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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Nummer 128. Amtliches Organ der Stadl Kaffe!

Freitag, 4. Juni 1926

Amtliches Organ der Stadt Kaffe! 16. ZayrgtMg

Grollende Gewitter über Aegypten.

Deutschland in der Senser Abrüftungsschlacht zweimal geschlagen.

Der 20. Suni.

Zwischen den Parteien. Ausblicke.

Aus der Presse aller Parteien ergibt sich, daß, je näher der Tag des Volksentscheides heranrückt, der Streit über Beteiligung oder Richtbeteiligung und über das Absindungspro- blem selber von neuem auflebt. In der Presse der Rechtsparteien finden sich jeden Tag längere oder kürzere Hinweise, daß man im Volksent­scheid semzubleiben habe und die Zeitungen der Linken bemühen sich klarzulegen, warum alles daran gesetzt werden müsse, daß die zwan­zig Millionen Stimmen erreicht werden. Be­dingungslos und ohne jeden Vorbehalt halten dieses Resultat allerdings nur die Kommunisten für erreichbar, unmittelbar rechts von ihnen be­ginnt bereits der Zweifel an einem Erfolg oes Volksentscheides. Das besondere Interesse der Gegner des Volksentscheides findet nebenbei ge­sagt die Diskussion sowohl innerhalb der detno- kratischen Partei wie innerhalb des Zentrums. In diesen beiden Lagern lassen sich immer wie­der Stimmen vernehmen, die für ein« Teil­nahme an der Abstimmung des 20. Juni plä­dieren. während von den beiden Parteileitun­gen bekanntlich ein ablehnender Standpunkt vertreten worden ist. Für die Demokraten hat in diesem Zusammenhang soeben der demokra- tische Führer Erkelenz die Forderung auf­gestellt, daß jeder demokratische Wähler zur Ab­stimmung gehen muffe, unbeschadet seiner Ent­scheidung. ob er mit ja oder nein stimme. Tas Motiv des Abgeordneten Erkelenz ist dabei die Erwägung, daß auch Gegner der Enteignung am 20. Juni im AbstimmungSlokal erscheinen müßten. Wenn das nicht geschehe, dann würde auf dem Lande jeder, der )ur Abstimmung geh^ von vornherein als Anhänger der Enteig­nung dem gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Boykott überantwortet, den man besonder- von deutschnationaler und völkischer Seite be­fürchtet.

Inzwischen ist der Gesetzentwurf der Reichs- regierung, der das Mittel zu einer Verstän­digung zwischen Regierung und Parteien über eine Kompromißlösung geben soll, nunmehr dem Reichstag zugegangen, der am 7. Juni wie­der zusammentritt.' Es wird sich dann zu zei­gen haben, welche parlamentarischen Aussichten der Regierungsentwurf hat. Für die Lebhaftig­keit, mit der gegenwärtig die Abfindnngsdebatte schon wieder geführt wird, zeugt im übrigen dir stürmische Auseinandersetzung, die der preußische Finanzminister Höpker- Aschaff gestern Mil der äußersten Rechtender preußischen Landtags gehabt hat. Höpker- Aschoff genießt bei den Deutschnationa­len das Gegenteil von Sympathie, seitdem die preußische Regierung die Durchführung des mit dem Hohenzollernhause ausgefertigten Verglei­cher vertagte, weil inzwischen die Regelung durch das Reich in Aussickft gestellt wurde. Die Deutschnätionalen werfen Dr. Höpker-Aschoff vor, daß er an diesen Vergleich gebunden ge­wesen wäre und einen Wortbruch begangen hätte. Auf einen heftigen Frontalangriff von deutfchnationaler Seite antwortete der Minister nicht minder entschieden und so kam es zu recht turbulenten Szenen Zur Begründung der Haltung seiner Regierung bezog sich Höv- ker-Aschoff im übrigen auf Friedrich den Großen und auf das alte preußische Land­recht. wonach das gesamte unbewegliche Ver­mögen Eigentum des Staates sei und dem je­weils regierenden Könige nur zur Erfüllung feiner Repräsentationspslicht ein Nutzungsrecht auf gewisse Teile dieses Vermögens zustehe. Der Minister selbst bekannte sich zu der Auf­fassung, daß er eine andere Losung dem Volksentscheid oorgezogen haben würde, daß man andererseits aber auch nicht ohne weiteres sagen könne, das Votum des Volkes beim Volksentscheid fei Raub. Auch diese Minister- tebe ist im Rahmen der ganzen Volksabstim­mung für und gegen die Abstimmung vom 20. Juni von gewisser Bedeutung.

Es wurde jedoch bereits darauf hingewiescn. daß die Ueberzeucnmg von einem Erfolg des Volksentscheides nicht gerade weit verbreitet -st Damit beantwortet sich zu einem Teil auch schon die weitere Frage, ob der eingangs erwähnte Gesetzentwurf der Reichsregierung Aussicht auf eine Mehrheit hat oder nicht Auch hier herrscht weitgehende Uebereinstimmung dahin­gehend daß große Aussichten in dieser Richtung nicht bestehen Weder die Sozialdemokra­ten noch die Deutsche Volkspartei dürsten eine unwiderstehliche Neigung emvff-chen, vor dem 20 Juni den Kompromißweg zu beschreit-n tierzu wird man dann übrigens auch noch nie atsoch« zu verzeichnen haben daß vom Zen­trum soeben wieder in präganter Form ge­

äußert wurde, wie immer auch das Ergebnis ves Volksentscheides sein möge: er müsse die Tür zur großen Koalition öffnen. Daraus wiederum hat man die Gewißheit zu entnehmen, daß her jetzt dem Reichstag zuge­gangene Regierungsentwurf, wenn er schon nicht mehr vor dem Volksentscheid zur Basis von Verständigungsverhandlungen gemocht wird, so doch sicherlich nach dem 20. Juni. Und vielleicht ist das das einzige wichtige Er­gebnis der neu entfachten Abfindungsdebatte, und der Punkt, von dem man aus die Entwick­lung zu betrachten unv zu beurteilen haben wird, wenn nach Wiederbeginn der Reichstags- sitzungen der Abfindungsentwurf der Regierung in Behandlung genommen wird.

Die SaypMche Gvkinx.

Mordgespenster. Bor neuen Unruhen?

(Eigener Drahtbericht.)

Kairo, 3. Juni.

Wie verlautet, ist her Präsident des Ge­richtshofes, der die sieben im Zusammenhang mit de« Ermordung des Sirdar ange- llagten Aegypter abgeurteilt hat, von seinem Posten zurückgetreteu, weil er daS Urteil für ein schweres Fehlurteil hält.

London, 3. Juni. (Reutertelegramm.) Die britische Regierung behält sich in einer Rote an Aegypten alle erforderlichen Schritte zur Ge­währleistung der Sicherheit der Frem­den in Aegypten vor.

Malta, 3. Juni. (Kabettelegraimm.) Ein bri­tisches Schlachtschiff ist nach Aegypten ausge­laufen. Mehrere andere fallen sich zur sofortigen Ausfahrt nach dem Mittelmeer bereit halten.

* * *

Aufziehenoe Gewi ter

Gefährliche Mauäver in Aegypten.

Berlin, 3. Juni.

Man meldet au6 Kairo: Die hier eingegangene englische Rote hat große Erregung in allen Par­teien auSgeläst. Die Engländer landen in Alexandrien Truppen aus Malta, die nach all­gemeiner Auffassung zum Schutze der Ausländer nach Aegypten gefommen sind. Die Bahn­linie nach dem Sudan ist bereits von den Engländern besetzt. In Kairo finden allabendlich Demonstrationen der Aegypter statt. Man glaubt allgemein, daß man vor ernsten Ereignissen in Aegypten steht.

* * *

Unter Englands Loch.

Wird Aegypten die Bormundschaft dulden?

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 3. Juni.

Ein Berichterstatter in Kairo meldet, der Ernst der Krisis nehme eher zu als ab. Der britische Oberkommissar Lord Lloyd habe Zaglul Pascha, wenn er Minister prä- fibent werde, folgende vier Bedingungen ge­stellt: 1. Ernennung eines britischen Ratgebers für den Innenminister, 2. Zustimmung des OberkommiffarS bei dessen Wahl, 3. Ernennung von drei brittschen GerichtSratgebern, 4. die Fra­gen des Sudan und der Oase von Dscherra- bab müßten als erledigt gelten. Ein Blatt er­klärt: Großbritannien könne keinesfalls datz teuer erkaufte Recht, die auswärtige Politik Aegyptens zu kontrollieren, preisgeben. Wenn Zaglul Pascha seine Tätigkeit auf die innere Gesetzgebung beschränke, brauche er keine Einmischung Englands zu befürchten.

Snb ich ein richt!

Einigung der Zechenbesitzer mit den Arbeitern? (Eigener Drahtbericht.)

London, 3. Juni.

Ein parlamentarischer Korrespondent meldet, daß der erwartete Schritt zur Regelung o-s KohlenftreiteS unmittelbar bevorzufteheu scheine. Die Zechenbesitzer wollen angeblich die Bergarbeitervertreter zu einer Konferenz einladen. Das Brbeiterblatt erklärt dagegen, daß die Stockung in den Verhandlungen anbauere. Die Bergleute widersetzten sich nach wie vor einer Herabsetzung der Löhne.

London, 3. Juni. (Eigener Drahtbericht) Laut Pressenotiz hat gestern Bergarbeiterselre- tär Cook den Premierminister aufgefordert, eine Regelung unter den alten Arbeits­

bedingungen zu erzwingen. Die Einzelhei­ten der Arbeitgebervorschläge sind nicht bekanm.

Wie wird abgerüstet?

Zwei deutsche Niederlagen in Genf. (Privat-Telegramm.)

Genf, 3. Juni.

Im Abrüstungsausschuß ist heute über nie Frage, ob die Reservemannschaften un­ter den Begriff der Friedensabrüstungen fallen sollen, an denen die spätere Abrüstung durchge­führt werden soll, mit einfacher Mehrheit im Sinne Frankreichs und gegen Deutschland dahin entschieden worden, daß die Reservemannschaf­ten nicht unter den Begriff der Friedens­rüstungen fallen, also von der späteren Ab­rüstung nicht betroffen werden sollen. Dagegen sollen die Mannschaften der Polizei und Gen­darmerie. die Zollbeamten und Förster, soweit sie für den Kriegsdienst herangezr/'n werden können und schließlich die Privatverbände, die im Gebrauch der Waffen ausbilden, gegen die Auffassung der deutschen Sachverständigen u v ter den Begriff der Friedensrüstungen fallen und also bei der späteren Abrüstung berücksich- tigt werden Die erste Frage wurde mit neun gegen vier Stimmen gegen Deutschland ent­schieden. in der zweiten betreffend die privaten Berbände blieb Deutschland allein.

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<£6amberiatn schon Wieser in Senf.

London, 3. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Sir Austen Chamberlain »irv am Sonnabend nach Genf abreifen, um an der 14. Tagung des BölkerbundsrateS teilzunehmen.

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Stn Lebensel'rirr für Cen Frank

Washington, 3. Juni. (Durch Funkspruch.) DaS Repräsentantenhaus hat das Schuldenrege­lungsabkommen mit Frankreich mit 236 gegen 111 Stimmen angenommen.

*

Amerika als Lustriefe.

Washington, 3. Juni. (Durch Funkspruck.,' Der Senat nahm den Gesetzentwurf an, der für das Ende einer Berfuchsperiode von fünf Jah­ren den Ban von achttausendeinhun­dert neuen Flugzeugen vorsteht.

Ist das Räumung?

Ein Engländer bestätigt den Skandal am Rhein. (Eigener Drahtbericht.)

London, 3. Juni.

Ein Korrespondent in Berlin kommt zu dem Ergebnis, daß die Zahl der belgischen Truppen im besetzten Gebiet höher sei als früher. Die Franzosen hätten ihre Truppenzahl noch nicht einmal so weit vermindert, wie es von England verlangt worden sei, sodaß die eng­lischen Truppen nicht einmal genügend, Platz hätten. Alles in allem seien etwa fielen« b i s achttausend Mann mehr im Rheinland als im September v. I., sodaß die Zahl von achtzigtausend von der deut­schen Regierung ziemlich richtig angegeben sei.

Opfer der Seit

Mit einer Million zahlungsunfähig. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 3. Juni.

Eine Millioneninsolvenz im Seidengroßhan­del wird heute gemeldet. Die über sechzig Jahre bestehende Seidenwaren-Großfirma Geschwister Michel, Berlin, befindet sich mit 1100 000 M Passiven in Zahlungsschwierigkeiten, die auf die Krise im Seidengroßhandel und die ungünstige Wirtschaftslage zurückzuführen sind. Man ist bemüht, einen Vergleich in Höhe von zwan­zig Prozent durchzubringen.

(Sin Fiasko im Often?

Vorläufig kein Locarno mit Moskau.

(Eigener Drahtbericht.)

Reval, 3. Juni.

Die Berhandlungen zwischen den baltischen Staaten und Sowjetrußland über den Abschluß eines Sicherheitsvertrages stocken. Wie nach der Rückkehr deS estländischen Außenministers auS Riga verlautet, ist die Antwort von Estland und Lettland auf die letzte russische Rote erst in etwa drei Monaten zu erwarten.

Auf dem vulverfaß.

Erlebnisse im Putschnest Warschau.

Von

Werner Schulz.

Unter Mitarbeiter hat die Sturwtage des Pil- fodskivuttches in Warschau cuiterlebt und mit Meisterhand die Gewitterfchwüje in der Poleo- metrovole und das »eidängnisvoke Los gezeich­net, das Polen im Rat der Völker zogewiesen ist. Es ist Ruhe in Warschau. Wenigstens heißt es so und vielleicht hat es auch bei flücht^em Hinschauen den Anschein. Aber ob diese je ein Dauerzustand fein wird, das ist und . ot fraglich. Der Putsch des Marschalls PilsuiM war siegreich, aber ein Erfolg war er nicht, denn er blieb ungenutzt. Geändert ist an der Lage Polens wenig oder garnichts. Die Dinge trei­ben weiter, wohin, das weiß niemand. Der Abgrund ist nahe, sehr nahe, es kann bald ein Erkennen geben, das unerbittlich ist. Seltsam ist es, wie man in dieser Stadt sorglos über die Geschehnisse hinweggeht. Vor Tagen noch war in den Straßen der Kampf der Truppen, dröhnten Tanks über das Pflaster, Panzer- automobile und Geschütze, heute ist das alles schon vergessen. Mit einer beispiellosen Schnel­ligkeit hat man Vers «cht. die Spuren der Kämpfe zu beseitigen, lieber Nacht wurden die zerschossenen Maste der Straßenbahnen wieder aufgestellt, die cheruntergeriffenen Drähre ge- spannt, die Barrikaden fortgeschafft, die aufge­wühlten Straßen und Plätze geebnet und der Verkehr lief weiter wie vordem. Nur die Häu­ser sprechen noch eindringliche Sprache von dem. was hier geschah. Die Mauern sind eingesprun- gen und der Bewurf ist berabgestürzt. Zer­sprungene Fensterscheiben sind überall. Kreis­rund gesplittert ist in den großen Scheiben der Geschäfte der Einschlag der Schüsse. In der Marszalkowska. der Hauptverkehrsstraße der Stadt, sind Häuser, gegen die

Hunderte von Kugel» geprasselt sind. Aus alle» Straßen, von allen Plätzen ist geschossen worden, ziellos, zwecklos, in irgend­eine beliebige Richtung hinein. Die Zahl der Toten dieser Kämpfe ist größer, als man glaubt. Man hat sie begraben, feierlich und mit Ehren. Es waren Frauen darunter, Greise und Kinder. Auf der Straße hatte der Tod sie auaefallen, in den Wohnungen und in den Kasfeestuben. wahllos, wo sie gerade waren. Im Gesandtschaftsviertel haben die Kugeln tüchtige Arbeit gemacht. Am stärksten beinahe hat die französische Botschaft gelitten. Es sind nicht viel Fenster darinnen, die ganz blieben. Heute laufen die Warschauer daran vorüber, als ob die ganze Sache sie nichts ange­gangen hätte. Nur die Bauersleute, die vom Lande hereinkommen in die Stadt mit schmutzi­ger Mütze oder buntem Kopftuch, stehen davor und lassen sich von blutjungen Soldaten die Geschichte dieser Tage erzählen . . . Manchmal geht durch die Straßen der Takt der Marsch­musik. Polnische Truppen ziehen in ihre Gar­nisonen. Es sind Pilsudskiabteilungen. die in Warschau kämpften. An Gewehren und Pa- tronentaschen stecken Blumen, Kastanienkerzen und dunkellila Flieder. Maschinengewehre rat­tern nebenher, Munitionswagen und Fourage- abteilungen poltern hinterdrein. In den Fen­stern sind Frauen und Mädchen, werfen Sträuße herab, Winken mit weißem Tuch. Mmiche Sol- datcn tragen einen Verband. Ununterbrochen dröhnt die Musik. Die kleinen, kaum zwölfjäh­rigen Trommelschläger müssen große Schritte machen. In kurzem Takt trabt das kleine Kosakenpferd vor dem Paukenwagen. Draußen :m alten Königsschloß von Milonow liegt noch immer starke Besatzung. Dort sind die Offi­ziere gefangen gesetzt, die sich auf die Seite der Witosregierung gestellt halten. Auf den Wiesen vor dem Sckloßportal liegen Sol­daten, schlafen oder raucken und spiäen Kar­ten. Manche haben ein Mädel im Kreis und singen halblaut irgendein Lied in einer frem­den langsam fließenden Melodie. In dem ur­alten Schloßpark brütet die Sonne, lieber moosumwucherte Steinstufen fällt der Weg zum Wasser hin ab.

Schneeball und weißer Flieder blüht und die Wege sind ganz voll Dust und Sonne. Die blinken Bilder der griechischen Geschichte an den Mauern des Schlosses sind ausgeblichen, die Uhr bat ausgehört zu schlagen, und etwas wie ein Gestorbensein ist über dem Schloß, da­vor Hunderten von Jahre» lachende Feste sah. Aus dem Fenster eines Wirtschaftsgebäudes weht die Genfer Flagge, das rote Kreuz. Ein Sanitätsauto steht davor. Offiziere im Stahl­helm und langem Schleppsäbel sitzen auf runder P-nkbank. In den Blüten bet Bäume summen