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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

Sonnabend. 19. Februar 1927

Nummer 42.

Amtliches Organ der Stadt Kassel.

Auch Portugal unter öer Diktatur

wo

(Funktelegramrn)

Rewyork, 18. Februar.

Ein Blatt schreibt zur Rede des Finanzmini­sters Dr. Köhler, es sei Zeit, daß die Vereinig­ten Staaten und die ehemals Alliierten sich da­mit abfinden, daß der Dawrsplan und mit ihm zusammen alle Finanzabkommen anderer Nationen einer durchgreifenden Acndcrung äußerst dringend bedürftig seien.

Befreiung des Rhein» ist ihr oberste- Ziel. Aber ebenso nochmals: Diese PoliiL hätte kei. neu Sinn, wenn ihr nicht al- Akt gemeinsamer europäischer Politik eine Nruordnung'ost. europäischer Dino« folgte, der sich Polen nicht nur widersetzt, sondern die e- durch wei­tere Eroberung-» und Unterdrückungspläne wo» m? »ich noch mehr zu seinen eigenen Gunsten

Der Faschismus blüht.

Vorläufig Diktatur auch in Portugal. (Eigener Drabtberlckt.)

viele Rücksicht auf die Fremden und auf das fremde Kapital. Es steht nicht» nationales oder gar nationalistisches dahinter^

Paris, 18. Februar.

Einem Pressevertreter erklärte Ministerpräsi­dent Carmona, seine Diktatur werde auf- hkren. sobald die politische Orientierung Port» gar» klar sei. Die Verfassung werde durch eine Nationalversammlung abgeändert werden. Er bestreite nicht, daß das jetzige Regi­me mit dem italienischen oder spanischen Fa­schismus eine gewisse Aehnlichkeit habe. Oberst Susa äußerte sich, daß er jeden neuen AufstandSversuch mit der gleichen Energie un­terdrücken werde. Man werde auch die noch ver­borgenen Hauptführer zu finden wissen.

Sie wird tn sehr hohem Maße von dem Grade der weiteren Konsolidierung deutscher Dinge und der deutsch-französischen Annähe­rung beeinflußt werden. All diese Dinge hän- gen zusammen und gan, falsch ist es von einer einseitigen Orientierung der deutschen Po-

Die Seit ist reif.

Amerika für schnelle TaweS-Revision.

lang durch den Wald zu einer Waldhütte, von Biehler inS Krankenhaus überführt wurde.

auf der Jagd von dem Operettentenor Schorn angeschoffen und schwer verletzt worden. Bieh- ter hatte sich, ohne das verabredete Signal zu geben, von seinem Anstand"' entfernt, worauf Schorn, der 'in der Dunkelheit ein Stück Schwarzwild vor sich zu Huben glaubte, einen Schuß abgab, der Biehler ins Bein traf. Schorn gab noch einen zweiten Schuß ab, der glücklicher­weise fehlging. Biehler verhinderte einen dritten Schuß dadurch, daß er Schorn anries. Letz­terer schleppte den Verwundeten zwei Stunden

Amtliches Organ der Stadt Stapel. 17. IahrqtMg

Vergehen gegen da« Jrepublikschutzgesetz.

München, 18. Februar. (Privattelegramm.) Drei Kommunisten wurden wegenVergehenS ge­gen Republtkschutzgesetz, begangen durch Teilnahme an einer verbotenen kommunistischen Versammlung zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt, vier wurden freigesprochen.

Heron an den etaat!

Warum wir auch eine RechtSregierung brauchen.

(Durch Funkspruch.»

Berlin, 18. Februar.

Der Staatssekretär in der Reichskanzlei, Dr. Pünder, schreibt »um neuen Regierungskurs: Ter neue Staat mutzte di« große Ichar der Arbeitnehmer an den Staat heranziehen, ebenso wie bte hinter der politischen Rechten stehenden Wähler in Stadt und Land, Handwerk unp Handel, Beamtenschaft und Industrie Das erste Problem findet sei­nen praktischen politischen Ausdruck in der Schaffung der Großen Koalition, das zweit« in der Bildung einer Regierung, die etwa der gegenwärtigen Reichsregierung entspricht. Dr. Marz sei also seine« alten Grundsätzen nicht untreu, weil die neue Regie­rung unter seiner Führuna entstanden sei.

polnisch-russischen Kriege 1920, und Polen ist die Stell«, welche erneut den ErplosionSherd bildet. Deutschland aber will nicht- als das, worauf es nach dem Gerechtigkeit-sinn der Ge- schichte jeden Anspruch hat: Ein zusammen­hängende» Staats, und Wirtschafts­gebiet, da» unserem Wolke Leben-- und Ent- Wicklungsmöolichkett sichen. Fe einheitlicher, klarer und fester die deutsche Politik aus dieser Linie bleibt, desto mehr arbeitet sie In Wahrheit ffir Verständigung, für Frieden und für den Wiederaufbau Europa»!

flnieieenorr.f«: «lndeimtt-be <Set»a«iran,eigen Zeile AI a. aurmariige ®efdiäfi8. an,eigen Zeil« 40 4. framtlieminwaen Zeile 20 4. Kleine An,eigen da» Son 4 4. Reklamen die Zeile 75 4. Ol'MgebNbr 30 4 .be- Zusendung de, eiferten 50 41. Rechn»,larbeiriiae Hnb innerhalb 5 Lagen tu betadlen. Für die Richiig- keil aller hur* Aernforetber aufaeaebenen dlnieiaen foivie iih nuinaomedalen und «läse kann nicht gjrannert werden, itttr Anzeigen mit bcfonoerS Wune- tigern Las 100 Prozent Aufschlag. Druckerei: schlaluhofttrafie 3*'W. ®eWmt8. stelle: Sdlnikche Strafte 5. gegenüber bei Lvobritraße. sterntorecker 951 und LU.

QIn brr Wadirrformkrise vorbei.

Pari», 18. Februar. (Eigene Drahtmel­dung.) In der Kammer lehnte PoincarS Du Forderung de» Abg. R e n a u d c l (So;.) in der ersten Hälfte des März die Wahlresorm zur Diskussion zu stellen ab. Innenminister Sar- ratu bezeichnete seine Zustimmung zur Wahl­reform als persönliche Ansicht, durch die er kei- neSgeWs die Regierung gebunden habe. Poin- cars und Renandel hielten an ihrem Stand­punkt fest, bi» der Aba. Malwy einen spä­teren Zeitpunkt vorschlug, worauf Renaudcl seinen Vorschlag zurückzog.

Bt« S»fielet Neuesten Nachrichten erscheinen wöchentlich ledjemal nachmittag».

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Trumpfe gegen die Engländer.

London, 18. Februar. (Eigene DraHtmck- dung.) Ein diplomatischer Korrespondent ver­mutet, daß der kantonesische Außenminister die Verhandlungen in Hankau absichtlich in die Länge gezogen habe wegen der eingeleiteten Of­fensive in Richtung Schanghai, da er hofse. daß er angesichts der Erfolg« der Südtrttppen neue und weitergehende Zugeständnisse von den Engländern erlangen könne.

Sin verhängnisvoller Irrtum.

Ein Jagddrama unter Wiesbadener Künstlern

Berlin, 18. Februar. Der Baßbuf'o B i e h - ier vom StaatStheater in Wiesbaden ist

Wir verzichten nicht'.

Freiheit im Westen. Revision im Osten.

Von

Staatssekretär Frhr. v. Rheinbaben, M. d. R.

Während wir im allgemeinen mit Frankreich, abgesehen von der Rüstungsfrage, zu einem er- trsglichen Verhältnis kommen dürsten, hat der durch polnischen Größenwahnsinn und Chauvinismus verursachte Abbruch mit War­schau die ganze Schwere des östlichen Problems aufgerollt. ES kann als feststehend angenommen werden, daß in allen deutschen Parteien Die Forderung nach einer Revision der beut« schen Ostgrenze etwa in folg. Formulierung vertreten wirb: Jede Regelung mit Polen wirb zwangsläufig nur eine vorläufige sein kön­nen, wenn sie eine Revision der Grenzen nicht umsaßt. Trotzdem wird selbstverständlich auch in deutschem Interesse em solcher vorläufiger Ausgleich mit Polen angestrebt, auch wenn dem polnischen Vertragspartner gegenüber diese Ar­beit oft genug so gut wie völlig hoffnungslos erscheint. Das oberste Ziel deutscher Politik ist und bleibt die Befreiung des Rheins. Aber diese Politik und mit ihr der Versuch einer Verständigung mit Frankreich hätte jeden Sinn unlr jede Notwendigkeit verloren, wenn sie nickt die Möglichkeit einer Revision der deutsch­polnischen Grenzen offen hielte.

Erne pazifistisch einlullende Verständigungs­politik wäre vorderhand verfehlt. Im Verhält-, niß der Völker zueinander hat sich ein entsckei- benber Wandel vollzogen. Das, was man früher Kabinettspolitik" nannte, gibt es heute nicht mehr. Wirtschaftliche Beziehungen, öffentliche Meinung, geistige Strömungen aller Art beherr­schen das Feld. Das gesamte Volk wird also in größtmöglichster Geschlossenheit solange für gewisse nationale Existenzforderungen eintreten müssen, bis wir sie durchsetzen. Daß wir als Nation in ber Richtung aus bie Ostgrenzen je» mal» zu etwa» ähnlichem bereit sein könnten, Wie aus den schmerzliche» Verzicht auf Elsaß- Lothringen, kann und vermag ich nicht zu glau­ben. Der Versailler Vertrag selbst sagt in A r» titel 19 deS ihm vorgehesteten Völkerbund, aste», daß solche internationalen Verhältnisse, deren Aufrechterhaltung den Weltfrieden ge­fährden könnte, einer Nachprüfung zu un. terziehen seien. Wir werden al» Deutsch« also bie Behauptung aufrecht zu erhalten unb zu be. grünben haben, baß Polen burch Festhalten bcS geraubten deutschen Gebietes und durch seine ganze Politik Deutschland gegenüber in der Tal den Weltfrieden gesährdet und daß a u f g r u n d tzes Versailler Vertrage» selbst eine Revision be» jetzigen Zustandes erfolgen mutz! Der Fluch von Versailles rächt sich auch hier unb von ben polnischen Terrorakten gegen baS Deutschtum hallt die Presse der ganzen Welt wider. Im Gefühl der Unterlegenheit regt sich immer stärker der Haß gerade gegen dasje­nige Volk, dem e» leider! seinen heutigen staatlichen Zustand am meisten zu verdanken hat.

So steht Die Entwicklung nicht still und wenn Deutschland sich nicht wehrt, dann ist das Ende be» polnischen Größenwahn» in antideutscher Auswirkung noch nicht gekommen. Auch Polen will und mutz feine Währung stabilisieren, sein Budget in Ordanung bringen und seine innere Wirtschaft entwickeln. Hierzu braucht eS Sutzere Anleihen und diese erhalt eS nur, Wenn eS mit feinem Wichtigsten Nachbar, mit Deutsch- land, einen Handelsvertrag schließt, an dem auch rein Wirtschaftlich gesehen Polen ein sehr viel größeres Interesse hat als Deutsch­land. Polen versucht alle», um bie öffentliche Meinung in feinem Sinne zu beeinflussen und Deutschland als den Schuldigen für die Ver- fckärsvng der Gegensätze hinzustellen. Wir ha. ben unsererseits keinen Grund zu einer besonde» ren und aufgelegten Presse-Kampagne gegen Polen. Es ift vom deutschen Standpunkt aus sehr viel besser, die Tatsachen sprechen zu lassen. So schmerzlich der Zollkrieg z. $. auch für uni sein mag, so ist es im Großen gesehen doch notwendig, bte allein wegen Nichtge- Währung genügender Rechtssicherheiten für deutsche sich wirtschaftlich betätigende Menschen auf polnischem Gebiet von uns herbeigeführte Aussetzung der Verhandlungen von höherer Wart« aus zu beurteilen.

Tte Lösung be» deutsch-polnifchen Problem» kann und wird nur langsam heranreifen.

Schwächer und doch stärker.

Warum die Kantonesen siegen.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 18. Februar

Em Berichterstatter in Schmtghim meldet: Dir Besetzung Hangtschaus durch die Kantone sen steht bevor. Die Äerteidigungsarmec habe sich itafl) Schanghai zurückgezogen. Marschall Sun hält aber noch immer unter seinen Leuten Disziplin. Der Rückschlag der dreimal so star- len und körperlich viel kräftigeren Nordtruppen (80000 Mann) werde auf die Streitigkeiten sei­ner Untergebenen, den Mangel an Zusammen- arbeit bei den militärisch»« Operationen und bile Unzufriedenheit ber Soldaten über das Ausbleiben des Soldes zurückgeführt. Die Kantoneseu dagegen hätten wie gewöhnlich Einheit, Zielbewußtsein und strategische ®e- schicklirlsseit bewiesen.

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Sin General... am Salven.

London, 18. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Ein Blatt berichtet aus Tientsin, daß gestern ein chinesischer General öffentlich hin gerichtet wurde. Er soll gestanden haben, durch frühere Soldaten reiche Chinesen beraubt zu habe«.

vorzunebmen trachtet. In Wahrheit ist wegen der erkennbaren Zusammenhänge Polen Ll- ------------------------- tauen Rußland Rumänien der Frieden lltik nach Westen zu sprechen. Noch einmal: Die in Osteuropa mehr bedroht, al» je seit dem

Im Unterausschuß de» Völkerbundes für Maßnahmen zum beschleunigten Eingreifen des Bölkerbundsrates wurde d»e vollständige Einigung erzielt. In dem Entwurf Wird jeg­lich e r K r i e g und jegliche KriegSaesahr, gleich, viel, ob dadurch ein Bölkerbundrmtglled sofort in Mitleidenschaft gezogen wird oder nicht, für eine Angelegenheit des ganzen Völker- bundeS erklärt. Der Völkerbund soll jede Aktion unternehmen, die den Frieden der Nationen zu schützen geeignet ist. Auf Ersuchen soll der Generalsekretär sofort eine Z u s a m - menknnst des Bölkerbundsrates einberusen. Jedes Biindesmitglied könne dabei Vorschläge machen. Cs wurde zwar kein endgültiges Verfahren sestgclegt, aber bestimmte A n - empfehlungen wurden dem DökkerbundS- rat gemacht. (Hoffentlich komme« diese »from­men Wünsche" noch zu recht, um bie englischen Brandfackeln in China auszulöschen. D. Red.)

Nur keine Kriege mehr!

Der Völkerbund will uns vor allem Unheil bewahren Offensive der Kantonrruppen auf Schanghai / Ein scharfes Instrument gegen England Auch die Amerikaner für Revision des DawesplaneS.

putsch auf putsch.

Portugals Steckenpferd.

3« be« berühmten Dienen a«B bem variier Vobrmeleben von Henri Murner wird auch, ein Manu acick.tüeri. der fich von (einem Answarter itbc« Morgen melden labt, wie bas Wetter tei und unter welcher Regierung man lebe. Isttte wiche Einrichtung wäre für lebe« Portugiesen i-br vrakiilch. »nck in Bezug au) bie Mel6eefelee bet Rrogcu. bean unter Mitarbeit«« meint, bad tu Portugal dos Wetter immer noch jutetiRe« arvammeu wirb, als bie ..derzeitige Regie­rung. Er itbteibi und darüber in Soleenbe».

Lissabon, 18- Februar.

Die Revolutionen tn Portugal sind durch­aus keine spaßhaften, sondern eine fefir ernste Sache. Erstens wird bei solchen Gelegenhei­ten entsetzlich viel scharf geschossen und der dümmste Putsch, von dem vierundzwanzig Stunde» nachher kein Mensch mehr sage» kann, welches eigentlich seine Veranlassung gewesen ist, kostet immer einer Anzahl Portugiesen das Leben. Der andere Grund des ernsthaften Charakters aller Revolutionen in diesem Lande ist aber, daß die Revolution eigentlich die nationale Industrie ist! und daß per saldo doch mehr Menschen von ihr leben als an ihr sterben. ES gibt aber keine Industrie, die nicht Menschenleben in irgend einer Form kostet nur daß cs dabei nicht so knallt Wie hierzulande. Ma» frage nur die National- ökonomcn. Es ist gar kein Wunder, daß es so kommen mutzte und daß es noch oft, so kommen Wird, denn 'Portugal kann ohne diese Betätigung nicht leben. Vom historischen Standpunkt aus kann man sagen: ein zu gro­ßes Volk in einem zu kleinen Lande. Und hier bewertet »groß" nicht etwazahlreich"; es soll nichts Quantitatives, sondern etwas Qualita­tives ausdrücken. Die Portugiesen sind eine» Der geistig

begabtesten Völker der Erde.

In mancher Beziehung ist es eine Lust, unter diesen geistigen Menschen zu leben (umiomehr, als die nationale portugiesische Küche, betreut von der guten portugiesischen Hausfrau, vorzüglich ist. Oh, hättet ihr da» im deutschen Vaterland!) Und wenn ich sagte, daß das Land zu klein sei, so bedeutet daS auch nicht bie materielle Kleinheit, denn Portugals Ko­lonien, zum Beispiel die Hochebene von An­gola, könnten noch Millionen von Menschen er­nähren. Nein, daS Land ist klein, weil es seine große geschichtliche Ausgabe verloren hat: Bra­silien. Dieses Zauberland mit seinen fünf» unddreißig Millionen portugiesisch sprechenden Bewohnern ist heute daS eigentliche Por­tugal. Das, Was hier in Europa zurückblieb, kann nichts Rechte» mehr mit sich anfangen. Diese hockbcgabten Menschen können nicht im­merfort Bücher schreiben, denn e» gibt schon gar keinen gebildeten Portugiesen mehr, der n'.cht ein Buch ober wenigstens eine Gedicht­sammlung veröffentlicht hätte und die Buch- läden in den Universität-städten sind die schön­sten B u ch l 8 D e n der W e lt. (Oh, Wenn ihr das in Deutschland hättet!) Es drängt diese Menschen zur Mion und da Portugal keine große auswärtige Politik mehr machen kann, denn diese ist aus das Neu-Portugal Brastlle» übergegangen,

so macht man eben Putsch

und nennt daS Revolution. Davon leben bie Leute hier Wenn sie nicht mal davon sterben davon leben die Politiker, die Advokaten, bie Journalisten (bte immer auf ber Leiter zur höchsten Macht stehen) bie Aerzte, bie In­genieure, Die Offiziere zu Land und zur see. Jeder Putsch baut Existenzen und ruiniert Existenzen, Da er aber Chancen für daS Auf­wärtssteigen bietet, finden sich immer aktive Menschen, die ihn machen. Und das ist eine Jette ohne Ende unb Was manruhige Zu­stände" nennt, das kommt in Portugal niemals vor, denn man lebt von ber Unruhe. Wenn Nietzsche einmal gesagt hat, man müsse, aesähr- ttch leben", so hat er damit daS portugiesische Ideal gezeichnet. Dabei leiden die paar gro­ßen Wirtschaftszweig«, die das Land hat, fast n.ar nicht unter den Putschen. Denn ber Port- Weinhandel, in dem so viel englische», und auch manch deutsche» Kapital steckt, geht unge­stört Weiter. Auch bie Sardinenfl scheret und Sardlnen-Einkocherel, die heute mehr Öel« 'arbinen liefert als Frankreich, leiden kaum. Die landwirtschaftlichen Produkte Werden meist im Inland konsumiert. Der Bergbau ist noch nicht entwickelt daS wirb eines Tages fern» men, Wenn das deutsche Kapital sich dafür In­teressiert der Bergbau kann vorläufig auch n-ckt durch die Putsche leiden. Uebrigens neh­men alle Putschisten