Einzelbild herunterladen
 

Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

8n$eifl<npreil<: Einheimische Geschäfts« ««eigen Zeile 20 J. «nSroSrftge GefchäftS- an-eigen Zeil« 20 4. Sawilienanreig«» Zeile SO ^.Kleine Anzeigen das Wort 4 4. RekLmen die Zeile Z5 4. OÜrrigebübr 20 4 (Sei Zusendung der Cfferttn 30 Rechnungsbeträge lind innerhalb 5 Tagen »n bejahlen. Sur die Richiig. teil aller durch Sernsorecher aufgegebenen Anzeigen, sonn« für Amnabwedaren und Plätze kann nicht garantiert werden. Sür Anzeigen mit besonders tonne« riaem Satz 100 Prozent Aufschlag. Druckerei: Schlachtbossfrahe 29.30, Geschäfts» stelle: Lölmsch« Saab« 6. gegenüber der Svobrltratze. Lernsprecher 951 und 852,

Die Kasseler Neuesten Nachrichten erscheinen wScheutlich sechsmal nmbmittaa». Der AdonnemenisvreiS beträgt für den Monat 2. Jl bei freier .duitellung ins Haus, in der Geschäftsstelle abgedolt ISO -«.Durch die Post monatlich 1.- 41 ausschliehlich Zuttellungsgebühr. Verlag und Redaktion Schlachtboistrahe 28>30. Seruivrecher 951 und 952. Sür unverlangt eingesandt« Beiträge kann die Re» »aktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Salle übernehmen. Ruck» »ahlung des Bezugsgeldes oder Anlvrüch« wegen «iwaiger nickt ordnungsmähiger Lieferung ist ausgeichlosten. Pottickeckkoalo Sraukfurr am Mai» Nummer 6380.

Nummer 146. Amtliches Organ der Stadt Kassel Donnerstag, 24. Juni 1926 Amtliches Organ der Stadt Kassel 16. Jahrgang

Wird Marx das Mstenchaos meistem?

Auch der Völkerbund stellt sein Ringen um die Wiedergeburt ein.

Wann ziehen sie ab?

Die Rämuungsversprechen sind fällig.

Aus England kam kürzlich die überraschende Kunde, daß die französischen Besatzungstruppen im Rheinland wesentlich herabgemindert wer« den würden rund zwar um etwa zwie franzö­sische Divisionen. Da eine Bestätigung dieser Meldung von anderer Seite bisher nicht vor- lieHt und da auch irgendwelche Anzeichen für eine derartige Herabsetzung der Truppenstärke im besetzten Gebiet nicht vorhanden sind, jo wird man diese Nachricht mit starker Skepsis aufnehmen müssen. Es wäre in der Tat zwar dringend zu wünschen, daß diese Ankündigung verwirklicht wurde, denn noch immer ist ja die Zahl der Besatzungstruppen wesentlich höher, als es nach den Vereinbarungen' zwischen Deutschland und den Alliierten -er Fall sein sollte. Am 15. März standen in der besetzten Zone noch rund 88 400 Mann Besatzungstrup­pen, wobei der weitaus größte Teil nämlich rund 72 300 auf die Franzosen entfällt, wäh­rend die Belgier mit 7950 und die Engländer mit 8150 Mann vertreten sind. Das bedeutet, daß nach der Räumung der ersten Zone für -ic zweite und dritte Zone eine Verstärkung der Besatzungstruppen eingetreten ist, sodaß die meisten Orte heute mehr Besatzungstruppen be­herbergen, als vor der Räumung der ersten

In -er deutschen Oesfentlichkeit ist auf diese Dinge wiederholt hingewiesen worden, die Frage hat auch am Reichstag eine wesentliche Rolle gespielt, ohne daß jedoch bislang irgend­eine Aenderung der Lage erreicht worden wäre. Auf eine Entschließung des Reichstages vom Februar über die Erleichterung für die besetz­ten Gebiete Hal die Regierung erklärt, daß sie dauernd bemüht sei, bei den Besatzungsmäch­ten eine Herabsetzung der Gesamtstärke zu er­reichen, daß aber die diplomatischen Verhand­lungen noch nicht abgeschlossen seien. Und was wird die Regierung auf die zweite Reichstags­attacke, G a r a nt i e n sür Locarno noch vor dem Eintritt in den Völkerbund zu schaffen, antworten? Daß sie dauernd bemüht ist, eine Herabsetzung der Gesamtstärke der Besatzungs- truppen zu erreichen...

Die Aussichten hierfür erscheinen leider im Augenblick nicht sehr günstig. Die amtliche eng­lische Politik tut alles, um die Aufrollung der Besatzungsfrage zu verhindern, bevor Deutsch, land Mitglied des Völkerbundes ist. Englische Blätter haben sich gerade jetzt wieder gegen die verschiedenen deutschen Beschwerden gewandt, in denen auf die Unzuträalichkniten der Besatzung hingewiesen wird, während es nur ein einziges Blatt für angebracht hielt, sehr nsführlich auf die U n, u t r ä g l i ch k e i t e n im besetzten Ge­biete zu verweisen und den Nachweis für die Unzweckmäßigkeit der Besatzungsaufrechterhal­tung zu führen. Wenn dabei auch ohne weiteres zugegeben werden soll, daß das Hauptübel darin besteht, daß sich die französischen Stellen so ver­halten, als ob in Locarno eine Erhöhung der Besatzungsstärke vereinbart worden ist, so ist es doch andererseits auch mehr als mißlich, wenn England dies Problem mit der Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund ver- guickt. Es darf daran erinnert werden, daß in Genf von allen Locarnomächten eine Erklärung unterzeichnet wurden, die sich dahin ausspricht, daß man die Locarnoverträge als bereits in Kraft getreten betrachten will, und es muß hinzugefügt werden, daß Briand bei den Ver­handlungen in Genf ausdrücklich bestätigt hat, daß Frankreich für die Durchführung der Rück­wirkungen besonders auch was die Stärke der Besatzungstruppen betreffe, wirken werde. Dieie Zusicherung ist bis heute nicht erfüllt worden und die Aussichten dafür, daß das neue Kabi­nett Briand. ob nach rechts oder links orientiert, sich mehr mit der Durchführung der Zu­sicherungen beeilen wird, als das bisherige Kabinett, sind recht gering. Die deutsche Re­gierung wird iedensalls dieser Frage weiterhin ihre volle Aufmerksamkeit Widmen müssen, um endlich die Erfüllung der Zusicherungen von Lo­carno zu erreichen. *

Mehr Genoarmrn al» vor oer Räumung

Berlin, 23. Juni. (Privattelegramm.) Ji dem heute von den Franzosen besetzten Gebier befinden sich dreiundsünszig Gendarmerieftatio nrn mit 420 meist verheirateten Gendarmen, wir im Reichstagsausschutz erwähnt wurde und

zwar 28 Mann mehr als vor der Räumung der ersten Zone. Von den heute vorhandenen drei­undfünfzig Stationen befinden sich dreißig in Orten, in denen keine Garnison liegt. In der belgischen Zone sind acht Stationen vorhanden mit 154 Gendarmen, darunter 44 Verheiratete. Der Staatssekretär will weitere Milderungen auf diesem Gebiete erreichen.

Was füllen die Fürsten haben

Ei» Linkskompromiß. Für rechts unannehmbar.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 23. Juni.

Die Blätter berichten: Die Sozialdemokra­ten haben eine große Anzahl von Anträgen zu der Vorlage über die Fürstenabfindung einge­reicht. die fordern, daß sämtliche Richter für das Sondcrgcricht vom Reichstag zu wählen seien und daß vier der Richter Laien fein müßten. Ferner dürfe das Gericht nicht lediglich, auf An­trag einer Partei tätig fein, sondern müsse viel­mehr von amtswegen die Auseinandersetzungen vornehmen, um zu vermeiden, daß die praktische Anwendung völlig in das Ermessen der einzel­nen Länder gestellt werde. In Fällen bereits erfolgter Auseinandersetzung fall das Gettcht auch auf Antrag einer Partei beschließen kön­nen. Sämtliche Kronfideikommisse und ähnliche Renten sollen ohne Auseinandersetzung fortfal­len. Die Deutschnationalen haben zu erkennen gegeben, daß sür sie ein Kompromiß im sozial­demokratischen Sinne unannehmbar fein würde.

29er soll richten

Links gegen rechts im Ausfchuß.

Berlin, 23. Juni.

Im Rechtsausschuß erklärte heute bei der Be­ratung über das Fürstenabsindungsgesetz Reichs­kanzler Dr. Marx, daß zu seiner Annahme eine Zwei-Drittel-Mehrheit erfor. derlich fei. Der Ausschuß beschloß, die Frage der Verfassu ngsänderung bis nach Er­ledigung der sachlichen Beratung zurückzustellrn. Hierauf wird die Zusammenlegung der Sondergerichte beraten. Nach der Vorlage hat den Vorsitz der Reichsgerichtsprä- s ident. Der Reichspräsident ernennt aus Wunsch der Reichsregierung einen Stellvettreter des Präsidenten, die weiteren acht Mitglieder des Gerichts und die verschiedenen Stellvertreter Vier von den weiteren Mitgliedern und deren Stellvertreter müssen Mitglieder von obersten Gerichten oder von Verwaltungsgerichten des Reichs oder der Länder sein. Aba. Dr. Rosen- ?eld iSoz.l verlangt, daß der Reichstga die Mitglieder des Gerichts wählt. Abg. Barth ($tL) begründet einen Antrag, daß die vier Mitglieder des Reichsgerichts auch ordent­lichen obersten Gerichten, oder obersten Vcr- waltungsaerichten, oder dem Reichsfinanzhof, oder dem ReichSwirtschastsgericht angehören.

* * *

Wenigsten» ein varagrapft unter Doch

Die sozialdemokratischen Auttäge wurden im Rechtsausschutz mit Stimmenthaltung der Kom­munisten, die Deutschnafionalen gegen die Stimmen der Antragsteller abgele hnt. Paragraph 1 wurde daraus mit 11 gegen 3 Stimmen bei einer Stimmenthaltung ange­nommen. Dagegen stimmten die Kommu­nisten, die Sozialdemokraten, Deutschnationalen Die BöNischen enthielten fick -er Stimme.

* * *

Vertagung b!s zum Herbst?

Unüberbrückbare Gegensätze.

sEigener Informationsdienst.)

Berlin, 23. Juni.

In politischen Kreisen ist man heute über­einstimmend der Ansicht, daß es kaum noch mög­lich sein dürfte, die Regierungsvorlage über Dtc Fürstenabfindung noch vor der Sommerpause des Reichstages zu verabschieden. Die gestri­gen Verhandlungen des Reichskanzlers Dr. Marx mit den Parteien find wiederum völlig ergebnislos abgebrochen worden, sodaß man die Situation ziemlich ernst beurteilt Im Kabi­nett herrscht die Ansicht, daß man die Entschei- düng sehr wohl bis zum Herbst zurückstellen Bnnte und daß z. Zi. eine ReichSiagsanflöfiing ttum wünschenswert sei. Dagegen scheinen je« voch die Sozialdemokraten schon jetzt eine gruud- ätzliche Entscheidung erzwingen zu wollen. Ein Bolksparteiblatt betont, daß bei den außer- ordentlich scharfen Gegensätzen eine baldige Lö­

sung der Fürflenabfindungsfrage wohl außer­halb des Bereichs der Möglichkeit liege.

Noch ein Fiasko in (Senf.

Der Prüfungsausschuß aus ewig vertagt. (Eigene Drahtmeldung.)

Köln, 23. Jupi.

Nach einem Bericht aus Genf hat nunmehr Bundespräsident Motta, der Präsident des Prü­fungsausschusses für die Zusammensetzung des Völkerbundsrates den Ausschuß auf uubestrmmte Zeit vertagt. Man hatte dir bisher verneinte Frage einer etwaigen Schaffung neuer ständiger Natssttze offen gelassen, um Zeit für diploma­tische Verhandlungen mit Brasilien nn Spanien zu gewinnen. Die endgültige Vertagung be­weist, daß man an einen Erfolg derartiger Ver­handlungen nicht mehr glaubt.

Auch Habsburg meldet sich.

Ein Volksentscheid für Oesterreich? (Privat-Telegramm.)

Wien, 23. Juni.

Das Ergebnis des deutschen Volksentscheides hat die österreichischen Monarchisten bewogen in Oesterreich für die Aufhebung der Konfiskation des habsburgischen Privatvermögens einzntre- ten. Eine verschiedene Behandlung von Für- stenvermügen sei bei gleicher Rechtsgrundlage nicht zulässig. Die Gründe, die die Deutsche Volkspartei gegen die Konfiskation in Deutsch­land geltend gemacht habe, müßten t-udj für die -Yroßdentsche Partei als Schwesterpattei in CcfterretO) haben. Großdeutsche Poli­

tiker erklären aber, ohne der Parteileitung vor­greifen zu wollen, daß die Sachlage in Oester­reich eine ganz ander« sei, als in Deutschland.

Steuert Briand links?

Der Finanzminister macht ihm Pein. (Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 23. Juni.

Die Bemühungen Briands haben bis jetzt fein Ergebnis gezeitigt. Es fcheint zwar, daß di« scharfen Mein mgsverschicdenheiien über das Finauzprogramm behoben werden konnten, jedoch hat Briand bis jetzt noch keinen Befchluß über die Zusammenfetzung feines Ministeriums treffen können. Briand versprach, daß bis heute Mittckg die Entscheidung fallen werde. FallS Caillaux das Finanzministettum übernimmt, wrüden Poincarö und Doumer als Mitarbeiter ausscheiden und ein Ministettum gebildet wer­den, das als eine linksrepnblikanische Konzen­tration bezeichnet werden könnte.

Also hoch LaMaux!

Paris, 23. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Aus Ersuchen hat Caillaux das Finanzministe­rium heute mittag offiziell übernommen. Briano erklärte zu Pressevertretern, er gedenke das Kabinett bis heute Abend endgültig zustande zu bringen.

Eine zweiter Teufel.

Rach dem Breslauer Lustmord...Neu-Sakisch. (Privat-Telegramm.)

Neu-Sakisch (Str. Glatz), 23. Juni.

Ein gräßlicher Lustmord wurde gestern in Neu-Sakisch begangen. Ein siebzehn Jahre alter junger Mensch und ein dreizehnjähriges Mäb chen sind die Opfer. Das Mädchen wurde mit durchschnittener Kehle im Keller und der Bru­der mit eingcschlagenem Schädel auf dem Boden, letzterer noch lebend, ausgefunden. Die furchtbare Tat muß gegen 3 Uhr nachmittags ausgeführt worden sein. Die Eltern kehrten erst am Abenv heim. Der Mörder dnrchschnitt auch zwei Ziegen die Kehlen. Die Mutter fand abends zunächst die beiden Ziegen tot vor iixb dann nach langem Suchen die Kinder . . .

Weil es zu lange regnete.

Verdorbene Ernten. Die Elbe fällt. (Privat-Telegramm.)

Dresden, 23. Juni.

Im Freistaat Sachsen ist die Heuernte zum Teil schon verdorben. Von Gttreide hat haupt­sächlich der Roggen gelitten, doch können auch die übrigen Getreidearten nur geringe Erträge Ufern. Es wurden Richtlinien ausgestellt, nach ;>entn eine Festsetzung der Schäden, namentlich 'n Bezug auf die Ernte erfolgen soll. Das Hoch­wasser der Elbe fällt stündlich um zwei Zenti- -nttcr, doch ist an eine Wiederaufnahme des Stbiffahtte-LcttiebeS noch nicht zu denken.

An der Glaolskrippe.

Kuhhandel um Gefandtenposten.

Daß nickt nur bei den sich beute itberftürzen- d-u Klldineltsbildungc« allerlei Äubbaudel zwifcken Regierung und Parteien betrieben wird, sondern anck Gesandtennosteu als Tausck- objekt für andere Macktvosttionen dienen, be­zeugen die folgenden vielfagenden Betrachtungen eines Eingeweihten.

Vor allem Wien war das Ziel verschiedener Posten- und Pöstchenjäger, die sich schon eifrig lununeüen, als Maximilian Pseisser, hoffnungs­los erkrankt, noch lebte, und, da ihr Treiben in die Presse kam, den immer noch auf Genesung Hofsenden die letzten Stunden vergällten. Daß alle Bewerber, die nicht katholisch waren, ttaai kurzer Zeit aus dem Rennen ausschieden, ist vielleicht verständlich. Zwar sollte die Konfession eines diplomatischen Vertreters überhaupt keine Rolle spielen und nur dienstliche und gesellschaft­liche Eignung ins Gewicht fallen; indessen muß zugegeben werden, daß gerade in Wien, wo die christlich-soziale Partei dominiert und der Kar­dinal Pifsl hinter den Kulissen eine große Rolle spielt, ein Zerttrumsmann, tote das erfolgreiche Wirken Pfeiffers bewiesen hat, sür die deutsche Außenpolitik viel mehr heraushölen kann als jeder andere. So gab es denn nach seinem Tode nur noch vier Favoriten für den Wiener Posten, den bekannten Gewerkschaftsführer Adam Siegerwald, den ehemaligen Reichspressechef ur-b Marr Berater Spiecker nach seinem Ausschei­den aus dem Reichsdienft leitet er ein großes Korrespondenzbüro, den bayrischen Ministerpcä- sidenten a. D. Gras Lerchenseld und als einzigen Bentssbeantten den Generalkonsul in Am ster­il am Prinzen Hatzfeld. Das Ausw. Amt konnte anführen, daß das Outsidertum im diplomati­schen Dienst aus das Aeußcrste beschränkt wer- den müsse, da es nicht möglich sei, für einen tüch­tigen Nachwuchs zu sorgen, wenn diesem als Ziel höchstens ein Gesandtenposten in Süd­amerika offen stände, alle guten europäischen Posten aber von

Außenseitern wcggeschnappt würden Mit diesem Standpuntt ist das Aus­wärtige Amt im Reichskabinett durchgedrungen, und man ist dem Zentrum, das aus der jahre­langen Besetzung des Wiener Gesandtenpostens durch Maximilian Pseisser ein verbrieftes An­recht auf diese Stelle zu haben glaubte, nur in- sofern entgegengekommen, als man einen katho. fischen Berussbeamten, den Gesandten in Kairo, M e r 1 en s, dorthin geschickt hat. Ebenso er­folgreich hat das Auswärtige Amt seinen prin­zipiellen Standpunkt, nach Möglichkeit keine Outsider mehr in den diplomatischen Dienst zu übernehmen, bei der Neubesetzung des Buka­rester Gesandtenpostens durchgesetzt, und War diesmal gegenüber der Dentschnationalen Par­tei, deren Generalsekretär Abg. v. Lindeiner- Wildau, diesen Posten seit langem erstrebte und mancherlei Eignungen hierfür mitbrachte, da er Rumänien gut kennt und sich auch publi­zistisch viel mit seinen, wirtschaftlichen und poli­tischen Verhältnissen beschäftigt hat. Indessen ist das Auswärtige Amt auch hier festgeblieben und den Deutschnationalen nur insofern ent­gegengekommen, als es B u k a r e st mit einem ihrer Pattei angehörenden Berufsbeamten, dem bisherigen Generalkonsul In Barcelona von Hassel, besetzt hat. Dieser, ein Schwiegersohn des Großadmirals von T l r p i tz gilt als einer der fähigsten jüngeren deutschen Diplomaten und als Anwärter auf den Posten des Staatssekre­tärs in der Reichskanzlei bezw. ves Staatssekre­tärs im Auswättlgcn Amt falls sich die Deutsch- nationalen wieder einmal an der Reichsregie­rung beteiligen. Daß es bei den Widerständen, di- die Parteien des Reichstags häufig der Be­setzung diplomatischer Posten durch Fachbeamte entgegensetzen.

kein Vergnügen ist, Leiter der Personalienabteilung im Auswärti­gen Amt zu sein, liegt auf der Hand. Es gibt wohl kaum einen anderen Posten, der mehr auf die Nerven geht. Kein Wunder daher, daß der jetzige Ches dieser Abteilung, von Sichrer, schon nach zwei Jahren kampfesrnüde geworden ist und sich alS Nachfolger des nach Wien gehen­den Mertens den interessanten Gesanblenpostcn in Kairo hat geben lassen. Sein Nachfolger wird es nicht besser haben, denn das Spiel der Out­sider und der hinter ihnen stehenden Patteicn beginnt bei jeder neuen Vakanz größerer Außen- posten und kann bald wieder losgehen, da zwei der wichtigsten deutfchen Borschafterposten vor der Neubesetzung stehen Herr Sthamer in London hat schon vor einigen Jahren die vorgeschriebene Altersgrenze von fsinftmdsechfig Jahren erreicht. Herr Sols in Tokio wird in