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Nr. 19.

Siebzehnter Jahrczanq.

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Kasseler Neueste Nachrichten

3. Beilage.

Sonntag, 23 Januar 1927.

einen

allein, und Denn ag gebracht hatte,

Während das tägliche Leben gar ost die Schädlichkeit übergroßer Geschwätzigkeit uns vor Augen sührt und auch das Sprichwort das Schweigen in den lautesten Tönen preist, zeigt doch die Erfahrung, daß es auch Menschen gibt, die zu ihrem und ihrer Mitwelt Nachteil tn das andere Gegenteil verfallen. So gab es in

Straßenbahnwagen bedienten, ohne jemals ein Wort miteinander gewechselt zu haben. Die Ursache dieses rätselhaften Verhaltens ist un­aufgeklärt geblieben. Aber selbst bei Ehepaaren, die das Leben in eine noch engere Berührung miteinander geführt hat, finden sich solche selt­samen Schweiger.

So klagte vor einiger Zeit eine Frau vor einem französischen Gerichtshof auf Scheidung, und das Bild, das sie von ihrem Eheleben ent­hüllte, brachte auch die Tatsache ans Licht, daß sie zwanzig Jahre mit ihrem Gatten zusammen­gelebt Hütte, Kinder erzogen hatte, ohne daß zwischen den Beiden jemals ein anderes Wort gewechselt wurde, als es die Notwendigkeit des Alltagslebens erforderte. Ein anderer Prozeß, der anläßlich eines Bankerotts geführt wurde, enthüllte eine nicht minder merkwürdige stumme Ehegemeinschaft. Die beiden Gatten hatten während zwei und eines halben Jahres n:e-

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den unteren Stockwerken werden sonebenb noch Garagen für lausend Autos eingebaut.

das jüngere Mesozoikum mit Kanada, Borneo, Afrika und Australien. U. E.

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................. -kiemals gelang es, ihn bei einem Worte zu überraschen, und er lebte noch 15 Jahre in tiefer Schweigsamkeit, da er wohl wußte, daß jedes Wort ihn das Leben kosten würde.

in den Forsten von Bialystok in Rußland unter staatlichem Schutz gehalten. Im Kriege ging die Kampffront mitten durch das Schutzgebiet; die Tiere wurden zum größten Teil abge- schossen, und es finden sich z. Zt. nur noch wenige Exemplare in privatem Besitz und in den Gehegen der zoologischen Gärten. Die Ge­fangenschaft ist freilich für diese Vorzeitriesen nicht die geeignete Lebensbedingung, und die Wisente drohten völlig auszusterben.

Zur Erhaltung dieser prachtvollen Tier­gattung wurde die obengenannte internationale Gesellschaft gegründet, die nunmehr ihr Ziel, ein Naturschutzgebiet für Wisente, in dem sich die Tiere frei entwickeln und vermehren können, erreicht hat.

kochte sich seine L auch der Mann L. daß feine Frau irgendwo ein kleines Geschäft betrieb, so hatte er doch keine Idee von dessen Beschaffenheit. Häufig werden in solchen stum­men Ehen die Kinder als Boten zwischen bei­den Teilen gebraucht.

Oftmals sind es aber Verbrechen und die Furcht vor ihrer Entdeckung, die die Menschen zu langjähriger Stummheit verurteilen. So

unverwischbar bleibt der Eindruck chielers Konrad Veidt.

Aus E. T. A. Hofmanns und Tinte schrieb Hanns Heinz Ewers lischen RomanDer Student von

Palast-Theater:Was ist los im Zirkus Bcely?"

Harry Piel ist hier immer großer Magnet ein ausverkauftes Haus folgt dem schönen Mann mit den Allerweltsfähigkeiten in atemlo­ser Spannung. Und spannend ist, wie in allen Harry Piel-Filmen, auch hier die Handlung. Ein großer Zirkus entfaltet alle zirzensischen und artistischen Künste. Harry, der Mörder ver­folgt, zähmt einen Tiger, besteht Abenteuer im Löwenkäfig, boxt, ist Kunstschütze, Entfesselungs­künstler jede Szene eine Sensation und zwischendurch das rührende Spiel der Ilona Karolewna als Blinde . . . Hanni Weiße ist wieder einmal berückend. Zum Glück enden die wilden Szenen an der Zirkuskuppel, der Kampf in schaurigen Kellern und die letztminu- tige Rettung vor dem Zermalmtwerden in der Bühnenversenkung nicht mit Harrys Verlo­bung er schließt Freundschaft mit dem Tiger! Dte Photographie ist ausgezeichnet. Auch das Betprogramm ist sehenswert, die Musik unter Sippels Führung gut angepaßt. =a> i

- TmEHaffaAa-Theater läuft der humorvolle FilmschlagerMadame wünscht keine Kinver", über den wir noch berichten. Das Ufa bringt ebenfalls cm Lustfpielprogramm.

S>umonftifthe fitfe.

Die Sklavenhändler.

Mutti, was sind Sklavenhändler?"

Das sind schlechte Menschen, die mit ande­ren Menschen handeln."

Dann gehe ich aber nicht mehr zu Meyers."

Warum denn?"

Die haben ein Schild angemacht: Echter Perser zu verkaufen."

einige Szenen gibt, denen man das unbarm­herzige, grelle Licht des Glashauses anmerkt.

Neben den außerordentlichen Leistungen Leidts und Krauß' steht man die unendlich seine Agnes Esterhazy und die zierliche rassige Elliza la Porta. Im Programm läuft noch eine lustige Groteske, in der Affen die Haupt- lotte spielen, und die Wochenschau. V.

Konrad Veidt

alsStudent von Prag" in dem gleich­namigen romantischen Film im Kasseler Kino des Westens.

Der Student von Prag im St. d. W.

Diesen Film wird man, nicht vergessen und

Die Großstädte in den Vereinigten Staaten von Amerika wachsen mit riesenhafter Geschwin- dtgkeit in die Höhe und alle paar Monate erge­ben die Zählungen neue Ueberraschungen. So bat Newhork soeben die sechste Million über­schritten, hat damit aber die Größe Londons, das mit Vororten 7,47 Millionen besitzt, noch nicht ganz erreicht. An zweiter Stelle steht Chi­cago, das 3,1 Millionen zählt und auf der Welt hinter London, Newyork, Berlin, Paris den fünften Platz einnimmt. Da die Staaten in Philadelphia (2,1) und Detroit (1,3 Millionen) noch zwei Millionenstädte besitzen, verfügen sie über die meisten der Welt, denn selbst China kann nur drei ausweisen: Schanghai, Hankau und Peking.

Rekord-Wahnsinn.

Obwohl kein anderes Land der Welt auch nur annähernd so hohe Wohngebäude errichtet, scheinen die Amerikaner ihr Wolkenkratzerfieber nicht loszuwerden. Bisher hielt das 1912 fer­tig gestellte Wolwortbhaus in Newhork mit sei­nen 257 Metern den Rekord, jetzt entsteht in De­troit ein Wohnhaus für 10 000 Menschen. (2500 Wohnungen) mit einer Höhe von 283 Metern. Es wird 85 Stockwerke haben, davon vier un­ter der Erde. Allein das Fundament reicht 45 Meter unter die Erde. Während im Wol- worthhaus die obersten achtzehn Stockwerke im Turm nicht benutzt werden, sollen beim Book- tunn in Detroit alle 85 Stockwerke an Familien oder an Büros vergeben werden. Die Nutzflä­che beträgt 1,8 Millionen Quadratkilometer, in

BusfterbmSe giere.

, Ein Wisentpark bei Hannover.

Das Preußische Landwirtschaftsministerium hat in dem früheren Hofjagdrevier Springe bei Hannover ein 300 Morgen großes Gelände für die Errichtung eines Wisentparkes zur Ver­fügung gestellt. Der Entschluß wurde auf eine Anregung der staatlichen Stelle für Naturschutz hin gefaßt, die wiederum von der Internatio­nalen Gesellschaft zur Erhaltung der Wisents darum ersucht worden war. Es ist beabsichtigt, bereits im Frühjahr ein paar Wisente aus dem Bestände des Gutsbesitzers von Beyme-Schar- bow auszusetzen.

Vor dem Kriege wurden die letzten Wisente

Erfindungen bringen Geld.

Man weiß, daß einige Männer durch Erfin­dungen ganz alltäglicher Dinge reich geworden sind; so verdiente der Erfinder des Hufeisens für Schuhabsätze 300000 Mark, dem Erfinder des Druckknopfes zahlte man für fein Patent drei Viertel Millionen. Mit dem ersten Schnür- senkel verdiente sein geistiger Vater zwölf Mil­lionen, der Konstrukteur der Nähmaschine konn­te am Ende seines Lebens 22 Millionen Ein­nahmen quittieren. Die gewellte Haarnadel (übrigens von einem Mann erfunden!) brachte 16 Millionen, das Blechlineal mit Gummiunter- läge viele hunderttausend Mark. Mit der Sicher­heitsnadel wurden sechs Millionen, mit den Schlittschuhen 8 Millionen verdient, und der Er- finbar der Glühbirne und des Magaphons, Edi­son, ist sogar Milliardär geworden.

Wo gibt es Diamanten?

An der Spitze der Diamantvorkommen der Erde steht immer noch Südafrika, wo heute 15 Sechzehntel kontrolliert werden, dann sind noch der belgische Kongo und Brasilien zu erwähnen. Alle übrigen Vorkommen sind kaum der Rede wert, in Vorderindien, wo ehemals sehr starke Vorkommen waren, ist die Gewinnung fast ganz eingeschlafen und die Zahl der Diamanten auf Holländisch-Borneo scheint ebenfalls ihrem Ende zuzugehen. Die Diamanten gehen in der Haupt­sache auf zwei Perioden der Erdgeschichte zu­rück, einmal auf das ältere Paläozoikum mit Stellen im Ural, Sibirien, ferner Indien, Bra-

Stumme Ehen.

Einige Geschichten die das Leben erzählt.

Während das f"

Schädlichkeit übe vor Augen führt ... Schweigen in den

stellte sich einst ein Einbrecher auf der Anklage­bank auf alle Fragen, die an ihn gerichtet vur- ben, stumm, sobaß er schließlich Sachverständi­gen zur Untersuchung übergeben werden mußte, ob eraus Bosheit oder durch Fügung Gottes" nicht sprechen könnte. Das Urteil lautete dahin daß er die Stummheit nur simuliere. So tour« de denn fein Prozeß wieder aufgenommen und er entging nicht der wohlverdienten Strafe. Einern anderen Manne, einem amerikanischen Verbrecher, gelang es, sich durch hartnäckige Stummheit das Leben zu retten. Er war wegen Teilnahme an einer blutigen Meuterei im Ge­fängnis zum Tode hur4 bett Strang verurteilt worben. Währenb er auf die Vollstreckung des Urteils im Gefängnis warten mußte, weigerte er sich zu sprechen. Jeder Verbuch, ihn zum Reden zu bewegen, blieb erfolglos, so daß er schließlich zur Ueberwachung ' " gebracht werden mußte. R

Neues aus den Kasseler Kinos

Von den Fi men dieser Woche.

Prag" und aus diesen Quellen schöpfte Galeen, der Regis­seur, die Bilder dieses Films, dessen Helden schon einmal Paul Wegener (vor dem Kriege) »erfordert hatte. Der Student von Prag ist 6er junge phantastische Mensch den eine große Lei­denschaft ans der Bahn wirft, der sein zweites Ich, fein Spiegelbild, an einen satanischen Wucherer verkauft, der ewig verfolgt von sei­nem doppelgängerischen Spiegelbild in allzu menschliche Tiefen fällt, Orgien in Spelunken feiert, die geliebte Frau verliert und endlich in seinem Spiegelbild sich selbst erschießt... Voller Phantastik ist dieser Film. Aber auch voller Schönheiten im Bild Alle Freilichtszenen sind zauberhaft. Einmal: der teuflische Wucherer (Werner Shtauß) auf einer sturmumraufchten Höhe, vor einer verkrüppelten geisterhaften Kie­fer, wild in die Lust gezackt. Dann: eine Par­forcejagd über ein sanft-hügeliges, silbernes Ge­lände, die dieser Satan ans seiner Hand wach­sen läßt, die er mit seinen Blicken, mit seinen kleinen, aber harten Gesten leitet. Und schließ­lich: die Wunder des Veitshöchheimer Hofgar­tens, von wenigen Deutschen nur gesehen, mit ihrer blühenden, siegenden, märchenhaften Ba­rockherrlichkeit, hier in diesen Film gerückt, als wäre es ein Park um Prag; all das bleibt ein großes Verdienst der guten, sehr fleißigen und geschmackvollen Regie Galeens. Schade, daß es

Harry Piel-Iubiläum.

Der bekannte Sensationsdarsteller in feinem A- Fllm Was ist los im Zirkus Beely?" im Kasseler Palast-Theater.

Was Zahlen erzählen

Aus der Statistik amerikanischer Millionenstädte.

Boten des Glückes.

Wie der Zufall manchmal mit uns spielt?

Wir warten alle auf das Glück. Für jeden sieht es anders aus, jeder hat eine andere Vor­stellung davon, aber aufs Glück warten wir alle. Manchmal kommt es im leuchtenden, schmucken Festgewand, schillernd und strahlend, mit fröhlichem Trompetenstoß, alle Türen weit aufreißend. Manchmal aber erscheint es auch schlicht und unscheinbar, ohne Prunk und Auf­wand, ohne gefüllte Taschen und ohne gleich den Arm voll Gaben zu tragen. Es sieht fast dürftig und ärmlich aus beim ersten Anblick, and doch ist es das Gluck, das seine Sckätze unter dem unscheinbaren Gewand mit sich führt und Freude und Seligkeit bringt, wo es hin- kommt.

Das Glück hat feine Boten, die es voraus­schickt, aber wir erkennen sie nicht immer. Denn das Glück ist launig und wählt sich in feiner Launenhaftigkeit diese Boten oft recht sonder­bar aus. Da hinkt einer buckelig und lahm über die Straße, sieht aus, wie ein Abgesandter des Teufels und trägt eine Nachricht, die Licht und Wärme verbreitet. Oder ein anderer geht mit Gift und Bosheit beladen dahin, eilig, um möglichst schnell seine Niedertracht an den Mann su bringen, und ahnt nicht im leisesten, daß er in Wirklichkeit der Beauftragte des Glücks ist

Der Straßenbahnschaffner, der uns mit sei­nem Wagen vor der Nase wegfährt, zwingt uns, zu Fuß zu gehen, weil wir nicht länger warten können; aber unterwegs haben wir eine Begeg­nung, die von glückbringender Bedeutung für uns ist. Der Freund, von dem wir uns eine wichtige Adresse zu einer geschäftlichen Ver­bindung erbitten wollen, wird durch den An- dlick eines vorübergehetiden hübschen Laoen- madchens abgelenkt und nennt uns zerstreut und eilig, um uns los zu werden, irgendeinen an­deren Namen; und gerade dicker Name führt zur entscheidenden günstigen Wendung in un­serem Leben. Der aufdringliche Ha"sierer der nicht loszuwerden ist. hält uns über GEHr m unserer Wohnung auf, so daß wir nicht mehr rechtzeitig fortfommen und ärgerlich ganz zu Hause bleiben; aber gerade dadurch erreicht uns eine ^.bodeutungsoolle Botschaft die sonst an unserer Türe vorübergegangen wäre und die unser Schicksal im guten Sinne umgestaltet . Sttaßeiibahusukrer, Ladenmädchen, dünnerer tmr haben sie längst vergesse», wenn wir in Wohlstand und Erfolg sitzen. Und doch hätten wir Grund, immer dankbar an sie zu benfen Denn sie sind in Wirklichkeit die Boten des Glucks gewesen. Max Cer. <

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