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Kasseler Abendzeitung

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Nummer 133. Amtliches Organ der Stadt Kassel Donnerstag. 10. Juni 1926 Amtliches Organ der Stadt Kaffel 16. JahrMNg

Ein nationales Kabinett unter Brianö?

Irrlichter der Volltik.

Was geht in Genf und Paris vor?

Die Lage in Genf hat sich sofort bei dem Zusammentritt des Völkerbundsrats zu seiner vierzigsten Tagung wieder bedenklich zugesoitzk. Die Ovtimisten, die glaubten, daß die Ratssttz- frage durch die Studrenkommisston bereits völ- lig erledigt worden sei, sehen sich getäuscht. Spanien und Brasilien sino durchaus nicht gewillt, sich mit den Vorschlägen der Stu- dienkommrsston abzufinden und es scheint iast, als ob sie eS auf einen Austritt auS dem Völkerbund ankommen lassen wollen. Der bra­silianische Vertreter hatte eS vorgestern vorge- zogen, der Tagung überhaupt sernzubleibcn. Die Nachrichten, daß Brasilien den Beschluß gefaßt habe, aus dem Völkerbund auSzuscheiden und bereits an der im September ftatftindenden Vülkerbundsversammlung nicht mehr teilzuneh­men, habe bislang eine Bestätigung noch nicht erfahren, scheinen sogar nach den heutigen Mor» gendepeschen «ine verfrühte Kombination der brasilianischen Blätter zu sein. Doch zeigt schon das Auftauchen dieser Meldungen, wie kritisch die Situation sich in Genf gestaltet hat. Cham- berlain und Briand sind allerdings noch am Werke, um auf die spanische und brasilianische Regierung einen Druck auszuüben in der Rich­tung, daß beide Staaten im Bunde Verbleiben. Ob diese Bemühungen zum Ziel führen werden läßt sich im Augenblick noch nicht übersehen. Bemerkt sei, daß auch England versucht, auf finanziellem Gebiete auf Brasilien zu drücken, um so di« brasilianische Regierung gefügig zu machen.

Die Dinge liegen also heute noch ähnlich schwierig, wie seinerzeit bei der Märztagung deS Völkerbunde», auch jetzt handelt ei sich weniger um »in Vorgehen gegen Deutschland, sondern um eine Krise im Völkerbund Die spanische und brasilianische Regierung kämp. fen also nicht etwa gegen den Eintritt Deutsch­lands in den Bund, sondern sie kämpfen ledig­lich für das von ihnen erstrebte Ziel . meS siän- Ligen Ratssitzes. Deutschland kann in diesen Streit in keiner Weise eingreifen, -s mutz dir weitere Entwicklung abwarten und, w-e ein Stresemann nahestehendes Blatt sagt, ruhig prüfen, ob der Völkerbund in der Lage sein wird, diejenigen Voraussetzungen zu schaffen, die dem deutschen Reiche zu gegebener Zeit be> seinem etwaigen Eintritt zu gewährleisten sind/

Die Lage wird nun auch weiterhin nicht ge­rade dadurch erleichtert, datz Ungarn unter der Finanzkontrolle bleiben soll. Aus ungariicher Seite betont man mit großem Rach- druck, datz der Haushalt Ungarns in Ordnung sei, und daß kein Anlaß zur Aufrechterhaltung der Finanzkontrolle besteh«. Tatsächlich dürsten auch sehr viel weniger finanzielle Ueberlegungen zur Aufrechterhaltung der Kontrolle führen, als vielmehr politische Beweggründe. Der Antrag Briands auf Schaffung einer internationalen Konvention gegen Banknotenfälschungen richtet sich ja klar und unmißverständlich, auch wenn der Name Ungarn darin überhaupt nicht erwähnt wird,gegen die Budapester Regierung.

Allzu lange Zeit zur Erreichung eines Kom- promtstes wird man in Genf kaum haben, da Briand den Wunsch zu haben scheint, mög­lichst schnell nach Paris zurückzukehren. Trotz der Bankenintervention, die schon dreißig bis vierzig Millionen Dollar verschlungen hat, lfi der Frank erneut ins Rutschen glommen und es ist begreiflich, datz in der französischen Oeffentlichkett starke Beunruhigung herrscht. Dabei fehlt es zunächst noch imer an einem Sa- nierungSplan. der in etwa drei Wochen vorgr- legt werden soll, inzwischen sucht man mit allerlei kleinen Mittelchen, wie Beschränkung der Einfuhr, fleischlosen Tagen usw., die sich schon in Deutschland als absolut unzweckmäßige Mit­tel erwiesen haben, auf den Frankenkurs einza- wiiken. Ja, eS tauchen neuerdings wieder Ge­rüchte auf, nach denen eine Umbildung der Regierung unmittelbar bevorstehen soll Man wünscht eine Erweiterung des Kabi­netts nach recht», die auf die Weife vor- genommen werden soll, das Briand an der Spitze der Regierung bleibt, daß aber politische Persönlichkeiten der Rechten als Minister ohne Portefeuille hinzugezogen werden sollen. Ans diese Weise soll besonders für Mitglieder der neuen Rechtsmajorität Platz geschaffen werden Auf jeden Fall ist die Lage in Paris für die Regierung wieder einmal reckt kritisch geworden Inwieweit die Pariser Krise die Krise in Gens beeinfluflen und zu beschleunigten Entschlüssen aus der Tagung des Völkerbund- rats führen wird, ist eine Frage auf die die allernächsten Tage Antwort geben müsten.

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Ungarn bleibt unter Doemunvstbafi

Budapest, 9. Juni. (Eigener Drahtbericht» Die Genfer Nachrichten über den Beschluß des

Ungarn-Komitees des Völkerbundes, die nnga- rische Kontrolle zu verlängern, werden von den Blättern im allgemeinen ruhig beurteilt. Nur ein oppositionelles Blatt verlangt den Rücktritt der Gesamtregierung.

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Ä?ln Erbarmen für «gr en

Berlin 9. Juni. (Privattelegramm.) DaS Hilfskomitee für Syrien in Genf läßt erklären, daß bisher achtzchntausend Drusen von den Franzosen getötet oder vertrieben worden sind, ohne daß der Völkerbund die Vertreter der Syrier anhöre. Die Weltkriegsgrcuel verblassen vor den Grausamkeiten in Syrien.

KabwettsrlkcNrttt in Varls?

Rationale Einigung für die Frankrettung.

(Eigener Drahtvenchi.)

Paris, 9. Juni.

Die Havasagentur berichtet, daß heute im Ministerrat Finanzminister Peret die Bildung eines Ministeriums der nationalen Ein­heit Vorschlägen werde. Ein derartiges Mi­nisterium, das sich auf eine große Mehrheit stütze, könne leicht den Finanzierungs. plan verabschieden. Wen« man dem Plane zu- stimme, dürste notwendigerweise die Gesamt, demission des Kabinetts erfolgen, da­mit Briand das neue erweiterte Ministerium bilden könne. Anderenfalls müßte man die Frage stellen, ob der Finanzminister bei seiner Absicht, das Finanzporiestuille unter diesen Umstände» abzugeben, beharren wxrde. Gestern nachmit­tag wurde bereits das Gerücht von der bevor­stehenden Drmisston Raoul PeretS verbreitet. Im Finanzministerium erklärte man das Ge­rücht vorläufig für unbegründet.

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Die Abgeordneten kommen nicht au«.

Paris, S. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Als ein Kommunist gestern in der Kammer Verta­gung der Diskussion über die Abgeordneten-Di- äten beantragte, wurde von der Tribüne aus gerufen: .Die Arbeiter verlangen, datz sie in die Ferien gehen!* Der Rufer wurde aus dem Saal gewiesen. Der DertagungSantrag wurde schließ­lich abgelehnt. Ein Demokrat brachte einen Ge­genantrag ein, der vom 1. Juni 1926 an die Aufwandsentschädigung um fünftausend Fran­ken und für jede? Kind um dreitausend Franken erhöht. Die Kammer vertagte sich, um darüber in den Fraktionen zu beraten.

* Wie Frankreich sparen will.

Paris, 9. Juni. (Eigener Drahtbericht. Der neugebildete Kammerausschuß hat gestern eine Reihe von Vorschlägen fertiggestellt, die eine wirksame Einschränkung der Staatsausgaben und eine Reibe von Maßnahmen zur Verringe­rung der Einfuhr sowie eine Verkürzung d«S Weges vom Erzeuger zum Verbraucher vorsehen.

Allee wie vorher.

Rur zwei neue Minister in Polen.

(Eigener Drahtbericht.)

Warschau, 9. Juni.

Das neugebildete Kabinett zeigt im wesentli­chen dieselbe Zusammensetzung wie das alte; nur daS Handels- und das Finanzministerium wur­den neu besetzt. Dr. Kwiatkowski, Di­rektor der Cborrower Stickstoffwerke, wurde das Handelsministerium und dem früheren Finanz­minister Älatnet (Kabinett Grabski) da» Fi­nanzministerium übertragen.

Geht Brasilien oder nitit ?

ES wird dunkler und dunkler in Genf.

(Eigene Drahtmeldung.)

Genf, 9. Juni.

Die durch das als eine Demonstration ge- wertete Fernbleiben Mello FrancoS vom VölkerbundSrat entstandene Lage ist noch ungeklärt, der bevorstehende Austritt Brasiliens aus dem Völkerbund noch nicht amtlich be­stätigt. Mit einer gewissen Beherrlichkeit gingen gestern unkontrollierbare Gerüchte um, wonach Mello Franco heute im Völkerbundsrat erschei­nen und eine Erklärung abgeben würde. In diesem Zusammenhänge wird auch darauf verwiesen, daß Brasilien im BolkswirtschaftS- komitee und ferner im RatSkomitee für Minder- beitSfragen in den letzten Tagen vertreten war.

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llnv waa Wirt» !M Herbst r

London, 9. Juni. (Eigene Drahtmeloung., Ein Genfer Berichterstatter erfährt, daß di« für

den 28. 6. festgesetzte Tagung des Ausschusses für die Zuasmmensetzung des Bölkrrbundsraies verschoben worden ist und datz 'ine außer­ordentliche Ttgung des Bölkerbundsrates vor der Zusammenkunft der Versammlung im Sep­tember zur Behantckung der Frage eiicherufen wird. ES ist also bisher keine Vereinbarung mit Spanien unp Brasilien bezüglich der Zusam­mensetzung des BölkerbundSrats erzielt worden.

Segen den Fürfimbrief.

Eine Somnmnistenattacke im Reichstag.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 9. Juni.

Die Kommunisten haben im Reichstag eine Interpellation eingebracht, in dem eS unter Hin­weis auf den Brief des Reichspräsidenten an den Minister a. D. von Loebell über den Volksentscheid u. a. heißt. Die ReichSregiernng hat bereits unter Luther auf Veranlassung von Hindenburg in der Duellfrage und bei der Flag­genverordnung verfassungswidrig gehandelt. Auch jetzt deckt die Regierung Marx den neuen Berfassungsbrnch Hindenburgs gegen den Volks­entscheid. Ist die Reichsregierung bereit, ihr Verhakten vor dem Reichstage zu verantworten.

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Schwelgen ist cvolv.

Berlin, 9. Juni. Wie die Blätter mitteilen, steht das Reichskabinett auf dem Standpunkt, daß eS sick bei dem Hindenburgbrief um «me Pr-vathandlung des Reichspräsidenten han­dele, und datz die Reichsregierung deshalb kei­nen Grund habe, dazu Stellung zu nehmen.

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England fflr Hindenburg.

Ein Echo zum Fürstenbrief.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 9. Juni.

Die Presseberichte über den Brief Hinden­burgs rühmen durchweg die ehrliche und gerade Art des Reichspräsidenten. Sie verurteilen aber die Art der Veröffentlichung des Briefes. Ein Blatt sagt direkt, daß ein Rücktritt Hindenburgs ein Verlust für ganz Europa bedeuten würde. Der Reichspräsident habe sich zum Sinnbild deutscher Einigkeit in der krittschsten Periode deS deutschen Reiches gemacht und durch ihn sei der deutsche Wiederaufbau gekommen.

Die $anbtoirtf(Datt al« Sorgenkind.

Berlin, 9. Juni. (Privattelegramm.) Die Präsidenten des Reichslandbundes Graf Kalk­reuth und Hepp hatten gestern eine längere Utu terredung mit dem Reichskanzler in Gegenwart deS Ernährungsministers, in der sie Maßnah­men zur Aufhebung der Notlage der Landwirt­schaft vorschlugen. Der Reichskanzler sagte schleunige Abhilfe der Notstände zu.

Stur feine deu fchen Warm!

Wie sie sich drüben abschließen.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 9. Juni.

Im Unterhaus wurde von der Arbeiterpar­tei die Streichung der letzthin beschlossenen Er­höhung der Einfuhrabgabe für op­tische Glaswaren usw. beantragt. Der Han- dclspräfident bestritt, daß die Erhöhung dem Geist d«S Handelsvertrages mit Deutschland widerspreche, indem er sagte, den Deutschen feien von Großbritannien die zum Schutze seiner Industrie geplanten Maßnahmen klargemacht worden. Auf eine Anfrage erwiderte er, wenn auf Grund der amerikanischen Zoll- a u f sch l ä g e für Stahl und Eisen aus Deutsch­land letzteres diese Produtte in England unter dem Herstellungspreis anbieten würde, dann stehe den britischen Interessenten frei, beim Handelsamt unter Hinweis auf die Jnduftrie» schutzakte vorstellig zu werden.

Sine langwelligeGesellfchaft.

Wann kommt eS zur Weltwirtschastskonferenz?

(Eigene Drahtmeldung.)

Gens, 9. Juni.

DaS Ratskomitee hat gestern nachmittag den Bericht deS DorbereitungSauSschnffes für die Weltwirtschaftskonferenz gebilligt. T h e u n i S- Brlgien wurde zum Präsidenten ernannt. Die Aufgaben des Ausschusses wurden vom Rats­komitee dahin umschrieben, daß im gegebenen Falle langwierige Fragen aus dem ArbeitSpro- gramm auSfcheiden können. Der Zeitpunkt der nächsten Tagung des Ausschusses, dem bis dahin bereits das nötige Material vorliegen soll, wird vom Präsidenten noch bestimmt werden.

Schafft Arbeit!

Auch der Verbraucher kann mithelfen.

Roch baden webet Gelehrte noch Wirtschaft!« ein probates Mittel gegen das fdiletdbenbe Gift der Arbeitslosigkeit gesunden. E i n Mittel ab« gibt es, so schreibt du "Heüuatdienft", um de» liebel wenigstens etwas zu steuern. Dazu braucht es aber vor alle« der Maste der Berg brauchet? Last, des einzelnen 8 a n f e r 8, an bie sich die solgenden Betrachtungen in erst« Linie wenden.

Gewiß können wir ohne Einfuhr, namentlich von Rohstoffen, nicht leben. Ueber die deutschen Grenzen fluten in unablässigem Strom auch Fertigwaren fremder Herkunft, die im Jn- lande mit heimischen Erzeugnissen konkurrieren. Und dieser erbitterte Kampf zwischen ausländi­schen und deutschen Waren um den deutschen Absatzmarkt hat im Laufe der letzten Jah­re derart scharfe Formen angenommen, daß schwere und nicht länger zu unterschätzend« Ge« sahrcn für die deutsche Wirtschaft und die VolkS- gesamtheit heraufbeschworen wurden. Und daß diese Gefahren so ernst und bedrohlich geworden sind, daran tragen zum großen Teil die

heimischen Konsumenten selbst Schuld.

Dem deutschen Verbraucher, der einen Laden betritt, um irgend einen Bedarfsgegenstand zu erwerben, werden vom Kaufmann in der Mehr­zahl der Fälle gleichzeitig deutsche und auslän­dische Waren zur Auswahl vorgelegt. Kauft er ein Messer, bann wird man ihm häufig deutsche und englische Fabrikate vorlegen, verlangt er Seife odep ander« kosmetische Artikel, so hat er die Wahl zwischen deutschen und französischen Erzeugnissen; kaust er Stosse, so wird man viel­fach deutsche und englische zur Auswahl stellen, und wünscht er gar ein Automobil zu erwer­ben, so werden ihm neben deutschen Marken ganz gewiß ausländische, besonders amerikani­sche, vorgefübrt werden. Und hier beginnt die wichtige, bislang arg vernachlässigte Aufgabe deS Verbrauchers: Bei jedem Einkauf unvoreingenommen ausländische und deutsche Waren zu prüfen, und bei Gleichwertigkeit und annähernd gleichen Preisen der deutschen Ware den Vorzug zu geben. Man vergesse doch nicht die Tatsache: auch die deutschen Arbeitgeber in Stadt und Land hängen bis zu einem gewissen Grade vom guten Willen der Verbraucher ab. Beide Wirtschastsgruppen, Landwirtschaft und Industrie, können mit noch so großem Nachdruck und mit noch so großer Berechtigung immer wieder darauf Hinweisen, daß ihre Erzeugnisse an Güte den ausländischen zum mindesten nicht nachstehen und obendrein zum Teil wohlfeiler sind sobald

wir Verbraucher uns nicht bekehren und dementsprechend chandeln, d. h. unsere Käu­fe vorwiegend auf die heimischen Erzeug­nisse richten, kann allen diesen Bemühungen um Hebung des Absatzes deutscher Waren kein nachhaltiger Erfolg beschieden fein. So lange nicht der deutschen Verbraucher beim Einkauf von Waren, handle es sich nun um Stoffe, Au­tomobile, kosmetische Artikel, Weine usw., sich für das deutsche Erzeugnis entscheidet, so lange werden wir nicht dahin kommen, von innen her­aus den heimischen Markt zu beleben und die Wirtschaft gesunden zu lassen. Die nach Mil­lionen zählende deutsche Verbraucherschaft ist ein gewichtiger Faktor, ohne dessen kräftig« Mithilfe eine Ucberwindung der Wirtschaftskrise, eine Verringerung des großen Heeres der ArbeitS- losen nicht erreicht werden kann. Ob es sich um einen Kraftwagen oder um einen Blumen­kohlkopf handelt, bleibt sich in den letzten volks­wirtschaftlichen Auswirkungen gleich. Da ist, um em Beispiel anzuführen, ein so kleines,

anspruchsloses Ding wie eine Rasierklinge.

Dieser in so großen Mengen und täglich ge­brauchte Gegenstand wird aber nicht allein bei unS hergestellt, das Ausland produziert viel- mehr ebenfalls Rasierklingen in großen Mengen und führt sie nach Deutschland ein, und zwar in folchem Umfange, daß eine blühende deutsche Industrie, die einem Heer von Arbeitern Be- schästigung bietet, allmählich zum Erliegen kommt. Und das ist eine Folge der Tatsache, daß der deutsche Verbraucher nur allzu ost nicht unvoreingenommen die Ware prüft, sondern daS ausländisch« Erzeugnis, -gerade weil es den Stempel fremder Herkunft trägt, kaust, obschon die frühere Ueberlegenheit des amerikanischen Produktes durch die deutsche Technik längst auS« eglichen ist. Das bekannte feindselige»Made in Germany" der Engländer wurde bekanntlich zu einem Ehrenzeichen für die deutsche Ware. War es doch für den Käufer ein untrügliches Kenn­zeichen guter Qualität. Nur bei uns, im eige­nen Lande, galt und gilt auch jetzt noch vielfach das Erzeugnis deutschen GewerbeflelßeS zu we­nig. Wir laufen z. B. ausländischen Wetzen