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Siebzehnter Jahrgang. Meter Neueste Nachrichten

l. Beilage.

Dienstag, 1. Marz 1927.

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In den MaMen der Iusttz: Die Hauptalrteure im Iürgensprozeß Die Verteidigung des wegen Kreditbetruges, Meineides und gewohnheitsmäßiger Hehlerei angeklagten Ehepaars Landgerichtsdirektor- Jurgens (wir haben den Auftakt des in Berlin spielenden, aber auch für Kassel sensationellen Riesenpro­zeß, der mindestens vierzehn Tage dauern soll, bisher in allen Einzelheiten verfolgt) liegt in den Händen der bekannten Rechtsanwälte Dr. Alsberg und Gollnick; in den Händen des Letztgenannten insbesondere liegt die Verteidigung der Frau Jürgens Rechtsanwalt Kurt Gollnick verteidigte kürzlich in dem Mienschieberprozeß den Rechts­anwalt Meyer und verhalf der wegen Mor des angeklagten Frau Czipull in Elbing zur Freisprechung. Auch in politischen Prozessen ist der junge Rechtsanwalt Kurt Gollnick stark in den Vordergrund getreten, so z. B. im R a t h e n a u - Prozeß von dem Reichsgericht.

Meineidsfrage der beiden Eheleute Jürgens' wurden darauf

Ist Jürgens schuldig?

Das Geburtstagskind im Gerichtssaal.

Wie schon in einem Teil der Sonnabend- Ausgabe mitgeteilt, gab der Zeuge Rosen­berg, Kaufmann in Berlin, der gleichfalls bet den Verhandlungen über den Verkauf des Patents zugegen war, zu, Frau Jürgens unter anderem gesagt zu haben, sie solle v o r si ch t r g mit ihren Aeußerungen gegenüber der Schwie­germutter sein, da er den Eindruck habe, daß ihr die Schwiegermutter nicht wohl wolle. Der Zeuge Rosenberg gibt zu, Frau Jürgens in den ersten Jahren nach Verkauf des Patentes immer noch Hoffnungen gemacht zu haben, daß große Einnahmen aus dem Patent zu erwarten

waren. Bei der schlechten Finanzlage Deutsch­lands hätten sich aber in den Jahren 192122 auch der Vertrieb der Kugel-Oefen und die Aussichten dafür dauernd verschlechtert. Frau Jürgens sei darüber nicht im Zweifel gelassen worden. Sie habe sich aber nicht hineinfinden können, daß eine Sache, in die ihr Mann eil Vermögen gesteckt hätte, plötzlich nichts mehr sein sollte. Frau Jürgens habe trotzdem noch immer auf große Einkünfte gehofft. Auf Antrag der Verteidigung beschloß das Ge­richt. den Psychiater Prof. Strauß hinzuzuzie­hen als offiziellen Beobachter über die Ver­handlungsfähigkeit der Angeklagten Frau Jürgens. Das Gericht behält fick vor, Professor Strauß auch über weitere Fragen zu verneh­men. Die Verhandlung wurde dann vertagt.

* * *

Sin dramatischer Montag.

l Frau Jürgens in Ohnmacht und krank.

! Berlin, 23. Februar.

Am heutigen vierten Verhandlungstage wird der Angeklagte Jürgens noch in einigen Punk­ten über den ihm zum Vorwurf gemachten Meineid vernommen. Während dieser Ver­nehmung erleidet Frau Jürgens, die schon zu Beginn der Verhandlung einen ziemlich er­regten Eindruck machte, plötzlich einen Ohnmachtsansall. Der Vorsitzende un­terbricht die Verhandlung und das Gericht zieht sich zurück. Frau Jürgens bat heute gerade ihren dreiundvierzigsten Geburtstag. Während der Pause wird ein K r a n k e n st u h l herbeige­schafft und Frau Jürgens, die sich nach und nach erholt, auf diesen gebettet. Eine Krankenschwe­ster nimmt neben ihr Platz.

*

Kasseler Richter als Zeugen.

Der Angeklagte Jürgens wird dann weiter über den Meineid vernommen, den er am 25. Februar 1926 bei seiner Vernehmung in Kassel geleistet haben soll. Im Verlaufe des Nachlaß­streites zwischen Frau Kugel und Frau Jür­gen gab er an und diktierte diese Aussagen selbst ins Protokoll: seiner Meinung nach habe der verstorbene Kugel Schulden hinterlassen. Er habe das daraus gemerkt, daß ihm selbst aus diesen Schuldverbindlichkeiten heraus Kla­gen zugestellt wurden, die für seine Personal­akten nicht günstig gewirkt hätten. Der Erlös aus dem Hausverkauf sei nie in seine Hände gekommen und in Papieren angelegt worden, die der Inflation zum Opfer fielen. Seine Frau verfüge über kein Vermögen mehr, denn auch ihr wertvoller Schmuck sei gestohlen worden. Jürgens erklärte dazu, er habe nach den Angaben seiner Frau und des Nachlaßver­walters Wieser annehmen müssen, daß Kugel tatsächlich Schulden hinterlassen habe. Seine Frau habe ihm auch gesagt, die Klagen rührten von solchen Schulden her. Wenn er beschworen habe, daß der Hauserlös in Jn- flationspapieren angelegt worden sei, so habe er damit sagen wollen, daß er in Devisen oder in Sachwerten angelegt war. Als Zeugen zu der

Landger.-Dir. Henpfing und v. Klocke in Kassel vernommen. Landgerichtsdirektor Henpfing gab an, er habe Frau Jürgens ausdrücklich gefragt, ob sie nach den Informationen ihrer Unterhänd­ler auch nur annehmen könnte, daß der Erlös aus dem Patent 51 000 Mk. überschreiten würde. Sie habe das verneint und erklärt, sie hätte während der Unterredung mit ihrer Schwieger­mutter keine Erinnerung daran gehabt, daß mehr als 51 000 Mark herauskommen könnten, während sie tatsächlich schon darüber i n - ormiert war, daß man mit einem weit höheren Erlös rechnet. Landgerichtsdirektor von Klocke gibt an, daß Jürgens bei seiner Verneh­mung sehr zerfahren und aufgeregt war und davon sprach, daß er sich wohl schei­nen lassen müsse, weit seine Frau Schulden ge­macht habe, von denen er erst beute erfahren habe. Beim Diktat des Protokolls dagegen sei er sehr ruhig und sicher gewesen.

* * *

Was Dienstmädchen hören.

Frau Jürgens bestreitet < .Zt. die Auslagen.

Fräulein Marie Furchner war Dienst­mädchen bei der Schwiegermutter, während Fräulein Frieda Furchner Dienstmädchen bei Frau Jürgens bezw. der früheren Frau Kugel war. Marie Furchner bekundet, daß gleich nach der Beerdigung von Herrn Kugel Frau Jürgens zu ihr gesagt habe, daß sie aus dem Patent etwa achtzigtausend Mark erhalten werde. Die Zeugin weiß nichts davon, daß Frau Jürgens noch hinzugefügt haben soll, sie solle der alten Frau Kugel, bei der di-e Zeugin in Stellung war, nichts davon sagen. Jedoch habe ihre Schwester ihr etwas Äehnliches ge­sagt. Frau Jürgens erklärt dazu, sie habe nie­mals der Schwester verboten, über die Patent­sache irgend etwas zu sagen. Sie habe lediglich gewünscht, daß keine Zwischenträge­

re ien zwischen ihrem Hause und dem Haus der Schwiegermutter stattfinden sollten. Frieda Furchner bekundet, daß Frau Jürgens zu ihr gesagt habe, sie würde eine reiche Frau wer­den. Sie solle aber ihrer Schwester nichts da­von erzählen, damit die Schwiegermutter nichts davon erfahre. Frau Jürgens ruft dazwischen:Ich habe noch nie etwas von einer reichen Frau gesagt." Auf wiederholtes Befragen bleibt die Zeugin aber dabei, daß Frau Jürgens ihr eine solche Weisung gegeben habe. Sie nehme das aus ihren Eid. Frau Jür­gens erklärt:Ich habe höchstens einmal: Gelbke, der Kompagnon meines ersten Mannes, ist der Nagel zum Sarge meines Mannes. Wenn er 90 000 Mark bekommen soll, dann müßte ich doch auch 80 000 Mark erhalten. Nie­mals habe ich aber davon gesprochen, daß mei- nerSchwiegcrmutter nichts gesagt werden solle." Die Zeugin Frieda Furchner wird dann be­fragt, ob im Hause Kugel auch schon S ch ul d e n gemacht worden seien. Die Zeugin bejaht das und erklärt:Es kamen viele Rech­nungen, und Herr Kugel konnte das nicht leiden." Vorsitzender: Ist es zu Vorhaltun­gen gekommen?" Zeugin:Ja, das ist auch einmal gewesen. Frau Jürgens bezw. Frau Kugel hatte sich einmal zwei Kostüme machen lassen, und da gab es Streit." Die Zeugin er­klärt weiter, daß auch einmal ein Sofa gepfän­det worden sei, wovon Kugel nichts gewußt babe. Wenn er das erfahren hätte, würde er sich niemals wieder auf dieses Sofa gesetzt haben. Frau Jürgens:Das war während des Krie­ges. Da bin ich nur selten mit meinem Mann, der sehr leidend war, zusammengekommen. Mein Mann hat dann alles bezahlt." Dann bekundet die Zeugin noch, daß Frau Jürgens auch ihr eine Weisung gegeben habe, auf die Post au.f- z u p a s s e n, damit ihr Mann

nicht die Rechnungen bekomme.

Zeuge Rechtsanwalt Dr. S t i p p e l, damals Vertreter der Schwiegermutter, der in Kassel bei

der Vernehmung der Frau Jürgens zugegen war, erklärt, daß Jürgens ziemlich aufgeregt ge­wesen sei, besonders, als er ihn nach dsm Schmuck seiner Frau befragte und sagte, daß ihm wenig daran gelegen sei. ob der Schmuck gestohlen wäre, sondern daß es ihm darauf an­käme, ob der Schmuck aus dem Nachlaß ange­schafft worden wäre. Das sei aber verneint wor­den. Zeuge Privatier Waller Sus- mann ans Kassel hat am 10. Dezember 1920 Frau Jürgens zwanzigtausend Mk. als Darlehn gegeben gegen Verpfändung von Sachen. Er habe einen guten Eindruck von der Frau gehabt Später habe er Frau Jürgens nochmals ein Darlehn von zehntausend Mark gegeben. Es habe dann eine gemeinsame Be­sprechung stattgefunden. Soviel er noch wisse, sei sie befriedigend verlaufen und Herr Jürgens habe sein Einverständnis erklärt. Anfang 1922 wurde das Geld dem Zeugen zurückge­zahlt. Geheimrat Schösser, Notar in Kassel, bestätigt diese Angabe. (Die Verhand­lung dauert an.)

Das Gesetz ist hart.

Der Schutzmann und der Minister.

Kürzlich fuhr in London Winston Churchill, derzeitiger englischer Finanzminister, mit seinem Auto, das er selbst führte, in die Downing Street ein, als der herrische Pfiff einer Schutz­mannspfeife ihn zwang, anzuhalten. Er stoppte also gehorsam. Ein Policeman trat an ihn heran.

Sie dürfen von hier aus nicht in diese Straße einfahren. Seit heute morgen besteht ein neues Verkehrsreglement. Bitte zeigen Sie Ihre Papiere, damit ich Anzeige erstatten kann."Sie haben recht," antwortete Chur­chill,ich hatte das vergessen, obgleich ich darauf hätte achten müssen. Hier mein Ausweis."

Der Schutzmann sah sich die Legitimation an, wurde verlegen, riß sich aber zusammen, machte seine Ehrenbezeugungen und erklärte mit fester Stimme:Ich bedauere den Vorfall im Inter­esse Ew. Exzellenz aber meine Pflicht befiehlt mir, dennoch auch in diesem Falle Anzeige zu erstatten." Churchill lächelte amüsiert und schlug dem Mann auf die Schuller.Und meine Pflicht ist. Sie zu beglückwünschen, daß Sie so brav die Ihrige tun!"

Tatsächlich hatte der Minister wenige Tage später auf Grund der Anzeige des Schutzmanns eine kleine Geldbuße zu erlegen. =p.

Lebensweisheit.

, Lord Dewar ist einer der witzigsten Lon­doner Tafelredner und daher als Vorsitzender für Diners außerordentlich gesucht. Nach­stehend eine kleine Auslese seiner Epigramme:

Der Respekt vor hohem Alter erstteckt sich keineswegs auf Eier.

Die Straße zum Ersolge ist voll von den Frauen, die ihre Männer vorwärts treiben.

Der Hahn besorgt das Krähen, aber die Henne liefert die Ware.

Es ist eine weise FrLA, die über die Ge­schichten ihres Mannes lacht.

Die mohammedanischen jungen Mädchen be­kommen ihre künftigen Gatten nichs vor der Hochzeit zu sehen, die unsrigen nur selten nach derselben.

Das heutige Frauenkleid beginnt irgendwo und hört dann plötzlich auf.

Der Mann, der sich heutzutage hinter dem Rock seiner Frau versteckt, ist kein Feigling, son­dern ein Magier.

Optimismus läßt einen Mann in seinem 95. Lebensjahre einen neuen Anzug mit zwei Paar Beinkleidern bestellen.

Wer auf einen Schlag guten Glücks wartet, wartet vielleicht, bis ihn der Schlag trifft.

Kein Witz erscheint uns so komisch, als der, den wir selber gemacht haben. Ch. P.

Worüber lachen wir?

Das Wesen der Karikatur.

Von

Willi Wolfradt.

Sie kennen jene Zerrspiegel, wie sie etwa im sogenannten Lachkabinett der Vergnügungs­parks aufgestellt sind, deren gekrümmte Flächen oaS Bild des bedauernswerten Betrachters so grausam zausen und verbeulen, auseinander­ziehen oder aufblähen zu absonderlichster Miß­gestalt. Bescheideneren Ansprüchen mag auch schon der blanke Teekessel eine entsprechende Lustbarkeit bereiten. Ist nun das hierbei ent­stehende Zerrbild eine Karikatur im eigent­lichen Sinne?

Daß wir unter diesem Begriff zunächst ein vom Zeichner festgehaltenes Ärld zu verstehen gewohnt sind, fällt nicht mehr ins Gewicht, denn es würde ja keine Schwierigkeiten machen, das Spiegelbild graphisch und photographisch aufzu­nehmen, und die Frage müßte gleichwohl ver­neint werden. Verneint, weil das Zerrbild eines derartigen Vexierspiegels die Erscheinung ganz willkürlich und planlos entstellt, weil cs z. B. einen schmächtigen Menschen zu einem wahren Falstaff aufplustern kann, während die Karikatur sich stets nur auf ganz bestimmte Ein­zelzüge, nämlich auf die hesonderen Schwächen und Auffälligkeiten ihres Opfers richtet und sie in spottender Uebertreibung betont und bloß­stellt. Die kritische Absicht nämlich ist der Grundimpuls aller Karikatur, im Kritischen wurzelt ihr Wesen. Man könnte sie geradezu als komische Kritik bezeichnen.

So müssen wir andererseits die Karikatur, {oll ihr Wesen nun einmal enger umgrenzt wer­den, unterscheiden von dem Bild mit komischer Wirkung schlechthin Nicht jede drollige Schilde­rung, nicht jede Darstellung eines lustigen An­blicks ist Karikatur sie ist nicht Wiedergabe des Komischen, sondern komische Wiedergabe, die durch Humor des Ausdrucks dem aufs Korn genommenen Objekt erst ein lächerliches Gesicht verleiht. Sie gibt die Erscheinung nicht mög­lichst getreu wieder, sondern weicht bewußt von

ihr ab, verändert, verzerrt sie. Wesenflich gehört also zum Begriff der Karikatur das Moment des Subjektiven. Aber die Verzerrung wirkt sich, wie wir schon sahen, nun keineswegs belie­big nach allen Seiten aus, sondern wendet ihren Spott bestimmten Merkmalen zu, deren Absonderlichkeit sie herausarbeitet und erwei­tert. Die Methode der Karikatur ist nicht blind­wütiges Verzerren, sondern wählendes Ueber- tteiben. Uebertreibung aber setzt das Vorhan­densein gewisser Anlagen und Ansätze voraus, sie tut nichts Neues hinzu, sondern macht nur überdeutlich, was im Objekt, mehr oder weniger verborgen, schon enthalten war.

Die Karikatur verwandelt nicht etwa eine wohlgestaltete Erscheinung in eine mißgestaltete, macht nicht aus Harmonischem Disharmonisches, aus Antlitz Grimasse sondern erweitert im Grunde nur die schon vorhandene Disharmonie, lockt die Grimasse nur heraus. Sie setzt daher immer das Gefühl für die normale und voll­kommene Erscheinung voraus, sie appelliert ge­radezu an dieses Gefühl. Sie gibt der Stups­nase nochmal einen Stups, um den Kontrast gegen die Regel zu verschärfen bis zur Lächer­lichkeit um sie mit einem charakteristischen Signal auszugestalten. Man könnte die Kari­katur eine Idealisierung mit umgekehrtem Vor­zeichen nennen, eine Idealisierung nicht zum Allgemeinen hin, sondern zum Besonderen und Absonderlichen, dessen kuriose Mißbildung je­doch gerade die Kontrastvorstellung des Idealen aufruft. Auch die Karikatur ist überwirklich, aber nicht durch Ueberwindung, sondern durch Uebertreibung der Wirklichkeit.

So viele Motive und Arten des Lachens es gibt, so viele Farben des Komischen kann die Karikatur spiegeln. Es gibt harmlose und hämische, feine und drastische, freudige und bit­tere, behagliche und kämpferische Karikaturen. Man soll den Begriff nicht verengen, ohne zu­gleich an die Fülle der Möglichkeiten zu er­innern. Doch nur die Enge des Begriffs offen­bart die geistigen Ausmaße, in denen die Kari­katur wesentlich mit künstlerischer Darstellung überhaupt ^usammenklingt, welche ja immer be­stimmte Seiten der Wirklichkeit gestaltend über-

treibt, wenn schon zumeist nicht im komischen Sinne. Die der Karikatur eigentümliche Ar­beitsweise ist die der Kunst an und für sich, weshalb wir Karikatur kaum treffender definie­ren können, als sie geradezu die komische Kunst zu nennen.

Vertragt Euch!

Der ewige Streit zwischen Mann und Fran.

Von

Jeanne hailhache.

Philosophen, Moralisten, Dichter, Dramatur­gen, Karikaturisten... sie sollten sich doch end­lich bereit finden, ihr Thema zu wechseln. Wann endlich werden sie es satt haben, uns mit dem ewigen Konflikt" zwischen Mann und Frau zu unterhalten!Ewiger Konflikt"... Welcher Konflikt?... Ich nämlich meine, wir sollten uns doch vertragen... Wir, die Frauen von heute, mit Ihnen, meine Herren, den Männern von heute!

Sie sind zu Ende, aus der Mode gekommen, verjährt, diese Geschichten von Konflikten, Rei­bungen, Auseinanderfallen von Meinungen und Interessen! In die Versenkung mit diesen Ideen, zu all den übrigen veralteten, lächerli­chen und sinnlosen Vorurteilen!

Wir sind Schwestern und Brüder, immer Kameraden, Mitarbeiter, Freunde, manchmal sehr intime Freunde, alles, was Sie sich nur vorstellen können ausgenommen Feinde.

Sind wir nicht zusammen aufgewachsen und in der gleichen Weise erzogen, Mädchen und Jungen, haben wir nicht die gleichen Spiele ge­spielt, die gleichen Studien betrieben, die glei­chen Examina gemacht und die gleichen Ersolge erstrebt. Haben wir nicht unacfäbr die pleiebcn Erfahrungen, haben wir nicht die gegenseitige Kenntnis unserer Vorzüge und Fehler... Tau­send Gründe, uns gegenseitig zu necken..

Haben wir nicht, um es kurz zu sagen, wir alle, Frauen wie Männer, die große Liebe zum Leden, diesen beherrschenden Drang, es so "cstön. so intcrestan". fo abwechslungsreich, so genußreich wie möglich zu gestalten.

Und können wir, frei gesprochen, wirklich das

Leben genußreich, abwechselungsreich, kompli­ziert, interessant und schön finden, ohne daß wir Frauen und Männer zusammenhal­ten, und ohne daß zwischen uns vollkommene Eintracht herrscht?

Vollkommene Eintracht"... das sage ich so leicht hin... Der Himmel bewahre uns vor Vollkommenheit! Aber, was das betrifft, ha­ben wir nichts zu befürchten: Die Fehler, mit denen jeder von uns, Männer und Frauen, durchaus freigiebig versehen sind, bilden eine sichere Garantie dagegen. Und dann, kleine Streittgkeiten unterbrechen das Einerlei des Lebens, geben Vorwände für allerhand Necke­reien, Scherze, Lachen und Versöhnungen, die für vorübergehende Unannehmlichkeiten reich­lich entschädigen.

Unangenehm" ... wir sind es alle zeitwei- ffg. Ich, mein Herr, nicht mehr als Sie, und Sie nicht mehr als ich selbst. Im großen Gan­zen sind wir aber guter Laune...

Wir sollten uns doch vertragen...

Dank einer gewissen Toleranz auf bez einen wie auf der anderen Seite natürlich!

Ich weiß sehr wohl, die Frauen sind unbe­ständig. Und Sie, meine Herren?! Ich weiß sehr wohl, die Frauen sind e^iistisch... Aber Stejinb es noch mehr!

Ich weiß sehr wohl, die Frauen sind ner­vös... Aber alles in allem get.ontmen, ist ein Nervenanfall nicht so schlimm wie ein Wut­ausbruch. Er ist weniger ernsthaft, er ist we­niger gefährlich.

Aufrichtig sein"... das läßt mich an die Luge denken. Wer lügt wohl öfter, Frau oder Mann: Die Frauen, die armen Frauen, sie- gen aus Notwendigkeit, weil Sie, meine Her­ren, zu sehr auf Ihre Autorität bedacht sind. Und bann, Sie sind eben die Stärkeren, und wir fürchten uns. Die Lüge ist für die Fran ein Verteidigungsmittel. Für den Mann ist sie ein Luxus, von dem er übrigens fehr ungeschickt Gebrauch macht: Zum Lügen, meine Herren, bedarf es einer Feinheit, die Sie nicht besitzen.

Aber, Scher; beiseite... es muß zugegeben werden, daß wir gleichstehen sowohl in Bezug aut die Fehler als auch in Bez ig auf die Vor­züge... Wir sollten uns doch vertragen...