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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

Hessische Abendzeitung

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Nummer 125. Amtliches Organ der Stadt Kassel

Dienstag, 1. Juni 1926

Der gelbe Tiger

Mit KnKppeün undNevorver

me.

:el. Und

Pro- r die

rS schivie- EeschättS. . u nd G52.

Md el Krims Todfeind.

Er will nicht an Spanien ausgeliefert werden.

Warschau. 31. Mai.

Bei der Wahl des Staatspräsidenten im Sejm erhielt Pilsudski 292 Stimmen und Bninsli 193 Stimmen. 61 Abgeordnete enthiel­ten sich per Stimmenabgabe. Da die absolute Mehrheit 243 Stimme» beträgt, ist Pilsudski mit absoluter Mehrheit zum Präsidenten der Republik Polen gewählt. Die deutschen Abgeordneten stimmten geschlossen für die Wahl Pils udskis.

VilsudsN soeben gewählt!

Mit grosser Mehrheit u. den deutschen Stimmen. (Eigene Drahtmeldung.)

Bnands Tage gezählt?

Herriot im Hintergrund. Neue Stürme.

(Eigener Drahtbericht.)

Die Bergarbeiter geschlagen

Entscheidende Tage im Kohlenstreik.

(Eigene Drahtmeldung.)

London. 31. Mai.

regung hervorgerufen. Die Folgen der Ent- fcheidung des Marschalls Pilsudski lassen sich z. Zt. noch nicht übersehen.

Der Reichstag wartet ab.

Erst Volksentscheid, dann Fürstenkompromiss.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 31. Mai.

T-»s Fürstenkornpromitz ist jetzt vom Reichs­rat dem Reichstag überwiesen worden. Der Reichstag wird voraussichtlich den Entwurf er­neut dem Rechtsausschutz überweisen. In parlamentarischen Kreisen hält man es nicht für wahrscheinlich, datz der Reichstag noch vor dem Volksentscheid die Vorlage erledigen wird.

lEiflener Drahtbericht.)

München, 31 Mai.

Bei der Steuerbeamtentagung erklärte Reichs­finanzminister Dr. Reinhold, die außerordent­lich wichtige und nolwendige Arbeit der Steuer­beamten sei das Fundament für einen festen unp sicheren Wiederaufbau des Vaterlandes . Mit der Mahnung, einig zu sein in dem Gedanken, datz Alle zusanimcn helfen müssen, um den Grund zu legen zur Wicderaufrichtung des Deutschen Reiches, schloß Dr. Reinhold.

wehrlose Beute des Windes, der aus der Wüste Gobi her weht. Unter seinem Hauch färbt sich alles gelb: der Himmel, die Menschen und die Tiere. Nur die russischen Gebäude schieben un­ter den gelben Wirbelwinden ihre großen Wacht- türme aus roten Backsteinen vor. Es ist eine seltsame, bedrückende Stadt, wo der Bürger­

und Plätze kann nicht garantiert tigern Satz 100 Prozent Am sch lag stelle: Kölnische Straße 5, oesenü

Das vorstehende Mittagstelegramm wird kaum »'ne halbe Stunde später durch die fol­gende Sensation großen Stils widerrufen, die unter Umständen von unabsehbarer Tragweite für Polens Schicksal werden kann:

Verwirrung ohne Ende.

PilfudskisNein." Was soll nun werden?

(Eigene Drahtmeldung.)

Warschau, 31. Mai.

Dos Räckarat des Granits.

Reinholds Appell an die Steuerbeamten.

Amtliches Organ der Stadt Kassel 16. Iahrga^

England tritt auf den Plan. Und M u s - solinr erhebt seine Stimme. Man wird uns

Alle Blätter weisen daraus hin, datz heute abend das Ultimatum der Regierung ab- länfi, wonach die in Aussicht gestellte Subven­tion für die Kohlenindustrie von drei Millionen Pfnnd Sterling zurückgezogen wird. Ein Blatt verlangt, die Regiernna solle unverzüglich Vor­kehrungen treffen, um die Arbeitsbedingungen in der Bergwerksindustrie in der notwendigen Weise abzuändern. Ein Korresvondent sagt.

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klärt man kategorisch, daß die Einberufung einer internationalen Konferenz zur Regelung der Maroktofraae. insbesondere zu einer Neuord­nung des Tangerstaims zur Zeit nicht wün­schenswert erscheint. In Rom und auch in Lon­don wird der Sinn, der in dieser französischen Feststellung liegt, wohl verstanden werden. Doch man kennt britische Zähigkeit, Mussolinis Diktatorwahn. So wird man wohl schwer an­nehmen können, daß mit dieser französischen Ablehnung gewisser Wünsche das letzte Wort in dieser Affäre gesprochen ist. Ist so der Krieg in Marokko selbst zum Abschluß geommen, so entbrennt er jetzt in unverminderter Schärfe allerdings mit anderen Waffen und Mitteln um Marokko. Wer in diesrm Ringen Sieger bleibt, das wird sich in aller kürzester Zeit zeigen.

pilsudski lehnt die Wahl ab!

Volens Staatspräsident wird morgen in Warschau zum zweiten Mal gewählt.

aus rührige religiöse Propaganda. Die Neu- bekehrten wurden

kompagnieweise zur Taufe geführt. Und da die Zeremonie angesichts des Massenandrangs der Konvertiten zu viel Zeit in Anspruch genommen hätte, bediente man sich dabei der Einfachheit wegen einer Feuer­spritze und erledigte die feierliche Handlung summarisch. Eines Morgens, so fährt der Be­richt fort, ließ mich der gefürchtete Soldaten- kaiser Tschangtsolin zu Tisch bitten. Am Abend machte ich mich im Auto aus die Irrfahrt durch das Labyrinth der dunklen und schmrchigen Straßen. Plötzlich ertönten die Ruf-der Wacht­posten. der Wagen stand, in Helles Licht getaucht, ein Soldat öffnete die Tür: da war der Palast. Ein seltsames Bild, das dieses Spalier der chi- nesiscken Soldaten in ihren europäischen Unifor­men darbot! Sie standen unter Hallen, in Halbdunkel gehüllt: die Einzelheiten, die in dem Zwielicht kaum zu unterscheiden waren, wirk­ten wie ein buntes Traumbild.

Goldene Drachenbilder, riesenhafte Statuen, die Bogenschützen darstellten, säumten den Weg. In diesem Augenblick dachte ich daran, daß es nicht geraten wäre, diesen Palast anders als in freundlicher Absicht zu betreten. Ein Komman­doton wurde laut, Schritte näherten sich auf dem Pflaster. In der Ferne antwortete ein Ruf, und so pflanzte sich die Kunde meiner Ankunft wie ein tausendfältiges Echo in der endlosen Dunkelheit der Hallen, Höfe und Gänge dieses Palastes fort Da stand ich im ersten Hof. Drei chinesische Herren in Zivil, Sekretäre und Dolmetscher, erwarteten mich. Ich folgte den knisternden Seidenroben, den aus leisen Sohlen dahineilenden behenden Schritten. Von neuem hörteJd) Kommandorufe. Ich war im zwei­ten Hof. Da traten wir in einen unbedeckten Raum, in den das milde Licht des Mondes fiel. Ich wähnte In einem Garten zu sein; aber es war eine Täuschung: was ich für Bäume ge« halten hatte, waren in Wirklichkeit bizarr zer­klüftete Felsen. Ich wollte einen Augenblick verweilen und das seltsame Bild aus mich wir- ken lassen; aber meine Führer halten schon eine Tur geöffnet, durch die ich in ein großes, hell- erleucht-tes Gemach trat An den Wänden stan- den begueme Ruhepolster, mit zahllosen Decken und Kissen In der Mitte des Raumes wartete Tschangtsolin. der sich höflich verbeugte und mich aufsorderie. an seiner Seite auf dem Diwan Platz zu nehmen, der von zwei riesigen ausgestopften Mandschutiaern flankiert war. Ich dankte ibm in kurzen Worten für die Einladuna, und während der Dolmetscher meine Anrede übersetzte, hatte ich Muße, mir den Mann anzu- !ehen. zu dem ich aus weiter Ferne gekommen

Ein neuer Rifkrieg.

Aber nur zwischen Diplomaten.

Spanien und Frankreich haben ihr Marokko­abenteuer siegreich beendigt. Der Sieg war nicht leicht, er fiel ihnen nicht ohne große Opsrr in die Hände. Man bedenke, daß Spanien sechs Jahre lang im Felde gegen die aufständischen Riskabhlen stand, daß es zunächst seine ganze Energie und Truppenmacht aufvringen mußte, um die ungestümen Gegenangriffe eines Rei- sulis wenigstens in Schach zu halten. Ms dann Reisuli starb, folgte ihm ein Abd el Krim, eine Persönlichkeit, die mit genau derselben Zähigkeit und dem gleichen Fanatismus wie sein Vorgänger die grüne Fahne des Islams gegen seine europäischen Widersacher führte. Wer weiß, wie dieses spanisch-marokkanische

krieg, das Mißtrauen, Spionage und taus^gd- fältiger Tod zu Hause sind. Der kürzlich nach Mukden geflüchtete General Feng, den man den christlichen General nennt .erfreute sich bei den amerikanischen Predigern, die ihn bekehrt hatten, großer Gunst. Um ihnen gefällig zu sein, betrieb er selbst in seiner Armee eine über­

dass morgen im Unterhaus über die Koh- lenlage eine eingehende Aussprache stattfindcn dürfte. Die Absicht der Bergleute, bis zu Ende zu kämpfen, könne nicht mehr viele Tage anfrechterhalten werden. Die wachsende Neigung der Bergleute, in den Koh- lenüezirken eine Ausdehnung der Ar­beitszeit wohlwollend zu erwägen, werde als sehr bedeutungsvoll btrachter.

Skagerrak in Kie).

Gedächtnisfeiern, Zapfenstreich, Parade.

(Privat-Telegramm.)

Kiel, 31. Mai.

Gestern fand in der Aula der Universität in Kiel eine Skagerrak-Gedenkfeier aus Anlass deS zehnjährigen Jahrestages der Schlacht statt Der Stationschrf mit seinem Stabe, Prinz und Prinzessin Heinrich von Preussen, Marineoffi­ziere, Abordnunaen anderer Truppenteile so­wie zahlreiche '»aktive Offiziere und Mann­schaften wohnten dem Festakte bei. Fregatten­kapitän Scheibe gab einen Ueberblick über den Verlauf der Seeschlacht. Vizeadmiral Roe­der brachte in kurzer, von vaterländischem Geist getragener Rede ein Hoch auf Volk und Vater­land aus. Alsdann begann der Große Zapfenstreich sämtlicher Truppen­teile der Garnisonen Kiels. Heute morgen findet eine Gedenkfeier für die Gefallenen statt, an die sich eine Parade anschließt,

Schlägereien und kein Ende.

Berlin, 31. Mai

In der Nacht zum Sonntag kam es in Span, bau zwischen Mitgliedern des Bismarck- bundeß und Anhängern des Reichsban­ners und des Roten Frontkämpfer- b u n d c s zu einer schweren Schlägerei, in deren Sei lauf ein Mitglied des Bismarckbundes einen Schutz abgab. ohne jedoch jemand zu treffen. Die alarmierte Schutzpolizei nahm zwölf Per­sonen fest, darunter der Pistolenschützen.

Paris, 31. Mai.

Auf einem sozialistischen Bankett trat gestern Kriegsminifter Painleve für eine Politik der Realisation ein. Autzerdem begründete er das Verhalten in der Marokkofrage. Abg. Mnlvy verlangte die Wiederherstellung der Koalition der vier Parteien, mit denen Herriot regiert hat, da die Bereinigung aller demokrattschen Kräfte jetzt notwendiger sei als je.

Paris, 31. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Ministerpräsident Briand wird morgen in der Kammer eine Erklärung über die WährungS- und Finanzpolitik der Regierung abgeben, aber keine Debatte mit politischen Tendenzen über die Methoden der Sanierung zulassen.

(Eigener Drahtbericht.) Paris, 31. Mai.

Einem Berichterstatter sagte Abd el Krim u. «.: Mit Frankreich hätten wir sofort Frieden geschloffen, aber nicht mit Spanien. Den Gedan­ken eines Berzweiflungskampfes haben wir nicht in die Tat umgesetzt, w-il ich auf die klugen Ratschläge eines franzöftschrn Arztes gehört ha- be. der im Auftrage Steegs sprach Um Blut- vergießen zu vermeiden, habe ich mich Frankreich auSgcliefert. zu dem ich Vertrauen habe. Ich verlange nur. daß man mich nicht den Spaniern auslicfert, und daß man weder meine Familie noch die Personen, die sich in meiner Umgebung bcsinden, zur Verantwortung ziehe Ich allein bi, verantwortlich, da ich allein geführt habe.

Nichts destoweniger haben die Franzosen in Verfolg der heißen und erbitterten Kämpfe, die Stärke und die Tatkraft ihres Gegners an- erkennen müssen Ihre Verluste und Miß­erfolge waren im Verhältnis des kleinen Kriegsschauplatzes ungeheuer. Und die finan­ziellen Opfer, die die Pariser Kammer wieder und immer wieder bewilligen mußte, stiegen allmählich ins Untragbare. Man kennt noch den Verlauf her stürmischen Kammersitzungen, in denen eine unentwegte Opposition stürmisch die Liquidation des marokkanischen Aben­teuers forderte. Aber allen diesen Schwierig­keiten zum Trotz, die französische Regierung und die oberste Heeresleitung hielten an dem sich einmal gesteckten Ziele fest. ES wurde weiter gekämpft, ungeheure Opfer wurden weiter getragen, bis ihnen b:c reife Frucht in den Schoß fiel. Und Frankreich und Spa­nien machen sich jetzt ans Werk, das mit soviel Blut Erkaufte auszuwerten. Und sehen sich tr diesen Bemühungen vor neue Schwierigkeiten gestellt. Vor einem neuen Kampf, der aller­dings nicht mit Geschützen und Bajonettangrif­fen entschieden wird, aber mit diplomatischer Gerissenheit und mit der Einsetzung der wirk­lichen wirtschaftlichen und militärischen Stärke der an diesem Kampf interessierten Nationen,

Zu Tisch bei Tschangtsolin.

Im gelbe« Wüsteuwiad. Vierzig Grad ««ter N«ll. Der G-veral als Avostel. Im Mar- cheavalaft TIcha»gtfoli«s. Ei« S<blctc!fen= me««. Der Blutmeasch ... ein Schwächling.

Im alten Teil von Mukden, der Heimat des Mandschukaisers, steht eine Festung in der Festung, eine Stadt in der Stadt, der stark be­festigte Palast, in dem zurzeit Marschall Tschangtsolin wohnt. Der erste Ein­druck, den man empfängt, ist der einer russischen Ansiedlung. Denn alle euro­päischen Quartiere in Korea und in der Mandschurei tragen denselben Charakter von der Ruflenzeit her. Russisch sind die breiten Straßen, durch die der

rauhe tungusische Nordostwind fegt, russisch die großen Bauwerke im Stil orthodoxer Kapellen, russisch endlich der doppelte Verschluß der Türen und Fenster zum Schutz gegen die Kälte. Denn diese ist, so erzählt Pierre Böhoit, der bekannte französische Schriftsteller in einem großen Pariser Blatt, in Mukden fürchterlich. In diesem Winter fiel die Quecksilbersäule auf vierzig Grad. Augenblicklich ist die Stadt die

Marschall Ratai erklärte in Anwesen, heii des Ministerpräsidenten Bat­tet um 12 Uhr 45 vor Pressevertretern, daß Marschall Pilsudski die Wahl zum Staatspräsidenten nicht anne Sein Beschluß, so erklärte Ratai, sei un- widerrufliche Infolgedessen hat Sejm Marschall Ratai für morgen 10 Uhr die Na- tionalverfammlung wieder einbr- -fen, um die Wahl des neuen Staatspräsi­denten vorzunehmen. Der Entschluß Pilfudskis hat politischen Kreisen ungeheure Er-

Ringen ausgegangen wäre. Aber Abd el Krims Erfolge verleiteten ihn zu einer voll­kommenen Verkennung seiner tatsächlichen Stärke und der Machtmittel über die er Ver­fügen konnte. Ms er die Spanier bis nahezu an die Küste zurückgetrieben hatte und die Zone, die sie jahrelang besetzt hielten, befreit hatte, glaubte er den Augenblick für gekommen, auch den französischen Eindringling aus feiner Heimat vertreiben zu können. Er griff die französischen Linien überraschend an und setzte es auch durch, daß sie allerdings nach heißen Kämpfen sich langsam auf ihre befestigten Hauptstützpunkte zurückzogen. Aber Spanien ist nicht Frankreich. Durch den langen Weltkrieg hat es Erfahrungen geschöpft» die es in diesem Kampf wohl zu verwerten vermochte. Der Tüchtigkeit der Heeresleitung entsprach die Fähigkeit einer gerissenen Pariser Diplomatie. Frankreich verstand es ausgezeichnet, der paganda eines Abd el Krims, die sich: Proklamierung eines heiligen Krieges, des Kampfes der islamitischen Welt gegen das europäische Christentum, einsetzte, eine eigene Propaganda entgegenzusetzen. Abd el Krims hohes Ziel schwand ihm unter den Fingern. Und der Krieg blieb auf das Rifgebiet loka­lisiert.

sicherlich keiner Sympathie für das in Marokko siegreiche Frankreich zumuien. Aber dennoch in dieser Entwicklung, die sich anzuspinnen be­ginnt, liegt etwas Tragisches. Frankreich und Spanien taten die blutige Arbeit, opferten und setzten ihre wirtschaftliche Kraft ins Spiel. Und als der große Schlag gewonnen war, da kamen die Andern, die Vorsichtigen, die Klugen und Abwartenden und fordern ihr Anteil an bei Beute, an her sie nach vernünftigen Grund­sätzen keinen Anspruch haben. England fürchtet, daß Frankreich in MaroNo allzu festen Fuß fassen wird, sieht seine Beherrschung der Gibraltarstraße, des Zuganges zum mittellän­dischen Meere, bedroht. Mussolini, über dessen ehrgeizige Pläne niemals ein Zweifel bestand, zittert um die von ihm ersehnte italienische Herrschaft über das Mittelländische Meer, italienische Meer wie die faschistischen Gerne­große es mit Vorliebe zu bezeichnen pflegen Fordern aus diesen Befürchtungen heraus ihre Zuziehung zu den Verhandlungen, die das Schicksals Marokkos besiegeln sollen Es ist zu begreifen, daß in Paris und Madrid diese Wünsche nicht nur keine Gegenliebe, sonvern heftigste Erbitterung auslösen. Diese Mißstim­mung in Paris hat bereits fetzt schon einen festen Ausdruck gefunden. Am Cum de Orsay er-