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Rr. 119. 16. Jahrgang.

Kasseler Neueste Nachrichten

Sonntag, 23. Mai 1926.

Letzte Depeschen.

Schon 14 To:e in Hatzloch

Eine ausgedehnte Aussprache schloß sich an ei­nen Vortrag des Vorsitzenden der Vereinigung, Schnchardt, an. Die städtischen Mieter verlang­ten eine Leitung, die sich von allen politischen Programmen fern zu halten habe, einerlei, wel­cher Partei die Mitglieder des Vorstandes an­gehörten. Zu dem jetzigen könne man unbeding­tes Vertrauen haben und man solle sich nicht irremachen lasten. -rl»

Der Arbeitsausschuß städtischer Mieter teilt uns mit: Die in den letzten Tagen statt- gefundenen Verhandlungen zwischen städtischen Vertretern, dem Arbeitsausschuß und den Mie- terräten erbrachten für das Kornhaus in der Asenburgstraße, neue Trainkaserne und Fasa- nenhof ein abschließendes Ergebnis. In näch­ster Woche werden die Verhandlungen für die anderen Häusergruppen fortgesetzt. Bei öeider- eitigem guten Willen zur Verständigung oürfte auch für die noch außenstcbenden Häusergruppen recht bald ein Schlußergebnis erzielt werden.

Gegen Krieg und Kapital.

Zwei aufsehenerregende Entschließungen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Haris, 22. Mai.

Der Generalrat des Rheindeparte- ments hat gestern in Marseille gegen die Wie- dcraufnahme der Feindseligkeiten in Marokko protestiert nnb den Rifkabilen Recht gegeben, die französisch-spanischen Bedingungen abzulchnen, die nichts anderes bezweckt hätten, als aus dem Rif einen Sklaven st aat zu machen. Außerdem wird die Finanzpolitik der Regierung bemängelt und besonders erklärt, daß die freiwillige Spende ungenügend sei, um den Franken zu stabilisieren.

Abermals bke städtischen Mieter.

I Wieder eine öffentliche Versammlung.

Eine von der Vereinigung der städtischen Mieter e. V. für gestern abend nach derStadt Stockholm" einberufene Versammlung hatte sich eines überaus guten Besuches zu erfreuen. Die Kundgebung beschäftigte sich in der Haupt­sache mit dem früheren Arbeitsausschuß der städtischen Mieter, der mit der Gründung der Vereinigung aufgehört hat zu bestehen. Drei Mitglieder dieses früheren Ausschuffes aber, so wurde betont, hätten die Vereinigung nicht anerkannt und beständen darauf, daß nur allein der Arbeitsausschuß als gesetzmäßiger Vertreter der städtischen Mieter angesprochen werden kön­ne. Unsere Leser sind durch die von uns ver­öffentlichten Zuschriften im Bilde, weshalb wir daraus verzichten wollen, auf die gan^e Ent­wicklungsgeschichte dieses Streites nochmals nä­her einzugehen. Es war erfreulich, aus der Ver­sammlung zu hören, daß diese Vreflepolemik aufhören möchte und man nur darüber sich aus­sprechen solle, was qeschehen müste, um die städ­tischen Mieter fest zusammenzuschließen, und um so die Belange gemeinsam vertreten zu können. In einer gefaßten Entschließung ver­langt die Vereinigung von dem Kassierer des früheren tzArbeitsausschusses die einkassierten Gelder zurück, da dieser kein Reckt habe, die Gelder der Mieter in seinem Besitz zu behalten.

AM Dem WvOenmarN.

Die heutigen Preise.

Apfelsinen 515, Zitronen 710, Bananen 7080, Äepfel 40, Stachelbeeren 2530, Erdbee­ren 8090, Kirschen 70, Landbutter 180190, Süßrahmbutter 190210, Eier 1011, Blumen­kohl 90180, Zwiebeln 1518, Spinat 2025. Mangold 1520, Lauch 3040, Radieschen 15 bis 20, Oberkohlrabi neu 3040, Kartoffeln alte 4, Kartoffeln neue 2025, Pilze Mai- und Champ. 4050, Salat 1525, Spargel 90130, unge Möhren Bund 30, Gurken 70110, Rha­barber 1012, Tomaten 80120, Wirsingkohl Kopf 50, Rote Rüben 1215, Sellerie 30-40, Hühner 90120, Hähne 90120, Tauben 80 bis 100, Sahne saure 75, Sahne süße 80, Kochkäse 60 bis 70, Käsematte 3540, Rindfleisch 70100, Rindgehacktes 8590, Schweinefleisch 100120, Schweinegehacktes 110, halb und halb 100110, Kalbfleisch 90100, Hammelfleisch 70-90, Rou­laden 110120, Bratwurst 110120, Kalbsleber 100, Rindsleber 80, Gefrierfleisch 6575, Flo­men 100120, Schmalz 120, Speck 130-140, Sulpcrknochen 4050, Weckewerk 40.

zuchtverein Kassel-Kirchditmold seine diesjährige Kaninchen- und Produttenschau. Die Ausstel­lung findet im Garten der Gastwirtschaft Fennel in der Zentgrafenstratze statt. U. a. wurden von einigen Kasseler Firmen Ehrenpreise ver­schiedenster Art gesttftet.

-t- Ehrung für Frau Ganslandt. Anläßlich ihres 70. Geburtstages hat der Magistrat an die frühere Stadtverordnete, Frau Konsul Ganslandt, ein Glückwunschschreiben gerichtet, in dem er ihr für ihre große und uneigennützige Arbeit für das Wohl der Mütter und Kinder unserer Stadt auf dem Gebiete der freiwilligen Wohlfahrtspflege seinen herzlichsten Dank aus­gesprochen hat. Dieser Dank wird ihr auch von der Allgemeinheit entgegengebracht... möge die.Hochverdiente noch lange ihrer segensreichen Wirksamkeit erhalten bleiben!

-4- Leichenfund in der Aue. Gestern Nachmit­tag wurde von Kindern in einem Gebüsch in der Nähe des Spielplatzes die in Zeitungspapier cingepackte Leiche eines neugeborenen Kindes gefunden. Die kleine Leiche war zehn Tage alt. Sie muß schon einige Tage dort gelegen haben. Die Leiche wurde von einem Schupobeamten, nachdem dieser den Tatbestand a ufgenommen hatte, in die Fürsorgestelle am Steinweg ein­geliefert.

-i- Schwerer Unfall in einer Zimmerei. Auf dem Arbeitsplatz einer Zimmerei in Bettenhau­sen war ein fünfundzwanzigjähriger Arbeiter mit dem Zerschneiden von Holzklötzen und Bret­tern beschäftigt. Plötzlich sprang ein Holzftück ab und flog dem Manne durch den Druck der Maschine vor den Unterleib, sodaß der Unglück­liche sofort bewußtlos zusammenbrach. Er wurde in bedenklichem Zustande ins Landkrankenhaus gebracht.

.7" Allerlei vom Tage. Ein Zusammenstoß zwischen einem Auto und Motorrad erfolgte in der Tischbeinstraße. Der Zusammenstoß war so heftig, daß der Motorradfahrer sich da- >ei das rechte Bein klemmte. Er wurde so- :ort zu einem in der Nähe wohnenden Arzt gebracht. Sein Motorrad war schwer beschädigt Als in einem Hause der Weserstraße ein junges Mädchen die Fenstervorhängr an« bringen wollte, stellte es zu diesem Zwecke eine i

Hydrant auf den Königsplatz wieder laufen zu lassen. Seit Dienstag ist er in vollem Gange und die Kinder hängen bis in die Nacht daran. Aus Markttreisen wird nun die Anregung ge­geben, ihn lediglich an Markttagen bis etwa 2 Uhr mittags laufen zu lassen.

Ein Drama von Heinrich Röser. Der be­kannte Studienassessor und Dichter Heinrich Röser hat soeben ein Drama vollendet: Mareilis, ein Märchcntra um­spiel stehender Liebe". Es wird ge­legentlich der Einweihung derJugend- und Wanderherberge Knüll" am 4. Juli auf dem Knüll zur Aufführung gelangen.

4- Kaninchenausstellung in Kassel. An den beiden Pfingsttagen veranstaltet der Kleintier-

Bas Snoe einer sxaffeeftaht.

Managua (Nicaragua), 22. Mai. (Funk­dienst ) Durch eine Feuersbrunst wurde satt sie ganze im Zentrum des K a s f e e d i ft r i k t s gc. lcgenc Stadt M a t a g a l p a zerstört. Die Stadt zählt sechstausend Einwohnör.

weitere Flugzeuge an einer Veranstaltung in Stuttgart teil.

Diese Mitteilungen überzeugen, daß das Werk trotz der vielen Widerstände, die es gegen die öffentliche Meinung zu überwinden hatte, sich über Erwarten gut durchgesetzt und entwickelt hat. Es beschäftigt über 100 Leute und ist dank der dauernd einlaufenden Aufträge voll und ganz beschäftigt.

Das FlugzeugSchwalbe", die erste Kon­struktion, die von den Oberingenieuren Hall und Gammelin, beide gleichfalls früher im Dienste der Dietrichwerke, entwickelt wurde, ist über Er­warten gut eingeschlagen. Zurzeit befindet sich das Schulflugzeug TypPelikan" im Bau, und ein kleines VerkehrsflugzeugPhönix" in Konstruktion. Ein Modell des FlugzeugesPe­likan" ist bekanntlich auf der derzeitigen Kasseler Lustfahrtausstellung neben einem Modell des FlugzeugesSchwalbe" ausgestellt.

Die in Gründung begriffene Flieger­schule macht gute Fortschritte. Besonders durch Aufhebung der scharfen Begriffsbestim­mungen für den Lustfahrzeugbau hofft das Werk nach und nach sich weiter günstig entwik- keln zu können.

*

Espenlaub Nr. 4.

Am Pfingstsonntag wird unser heimischer Segelflieger Espenlaub aus dem Dörnberg- gelände eine neue Maschine einfliegen. Das Segelflugzeug, das vierte in der Kasseler Werkstätte gebaute, mißt siebzehn Meter Spann­weite und ist für zwei Personen bestimmt.

Lustsahrtausstellung Kassel 1926.

Gestern früh empfing die Ausstellung tm Landesmuseum den 5000. Besucher, morgen wird nach Lage der Dinge der 8000. erwartet. Freiflüge aus der Tombola zogen die Schülerin der Kuratoriumsschule Hedwig Möller, Dörn- bergstraße 4, und die Schülerin des Kästnerschen Lyzeums Liselotte Ehrsam, Jahnstraße 29. Der Vortrag des Herrn Robert Petschow am 26. Mai mußte infolge Verhinderung des Vortra­genden abgesagt werden. Der Vortrag Dr. Ewald, Berlin, findet am 3. Juni, nicht am 4., abends 8 Uhr, im Vortragssaal des Landesmu­seums statt.

SofalnachrtiDten vom Tar,r.

~ -r- Erste Rundfunkübertragung aus dem Staatstheater. Gestern abend ist zum ersten Male eine Opernaufführung des Kasseler Slaatstheaters durch Rundfunk den am Kassel- Frankfurter Sender angeschlagenen Hörern übertragen worden. Die Uebertraaung gelang in jeder Hinsicht ausgezeichnet, sodaß in Zu­kunft neben den Frankfurter Obernübertrazun- ren auch die Auffübrunaen der Kasseler Opern­bühne von Zeit zu Zeit im Rundfunk erschei­nen werden.

4- Der Brunnen auf dem Königsplah. Die Stadt hat unserer Anregung stattgegeben, den

Schmückt das Fest mit Maien Ein pfingstliches Kasseler Allerlei.

.»edaknon: Letmna Ferdinand Rod). Berantwonlich ur den politischen Te'I Fritz Rau: für den lokalen und Scimatlel R. Sennemann: für den unter- S-eif «ermann B o n a u. Anzeigenteil: Vcr- antwortlich Konrad Kochs mann. Druck u. Verlas Kasseler Neueste Nachrichten (Ferdinand Koch». Kassel.

Fußbank auf einen Holzstuhl. Da dir Fußbank abrutschte, stürzte es so unglücklich, daß es sich neben einem Bruch des Schulterblattes noch andere schwere Verletzungen zuzog. Ein herzu­eilender Samariter leistete die erste Hilfe. Ein Wasscrrohrbruch in der Wilhelm«, höhr Allee hob das Pflaster aus und ein Haus­hoher Sprudel entstand, den erst Arbeiter vom Wasserwerk wieder zusammensinlen ließen. In der Obersten Gasse entstand ein Gasrohrbruch, derliebliche" Gerüche aussandte.

-r Veranstaltungen zu Pfingsten. Lust­fahrtausstellung im Landesmuseum. Winzerstuben: Kabarett, 8-4 Uhr. Stadtpark: Großes Konzert und Film Licbesfeuer", 8 Uhr. Chassalla: Pat und Patachon, Hansa: Neues Kabarettpro- gramm, 8 Uhr. Libelle: Künstlerspiele, 8 Uhr. DampferElsa: Fuldafahrt, 3 Uhr Turaplatz: Volksfest. Stolzenbach- Oberzwehren, Konzert. Rosengarten- Niederzwehren, Konzert. Martinshalle Konzert. Martinsglocke Konzert. Goldene Aue, Konzert. Schöfferhof: Künstlerkonzert. Schokoladenfabrik: Konzert. Eichwäldchen: Konzert. Stadt Wien: Konzert. Kaffee Bogel: Konzert. Park-Restaurant Karls- aue: Konzert. Berg-Re st aurant Bel­vedere: Konzert. Parkschläßchen: Konzen. Stadthallen-Re st aurant: Konzert. Palmenbad: Konzert. Mo- torÄoot Hertha: Fuldafahrten, 3 Uhr. Neue Drusel: Militärkonzert. Restau - rant Brandau: KünsflerkonzeN. Perle von W tlhclmshö he: Kasfeekonzert. Prinzenquelle: Künstler - Konzert. Braust übl: Künstler-Konzert. Dienstag: Ballonaufstieg Turaplatz. Kaffee Schmoll: Maiensest.

Aus dem welche des Films.

Lustspielwoche im Chasallatheater.

Die Festspielwoche des Chasallatheaters steht im Zeichen des Filmlustspiels. Schon der nach der üblichen Deuligwoche einführende Land­schaftsfilmSo sieht es aus... an der Riviera" wies lustige Verwandlunqsbilder auf, aus einem gezeigneten Entwurf entpuppte sich jedes Mal eine schöne Aufnahme der gesegneten Gegend. Das weitere Programm gab Gelegenheit, Harald Lloyd inEr", der falsche Professor" und die beiden nordischen Komiker inPat und Pata­chon als Millionäre" zu vergleichen. Es bleibt dabei, die amerikanische Filmgroteske scheint keiner Wandlung fähig zu sein. Immer die gleichen Tricks, die gleichen komischen Momente, auf die Lachmuskeln wirkend nur durch die Mi­mik der Darsteller. Dies wird freilich meister­haft besorgt.

Die Komik der Skandinavier dagegen ist in der Psyche begründet, ihre Augenblicksgroteske scheint immer auf psychologischem Studium zu beruhen. So ergibt sich bei ihnen eben der tie­fere Zusammenhang mit der großen Schatten­seite des menschlichen Daseins, während die amerikanische Groteske mit der Gebärde der ab­soluten Lächerlichkeit daüber hinwegaleitet. Der Pat- und Patachon-Film ist gut inszeniert und entbehrt nach allem oben Ausgeführten der Tie­fe nicht. M.

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Die tolle Herzogin im Ufa-Theater.

Ein Film zwischen Kairo und Stockholm, zwischen den verbotenen Spielhöllen Aegyptiens und den Geheimkabinetts nordischer Hauptstädte Die Abenteuer eines modernen Sportmenschen, natürlich Graf, aber verarmt, und eines verwe­genen Herzogin (Ellen Richter!) Ein Hochstap­ler, der von Erpressungen lebt, ist der Mitel- puntt der Handlung, die in unglaublichem Tem­po dahinjagt. Er gibt die Konflikte, um ihn wird geschossen, verfolgt, geliebt. Und er muß natür­lich sterben, wenn er noch ein glücklichesEnde am Tronaltar geben soll. Jlles in allem ein flüssi­ger, spannender Filmroman oder Romanfilm, bei dem sich jeder gut unterhält. Felix der Kater undJim", der eineauf der Nahrungs­suche" der andere auf der Suche nach Arbeit, geben zusammen mit der Ufa-Wochenschau ein reiches Pfingstprogramm. -u.

lich mit 12 statt 11 Psg. angegeben wordrn war und Geflügel. So ein Sonnabend war lange nicht da... das war das Urteil der Händler!

Auf dem Fleischmarkt wurde ebenfalls sehr lebhaft gehandelt, aber... das Angebot war z u groß! Gut war das Geschäft aus dem Drusel- platz, weniger gut am Fischmarkt... es wird eben Sommer!

Und um alles das die Pracht der Maien- büsche. Nicht hier allein, sondern auch auf dem Holzmarkt, am Judenbrunnen, am Wall, am Holländischen Platz, am Ständeplatz, in der Westendstraße...

Sehr bald rissen große Lücken ein. Ein Baum nach dem anderen ging ab. Die Nach­frage war groß. Auch nach dir, du kleine Birke..!

Diese Maie da, möchte ich haben, es ist die schönste!"

Eine hübsche junge Frau war es. Ganz stolz wurde die kleine Birke.

Wissen Sie", sprach die Käuferin zu dem HändlerDas wäre kein Pfingstfest, wenn nicht solch Bäumchen das Zimmer mit seinem Frühlingshauch durchflutete. Gerade weil wir nur eine Notwohnung haben!"

Nun galt's Abschied nehmen von den Schwestern. Sie trösteten alle:Wir sterben insgesamt in Schönheit!"

Und ich sogar lustig", fügte eine der Birken hinzu, denn ich komme auf den Turaplatz zu den Bayern, zum Flohzirkus, in dem gestern neue Flöhe dressiert wurden. Denke nur, t>a ist ein Floh, der schon vierundeinhalb Jahr ist... am Dienstag sehe ich sogar dem Ballonaufstieg der schönen Frau Elvira zu..."

* * *

Wie wir- das Wetter?

Diese Frage hörte die kleine Birke aller- wärts und die Hoffnung auf gute Witterung sprach aus allen Antworten.

Nicht mit Unrecht, denn der Franksur- ter Wetterdienst stärkt den Optimismus, wenn er diese Witterung verkündet:

Am Sonntag wolkig bis heiter, trocken, warm, schwache Lustbewegung: am Montag keine Aendcrung der Wetterlage, höchstens Ge­witterneigung.

Die allgemeine Wetterlage ist diese: Tic Druckstörungen über Mitteleuropa haben sich seit gestern wenig verändert. Zwar haben sick ganz kleine Tiefdruckstörungen ausgebildet, die jedoch keinen Einfluß auf die Wetterlage un­seres Gebiets erlangen. Höchstens ist mit dem Auftreten von Gewittertätigkeit zu rechnen.

*

Die junge Frau, die an der Brust ein paar reizende Maiglöckchen trug, nahm die kleine Birke unter den Arm und trug sie in ihr stilles Heim. Wandervögel zogen vorüber. Und Wanderer auch! Von der Martinskircke herab klangen die Glocken. Sie läuteten fr übliche Pfingsten ein...! R. H.

Die reizende kleine Birke am Waldessaum irgendwo in den Bergen vergoß dicke Tränen und die Männer, die sie entführten, sahen diese Tränen und sagten nichts dazu als dieses: O, dieser Birkensaft gibt ein feines Haarwasser ab!

Und dann fuhr sie mit vielen Schwestern auf einem Leiterwagen in die Stadt. An den Stra­ßenschildern las sie schon: Es geht nach Kassel!

Ganz große runde Augen machte sie ange­sichts der großen Stadt auf den Bergen, mit den Anlagen, die vielleicht nun doch noch Blu­men bekommen. Das Rathaus hat ja den An- sana gemacht. Zwar gegen früher noch ein we­nig knapp, aber dennoch ein Anfang... hübsch machen sich die schneeigen Kästen mit den ro­ten Blüten in sattem Grün und darunter...

Ra nn, versilbert die Stadt sogar schon ihr Wappen?"

Ja, die Kleeblätter übcrm breiten Band, die Stadtteile diesseits und jenseits der Fulda symbolisierend, werden mit frischem Silber umzogen und ebenso der Randbeschlag des Wappenschildes, das die Türen oberhalb der Ehrentreppe des Hauses vom Hohen Rat schmückt.

Die kleine Birke wurde auf dem runden Platze unter den Linden abgeladen und mußte dann in Reih und Glied antreten... da bilde­ten die Mai e n einen grünen Wall des Kö­nigsplatzes und viele Leute kamen vorbei und die Frauen trugen große Kuchen und alle stan­den still und sahen die frische Waldespracht und sagten:Siehe da, es ist Pfingsten, ein neuer Geist der Hoffnung...!"

Wie die Soldaten stehen diese Maibäume da!"

Die kleine Birke war ganz stolz. Sie hörte von den Jägern und ihrem großartigen Emp­fang und wie das Echo des Königsplatzes den Ankündigungspaukenschlag für die Musik als Gewitterdonner um den runden Platz herum- laufen ließ.

Freundlich nickte sie den Linden zu, diesen milden Schwestern und diese wiegten die vol­len Kronen. Sie freuten sich des Markttrei­bens unter ihrem Schutz.

* * *

Das war ein Wochcnmarkt bei hellstem Son- nenfchein. Um 11 Uhr abends schon war die Birke mit ihren Schwestern auf dem Königs­platz eingetroffen. Zufällig kam der Marktmei­ster und mußte Nachtschicht machen, um den Händlern Plätze anzuweisen.

Und diese Aussicht! Der ganze Platz ein Blumenladen. Gelbe und weiße Margeriten, Schneebälle und Pfingstrosen! Auch viel Rot­dorn, der jetzt in der schönsten Blüte steht. Und dazwischen Korb an Korb mit Gemüse aller Art und... Menschen über Menschen, die sogar kauften!

Es wurde alles gekauft. Butter wurde ausverkauft. Ueberstand gab es eigentlich nur bei Eiern, deren Preis am Donnerstag irrtüm-

Würzburg, 22. Mai. Ein Blatt meldet: Die Explosionskatastrophe in der Pulverfabrik Haß­loch hat noch drei Todesopfer gefordert. Drei der Schwerverletzten sind im Krankenhaus gc- storbcn. Bei elf der Schwerverletzten besteht immer noch Lebensgefahr. (Heftern erfolgte in den Trümmern nochmals eine mit einer Stich­flamme verbundene Explosion. (S. a.Aus aller Welt.")

Offene Handelslore In Wien.

Berlin, 22. Mai. (Durch Funkspruch.) Meh­rere Blätter melden, daß gestern nachmittag der deutsch-österreichische Handelsvertrag unterzeich­net worden ist. Der Vertrag soll alsbald im Wortlaut veröffentlicht werden.

Teuerung und Streik tm Land Lenins.

Berlin, 22. Mai. (Privattelegramm.) Ein Blatt meldet aus Leningrad: Die Arbeiter von achtzehn Staatsfabriken sind als Protest gegen die Teuerung und den russischen Währungs­sturz in den Streik eingetreten.

Eine Llngillasjahrt des Grafen von Eoroeu.

Pderborn, 22. Mai. (Privattelegramm.) Ein von dem Grafen Galen aus Corvey ac- steuertes Personenauto kam auf der Straße von Corvey nach Rischenau infolge Speichenbruchs ins Schleudern, überschlug sich und wurde zer­trümmert. Die Insassen, zwei Damen und zwei Herren, erlitten schwere Verletzungen.

En vergifie.er Ftutz.

_ Eisenach, 22. Mai. (Privattelegramm.) Fisch, räuber haben nachts sämtliche Fische der Elte unterhalb des Wilhelmstaler Sees geraubt und das Gewässer vergiftet, um ftfmcH in den Besitz der Bente zu gelangen. Durch das Gift ist die Brut und jedes Lebenwesen kilometer­weit in der Elte vernichtet worden.

Für em fre es Eisatz

Berlin, 22. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Ein Blatt meldet aus Straßburg: Die Sozial- denwkratische Partei des Elsaß hat sich mit über, wältigender Mehrheit für die Autonomie des Elsaß erklärt.

Lite Eisenbahner stimmen zu.

London, 22. Mai. (Eigener Drahtbericht.) In den Verhandlungen zwischen Eisenbahnge- werkschasteu und Eisenbahngesellschaften wurde gestern eine Einigung erzielt.

Gin spannender Boxkampf.

Newyork, 22. Mai. (Durch Funkspruch.) Der Zehn-Rundenboxkampf Carpentier- Hoff, mann endete unentschieden.