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Sonnabend, 15. Januar 192?.

Kasseler Neueste Nachrichte»

17. Jahrgang. Nr. 15.'

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Solotänzerin an der Berliner Staatsoper.

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nerlej Geist getrag.

ch.

Früher bestellen! Keine Lleberflunden.

Berlin, 14. Januar. In einer Verfügung von den Behörden heißt es, daß bei Bestellun­gen die Lieferfristen so bemessen sind, daß die Aufträge auch von weniger kapitalkräftigen Un­ternehmern ohne Ueberstundenarbeit pünktlich ausgeführt werden können. Auch sol­len die öffentlichen Aufträge, soweit sie aus Haushaltsmitteln finanziert werden, die nicht übertragbar sind, nichterst kurzvorEade des Haushaltsjahres vergeben werden; gerade dies würde sehr leicht dazu führen, daß die Aufträge durch Ucdcrstundcn erledigt werden.

Gemach Eurydikes in der Unterwelt, mit der Drehtür in der Mitte, war ebenfalls recht nied­lich. Dagegen fiel das Schlußbild stark ab, nicht nur in der Bühnengestaltung, sondern auch in der Bewegung der Waffen. Selbst der sehr flotte Can-can (nicht jede Tänzerin kann ihn noch) konnte hieran nichts ändern.

Krenek's musikalische Leitung war recht, an­sprechend. Das als Ouvertüre gespielte Pot­pourri (diese Ouvertüre stammt bekanntlich nickt Von Offenbach) war sehr fein. In der Beglei­tung der Gesänge und in der Darbietung der vielen Tänze zeigte Krenek eine recht feine, leichte Hand. Es lag nicht an ihm, daß über den musikalischen Waffern manchmal der Geist der Langeweile schwebte. Das war in der Hauptsache Schuld der Darstellerin der Eury­dike, des Fräulein Reinhard. Es tut uns leid, seststellen zu müssen, daß diese herrliche Krenek'fche Eurydike bei Offenbach durchaus nicht am Platze war. Es fehlt ihr die mindeste Begabung zur Lustigkeit, zum Sckmiß, ja man könnte auch zweifeln, daß sie wirklich echtes Bühnentemperament besitzt, sonst wäre es gar nicht möglich, daß sie bei Offenbach alles so ganz auf die große Oper abstellt. Im übrigen aber kann von den Darstellern mit großer Befriedi­gung gesprochen werden. Sehr fein war Kluge als Orpheus in Richard Wagners Maske; die beste Leistung des Abends wär der Pluto des Her'-n Kremer, sowohl gesanglich wie darstel­lerisch hatte Kremer seine Aufgabe richtig an­gefaßt, in ihm war echter Operettengeist wach. Hervorragend war auch Bartram als Ju­piter. Das Fligenduett des dritten Bildes war musikalisch vielleicht der Höb-»runk1 des ganzen Abends. Von seinen Töchtern entzückten beson-

Elne harmlose Munltionsdebatle.

Berlin, 14. Januar. Im Haushaltsausschuß regte Abg. Dr. Cremer (Dvpt.) an, daß die Länder mithelfcn sollten, Lehrer und andere Beamte, die Vertrieben worden seien, wieder in ein Amt zurückzuführen. Ministerialdirektor L o t h o l z will die Anregung weiter geben. Lange gestritten wurde über den Etatspostcn für Entwaffnung und Entfestigung, für Ge­währung einmaliger Beihilfen an Waffen- und Munitonsfabriken für Umstellung ihrer Be­triebe sowie zur Abgeltung von Patenten. General von Haack erklärte, daß die betreffen­den Subventionen lediglich der Neubeschaffnng von Spezialvorrichtungen und den durch den Versailler Vertrag vorgeschriebenen Anlagen für militärisch-fabrikatorische Zwecke dienen sol­len, den offenen Konkurrenzmarkt also nicht be­rührten. Er schlug vor, daß die Mitglieder des Ausschusses die bett. Fabrikanlagen persönlich besichtigen sollten. Der Posten wurde genehmigt.

einkommens. Daß Herr Cuno, der als Gene­raldirektor der Hapag ein Einkommen von

weit über hunderttausend Mark

bezieht, von seiner Reichskanzlerpension von achtzehntausend Mark irgend etwas Wohlfahrts­zwecken zuführt, ist nicht bekannt geworden. Da­gegen hat Herr Hamm, der frühere Reichs- wirtschaftsminister, bis auf weiteres auf Zah­lung der Pension v e r z i ch t e 1, da er als erstes geschäftsführendcs Präsidialmitglied des deut­schen Industrie- und Handelstages von diesem Einkommen, bezieht. Der Reichsminister Al­bert, der sehr viel als Berliner Anwalt ver­dient, stellt seine Ministerpension der Hoch­schule für Politik zur Verfügung, wäh­rend der ehemalige Reichsinnenminister Manin Schiele feine Pension den Kriegsblin­den zuführt. Vivant sequentesf

Moderne Völkerwanderungen.

Hirtfiefers Städte der Zukunft.

Berlin, 14. Januar.

Im Landtagsausschuß für das Städtebau­gesetz berichtet Abg. Schluckebier (Dntl.) über Fluchtlinienpläne, Bauvorschriften usw. Berichterstatter Abg. Peuker (Ztr.) hob her­vor, daß nach dem Entwurf der Rechtsweg bei Enteignungen ausgeschaltet sei. Das stehe -m Widerspruch mit den Bestimmungen der Reichs­verfassung. Dab Wort nahm sodann Wohl­fahrtsminister Hirtsief er. Er wies zunächst darauf hin, daß wir gezwungen sind, in den nächsten Jahren eine Million Familien wohnlich neu unterzubringen. Es gilt, die Ar­beitslosen aus Städten und Industriegebieten in Gebiete zu bringen, in denen Mangel an Ar­beitern vorhanden ist oder für die Zukunft zu erwarten ist. Es war notwendig die Bauvor­schriften neuzeitlich zu gestalten. Auch soll man die Menschen wieder in stärkerem Maße mit der Scholle in Verbindung bringen und die Gefahr der Wurzellosigkeit von Hunderttausenden von Volksgenossen unterbinden. Zu der Frage, ob genügend Land vorhanden sei, erklärte der Mi­nister, es komme nur der zehnte Teil des Oedlandes in Frage, was wir haben. Der Minimer wies sodann auf die bedenkliche Bildung der Bodenpreise hin. Der Ausschuß beschloß, einige Besichtigungen vorzunehmen.

und die reizende Diana der Frau Brand- stätter. Ganz entzückend war Frau Tan- ner-Wünsch alsSchwälmer* Cupido. Zwerchfellerschütternd in Spiel und Mimik war W e h l a u, der als Hans Styx die Flamme un­getrübtesten Blödsinns entzündete. Die Ofsen- bach-Maske des Herrn W a r b e ck als Merkur

Es wird immer zwei Richtungen des Tanzes und damit zwei Kategorien von Tänzerinnen geben: die sogenannten romantischen und die sogenannten klassiscken. Die klassische, das ist die Tänzerin, die nur tanzt um des Tan­zes willen, technisch sehr virtuos ist, viel Char­me haben muß, um zu wirken, die aber garnicht die Absicht hat, durch ihren Tanz menschliche Dinge tänzerisch zu gestalten, was das wesent­lichste Interesse der zweiten Kategorie ausmackt. Auch die romantische Tänzerin muß das Tech­nische des Tanzes beherrschen, aber ihre Technik ist eine viel vielseitigere. Sie muß gleichzeitig Balletteuse, Akrobatin und Mimikerin sein, muß außer dem Charme auch noch Geist besitzen, Phantasie und innigsten Kontakt mit den an­deren Künstlern haben. Außerdem aber und nickt zuletzt muß sie absolutes Gefühl für die Zeit haben, in der sie lebt, für alles im gr en Sinne Moderne und Neue, was bei bi. klaMchhih AchjeLpi, ahhM niM nötig, jst. da

König Ferdinand verloren.

Die Aerzte beschuldigen sich gegenseitig. Bukarest, 14. Januar.

Der Gesundheitszustand des Königs Ferdi­nand hat sich langsam immer weiter verschlech­tert. Aus Hofkreisen kommt der sensationelle Bericht, daß zwischen den behandelnden Aerzten ein hitziger Streit ausgebrochen sei, weil der königliche Leibarzt, Professor Juvara, von feinen Kollegen beschuldigt wurde, die Krebskrankheit des Königs als Hämorrhoiden diagnostiziert zu haben und damit die Schuld an dem baldigen Tode König Ferdinands zu tragen. Königin Marie mußte intervenieren und ließ den Rat Professor Hart­manns ans Paris einholen. Ein Arzt er­klärt, das Krebsgeschwür habe bereits der­artige Berheevungcn angerichtet, daß eine Ope­ration unmöglich fei. Es sei zwecklos, aus­ländische Aerzte hcrbeizuholen, da der baldi­ge Tod des Königs gewiß sei.

war beachtlich. In kleineren Rollen bewährten sich die Herren Erthal, Eberle und Engelhardt. Fräulein Clema gebührt für ihre eindrucksvolle Leistung alsTintenhut getränte* öffentliche Meinung besondere Anerkennung. Die wunder­vollen Kostüme verdanken ihr Entstehen dem Oberinspektor Sierra. Die technische Einrich­tung des Maschineriedirektors Waßmuth klappte hervorragend, auch die Chöre, von Dr. Pauli einstudiert, wurden gut gesungen. Dr. P.

gesunden werden müsse. Abg. Held (BP.) ver­langte niedrige Futtermittelzölle, meinte aber, daß die Landwirtschaft im übrigen durch Zölle geschützt werden müsse. Abg. R o e t n g h (Ztr.) verlangte Stabilisierung der Zollgesetzae - b u n g und wandte sich gegen die zu starke Ein­führung von Gefrierfleisch. Die Handelsvertrags Politik' dürfe die Lanvwirtschast nicht zum Prügelknaben machen.

Nicht Vierrot und Eolombine

Die Zukunft der Tanzkunst.

Von

Dorothea Albu

Wie sich der Landwirt plagt.

Das Wunschprogramm der Parteien.

Berlin, 14. Januar.

Im Landtagsausschuß wies Landwirtschafts­haushalt-Berichterstatter Abg. Dr. H o e s ch (Dntl) auf die schwere Notlage der Landwirt­schaft hin, die in der geringeren Produktion zum Ausdruck komme und an dr: die ganze Wirt­schaft zugrunde gehen hönne. Die Bela­stung der Landwirtschaft durch Steuern, soziale und andere Lasten sei etwa fünf» h's sechsmal so groß wie vor dem Kriege. Abg. W111 i ch (Soz.) sah in der Not der Landwirtschaft lediglich einen Teil der allgemeinen Wirtschaftsnot. Abg. v. Plehwe (Dntl.) bezeichnete es als vornehmste Aufgabe der Landwirtschaft, Deutschland unab­hängig zu machen im Nahrungsmittelbedarf vom Ausland. Abg. Wachhorst de Wente (Dem.st bezeichnete die persönliche Verschuldung als schlimmer wie die der Hypotheken. Der Redner gedachte der schweren Verluste durch die Ai aul-und Klauenseuche, gegen die durch Auslobung Hoher Prämiert ein w'.rksames Serum

sie über der Zeit steht. Vollkommenste Verkör­perung dieser Kategorie ist die Pawlowa, die sicher in hundert Jahren noch genau so wir­ken würde wie heute.

Die anderen, nennen wir sie die Roman­tiker, das sind wir Jungen, die nach einer neuen Form suchen, mit dem tiefsten Bewußt­sein, daß die innere Neubelebung aller Kunst nur durch die naßeste Berührung mit dem Men­schen unserer Zeit kommen kann. Anfänglich ins Ertrem überschlagend und nur Gefühl, d. h. Inhalt gebend, gehen wir heute schon neue We­ge zu einer neuen Form. Ballette mit vernünf­tigen, ernst zu nehmenden Librettis, nicht die ewige Geschichte von Pierrot und Colombine, die uns so gar nicht mehr intereffiert. Zum Beispiel die merkwürdigen Versuche eines Stra­winsky, Musik, Tanz und Schauspiel wie in «Soldaten*,Renwrd* etc., zu vereinen, sind der am ernstesten zu nehmende und wegweisendste Ausdruck der neuen Richtung.

unterrichtet gewesen, daß Barmat nennenswerte Beträge dieser Kredite auch weiterverlie­hen habe. Der Staatsbank fei eS genau be­kannt gewesen, daß dieAmexima* ein Finrn- zierungsinstitut war. Barmat bestritt, den Her­ren von der Staatsbank jemals besondere Vor­teile angeboten zu haben. Auch habe er keinem der Herren eine Anstellung angeboten. Dr. Hell­wig habe ihm einmal im Gespräch gesagt, er möchte gern seine Stellung beider Staatsbank aufgeben. Im Jahre 1924 «-be er Barmat seine Beziehungen zu der Mnatsbank lösen wollen, aber Geheimrat Rühe habe erklärt, die Staatsbank lege Gewicht darauf, die Geschäfts­beziehungen zu Barmat aufrecht zu erhalten.

Barmat wäscht sich rein.

Tie Regierung hat ihn nach Deutschland geholt.

Berlin, 14. Januar.

Als das Gericht gestern als richtig unter­stellte, daß Barmat schon im Kriege von amtli- cken Stellen nach Deutschland gezogen worden sei, bemerkte Julins Barmat, daß es in der Anklageschrift anders stehe; er möchte nickt im­mer wieder das Opfer sein, auf dessen Rücken die politischen Kämpfe ausgettagen würden. Von der Preußischen Staatsbank seien ihm die Kredite anstandslos bewilligt worden, nachdem Dr. Rühe und Dr. Hellwig mit der Verwaltung der Staatsbank Fühlung ge­nommen hatten. Auch sei die Staatsbank davon

Auch Schokolade wird teurer.

Berlin, 14. Januar. Infolge der gestiege­nen Rohmaterialien und Zuckerpreise sieht sich die Schokoladenindustrie gezwungen, zunächst einmal die Preise für Tafelschokolaoen um 5 bis 10 Pfg. zu erhöhen. So wird also zum Beispiel die 50 Pfg.-Tafel in Zukunft 55 Pfennig und die 60 Pfg.-Tafel 65 Pfg. kosten. Da Amerika und England den Weltmarkt in Rohkakao unbeschränkt beherrschen, ist mit einem Preisrückgang in nächster Zeit nicht zu rechnen.

Aus vom» und SirfftSafl.

Im Schatten Moskaus. Der Sowjetdiplo- mat A r w a l o w ist auf eine Einladung Lett­lands zur Fortsetzung der Garantiepaktver­handlungen nach Riga abgereist.

Londoner Parade in Athen. Finanzminister Churchill traf gestern mit der englischen Flotte im Kriegshafen von Achen ein. An ein Fest­essen schloß sich eine lange Konferenz Churchills mit Finanzminister Kaphandaris, die ver­mutlich die Schulden re gelung betraf.

Hitler darf nicht rede». Im Recht^aussch" des Reichstages wurde der Antrag (Soz), daß vorbeugende, der gesetzlichen Begründung ent­behrende Rede- und Versammlungsverbote nicht erlassen werden sollen, angenommen, da­gegen der völkische Antrag für Aushebung des Redeverbots gegen Hitler mit allen Stimmen gegen die der Rechten abgelehnt.

Es lebe St. Bürokratius! Ein Landwirt in Eschwcilcr hatte an die Gerichtskaffe zwei Mark eingeschickt und dabei vergessen, den Por­tobetrag von 0,10 Mark hinzuzufügen. Daraus teilte sich vünktlich der Gerichtsvollzieher ein, um die restlichen 0,10 Mark zwangsweise beizutreiben. Die Einziehungskosten betrugen ür diesen Betrag sage und schreibe 3,60 Mark.

Doppelt so viel Zigaretten wie 1913. 1913 wurden an Zigaretten 12,4 Milliarden Stück, int Jahre 1920 schon zwanzig Milliarden ver­

Tanzen verboten!

Wie Mussolini die Raffe schützt ...

Rom, 14. Januar.

Das Ministerium des Innern verfügte die Schließung aller T a b a r i n s und Tanzdie­len, weil sie angeblich eine Gefahr für die Ju­gend bilden. Alle übrigen Lokale ähnlicher Art in ganz Italien sollen verboten, mindestens aber streng überwacht werden. Ein Blatt schreibt dazu, die Fremden kämen nicht der Tabarins wegen nach Rom, sondern aus ganz anderen Gründen. Hundert Meter von Sankt Peter dürfe kein Moulin Rouge existieren. Der Schutz der Rasse und das Aufblühen des Christentums in Italien verlange gebieterisch den unerbittlichen Kampf gegen dieUnmoral*.

Hasenclever:(Sin besserer Herr".

Uraufführung in Frankfurt am Main.

Der neue Hasenclever erzielte im Frankfur­ter Schauspielhaus großen Publikumserfolg. Die Aufführung war technisch geradezu glän« zend geleitet, die Darstellung kann einen Groß­teil des Erfolges Wohl auf ihr Konto buchen. Der Rest hat der Idee des Stuckes gegolten. Hasenclever selbst ging moralisch leer aus. Es ergibt sich der bei der heutigen Ideenarmut sel­tene Fall, daß ein guter Dichter aus einer guten Idee kein gutes Stück macht. Persifliert wird «die neue Sachlichkeit*. Zwei wollen auf dem Boden der Vernunft eine Ehe eingehen. Die Geschichte geht schief weil sich Liebesgefühle einstellen, die an sich unsachlich sind. Aus die» "em Stofs, um den sich amerikanische Film- regiffeurc reißen würden, hat Has.'nclever nur dürftige Dialoge gemacht, die des Witzes ent» behrem Die Haarspaltereien werden zum Teil unerträglich. Man.lacht wohl ob der Situation, aber die Wellen des Humors werden von kei-

Bor neuenRelchswehr-,Sn1hüllungen'.

Ruffische Giftgasfabrik. Eine Beleidigungsklage.

Berlin, 14. Januar.

Abg. Künstler (Soz.) veröffentlichte kürz- lich ein Gespräch mit zwei deutschen Arbeitern, die 1926 in einer Gif tgasfabrik im Gou­vernement Samum gearbeitet hatten und an- gaben, daß die Finanzierung der Fabrik durch dieGesu",Gesellschaft für gewerbliche Unternehmungen", erfolgt sein soll. Die Be­hauptungen Künstlers wurden von dem kommu­nistischenKlaffenkampf" in Halle als e r l o g e n bezeichnet, sodaß Künstler die Beleidigungsklage angestrengt hat und beweisen will, daß alle von ihm behaupteten Tatsachen, insbesondere die Verbindung von Reichswehrstellen mit dem Sowjets der Wahrheit entsprechen.

v. Daffewltz und der ,,«vpenl<r-Vr«nz".

Gotha, 14. Januar. Wie mitgeteilt wird, wurde dem Staatsminister a. D. v. Basse- w i tz bei der Besichtigung von Entwürfen städti­scher Bauten Domela alsHerr von Korff* vor­gestellt. Herr v. Baffewitz hat durch einen M i t- telsmann in Potsdam angefragt, ob sich ein Sohn des Kronprinzen in Gotha auf­halten könne und durch diese Anfrage die Auf­deckung des Schwindels mit herbeigeführt.

Offenbachs Orpheus.

Neu einstudiert im Staatstheater.

Es war Vorauszusehen, daß dem Krenek'schen Drama alsbald das Ofsenbach'sche Satyrspiel folgen würde, und diese Folge war gewifferma- ßen dadurch offiziell bestätigt, daß der Kompo­nist des Dramas Dirigent derBurlesken Oper* wurde. Kommt hinzu, daß ein Opernregisseur vom Range Paul Belkers die Spielleitung über« nimmt, so kann man von vornherein daraus ge­faßt fein, Außerordentliches zu sehen und zu bären zu bekommen.- Es wurde denn auch must- .kalisch und szenisch Ausgezeichnetes geboten und es wurde klar, welche hervorragende Kraft Bel­ker in dem außergewöhnlich begabten Bühnen­maler Paul Schänke gewonnen hat. Wenn der künstlerische Erfolg- des Abends nicht ganz positiv ist, so liegt das daran, daß die Be­ziehungen der Operette zu dem Gluck'schen Mu­sikdrama allzusehr geläst erschienen. Schließlich ist ja der Ofsenbach'sche Orpheus eine Travestie auf das Gluck'sche Werk, eine Travestie auf Te­noreitelkeit, wobei es nicht ohne Hiebe auf die öffentliche Meinung, die Kritik und die sonstigen Dinge, die damals und heute in Paris eine Rolle spielten und spielen, abgeht.

Was wir gestern abend sahen, war mehr eine teilweise reckt witzig gestaltete Kasseler Re­vue, dabei fiel allerdings auf, daß die seit De­zennien bei dieser Gelegenheit üblichen Lokal­spässe, besonders bei Wehlau's Styr, besonders dünn gerieten. Man hatte so (frei nach Göthe) den Eindruck:Tas Beste, was Tuw i tz e l n* kannst, darfst Du den Buben doch nicht sagen* .. Im übrigen aber darf der Spielleiter Paul Bekker einen vollen Ersolg für sich buchen.

Die drei ersten Bühnenbilder waren feinsten Bühnenlebens voll. Es klappte alles ganz fa­mos. das Tempo war so beschwingt, wie dies bei unseren Opern fängern möglich ist. Der Glanzpunkt war natürlich das zweite Bild, der Göttersaal, der Olymp, den man kühnlich auf den Herkules verlegt hatte. Eine entzückende Idee: der alte Herkules stand da, von seiner

braucht. Seitdem hat sich der Tabak- und äiga» rettenverbrauch ständig gesteigert. 1925 wurde» bereits 29,8 Milliarden geraucht, womit sich der Vorkriegsverbrauch weit mehr als verdop­pelt hat. Der Verbrauch an Zigarren betrug 5,6 Milliarden Stück (1924: 5,4).

Angestellte und Großindustrie. Dem Ge- werkschastsbund zufolge hat die Reichsregierung für Angestellte und Arbeiter 1,2 Millionen Mark als Sonderunterstützung für die Ruhrbesetzung ausgeworfen. Demgegenüber seien an die Groß­industrie sogar Zahlungen über die tatsäch­lichen Verluste hinaus geleistet worden. Es wird daher vom Reichstag eine gerechtere Ent­schädigung gefordert.

Laßt die Jugend nicht verderben! Die Stadt Essen hat etwa fünfzehnhundert Erwerbslose bis zu achtzehn Jahren, für die Lehrstellen oder sonstige Arbeitsgelegenheit vorerst nicht bereit- gestellt werden können, in einem besondere» W e r l ft a 11 b a u der Firma Krupp untergc- bracht. Sie erhalten neben theoretischem Un­terricht auch praktische Anweisungen in der Schlosserwerkstätte, der Schreinerei und der Schmiede. Die Weihnachtsausstellunz zeigte schöne Ergebnisse jugendlichen Fleißes.

Begnadigung der Frankenfälscher? Gestern wurde dem ungarischen Reichsverweser das Gnadengesuch für die verurteilten Frank-mM- scher überreicht. Horthy nahm die fünf vik - len Bände, die die dreihunderttaufend Un­terschriften für die Begnadigung enthalten, per­sönlich entgegen.

Durch die Lüste «ach .... Argenttnien. In Buenos-Aires traf ein französischer Luft­schiffvertreter ein, um die Vorbedingungen fiir die Einrichtung eines Luftverkehrs PariS- Buenos -Aires zu prüfen.

Der aufgewertete General. Ein Berliner Gericht hat dem General v. Lüttwitz als Nachzahlung für die Differenz zwischen der Pension und dem Gnadengehalt für ein Viertel­jahr die Summe von 676 Mark zugesprochen, ebenso dem Hauptmann a. D. Bischof eine Nachzahlung von 414,92 Mark. Die Aufwertung hat das Gericht mit fünfzig Prozent anerkannt. Neues mis Kassel.

Der Lampenschirm"

Eine Aufführung derSchanbmg".

In ihrer zweiten Vorstellung brachte die Kasseler LaienbühneTie «Schauburg* das Lustspiel von Kurt Götz «Der Lampenschirm* heraus. Es ist immerhin ein gewagtes Experi­ment, wenn sich eine Laienbühne an derart schwierige Sachen wagt, wie es Gotzes Lampeu- sckirm ist. Dieses Experiment muß als wohlge­lungen bezeichnet werden. Die Aufführung der Schauburg* am Donnerstag abend im kleine» Saal desStadtpark* fand den ungeteilten Beifall des gut besuchten Hauses. Alle Darstel­ler hatten ihre Rollen gut erfaßt und wußten das Charakteristtsche der einzelnen Tyven fein geschlissen in Wort und Spiel herauszuschälen. Als beste Leistungen sind wohl die von Karl. Magersuppe und Ludwig Schwarz anzusprecheu. Else Jahn stellte eine echteSchlummermutte c" auf die Bretter. Die Zwischenakte wurden durch wohlgelungene musikalische Darbietungen des Hausorchesters derSchaubürg* unter Leitung von Chr. Görnhardt ausgeMt. Die Zufrieden­heit des Publikums mit dem Gebotenen fand in dem reichen Beifall ihren Ausdruck. ee

Aus dem DereinskeSen

Versammlung der Kriegsbeschädigten.

Die Ortsgruppe Kassel im Zentralverband deutscher Kriegsbeschädigter und Kriegerhinier- bliebenen hielt in den Bürgersälen ihre Jahres­hauptversammlung ab. Anhand des vom Vor­sitzenden gegebenen Jahresberichtes war zu er­sehen, daß die Mitgliederzahl sich im letzten Jahre beträchtlich vermehrt hat und daß auch auf sozialpolitischem Gebiete gute Erfolge ci- zielt wurden. Die anschließende Vorstandswthl

schönsten Seite zu betrachten. Der Weg der Göt- ders die blendende Venus der Frau K e y s e l ter zum Orkus wurde gekennzeichnet durch ein ~

rollendes Band, das in grotesken Bildern vom Herkules durch die Wilhelmshöher Allee ins Staatstheater führte. Man kann sich denken, daß diese Idee den tosenden Beifall des Publi­kums, ganz speziell den der höheren Ränge, fand. Aber auch die Inszenierung des ersten Bildes mit den köstlichen weidenden Kühen und Ochsen (wer war gemeint?) war brillant. Das

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