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Kasseler Neueste Nachrichten

die

unabsehbares Abenteuer stürzen könnten.

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LS I1 J{it vier Stunden und für Jugendliche ».--Ms 18 Jahren sechs Stunden täglich.

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Mutterschaftsurlaub mit vollem Gehalt.

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nicht allen

Königskandidaten, mit einer Tochter des Königs von Italien und die Folgen einer einer Besteigung des ungarischen Thrones.

Reichswehr und Demokraten.

Koch zieht gegen Reinhardt zu Felde.

Auf die gestern veröffentlichten Ansichten des Kasseler Gruppenkommandeurs General R e i r- Hardt, der sich bisher unbestrittener Sympa­thien in Linkskreisen erfreute, über den Reichs­wehrersatz erwidert jetzt der Demokratenführer Koch, der die Gegenbeweise in Reinhardts Aus­führungen zu entkräften sucht und in dem es u. a. heißt: Ihr Aufsatz ist ein erschütternder Beweis für die politische Einseitigkeit und

ausgenommen auf dem Lande. Für Jugend­liche unter sechzehn Jahren beträgt die Arbeits-

Achtstundentag im Reich Lenins.

Auch dort moderner Arbeiterschutz.

Berlin, 11. Januar.

Sowjetrußland hat nach einem Moskauer Organ für erwachsene Arbeiter den Achtstunden­tag festgesetzt, wobei an Sonnabenden und vor Feiertagen verkürzte Arbeitszeit eintritt, sodaß die Sechsundvierzig-Stundenwoche bestehl. Für Arbeiter unter Tag, für Kontoran­gestellte und geistige Arbeiter beträgt die Ar­beitszeit sechs Stunden. Außerdem ist für alle ein jährlicher Urlaub von mindestens zwei Wochen vorgesehen; in gesundheitsschädlichen Betrieben erhöht sich die Urlaubszeit auf vier Wochen, Jugendliche unter vierzehn Jahren dürfen nicht gewerbsmäßig beschäftigt werden,

Politischen gänzlich entrückt u. in das über Na­tionales und Politisches gültige menschliche Ge­fühl gehoben. In vier Stunden lösen sich drei Menschenschicksale in einem gemeinsamen Ge­fühl unendlicher Trauer auf.

Wir schilderten hier schon die Handlung: Ein Soldat ohne Begeisterung, der das Geschick des Krieges mit hartem Willen trägt, kehrt auf Urlaub heim auf sein Gut. Für den ersten Ur­laub des Krieges war die Hochzeit festgesetzt. Seine Braut, sein Vater erwarten ihn mit der Nachricht, daß er sofort zurückkehren muß. Man ruft den Soldaten in die vorderste Linie, zu einem Vorstoß, den man nicht überlebt. Vier Stunden verbleiben ihm für Braut und Vater. Sohn und Braut feiern in kurzer Liebesnacht ihre Hochzeit: Der Tod schreibt andere, unbür­gerliche Gesetze, die der Vater, alt, verständnis­los schroff ablehnt. Aber aus der Anklage des Vaters, der des Sohnes Braut wie ein letztes schönes Geschenk des Lebens liebt, wird die Anklage des Sohnes gegen den Vater, der Ju­gend gegen das Alter, das endlich begreift, daß Krieg den Tod bedeutet.

Berthold Viertel, der die Tragödie erst kürz­lich im Düsseldorfer Schauspielhause inszenierte, kam als Gast mit der gleichen Besetzung nach Kastel. Er ist der Regisseur des Menschlichen. Seine Hand ist so gütig und mitfühlend hinter diesemSpiel von Tod und Siebe, daß sie im Wort, in der lautlosen oder lauten Bewegtheit der Darsteller aufgeht. Ueber die leise, traurtge Melodie der Liebenden steigt im Berühren von Liebe und Tod der furchtbare Aufschrei der Gefesselten, die Anklage gegen Gott und bett Krieg. Ein Zusammenspiel von seltener Har­monie entfaltete uns das dreifache Schicksal: Ernst Ginsberg als Soldat, herb und ehrlich und jäh versinkend in Weichheit und Zukunfts­bildern. Ehmi Beste!, edel innig das Drama von Liebe und Müdigkeit des Herzens erlei­dend. Franz Everth als Vater schlicht und stark in der Wandlung des Herzens. Das Kasseler Publikum dankte herzlich für dies seltene The­atererlebnis, das wir Dem StaarStheater und seinen Güffeldorfer Gästen verdanken. G. M. V.

kcn müssen sich wölben über die Tiefen der Fremdheit.des Mißverstehens hinweg zu freund­lichem Erkennen und Begreifen. Brücken der Sehnsucht.der ach sicht, des Verstehens, über den Abgrund gebaut von Mensch zu Mensch, verbin­den die Seelen im Erfühlen gleichgestimmter Wünsche, wegweisender Hoffnungen und über­wölben den Zwang der Einsamkeit. Der Men­schenwille aber, der Brücken schlug über die brei­teste Tiefe der Schluchten, über gischtende Strö­me hinweg, wie oft blmbt er ratlos und verzagt am Abgrund, der ihn vom ersehnten User des anderen Menschen, vout Freundesherzen scheidet.

Stärkeren Zwang, als unbändiger Trotz der Natur ihtt aufreißt,trägt in sich selbst der Mensch, und seine Straße der Sehnsucht zu wandern, den Weg zu vollenden zu erträumtem Ziel, muß er immer neue Brücken bauen, immer neue Ab­gründe der Fremdheit und Einsamkeit überwin­den durch den Glauben und den starken Willen seines Vorwärtsstrebens: Jeder Weg ein Ziel, jede Stunde ein Gewinn, jeder Tag ein Suchen und Vordringen in die Erlebnisbezirke des an­deren, Brucken schlagend von Seele zu Seele, nimmer müde des Bauens. Bis auch zwischen den Herzen die Brücken hoch und stark gewölbt, die Wege öffnen zum Verstehen und gestützt von den P-eilern der Liebe die Lasten der Zweifel, der Sorgen tragen,nur leise zitternd,fast unspür­bar schwingend in ihren sanftgeschrägten Bogen; und der Abgrund lief unten vergessen ruht, kaum ein Gurgeln aufsteigt aus dem Dunkel der Ein­samkeit, und über verbundene Ufer die Straße führt zur Hellen, am Horizont verblauenden Ferne

Deutschenterror In Memel.

Königsberg, 11. Januar. In Memel wurde in der Nacht das Landtagsgebäude mili­tärisch besetzt. Damit ist die Absicht des Zusam­mentritts der Landtagsfrattion unmöglich ge­macht worden. Einem Blatt wurde verboten, militärische Maßnahmen zu besprechen.

kyankee-KompagnIen für China.

Washington, 11. Januar. Das Marinede­partement teilt mit, daß dreihundert Marine- füfeliete nach China beordert werden würden.

nzeint sinh die Gerüchte über eine V e r m lung des Erzherzogs Albrecht,

____________ ________ Nacht­

arbeit und Ueberstunden sind verboten. Fr (tuen erhalten acht Wochen vor und nach der Geburt

Litauen nimmt alles zurück.

Berlin, 11. Januar. (Funktelegramm.) Die litauische Regierung beabsichtigt laut Pressenotiz im Laufe dieser Woche die Ausweisung der deutschen Redakteure zurückzuziehen.

Bischöfe hinter Kerkergiüern.

Mexiko, 11. Januar. Laut Pressenotiz ist über Pascul Diaz, Bischof von Tabasco und über fünf weitere mexikanische Bischöfe die Haft verhängt worden.

Welt: 50 Meter hoch, 45 Meter breit und 22 Nieter tief. Das Gewaltswerk sollte die Siege Navoleons um 1806 verkünden. Unter den krie­gerischen Reliefs der Riesenpfeiler wird die Al­legorie derSegnungen des Friedens von 1815 leicht übersehen. 172 Schlachten und 386 Offi­ziersnamen künden ein blutiges Heldentum. Der Kriegsruhm strahlt aus dem gigantischen Ge­mäuer, durch dessen Bogen der Kaiser mit seiner Großen Armee aber niemals eingezogen ist. Tenn erst von 1836 datiert die Vollendung: Fünfzehn Jahre nach dem tödlichen Ausgang von St. Helena.

Unter diesem lauten Monument des Kriegs­ruhms liegt ein stilles Grab: Das Grab deS unbekannten Soldaten. Man hat die armen Knochen eines Namenlosen, eines nicht mehr zu legitimierenden Poilu hier beigesetzt: einen der Hunderttausenden aus der Masse Mensch, der nun als Emer für Alle die hohe Ehre genießt, unter dem Denkmal des Krieges in Frieden zu ruhen. Vielleicht gehörte sein Leib einem der Edelsten seines Volkes, vielleicht war's ein Verbrecher. Gleichviel: er war der Mensch für alle namenlosen Menschen.

Und fein Grab steht unter dem Ehrenbogen wie ein ewiges Hindernis künftiger Triumph­züge. Denn könnte man sich denken, daß jemals wieder eine Siegesarmee mit Schritt und Tritt über die geweihte Grabplatte marschieren dürf­te, um den Toten zu stören um den Frieden jählings aufzuschrecken? So ist das Kriegsmal zu einem Monument der Anklage geworden. Ein symbolischer Friedhof mitten im Lärm des Platzes, auf den zwölf Riesen-Avenuen münden. Da liegt der unbekannte Soldat.

In diesem Symbol ist die Tragik der Rah- nalschen Tragödie beschlossen, in dem furchtba­ren Gegensatz von Sieg und Tod, Krieg und Frieden, Kampffront und Heimat, Blutvergie­ßen und Ruhe, Haß und Liebe.

Raynal schildert das typische Schicksal des Soldaten, der Braut, der Daheimgebliebenen. Es ist eine der schwersten Anklagen gegen den Krieg, den der Franzose Raynal einen Bruder­krieg nennt, aber das Werk ist der Sphäre des

Unwissenheit, die in leitenden Kreisen der Reichswehr noch vorkommt. Kennen Sie nicht die Ausführungen, die Jahr für Jahr zum Hee- reSetat von.den Wortführern unserer Partei gemacht worden sind? Wissen Sie nicht, welch heftigen Angriffen unsere Haltung in den Orga­nen eines radikalen Pazifismus jahraus, jahr­ein ausgesetzt ist? Können Sie nicht das demo­kratische Parteiprogramm in dem es heißt:Das uns aufgezwungene Söldnerheer ist baldigst durch ein Milizsystem mit allgemeiner Wehrpflicht zu ersetzen, das geeignet ist, zur Verteidigung unserer nationalen Unab­hängigkeit? Koch zitiert dann ehvge Aeußerungen für und gegen den Pazifis­mus und meint: Solche Gesinnung, wie sie von Walter Rathenau bis Gustav Stresemann auch Richtschnur der amtlichen Außenpolitik ge­wesen ist, als einen Pazifismus abzutun, der zum Eintritt in die Reichswehr unfähig macht, ist politischer Dilettantismus. Im übrigen hat

aiu< Boni« und awrtfcimft.

Das Gruppenkommando bleibt in Kassel. Von einer Verlegung des Reichswehrgruppen­kommandos Kassel nach München ist dem Reichswehrministerium nichts bekannt.

Fünfundzwanzig Jahre Berliner Kaufmann- fchast. Ein Werk des Syndikus der Berli­ner Kaufmannschaft, Professor Dr. Max Apt ist eine Fundgrube für den künfti­gen Geschichtsforfcher, da es zeigt, wie der Ver­fasser lange vor dem Kriege die Ideen der mit-

Könlgsabenteuer in Ungarn ?

Bethlens Reise nach Rom. Adria ober Heirat- Budapest. 11. Januar.

Die bevorstehende Romreise Bethlens wird mit der Ueberlassung eines jugoslavwischen Freihafens in der Adria an Ungarn in Verbindung gebracht. Graf Bethlen würde in Rom die direkten Verhandlungen mit Mussolini zur Lösung der schwebenden Fragen herbeizu- sühren trachten. Entscheidende Beschlüsse seien jedoch noch nicht gefaßt. Ein Linksblatt verweist auf die phantastischen Kombinatio­nen, die sich an die Reiseabsichten des Mini­sterpräsidenten knüpfen und warnt die Ocffent- lichkeit vor einer Ueberrumpelung mit vollzogenen Tatsachen, die das Land in ein

entstehenden Lasten mittragt. Man darf dabei nicht vergessen, daß der Vertrag von Versailles dem gesamten deutschen Volke ungeheure Lasten auferlegt hat. Die befonberen Schaben der Rheinprovinz, die durch die Besatzung entstan­den sind, müssen wieder gutgemacht werden. Die Staatsregierung wird hier im Rahmen des Möglichen alles tun. In der Frage des Slädte- bangefetzes kann die Staatsregierung augenblick­lich nichts mehr tun. Der Minister versickerte zum Schluß, daß er der Wirtschaft überall h e l f e N w ü r de wo er helfen könne.

Die Tragödie des Krieges.

RaynalsGrabmal des unbekannten Soldaten" im Kasseler Staatstheater.

Der französische Dichter Raynal hat mit fei­nemGrabmal das ernsthafteste Nachkriegs- Drama geschrieben. Er gab der Tragödie eines Soldaten den TitelDas Grabmal unter dem Triumphbogen Ter Triumphbogen, derArc de Triomphe d l'Etoile zu Paris ist, wie Die­bold erzählt, der größte "Triumphbogen der

Rach Italien... Prag.

Auch die Tscheck^n bieten uns die Friedenshand.

London, 11. Januar. Nach einem Bericht aus der Tschechoslowakei hat sich dort die For­derung nach Verhandlungen mit Deutschland verstärkt. Man erwarte schon in allernächster Zeit einen Vertrag zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei. Auch ein tschechischer Wirtschaftsvertrag mit Oesterreich steht bevor.

Wie del Riflöwe knurrt.

Die Spanier in Nöten. Geheime Waffenlager.

Paris, 11. Januar.

Meldungen aus Tetuau zufolge häufen sich die Handstreiche und Ueberfälle der Anfständi- chen auf Transporte. In der unterworfenen Zone seien die Gemüter sehr erhitzt, und zahlreiche Eingeborene schlöffen sich neuerdings den Aufständischen wieder an. Der spanische Generalstab sei fieberhaft tätig. In Ajdir wurde ein umfangreiches Waffenlager entdeckt. Eine Unterfuchung ist eingeleitet.

Bund für Haus und Schule.

Kirchenrat Eisenberg über den westf. Schulstreik.

Der Bund für Hans und Schule veranstal­tete gestern im Evangelischen Vereinshaus einen Teeabend mit musikalischen Darbietungen von Frl. Reufsurth (Violine) und Frl. Joel (Kla­vier) sowie Landgerichtsdirektor Dr. Bähr als Cellist. Kirchenrat Eisenberg sprach über den Westfälischen Schulstreik, über den feiner Zeit berichtet wurde, hervorgerufen dadurch, daß in Dortmund ein Schulrat von difstdentischer Ge­sinnung, der aus der evangelischen Kirche aus­getreten ist, für den dortigen Schulbeziri er«

2n der Ehinapoffche.

Besorgte Ministergesichter in London.

London, 11. Januar.

Der englische Premierminister Baldwin wird in aller Kürze eine Kabinettssitzung einberufen, um über die Lage in China zu beraten. Amt­lich verlautet, daß durch die,Räumung der briti­schen Konzession in Honkau irgendwelche Rechte bisher nicht aufgegeben worden seien. Man müsse die weitere Entwicklung den Verhandlun­gen in Hankau überlassen.

Und die Allerärmflen?

Wenn die Zwangswirtschaft fällt: Rentnerheime.

Von befonderem Interesse waren in der län­geren anschließenden Diskussion unter den nicht allzu reichlich erschienenen Hörern die Zweifel des Hausbesitzervorstandes Scherer an der Durchführbarkeit des Programms in punkto freier Kapitalsaufbringung, da heute kein Kapitalist fein Geld in eine aus- sichtslofe Sache stecken wolle. Roch schwerer wo­gen die Bedenken wegen der Aufhebung der Zwangswirtschaft. Allein in Kassel hätte ein Drittel der Hausvorstände Stundung oder Niederschlagung der Mieten beantragt. Man rechne mit einem Hauszins st euer- au§ f all für 1Q9R von drei Millionen, d. h. zehn Prozent des Eesumtauskommens. 16 500 Haushaltungen scheiden damit für die Woh­nungsnachfrage aus, weil ... sie die Mieten nicht erschwingen können. Die großen und mittleren Wohnungen würden gar nicht oder schwerer vermietbar werden als bisher. Wie will aber die Zentralbank diese Milliarden­verluste decken? Nicht Mietgewinn, sondern riesige Ausfälle, namentlich seitens der Ar­beitslosen und Kleinrentner, wären die Folge. Wo will man dieses zahlungsunfähige Meterproletariat unterbringen? In Rent­nerheimen, wie sie auch hier in Kassel ver­langt werden? Die unglücklichen Jnflations- opfer verlieren dort ihre letzte Heimstätte, aber sie sind vor dem Untergang bewahrt, wenn man ihrer vielleicht in wenigen Jahren vergessen hat. Noch weitere Einwände und Bedenken wurden erwogen und . . . zerstreut, so durch Bankier Pfeiffer von banktechnischer Seite (auch der Mietervertreter Vetter erklärte sich zur Mit­arbeit bereit), die Dr. Grassert noch einmal in schärferer Herausarbeitung von Einzelheiten zu zerstreuen und entkräften fuchte. -r-

Dle Lodnwelle schäumt heran.

Vor einem bewegten Frühjahr.

Berlin, 11. Januar.

Alle Arbeiter-Kategorien rüsten schon jetzt im Reiche für die neue Lohnbewegung des Früh­jahres. Das Berliner Gewerkschaftskartell unter­handelt seit gestern über die Höhe der neuen Forderungen, die sich diesmal zwischen zwöl und fünfundzwanzig Prozent bewegen sollen. Im Ruhrbergbau erfolgen teilweise schon Ta- rtskündigungen, ebenso im Südwesten.

- \ Wo die «SlpSLerke sich niederraffen.

Nordhausen, 11. Januar. Mit Sitz Nord­hausen wurde am 5. d. Mts. die Verkaufsstelle Mitteldeutscher Gipswerke G. m. b. H. endgül­tig gegründet, die voraussichtlich am 17. Januar ihre Tätigkeit aufnehmen wird.

lichkeit der Mtion, verhehlte aber auch die Bedenken und Widerstände, die von Seiten sich entgegenftetten.

* * *

Von Ufer zu Ufer.

Brücken sind Symbole des Lebens.

Von

Heinrich Leis.

Hoch und steil wölben sich Brücken hinweg über dunkel klaffende Abgründe; wuchtig ge­spannt sind ihre ehernen Träger, stark wachsen die kantigen Pfeiler empor aus schwarz ver­dämmernder Tiefe. Drunten bricht jäher Steil­hang nieder zur Talsohle, zackiges Felsgeröll besät schroff gespaltene Schluchten; strömende Flut drängt in breitgefügtem Bett, zwischen Bergmassiven sich windend, mit unablässigem Gischten und Tosen anrennend gegen die Brük- kenpfeiler, die wuchtend mitten in ihrem Wirbel eingerammt stehen. Die Brücken aber leiten in sanstgewölbtem Schwung über die Tiefen fort, verbinden trennende Ufer, weisen Richtung und Ziel vom Abgrund über die Helle Straße, ent­gegen der am Horizont verblauenden Ferne.

Ueber die Brücken wandert der Zug des Le­bens, nimmt den gewohnten Gang, kaum mehr bewußt der Tiefen, die unter ihm aufgerissen. Und die Brücken wuchten sicher und stark, tragen auf ehernem Rücken die Last der Wagen und der Bahnen, die dröhnend über sie hinweg schüttern und stampfen. Nur ein seifes Zittern, ein kaum spürbares Schwingen ist in ihrem Bau, und aus dem Abgrund empor steigt das Gurgeln der Wasser, das ewige Raunen der Flui.

Als Wahrzeichen von starkem, unbeugbarem Menschenwillen sind die Brücken aufgerichtet, die Tiefe beherrschend, daS Trennende überwölbend, die Ferne erfchließend für die Wege der Sehn­sucht. In ihren stolzgeschwungenen Bogen ist Sieg des schassenden Geistes über irdischen Zwang, über trotzig ungebändigte Natur. An wuchtig aufgefdrragten Trägern, an steilgeramm­ten Pfeilern zerbricht der Sturm und die Urkraft zerstörerischer Elemente.

Doch Klüfte, tote Die Stromtiese dunkel und steil, sind ausgebrochrn zwischen den Menschen, die voneinander getrennt stehen tote die von jä­hem Steilhang zerschnittenen U'er. Und Briik-

Grzeflnökl will Helsen.

Aber nur wo er kann.

Düsseldorf, 11. Januar.

Innenminister Grzestnski führte vor Wirt- fchasts- und Arbeitervertretern u. a. aus: Vor allem müssen Regierung und Wirtschaft der wet­teren Verelendung der älteren Erwerbslosen Vorbeugen. Man wird von der Wirtschaft ver­langen müssen, daß sie einen Teil der dadurch

Neues aus Mel.

Rue für Damen!

Ein Vortrag in den Bürgersäleu.

Ein Vertreter der sog. Rohkost, Emil Grotzinger von dem Sanatorium Diätreform in Lehmreide bei Leipzig hielt in den vollbesetz­ten Bürgersälen einen Lichtbildervortrag über die Welt- und Menschenkatastrophe und ihre Er­klärung und den seelischen und körperlichen Zu­sammenbruch der Menschen. Ter Redner ver­suchte sein reichlich wett gestecktes Thema, unter­stützt von einer Anzahl Lichtbildern,dem Da­menpublikum klar zu machen. Er hält im allge­meinen die Hausfrau für eine arge Giftmische­rin, denn Fleisch ist Gift, Ei ist Gift und wenn sie Kuchen backt, bann tut fie ihrer Familie kei­nen Liebesdienst, sondern schädigt ihre Gesund­heit. In beredten Worten klagte der Redner, daß ihm der Magistrat für seinen Vortrag Ver­gnügungssteuer berechnet. Für die Anhänger­innen ,ber Rohkostbewegung mag der Vortrag manches Interessante gebracht haben. Schade, daß wir nicht mehr den Segen der Rohkostbewe- gung erleben, denn erst die folgende Generation, so sagte der Redner, wird an ihrem Körper die heilsamen Folgen verspüren. Der Vortragende pries hauptsächlich die Vorzüge seines Sanato­riums, eines besonderen Rohkostdämpsers und verschiedener Literatur. Im übrigen ist nach An­sicht Herrn Grotzingers dxr Blinddarm unent­behrlich, also behalte man ihn... so lange man kann und ihn »och hat. L. E.

sich Koch, wie verlautet, gleichzeitig an den Reichswehrminister Dr. Geßler gewandt mit dem Ersuchen, die demokratischen Führer gegen ungerechtfertigten Vorwürfe zu schützen.

Mittwoch, 11 Januar 1927.

sondern durch Anleihen am freien Kapital­markt: Baukredite zu Bedingungen, die die Rentabilität des Besitzes verbürgen; Einschal­tung einer Zinsen - Ausgleichs st eile (zwischen fünf bis acht Prozent), die zugleich das Risiko der zweiten Hypothek übernimmt; Ausschaltung der Bürokratie zum Wohle der Allgemeinheit und schließlich allmähliche Miet­steigerung um vierzig bis sechzig Prozent, ent­sprechend der gebesserten Lebenshaltung. Dr. Grassert unterstrich sehr lebhaft die Dring-

17. Jahrgang. Nr. 1

teleuropäischen Wirtschaftsgemeinschaft, der li­beralen Parteiverschmelzung, der internattona­len Schiedsgerichtsbarkeit usw. vertreten hat.

Woran die Meisten sterben. Die Tuberkulose- Sterblichkeit ist im letzten Vierteljahr von ri,49 auf 10,54 Prozent auf 10 000 Köpfe zuruckge- aangen. Krankheiten der Kreislauforgane und Krebs sind dagegen als Todesursache leicht ge­stiegen; auch d.e Selbstmordziffer ist etwas er­höht. Insgesamt starben im Viertesiahr m Preußen an übertragbaren Krankheiten 2692a Personen, d. h. 28,03 davon durch Tvphus 0,17, Tuberkulose 10,34, Grippe 3,24, Kreislauforgane 17,43, Nervenkrankheiten 10,15, Selbstmords, <6.

Heiratslustige Kriegerwitwen. Laut etatu stik haben von ben rund 630000 französischen Kriegrewitwen sich bereits 262 000 wieder ver­heiratet. Ein besonderer Anreiz dürfte der Um­stand sein, oaß die Kriegerwitwen bei ihrer Wiederverheiratung eine Abfindungssumme ui Höhe von drei Jahrespensionen erhalten.

Aus der demokratischen Mittelstandstagung in Berlin am 15. und 16. Januar wird u. a. Abgeordneter Kniest-Kassel die Mitiel- standsarbeiten in den Ländern behandeln. Reichsfinanzminister Dr. Reinhold wird über Steuerpolitik und gewerblichen Mittelstand sprechen. In einer Mittelstandskundgebung soll die Stellung des gewerblichen Mittelstandes bargelegt werben. Auch Handelsminister Dr. Schreiber spricht.

Ein Waffenlager unter der Erde. Beim italienischen Dorfe Collegno wurde durch ein Zufall unter der Erde ein umfangreiches Lager bon Gewehren, Maschinengewehren, einer klei­nen Kanone und 25 Kommunistenhelmen ent­deckt, die offenbar schon vor Jahren von den Kommunisten vergraben worden sind.