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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

Nummer 144. Amtliches Organ der Stadt Kassel

Dienstag, 22. Zuni 1926

Wir haben erfüllt! Nun räumt den Rhein!

Lehren vom Sonntag. Derewige4* Kandidat.Roch etwa 30000 Stimmen für8a

Ein kleiner Nachtrag zur Fürstenenteignung.

I Paris dreht sich im Kreise

Vriand-Laillaux-Poinears wieder an der Spitze.

Nun aber hinaus!

Berlin, 21. Juni. (Durch Funkspruch). Bei einer Gesamtzahl der Stimmberechtigten von 39 687 848 wurden insgesamt 15 584 821 Stimmen abgegeben. Davon waren 559370 ungültig und 15025451 gültig. Mir Za stimmten 14440779 und mit Nein 584672.

In einem Bericht des Reparationsageuten heißt es u. a dass Deutschland regelmäßig und pünktlich die Zahlungen aus dem Dawesplan geleistet hat. Die deutsche Währung ist endgül­tig stabilisiert. Die Reichsbahn hat im ersten Betriebsjahr einen Einnahmeüberschuß von 818 Mist.onen erzielt. Die verpfändeten Einnahmen beliefen sich im zweiten Tawes'ahr auf 156 Mil­lionen Goldmarl gegenüber 149 Millionen mö­

gen zu können. Alles spricht dafür, daß es nun doch noch zu der Kombination Briand-Poineare im Laufe des heutigen Tages komme« wird.

Das Rheinland um zwei Divisionen erleichtert. (Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 21. Juni.

3M einet kurzen Besprechung mit dem Se- natsprafldenten de Geldes berief der Präsident der Republik wiederum B r i a n d, der den Kabinettsauftrag zum zweitenmal annahm. Er hofft, bereits heute die neue Ministerlifte vorle-

AmtttcheS Organ der Stadt Kassel 16. Jahrgang

Paris, 21. Juni. (Eigene Draihmeldu.ig.) Die Annahme, daß Herriot unter den gegebe­nen Umständen sich gezwungen sehen werde, auf die Kabinettsbildung zu verzichten, hat sich in den gestrigen Morgenstunden bestätigt. Herriot setzte seine Versuche, geeignete Persönlichkeiten für sein« Kombinationen zu gewinnen, die ganze Nacht hindurch fort. Nachdem aber Boka- nowskh die Teilnahme an seinem Kabinett ab­gelehnt hatte, erschien es den beiden für das Handels- und Finanzministerium in Aussicht genommenen Finanzsachverständigen Pittrh und Rom ter erforderlich, weitere Angehörige der gemäßigten Gruppe zur Mitarbeit zu ge­winnen. Herriot beschwor darauf den Demo­kraten Champetier be Ribes alS Penstonenmi- nister in sein Kabinett einzutreten, jedoch ver­geblich. Da diese Ablehnung auwmatisch die- jenige Pittrys und Romiers nach sich zog, er­klärte Herriot seine Bemühungen für gescheitert. Ueber die schon in der heutigen Morgenairs­gabe dunkel angebeutete Wiederbetreuung BriandS und dessen weitere Pläne berichten die heutigen BormittagSdepeschen wie folgt:

Wenn BrionS nicht wäre...

Er und Poinrart die letzten Strohhalme.

(Eigener Drahtbericht.)

Kanzierwechsei In Oesterreich?

Wien, 21. Juni. Der Landeshauptmann von Steiermark Prof. 91 int eien, hat das ihm angebotene Unterrichts-Portefeuille abgelehnt Rintelen war auch für Dr. Ramek als Bundes­kanzler ausersehen, und sollte ein neues Kabi­nett bilden. Sogar die Namen der neuen Mi­nister eines Kabinetts Dr. Rintelen wurden be­reits kolportiert.

nailich in den Bormonaten. Der Zeitpunkt ür die Unterbringung der Obligationen ist noch nicht gekommen. Der Treuhänder hat noch die ____

gefönte Industrie-Obligationen von fünf]Kaiserslautern haben würde.

Nun hat der große Wahlpendel ausgeschwu.u- gen und auch die geschlagene Linke wird sich dem Dolksbeschluß, den sie als heiligstes Glauhe>is- bekenntnis auf ihre Fahnen geschrieben hat, fügen müssen. Wir wollen es uns und unseren

Lesern ersparen, nachträglich das Schlachtfeld nach Opfern abzusuchen; di« Listen liegen offen, ans denen sich jeder sein Verslein auf das Ur­teil der großen Volksmehrheit in den heiklen Abfindlmgs- und Enieianungsdingen machen kann. Den moralischen Extrakt und den katego-! rischen Imperativ der Stunde haben wir aus den weltbewegenden Ereignissen in der heutigen Extra-FrühauSgabe für alle Mitbürger, die es hören wollten und alle Volkswohlfahrtspächter di« «S noch immer nicht kapiert haben, gezogen. Die zweischneidige Waffe des Volksentscheids hängt nun wieder an der Wand; sie wird und muß gelegentlich von der Oeffentlichkeit und den Parlamenten sorgsam auf ihre Anwendung und Brauchbarkeit als ultima ratio der Nation ge­prüft werden. Auch an dieser Stelle wird noch f idsätzlicheS darüber zu sagen sein. Heute tut alS beachtenswertes Symptom die An­der Pariser Presse erwähnt, daß der fall des Volksentscheids warnende Rückschlüsse auf die Volks-Gesinnung und die Zukunft der Enteignungsparole überhaupt zulass« und daß daS Befragungs-System viel­leicht für di« Schweiz gut sei, aber gefährlich werde, wenn man «s auf dreißig Millionen Wähler antoenbe. Nicht ohne Preis und ohne ausdrückliche Hochachtung aber wollen wir üt dieser zweiten Nachlese an der beispiellosen Disziplin, dem trotz aller schon heut« morgen aufs schärfst« gerügten Wahldemagogie, be­wundernswerten Gleichmut und großmütigen Gerechtigkeitssinn und der Selbstverleugnung vorübergehen, mit dem Sieger wie Besiegte westWens in der äußeren Haltung den delphischen Orakelspruch hingenommen und sich ihm unterworfen haben.

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und zuweilen nach beiden Seiten; oder der Weg überschreitet eine liefe Waldschlucht, oder die Berge weichen zu einem engen, tiefen, grünen Tal auseinander, das von einem murmelnden Sturzbach durchflossen wird. Stundenlang kreuzt feine Menschenseele den einsamen Pfad, es mutete mich, so sagt der vielgereiste Rudolf Lindau, wundersam an, als wanderte ich durch einen verzauberten Wald. Streng ist das Re­giment, unerbittlich die Klosterzucht, die auf den eigentlichen Begründer dieser Mönchsrepu- blik, Athanasios, zurückgeht. Kein Fleisch, kein Wein durste über die Lippen der Mönche kommen, mehr als ein Drittel der Tag« und Rachtstunden verbrachten sie im Gottes­haus, und während derGebetsnächte", die die zahllosen kirchlichen Feste einleiten, mußten sie sechzehn volle Stunden In den Klosterkirchen zubringen. Diese straffe Disziplin ließ die Mönchsgemeinschast aufblühen; kaiserliche Pri- vilegien wurden ihr gewährt, Pilger strömten aus allen Teilen der Welt nach dem Athos, Ruhm und auch Wohlstand mehrten sich mit der wachsenden Bedeutung, was nicht immer der alten Einfachheit förderlich war. Während der Glanzzeit trennten sich die alten Anachareterz

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SK w Prozent Aufschlag Druckes. SchlachtHofstratze 29/80. Geschäfts.

fttUe: Kölnische Sttatze 5, ae«nu6er der Soobrittatz«. Sernsorecher 051 und 852.

ofortigen Abbruch der Beziehungen mit Ruß- verlangt, fei aber dabei auf starken Wider- f»nb bet der gemüßigten Richtung gestoßen, !?'^^">berlatn, Lord Balfour, und die es verstand, Baldwm. auf ihre Seite zu bringen, was allerdings, tote man wissen will, nur durch ein« Rücktrittsdrohung Chamberlains^ W

Loudon, 21. Juni.

Wie ein Blatt berichtet, besteht Grund zu der Annahme, daß die stanzösische Besatzungsannee im Rhetnlaud erheblich verrin gert wird Alles in allem würden zwei Diviflon.n zurück-ie. zogen werden. Die verbleibenden Tr npen sollen unter Führung General Guillaumes zusammen­aufgefaßt werden, der seinen Sitz später m

hier ist heiliges Land, sagt die Legend«, nach der das Land von der Panagia, der heiligen Gottesmutter, betreten und damit für alle Zeiten geweiht worden ist. Man hält daher auch kein« Kübe, sondern führt die Milch in gefrorenem Zustand ein. Das sind Aeußerlichkeiten; überraschend wirtt hier die Bewahrung eines Urchristentums reinster Prägung; in den Zellen und Einsiedlerklausen leben noch fromme Mönche, die ihr Leben der Anschauung, der Betrachtung, der Andacht und der Demut geweiht haben. Die meisten Klöster liegen am Rande des blauen Aegeis; von dort, führen schmale Pfade in den zauberhaften, märchenhaften Athoswald, diese herr­liche Wildnis,deren Inneres durch dichte Dornsträucher ganz unzugänglich ist; Kastanien, Platanen, Eichen, Tannen und Zypressen,

Fichten und Buchen, alle mächtig, knorrig und dicht, umrankt von Efeu und Wein, bilden das grüne Meer; aus undurchdringlichem Gesträuch leuchten Rosen und Mytthen hervor; die Lust ist voll süßen Dustes und voll des Summens zahlloser Insekten und des Gesanges sorglos nisternder Vögel, und nun öffnet sich dem Wan­derer bald gegen Morgen, bald gegen Abend der Blick

auf daslautaufrauschende Meer"

Sine Ehe mit Ealllaux?

Poinrart nur als Stassagesigur.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 19. Juni.

Gestern fanden fich zahlreiche Polttiker und fast alle früheren Mitarbeiter Briands im Quai d'Orsay ein, so Painleve, de Monzie, Laval, Eynac, Franklin-Bouillon, Durand und Per­rier. Briand teilt« heut« der Presse mit, daß er bereits einen festumriffenen Finanzplan ans! gearbeitet habe und heute mittag fein Kabinett werd« vorftellen können. Die neue Regierung werde foviel Arbeit haben, daß an eine Ver­tagung vor Ende Juli nicht zu denken sei. Wie wir erfahren, will Briand tatsächlich E a i l l a u x das Finanzportefeuilles antragen, vorausgesetzt, daß Poinrare, auf dessen Mitar­beit Briand in erster Linie Wert legt, und für den das Justizministerium oder ein an­deres in Frage kommt, damit einverstau- de» ist. Mau rechnet allerdings sehr damit, daß tt.au k. der als Finanzminifter zugleich das Mmisterpräsidtum einnehmen möchte, Bri­ands Angebot ablehnen wird.

*

Sreuöe herrscht tu Trojas Hallen.

Paris, 21. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Im Senat tft die Niederlage Herriots mit einer Befriedigung ausgenommen worden, wahrend die neuerliche Berufung Briands, allgemein Beifall auslöst Man rech- net damit, daß das zehnte Kabinett Briand in terrzefter Zett zustande kommen wird.

Milliarden Goldmark in seinem Besitz. Das deutsche Budget ist im Gleichgewicht. Die öf­fentliche Schuld des Reiches ha; eine weitere 71rable^!Ln fahren. Dagegen steigt die öffent­liche Schuld der Länder und Gemeinden. Der Ausfuhrüberschuß beträgt 570 Millionen. Trott starker Zunahme der Arbeitslosigkeit ist die fi- nanzielle und Wirtschaftlage gesund geblieben.

Wle England uns belächelt.

London. 21. Juni. (Eigener Drahtbertcht.) Das Bolksentscheidsergebnis war heute morgen noch nicht bekannt. Ein Blatt tritt mit, d-tz die Bitterkeit des Kampfes der letzten Stunden bis ins Kindifckte st» ausgewachsen habe. Ein Blatt rechnet damit, daß das Ergebnis einen ungeheuren moralischen Einfluß haben werde.

Deutschlands gesund.

. sagt der Dawesplan voraus.

(Eigener Drahtbericht.)

PattS, 21. Juni.

AufdkmhklligenDerg

Am Ende der Mönchsrepublik.

Ein Gottrsftaat auf Erde«. I Der Todesstotz des Generals. I Wo man «ie eine Fran erblickt. I Selbst Tierweibche« geächtet. / Ei» verranberter Wald. I Hinter Kloftermauern verschollen. I Wo­von sie lebe».

Weithin sichtbar steigt jäh und steil aus den blauen Fluten des Aegäischen Meeres der Berg Athos zu gewaltiger Höhe; ein erhabenes Denk­mal der Natur, ehrwürdig durch eine Ver­gangenheit von Jahrtausenden, denen es stets als Heiligtum galt. Um das Jahr 880 n. Ehr« wurden die ersten christlichen Klöster gebaut; und in den Jahrhunderten, die seitdem ver­flossen sind, entwickelte sich, unberührt von den Kriegen und Stürmen, die über den Balkan dahinbrausten, ein eigentümliches Staatswesen, dem die Londoner Botschafterkonferenz im Jahre 1913 die Eigenstaatlichkeit, den Charakter einer Republik unter griechischer Oberhoheit verlieh, lieber die Täler und Schluchten der Landzunge erstreckt sich dieses Miniaturreich; zwanzig Klöster, zwölf Dörfer, 250 Zellen und 150 Einsiedeleien mit fast acht­tausend Mönchen sind der Regierung, der hei­ligen Synode von Karyäs untertan. Außerhalb der Klöster leben die Mönche noch in Gruppen zu vier oder fünf in den Häusern der Dörfer oder Skiten, wo eine noch straffere Zucht herrscht als in den Klöstern selbst. General P a n g a l o S hat diesem Staatsideal durch sein neuestes Dekret ein Ende gemacht. Er hat die Verfassung der Republik aufgehoben; was er damit bezweckt, ist noch nicht bekannt geworden, und ob es ihm gelingt, eine in langen Jahr­hunderten langsam gewachsene Mönchesgemein- schaft aufzulösen, steht noch dahin. Zum min­desten hat die Mönchsrepublik auf dem AthoS ihren Seltenheitswert, ja, man kann sagen, daß sie das einzigattigste Staatsgebilde der Welt überhaupt ist und damit eine Bedeutung hat, die zu ihrer Ausdehnung in umgekehrtem Ver­hältnis steht. Sie kennt keine anderen Staats­bürger als Mönche und Diener; sie duldet kein Weib in ihrem Bereich, und selbst ein weibliches Tier findet den Zugang gesperrt« Denn

So Schwindel unfer Geld.

Was der Dawesplan verschlingt'.

(Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 28. Juni.

Dem Reparationsagenten standen am Ende deS ersten Rcvarationsjahres, wie sein Bericht weiter sagt, 92^2 Millionen Goldmark zur Ver­fügung, wovon Ende Mai «in Bärbestand von 89,8 Millionen Goldmark übrig blieb. Bon den bewirkten Leistungen entfallen auf Frank­reich 461,7 Millionen, darunter 51 für die und 202 Millionen auf «ohleulieferungen und auf England 166,3 Millionen, vovon 15,5 für Besatzunas­truppen, auf Italien 65 Millionen, darunter 47,9 für Sohlenlieferungen und auf Belgien 98,5 mionen, barunter 8 für Besatznngskostn und 46 für Kohtenlieferungen. Für Sachlieserungen werden 486 Millionen ausgewiefen. lieber tragungen in fremde Währungen wurden im Betrage von 262,8 Millionen vorgenommen.

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In Paris hat man nun glücklich nach einem verzweifelten Versuch Herriots, ein Konzentra- und als daS nicht gelang ein reines LinkSkahintt t aus dem spröden Parla­mentsmarmor herauszuhauen. wieder auf den verhätschelten Volksliebling Briand zurückge­griffen. Herriot wollte seinen über alles ge­liebten. Präsiden tenseffel in der Kammer nicht dem falschen Glanz einer kurzlebigen Präsident­schaft opfern und zog sich resigniert und.. auf­atmend zurück. An Briand, der von seiner eigenen Tüchtigkeit zum mindesten ebenso über­zeugt ist wie seine Anhänger wird es nun sein, rm Verein mit Caillanr (den robusten Bramar­bas und Eisenfresser Poiucare hat man als Reklamefigur für den Frank auf einen Neben­kosten abgeschoben) dem schwindsüchtigen Frank neues Leben einmblasen, wobei er nebenbei natürlich die Fäden der Außenpolitik weiter in flinken feinnervigen Händen behalten wird.

Denn keiner versteht so gut wie er, Völker­bundfreunde und Gegner am Gängelband der Pariser Drahtzieher zu leiten, keinem bat Frankreich in der Tat seit den Tagen Clemen- ceaus (Poincarö selbst wird vom eigenen Volke »ehr gefürchtet als verehtt) mehr zu danken als diesem Allerweltskerl und Meistrrredner Aristide. Wir Deutsche haben freilich keinen Grund, Briand zu loben, denn er ha« sich bei den verschiedensten Gelegnheiten uns gegenüber nicht gerade als Gentleman gezeigt und fein Verhalten in Locarno hinter dem Rücken un­serer Vertreter war alles andere wie fair. Im­merhin ist er aber voch nicht ein solcher Hetzer wie Poincarö, dessen Ziel nur darauf gerichtet ist Deutschland zu schädigen und in seinem jetzi­gen Tiefstand niederzuhalten. So wird also die .Sonn« von Locarno«« in Europa doch nicht völlig unteroehen und auch der Völkerbund darf wieder Hoffnung schöpfen. F. R.

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Siu® Frankreich macht flch Svroen.

Paris. 21. Juni. (Eigene Drahtm ldung.) Ein Blatt macht die für den Fürstenent­eignung abgegebenen Stimmen zu einem Gradmcffer der republikanischen und mo­narchistischen Gestaltung. Ein anderes Blatt ist der Ansicht, daß die Stimmenzahl der Rechten dafür verantwortlich fei, daß der Plan der Für- stenenteignnng Schiffbruch gelitten habe.

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Ss wackelt überall. i

Selbst England in Krisenschauern.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 21. Juni. !

Für die Freitagsdebatte im Unterhaufe über 1 die russischen Geldsendungen für die Bergarbei- 1 ter flefct man Schwierigkeiten für Baldwin vor­aus, da die Konfervaiiven und lelbst die Re­gierung in biefer Frage untereinander uneinig feien. Eine Gruppe u. a. Churchill habe den