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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 46. Amtliches Organ der Stadt Kassel. Donnerstag. 24. Februar 1927. Amtliches Organ der Stadt Kassel. 17. Jahrgang

Auf dem brodelnden Ehinefenvulkan.

Der Ohrfeigen-Efel.

Ein -unter Bilderbogen aus Brüffel.

Brüffel, Ende Februar.

Um mit den Deutschen anzufangen! Beliebt find sie auch im Brüssel von heule noch nicht. Ich will nicht sagen, daß man uns ungezogen cntgegentrilt. Ich muß sogar anführen, daß mir auch bei den kleinen Mißverständnissen und ein wenig ärgerlichen Zwischenfällen des täg­lichen Verkehrs außerhalb der Streitfrage lie­gende chauvinistische Aufwallungen nicht be­gegnet sind. Aber man behandelt uns fremd, deutlich dl st anzierend, mit einem sen­timentalen Schmerzenszug um die Mundwin­kel. Wir kommen dabei übrigens immer noch besser weg als in Amsterdam, wo man den Mofsen" mit einer bewußten Dickfelligkeit, die nicht se'ten schon erstaunliche Grade offenbarer Flegelei erreicht, beehrt oder als im Haag, wo er der Gegenstand eines grotesken Hochmutes zu sein pflegt. Dabei habe ich immer nur ge­sehen, daß sich die Dentschen durchaus mit Takt und Bescheidenheit hier und im anderen Aus­land bewegten, und sich dadurch vor den Engländern und noch mehr vor den Amerika­nern sehr wohltuend auszeichneten. In Brüssel versteht man den Schmerz und achtet ibn, da er nicht in Tobsuchtsansälle umgesetzt wird. Aber man beschäftigt sich mit ihm und denkt an .besetztes Gebiet" während des Krie­ges und nach dem Friedensschluß.

Da ich ein wenig in die Politik geraten bin: DerHeldenfilm" die Große Parade isi nicht gerade Locarno-Gewächs. Er läuft bald rn der vierzigsten Woche und nähert sich der dreihundertsten Aufführung. Eine täuschend ähnliche" Schützengrabenangelegen­heit mit einem wie aus dem Ei gepellten bel­gischen Feldgrauen und deutschen Soldaten mit schauderhaften Uniformen und grauenvollen Galgengesichtern. Zur Ehre der Belgier darf man sagen, daß die erwähnten Galgenge­sichter nicht in Belgien, nicht in Deutschland, za überhanvt nicht in Europa gewachsen sind. Sie gehören zu dem unbestrittenen Besitz der Vereinigten Staaten, denn dieser Film, dieser Hetzfilm gegen Deutschland, ist amerikanischer Herkunft. Ein ganz großes Ge- sclzäft! Gewiß! Die Schulen Brüssels und der weiteren Umgegend stürmen diesen Film in zweistündigem Abstand ab 2)4 Uhr nachmittags Die Erwachsenen katzbalgen sich in den Abend- stunden um einen Platz an den Kassen und Kriegsinvalide nutzen die günstige Gelegen­heit, um die Aufmerksamkeit auf ihre Leiden zu lenken, und ein paar Franken in ihren Mützen zu sammeln. Abgesehen davon ist aber auch immer Polizei zur Stelle: denn die Opposition gegen diesen Film ist auch nicht gering. Trupp­weise wandern Kriegsteilnehmer vorbei und äußern ihren Unmut Über denamerikanischen Sausilm" in sehr kräftigen vlämischen und französischen Ausdrücken.

Aber sogar der König der Belgier, also der repräsentative Hüter der belgischen Locar­no-Politik ist dagewesen. In den Vaudevilles und Revuen hört man bissige Bemerkungen über diesen König und die Amerikaner, die so geschäftstüchtig seien, daß siedem König sogar einen Freiplatz verschaffen" konnten. Am klar­sten hörte ich diesen nicht schmeichelhaften Hin­weis bei einer großen Revue. Das gute Bür­gertum, dar Parkett und Logen beherrschte, brach in schallende Heiterkeit wegen der Andeu- tungen über denbilligen" Platz des Königs aus. Hier ging es überhaupt recht respektlos zu. Den durchschlagendsten Heiterkeitserfolg, aber meine grenzenlose Verwunderung erregte ein Esel, der als Betriebskraft des StaatS- karrens von zwei Akrobaten mit tatsächlich überwältiender Komik dargestellt wurde. Er schaffte mühsam den Staatskarren auf die Bühne, auf dem die Belgia eine überlebens­dicke Claire Waldoff Brüssels mit Schuppen­panzer in sieghafter Pose festen Fuß gefaßt hatte. Sie stellte in ihren Erläuterungen frei den Staatsesel als die Verkörperung des Kö­nigs oder der Regierung oder irgend eines Mi­nisters anzusehen. Damit setzte sie ihm ihren S t r a u ß e n f c d e rb u s ch mit den schwarz­gelbroten Landesfarben zwischen die lan­gen Eselsohren. Als Vertreter der bel­gischen Nation erklärte sie den Esel für gut ab- gerichtet. Wenn er sich ungehörig benehme, könne man ihm eine Ohrfeige versetzen. Sie tat das auch. Und nun kam viele Minuten lang weiter nichts, als daß dieser die Staatsleitung verkörpernde Esel ins Schwanken geriet, mit den Landesfarben hoffnungslos in den Staub sank und nicht wieder auf die Beine kommen konnte. Das Publikum war von den Plätzen aufgesprungen und überschüttete die Szene mit Beifall und Jubel, bis die vulminöse Bel­gia ihn wieder auf die Beine gestellt hatte. Ich

Keine Verwicklungen in Preußen.

Wegen der Wohnungsfreigabe Kultus- und Wohlfahrtsminister werden heute siegen

Gerechte Richter.

Hergt nimmt seinen Beamten in Schutz. Wie ksmmr« wir übet bi* SetfrattcttSlrif» bitt« weg? Auch dk* SRdrter oertnSnnfläfre». Kom- Hinniftrnnttarfcn genrtt btn SicidtßOtäfibtttkn.

Sozialdemokraten und Demokraten sich dem Mitztrauensantrag anschließen werden, trifft, wie aus parlamentarischen Steifen ver­lautet, nicht zu. Diese Parteien werden viel­

mehr gemeinsam mit dem Zentrum und der Wirtschastspartei, die fa ohnehin für die Auf­hebung der Zwangswirtschaft eintritt, gegen das Mißtrauensvotum stimmen, sodaß die Ab­lehnung des Mißtrauensvotums mit großer Mehrheit erfolgen wird. Auch mit der Ablehnung des Mißtrauensvotums gegen den Kultusminister wird bestimmt ge-

Berlin, 23. Februar. (Funkdienst.) Heute wird im Landtag über die Mißtrauens­anträge gegen den Kultusminister Dr. Becker und den Wohlfahrtsminister Hirtfiefer abge­stimmt, welch letzterer bekanntlich wegen seiner Berordnung über die Freigabe der gewerb­lichen Räume (siehe Kasten 2. Seite) im Landtage stark angegrisfen wurde. Aus Grund der Beschlüsse des gesamten preußischen Kabi­netts werden jedoch die vom Landtag angenom­menen Abänderungsantrüge unberücksich­

tigt bleiben. Die Vermutung, daß wegen die- .. .

ses Vorgehens des Wohlsahrtsunnisters die i rechnet.

Zn 18 Stunden über den Ozean.

Warum de Pinedo nicht in Brasilien landen konnte / Ein Jnbel- tag für Italien / Aeberstunden, Lohnkrisen und Aussperrung. Blutiger Wahlterror in Chicago / Sozialistenfront gegen Poinearö.

London, 23. Februar.

Ein Blatt meldet aus Rio de Janeiro, daß entgegen früheren Meldungen de Pinedo nicht aus dem brasilianischen Festlande ange­kommen, sondern zuerst bei der Insel San Fernando de Roronha an der brasilia­nischen Küste ins Meer gefalle» ist. de Pinedo und seine Begleiter konnten aber von dem brasilianischen KreuzerBarrozzo" gerettet werden. Sie wurden mit Flugzeug nach San Fernando zurückgcbracht.

Rom, 23. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Der Trans-Ozranflug hat achtzehn Stunden ge­dauert, in welcher Zeit de Pinedo rund drei­tausend Kilometer zurückgelegt hat.

*

Die Landung war zu gefährlich.

Rom, 23.. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Nach späteren Meldungen hat de Pinedo nach vollbrachtem Ueberfliegen des Atlantischen Ozeans infolge stürmischen Wetters an der bra- silianischen Küste nicht landen können, ohne den Apparat aufs Spiel zu setzen. Er mußte daher nach der Bucht von San Fernando zurückkehren, die er schon drei Stunden vorher überflogen hatte. Das Flugzeug und seine Besatzung be­finden sich in ausgezeichneter Verfassung.

de Vlnebvs Lorbeeren für...Mussolini.

Rom, 23. Februar. (Eigener Drahtbericht.) Die Nachricht von dem Gelingen des Ozeanflu­ges wird in ganz Italien mit ungeheurem Ju­bel aufgenommen. Anläßlich der heutigen Kam- rnereröffnung ist bereits eine Sympathie­kundgebung für Mussolini angekündigt.

* * *

Keine Verewigung der Lleberstunden.

Die Bankangestellten für elastischere Arbeitszeit.

Berlin, 23. Februar.

Der Verband der Bankangestellten erklärte zur Arbeitszeit iit einer Gegenerklärung, daß die von den anderen Bankverbänden geforderte Verewigung des Ueberstundenwesens bei den Bankangestellten auf stärksten Wider- stand stoßen werde. Dagegen erklärt sich der Allgemeine Verband mit dem Vorschlag der Bankenverbände, die Forderungen der Arbeit­geber für eine elastischere Gestaltung der Ar­beitszeit mündlich zu begründen, einverstanden.

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Dom Lodnftreli zur Aussperrung.

Berlin, 23. Februar. Die Aussperrung der Holzarbeiter soll in Stuttgart heute und in den übrigen Teilen des Landes am 26. Februar be­ginnen und dürfte etwa 9 400 Arbeiter umfas­sen. Lohnstreitigkeiten bei einer Möbelfirma bilden die Ursache. Verhandlungen vor dem Schlichter find gestern ergebnislos verlaufen.

*

Streiken auch die Berliner Brauer?

Berlin, 2. Februar. In einer Funktionär- versainmlung der Branereiarbeiter wurde ein

Antrag angenommen, der den sofortiges Ein­treten in den Streik fordert.

Auf dem Siedepunkt.

Chinefcngranaten in Schanghai. Höchster Alarm (Eigene Drahtmeldung.)

London, 23. Februar.

Reuter berichtet aus Schanghai, es seien im­mer noch hunderttausend Arbeiter im Streik. Der Postdienst und der Verkehr der Omnibusse und Straßenbahnen seien wieder ausgenommen. Die Hinrichtungen gehen in beschränkter Zahl weiter. Französische Marinetruppen mit Maschinengewehren stehen in allen Straßen die zur Chinesenstadt führen. Ein meuterndes Kriegsschiff der Nordarmee bombardierte das Ausländerviertel in Schanghet. Die Verluste durch die Beschießung können noch nicht seftge- stevt werden, es steht aber fest, daß keine Ausländer getötet oder verletzt worden sind. Die französische Konzession hat mobilisiert.

Der Fluch des Bruderkriegs.

Kommandowechsel im Reich der Mitte.

London, 23. Februar.

Ein Sonderberichterstatter in Nanking mel: bet: Es verlautet, daß Suntschuanfang sein Amt niedergelegt und den Befehl über den Rest seiner Streitkräfte General Linksiangting übertragen habe. Die Schantungstreitkräfte haben den Vormarsch nach' Südkiangsu begonnen; man weiß aber nicht, ob für oder gegen die Kantonesen.

London, 23. Februar. (Durch Funkspruch.) Ein Pekinger Korrespondent will wissen, daß Dr. Wellington Koo seinen Posten als Premierminister und Finanzminister endgültig niedergelegt habe. Liang Shih M sei von der mandschur. Partei zum Premier ernannt.

Wie es Chicago macht.

Wilder Wahlterror mit Autos und Waffen. (Funkdienst)

London, 23. Februar.

Aus Chicago wird berichtet, daß es dort gestern bei den Bürgermeister- und Gemeinde- ralswahlen zu zahlreichen Gewalttätigkeiten kmn, obwohl dreitausend Polizisten und Detek­tive die Wahllokale bewachten und in Automo­bilen mit Gewehren und Maschinengewehren durch die Straßen fuhren. Ein republikanischer Wahlrichter und zwei Kontrolleure wurden von sieben bewaffneten Männern entführt. Außer­dem haben sich vier ähnliche Fälle ereignet. Drei Männer wurden durch Schüsse verletzt. In einem polnifchen Wahlquartier wohin ein Wahlkontrolleur entführt worden war, wurden dreißig Männer verhaftet und sechs Revolver imd ein Maschinengewehr beschlagnahmt.

war starr vor Verwunderung, denn das war doch eine beispiellose Ehrung der Landessar- ben. Von der dazwischen abfallenden Kritik für die Regierung ganz zu schweigen. Also, das war das echte, das wahre Brüssel! Ca c'est Brurelles!

Aber sieht man sich die prunkenden Bauten imd Paläste, den mächtigen Rathausturm und den Riesenkuppclbau des Justizpalastes doch

genauer an, dann weicht der Klang der fran­zösischen Umgangssprache Brüssels aus den Ohren, und dann begreift man die doppel­sprachigen Straßenschilder und weiß, daß diese Stadt dem Vlämischen, dem Niederdeutschen trotz allem näher steht als dem nur 3)s-D-Zug- stunden entfernten Paris und stellt innerlich fest: Nein, nicht ca c'est, sondern dieses ist das "»-ahrc Brüssel I Lff.

Berkin, 23. Februar.

Im Reichstag stimmte gestern beim Versor- gimgshaushakt Abg. 8 o i b l (Bayer. Vp.) dem Gedanken einer Pensionskürzung zu mit der Begründung, daß in der jetzigen Rot des Landes jeder vaterländisch Gesinnte Opfer bringen müsse. Der Haushalt wurde unver­ändert angenommen. Alsdann begründete Abg. Hoernle (Kom.) mit scharfen Rnarissen auf Reichsbanner, Sozialdemokraten uns.Hinden­burg einen Antrag auf Streichung des Ge­halts des Reichspräsidenten. Reichs- justizminister Dr. Hergt erwiderte daraus, daß das ganze deutsche Volk dem Reichspräsidenten zu tkfftem Danke verpflichtet sei. Wir wissen, wie er durch sein Verhallen beim Kriegsende und durch feine Amtsführung als Präsident für die

Konsolidierung des Staatswesens gewirkt und wie er das Ansehen Deutschlands in der ganzen Welt durch sein Verhalten ge­hoben und befeftigt habe. Auch der Haushalt des Reichspräsidenten wurde darauf bewilligt. Beim Justizhaushalt betonte Dr. Hergt, daß die Vertrauenskrise vielfach überschätzt werde, daß inan nicht vergessen dürfe, was seit der Staatsumwälzuug alles aus den Richter- stand eingestürmt sei, wobei gerade das hohe Maß der Selbswerantwortlichkeit des Richters es natürlich erscheinen lasse, daß dieser Stand nicht so schnell wie manche anderen Kreise sich von beute auf morgen auf die neue Zeit um gestellt haben. Wir haben die Staatskrise nach 1918, die Währungskrise, teil­weise auch die Wirtschaftskrise überwunden und so werden wir

auch die Vertrauenskrise der Justiz überwinden. In Kassel habe der Richtertag die ab so- lute Verfassungstreue des Richt erstan. des deklariert. Der Minister wandte sich nach­drücklich gegen den Gedanken, die Unab­hängigkeit des Richterstandes auszuheben. Die Reichsregierung werde niemals irgend­wie die Unabhängigkeit des Richterstanbes be­schränken. Dr. Levi (Soz.) griff die Reichs­justiz verschiedentlich sehr heftig an, und betonte, daß zwar in der preußischen Justiz sich die Ver- hältnisse gebessert hätten, daß sie beim Reichs­gericht aber schlimmer geworden seien.

Selbstmorde in der Reichswehr.

Ter Minister warnt vor Sensationen.

Berlin, 23. Februar.

Im Haushaltsausschuß betonte Abg. Mo- s e s (Soz.) beim Reichswehretat, daß die Zahl der Selbstmorde in der Reichswehr noch außer­ordentlich hoch sei. 1926 seien neunzig Selbst­morde und sechsundvierzig Selbstmordversuche vorgekommen. Die Hälfte aller Selbstmorde sei in den ersten Dienstjahren eingetreten, und das Alter von achtzehn bis dreiundzwanzig Jahren verzeichnet weit über die Hälfte aller Selbstmor­de. Unter den Ursachen sei alles mögliche ange­geben worden, dienstliche Behandlung aber nur in vier Fällen und auch hierbei werde aus­drücklich erklärt, daß keine vorschrists- widrige Behandlung der Vorgesetzten Vorge­legen habe. Hier setze das Mißtrauen des Red­ners ein, besonders wenn man an das Jäger­bataillon in Ulm denke, wo allein in der letzten Zeit fünf Selb st morde eingetreten seien. In L u dw i g s l u st z. B. habe sich der Schwa­dronschef um die fortgesetzte Mißhandlung der Soldaten nicht gekümmert, und charakteri­stisch sei, daß der Oberstabsarzt, der mehrere verwundete und mißhandelte Soldaten in Be­handlung bekam, keinerlei Schritte unternommen habe. Vorgesetzte, die solche Zustände duldeten, müßten rücksichtslos aus der Reichswehr entfernt werden. Abg. Dr. Schreiber (Z.) bezeichnete die Bekämpfung des Selbstmordes als ein Erziehungsproblem. Abg. Schöpf- l i n (Soz.) fragte, was mit den Vorgesetzten ge­schehe, bei denen Mißhandlungen vorkämen. Wehrminister Dr. Gehler erklärte, die Heeres- leitung wolle die Selbstmorde durchaus unter­drücken. Er warne vor sensationeller Ausmachung dieser Sache, weil das immer suggestiv wirke. Wenn Mißhandlungen vor­kämen, so sei der Kompagniechef nicht die Mutter der Kompagnie. Angenommen wurde eine Entschließung betreffend bessere An­rechnung der M i l i t ä r d i c n st z e i t für die Militäranwärter bis zur Höchstgrenze von acht Jahren, ferner Entschließungen betreffend Ab-