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Kasseler Neueste Nachrichten

Sin hübscher Karnevalsulk

Der Betrunkene Im Derkedrsturm

war und

statten bei sich

2. Beilage.

Dienstaq, 1 März 1927.

ging.

Der Brief für die Mutter war nicht so eilig. Ewald kleidet« sich an, machte Waffer heiß, um eine Tasse Kaffee zu kochen, und ging dann hinaus, um den Brief ju holen. Er erschrak, es war ein Kuvert mit dem wohlbekannten Aufdruck des Sanatoriums Wislizenus und an ihn adressiert

Auch in Budapest sind jetzt in Hauptver­kehrsstraßen zur Regelung des Verkehrs nach amerikanischem Muster Verkehrsstürme errichtet worden. Ein junger Mann, der der Flasche et­was zu reichlich zugesprochen hatte, hegte kürz-l

der Zufall wollte, daß ein planloser Gang ihn vor das Postgebäude führte. Er gab ein drin­gendes Telegramm mit Rückantwort an dar Kunstgewerbemuseum nach München auf.

Wann trifft Professor Kirchheimer in Harz­burg ein?"

Darunter seinen Namen und das Hotel.

Dann ging er in fern Hotelzimmer und ver­brachte dort drei Stunden. Nun hielt er die Antwort in der Hand.

"Frage unverständlich. Professor Kirchhei- mer in Vcnedig.-

Ein Frösteln überlief Ewald, ihm war zu­mute, als sei er in der Hand dunkler Mächte, die mit ihm ihr Spiel trieben.

mellen Berichterstattern, er habe seine Frau und ihren Liebhaber erschossen. Unmittelbar darauf erschoß er sich.

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bvecher gelangten v»m Erdgeschoß in den vier­ten Stock, wo sie mit modernen Werkzeugen den Kassenschrank aufbrachen. Es fielen ihnen etwa 89000 Franken in die Hände.

* Schon wieder eingeschmuqgelte Marokkaner. IM südfranzöstschen Hafen Carcasson« wurde

Nr. 50.

Siebzehnter Zahrganq,

Das war merkwürdig. Es war nicht die Handschrift des Geheimrats, die Adresse in der Schreibmaschine geschrieben. Was konnte das bedeuten? Gestern abend war er doch erst ab­gefahren. Der Brief mußte gleich nach seiner Abreise geschrieben worden sein. Etwas Guter war das sicher nicht. Wahrscheinlich doch die endgültige Entlassung, die der Geheimrat sich mündlich auszusprcchen scheute.

Er ging in das Haus »«rüd, ehe er den Umschlag aufriß, dan fand er nichts als ein kleines, auf beiden Seiten bedrucktes Papier, offenbar einen Ausschnitt aus einer Zeitung und einige Zeilen darauf mit Rotstift unterstri- chen.Jn Bad Harzburg ist die Saison eröffnet. Zu den Kurgästen im Hotel Juliushall gehört auch der bekannte Lrientforscher und Direktor

gen erwachte.

Der schrille Ton einer Klingel hatte ihn em­porgeschreckt, und er mußte sich erst sammeln, ehe er begriff, wo er war. Dann stand er am Fenster und sah, wie der Briefträger, der eben etwas in den Kasten gesteckt hatte, wieder weg-

fir

kurzen Viertelstunde gelang es dem ehrgeizigen jungen Mann, den Verkehr an diesem Punkt total in Unordnung zu bringen und in weiteren zehn Minuten stand alles still. Da kam jemand auf die Idee, das Polizeirevier anzurufen und derVerkehrskontrolleur- wurde abgeführt, aber wieder entlassen, als es sich herausstellte, daß er nur zu gut diniert hatte.

Die mächtigen Sultane, ebenso wie die armen Wasserträger, die weisen Koranlehrer, ebenso wie die unwissenden Kameltreiber nennen sich in Gedichten Sklaven der Liebe und der Frau. Es gibt Strophen, die weinen, Verse, die in grausamem Bluttausch geschrieben sind. Bald soll die unbeständige Geliebte durch Sanftmut und Geschenk erobert werden, bald will sie der Mann strafen und ermorden. Der Kalif Yezid ben Moawiach schreibt:Wenn die Sonne sie

i der Kapitän einer Segelschiffes verhaftet. Im Schiffe versteckt fand man 48 völlig entkräftete und kranke Marottaner. die der Kapitän für je 1000 Franken ohne Ausweispapiere an Bord genommen und im Kohlenraum versteckt hatte. Die Marokkaner hatten feit der Abreise aus Al- gier kein Essen bekommen.

Wie gewonnen, so zerronnen. Ein kleiner Schneider in Herne Bay bei Canterbury in England riskierte im Jahre 1919 für ein An­teil in einer in Kallutta gespielten Rennlotterie! ein Pfund und gewann damit 15 800 Pfund. Jetzt mußte er vor dem Konkursgericht erschei­nen, wobei es sich herausstellte, daß er jetzt 2746 Pfund Schulden hat, die er durch Wetten aus der Rennbahn gemacht hatte.

* Brutaler Ueberfall. Eine HandelSfrau u»8 eine Arbeiterin wurden bei Breslau, als sie mit einem einspännigen Fuhrwerk heimwätts fuh­ren, auf der Landstraße von zwei jungen Män­nern überfallen', mit starken Knüppeln geschla­gen und dabei erheblich am Kopf verletzt. Als­dann wurde die HandelSfrau vom Wagen ge­zerrt, zu Boden geworfen, nochmals mit einem Messer an beiden Armen schwer verletzt und ihrer Geldtasche mit siebenhundert Mark be­raubt. Von den Tätern fehlt jede Spur.

* 97 Jahre in einer Wohnung. Der vor eini­gen Tagen in München verstorbene Nestor der deutschen Botaniker, Prof. Dr. Ludwig Radl- kofer ist in seinem ganzen Leben niemals um­gezogen. Im gleichen Hause, in dem er vor 97! Jahren geboren wurde, hat er sein Leben ver­bracht, und sogar in der gleichen Wohnung, in der er einst das Licht der Welt erblickte, ist er nun gestorben. Eine solche Seßhaftigkeit dürste ihm wohl kaum jemand nachmachen!

einmal am Tage sehen würde, so würde sie sich schämen, einem anderen Mädchen zu leuchten. Ich flehte um ihre Liebe, und ich hat Gott, den Mbarmherzigen, um Vergebung meiner Sün­den. Aber sie wandte sich von mir ab, lächelte und sagte:Seht, was die Gazelle aus dem Löwen gemacht hat."

Wenn sich die Sonne senkt, und der Himmel in ockergelben, violetten und purpurnen Farben erglänzt; wenn von den Türmen die feierliche Stunde des Gebetes ausgerufen wird, und Fez in Andacht schweigt, dann, so lehren die Alfa- guis, soll der Gläubige seine Seele zu Allah wenden und bitten:Herr, mache mit mir, was für mich am besten ist." Die Frauen aber ve- gnügen sich nicht mit dieser gottergebenen Bitte und flehen den Allmächtigen an, er möge ihnen den ersehnten Mann Zufuhren. Um Allah in der Erfüllung ihrer Bitte zu helfen, wenden sie sich gleichzeitig an eine alte, erfahrene Freundin oder an. eine Kupplerin, und wenn dann die laue Nacht herniedersinkt, so huschen geheimnisvolle Schatten über die flachen Dächer und verschwinden im Hause des Geliebten.

(Schluß folgt.)

Aus aller Welt.

Gin leven-gefadrUcher Kinodefuch.

* Raffinierte Scheckfälscher. Zwei öster­reichische Staatsangehörige haben falsche Tra- vellerschecks über 100 Dollar der National City Bank in Newhork in Berlin in Umlauf gesetzt. Das Scheckbuch ist ihnen durch Taschendiebstahl in die Hände gefallen. Sie haben die Schecks so umgefälscht, daß sie zu ihren falschen griechi- chen Pässen passen. Die durch die Bank ver­langte Sperre ist durch diese Fälschung unwirk- am gemacht Worden, sodaß die Schecks bisher überall anstandslos honoriert worden sind

-----» i * Einbrecher im Warenhaus. Bei Nacht uch den Ehrgeiz, der erste zu sein, um einett wurde in dem bekannten Züricher Warenhaus solchen Turm an der Kreuzung des Rings und Jelmoli ein kühner Einbruch verübt. Die Ein­her Rakozckc--Straße denVerkehr zu regeln. *~-J----'------ ~ --- -

Er bestieg den Turm und hatte dte Genug­tuung zu sehen, wie Chauffeure und Fußgänger im Glauben, er sei ein Polizist, der die neue Einrichtung auszuprobieren hatte, seinen An- ordnungen ganz gehorsam nachkamen. In einer

Weder Bocaccio, noch die Königin von Navarra, noch selbst Arretino wissen soviel« Liebesabenteuer zu erzählen, wie sie in Marokko von Mund zu Mund gehen. Es sind Geschichten von Zauberpulvern, die dem Manne in die Augen gestreut, ihn den Geliebten nicht sehen lassen. Ungestraft kann sich das Paar in Ge­genwart des strengen Hausherrn lieben. Wenn wir alle diese Erzählungen glauben wollen, so sind die Maurinnen nicht nur untreu, son­dern auch noch neidisch, najchhaft, listig, klatsch- ftichtlg und sogar, wenn es angeht, diebisch. Wenn im selben Hause mehrere Frauen zu- fammenleben, so versuchen sie sich gegenseitig zu bestehlen. Es wird z. B. von einem berühr»- j ten Alfaqui erzählt, daß er sich von seiner Frau, als er ihre Leidenschaft für Diebereien merkte, scheiden ließ. Er heiratete eine andere, die so verlogen und gierig war, daß er auch sie nach Hause schicken mußte. Seine dritte Frau, die als ein Ausbund von Schönheit galt, betrog chn im Laufe eines Monats mit drei feiner Nachbarn gleichzeitig. Darauf, um eine seiner würdige Gemahlin zu finden, heiratete er ein Mädchen von 10 Jahren, die er ganz nach sei­nem Willen erziehen wollte. Aber ehe sie noch das elfte Jahr erreichte, hatte sie ihn schon beim Kadi als Feind des Sultans angegeben, um ihn ins Gefängnis zu bringen. Gewiß, die Maurin rächt sich für ihre Gefangenschaft, und sie freut sich, wenn sie ihre Aufpasser und Auf­seher hintergehen kann. Sie ist nur zum Schein eine Sklavin, unterwürfig und gehor­sam, in Wirklichkeit ist sie die Tyrannin des Mannes, der gezwungen ist, ihre List und Un­treue zu ertragen. Die Mauren wissen es, aber im Stolzgefühl des absoluten Herrn geben sie es nur ungern zu, es sei denn in Versen.

des Kunstgewerbemuseums in München, Pro­fessor Kirchheimer. . .-

Ewald las nicht weiter, aber er glaubte zu . verstehen. Der gute Geheimrat! Er hatte ihm ja von den Platten und von Professor Kirch­heimer erzählt. Nun hatte Wislizenus wahr- , scheinlich in der Abenzeitung die Notiz gesunden und schickte sie ihm nach, weil es ja von Göt­tingen nach Harzburg näher war als nach Mün­chen. Schnell entschlossen setzte sich Epald hin und schrieb ein Brieftelegramm an Gunther nach Berlin.

Bin in Göttingen und habe die Platten ge­funden. Sie sind augenscheinlich von hohem Wert, ich glaube sogar Gold. Wie ich aus ei­nem Zeitungsausschnitt ersah, ist Professor Kirchheimer tn Harzburg. Ich reife mit den Platten sofort zu ihm und spreche ihn spätestens morgen früh. Uebermorgen ist der Dreizehnte Ich bitte Sie dringend, nichts gegen meinen Bruder und mich zu unternehmen, bis Sie Antwort haben, auf «inen Tag kann es doch nicht ankommen.-

Schnell stellte er im Haus die Ordnung wie­der her, packte die beiden Platten in feinen Koffer, der ja sonst wenig enthielt, verschloß die Türen sorgfältig und eilte, so schnell er konnte, zur Post, um das Telegramm an Gunther auf­zugeben.

Dann sah er nach den Fahrplänen. In ei­ner halben Stunde konnte er Anschluß nach Harzburg haben.

Er kaufte eine Fahrkarte, nahm dann ttotz des kurzen Weges eine Droschke und fuhr zum Haus des Sanitätsrats, der auf Krankenbesuch unterwegs war. Als die Wirtfchasterin off. nete, sagte er:Bitte geben Sie diesen Schlüssel dem Herrn Sanitätsrat, hier ist meine Karte. Ich kann leider heute nicht mit dem Herrn Sa­nitätsrat in derKrone- essen; ich muß sofort abreisen und werde ausführlich schreiben. -

Die alte Frau, die von dem nächtlichen Be­uch nichts wußte, wunderte sich über den erhitzt aussehendcn jungen Herrn, der eilig in die Droschke stieg und wegsubr, ohne eine Antwort abzuwarten. Ewald erreichte den Zug und kam in den Nachmittagsstunden in Harzburg an.

NAMiM.

8) Vornan von Otfried von Haustein.

Es schlug zwei Uhr, als Ewald sich in das Bett im Fremdenzimmer legte, das immer für einen der Söhne bereit war.

Er hatte bestimmt geglaubt, in dieser Nacht nicht schlafen zu können, aber nun fühlte er sich so erleichtert durch die Nachricht von der Gesundheit der Mutter und jetzt durch die neue Hoffnung, die die Platten ihm einflößten, daß er schnell einschlummerte.

Heller Tag war es, als er am anderen Mor-

Etn Leipziger Ingenieur erlebte ein Aben­teuer, das leicht einen tragischen Ausgang hätte nehmen können. Er begegnete in der Stadt einer jungen Dame, die das Abzeichen einer Studentenverbindung trug. Da der Ingenieur derselben Verbindung angehörte, sprach er die Dame an und macht« sich mit ihr bekannt. Beide besuchten alsdann ein Lichtspielhaus. Während der Filmvorführung zog die Dame aus ihrem Täschchen ein Rasiermesser, stürzte sich auf den neben ihr sitzenden, nichts Böses ahnenden Be­gleiter und versuchte, ihm mit dem haarschar­fen Rasiermesser die Kehle zu durchschneiden. Der so jäh Uebersallene sprang auf und setzte sich energisch zur Wehr, so daß der Anschlag nicht gelang. Trotzdem brachte die Rasende ihm eine sieben Zentimeter lange, tiefe Schnittwunde im Gesicht bei. Nach dem Anschlag sprang da- junge Mädchen auf und eilte dem Ausgang deS Thea­ters zu, wo es von dem herbeieilenden Perso­nal festgehalten wurde. Polizeibeamte nahmen >ich der jungen Dame an, die den Eindruck einer geistig Erkrankten macht.

Es war ein wundervoller Abend. Ueberall blühte und duftete der Flieder. Von fern her ertönten die Klänge der Kurkapelle, aber in den Gängen des Parkes war es einsam und still.

Ewalv empfand kaum etwas von der Schön­heit der Natur; er war zu unruhig, nm klare Gedanken fassen zu können.

In einem halbwachen Zustand ging er wie träumend durch die Allee. Da hörte er sich an­gerufen. 1 M

Herr Doktor, Sie hier?-

Er sah auf und zuckte zusammen.

Fraulein Erna!-

Er hatte die Tochter des Geheimrats er­kannt, das Helle Licht einer Laterne fiel auf sie beide Ta fchoß eine dunkle Welle über das Genchl des jungen Mädchens.

(Fortsetzung folgt.)

Der alle Fritz im Finanzamt.

In Parchim in Mecklenburg gab es dieser Tage große Aufregung. Vor dem Finanzamt fuhr ein Auto vor, und ihm entstieg in Uni­form, die Brust mit Orden bedeckt, der alte Fritz. Am Krückstock ging er die Treppen hoch, beglei­tet von feinem Adjutanten und feinem Zere­monienmeister, die auch in voller Uniform mit Ordensschmuck waren, und trat in das Zimmer des Finanzamtleiters, Regieruitgsrat Bocksch. Hier hielt der alte Fritz eine eindringliche Rede über treue Pflichterfüllung usw., und schließlich überreichte der Zeremonienmeister ein Schreiben mit großem Siegel, das der Regierungsrat so­fort öffnen mußte und das die Worte enthielt: Ich komm« wieder, Fridericus Rex.-

Der Regierungsrat, dem die Sache zu bunt wurde, wollte ans Telephon eilen. Er wurde aber gewaltsam daran gehindert, der alte Fritz schwang drohend feinen Krückstock und der Zere-

Flauen in Marokko.

[ Liebesabenteuer der Maurinnen.

i Von

E. von Üngern-Sternberg.

Nie ohne Aufsicht. I Dveua ttttb Eunuchen. I Sie« besabenteuer und Zaudervulv«. I SeftniMrise Ehefrauen. I Die Tyrannin des Mannes. I Ge­heimnisvolle Schatten.

Die Sura All Bakara des heiligen Buches der Mohamedaner lehrt:Eure Frauen sind für Euch ein Arbeitsfeld, auf dem sich Eure Seele erfreuen soll. Ihr schuldet den Frauen so viel an guten Taten, als sie sich verdienen. Gebt ihnen ihren Unterhalt gemäß Euren Mitteln höflich und freundlich. Aber die Männer haben mehr Anspruch aus Achtung. Da nun das Scherifenreich weit entfernt von der Türkei ist, und da dort niemand von einer Frauen­emanzipation träumt, so werden die Suren Al Talek und Al Bakara, die die Rechte der Frauen beftimmen, im Marokko tn dem Sinne ausge­legt, daß die Fran als unmündiges Wesen freundlich zu behandeln, und im Harem weniger als Sklavin denn als Gefangene des Mannes zu behüten sei. Auf die Straße geht sie unter der Aussicht einer Duena oder eines Eunuchen und trägt den Haik über dem Gesicht, durch den nur ihre Augen hervorbrennen. Man sollt« also meinen, daß das Abenteuer, daß Flirt und Jntriguen der Maurin in ihrer strengen Hut fremb sind, und doch hat sie ihre Romane wie die Pariserin, wie die Berlinerin, vielleicht weniger Mondschein und törichtes Liebessehnen aber für ihre Schlauheit, für ihre Abenteuerlust bilden die Eisenstäbe ihres Käfigs kein Hindernis.

Er überlegte.

Im Augenblick konnte er nichts anderes tun, als die Nacht hier bleiben und dann am Morgen so schnell als möglich nach Berlin zu- rückfahren. Die Platten hatte er ja.

Er konnte unmöglich den ganzen Abend hier im Zimmer sitzen, er mutzte hinaus, aber bann überfiel ihn wieder eine Angst: wenn dieser Unbekannte, der mit ihm zu spielen schien, der offenbar wutzte, daß er in Harzburg sich denken konnte, baß er die Platte hatte, ihm diese stahl?

Er nahm das Paket, suchte bett Hotelbesitzer und ließ es in den Gelbschrank einschließen.

Dann trat er hinaus.

* Beim Diamantensuchen verschüttet. Wie aus Johannesburg (Südafrika) berichtet wird, wurden Personen in der East-Randgrube unter herabstürzenden Felsen begraben. Bis jetzt konnten nur sieben gerettet werden. Vier Leichen sind bereits geborgen, doch befürchtet man, daß die übrigen ebenfalls nicht mit dem Leben davonkommen werden. An der Unglücks- stelle spielen sich entsetzliche Szenen ab. Tau­sende von Personen sind herbeigeströmt, um nach ihren Verwandten zu forschen.

* Ein pflichttreuer Hund. In Bissingen bei München wurde aus einem Wirtshaus eine große Anzahl Würste gestohlen. Ein Polizei­hund hatte die Täter bald entdeckt, gab sich da­mit aber nicht zufrieden, sondern suchte allein weiter. Er durchschnupperte die Wohnung und fand schließlich auch einen ganzen Kranz zusam- mengebunberoer Würste. Voll Diensteifer packte der tadellos dressierte Hund die leckere Beute, erschien kurz nach Eintreffen beS Gefangenen­transportes ebenfalls auf dem Polizeirevier und legte sie seinem Herrn zu Füßen.

* Das Recht am eigenen Leib. Georg Bran­des' letzter Wunsch soll gewesen fein, daß seine Asche in alle Winde zerstreut werben möchte, damit sein Körper völlig vernichtet wäre. Die Behörden sollen hiergegen ein Veto eingelegt haben, da die Gesetze vorschreiben, das Toten­asche in einer Urne aufbewahrt ober aber be­graben werben müsse.

* Ein sensationeller Selbstmord. In New- York hat ein Mann unter eigenartigen Umftän« ____ .................. M1IZU w

ben Selbstmord verübt. Er forderte die großen monienmeifter wollte von feinem Zeremonien» Redaktionen auf ihm Vertreter in sein Hotel zu stab einen nicht mißzuverstehenden Gebrauch senden und erzählte dann den um ihn versam- machen. Fridericus R«r und feine Beniester ......... r-t- ~------- tonnten unbehelligt das'Finanzamt verlassen und fuhren im Auto davon. Den Herren im Finanzamt war der Schrecken fo in die Glieder gefahren, daß sie zuerst einmal das Haus schlossen, und zwar für den ganzen Tag.

Der Regierungsrat hatte die Polizei von dem Vorfall benachrichtigt, und diese hätte Recherchen angestellt. Ma» wußte im ersten Augenblick nicht, ob ein Verbreche» verübt wer- den sollte ober ob es sich um einen Karevals- ull handelte. Schließlich wurden die drei Uebeltäter festgenommen. Es waren drei junge Leute, Arbeitslose, die mit fremder Unter- sttitzung die Inszenierung des Königsbesuches burchgeführt hatten. Was der alte Fritz gerade im mecklenburgischen Parchim wollte, ist vw« nicht ersichtlich. Wie man sich erzählt, handelte es sich nur darum, dem Finanzamt und seinen Beamten, die sich auch in Parchim allgemeiner Unbeliebtheit erfreuen, einen groben Schaber- nack zu spielen Nun ist aus dem groben Scha­bernack ein grober Unfug geworden, der feiner gerichtlichen Ahndung entgegensieht.

Er konnte dem ihm unbekannten Professor nicht ohne weiteres mit dem Koffer in der Hand entgegentreten, nahm also in einem bescheidenen Hotel gleich am Bahnhof ein Zimmer, machte sich ein wenig zurecht, zwang sich auch zu essen und ließ sich habet die Fremdenliste geben.

Der Name von Professor Kirchheimer war nicht zu finden. Das war nicht so schlimm, die Fremdenliste erschien ja nicht jeden Tag. Ewald verschloß fein Zimmer foigfältig und ging zu­nächst ohne die Platten zum Hotel Juliushall hinüber.

Im Foyer erkundigte er sich an der Aus­kunftsstelle.

»Herr Professor Kirchheimer ist nicht bei uns abgestiegen. Er ist auch bisher für die nächsten Tage nicht angemeldet. Das mutz ein Irrtum fein. Vielleicht finden Sie ihn in einem ande­ren Hotel.-

Der Buchhalter fah das enttäufchte Gesicht Ewalds und fagte gutmütig:Ich werde ein­mal in der Fremdenzenttale anklingeln, da ha­ben sie alle Anmeldungen und wissen genau, ob ein Her dieses Nimens irgendwo in Harz­burg abgeftiegen oder angemelbet ist.-

Gwald verbrachte qualvolle Minuten. Dann trat der Buchhalter wier-r an den Schalter.

Bebauere, Herr Professor Kirchheimer ist hier nirgends bekannt. -

Danke verbindlichst! Noch eine Frage: Kann ich heute noch nach Berlin zurück?-

Nein! Erst morgen früh sechs Uhr.-

Ewald trat wieder ins Freie.

Nicht nur, daß wieder eine Hoffnung verlo­ren war, ein seltsam banges Gefühl ängstig­te ihn.

Was war das alles?

Wer hetzte ihn so in her W-lt umher?

Erst das offenbar gefälschte Telegramm, das ihn an das Krankenlager der Mutter nach Göt­tingen rief, nun diese Zeitungsnachricht, die ihn nach Harzburg gelockt. Nein, die konnte nicht gefälscht fein, das war doch ein Ausschnitt aus einer Zeitung.

Wahrscheinlich war der Professor durch ir- 1 Send einen Zufall aufgehalten, jedenfalls kam er noch. Die Hoffnung lebte wieder auf, und