings auch ge­mustert gibt und die man so klein zusammen­legen kann, daß sie ohne weiteres in der Hand­tasche unterzubringen, ist. Man bars also in seinem neuen Jackenkleid unbesorgt ausgehen, selbst wenn der Himmel bedeckt ist. Fallen die ersten Tropfen, dann nimmt man die Regen­haut aus der Tasche, schlüpft hinein und geht

Karneval in Kassel? Jawohl er macht sich! Es hat auch Zeiten gegeben, in denen der Kar­neval in Kassel seine Wogen besonders hoch schlagen ließ, in der breitesten Oefsentlichkeit oder bei Hofgesellschaften Einzelne Kultur­zeitalter spiegeln sich fast in dem Leben Treiben des Karnevals. Die leichte Lust

ist Merhaupt geeignet, der Mode schnell Die Hand zu bieten. Denn ein Jumper, Der den Anforderungen der letzten Mode entspricht, kann allein schon dem Anzug die moderne Note verleihen, und für geschickte Hände wird es nicht schwer fein, sich einen solchen Jumper her- z »stellen. Vielfach sieht man an Dem Jumper den Sattel, der den losen, blustgen Fall gestat­tet. Da wo der Sattel nicht vorhanden ist, er­reicht man das Legere auch durch den Gürtel. Eine überraschende Neuheit, die eigentlich nock vor garnicht langer Zeit gleichfalls sehr neu ge­wesen ist, besteht darin, daß man an den Jum­pern wieder kurze Aermel trägt. Elegante Nach­mittagsjumper hat man sogar ganz ohne Aermel »erarbeitet. Modern ist neben Dem kleinen Halsausschnitt der hohe Kragen. Natürlich handelt es sich nicht um einen riesig hohen anschließenden Kragen, sondern damit ist ein kleines Chinesenkrägelchen gemeint, das bis tut halben Halshöhe geht. Die anderen Kra- oen werden am Halsansatz geschlossen. Weite Aermel sind gleichfalls sehr beliebt, sofern der Jumper einem festlicherem Zwecke dienen soll. Immer aber haben die Aermel einen sportar­tigen Charakter und sind mit einem Manschet­tenknopf geschlossen.

Für den kommenden Frühling ist die Frage aktuell, was bei schlechtem Wetter modern ist. In diesem Jahre spielt unter diesen Verhält­nissen der Regenmantel die Hauptrolle. Ein­fachheit heißt das Losungswort der Mode. Der Mantel und so eingerichtet sein, daß er tatsäch­lich vor Regen schützt. Glücklicherweise sind wir auch jetzt schon so weit, um auch die Regenklei­dung möglichst schick und kleidsam zu machen

Neues von der Frauenmode.

Die Medererstehung des Jumpers.

Gürtel, Rraaen, Kravatte nnh kurze Hemel. Die Mode für schlechtes flrüblinaswetter. I Mäntel Mt allen Kleidern. ' Gürtel. Steppnähte und Bie­le». I Der Mantel in der Handtasche.

Wie oft ist Der Bluse nachgetrauert worden Sie war so brauchbar, wenn man stch rasch in ein besseres Kleid stürzen wollte. Man konnte zu allen Gelegenheiten eine andere Bluse an­ziehen. War ein Rock schon bis zu einem ge­wissen Grade unansehnlich geworden, dann riß eine gute Bluse ihn wieder heraus. Das Kleid, das die Blule verdrängte, hatte ja