Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

L>l< Hantlet jteuelteti Jiadjndjten erftbetntn wücheniHL tecbemai nathmtttaa» Der flbonnementgprtie beträgt süi ben Monat 2. X tretet Zustellung ins Haus, in der (SeltbänSitcUf rbgeholt i.hii x Dund btt Poft monatlich 2. X aueichltetzlich ^ustellunasakbüvr Verlag und rfttbaknon Lchlachtboiftrafte 38'811 Fernsprecher 951 und 952 ftüi unverlangt etngesanbtt öeiträge kann btt Rt- »attton änt verantwoäuna ober (SeronIn in keinem *il!t übernehmen Rück» tablung beS verngsnetbes ober #lnfprtw roegtn etroatatr nicht ortet mtn8mäNiget rittttrnng ift ausgeftblofien Pofttcheckkontv Frankfurt am Main Nummer MSTi.

Änteuieiiortift: Ämbeimtrtie (Sätbüttenntetgcn SeUe 20 4, auSwärrtge Geschäfts» rnzergen Seile 20 4, »aunltenanreigen Säle »1 4. Kleine Änjetaen bas Wort l 4. Reklamen btt Seile 75 4 Dftertgebübr 20 4 (bet Hufen bang ber Offerten 50 j). RechnungsberrLgt ftnb innerhalb 5 Tagen in bezahlen. Mr bte Richtig­keit aller bar» Fernsprecher aufgegebenen 21 meinen, sowie für Aufnahmedaten und Plftve kann nicht garantiert werden. Für Anzeigen mit besonders schwie­rigem Las 1«) Prozent Anischina Druckerei' Lchlnchthofstrafie 28/80. Beschäfts- stelte: Kölnische Strafte 5, gegenüber der Spohrftrafte Fernsprecher 95t und 952

Hessische Abendzeitung

Freitag. 21. Januar 1927

Amtliches Organ der Stadt Kassel. 17. Jahrgang

Nummer 17. Amtliches Organ der Stadt Kassel.

Auch ORarr am Ende seiner Kraft.

Die Volkspartei drangt nach rechts.

Es kann noch lange dauern / Die Volksportei bleibt unerbittlich. Poineartzs Verfolgungsfieber / Marx verhandelt soeben mit dem Volks­parteiführer. / Schneegefahren im Oberland.

Der Alp weicht.

EinLebewohl" an die Entente-Schnüffler.

In den nächsten Tagen werden die letzten Nachzügler der Militärkontrolllommission, von Volksmund treffendSchnüffler* genannt, den deutschen Staub von ihren eleganten Reit- und Lackstieseln schütteln und niemand wird den Versailler Fronvögten eine Träne nachweinen. Aus Grund des Versailler Vertrages hatten sie die Entwaffnung Deutschland zu überprüfen zweifellos eine zeitlich und sachlich engbefristete Aufgabe. Die Interalliierte Militärkontroll- Kommission hat sich damit nicht begnügt, son­dern durch politische Druckmittel er­zwungen, daß sie die Kontrolle nochmals wie­derholen durste. Daß ihr Verlangen n-icht be­gründet war, zeigt die Tatsache, daß. die 1924 bis 1926 zerstörten Waffen nicht etwa in gehei­men Verstecken aufgespürt, sondern im Ver­handlungswege Deutschland a b ge­preßt und von amtswegen abgegeben wurden. Der Versailler Vertrag ist auslegungsfähig und die französische Auslegung war stets so weit­gehend wie möglich. Die deutsche Regierung mußte sich gegen solche über Wortlaut und Sinn des Vertrages hinausgehenden Forderungen zur Wehr setzen, um die militärischen, aber noch viel mehr die wirtschaftlichen Interessen des Reiches zu schützen.

Für die deutsche äußere Politik bedeutete die Tätigkeit der Interalliierten Militärkontroll- Kommission eine kaum tragbare Be­la st u n g. Die französische Propaganda ver­stand es der Welt zu suggerieren, den Mei­nungsverschiedenheiten zwischen der deutschen Regierung und der Interalliierten Militärkon­troll-Kommission lägen Verfehlungen Deutsch­lands zugrunde, die durchSanktionen* gesühnt werden müßten. Auf solche Verfehlungen grün­deten die Kriegsgegner Deutschlands auch die Weigerung, Köln und die nördliche Rhein­landszone zum vertragsmäßigen Termine zu räumen. Die Welt erwartete damals unge­heure Enthüllungen über geheime deutsche Rüstungen und staunte nicht wenig, als die Denkschrift der Botschafterkonferenz erschien, die zwar viele Seiten umfaßte, aber nur Klei­nigkeiten enthielt, die die Zahl der Platz­patronen und Sättel beanstandete und bis auf Hufnägel und Konservenbüchsen herab­ging. Mit ganz besonderer Hartnäckigkeit hat die Interalliierte Militärkontroll-Kornmisston auch die Schutz polizeihekämpft und erst in ihren letzten Lebenslagen ist man darüber ins reine gekommen. Sehr empfindlich waren auch die Eingriffe, die sich der deutsche Ge­werbe f l e i ß gefallen lassen mußte; nicht aus militärischen Gründen, sondern aus Gründen des Wettbewerbs suchen die Kriegsverbündeten die Liste der Gegenstände, die über die deutschen Grenzen nicht ausgeführt werden dürfen, zu ver­größern und 2500 sogen.Maschinen der Kriegsindustrie* mußten auf Geheiß der Spitzel sinnlos zerstört werden.

Von einschneidender Wuchtigkeit auf militäri­schem Gebiet war die Beschränkung der Be­fugnisse des Chefs der Heeresleitung,der selbständiger Befehlsgewalt entkleidet werden mußte und heute lediglich Staatssekretär des Reichswehrministeriums ist. Die Zerstörung der Geschützausrüstung der uns belassenen Ost­festungen setzt ihren Wert fast bis zum Nullpunkt herab. Um möglichst lange in Deutschland bleiben zu können, suchte das In­teralliierte Militärkontroll-Komitee immer solche Forderungen aufzustellen, die eigentlich unerfüll­bar waren. Langwierige Verhandlungen waren jedesmal nötig, um einen für beide Teile ver­tretbaren Ausweg zu finden. Die Wirksamkeit der Interalliierten Militärkontroll-Kommission batte eine korrumpierende Wirkung. Einmal brachte das umfangreiche Spionage­system, das über Deutschland gezogen wurde, viele Leute ins Unglück. Die Not der Zeit machte die Möglic^eit, rasch große Summen zu verdienen, um so verlockender. Die Zahl der Landesverratsfälle ist dank der Tätig­keit der Interalliierten Militärkontroll-Kom- mission ungeheuer gestiegen. Aber nicht nur aus Geldgier,, sondern aus politischen Gründen wur­den unseren Kriegsgegnern über vermutete Rüstungen, die anscheinend oder wirklich gegen den Versailler Vertrag verstießen, Mitteilungen gemacht oder solche Dinge öffentlich behandelt. Daß nicht zu vermeiden war und ist, in Zeilen höchster Gefahr die Bestimmungen des Versail­ler Vertrages, wie sie von mancher Seite aufge­faßt werden, z u ü b e r s ch r e i t e n, hat der ehemalige Reichskanzler Wirth kürzlich im Reichstage überzeugen- auseinandergesetzt. Jedenfalls war es nicht Sache des einzelnen, der deutschen Regierung gegenüber festrut'tellen, was legal undillegal* war. Denn Schiedsrichter

Berlin, 20. Januar. (Funktelegramm.) Dr. Scholz dürfte, wie parlamentarische Kreise vermuten, heute mittag Reichskanzler Dr. Marx auseinandersetzen, daß die Voltspartei den Versuch einer Kabinettsbildung der Mitte für aussichtslos hält und Dr. Marx ersuchen wird, mit den Deut f chn ati »n alen über die Bildung einer Rechts-Koalition zu verhan­deln. Gleich nach der Besprechung mit Dr. Scholz begibt sich der Reichskanzler Dr. Marx zum Reichspräsidenten.

Morr streicht die Segel.

Die Volkspartei gegen ein Kabinett der Mitte. (Funkdienst-

Berlin, 20. Januar.

Reichskanzler Dr. Marx hat heute Mittag auf Grund der Erklärungen, die ihm der Führer der Deutschen Volkspartei Dr. Scholz gab, dem Reichspräsidenten mitgeteilt, daß er ein Kabinett auf der B a f i s d e r M i t t e nicht mehr für möglich halte. Damit wäre die Mission von Dr. Merx e r l e d ig t. Der Reichs­präsident hat sich weitere Entschliessungen zur Bildung einer Regierung Vorbehalten.

Nicht ja, nicht nein.

Die Parteien drücken sich um die Entscheidung. iEigener Drahtbericht.)

Berlin, 20. Januar.

Zu der gestrigen Volksparteierklärung, dass die sachliche» Voraussetzungen für ein Zusam­menwirken mit den Deutschnationalen noch nicht geklärt seien, schreibt ein Regie- rungsorgan: In der starken Betonung der von Dr. Curtius gepflogenen Verhandlungen liegt ein starker Druck gegen alle Versionen. Die Volkspartci werde sich der stillen Koalition mit Links fügen. Das Volksparteiorgan selbst hält den Uebergang zu Verhandlungen mit den Deutschnationalen für den einzig möglichen Weg, nach dem die grosse Koalition und die Bindung nach Links für sie nicht mehr in Frage kommen. Ein Demokratenblatt will sogar wis­sen, daß Dr. Scholz erneut Verhandlungen vor allem mit Gras Westarp, gepflogen habe. Ein Zentrumsblatt nimmt an, dass Dr. Marx in der Stellungnahme der Deutschen Volkspartei keine Absage erblickt. Von einer Rück- gabe des Auftrages sei daher zur Zeit keine Rede. Der Vorwärts schlägt vor, dass Dr. Marx seine Ministerliste und sein Programm ausstellt und beide so einrichtet, dass der Sozialdemo­kratie die Unterstützung ermöglicht wird.

Warum so furchtsam?

Poineare lässt die Grenzen verstärken.

iEigener Drahtbericht.)

Paris, 20. Januar.

Laut Pressenotiz wurde im Obersten KriegS- rat gestern ein Bericht desStudienausschuffes für die De senfive-Organisierung der Grenzt, dessen Arbeiten General Guillau- mat leitete, verlesen. Die Aussprache wird fort­gesetzt. Auf dringende Vorstellungen P o i«- eures hin soll der Oberste Kriegsrat bald eine Entscheidung betreffend die endgültige Fest- setzut« des ProgrammsSicherung der Nord- und Rordostgrenzen" treffen.

»

23rian6 will Mussolini zähmen.

Paris, 20. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) Ein Blatt behauptet, Briand verhandele seit einigen Tagen durch Vermittelung des französi­schen Botschafters mit Mussolini, woraus her­vorgehe, daß der Minister eine Verständi­gung mit Italien für notwendig halte.

Briand läßt nicht locker.

Paris, 20. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) In diplomatischen Kreisen betrachtet man die

wurde durch solche öffentliche Auseinander­setzung die Interalliierte MUitärkontroll-Kom- mission.

Die Ueberwachungstätigkeit geht auf den Völkerbund über. Dieser kann Nachforschungen (Investigationen) nur auf Anzeige hin über Deutschland verhängen. Wir halten es für die Pflicht der deutschen Regierung, alles zu verhindern, was solch- Anzeigen Hervorrufen kann. Dazu gehört auch, daß Erörterungen über

Erklärungen Briands als einen Beweis dafür, dass er eine Räumung der Rheinlande in nicht allzuserner Zeit für unvermeidbar halte. Offenbar sei er sich aber noch nicht klar über das Kompensationsobjekt.

Wenn es nach Briand geht

Verständigung und Sicherheit für Frankreich.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 20. Januar.

Briand erklärte gestern im Auswärtigen Ausschuss u. a." Es ist sehr leicht möglich, daß die, die sich als besonders widerspenstig zeigen, morgen die wärmsten Anhänger der Politik sein werden, die ich betreibe. Das Wesentlichste ist, daß Frankreich nicht das Opfer innerpoliti­scher Kombinationen wird, und dass es ent­schlossen eine friedliche Haltung zeigt. Die Regierung ist in der nationalen Einigung solidarisch und einmütig. Ich lasse mich nicht von ihr trennen, ich bin in keinem Augenblick uneinig mit ihr gewesen. Ein Ab­geordneter ries: Auch nicht in Genf? Briand antwortete: Selbst nicht in Genf! Wer hat denn, so frage ich, der Politik von Locarno eine andere entgegengesetzt? Nie­mand! Dann aber hat man nicht das Recht wenn man nicht ein Verbrechen begehen will, das Vertrauen dieses Landes zu zer­stören. Es gibt heute Hunderte won Kilometer gesicherten Geländes zwischen Frankreich und Deutschland, um unsere Sicherheit zu ge­währleisten. Er, Briand, wolle sich mit Deutsch­land auch über die Räumung verständigen.

* * *

Bis zum Zadre 2000 besetzt!

Wie Briand die Besatzungsfreunde abfertigt.

Paris, 20. Januar.

Im Kammerausschutz vertrat der elsässische Abg. Oberkirch später den Standpunkt, daß die Besatzungssristen noch nicht zu laufen begonnen hätten und erklärte sich als Anhänger der verlängerten Aufrechterhaltung der französischen Besetzung mrt der Behauptung, dass Deutschland, wenn Frankreich aus dem Rhein­land abgezogen fei, freie Hand gegen­über Polen hätte. Briand habe darauf­hin erklärt, Europa besteht nicht nur ans Frank­reich und Deutschland, eine Isolierungs- Politik ist unmöglich. Das Schlimmste aber wäre, alternativ eine Politik der Aussöh­nung und eine des Zwanges zu betreiben, und, wenn die Besorgnis vor einem Angriff auf Polen genügen soll, Mißtraue» gegen Deutsch­land zu rechtfertigen, dann müsse man, wenn man logisch sein will, biszumJahre2000 im Rheinland bleiben. Eine derartige Po­litik gefährde den Frieden aufs schwerste.

Lief verschneite Dörfer.

Das Oberland ohne Licht und Telephon.

(Privat-Telegramm.)

Stuttgart, 20. Januar.

Im württembrrgischen Oberland find unge­heure Massen Schnee niedcrgegangen. Stark­stromleitungen und Telephondrähte find zer­stört. Zahlreiche Ortschaften sind ohne Tele­phon und ohne Strom, sodass die Fabriken teilweise den Betrieb einstellen mutzten. Mehrere Züge mussten ausfallen. Am stärksten betroffen sind die Gegenden von Friedrichshafen und Ravensburg.

Rüstungsmaßnahmen verboten werden, wenn sie Investigationen herbeiführen können. Uner­träglich Wäre, wenn jeder Mißvergnügte durch aufgeregte Schreiberei eine derartige Ge­fahr heraufzubeschwören in der Lage wäre. Mögen die Verantwortlichen das Notwendige Versailler Frontvögten eine Träne nachweinen, rasch und schnell veranlassen. Der Augenblick, Won die Interalliierte Mtlitärkontroll-Kom- misston abzieht, ist der richtige. - - ,

Glück und Glas...

Die Lebenstragödie der Kaiserin Charlotte.

Im Alter trott 86 Jahren ift gestern in Brüssel, wie bereits kur, berichtet, die Kaiserin Charlotte von Mexiko gestorben, deren düstere Lebeustragödie. von den Lebenden schon säst vergessen, unser iMtarbäter noch einmal in nackenden Strichen vor nnS ausrollt.

Der Meldung Wird man diesmal wohl glau­ben müssen. Denn Kaiserin Charlotte ist nicht zum ersten Male gestorben. Es ist. als ob es die Welt schon seit langem nicht hätte glauben können! Charlotte von Mexiko lebt! Die Kai­serin von Mexiko, eine handelnde Person aus längst vergangener Geschichte, eine handelnde Person sogar eines Dramas, das der große Er­folg Franz Werfels geworden ist. Diese historische Erscheinung lebte noch immer! Schon mehrmals meldete der Telegraph ihren Tod und im Gotha von 1926 konnte man es schwarz auf weiß lesen, das Charlotte. Kaiserin von Mexiko, am 24. März 1924 gestorben sei. Sie war tot für die Welt, tot für die Geschichte, ihr mußte erst dichterisches Schaffen neues Leben einhauchen und dennoch war sie körperlich noch anwesend. Es ist kaum zu fassen: erst jetzt, gestern, um 7 Uhr früh, ist sie gestorben. Wir sagten, sie war körperlich noch anwesend. Dop­pelt trifft das zu, denn ihr Gei st hat sie schon vor fünszig Jahren verlassen. In

völliger Umnachtung lebte fie, ein Schatten ihres früheren Ich, der, einer mechanisierten Tradition folgend, zwischen kost­baren Hoftoiletten umherwandelte und kaiser­lichen Pomp um sich heruni verlangte. In dem Lebensweg dieser unglücklichen Kaiserin schuf das Geschick ein Musterbeispiel für die unerbitt­liche Konseguenz seines Waltens. Wenn Je der Satz von der Hinfälligkeit irdischen Glücks auf jemanden zutraf, dann gilt das für diesen Fall. Und wenn die Verfechter jener Theorie, die das künftige Schicksal als Stiefbruder des Charak­ters in der Wiege des Menschen suchen will, ein völlig schlagendes Beispiel brauchen, dann mögen sie ans Charlotte von Mexiko Hinweisen. DieTragik* ihres Lebens ist nicht jene Ver­kettung widriger Umsräirde, die den Menschen wider'all sein Streben aus der gewollten Bahn schleudern. In ihr steckt nichts von dem Schick­sal einer Kaiserin Eugenie, einer Königin von Neapel oder einer Kaiserin Zita, die schließlich und endlich doch willenlose Puppen in der Hand des Schicksals waren und sind. Ihr ehrgeiziges Streben, ihre Lebenslust, brachten sie vom klei­nen belgischen Hof, wo sie 1840 als

Tochter des ersten Belgierkönigs geboren worden war, auf den exottschen Kaiser­thron. Maximilian von Oesterreich verkörperte in weitem Kreise der Habsburger Familie das Erbe Joseph des Zweiten; in ihm und seinem Bruder Franz Joseph kristallisierten sich die bei­den Gegenpole des habsburgischen Geistes, das- Kühl-Berechnende, Strebende in Fran; Joseph, das fromm-romantische Mffenschaftlertum in Maximilian. Er holte sich die belgische Prin­zessin auf Geheiß seines Bruders, dem die fran­zösischen Beziehungen der Prinzessin wertvoll erschienen und den die alte habsburgische Haus- machtpolittk nach den verlorenen Erblanden an der Schelde verwies. Diese widerstrebenden Charaktere ergänzten sich wie das so häufig zum Staunen der Umwelt vorkommt recht glücklich. Auf einem hohen Felsriff baute sich Maximilian, der Träumer,

sein Märchenschloss Miramare, und seine Gattin konnte hier den Prunk ent­falten, den sie im belgischen Batevhause nicht ge­kannt hatte. Napoleon III. wußte, welche Ver­bündete er in ihr an der Seite Maximilians haben konnte. Diesen, das Marineoberhaupt einer Großmacht, den Bruder eines Kaisers als Werkzeug seiner Politik in die Hand zu bekom­men das war der Mühe wert. Napoleon wird gewtrßt haben, wie er die stille, schöne Prin­zessin für seine Pläne gewinnen konnte. Der Anschlag gelang. Als eine mexikanische Depu­tation dem Erzherzog die Kaiserkrone anbot, bestimmte ibn die Kaiserin dazu.Ja* zu sagen Das Ziel ihres Strebens war erfüllt. Als dem Weichen Manne beim Abschied von seinem Vaterlands und seinem Schloß die Tränen in die Augen traten, sagte fie mißbilligend:Wie kann man über so etwas ttauria sein?* In die­sem Augenblick schon war ihr Schicksal entschie- den- Im Juli 1864 trat das Kaiser paar die Ueberfahrt nach Mexiko an, im Jitni 1867

knallten in Quereiaro die Schüsse, die das Todesurteil an dem unglücklichen Mann vollstreckten. Kaiserin Charlotte hat bis zum heutigen Tage nichts von dem tragischen Ende ihre? Gdtten, von diesem Ausgang einer Tra­gödie, die sie mitgcsponnen hatte, gewußt. Wohl

Medergebrochene Wälder.

Bamberg, 20. Januar. (Privattelegramm.) Durch Schnee- und Windbruch im nördlichen Frankenwald ist nach fachmännischer An - schauung im Durchschnitt mehr als die Hälfte des Bestandes vernichtet.