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Kasseler Neueste Nachrichten

Siebzehnter Jahrgang.

2. Beklage.

Sonnabend, 22. Januar 1927.

Wer ist Oer MM hon MOMO?

Ein kriminalistisches Rätsel.

Guerard, -er IentrumsfüUrer.

Guerard, der mächtige Führer der Zentrums­pariei will auch diesmal wieder seiner Partei den Reichskanzlerposten sichern.

Dummheiten der Woche.

Kleine Bilder aus der große« Welt.

Der Erdkratzcr.

Richt etwa: Kater, sondern Kratzer. Das Gegenteil von Wolkenkratzer, der Erdkratzer. Das hat uns noch gefehlt; wir warten schon feit Jahrtausenden daraus, als unsere Urväter eider ihre hübschen Höhlenwohnungen aufge- ßcbcn haben. Natürlich gehen die Amerikaner mit gutem Kratzer-Beispiel voran, sie bauen in Newport ein Hochhaus, das über der Erde nur zehn Stockwerke, unter der Erde aber deren sieben habet! wird. Das Gebäude soll nur 19 Millionen Dollar kosten und sehr billig sein, da nian ja unter der Erde die Fenster spart! Vielleicht denken die Mieter, die hineinziehen sollen, doch anders darüber, vielleicht würden sic lieber etwas mehr Miete zahlen und dafür in einem Hause über der Erde mit Fenstern wohnen. Die Erbauer dagegen erklären, die Newporter seien so sensationslüstern, daß sich die Keule danach drängen würden, in einer Wohnung ohne Fenstern zu wohnen. Man denke allein an die fabelhafte Adresse: Mister Miller, Newport, 231 St. Pauls Avenue, Stapleton, State« Island, Tiefparterre 5!

Der freundliche Steuermann.

In Thüringen reiste jüngst ein falscher Steucrbeamtcr umher, suchte einige Bauern auf einsamen Gehöften auf und behauptete: «Sie haben zu wenig Steuern bezahlt. Wir wissen alles, sind jedoch geneigt, keine Anzeige zu crstatteu, falls Sic freiwillig einen Ihnen angemessenen Betrag nachzahlen." Kein ein­ziger hatte zuviel Steuer bezahlt, keiner wei­gerte sich, freiwillig einige hundert Mart uach- zuzahlen, die der freundliche Steuermann bc- reitwilligst kassierte. Einmal kam er an den Unrechten, der tatsächlich seine Steuern voll und ganz abgeführt hatte. Der zeigte ihn an, und, statt zu schweigen, meldeten sich alle Be­trogenen wutentbrannt. Mit dem Erfolg, daß sie nun nochmal einen Nachtrag zu entrichten haben.

Würden Sie küffcn?

Die Neugier der Menschen ist unbeschreib­lich, sie zu wecken, der Grundgedanke jeder Re­klame. Man kennt die Geschichte von dem Alauu, der 43 mal in denselben Film lief, bis ibn der erstaunte Geschäftsführer nach dem Grunde fragte: »Ja, sehen S-ie", sagte er, »im vierten Akt ist eine Szene, da zieht sich ein junges Mädchen an einem Teiche aus, um zu baden. Und jedesmal, weit« sie gerade die letzte Hülle fallen läßt, fährt so ein verdamm- 1er v-Zug vorbei, daß man nichts sehen kann." »Nun, und warum kommen Sic seit sechs Wochen täglich hierher? »Na, einmal wird der Zug doch Verspätung haben." --- Wie

gesagt, die Neugier der Menschen ist nicht zu

Ein Kriminalrätscl, das seit mehr als einem Jahr die amerikanischen Behörden beschäftigt, scheint nunmehr der Lösung nahe zu sein. Der Held dieser furchtbaren Affäre erinnert vielfach an den Londoner Araucnmörder, der unter dem Namen, Jack, der Bauchaufschlitzer, in der englischen Perbrecherchronik bis heute unvcr- geffen blieb. Es bandelt sich diesmal um eine ganze Reihe von Mordversuchen, die in der amerikanischen Stadt Bridgeford

ausnahmslos an jungen Mädchen verübt wurden, und die Bevölkerung dieser Stadt über ein Jahr hindurch in ständiger Angst hielt.

Der erste Versuch dieser Art wurde am 20. Februar in den Abendstunden verübt. Zu dieser Zeit hielt sich eine junge Italienerin, die fünf­zehnjährige Maria Annunziata vor dem Ge­bäude der Volksbibliothek, der Burrogs memorial librairp auf, und wartete auf ihren Begleiter. Plötzlich haftete ein Mann bart an ihr vorbei, und verschwand im Bruchteil eines Augenblicks wieder in der Menge. In der nächsten Sekunde schrie das Mädchen auf und sank auf das Strabenpflaster zusammen. Es entstand ein Auflauf, die Retlungsgesellschast wurde gerufen und der Arzt stellte fest, daß das junge Mädchen mit einem scharfen Dolch ver­wundet worden war. Sie Ivies in der Bauch- gcgerch eine acht Zentimeter lange Wunde auf, die eine sofortige Operation notwendig machte. Monate hindurch schwebte sie in Lebensgefahr, lieber die Person des mutmaßlichen Täters nmßte sie gar nichts gusznsagen. Die Er­hebungen wurden eingeleitet, mußten aber als­bald, als völlig aussichtslos, eingestellt werden.

Am 22. April wiederholte sich der geschil- dette Vorfall. Es war abermals in den Abcnd- stnnden, als Miß Milred Cook, eine siebzehn­jährige Kausmannstochter, im Postgebäude, das sich in der Nähe der Bibliothek befindet, einen eingeschriebenen Brief aufgeben wollte. Auch sie wurde im Augenblick, als sie das Tor pas­sierte, von einem Mann gestochen. Die Stich- wuitde rührte gleichfalls von einem spitzen Dolch her, war aber glücklicherweise weniger gefähr­lich, als im erstell Fall. Auch sie konnte nichts Bestimmtes über die Person des Attentäters sagen. Es war daher auch nicht festzustellen, ob zwischen den beiden Attentaten ein Zu- samutenhang bestehe. Erst der dritte Vorfall ähnlicher Art, dessen Opfer die dreizehnjährige Else Schwarz wurde, ließ die Vermutung, daß cs sich stets um ein und denselben Täter handle, zur Sicherheit erhärten. Auch dieses Attentat spielte sich vor der Volksbiblivthek ab. Else

Weite Kreise sind an der Klärung der Frage interefficTt, welche Stellung der Lehrling in der Angestelltenversicherung bekleidet u>rd ob und welche Marken für ihn zu verwenden sind. Für den Fall der Berufsimfähigkeit und des Alters sowie zugunsten der Hinterbliebenen werden Handlungslehrlinge, Bürolehrlinge, Lehrlinge in Apotheken und Bühnen- und Musikerlehrlin­ge versichert. Der Volontär ist zwar kein Handlungsgehilfe, da er kein Entgelt erhält, aber er kann Handlungslehrling sein, z. B. wenn er zur Erlernung einer noch nicht abgeschlossenen kaufmännischen Bildung tätig ist (Siehe a. HGB. 82 a). Bürolehrlinge werden ebenfalls in allen Fällen vom Gesetz dem Büroangestellten gleichgestellt. Lehrlin­ge in Apotheken. Früher waren nur die Gehilfen in Apotheken versichernngspflichttg. Jetzt fallen auch die Lehrlinge unter die Ver- sicheruugspflicht. Bühnenmitglieder wer­den vom Gesetz erfaßt ohne Rücksicht auf den Kunstwert ihrer Leistungen; selbstverständlich auch bann, wenn sic sich in der Ausbildung Lehrzeit befinden. Natürlich sind hiermit nicht die Kulissenarbeiter, Logenschließer usw. gemeint. Musiklehrlinge sind ebenfalls versicherungspflichtig nach dem Angestelltcnver- sicherungsgesetz. Voraussetzung der Versiche­rung ist für alle diese Personen, daß sie

Schwarz trug eine elf Zentimeter lange Wunde von der Begegnung mit dem unheimlichen Verbrecher davon. Von diesem Zeitpunkt an wurde die Gegend, vor und in der Vo-lksbMio- thck und auch die

Umgebung des PostgcbäupeS ständig von zwölf Detektiven beobachtet.

Drei Monate lang gab der Verbrecher kein Lebenszeichen von sich. Am 23. Juli durcheilte in wenigen Minuten die ganze Stadt die Nach­richt, daß der unbekannte Attentäter die Wach­samkeit der Detektive täuschend, auf einer der oerkehrsreichsten Straßen von Bridgeford die sechzehnjährige Eddie Zimmermann, die Toch­ter eines Ingenieurs aus Philadelphia lebens­gefährlich gestochen hatte. Drei Tage später gab es ein fünftes Opfer. Diesmal die zehn­jährige Marv D-irgot, die Tochter eines Staals- beamten. Die Kühnheit dieses unheimlichen Verbrechers ging so weit, daß er einige Wochen nach diesem Vorfall in dem Gebäude der Volks­bibliothek selbst, wo sechs Detektive auf ihn darrten, die 21jährige Dorothp Barry, eine Bankbeamtin schwer verletzte. Diese rasch aus- einandersolgenden Attentate, denen gegenüber sich die Polizei ohnmächtig erwies, lösten in der Bevölkerung von Bridgeford eine furchtbare Angst aus. Da sich alle Vorfälle in den Abend­stunden abspielten, wagten sich junge Mädchen nach Einbruch der Dämmerung überhaupt nicht auf die Sttaßc. Die Polizei war der Ansicht, daß der Attentäter entweder ein Irrsinniger, oder ein krankhaft veranlagter Mensch fein müsse. Die geradezu unbegreifliche Geschwin­digkeit, mit der er alle Attentate ausführtc, machte alle Versuche der Behörden, seiner hab­haft zu werden, zu Nichte. Nach dem achten Attentat gab es nicht einmal eine verläßliche Persoiteitbcschreibung, u. der gespenstische Mör­der vermochte noch sieben weitere Mordversuche in wenigen Monaten nngesühnt zu verüben. Die Polizei von Bridgeford bot ihren ganzen Apparat auf, um bett unheimlichen Manu zu eruieren. 300 Detektive suchten Tag und Rächt nach bem Unbekannten, um beffen Person sich eine ganze Schauerlegende verbreitet hat.

Dieser Tage wurde nun ein sechzehnjähriger Junge Walter Smith in einer Parkanlage er­mordet aufgefunden. Die Erhebungen führten zur Verhaftung eines jungen Mannes namens Harold Coarkin, des Sohnes, eines in Brioge- sord sehr bekannten wohlhabenden Kaufmannes. Coarkin gab den Mord zu. Die Verhöre mit ihm ließen die Vermutung aufkommen, daß er mit dem unheimlichen Bauchaufschlitzer idcn- tisch sei.

gegen Entgelt in einem Dienstverhältnis beschäftigt werden. Die Frage des Entgeltes ist für die Beurteilung der Vcrfichernnaspflicht | ii b c r n u § wichtig. Ein Lehrling, der kei neu Pfennig Barlohn bekommt, ist versiche­rungsfrei, auch! wenn ihm Wohnung, Verpfle­gung usw. gewährt wird. Ein anderer Lehr­ling, der beispielsweise elf Mark auf bett Mo­nat erhält, bafür rtSrr keine Wohnung, Verpfle­gung usw. erhält, ist versicherungspflichtig. Ein dritter Lehrling erhält beispielsweise neben freier Wohnung /Verpflegung usw. von seinem Prinzipal, ohne baß solches vereinbart war ober Vertragszwang bestaub, Zuwenbungen in Form von Schenkungen, bie lebiglich aus Freige­bigkeit ober Wohltätigkeit gegeben werden. Sol­che Schenkungen sind k e i n Entgelt im Sin­ne des Gesetzes, auch mag bie Tätigkeit bes Lehrlings ben äußeren Anlaß bazu geboten ha­ben. Obgleich sich biefer Lehrling um ein Bc- beutenbcs besser steht als ber zu zwei, ist er versicherungssrei. Im allgemeinen wirb bei Lehrlingen bann Versicherungspflicht vorliegen,

wenn mehr als zehn Mark

für ben Monat als Barlohn gewährt werben. Schließlich sei noch erwähnt, baß Lehrschwestern, Krankenpflegeschiilerinnen unb Zahntechniker- | lehrlinge versicherungspflichtig sind. W. Krause.

* MH

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Graf Bettüens Italienreise.

Italien rüstet sich zum Empfang des ungarischen Ministerpräsidenten Gras Bethlen, der mit Mus­solini wichtige Verhandlungen führen wird.

beschreiben. Das wußte auch ein gerissener Kinobesitzer in Newaela, der ein enormes In­serat losließ: »Was würden Sie tun, wenn Sie endlich nach langer Werbung die Geliebte im Arm halten, sic reicht Ihnen die zitternden Lippen zum Kuß, da ----erscheint, sprung­

bereit vor Ihnen, ein mächtiges, vorsintflut­liches Tier, ein Dinosaurier, größer als fiins- zehu Elefanten ---. Was würden Sie tun?

Würden Sie küssen? Oder nicht? Wenn Sic wissen wollen, was Harold Lloyd in dieser Situation tut, bann besuchen Sie unser Thea­ter." Ich muß sagen: ich hätte geküßt! Denn, wenn ich erst mal so weit gewesen wäre, wie jener oben beschriebene junge Mann, ich hätte das Riesenbiest überhaupt gar nicht mehr gesehen. Chidher.

Hessische Spiegelbilder

Allerlei Seltsames aus Alt-Hessen.

Von

Gustav Wentzell.

Als König Georg IV. v. Großbritannien »821 beu Kurfürsten Wilhelm 11. in Kassel besuchte, würbe ber hohe Herr an ber Landesgrenze von einer Abteilung Husaren empfangen und in bre Stabt eskortiert, hierauf auf dem Forst von der Artillerie mit Geschützsalven begrüßt.

Der kühne Parteigänger Bergyöfer metzelte 1635 2<XI Kroaten nieder.

Als Melanber Marburg belagerte, hielt er am 18. Dezbr. 1647 große Tafel. Oberst Stauf, der Perteibiger Marburgs wurde durch Spione hiervon unterrichtet, und ließ nun sämtliche Ge­schütze auf bas Fcsthaus richten unb auf ein ge­gebenes Zeichen obfeuern. Schrecklich waren Vie Folgen, nicht allein wurde ber Saal zer schmettert, obenbrein auch noch mehrere Personen getötet unb verwunbet. Melanber, ber Feld­herr, kam zu seinem Glück, weil er sich verspätet hatte, mit einer starken Verwundung davon.

Wilhelm IV., der Weise, trug durch seine Fürsprache nicht wenig dazu bei daß ber franzö sische Prinz Hr. von Anjou im Jahre 1573 auf ben polnifchen Königsthron erhoben würbe. In Vacha, wo er, ber Prinz, bret Tage Gast bes Landgrafen war, begrüßte ihn letzterer mit 800 Reitern.

Unter dem Jubel der Bevölkerung wurden 1545 die gefangenen Herzöge von Braunschweig durch Kassel geführt, bei liefern traurigen An­blick wurde ber spätere Lanbaras Wilhelm zu Tränen gerührt.

Am 20. Dezember 1775 wurden den Straßen der Stadt Kassel durch landesherrliche Verfü­gung neue Namen unb zwar solche von Heiligen beigelegt, bie Kasselaner nahmen indeß von bie- er Verordnung keine Notiz, sondern gebrauchten l-ei jeder Gelegenheit die alten eingebürgerten Bezeichnungen, wie Ziegen-, Enten- unb Markt­gasse weiter.

Wird der Lehrling schon versichert?

Ein wichtiges Kapitel für Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Amerikanische Großindustrie: Die neueste Riesenlokomotive.

Das obenstchende Bild zeigt das neueste Modell einer transkontinentalen Lokomotive eine Iber Southern Pacific Railway in Betrieb genommen wurde ^iefer «ebiatban" b-r neue 3-Zylinder-Riesenmafchine, die fachen zwischen San Franzisko und dem Osten von f Eisenbahnen ist ein Cclbrenner. Er ist 101 Fuß i Zoll lang und wieg? 688 200^ Pfund.