Kasseler Neueste Nachrchtm
Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
Nummer 150. Amtliches Organ der Stadt Kaffe!
Dienstag, 29. Juni 1926
Macht der Reichstag Frieden mit den Fürsten?
Roch länaeri-n ?-h?tt-n übet die Arbeit?» uiclhode stellte die Wirtschajtsenquete folgend«
* * * Immer longfom voran
<$rft Gchurven, dann Frank.
Caillaux als Frankstabilisator.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris. 28. Juni
Finanzminister Caillaux hat gestern mit den beiden Unterstaatssekretären des Finanzministeriums die Regierungserklärung über die Finanzen ausgearbeitet. Caillaux soll sich dafür ausgesprochen haben, daß die Regelung der
Amtliches Organ der Stadt Kaffel 16. Jahrgang
Kein Engel ist so rein.
Moskau will Chamberlain beruhigen.
(Eigener Drahtbertcht.)
Moskau. 28. Juni.
Bezüglich der englischen Unterhausdebatten und des Weißbuchs erklärt die Sowjetregic- ruug. daß ff* ihre ausländischen diplomatischen Vertretungen unbedingt jeder Beziehung zu kommunistischen Parteien, wie überhaupt der Einmischung in das innere politische Leben der Länder enthalten. Die Selbständigkeit der Gewerkschaften der Sowjetunion aus allen Gebieten des Schutzes der Arbeite rinteressen in allen Ländern wird durch die Sowjetunion selbst gewährleistet. Die Sowjetregierung erhebe entschiedensten Widerspruch gegen die unbegründeten Behauptungen Chamberlains und Churchills, die Sowjetregierung halte ihre kommerziellen Verpflichtungen nicht immer ein. Sie halte Chamberlains Ansicht von einer Unmöglichkeit der Besserung der pö- itkfHen und wirtschaftlichen Beziehungen zwi- chen den bciedn Ländern für unrichtig.
Wie fie die DSIker täuschen.
König Alfons entlarvt den Völkerbund.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 28. Juni.
Ist es schon Wahnsinn
Der Abrüstungsschwindel blüht.
Dtt Knffeler Neaelten RaLttchtt» erscheine» wöchentlich sechsmal »ackmNNas«. Der AbonnemenrsvreiK berrägt für den Monat 2.— X bei freier Zustellung 'nS Haur. in der Geschaftsftelle abäeholt 1.80 X. Durch die «oft monatlich 2— X anmchlieh.lich Zustellunasgebubr. Verlag and Redaktion Schlachlhosftoatze 28'30. yermvrecher 951 und 952. Bür unverlangt dngefanite Beiträge kann die Ne» daMo» «ine Verantwortung oder Gewähr in keinem Galle übernehmen. Rück- radlung des Berugßgeldes oder Anivrüche wegen etwaiger nicht ordnungsmäßige» uefennta ist ausgeschlossen. Postscheckkonto tzrankfurt am Maiu Nummer 8880.
reiten, die nach einem Wort Lord Robert Cecils nicht vor Ende 1927 zu erwarten ist. Man hat also noch viel Zeit zu Erörterungen und — zum Weiterrüsten auf alle Fälle . . .
französischen Schulden an dieVereinigten Staaten und an England den ersten notwendigen Schritt auf dem Wege der Währungsstabilisierung darstelle. Deshalb wünscht Caillaux die Ratifizierung des französisch-amerikanischen Schuldenabkommens u. zugleich besondere formale Zusicherungen über dir Eröffnung von Krediten im Auslande für Frankreich zu erlan- gen. Ehe die Ratisizierungsfrage vor dem Parlament aufgeworfen wird, sollen neue Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten auf» genommen werden, und zwar offenbar erscheint es. daß der Abq. Bokanowski damit betraut werden wird. Außerdem werden in der Regierungserklärung die Schwierigkeiten des Schatz- amtes und die zu ihrer Behebung geplanten Mittel die Revision gewisser Steuern, namellt- lich der Steuer auf mobile Werte und der all- gemeinen Einkommensteuer, angekündigt werden. Schließlich wird derFinanzmiliister wahrscheinlich Vorschlägen, die autonome Amortisa- tionskasse durch Einkünfte aus einer Art Erbschaftssteuer zu speisen, wie er sie bereits im vorigen Jahre vorgeschlagen hat.
* * *
Griff nach dem Kapital.
Herriot präsentiert Caillaux die Rechnung. (Eigener Drahtbericht.)
Paris, 28. Juni.
Kammerpräsident Hervvot führte auf dem Be- zirksparteitW der Radikalen 14 a. aus: Ein Kabinett der BalkSgemeinschast kann keime wirksame Abhilfe schaffen. Wenn man im Frieden Männer, die z. B. in Finanzfragen eine entgegengesetzte Anschauung vertreten, in ein- und demselben Kabinett vereint, so heißt das, in die Reihen der Regierung selbst Verwirrung tragen. Ich konnte mich nicht den Ansichten des Abg. Bokanowski, Vie übermäßig hohe Gilnikom- menfteuer herabzusetzen, anfchtteßen. Herriot erflärte weiter: Wenn die Radikalen zum Zweck der Finanzierung fordern, daß das Kapital Opfer bringt, so tun sie daS keineswegs, nm lemand zu berauben, sondern aus Vorsicht» und um den Kredit des Landes zu heben, von dem alle privaten Kredite abhängen. Die Devisenspekulation mutz mit allen Mitteln bekämp werden. Wenn Einschränkungen unerläßlich sind, so müssen sie den Luxus treffen. Die Lasten müssen gerecht verteflt werden.
namens der Reichs- und Staatsregierung da» für, was die deutsche Presse für das deutsche Volk geleistet habe. Nach weiteren Begrüßungsansprachen behandelte Geheimer Regierungsrat Prof. Dr. Heckert darauf in seiner Festrede das Thema .Die Weltwirtschaft der Kriegs- und Nachkriegszeit und der Aufstieg neuer WeftwirtschaftSmächte*. Bei dem am Sonntag abend im großen Gürzenich-Saale von der Stadt Köln gegebenen Festessen wies Oberbürgermeister Dr. Adenauer auf die großen Ausgaben der deutschen Presse hin. Die Presse sei mehr noch als die politischen Parteien Förderer der öffentlichen Meinung und habe tabet die hohe Verantwortung. „Es mutz Parteien geben, es mutz abweichende Meinungen geben, aber ich meine, das deutsche Volk mutz doch endlich einmal in den Zustand hinein kommen, daß es hinter dem Staatsganzen Par» tekdogmen u. ParterdoktrineN zurücktreten lässt, und ich meine, es mutz jeder Deutsche doch einmal fühlen, daß er deutscher Volksgenosse ifh und nicht in erster Linie Patteiangehöriqer. (Beifall.) Die zweite Aufgabe liege in der Wirkung auf das Ausland. Hier müsse die Atmosphäre für eine internationale Verständi- Mng geschaffen werden. Ter 1. Vorsitzende, kommerzienrat Krumbhaar erinnerte an die Leidenszeit Kölns und führte u. a. aus: Nur das Eine sei aus all der Not der Vergangenheit und der Gegenwart herausgehoben: dir beglückende Tatsache, daß sich deutsche Wider- tandskraft und rheinischer Lebensmut vor keinem Schicksal und vor keiner Gewalt beugen. Der Stadt Köln wünschen wir Glück und Er- olg bei der Ueberwindung aller Sckwierigkei- ten und aller Hemmnisse. Auf dem Wege znm weiteren Aufstieg wünschen wir insbesondere, daß sie bald auf ein gänzlich befreites Rhein, land hinabblicken möge. Der Redner schloß mrt einem Hoch auf die Stad* Köln, ihre vorbildliche Verwaltung und ihr Oberhaupt, Ober- burgermeister Tr Wbenauer.
anjetoewretfe: ®inbetnrif<6e ©eftbäftSanaeiae» Seile SO ’A. «uBmürflae ®efi6»ft8* anaeiatn Seile 20 A, Samilienanwaen Seite 20 A. Kleine Anzeigen bai $3ort 4 A, Reklamen die Zeile 75 A. Cffm-gebübr 20 A lbei Zusendung der Offerte» 80 J). Rechnungsbeträge find innerhalb 5 Tagen zu bezahlen. Für die Richtig» kett an er durch Kernt frecher aufgegebene» Anzeigen, foroie für Aufnahmedaten und Blade kann nicht garantiert werden. Kür Anzeigen mit besonders schwierigem Satz 100 Prozent Aunchlag. Druckerei: Schlachthofstratze 28/30. Geschäfts, stelle: Kölnische ©trabe 5. gegenüber der Svobrftrahe. Kerulvrecher 951 und 952.
Erst Dolf, dann Partei.
Eine ernste Mahnung an d»e deutsche Presse.
Köln, 28. Juni.
Di« Zeitungsverleger Tagung eröffnete der Vorsitzeupe Kommerzienrat Dr. Krumdhaar mit einer Begrüßung der erschienenen Ehrengäste, darunter den Vertretern der Reichs- und Staatsregierung. Ministerialdirektor Dr. Kiep begrüßte sodann die Versammlung namens der Reichsregierung. Freundliche Grüße übermittelte er namens des Reichspräsidenten von Hindenburg. Dr. Kiep bankte erneut
Die presse als Führer.
Strefcnmnus Weltkriegsb itauz. Ein Katecksismus
Locarno als Balls. — Die große Weltkrlegs- vleite. — Eine Lebte für alle. — Zurück zum alten Enrova! — Die Prelle im beilige« Köln.
Adenaners Novell an das Bolksgewisseu.
Berlin, 28. Juni.
Im Hotel „Adlon" beging gestern der Verein der ausländischen Presse zu Berlin sein zwanzigjähriges Bestehen durch ein Festessen, an dem zahlreiche Mitglieder der Reichsregierung, darunter Dr. Stresemann, sowie der preußischen Regierung, des diplomatischen Korps, führende Persönlichkeiten der Parteien, namhafte Persönlichkeiten aus der Kunst- und Theaterwelt, sowie aus der Presse teilnahmen. Nach einigen Begrüßungsansprachen ergriff Reichsaußenminister Dr. Stresemann das Wort zu einer Rede, in der er u. a. ausführte, er habe die Uebcrzeugung, daß die Männer, die an der Spitze ihrer Völker die Politik von Locarno guthießen, es auch noch heute tun, und daß das Werk von Locarno die Basis sein muß für die weitere Außenpolitik und alle kommenden Verträge. Die Idee, die sich heute der Menschheit empfehle, sei, daß das Gesamt- resumee des Weltkrieges ein Glend und ein Unglück für alle gewesen ist, die am Weltkriege teilgenommen haben.
„Ich sehe nicht mehr Sieger und Besiegte, sondern nur noch ringende Völker,
die sich bemühen, au8 dem Chaos, daS sich vor. ihnen allen aufgetan hat, wieder tu die Vernunft zurückzukommen. Wenn die Vergangenheit als Tatsache für sich steht, können wir mindestens das Eine tun: Wir können auS der Vergangenheit für die Gegenwart und Zukunft lernen. Die Zukunft kann nur gegründet werden auf dem alten, kulturell hochstehenden Europa, das der West unendlich viel gegeben hat, auf dem Gedanken des Friedens, der Solidarität und der Zusammenarbeit der Völker/
Die Tagung der vorbereitenden Genfer Ab- rüstungskommission steht vor dem Abschluß. Du Beschlüsse dieser Kommission braucht man nicht gerade zu überschätzen, da sie keine endgültige Bindung darstellen. Die Entscheidung liegt bei der politischen Hauptkommission, an die sowohl die Beschlüsse dieser wie auch der wirtschaftlichen Unterkommisston, die am Montag ihre Beratun. gen aufnimmt, gelangen, sodaß auch die deutsche Ausfassung über die verschiedenen sttittigen Punkte der Haupttommission nicht vorenthalten bleibt. Ganz allgemein läßt sich über die Ver- Handlungen der militärischen Unterkommisston nur sagen, daß der Wille zur Abrüstung, sich so gut wie verflüchtigt hat. An sich tft das vielleicht insofern nicht unverständlich, als ja hier die militärischen Sachverständigen das Wort führen, die naturgemäß das größte Interesse an der Auf- rechterhaltung der Rüstungen Haden. Trotzdem scheint ei nicht unangebracht, auf die widersinnigen Beschlüsse hinzuweisen, die in dieser Kommission in den letzten Tagen gefaßt worden sind. So ftaatb beispielsweise die Frage zur Erörte- rung, ob daS Kriegsmaterial gleichwerttg neben den Mannschaftsbeständen als Hauptmerkmal für den Rüstungsstand eines Landes angesehen werden müsse. Vom deutschen Vertreter und auch von anderen Mächten wurde der Standpunkt vertreten, daß unter den heutigen Verhältnissen das Kriegsmaterial dem 93er«
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-ujfe, d, im modernen Krieg das Personal ohne Material wertlos sei. Dagegen wehrten sich die Franzosen und sie erreichten es auch, daß tn ihrem Sinne entschieden wurde.
Daß diese Entscheidungen geradezu einen Wahnwitz bedeuten, braucht nicht erst betont zu werden und man braucht auch wohl nicht daran xit erinnern, welche Bedeutung im Welt- krieg die Ueberfülle des Materials auf der einen nud der Mangel deS Materials auf unserer Seite gespielt hat. Der Hohn auf den gesunden Menschenverstand wird noch grotesker, wenn mann bedenkt, daß sich die Franzosen bekanntlich stets auf den Standpunkt stellten, daß das beut, sche Kriegsmaterial bis zum äußersten vernichtet werden muß, wodurch teilweise dem Reich recht erhebliche Kosten erwachsen find. Der Notenwechsel über derartige Forderungen der Franzosen ist außerordentlich umfangreich und widerlegt auf das Entschiedenste den von chnen in Gens vertretenen und völlig unhaltbaren Standpunkt. Auch die Debatte übet die M an n- schaftsbeständ e nimmt einen mehr als merkwürdigen Verlauf. Von den Franzosen wird nämlich versucht, Truppen, die sich in den ersten sechs Monaten der Ausbildung befinden, nicht den aktiven Truppen zuzuzählen, die allein für den Rüstungsstand maßgebend sein sollen. Da Frankreich eine achtzehnmonatige Dienstzeit besitzt, so würde bei einer solchen Berechnung mithin ein Drittel des Bestandes aus dem Vergleich völlig ausscheiden. Dazu kommt, daß nach französischer Auffassung auch die in den Kolonialgebieten befindlichen Truv- penbestände nicht den Heeresbeständen zngerech- uet werden sollen, so daß sich bann ein völlig schiefes Bild ergeben würde. Die Schweiz hatte nach dieser Berechnung in normalen Zeiten überhaupt keine Armee, da der schweizerische Soldat kaum mehr als zwei Monate ausgebfldet wird, dagegen würde naturge- mäß die Reichswehr mit ihrer zwölfjährigen Dienstzeit nahezu mit dem vollen Bestand bon hunderttausend Mann in einer derartigen Rüstungsausstellung erscheinen.
Wie die Dinge tatsächlich liegen, geht aus einem Artikel des Generals Graf Montgelas hervor, in dem der Nachweis geführt wird daß in Frankreich Jahr für Jahr 240000 junge Männer militärisch erzogen werden, sodaß Frankreich 1935 über rund drei Millionen, Deutschland hingegen nur über ein Zwanzigstel dieser Zahl' an sofort mobilisierbaren Männern in dem für den Felddiensi brauchbaren Alter zwischen zwanzig und fünf» imddreißia Iahten verfügen würde. Schon diefe beiden Beispiele, die sich ohne Schwierigkeiten ; ergänzen und erweitern ließen, zeigen, daß auf diese Weise eine Abrüstung nicht zustande kommen wird. Run liegt allerdings, wie schon betont wurde, die Entscheidung bet der Hauptkom- wission, in der Deutschland durch den Grälen Bernstorfs her*«ten ist. und die voraussichtlich im Oktober wieder zusammentteten dürfte. Rack den Erfahrungen, die man bislang gemacht hat. find aber auch die Aussichten hier recht ungünstig. da zwar jede Macht wohl die Abrüstang will, jedoch nur die Abrüstung — der anderen. Auch die Beschlüsse der Hauptkommifsiou würden bann freilich noch nicht das letzte Wort barstellen da ja jede Kommission lediglich die Aufgabe hat, die Abrüstungskonferenz vorzube-
Werden die Dämme halten?
BerhängniSvolles Steigen der Oder.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 28. Juni.
. Nach neuen Niederschlägen ist der Wasserstand in den letzten vierundzwanzig Stunden am Pegel Annaberg von 168 auf 232 Zentimeter ge» hegen, in Olsa von 167 auf 310 Zentimeter. Es wird noch weiteres Steigen und weiterer Renen gemeldet. In der W est - P r i g n i tz ist man fieberhaft beschäftigt, den Achter-Deich in verstärken, dg die Gefahr eines Dammbruchs lehr gross ist Man erwartet für Montag nttb Dienstag den stärksten Druck des Hochwassers. Buch im Gebiet des Spreewaldes sind über hunderttausend Morgen Land überflutet. Die Ernte ist vollständig vernichtet.
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-ti!» Oer Achter brach
Mannheim, 28. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Ein Achter des Rubervereins Ludwigshafen geriet in die Wellenberge zweier Schlep. Perzüge auf dem Rheiu Das Boot brach in der Mitte auseinander. Alle neun Insassen fielen tn§ Wasser. Ein Ruberer versank in bcn Fluten irtrb konnte nicht geborgen werden.
Der in Paris anwesende König von Spanien hat in einer Unterredung mit einem Journalisten erklärt, es scheine ihm gefährlich, den Völ- erbunb einzig und allein aus ehemals kriegführenden und interalliierten Nationen zusani- menzusetzen. Wäre es nicht viel heilsamer, Neutrale hinzuzuzieheu? Er glaube, baff es besser gewesen wäre, Deutschlanb von Anfang an zum Völkerbund zuzulassen. Man hätte auf diese Weise viele Schwierigkeiten vermeiden können. Es scheine ihm, baff man Spanien nicht die Behandlung zuteil werben lasse, auf bie es ein Anrecht habe, nämlich auf einen ständigen Sitz im Völkerbundstat. Wenn Spanien mcht eine gerechte Befriedigung erlange, könnte es dazu gebracht werden, dem Völkerbunde nicht mehr bas gleiche Interesse entgegenzubringen; aber es wünsche von ganzem Herzen einen Ausgleich. Ehemals habe man bie verhängnisvoll Folgen der Eeheimbiplomatie getabelt. An ihre Stelle habe man jetzt eine Politik der Täuschung der Stationen gesetzt. Sie könne sehr schlechte Er- gebniffe für den Weltfrieden zeitigen.
Der heiße Fürstenbrei.
Nur feine Reichstagsauflösung!
(Eigener Jnformaticnsb.enst.)
Berlin, 28. Juni.
Im Reichstag wirb es morgen, bei der zweiten Lesung der Fürsten-Abfindungsvorlage zu großen Debatten kommen. Die Regierungspartei wirb sich auf eine gemeinsame Erklärung beschränken, sofern es heute gelingt, eine Verständigung herbeizuführen, int anberen Falle würben bie Fraktionen einzeln Berhand- lungsmöglichkeiten schaffen. ES fcheint, baff bie Sozialdemokraten die Absicht haben, eine ReichstagSauslöfung zur Debatte zu bringen, um bei dieser Gelegenheit bie Stimmung der anderen Parteien kennen zu lernen. Von größter Wichttgkeit ist natürlich dabei bie Stellungnahme des Reichskabi- nettS. Es ist jedoch anzunehmen, baff von einer Reichstagsauflösung kein Wort fällt.
* * *
Der Reichstag krtegsmüde.
Unsichere Kantonisten von rechts und links.
(Eigener Informationsdienst.)
Berlin, 28. Juni.
... tx? fttterfnStivnelle Rus-
schütz des Reichstages zusammen. Der Reichs- kanzler Dr. Marx wird der Sitzung beiwohnen. Wie man vermutet, wirb eS zu weiteren Schwlvrssgkerten in der Frage des Fürstenab- ftuLungsgesatzes nicht kommen. Wenn die So- ainltwemdiratie dem Gesetz zustimntt, dürste es nur noch quf die Haltung einiger weniger Deutschnattoualen ankommen, deren Widerstand
SU überwinben hofft. Für den Fall eines Nichtgelingens der Durchbringung der Fürstenvorlage will das Kabinett bas Gesetz unbedingt bis zum Herbst vertagen.
Auch Mexiko Überschwemmt
Mexiko, 28. Juni. (Furnkdienst.) Grosse Teile der Stadt Billa de Leon sind überflutet Etwa taufen» Häuser sind von den Fluten hin- toeggetoruenmtt Worben, doch stürzen noch täg- sich mehrere Hauser in sich zusammen. Zahl- rerche Lerchen liegen unter den Trümmern.
Bo~ obdachlosen Familien wurden in öffentlichen Gebäuden ^untergebradyt.
Die Gefahr Überstanden.
Wittenberge, 28. Juni. (Privattelegramm) Seit heute mittag ist bas Steigen der Elbe zum Stillstanb gekommen. Aus Magdeburg wird ein Fallen des Wassers zum zwei Zentimeter in der Stunde gemeldet.