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Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Donnerstag, 3. Juni 1926
Nummer 127. Amtliches Organ der Stadt Kassel
Amtliches Organ der Stadt Kassel 16. Jahrgang
2800 Tote bei der Sintflut in Indien.
Kann Voten leben?
Sysiphnsarbcit für Moscicki.
Die polnische Nationalversammlung hat gestern auf Geheiß von Pilsudskis den Hochschullehrer und Fabrikdirektor Moscicki zum Staatspräsidenten gewählt. Sehr ruhmreich ist der Sieg Moscickis nicht, hat er doch nur sieben Stimmen über die absolute Mehrheit hinaus erhalten und bleibt er doch mit den 281 Stimmen, die er im zweiten Wahlgang auf sich vereinigen konnte, um elf Stimmen hinter der Zahl zurück, die Pilsudski am Tage vorher erreichte. Daß andererseits die Rechte die Dinge nicht aus die Spitze treiben wollte, geht daraus hervor, daß nach dem ersten Wahlgang, als die Wahl Mos- cickis gefährdet erschien, elf Abgeordnete der Rechten umfielen und im zweiten Wahlgang für Moscicki statt für den Kandidaten der Rechten Bninski eintraten. Der zweite Wahlgang wurde dadurch nötig, daß auch die Sozialdemokraten mit einem eigenen Kandidaten M a- r e k hervortraten, was zweifellos auf eine Verärgerung über die Haltung Pilsudskis und vor allem über die Ablehnung der aus ihn entfallenen Wahl zurückzufübren ist. Zweifellos bleibt auch in Zukunft die Macht bei Pilsudski und der jetzt gewählte Präsident Moscicki wird wohl “''am richtigsten als Strohmann PilsudS- k i s bezeichnet. Politisch ist der neue Mann ein unbeschriebenes Blatt. Er war früher Sozialist, ist aber seit etwa fünfzehn Jahren parteilos und parteipolitisch uninteressiert. Wenn er von der Linken gewählt wurde, so geschah das, weil er diesen Parteien als überzeugter Demokrat gilt. Daß Pilsudski ihn empfahl, dürste nicht zuletzt darauf zurückzuführen sein, daß Moscicki bei der Rechten nicht allzu großen Widerstand finden wird, da er als Vertreter des Unteruehmertnms und Kenner der wirtschaftlichen Bedürfnisse Garantien gegen einen radikalen Linkskurs in der Wirtschafts- und Sozialpolitik bietet. Der Kompromißkandidat soll nun die weit auseinandergehenden Meinungen, die Abgründe zwischen rechts und links überbrücken.
Ob dem neuen Mann das gelingen wird, ist eine Frage, die sich heute noch nicht beantworten läßt. Offenbar ist man auf beiden Seiten bemüht, eine erneute Zuspitzung der Lage zu vermeiden, aber eben so sicher dürste auch wohl sein, daß die Rechte nicht einfach kapitulieren und den Kampf gegen Pilsudski aufgeben wird. Schon die nächste Zeit muß in dieser Frage Klarheit schaffen. Bekanntlich soll durch ein Ermächtigungsgesetz dem Präsidenten sehr weitgehende Vollmachten erteilt werden. Das Parlament soll sich gewissermaßen s e l b st aus schalten, es soll auch seine eigene Auflösung beschließen, da nach der polnischen Verfassung aus andere Weise das Parlament nicht aufgelöst werden kann und es wird sich dann zeigen müssen, ob die gleiche Mehrheit, die jetzt für die Wahl Moscickis eingetreten ist, auch den Weg für die legale Diktatur frei machen wird, oder ob die Rechte dann eine stärkere Opposition betreiben wird. Zu verkennen ist auch keineswegs, daß mit der Wahl des Staatspräsidenten die Schwierigkeiten nicht überwunden sind. Wer Polen sanieren will, muß eine Reihe von strengen und außerordentlich unpopulären Maßnahmen durchführen und es ist die Frage, ob der neue Mann und ob selbst Pilsudskt, der durch seine Taktik des Zögerns bei den Linksparteien manche Sympathien ein» gebüßt hat hierzu in der Lage sein wird. Sicher ist. daß ohne eine ausländische Anleihe die polnischen Finanzen nicht saniert werden können, daß aber eine solch? Anleihe chne weitgehende Kontrolle der polnischen Finanzqeba- rung nicht zu erreichen ist Die eigentlichen Schwierigkeiten für die neuen Männer Polens beginnen also erst jetzt, nachdem der Staatsstreich Pilsudskis durch die Wahl des Staatspräsidenten endgültig legalisiert worden ist. Täglich? Mißbräuche bei zivilen und militärischen Behörden bis in die höchsten Stellungen hinauf. Untergrabung des Rechtsgefübles, mangelnde Staatsautorität, skrupellose Varleihsrr- schaft in einem übermächtigen Parlament, kurz die sprichwörtliche „polnische Wirt» schäft", wie sie sich in Jabrünnderten nicht geändert hat. führten auch dieses Polen auf den Weg deS Ruins Die Ministerien wurden letzt zu weitestgehenden Einschränkungen der Staats- auSoaben ausgefordert. Die Generale Rozwa- dowski, Zagorski und Jazwinski sind verbastel worden und sollen strafrechtlich für allerlei Schiebungen zur Verantwortung gezogen werden Notwendig ist weiter ein? weitschauende Wirtschaftspolitik. die Unterbindung der Valuia- schwankungen, der Abschluß von vernünftigen Handelsverträgen mit den an der polnischen Handelsbilanz wesentlich beteiligten Staaten, eine friedliche Außenpolitik und nicht zuletzt
eine bessere Behandlung der Minderheiten. Nur dann wird die große ausländische Ankurbelungsanleihe kommen, wird das neue Polen gesunden können. Wi'rd es die Kraft dazu ans- bringen, Jahrhundertelange Erfahrungen de: polnischn Psyche mögen skeptisch stimmen. Ueber- lasscn wir es darum der Zukunft, nach welcher Seite sich die Alternative: Konsolidierung oder neue Teilung entscheiden wird.
Wie am fü gten Tag.
Als das Dorf im Fluß ertrank.
(Eigene Drahtmeldung.)
Rangon, 2. Juni.
Nach amtlichen Feststellungen beträgt die Zahl der Toten bei der kürzlich gemeldeten Sturmkatastrophe in Birma ; w e i t a » : sendachthundert Personen. Die Größe des Unglücks ist darauf zurückzuführen, daß ein ganzes Dorf durch das plötzliche Hochwasser eines benachbarten Flusses überschwemmt wurde. Die wirtschaftlichen Schäden sind ungeheuer. Tie Bevölkerung wurde von einer Panik ergriffen.
Wieder fest im Gatter.
Briands großer Erfolg.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 2. Juni.
In der gestrigen Kammersitzung wurde trotz des Widerspruchs Briands über die Diskussion der Finanzlage abgestimmt. Es wurde die sofortige Erörterung, nachdem die Regierung die Vertrauensfrage gestellt hatte, mit 313 gegen 147 Stimmen bei etwa 80 Enthaltungen abgelehnt. In Regierungskreisen sieht man die Vertagung der Interpellation als einen großen Erfolg für die Regierung und besonders für Ministerpräsident Vriand an. In den Wandelgängen der Kammer wurde erklärt, die Regierung könne mit der Abstimmung zufrieden sein, weil unter den Abgeordneten trotz des Beschlusses der radikalen Fraktion, sich der Abstimmung zu enthalten, auch etwa vierzig radikale Abgeordnete für die Regierung gestimmt hätten. Die Regierungsmehrheit betrage jetzt 313 Stimmen. Die Opposition dagegen sei von 209 auf 147 Stimmen zurückgegangen.
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Was Frankreich nicht schlafen >üßt
Paris, 2. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Der radikale Senator Lemery wird die Regierung über den deutsch-russischen Vertrag und über die Folgen dieses diplomatischen Akts, der dem Völkerbund Abbruch tue, interpellieren.
polen ist müde.
Regierungswechsel nach der Präsidentenwahl. (Eigener Drahtbericht.)
Warschau, 2. Juni.
Die Hauptstadt nahm die Wahl Moscickis zum Präsidenten mit demselben Gleichmut auf, wie die Nationalversammlung, in der sich keine Hand zum Beifall rührte. Tags zuvor waren große Demonstrationen der Arbeiterschaft für Pilsudski abgehalten worden, dessen Bild, von Blumen umkränzt, durch die Straßen getragen wurde. Moscicki hat die Wahl angenommen. Nach der Demission des Kabinetts wird der neue Präsident Bartel mit der Neubildung der endgültigen Regierung betrauen, die die Sanierung der Finanzen und Verwaltung durchführen soll, lieber« all zeigen sich Symptome politischer Ermüdung.
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stem Xuffenelnmarfch in -Rumänien
Moskau, 2. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Wie halbamtlich gemeldet wird, entbehren englische Pressemeldungen über eine angebliche Neberfchreitung der rumänischen Grenze durch Sowjettruppen jeder Grundlage.
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Wer ist Jttoecitfl <
Warschau, 2. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Nach der Wahl Moscickis kann von einem moral i s ch ? n S i e g P t l s u d s k i s ans der ganzen Linie gesprochen werden. Moscicki, der Chemiker ist, lebte fünf Jahre in London und länger als zehn Jahre in der Schweiz, wo er an der Universität Freiburg arbeitete. Er ist bereits 1912 nach Lemberg zn- rückgekehrt, sodaß er im neuen Polen keine un
bekannte Persönlichkeit ist. Er ist z. Zt. Fabrikdirektor und gilt als überzeugter Demokrat.
Sonnen Mfgang im Or^nt
Vor Abschluß des englisch-türkischen Friedens.
(Eigene Drahtmelbung.)
London, 2. Juni.
Die Blätter melden aus Konstantinopel, daß bei den englisch-türkischen Verhandlungen eine Regelung über alle wesentlichen Punkte erzielt worden sei. Diese umfasse 1. Anerkennung der Brüs« ler Linie als Grenze zwischen der Türkei und dem Irak, 2. Abschluß eines Sicherheitspaktes zwischen dem Irak und der Türkei, 3- Beteiligung der Türkei an den Petroleumeinkünften des Irak bis zur Höhe von zehn Prozent.
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Gute Nachvarn in Syrien.
Konstantinopel, 2. Juni. (Durch Funkspruch.) Der französische Botschafter und der türkische Außenminister haben gestern den türkisch- syrischen Vertrag des Oberkommiflars de Jouvenel auf gute Nachbarschaft unterzeichnet.
Ein totes Kabinett.
Regierungsrücktritt wegen der Arbeitslosen. (Durch Funkspruch.)
Stockholm, 2. Ium.
Ter Reichstag beschäftigte sich gestern abend mit der Form, in der die Arbeitslosen-Unter- üützungen gezahlt werden sollen. Der Ausschuß hatte sich gegen die Haltung der Regierung in einem aktuellen Falle ausgesprochen. Die sozialdemokratischen Mitglieder traten für die Regierung ein. In beiden Kammern erklärten die Regierungsmitglieder, daß die Negierung den Vorschlag des Ausschusses nickt billigen könne. Die erste Kammer billigte den Vorschlag des Ausschusses mit 84 gegen 50 Stimmen. die Zweite Kammer mit 114 gegen 104 Stimmen. Die Regierung wird ihr Rück- trittsgefuch einreichen
Das schwarze Verhängnis.
Auch Baldwin lenkt in der Kohlenkrike ein. (Eigener Drahtbericht.)
London, 2. Juni.
Im Unterhaus verlas bei der Debatte der Innenminister eine königliche Botschaft, in der die Verlängerung des Ausnahmezustandes um dreißig Tage mitgeteilt wird. — Weiter brachte der Innenminister eine Entschließung ein, die mit 244 gegen 67 Stimmen abgelehnt wurde. Im weiteren Verlauf der Kohlenaussprache betonte Premierminister Baldwin, er sei bereit, jeden Augenblick Verhandlungen wieder aufzunehmen, aber er fei nicht bereit, das Geld der Steuerzahler unbegrenzt zu verpfänden, um diese eine Industrie zu unterstützen. Auch werde er sich durch eine Arbeitseinstellung nicht zwingen lassen, politische Kontrolle über die Bergwerke zu übernehmen. Es sei vollkommen klar, daß irgendeine Regierungsunter- stützung geleistet werden müsse. Die Regierung werde bereit sein, dies zu tun, er könne jedock nichts über Form und Umfang derselben sagen.
EM obaeschlapener Linksstnrm
London, 2. Juni. (Eigene Drahtmeldung.) Ein Antrag der Arbeiterpartei im Unterhaus, den Etat des Ministeriums für Bergbau zu vermindern, der ein Mißtrauensvotum für die Regierung bedeutet, wurde mit 252 gegen 108 Stimmen abgelehnt.
«SenerMreil in Vorttigal?
Gewerkschaften gegen Militärdiktatur.
(Eigener Drahtbericht.)
Lissabon, 2. Juni.
Der Gewerkschaftsverband hat sich grundsätzlich für den Generalstreik in ganz Portugal ausgesprochen, um der eventuellen Bil- dnng einer Militärdiktatur vorzubeugen.
Köln, 2. Juni. (Privattelegramm.) Ein Blatt meldet aus Lissabon: Außer dem Ministerpräsidenten wurden gestern abend auch der bisherige Handelsminister, der Ches des Generalstabs, der Präsident des Parlaments und zwei Admiräle verhaftet.
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Gin Slreiiu timatum in Dien.
Wien, 2 Juni. (Privattelegramm.) Außer den Staatsbeamten haben auch die Gemeindc- angestcllten beschlossen, ihre Forderung auf Auszahlung einer Notstandszulage in Form eines bis 16. 6. befristeten Ultimatums zu stellen.
Im Land der Teba.
Forschererlebniffe im Innern Afrikas.
Jahr« 1861 eingehend «rf-richt ... deutsch« Forscher Gustav Nachtiaal. Vor kur
zem ist wieder eine Expedition unter de« französischen Asrikasorscher Brnueau de Laborie nach Europa mrülkgekebrt, die im September 1924 von Algier aufgebrochen war. und im Januar 1926 bei Libreville wieder am Atlantischen Qzean erschien. Der Leiter der Expedition gibt über die beschwerliche Reise folgenden hoch- iuteresiauten Bericht:
Der erste, der Tibefti, das seltsame Sandstein- acbirge am Südraud der östlichen Labara, im * ' —....... war der
Unter dem Schutz von fünfzig Meharischützen drängen wir in das Gebirgsland ein. Zehn Tage lang marschieren wir in einer Gegend, wo das Felsgestein zunahm, je weiter wir noch Osten vordrangen. Bald waren wir mitten in den Bergen und trafen bei den Brunnen von War die ersten Tibbus. Es waren arme Schluk- ker, bereit Bekleidung aus elenden Lumpen bestand: sie verhehlten nur schlecht die Unruhe, die ihnen das Erscheinen der bewaffneten Karawane verursacht hatte. Osfensichtlich waren sie uns entgegengekommen, um im Auftrag ihrer Stammesgenossen Erkundigungen über unsere Absichten einzuziehen. Es gelang uns, sie in diesem Punkt zu beruhigen.
Das Tibestihochland ist ein weitausgedehntes Massiv, das hauptsächlich aus Sandstein besteht und sich an einzelnen Punkten zu beträchtlicher Höhe erhebt. Der Emi Küsst erreicht dreitausendvierhundert Meter und gewährt mit seinen braunen, manchmal graublau schimmernden Felsen, die gänzlich abgetragen sind und seltsame Formen ausweifen, einen pittoresken Anblick. Herrliche Täler sind in seine Furchen gebettet, und stellenweise verschwindet der weiße Wüstensand unter einer üppiggrünen Vegetation. Abseits dieser Täler bereitet das Vor- wärtskommen die größten Schwierigkeiten; es gibt fast nirgends Fährten, und die Kamele müssen fortwährend auf dem felsigen Grund gehen, auf dem sie leicht müde werden und sich manchmal an hervorstehenden Zacken verletzen. Die Tibbus, dieses Volk der östlichen Sahara, zerfällt in verschiedene Stämme. Rohlfs hat sie zu den Negern, Nachtigal zu den Berbern gerechnet. Sie zerfallen in die sprachlich getrennten Teda oder Tubu, die in Tibesti und Kauer wohnen und die Dasa, die in Borku, Startern und am Gazellenfluß in Wadai heimisch sind. Die Teda zählen heute wahrscheinlich noch ungefähr zehntausend Köpfe; Nachtigal hatte sie seinerzeit auf etwa zwölftausend berechnet. Man nimmt an, daß sie von Völkerstämmen Lvbiens abstammen. Sie sind durchweg Mohammedaner und gliedern sich in zwei Hauptgruppen, die Gunda und Tomaghra. Die Häuptlinge von Tibesti werden, der Tradition gemäß, von drei Tomaghrafamilien gestellt, während sich die Gunda der Autorität biefer Führer zu entziehen wissen. Ueberhaupt ist bie Herrschaft biefer Häuptlinge in gewissen Gegenben nur nominell.
Der Teba ist von Natur aus nicht zum Gehorsam geboren, unb seine Lust zur Gesetzlostg- keil finbet einen ausgezeichneten Rückhalt in dem Labyrinth ber Täler unb Schluchten, in betten er sich allen Verfolgungen zu entziehen weiß. Die Tötung bereitet ihm keine Schwierigkeiten ober Gewissensbisse; unb bie Rache wirb baher ihm zur höchsten Ehrenpflicht. Wer sich an ber Seite eines Mannes, ber einen Angehörigen ermorbet hat, zeigen würbe, ohne diesen seinerseits anzugreifen, verfiele für alle Zeit ber öffentlichen Verachtung. Gewaltfamer Raub unb Plünberung erscheint bent Teda als Heldentat, bie obenbrein noch ben SBorW hat, th" lästiger Nahrungssorgen zu entheben. Die Art unb Weise, in ber bei biesen Stämmen Werbung unb Hochzeit vonstatten geht, ist eine Folge biefer Denkweise. Die Frau muß geraubt werben; unb selbst wenn zwischen den Beteiligten ein Einverstänbnis besteht, muß wenigstens ber Schein gewahrt unb die Komödie des Brautraubs gespielt werden, in die- fern all schreit bie Erwählte laut um Hilfe, ihre Angehörigen rufen zum Kampf, unb manchmal entspinnt sich auch tatsächlich eine richtige Schlacht, bie keineswegs harmlos verläuft. Die Polygamie ist bort zu Lanbe häufig. Im Gegensatz zu ben Targui, bie bie Eifersucht als lächerlich empfinden, benft er außerorbentlich ftreng über bie eheliche Treue, unb ber Ehebruch falls er entbedt wird, kann dem Schuldigen ben Tod bringen.
.Die Tebadörser ftnb einfache Gruppen von Hutten ohne gemeinsames Oberhaupt. Jede Familie lebt bort vollstänbig abgeschlossen und unabhängig von den anbern. Die Teba begnügen sich mit einer Ernährungsweise, von ber die wenigsten Menschen existieren könnten; sie scheinen ben Satz wahr zu machen, nach dem