Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
Sesstsche Abendzeitung
Nummer 8. Amtliches Organ der Stadt Kassel. Dienstag, 11. Zanuar 1927. Amtliches Organ der Stadt Kassel. 17. Jahrgang
L>l« Staffelei »ieuelteu issachrichien erfdKtnen roödjentlid) lechsmai aackinrnag» Der iSbounementeyteie bettdgi fili den Monat 2.— 4 bei freier Zustellung mi Haug, In bet @efri)äft8iteUc ibyebolt »Jo X. Durch We Post monatlich 2.— 4 autftLliehpck! .-tustellungsgeditln -»erlag nnb «ebaktion Scklacktbofftrache 38/80. ^ermorecher BI an» 952. ftüt unverlangt etneefanble UettrSae kann iie Re, Aktion eine Berontwortnng oder <S ernähr tn keinem ^alle ifbernebqen Rück, »ablong des BeiuggqelüeS ober Anforffcke wegen etwaiger nicht ordniingsmSbiger vieteruno ist außaefcklossen Postscheckkonto Frankfurt am Mqfn Nummer <080.
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Der Kanzler-Neigen ist eröffnet.
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Wahlschlappe in Frankreich?
Ader kaum wesentliche Verschiehung von rechts nach links im Senat / Es gleicht sich fast aus / Heißes Liebeswerben von rechts und links / China verlangt feine Freiheit zurück
Ein Leidensgenosse.
Bei uns wie in Italien.
Von Tx. Paul Rohrbach.
Die englische öfsenlliche Meinung soll, wie aus allen Preffcftimmen der letzten Zeit hervorgeht, durch Alarmmeldungen über deutsche Massen- und Munitionsverträge mit Rußland usw. aus die Gefahren aufmerksam gemacht werden, bie dem Frieden dann drohen, wenn Deutschland dauernd unbefriedigt bleibt. Man steht in England, daß Deutschlands Stärke fraglos zunimmt. Man hätte sicher nichts dagegen gehabt, wenn durch das Diktat von Versailles eine wirkliche und dauernde Verkümmerung Deutschlands eingeleitet worden wäre im Sinne Clemeneeaus. Die englische Politik ist es aber auch gewöhnt, mit Tatsachen zu rechnen, und Deutschlands Wiedererstarken ist eine Tatsache. Daher die Besorgnis um die gefährlichen Folgen, bie sich ergeben könnte», wenn solche Dinge wie die Rheinlandbesetzung noch lange auf das deutsche Gefühl drücken, und wenn Deutschlands koloniale Bedürfnisse schlechthin unbefriedigt bleiben. Dadurch, so argumentiert man, würde die tn Deutschland immer noch vorhandene .Kriegs- mentalitäl" zum Siege gebracht werden und sich umsehen, wo Anschluß und Unterstützung zu finden sind. Beweis: die — angeblich vorhandene — Verbindung mit Rußland!
Jetzt eben stand im sonst deutschfreundlichen „Guardian" wieder eine Mitteilung zu lesen, deren Zweck nach demselben Gesichtspunkt zu bewerten sein wird: Mussolini habe Deutschland angedeutet, er sei bereit, nicht nur einen gewöhnlichen Schiedsvertrag zu schließen, sondern insgeheim ein viel weitergehendes Abkommen mit der Spitze gegen Frankreich. Zwei Jahre vorher habe Mussolini dasselbe Angebot, nur mit umgekehrter Spitze, den Franzosen gemacht. Der Sinn ist klar. Die italienische Außenpolitik kann sich drehe» und wenden wie sie will, sie muß der Uebervölkerung des Landes irgend wohin Luft schaffen, nachdem die Vereinigten Staaten die Tür gegen Einwanderer aus Italien zugesperrt haben. Abessinien, Südarabien, Albanien, Kleinasien find für eine italienische Kolonisation großen Stils doch feils direkt phantastische, teils nur mit Gefahr zu verwirklichend« Ziele. Das von der Natur selbst geschaffene „zweite Italien" liegt vielmehr an der anderen Seite des Mittek- meeres, zunächst in Tunis. Demnach wäre der italienische Vorschlag an Frankreich der gewesen, Tunis abzutreten gegen die Freiheit, Deutschland, eventuell unter Mithilfe Italiens, weiter zu zerstückeln. In Paris habe man das ebenso abgelehnt, wie jetzt in Berlin die entgegengesetzte Propofition, die darauf hinausgelaufen wäre, Tunis, wenn es nicht anders ginge, den Franzosen mit Gewalt fort- zunehmen und Deutschlands Hilfe dabei zu benutzen. Jedenfalls soll durch alle diese Knall- bombe» die Aufmerksamkeit darauf hingelenkt
Paris, 10. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) Die 108 Senatoren verteilen sich aus die einzelnen Parteien wie folgt: Aeutzerste Rechte gewählt 3 (Gewinn 1, Verlust 0), Rechtsrepuhlika- ne 19 (Gewinn tz, Verlust 4), Linksrepublikaner 19 (0, 8), Rechtsradikale 9 (3, 4), Radikale 44 (6, 12), soziatlistische Republikaner ( (2,2) Sozialisten (10, (8, 6), sozial. Kommunisten z (8, 0).
Voincar« noch gestärkt?
Umstrittene Wahlen. — Auch kein Linkssteg.
(Funkdienst)
Paris, 10. Januar.
Im Ganzen kann gesagt werden, daß die gestrigen Senatswahlen keine allzngrotzen Ueberraschungen gebracht haben. Mit Genugtuung wird die einwandfreie Tatsache vermerkt, daß die nationalistische Mehrheit trotz der acht kartellistifchen Gewinne nicht gefährdet ist. Man schreibt die nationalistischen Verluste zum großen Teil der bessere» Disziplin der Kartellisten und der Listenzersplitterung im eigenen Lager zu. Ein Blatt behauptet, daß hie Position der Regierung P o i n c a r e «ine Stärkung erfuhr.
Paris, 10. Janiiar. (Eigene Drahtmeldirng", Das Wahlergebnis hat ziffernmäßig keine Ver- fchiedung zwischen links und rechts gebracht. Wesentlich ist, daß-die-Gozialisten in Gemein- lchaft mit den Sozialistischen Kommunisten zum ersten Male im franzüstsche» Senat eine eigene Fraktion von 14 Mitgliedern bildeten,
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Doch eine kleine Nattonaiistenschlappe.
Paris, 10. Januar. (Eigene Drahtmeldung.) Die Presse stellt einmütig fest, daß nach dem Ergebnis der gestrigen Senatswahlen die Mehr- heitsperhältnisse im Senat sich kaum verschiebe», Die Rechtsblätter geben jedoch z», daß stch die Kartellparteien wieder zu gemeinsamem Handels zusammengefunden haben.
Die Reihe herum.
Müller, Westarp, Curtius oder., wie eS war? (Funkdienst)
Berlin, 10. Juni.
Wie die Blätter vermuten, wird der Reichspräsident heute zunächst he» Führer der S p - zialdemokraie», Abg. Müller-Franken,
ersuchen, Verhandlungen mit den Parteien für die Bildung einer neuen Regierung zu führe». Müller werde den Auftrag ablehnen, und Hindenburg werde han» entsprechend den parlamentarischen Grundsätzen den Parteiführer, Graf W e st a r p (Dntl.) betrauen. Westarp werde wenigstens formelle Verhandlungen mit Parteien ausnehmen. Da sein Versuch unzweifelhaft mit einem Mißerfolg enden werde, dürfte alsdann Reichswirtfchastsminister Dr. Curtius beauftragt werden. Scheitere auch dies, so bleibe als einzige Lösung, daß wieder ei» Reichskanzler aus de« Reihen des Zentrums komme, der abermals wie Dr. Marx ei« Kabinett leitet, das auf die Neutralität der Sozialdemokraten von Fall zu Fall angewiesen sei.
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Der Reichspräsident hält Umschau.
Leicht und Bredt, nicht Müller-Westarp. Berlin, 10. Januar.
Heute vormittag empfing der Reichspräsident zunächst den Reichstagspräsidenten Löbe, um mit ihm die parlamentarische Lage zu besprechen. Im Anschluß daran hat der Reichspräsident die Führer der Bayerischen Volkspartei, Domkapitular Leicht und der Mrtsch. Bereinigung, Professor Bredt, zu sich gebeten. Eine nochmalige Besprechung mit de» Vorsitzende der größten Fraktionen ist in diesem Standpunkt der Krise nicht vorgesehen, da sie dem Reichspräsidenten ihre Ansichten bereits vor den letzten Festtagen bekannt gegeben haben.
Shina wird mündig.
Zpllfreihejt vorn 1. Januar IW ab? (ßigene Drahtmekdung.)
Paris, 10. Januar.
Ans Peking wird aus vertrauenswürdiger Quelle mitgeteUt, daß die chinesische Zollkonfe- renz-Kommission beschlossen habe, das diplomatische Korps davon in Kenntnis zu setzen, daß die pon der Washingtoner Konferenz vorgesehenen Zuschlagzöllo vom 1. Februar an in Kraft treten würden. Die Kommiffion werde gußerdem von der Regierung verlangen, die Autonomie der chinesischen Zolltarife vom 1. Januar 1929 an zu erklären. Dann habe sie beschlossen, daß die aus den Zuschsagzöflen sich er- ?ebenden Einnahmen verwandt werde« sollen ür die Rückzahlung der äußeren und innere» Anleihe süp Berwaltungsmätznahmen usw.
Panik im brennenden Theater.
Eine Mndniragydie im Lichtspieltheater.
Montreal, 10. Januar.
Bei einem großen Theaterbrand sollen, wie berichtet wird, etwa hundert Menschen ums Leben gekommen sein.
Montreal, 10. Januar (Funktelegramm.) Die Gesamtzahl der bet dem Theatcrbrande Getöteten wird neuerdings auf sechzig geschätzt. Fünfzig sind völlig verkohlt, Dreihundert liege» wegen Rauchvergiftung in den Hospitälern. Beim Ausbruch des Feuers befanden sich i« dem Hause ungefähr 1200 Zuschauer. Als der Ruf „Feuer" ertönte, entstand eine Panik; die meisten Berluste find auf das wilde Andränge« »ach den Ausgänl gen zurückzuführen. Die Toten sind größtenteils Knaben u. Mädchen. Der Brand ist gelöscht.
Äinfttr in Tovesnngft.
terre in Ruhe geräumt. Dagegen entstand unter den Kindern, die sich auf der Galerie befanden, eine furchtbare Panik. Sie stauten fich unter lautem Schreien am Ausgang. Die meiste» Opfer fanden in dem Gedränge auf einer Wendeltreppe den Tod. Im Schauhause liegen fie- bnundsiebzig Leichen der erdrückten Kinder.
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Kurzschluß und verschlossene Noiausgänge.
Auf der Wendeltreppe im Gedränge erdrückt.
Berlin, 10. Januar. (Privattelegramm.) Bus Rotterdam wjrd gemeldet: Pie Ursache des Theaterbrandes in Montreal ist Kurzschluß aus der Bühne. Der eiserne Vorhang funktio- nierte angeblich nicht, sodaß in wenigen Minuten der Zuschauerraum Mit Rauch »»gefügt war. Was nicht flüchten konnte, wurde nieder- getreten, Bon den Besuchern find nur wenig? Montreal, 10. Januar. I gerettet. Tie Nottüren war?« nicht z« öffne», Bei der Katastrophe i» einem hiesigen Licht- weshalb viele Besucher von de» »achstürmenhe» spieltheater wurde beim Feueralarm das Par-lMenschen zum Teil? erdrückt wurden,
werden: wenn Deutschland nicht befriedigt wird, so wird eines Tages die Lage die sein, daß Regierung und öffentliche Meinung in Deutschland der Versuchung-nicht mehr wider- ftehen, einen gewaltsamen Weg zu be- chreiten! Heute hat das deutsche Kabinett eine Lockung wie die Mussolinis noch abgelehnt, morgen mag es noch ebenso handeln, aber übermorgen vielleicht schon nicht mehr!
Daß man in England die Befriedigung nicht nur Deutschlands, sondern auch Italiens als notwendig begreift, geht ja daraus hervor, daß in jedem famosen Vorschlag, von dem es ausdrücklich hieß, Chamberlain, Briand und Strese- ntan» hätte» darüber in Genf gesprochen, Italien an den auf Kosten Belgiens und Portugals projektierte» Pachtungen oder Mandaten in Afrika auch beteiligt werden sollte. Auch nach der englischen Auffassung ist und bleibt Italien diejenige Stelle in Europa, wo die explosive Entladung kommen muß, wenn es nicht gelingt, vorher einen Ausweg zu finden. Diese Auffassung halten wir für sichtig, pnd die voraussichtliche Verschlechterung des jetzt schon reichlich gespannten Verhältnisses zwischen Italien und Frankreich erscheint auch uns als die zweifellos größte Gefahr des neuen Jahres. Die nationale Stimung in Italien ist schlechthin erbittert gegen Frankreich Eins der größten Mailänder Blätter schr-eb noch dieser Tage: „SBir pflichten wohl dem Lob der französischen Friedenspolitik, wie es der päpstliche Nuntius am Neujahrstag verkündete, bei, aber unter der Bedingung, daß die Ungerechtigkeiten und Unstimmigkeiten, wie sie die Friedensverträge geschaffen haben,
beseitigt werden. Ist es denn gerecht, daß Frankreich so viel reicher sein soll, als Italien und Deutschland
Für ein Fascistenblgtt ist solch eine offene Nebeneinanderstellung der italienischen und der deutsche» Interessen, im Gegensatz zu Frankreich, neu »nd ungewöhnlich. Man scheint sich also in Rom (auf wie lange wohl?» entschlos- e» zu haben, um die eigenen Wünsche leichter mrchzusetzett, auch einige deutsche mit anzuer- lennen und zpen Versuch zu mache», „zweispän- nig„ zu fahren. Optimisten mögen es auch als ein günstiges Anzeichen betrachten, daß ei» Wunsch der deutschen Bevölkerung in Süd
tirol erfüllt worden und aus Südtirol, das bisher von dem haßerfüllte» Trient aus verwaltet wurde, eine eigene Provinz mit Bozen als Hauptstadt gemacht worden ist. Es wird auch bemerkt, daß der kommissarische Präfekt von Bozen, Stesani, der mit Gewalt die deutsche» landwirtschaftlichen Kreditinstitute zu ttalianifieren versucht hat, jetzt eben von seinem Poste» ab gerufen worden ist. Wir wollen abwarte», ob das wirklich Vorzeichen eines Kurswechsels sind, oder die Sprunghaftigkeit der Fascistenpoliftk sich nicht bald i» einer neuen Kombination äußert. Aber die Entladung wird kommen.
Erst das Vaterland.
Wer soll den Ersatz für die Reichswehr beschaffen? Von
General der Infanterie Reinhardt Oberbefehlshaber d. GruPPenkommonds AKasses
Wir halten bie Aenbcrunaeu des Kasseler Cber« b-feblshabers über Geiss nnb Mbrmra der Reickswehr. die «nglückficherweife wieder in bas Getriebe der Tagespolitik gestellt wurden, für bebeutiam genug, um sie als Ansichten eines berufenen Fachmannes auch weiteren Streife« der Heimat zugänglich zu macken.. Der tzerr Berfasier hat bie in einem Berliner Resie- riingsorgg» ueroffentlichte« Tbeien im Interesse ber sacke auch unseren Spalten jur Beifügung gestellt.
Die Truppe darf beim Anwerhe» ihres Er» satzes keinem andere» Bestreben folge», als dem, die berufstüchtigsten Freiwillige» z» finden und zu gewinnen. Der Berufssoldat muß in körper» kicher Beziehung hohen Anforderungen eittspre- che», seine geistigen Fähigkeiten müsse» wind«« stens gut durchschnittlich sein, seine Charakteranlagen müssen Kameradschaftlichkeit, Tapferkeit und Kampfesfrendigkett erwarten lassen. Es ist eine unlösbare Aufgabe, diese Summen vo» Eigenschaften bei einem noch unentwickelten jungen Mann durch irgendeine Voruntersuchung s zweifelsfrei festznstellen. Aber je näher man dem Wurzelboden steht, dem der Mgnn entstammt, je unmittelbarer Pie Auskünfte sind, die man einziehen kann, kurz zu weniger zentralisiert und je mehr bodenständig und landsmannschaftlich die Werbung vor sich gebt, desto stärker wird die Gewähr für gute Wahl. Unsachliche Gesichtspunkte, wie Rücksichten auf die Parteizugehörigkeit, können der richtige» Alls- ♦. wghl nur schaden, wobei freilich, Wie in alle»
ähnlichen Dingen, ein gewisses Maß von Aufmerksamkeit auch der politischen Umwelt des Einzustellenden gewidmet werden muß, da z»
ausgesprochener Staatsseindschaft fanatisierte Menschen auch in ihrer sachlichen Berufstüchtigkeit zweifelhaft find und in eine Staatseinrichtung nicht eingegliedert werden dürfen.
Die i» Hände» der unteren Truppenführer liegende Werbung hat diesen Gesichtspunkten bisher entsprochen und sachlich gute Früchte ge« tragen, I» blühenden Wirtschaftszeiten wird es sehr große Schwierigkeiten mache», gute, langdienende Soldaten zu gewinnen. Das wird nur gelingen, wen» die Reichswehr in Weiter, Pflege ihres rein örtliche», kandsmannschaftli« chen und persönliche» Werbeverfahrens bis dahin schon eine gewisse Bodenständigkeit des Ersatzes erreicht und sich auf eine Ueberliefe- rung’in den wehrsretmdlichen Schichten unseres Volkes stützen kann. Diese Schichten können im Sinne der Reichswehr selbst nicht brett genug verstände» Werden. Rur eines ist mit dem Soldatentum ganz unvereinbar, der feste Glaube an „Nie Wieder Krieg". Wer bei diesem Glauben den Soldatenberuf ergreift und aus- übt, ist ein gemeiner Schwindler, der entweder feinen Glauben oder feinen Berufsstand verrät.
Hier liegt aber der Angelpunkt des Mißverstehens zwischen Wehrmacht und Linksparteien. Die Gedankengänge des Reichstagspräst« benten Lobe sind durchaus verständlich. Er sieht eine gewisse Entfremdung zwischen Heer und Linksparteien und er findet auch den Un- tergrunb: er liegt in den Menschen, die das Heer bilden. Offizier und Soldat sind zwar korrekt pgrteifrei, aber in der Regel doch ofsenficht- kich nicht in der geistigen Atmosphäre der Linksparteien stehend. Der Schluß wird gezogen: nicht die Organisation des Heeres oder sein Dienstbetrteb find die Fehlerquellen, sondern die Auswahl per Menschen. Also müssen aüf dem Wege des Ersatzes Aenderungen geschaffen werden in der Richtung, daß ei» größerer Anteil Freiwilliger aus geistig links eingestellter Umwelt in der Reichswehr Aufnahme finde. Natürlich müßten das auch wehrfreudige heute fein, Leute, die unbeeinflußt »nd unberührt sinh von der mit dem Soldatenberus unvereinbaren Parole „Nie wieder Krieg",
Hier trift die Fehlerquelle zutage. Eben diese Parole wird ja von links gerichteten Kreise» fleißig gepflegt, Wir sind himmelweit entfernt von der Einbilpuna, Paß tatsächlich der Großteil etwa Per deutsche» Arbeiterschaft einen Krieg um ihre Rechte, ihre Freiheit, ihr Brot, ihr Land, der ihr aufgez wütigen würde, a b l e h n e n möchte. Wir wissen ebenso, daß ei» Abwehrkrieg zur Verteidigung deutsche» Volkstums den besten Teil der deutschen Demokratie auf der Seite der Waffenstreiter für Recht und Freiheit fände. Hand aufs Herz, wo kiest man etwa in Blättern paziftssischer Richtung: „Ich bin deutscher Republikaner n»d bereit, mein Vaterland mit der Waffe in der Hand gegen jede» zu verteidigen, der deutschen Boden rauben will. Ich trete dafür ein, daß die Wehrmacht bet