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17. AlchrWvkg.

Kaffeier Neueste Nschrichter»

Mittwoch, 23. Februar 1927.

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war

Sanitätsrat Dr. Möhring (Dschntl.) bedauerte,

Sm m ios Milt mitwiti

Wie Schreckensnachrichten entstehen / Was ein Augenzeuge erzählt

H.

den Etat zu?

das daß wir uns ein

Au«

Sit­

arn Nachmittag des 17. dorthin gingen, um die Trümmer anzuschauen, empfing uns sehr freundlicher Direktor, zeigte uns die

Verordnetenabend die Rathausumgebung be­herrschte. Der Rathaushof ohne Polizeifeldlager mit stampfenden Pferden bot ein fast ungewohn­tes Bild. Die nächste Sitzung findet voraus­sichtlich am 7. März statt und dann geht es auf

3hir ein Biettelstündchen.

Das Kasseler Stadtparlament für Kürze;

Rettungswesen und Wohlfahrtsanzug.

Das „Unbegreifliche" ward gestern Ereignis. Auch im Kasseler Stadtparlament kann es ein­mal rasch gehen. Das Verdienst hat aber allem Anschein nach Stadtverordneter Dr. Freister... er fehlte, durch Krankheit entschuldigt und des­halb kam seine sowieso schon am Vertagungs- fieber erkrankte Anfrage über die Ueberschüsse der gewerblichen Werke wiederum nicht zur Be­antwortung. Wie man „hinter den Kulissen" erfuhr, wäre diese Anfrage auch nur in vertrau­licher Sitzung beantwortet worden, da sie geeig­net ist, das ganze

Finanzproblem der Stadt Kassel aufzurollen, vor allem die Deckung der jetzt schon 10 Millionen betragenden Wohlfahrts- kosten (sie werden im nächsten Jahr mindestens 12 Millionen ausmachen). Gerade die Finanz­lage gibt zu denken. Es sei schon heute daraus aufmerksam gemacht, daß im nächsten Jahr, da aus Gründen der Reichsfinanzen die Grund­steuern geschont werden müssen, die Gewer­besteuern, deren Höhe schon in diesem Jahr bekämpft wurde, märchenhafte Prozentsätze er­reichen wird — noch ist es Zeit zum Protest! Ohne irgendwelche Beanstandungen genehmigte das auf den Tribünen zahlreicher als im Sit­zungssaale besuchte Haus den neuen Zuschuß zum Tuberkulose » Kinderkranken­haus in der Heilstätte Oberkaufungen und die angeforderten 344 000 Mark Anleihemittel für die Erweiterung der Handels- und Gewerbe­schule an der Gießbergstraße. Einige Rech- nungs- und Eingabensachen wurden im Hand­umdrehen erledigt und schon packte man am Preffetische die vorsorglich gespitzten Bleistifte

interessant daß ein Wohlfahrtsempfänger um einen Anzug gebeten

sein, als Brauuersreuther von der Sozialdemo, hatte die Frage des

städtischen Rettungsdienstes

! aufrollte. Der Kenner der Verhältnisse horchte erstaunt auf, als der dem Arbeiter-Samariter» bunde außerordentlich nahestehende Stadtvater die Frage an den Magistrat richtete, warum der A. S. B. von der Arbeitsgemeinschaft des Ge­sundheitsamts mit den Sanitätskolonnen aus­

vielmehr selbst ausgeschaltet habe. Hier gab es verschiodentliche Hört-Hört-Ruse. Die Arbeiter- Samariter, so fuhr der Leiter des Gesundheits­amtes fort, haben dem Magistrat wiederholt er- klärt, sie wären nicht in der Lage, eine solche Ar­beitsgemeinschaft einzugehen, da sie entspre­chende

zentrale Anweisungen

hätten. Vom Magistrat aus, so betonte Dr. Keding mit Nachdruck, steht die Tür weit auf!

kann. Brauuersreuther konnte dann irt feinem SMußwort nur dem Glauben Ausdruck gehen, daß hier ein Mißverständnis über den Begriff der Arbeitsgemeinschaft geherrscht ben könne. An einer weiteren Eingabe

ehe sie nach Rom oder Wien und weiter in die Welt kamen. Auf der Fahrt nach Sarajewo erzählte einer dem anderen die grauenvollsten Einzelheiten, obwohl niemand Tatsachen anzu» geben wußte. In Sarajewo selbst brachten einige eingestürzte Schornsteine die ganze Be­völkerung aus die Beine, auS einer umgefalle­nen Steinmauer machte die Fama an Ort und Stelle einen Bergsturz mit den dazugehörigen Toten, und die Militärbehörde sandte eine Sa­nitätskolonne nach Mostar, weil sie anzuneh­men geneigt war, daß diese Stadt in Trüm­mern liege. In Mostar selbst gab man mir die Zahl der Toten bereitwilligst mit 50 an, und

war ebenso übertrieben, wie die Nachricht, die Tabakfabrik eingestürzt sei. — Denn als

Mostar Mei, in Metkovice sechs und in Stolac zwei zu sehen. Offiziell toußten die Behörden von Todesopfern nichts. Sie gaben allerdings zu, daß eine Kontrolle jetzt, so kurze Zeit nach der Katastrophe, schwer möglich sei. Am Abend des 17. Februar fuhren wir mit einem relativ pünktlich abgehenden Bummelzug nach Metko- vice. Man hatte uns in Mostar gesagt, Mitko- vice sei besonders heimgesucht worden. Die guten Leute waren höslich, sie dachten sich: diese Pressemänner sind von weit her — aus Amerika f^gar! — Hierher gekommen, um die Wirkungen eines Erdhebens zu studieren, sie sind sicherlich enttäuscht, also schicken wir sie nach Metkovice, wo es vielleicht mehr geben kann. Aber ich kann mit ruhigem Gewissen sagen, daß wir nicht auf die Sensation einer zerstörten Stabt erpicht waren. Vielmehr waren wir davon überzeugt, daß auch Mitkovice nicht größere Zerstörungen erlitten Labe als Mostar und wollten diese angenehme P-rmutung an Ort und Stelle bestätigt sehen. Wir kamen am frühen Morgen an, stiegen int Hotel ab und besichtigten am Vormittag die Stadt. Sie bie­tet das gleiche Bild wie Mostar; kleinere Zer­störungen an den moderneren Bauten und grö­ßere dort, wo es infolge mangelhafter Instand­haltung wahrscheinlich auch ohne Erdbeben in absehbarer Zeit dazu gekommen wäre. Der Stabtiommanbant warnte uns davor, den ab­gefallenen Puh der Häuser auf das Konto des Erdbebens zu buchen; im Gegensatz zu Mostar liegt Metkovice schon aus sumpfigem Gelände, das die Niederung der Narenta erfüllt, und die Feuchtigkeit des Bodens ist den Bauten weni­ger zuträglich als der trockene Felsgrund, aus dem die Bcrgstädte stehen. Tatsächlich bot auch die alte Türlenfeste Stolac, die wir nachmittags im Auto besuchten, einen unvergleichlich günstigeren Eindruck. Sie liegt, von steilen Höhen umschlossen, eng zusammenge- drängt in einer Gesteinsfalte des Karst u. ihre winkligen Gäßchen und weißgetünchten Stein­häuser haben sich ganz den türkischen Charakter hewahrt. Die alte Innenstadt hat von der Ka­tastrophe anscheinend gar nichts gespürt, wir müssen mehr erzählen, als wir Neues zu hören bekommen und sind, offen gesagt, froh, als wir in der kleinen Vorstadt eingefallene Ziegelbau­ten sehen. Am gleichen Abend wird die Rück­fahrt angetreten. In der Bahn sprechen die Passagiere schon von Maispreisen und ähn­lichem. Glücklich ist dieses Voll, das nicht nur übertreiben, sondern auch — vergessen kann.

Mady Christians.

Mady Christians wurde dem Berliner Re naiffance-Theater verpflichtet, wo sie die Titel rolle in dem musikalischen Lustspiel .Mozart' von Sascha Guitry spielen wird.

Mutzten Sie das schon?

Wissenswertes aus aller Welt.

Asien ist das Land der Zwillingsströme. In keinem anderen Erdteil finden sich ebensoviele Doppelströme, die ihr Dasein einer gemein­samen Quelle verdanken. So: Ganges und Brahmaputra, Euphrat und Tigris, Amu und Syr, Indus und Sadletsch, Jrawaddi und Su- luen, Menam und Mekong, Jangtse und Hoang ho, Ob und Jeniei. Dennoch sind diese Flüsse tn ihre Mehrzahl nicht von großer Bedeutung, weil sie zum Teil bedeutungslose, leicht verreisende Meere fließen, ein ungünstiges Gefälle haben oder das Meer überhaupt nicht erreichen, sondern in Binnenseen münden.

Würde sich das Niveau des Weltmeeres um 1000 Meter heben, so würden vier Fünftel der Landoberfläche unter den Meeresspiegel sinken.

Nomaden, also wandernde Völler, gibt es heute auf der Erde noch etwa 2 Millionen, d. i. ein Achtzigstel der Menschheit. Sie „bewohnen" nahezu ein Zehntel der festen Landoberfläche. Auf 10 Quadratkilometer wohnen int Durch­schnitt 7 bis 18 Nomaden. Sie leben hauptsäch­lich in Russisch-Turkestan, Nordrußland und Nordafrika, Westsibirien und in Lappland.

Erprobt und bewährt.

Praktische Ratschläge für die Hausfrau.

Gekochte, aber erkaltete Kartoffeln wärmt man aus, indem man sie in heißes Salzwasser tut, sie mehrmals aufkochen und dann wie frische Kar­toffeln dämpfen läßt.

Elektrische Glühbirnen, die vom langen Ge­brauch bräunlich geworden sind, werden durch Abreibung mit einem dünnen Brei gebrannter Magnesia und Benzin (nicht in der Nähe von offenem Feuer vornehmen) wieder hell.

Schweitzfleckc, Sengstellen und andere Flecke entfernt man aus weißer Seide, indem man sie mit einer Paste, aus Natron mit kaltem Wasser angerührt, bestreicht, die man nach dem Trock­nen mit einer sauberen weichen Bürste entfernt.

Linoleum bricht nicht, wenn man es von Zeit zu Zeit mit einer Lösung aus gleichen Tei­len Oel und Essig bestreicht.

Arbeitsräume, nötigte jedem eine Schachtel sei­ner duftigen Erzeugnisse auf und zeigte schließ­lich auf den eingestürzten Schuppen, dessen ber­stendes Dach zwei darin beschäftigte Arbeiter mit dem ausgiebigen Schrecken davonkommen ließ. „Die Leute hier haben harte Schädel", sagte er... Wenn ich daher keinem Gerede mehr Glauben schenke und nur das verzeichne, was ich wirklich gesehen habe, so sind das in Mostar, Metkovice und Stlac vielleicht

dreißig eingestürzte Schornsteine, zehn mehr oder weniger beschädigte Dächer und ebenso viele Häuser. Von letzteren waren in

geschaltet worden sei. Stadtmedizinalrat Dr.

Keding hatte das leichteste Spiel seit langer . _______ ... , .... ___________

Zeit. Er brauchte nur zu erwidern, daß nicht, daß bei Angelegenheiten wie die des Rettungs- ber A. S. B. ausgeschaltet sei, daß dieser stchldienfies eine Trennungslinie gezogen werden

Mostar (Serbien), 22. Februar.

Gestern sind hier die ersten italienischen Zei­tungen angefommen. „Ungeheures Erdbeben in Jugoslawien, Tausende von Toten!" Heute liegen auch die Wiener Blätter vor. Sie ent­halten ähnliche Schlagzeilen. Mich berührt das eigentümlich, denn ich habe an dieses Erd­beben von allem Anfang an keine großen „Au- orberungen* gestellt. Hier verläuft bas Leben chon im gewohnten Tempo, von den Straßen inb schon bie Trümmer bet eingefallenen Dächer unb Schornsteine fortgeräumt, unb nun erfährt man von auswärts her, baß man „eine der größten Erdbebenkatastrophen" sozusagen als Augenzeuge miterlebt hat. Aber wenn ich in Gedanken die Daten aneinanderreihe, die mir selbst auf meiner bisherigen Fahrt, also an Ort unb Stelle, angegeben würben, bann scheint es mir begreiflich, baß sich bie

Ausmaße des Geschehens verhundertfachen,

hatte, der aber abgelehnt wurde, weil sein zug noch gut sei. Der Mann beschritt den „ stanzenweg bis zum Stadtparlament und dieses läßt nun bie Eingabe toieber zum Wohlfahrts­amt zurücklaufen. Nach kaum einer Viertelstunde war die Tagesordnung „erschöpft" und es gab, als Vorsteher Schäfer die Sitzung schloß, ein herzliches Lachen „oben" auf den enttäuschten Tribünen und auch im Saale selbst. Nur wir, sagte ein Stadtverordneter zu der abrückendcn Presse, „dürfen" in der Vertraulichkeit vielleicht noch ein paar Stunden zu sitzen! Heber der Ver­sammlung lag tiefster, vorlenzlicher Friede, der auch erstmals feit längerer Zeit an einem Stabt«

aller ?a*<hlngst>eranstaltungen Rasseis.

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