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Kasseler Neueste Nachrichte«

17. Fohrgmeg. -- St. M.

Spiel war aus. Die vergoldeten Gitter, welche die drei Ehrenhofe von einander abschlossen, wurden niedergerissen, das Schloß seiner ganzen Inneneinrichtung beraubt und in ein Jnvatt- denhaus verwandelt. Versailles sank in eine Art Dornröschenschlaf. Rur einmal weilte Napoleon hier, als er, in Rußland geschla­gen, im strengen Winter die Orangerie besuchte, alle Bäume erfroren fand und nur einige Blu­men, die er noch vorfand, zum Andenken mit sich nahm. Später zur Staatsbildergalerie und zum gewaltigen Panorama der Schicksale dieses Landes verwandelt, hat das Schlößchen nur noch einmal unter Napoleon III. höfische Feste ge­sehen. noch stehen in dem kleinen Theater, das zur Hochzeit von Marie Antoinette eröffne, worden war. die Kulissen, als man hier zu Ehren des spanischen Königpaares eine Vorstel­lung gab. Englands Königin und der Preußen König zogen ein. Aber die Kaiserin von Ruß­land brach bei ihrem letzten Besuch in den Räu­men Marie Antoinettes in Tränen aus, ahnte sie das gleiche fchrecKiche Schicksal? Wieder zwanzig Jahre später, Millionen hatte der Welt- friea umaebracht, uralte Throne waren gestürzt worden, das Zarenpaar ermordet, ein deutsches Kaisertum gab es nicht mehr, die Revolution die zuerst an die Tore des Versailler Schlosses geklopft hate, war auf ihrem Laus bis in den fernen Osten gelangt, da versammelten sich in dem Spiegelsaal zur »friedlichen Neuordn mg der Welt" Vertreter fast aller Staaten, aber von demgenins loci" (vers-ailles-Sturm, der die Getreidefelder verwüstet) übel beraten, wurde nur Wind gesät, der einmal zum Sturm an­wachsen könnte.

Her mit der Wahrheit!

Die Kriegsschuldosfeustve unserer Staatslenker. Berlin, 28. Februar.

Zum Abschluß der amtlichen Kriegsakten- publikation haben sich geäußert: Reichspräsident von Hindenburg: Wir haben die politischen Ge- heimatten unserer Vergangenheit enthüllt, um der Wahrheit über die Entstehung des Welttrieges zum Siege zu verhelfen. Unsere Aktenpublikation ist ein offenes Bekenntnis an die Welt. Wir erwarten heute eine ebenso offene Antwort der Welt aus dieses Be­kenntnis. Reichskanzler Dr. Marx: Der hohe Gedanke der Völkerversöhnung kann auf geisti­gem Gebiet durch nichts so stark und nachhaltig gefördert werden, als durch unbedingte Aufrichtigkeit über jene Vergangenheit, die Europa in zwei feindliche Lager zerrissen hat. Wir haben damit der geistigen Annäherung der Nationen gedient. Reichsaußenminister Dr. Stresemann: Wie ich schon erklärt habe, sind wir Deutschen bereit, uns jedem un p a r 1 e i , schen Gerichtshof zu stellen, der die Ur­sache des Welttrieges untersucht. Jeder wird aus den amtlichen Akten die Ueberzeugung ge­winnen, daß Deutschland keineswegs den Krieg böswillig betrieben oder entfesselt hat.

Acht Stunden oder mehr?

Nach dem neuen Arbeitszeitnotgesetz. Bitlin, 28. Februar.

Das dem Reichsrat vorliegende Arbeits­zeitnotgesetz ändert die Verordnung vom 21. Dezember 1923 wie folgt: Der § erhält folgenden Absatz 3:War die Arbeitszeit ta­rifvertraglich geregelt und ist der Tarif­vertrag seit nicht mehr als drei Monaten abge­laufen, so dürfen die in Absatz 1 bezeichneten Behörden nur Arbeitszeiten zulaffen, die nach dem Tarifvertrag zulässig gewesen wären." 2. Der § 6 erhält folgenden Absatz 4: Wird die Mehrarbeit nach Abs. 1 aus allgemein wirtschaftlichen Gründen zugelaffen, so hat die zulaffende Behörde sie davon abhängig zu machen, daß den Arbeitern über den Lohn für die regelmäßige Arbeitszeit hinaus ein a n - gemessener Zuschlag gezahlt wird. Als angemessen gilt mangels einer abweichenden Vereinbarung, ein Zuschlag von 25 v. H.

Moskau läßt stch nicht bevormunden.

restlos zur Schassung neuen Wohn« raumS verwendet wird und nicht etwa tetu weise zur Bereicherung der Hauseigentümer?

Fememorde, aber keine Femegerichte.

Eiue peinlich-schroffe Zurechtweisung England-.

In der Antwortnote der Sowjetregie- rung auf Englands Verwarnung wegen der Soivjetpropaganda wird u. o. ausgeführt: Die jüngste britische Note zähle lediglich eine Reihe politischer Aentzernngen sow.etruffi- scher Staatsmänner auf. Es sei eine willkür­liche Erweiterung der bestehenden Vereinba­rungen, sie auch auf münddliche oder in der Presse veröffentlichte Aeußerungen innerhalb der Sowjetunion ausdehnen zu wollen. Weder in der Sowjetpreffe, noch in sonstige russischen Aeußerungen fei etwas zu finden, was etwa den scharfen Ausfällen der konservativen Regierung gegen die Sowjetregierung gleiche. Als anti­britische Propaganda könnte nicht aufgefatzt werden die Analyse und Einschätzung der Au­ßenpolitik der britischen Regierung, sowie prin­zipielle Ausführungen von russischen Parteifüh­rern über die Unabwendbarkeit der Weltrevolution und über die Bedeutung der nationalrevolutionären Bewegung im Osten. Die englische Regierung weiche bewußt von den allgemein gültigen internationalen Normen und Gepflogenheiten von selbst von den elemen- taten Anstandsregeln ab. Sie erlaube sich, mit der Sowsetregierung im Ton einer Drohung mit einem Ultimatum zu reden und die Verfassung der Sowjetregierung zu ignorieren, indem sie in ihrer Rote hart­näckige Versuche mache, politische Organisationen oder selbst internationale Institutionen an bk I Stelle der formellen Regierung der Sowjetunion I

zu setzen. Sie habe sich ferner einen unerhör­ten u. präzedenzlosen Ton gegenüber Tfchitfcherin erlaubt. Rach einem Hinweis auf Englands gegenrevolutionäre Machenschaften heißt es: Wenn die britifche Regierung glaube, daß der Abbruch der englifch-sowjetruffifchen Be­ziehungen dem Britifchen Reich und der Sache des allgemeinen Friedens zum Vorteil diene, fo werde sie naturgemäß entsprechend handeln und die volle Verantwortung für die Wir­kungen übernehmen müssen. Die Sowjetregie­rung werde trotzdem ein friedliches Entgegen­kommen der britischen Regierung begrüßen. England läßt es nicht zum Aeutzersten kommen.

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Nur ein halber Abbruch.

Halbamtlich verlautet zu der Sowjetnote: Man hatte nicht angenommen, daß die Sowjet­regierung irgendwelche Verantwortlichkeit für die Propaganda zugeben oder sich irgendwie sonst eine Blöße geben würde. Diejenigen An­hänger der Regierung, die an der englischen Note Kritik geübt haben, weil sie ihnen zu mil­de sei, betrachten die russische Antwort als un­verschämt. Sie werden einen starken Druck ausüben, um die Anulliernng des Han­delsvertrages und den Abbruch der diploma­tischen Bezrehungen durchzusetzen. In politi­schen Kreisen verlatilel, daß die Regierung die Diplomatischen Beziehungen jedoch l weiterhin bestehen lassen wird.

Kommt über die Berechnung des Zuschlages keine Einigung zustande, so entscheidet darüber die zulassende Behörde endgültig. Die Vorschrift des Satz 1 gilt nicht für Lehrlinge." 3. Der § 9 Absatz 1 besagt:Die Arbeitszeit darf bei Anwendung der in den §§ 3 bis 7 bezeich­neten Ausnahmen

zehn Stunden täglich nicht Überschreiten; eine Ueberschreitung dieser Grenze ist nur in Ausnahmefällen aus dringenden Grün­den des Gemeinwohls mit befristeter Ge­nehmigung zulässig."

In der Begründung wird ausgeführt, daß die starre Durchführung des Achtstunden­tages der deutschen Wirtschaft Lasten aufer­legen würde, die sie heute nicht zu tragen ver­mag. Eine Notregelung dürfe nicht das gel­tende Arbeitsrecht völlig umstürzen und die end­gültige Regelung vorwegnehmen, die das be­reits dem Reichsrat vorliegende Arbeits- s ch u tz g e s e tz bringen soll. Die wesenllichste Aenderung ist folgende: Nach § 9 der bisherigen Arbeitszettverordnung ist es zulässig, die Grenze von zehn Stunden dann zu überschreiten, wenn dringende Gründe des Gemeinwohls das ge­boten erscheinen lassen. Die Entscheidung über das Vorliegen der dringenden Gründe ist aber, sofern es sich um eine tarifliche Regelung han­delt, ganz dem freien Ermessen der Tarif­parteien überlassen. Der neue Entwurf schlägt vor, die Mehrarbeit über zehn Stunden hinaus stets von einer behördlichen Genehmi­gung abhängig zu machen, und die Anwen­dung der Ausnahme auch wirklich auf diejeni­gen Fälle zu beschränken, 'n denen die Rücksicht auf die Allgemeinheit sie geboten erscheinen läßt.

An ven Parlamenten wird es still.

scheHandelsvertrag angenommen. Beim Haushalt des Arbeitswlnisters f*rberte Abg. Becker (Zir.z die Aufstellung eines langfristigen Bauprogramms. Mit der Mietserhöhung müsse eine Lohnsteigerung Hand in Hand geben. Der Redner forderte weiter die Beseiti­gung des Ueberstundenunwefens. Er wünschte eine Denkschrift über die Entlassung älterer Arbeiter und Angestellter und beantragte, still­gelegte Unternehmungen, die innerhalb eines Jahres wieder in Betrieb genommen werden, zu zwingen, die Entlassenen wieder einzn- stellen. Abg. Thiel (Bp.) warf die Frage auf, ob man nicht die Schulzeit um ein Jahr verlängern solle, um die Zahl derjugenbli­chen Erwerbslosen zu »erminbern. Er be- bauerte, daß die Wirtschaft vorläufig auf keine soziale Entlastung rechnen könne, da die Inva­lidenversicherung nur noch höchstens ein Jahr mit den heutigen Beiträge auskommen könne. Neben einer Besserstellung bet Kriegsbe­schädigten und bet Kriegshinterbliebenen wünschte bet Redner, daß die Angelegenheit des Reichsehtenmals fo gefördert werde, daß es zum Ä). Geburtstag Hindenburgs fertig werde.

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Dor leeren Dünken.

Auch der Landtag führte am Sonnabend vor nur fchwachbesetztem Hause die Emzelberatung des landwirtschaftl'uAn Haushaltes zu ende. Es wurden zahlreiche Wünsche vorgetragen ohne das die Sitzung besonderes Interesse bot Das Haus vertagt sich auf den 15. März.

Mehr Wob ungen durch die Mleiserhvbung?

Berlin, 28. Februar. Zu den Mietserhöhun- gen am L April und 1. Oktober zwecks späterer Aushebung der Wohnungszwangswirtschaft be­sagt eine Landtagsanfrage (Soz.), daß eine solche Aufhebung zur Voraussetzung habe, daß vorher durch entsprechende Neubautätig­keit der zurzeit bestehende Wohnungs­mangel beseitigt wird.Wir fragen des­halb: Was gedenkt das Staatsministerium zu

Der Reichstag läßt die vorgesehene Tagungs­pause bis zum 9. März programmäßig eintre­ten. Am Sonnabend wurde noch vor schwach ----------- _ . ml. -

besetztem Haufe zunächst der deutsch -türkt- Nun, um zu erregen, daß bie erhöhte Miete

'Vertagung bis zum 9. und 15. März.

Berlin, 28. März.

Berlin, 28. Februar. Nach dem Ergebnis der Sonnabend-Abstimmungen im Femeaus­schuß, das aber erst nach der Gesamtabstimmuna endgülttg sein würde, betrachtet der Ausschuß die M o r d f ä l l e Baur.Sandmeyt.Har- tung als von einzelnen Mitgliedern der Mün­chener Einwohnerwehr zur Bestrafung angeblicher Verräter ausgehende Fememor­de im Sinn der Begriffsbestimmung des Aus­schusses. Für die Annahme, daß diese Straf­taten von der Organisationsleitung gebilligt worden seien, liege kein Anhalt vor. Ferne- organisationen im Sinne des Ausschuß- beschluffes hätten also nicht bestanden. Allerdings habe die Leitung zu den Tätern nicht eine ausdrücklich ablehnende Stellung eingenommen. Im Falle Dobner wird das Ur­teil als Fehlspruch erachtet.

Neues aus Kassel.

Aus tem Derelnöleben.

Der Verein der Eichsfelder feierte in den Bürgersälen, die mit ihrer Laubendckoralion so überaus anheimelnd wir­ken, fein fünfzehntes Stiftungsfest. Flotte Marschweisen eröffneten das abwechselungSrci- che Programm. Ein Prolog mit der Aufforde­rung, die Heimat zu ehren, und stch ihr in ste­tem Gedenken hinzugeben, w irde von Fräulein Kühler mit Ausdruck und Temperament vorge­tragen. Der erste Vorsitzende, Kühler, begrüßte die in großer Zahl erschienenen -^stgäste und fand begeisternde Worte für die Treue zur Hei­mat. Musikalische Darbietungen wechselten mit Gesangsvorträgen eines Doppelguartetts des MännergesangvereinsLiederkranz", von denen besondersDaheim" undDeutscher Sang" rei­chen Beifall fanden. Die Festrede hielt Schrift­steller Kaufmann -Göttingen, der die Hei­mat als Quelle der Kraft feierte. Der Redner, ehemals Kaplan in Leinefelde, und ein hervor­ragender Kenner des Eicksfeldes, verstand es in feiner bekannten, volkstümlichen Art, _ vor oetn inneren Auge der aufmerksamen Zuhörer­schaft das Eichsfeld, die Heimat, erstehen zu lassen und alte, liebe Erinnerungen wachzuru­fen. Ein kleines LustspielErste Liebe" wurde mit viel Geschick und flott aufgeführt. Allen Darbietungen dankte die sestsrohe Menge durch lebhaften Beifall. Den Abschluß bildete cm Ball, bei dem Jung und Alt auf seine Ko- sten kam. *ee

In denBüraersälen" versammelte die Deutsche Kameradschaft" ihre Getreuen und Freunde am Sonnabend zu einem flotten Ko­stümfest. Auch hier herrschte echte Karnevals­stimmung, die durch besondereSingelieder" humorvolle Dichtungen eines Vereinskamera­den noch erhöht wurde. Bei Tanz und Ge­sang wurde manch liebe Erinnerung an gute und böse Stundenbeis Kommiß" ausgefüscht.

Rtuflkallsche Qlbenöfeier.

Für ein Ehrenmal für die Gefallenen.

Auch in der Hof- und Garnisonkirche soll wie in allen Gemeindetirchcn ein Ehrenmal für die Gefallenen errichtet werden. Da ein beson­ders künstlerisches und wertvolles Denkmal ge­plant ist, das erhebliche Kosten verurfacht, griff man zu dem gebräuchlichen Mittel, durch eine musikalische Abendfeier am Sonntag Abend einen Teil der Gelder zu erlangen. Leider war der Besuch ntcht allzu erfreulich. Im Interesse des edlen Zweckes wäre ein besserer Besuch wünschenswert gewesen.

Der Rosenkavalier.

Seueinftnbiert im Staatstheater.

Endlich. Endlich durften wir uns an dieser Meisteroper wieder einmal erfreuen. Endlich ward uns der berauschende Dust dieser herrli­chen komischen Oper, die mit Fug und Recht ne­benFigaro" und dieMenstersinger" gestellt wird. Wie lächerlich kommt uns heute der Streit um dieses Werk vor, der vor siebzehn Jahren bei der Uraufführung entbrannte. Wie töricht und kleinlich die Stimmen der Krittler, die da­mals den saftigen Humor, den prachtvollen Stil, bte entzückend fein gemalten Seelenzu­stände der handelnden Personen, die große mu- sikdramatische Linie in diesem Werk verkennen wollten, und sich in lächerlichen, häßlichen, von Parteigeist diktierten Ausstellungen gefielen, daß nicht alles an dieser KöstliOett köstlich sei, und daß nicht überall die wunderbare, geradezu ehr­furchtgebietende Höhe des ersten Aktes erreicht sei . .. Das Publikum zeigte gestern abend, wie ihm der Rosenkavalier und Richard Strauß ans Herz gewachsen sind. Es war ein Jubel ohne gleichen. Mit tiefster Erschütterung war das Drama der Marschallin, mit fröhlichem Lachen und Beifallsstürmen wurde die freche Masken- komödie des Oetavian aufgenommen. Die ge­strige Ausführung zeigte, daß das Werk Ewig­keitswerte hat.

Die Ausführung war, als Ganzes genommen, hervorragend. Daß bei den Neubesetzungen (und alle wichtigen Rollen waren neu besetzt) nicht alles ganz gleichmäßig geraten kann, ergibt sich für den, der die Individualität unserer Künst­ler kennt, von selbst. - Musikaliscker Führer war Robert Laugs. Was wir an diesem herrli­chen, gedankenreichen, feinen Künstler besitzen, das zeigte sich bei dieser Rosenkavali-r-Auffnh- ntttg. Es war alles auf das Feinste Subtilste studiert. Nicht die kleinste Unregelmaßtgkett machte sich bei der Wiedergabe dieser enorm schweren Partitur bemerkbar. Der Klang des Orchesters war voll und schön, niemals dte Stimmen der Künstler deckend. Den Vorspielen znm ersten und dritten Akt gab Laugs den ge­

waltigen Schwung und nahm dem entzückenden Vogaio des letztgenannten Vorspiels, das, was uns vor ein paar Jahren noch problematisch er- schien. Thematisch war durch eine ungeheuer eindrucksvolle Dvnamik alles vollkommen klar- gestellt. Aber auch int Werk selbst bewies sich Laugs als ein Stabführer von größter Bedeu­tung. Wie präcktig hielt er die musikalische Li­nie. Wie wundervoll eindrucksvoll ließ er das Orchester, das übrigens besonders schön spielte, singen. Die Einleitung zum großen Terzett des letzten Aktes war eine Meisterleistung; die Walzer gelangen schmissig und abgerundet. Der Beisall, der am Schluß die Solisten häufig vor die Bühne rief, wurde zum Orkan, als nach häu­figem Rusen Laugs erschien. Von den Soli­sten gehört die Krone der Marschalltn des Fräulein Elema. Wir sind nicht immer mit den Leistungen dieser Künstlerin einverstanden ge­wesen. Umsomehr fühlen wir uns verpflichtet, zu erklären, daß Fräulein Elema mit ihrer Mar­schallin schlechthin eine Meisterleistung geschaffen hat, eine Leistung, mit der sie sich ruhig neben die größten Vertreterinnen dieser Partie in Deutschland stellen darf. Fräulein Elema ver­stand es meisterlich, ihre gewaltigen Stimmittel zu zäumen, alles klang herrlich gedämpft, wie durch einen zarten Schleier, wie Samt gedeckt. Schauspielerisch war Fräulein Elema ebenso glücklich. Unter Verzicht auf allesGetue" gab sie ein Idealbild des schweren SeelenrtngenS der alternden, verzichtenden Frau. Ihr war neben Längs der große Erfolg des AbendS zu verdanken. Die übrigen Vertreter der Haupt- vartien müssen mit einem recht erheblichen Ab­stand hinter dieser ganz ungewöhnlichen Set« fhmg genannt werden, wenn auch von vornher­ein anerkannt werden soll, daß jeder mit star­kem Bemühen bestrebt war, fein Bestes zu geben.

Grete Reinhard ist sicher keine ideale Vertreterin des Rosenkavaliers, stimmlich viel zu hell und scharf, vermag sie auch schauspiele­risch diese wundervolle Partie nicht auszuschöp­fen. Es ist da alle? noch so unausgeglichen, zu wenig entwickelt, vieles zu sehr altes Theater. Anerkannt werden mag die große mustkaltsche Sicherheit, mit der die Künstlerin die Partie be­

herrschte. Der Gesamtleistüng war ein wenig vorteilhaftes Aeßere abträglich. Sehr neugie­rig war ich auf den Ochs von Lerchenau des Herrn Schwedt. Von seiner Leistung kann mit Rocht mit viel Respekt gesprochen werden. Schwedt war musikalisch erstaunlich sicher, wenn auch vom Kapellmeisterstab noch nicht unabhängig genug: es ist zu hoffen, daß sich das durch häu­fige Wiederholung sinden wird. Stimmlich war der Künstler prächtig. Seine glücklichen Ver­suche, zu charakterisieren, sollen anerkannt wer­den. Dagegen konnte er schauspielerisch die Lei­stung no ch keineswegs abrtntben. Aber alles hieran war nicht Schuld des Künstlers selbst. Ma» wird den Spielleiter dafür verantwortlich ma­chen ssen, daß Schweedt in einer viel zu ju­gendlichen Maske erschien. Dadurch geriet man­ches viel zu leicht. Zum Beispiel die große Liebes"schilderung im ersten Akt. Aber auch in den übrigen Szenen schöpfte Schwedt nicht entfernt schauspielerisch die Möglichkeiten dieser allerdings eminenten schweren Partie aus. Hermine Dippel fang die Sophie. Bei Wür­digung der starken Musikalität der Künstlerin und ihrer erstaunlichen Sicherheit ist das süße Sümmchen doch noch zu zart und fein, als daß es den gewaltigen Strauß 'scheu Wogen stand- halten könnte. Hier wird man von der Zukunft manches erwarten dürfen. Im Spiel gab Frl. Dippel manches Beachtliche. WuzLl war ein ganz prächtiger, neureicher Faninal, Sofie Brandstätter eine stimmlich hocherftenliche Du- cnna. Das Jnttigantenpaar wurde von Paul Kluge und Lola Stein recht fein und humor­voll dargestellt. Um einen Sänger, wie Martin Kremer werden uns (leider nicht mehr lange) große Bühnen beneiden. Die unzähligen klei­nen Rollen mögen sich mit einem Gesamtlob begnügen. Jeder tat an seiner Stelle feine Pflicht und trug so zum Gelingen des Ganzen bei. Spielleiter war Herr Derichs. Wie schon oben angedeutet, gelang ihm diesmal nicht alles gut. Zu den positiven Leistungen rechne ich das Lever der Marschallin im ersten Akt und das lustige Qui-Pro-Quo des letzten Aktes. Da­gegen war die Auffassung des Ochs durchaus abzulchnen; ganz besonders im ersten Akt. Sze­

nisch war das meiste beim alten geblieben. Der zweite Akt war in seiner Himbeereisfarbe recht charakteristisch für bett Neureichen.

Das Haus war fast ausverkauft. Der Ju­bel des Publikums über das wiedergewonnene Meisterwerk war unendlich Hauptdarsteller, Kapellmeister und Spielleiter mußten sich un­endlich oft für die überreichen Beifallsbezeu­gungen bedanken Wir aber freuen uns, daß wenigstens ein Werk des größten deutschen Komponisten für den Spielplan des Kasseler Staatstheaters zurückgewonnen ist. Dr. P.

Mitten im Leben.

Zwischen Seufzern und Gesängen Bringen wir die Stunden hin.

Jahre gehen. Jahre drängen Was doch ist ihr letzter Sinn, Vorwärts? Doch zu welchem Ziele? Zukunft, warum so vermummt? In der Sülle fragen viele, Die im Drang des Tags verstummt. Rastlos nimmt im nebelfeuckten Grund die Welle ihren Lauf. Und in hohen Rächten leuchten Rätselvolle Sterne auf. Schwefelschwüle Wetter zucken Unbestimmt am Horizont, Aengstlichschenes Mederdncken, Wenn ein Blitz die Nacht entthront.

Hämisch lachend über Leichen Hetzt der Haß die Liebe wund, Und ein großes Fragezeichen Geistert fahl tm Hintergrund.

F. Schrönghamer-Hetmdal.

Aus Kunst und Wissen.

Ehrung eines deutschen Architekten. Der Ehrenbürger von Berlin, Geheimer Baurtt und Stadtbaurat a. D. Ludwig Hofsmann, ist zmn korrespondierenden Ehrenmitglied der Rohal Institute of Britsh Arckiiekts" in London gewählt worden. Es ist dies feit 21 Jahren die erste Ehrung eines deutschen Ar­chitekten in England.