Kasteln Neueste Nachrichten
2. Beilage.
Sonntag, 23. Mai 1926.
Nr. 119.
Sechzehnter Jahrgang.
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Am Bahnhof hatte Herr Petermeier dir wurde mir als Unfreundlichkeit "Usgelest. Frau Fahrkarten^verloren. Das freute mich. Seine Petermeier behauptete, ihr muffe ein
au spielte ihm dafür eine Liebesszene aus ge oder ein anderes Tier ins Korsett «ekrocheu
Das liebliche Fest
Lieber Gott, wenn du ein Einsehen hast, laffe
Frau spielte ihm dafür eine Liebesszene aus Romeo und Julia, ins Negative übersetzt. Das freute mich noch mehr. Inzwischen fuhr unser Zug weg. ohne daß wir drin saßen. Aber es ainaen leider noch mehr Züge. Hinter Pasing fand Herr Petermeier die vermißten Fahrkarten in seiner Hosentasche. Da gab seine Frau noch einen Akt Macbeth zu. Als der Zug in Mühltal hielt, purzelte der Petermeiersche Rucksack aus den Gepäcknetz. Dabei stellte sich heraus, daß Rotweinflaschen zerbrechlich sind, und daß die Sommcrbluse meiner Frau nicht auf Lawinenstürze eingerichtet war. Ich erfuhr, daß ich an diesem Zwischenfall schuld sei; ich hatte mit
hängte ein. c
Meine Frau verabredete folgendes: Herr Petermeier besorgt die Fahrkarten nach dem Starnberger See (dieser scheint nicht «aß zu sein.), Petermeiers holen uns um acht Uhr vormittags ab und das übrige übeilaffen wir Gottes unersorschlichem Ratschluß.
Um halb neun läuteten Petermeiers bei uns Sturm und weil wir in den ersten fünfzehn Elektrischen keinen Platz bekamen, durfte ich Aurorachen auf dem Arm zum Bahnhof tragen. Warum sckreit das Kind so? srug seine Mutter. Ich vermute, weil ich den unruhigen
sein."Sie zog ihre Bluse aus. Das war der schrecklichst- Moment des ganzen Ausflugs.
dem Zug gewackelt.
In Starnberg stellten Wit zunächst fest, daß Philippchen seine Botanisierbüchse hatte liegen lasien, dann flog Aurorachen etwas ins Auge. Wahrend wir zu Viert an dem Auge herumrieben, boxte Adolfchen dem Egonchen einen Zahn aus " Ich ermunterte ihn, in diesem Spiel fortzufahren. Meine Frau machte mir Vorwürfe, daß ich sie in dieser Hitze nach Starnberg geschleppt hätte. Dann hatten die Peter- meierschen Kinder Hunger und finden zu fressen an. Frau Petermeier redete dem Gustav- chen solange ein, er könne einen Glassplitter von der Weinflasche mttgegeffen haben, bis er über Leibschmerzen klagte. Ich durfte ihm ein Brechmittel aus der Starnberger Apotheke holen. Tann gingen wir in den Wald und lagerten uns, um Bewegung zu haben. Dabei ritz eine Hängematte. Frau Petermeier fiel auf einen Igel. Ich bedauerte, daß cs kein Krokodil war.
Dann wurde es dem Philippchen schlecht.
besten wird dies natürlich der Augenarzt >übren. In optischen Instituten werden oft die Augen zwecks Feststellung der paffenden Augen. !aläscr uMersucht; dort kann einfache Kurz- oder Weitsichtigkeit festgestellt herben, Arzt mch «etter im Bau des Auges, wie sie beim Astig maiisnms vorliegen. Aber abgesehen von den erwähnten Ursachen treten Sehstorungen auch häufig als Symptome anderer Krankheiten aut die zu untersuchen naturgemäß nur ^ache de» Arztes ist. ______ Dr"L"E1
Aus stillen Wegen.
Das Märchen vom Schlotzpark.
Erfahrungen eines Mißgelaunten. Von
Karl Ettlingei -München.
„Hoffentlich regnet es diese Pfingsten! sagte mein Freund Maxl. „Lieber Gott, laffe es m Strömen gießen, denn du weißt, was ich vorige Psingsten infolge des herrlichen Wetters er- ] lebt habe!" ......
„Was hast du denn erlebt?- frug ich mit teilnahmslosen Hohnlächeln.
„Was ich erlebt habe? Emen Ausflug! Schon am Sonntag Exaudi überfiel mich meine Frau mit der heimtückischen Frage: Wohin gehen wir über die Feiertage? — W:nn irgend möglich, nach dem Nordpol! sagte ich. Denn dies dünkt mich der einzige Ausflugsort, der an Feiertagen nicht übersüllt ist. Sollte man es für möglich halten, daß dieser Vorschlag meine Gattin verstimmte? — Mit dir kann man tem vernünftiges Wort sprechen! sagte sie, als ob ich dafür verantwortlich wäre, wenn andere Leute unvernünftig mit mir reden. Du willst wohl wieder zu Hause sitzen? Andere Männer---
Jeder Ehemann weiß, daß „andre Manner die fabelhaftesten Tugenden besitzen, daß »andre Männer' von mimosenhaftester Rücksichtnahme überguellen, daß sie nie täten, was wir tun, und deshalb ist cs mir unverständlich, weshalb auch .andern Männern" stets die „anderen Manner" als leuchtendes Vorbild vorgehatten Werten*
Also die Tatsache, daß wir einen Ausflug machen würden, stand fest. Meine Frau verabredete sich mit Petermeiers.
Petermeier ist einer von den „anderen Mannern.. Ein solches Dromedar kommt sonst in unserem Klima überhaupt nicht vor. Er sollte seinen Mund wirklich nur beim Zahnarzt auf» machen! Immerhin gelänge es mir, angesichts meines grenzenlosen Wohlwollens vielleicht doch, ihn mit Stillschweigen zu übergehen, wäre
Wir gingen zu Nacht effen. Ich sah die ©bei* sekarte an und sagte, Rattengift sei gestrichen. Petermeiers bestellten zu acht drei «ische und fünfzehn Mal Karwfseln. Dem Aurorachen blieb eine Gräte im Hals stecken. Darüber bekamen Herr und Frau Petermeier Streit miteinander. Ich besänftigte sie, indem ich fragte, ob ich vielleicht eine Axt holen solle. Fran Petermeier meinte, ich würde gewiß gern mit Adolfchen und Gustavcben und Philippchen zusammen in einem Bett übernachten.^ Ich gab vor, ich sei schon mit dem Stubenmädchen verabredet. Hieraus entschied meine Frau, wir fuhren sofort heim.
Unterwegs flog Adolfchen der neue teure Hut zum Fenster hinaus. Aurorachen mußte auf die Toilette, welche segensreiche Einrichtung aber in unserem Wagen nicht vorhanden war. Dann wurde mir ein Schirm entzwei gebrochen, weil ein Betrunkener meine Frau hatte kuffen wollen. Ein Kontrolleur stellte fest, daß Herr Petermeier ein Kinderbillett zu wenig gelöst hatte. (Das tut er immer bei Andrang.) Dann durste ich wieder Aurorachen vom Bahnhof nach Hause tragen.
Meine Frau sprach am zweiten Psingsiseier- tag kein Wort mit mir. Sie holte es am dritten Feiertag nach.
Pstermeicrs haben immer noch Telephon. Auch ihre sechs Kinder haben sie noch. Und Frau Petermeier ist inzwischen ein Jahr älter geworden- Aber jetzt ist wieder Psingsten.
Aurorachen wollte Kahn fahren. Wir gingen an
den See hinunter, und ich ruderte in die Geg-nd,» citvc. «vu, i«»» v«
wo ich Haifische vermutete. Dann wurde es auch cs regnen IBitte, bitte, mache Hauptprobe zur den übrigen schlecht. Daran war wieder ich nächsten Sintflut! Ich will auch gern Verzuchen, schuld. Ich hatte den See mit Wellen versehen, ein belferet Mensch zu werden.
Sind eie kurzsichtig?
Was jeder von den Augen wissen mutz.
Häufig wird uns die Frage vorgelegt: Me kommt es, daß so viele Leute, sogar Kinder, Augengläser tragen, viel mehr als stuher, ist es nicht eher schädlich, sich daran zu gewöhnen und sich von den Gläsern abhängig i« machen? Da ist es zunächst notwendig, darauf hinzuweisen, daß das Auge selbst die Gegenstände der Außenwelt gar nicht fleht, vielmehr dringen die Lichtstrahlen der Außenwelt in das Auge ein, geben im Hintergrund des Augapfels auf der Netzhaut, einer zarten, mit empfindlichen Nervenzellen besetzten Haut, ein Bild, das nun durch den Sehnerv" in das Gehirn toeitergeleitet wird, und erst dort entsteht das Bild der Aussenwelt im Bewußtsein des Menschen. Es ist also das Gehirn, mit dem wir eigentlich sehen, und das Auge ist nur ein feiner Apparat, eine Kamera, die die Bildwittung vermittelt.
Tas Auge ist aber ein viel feinerer Apparat als eine Kamera. Während eine Kamera immer auf die Geaenstände eingestellt werden muß, stellr sich das Auge selbst auf sie ein. Wir nennen diesen Vorgang Akkommodation. Die Lichtstrahlen, die von einem Gegenstände in unser Ange fallen, werdei: in der Kristallinse gebrochen und
zu lang'*, während in der Nähe liegende Gegen-! stände, im Gegensatz zum weitsichtigen Auge, gut erkannt werden können. Die Kurzsichtigkeit entsteht häufig durch jahrelang fortgesetzte Näharbeit. besonders in wenig Hellen Räumen oder bei der Beschäftigung mit kleinen Buchstaben! und feinen Stickereien. Sie kann am Augenhintergrund Veränderungen zur Folge haben, cs entstehen Mutungen und Risse in der Aderhaut, einem sehr wichtigen Organ, das die zur Er-, in
näbrung des Auges nctwendiaen Blutgefäße zwei dünne' Schlage tn
Von Karl Demmel.
Maitag — wunderbarer Maitag mit Sögel* singen und süß duftenden Kastanien, J4 »m n ein stilles Dorf gewandert, das weil ab liegt von der hastenden grauen Industriestadt! nut >l>rcn steinernen Schloten und dem grauen 'üaucfcmeer Es ist um die Mittagsstunde. In Kein Mensch ist auf der Gaffe. Auf dem ei neu Dorfkirchhof tummeln sich Bienen uno Schmetterlinge Marienkäfer Wippen auf wei^en «toten Ein dünner, weinerlicher Klang oer Dorskirchuhr zittert durch die Mittagstraghelt. dann ist es wieder schweigMm m den Dotszas Hen tote vorher. Dornröschenschlaf...
Da, wo die Brenneffeln ganz dicht: und.hoch lieben ist eine verschwiegne Parkpforte. Sinai renb dreht sich die Tür in ihren verrosteten An- Igeln Ich bin im Schlosspark. Stille umsangt ------------------------------------------------------------------------ . mich Die schmalen Gartenwege sind von GraD vereinigen sich auf der Netzhaut ku sinem Bilde. Unkraut überwuchert. Ein Stück Märchm- Dcs normale Auge sieht Gegenstände tn £erl £ ti{ e§ wenn der alte Schloßpark Ferne sehr gut, soll es nun Gegenstände in ber Lied ausströmt. Uepplge Flieder-
Nähe erkennen, so übt der Akkommodattous-|Bo[i)en jungen über weitz-morsche Gartenkxmke Mechanismus einen Druck aus die Kristallmft h^l). Auf einer ist ein Herz eingeschmtzt: Der aus, wodurch diese sich wölbt und die Lichtstrah- K $ur Erinnerung an das Liebesglück zweier len stärker gebrochen werden. Bei jedem Men- Meilsthenkinder steht darin: 11. Sunt 1829 — scheu hat aber die Akkommodation ihre Gren-ft geit be§ behäbigen Biedermeier erstarb zen, und mit zunehmendem Alter tritt eine Ak- und dieses Glück ist langst, langst, vev- kommodationschwäche ein, die eine Folge der mt raufdrt... Zwei verliebte Falter schameln zwl. Alter ganz normalen zunehmenden $er5artung l-cf)en Baumstämmen. Droben lachen lichtblaue der Linse ist. Das gealterte Ange sieht sehr gut Mken. Der Park aber schlaft — und wenn Gegenstände in der Ferne, kann sich aber auf all die blauen, weissen und gelben Bluten naheliegende Gegenstände mcht mehr einstellen. ijt seinem Bereich lachen twr Fruhlingsfellg Die Lichtstrahlen, die beim normalen Auge fo (eit _ der Park ist müde geworden und alt. gebrochen werden, daß sie sich auf der Netzhaut An der Nymphe, die auf einem klelnen R-n- bereinigen, bereinigen sich also beim gealterten boI steht, kriecht liebkosend der Efeu empor, als Ange erst hinter der Netzhaut. Die Längsachse sollte er ihre nackte Schönheit verdecken, rzel des Auges ist also tut Verhältnis zur Brech- einem kleinen Hügel liegt ein dunkler Weiher, kraft der Linse zu kurz. Umgekehrt ist es bei darinnen muffen Nixen und Elfen tm Grunde dem kurzsichtigen Auge. Hier ist die Brechkraft schlafen und nur aufwachen, Wenn ein ftwten der Linse zu stark, so daß die Lichtstrahlen dre klirrender R"ter durch den Park geschritten aus der Ferne kommen, sich schon zu einem schar- kommt, der das Gluck suchen will. , irgend n fen Bilde bereinigen, bevor die Netzhaut erreicht einem Iasminsttauch immt sich em «ogum ist (die Längsachse des Auges ist al,o in diesem aus. An einer Parklichtuna ist «. als tarne Falle im Verhältnis zur Brechkraftder^Linse^die blonde ^^^rau^den^till^Psa^her
hüllt. Aber die — derer von... fludalleläMst tot — ihre Särge stehen aufgebahrt in dem kleinen Dorflirchlein. , .
Draußen ruht die Welt — die Wett der Kohle und des Eisens - diesen Traumerwinkel hier hat sie bergeffen. Zwischen diesen hohen Bäumen ergreift mich em ehe-urchtigeS Gefuhl vor der ewigen Schonheft ^ göttlichen Schöpfung... Die Dorskirche schlägt Wieder näbrung des Auges notweiwiaen »iutgcmm i au die Gaff^' die
enthält. Dadurch tritt eine Schädigung der Netz- Zwei Mädchen, die langhaut ein, die unter Umstanden zu einer äusser- DornLule ist aus Schar schlendern, stn-
ordentlichen Gefahr, nämlich zu einer Ablösung wm dmter ihnen die Schulgeige
der Netzhaut führt. Schwere Sehstoruiigennnb gen das L w £nb klingen ist um
dann unausbleiblich. Durch die rechtzeitig: Vor- votgei 9 ■ beschleicht meine Seele ordnung von Augengläsern können bet Kurz- muh Melancholie, d e in ihre geheimsten und Weitsichtigkeit schwere Folgen vermieden ««&leit
werden. Der Küster schreitet über den Dorfplatz —
Nun gibt es aber auch Augen, dir weder das große Kirchenschlüsselbund in seiner vom von fern noch von nah deutliche Bilder bekam- Glockenstrick rauh gewordeneni Hand klapp-rt. men. Wir finden dabei häufig einen Fehler in Der Sonntag sicht vor dem Dors. Durch die der Hornhaut, einer durchsichtigen Membran, Pforte bei den Brenneffeln gehe A »um Patt durch d-e das Licht in das Auge eintritt. Wir wieder hinaus. Ich wende mich scheu um, mm nennen diesen Fehler Astigmatismus und kötmen war es, als ob mick d'e blonde *Eotzfrau lM ihn durch Zylindergläser, die die Eigenschaft dusttgen Fruhlingskleid gerufen batte... Bt- baben, nur in einer Achse zu brechen, sehr hau- non... E-- bliebt still — nichts ruhtt sich. ^ r. fig völlig ausgleichen. Zum Schluß em Wort alte Patt, mein Marchenftmd, träumt we.t.r, über die Verordnung von Augengläsern. Am träumt lern altes müdes
die sie liebten.
Aber wer weiß, ob man dir Frauen nicht verleumdet, wenn man ihnen nachsagt, daß sie wandelbar sind. Es stimmt ost nicht einmal bann, wenn man ihnen nachweisen kann, daß ihr gegenwärtiger Verehrer grundverschieden von seinem Vorgänger ist. Frauen wollen zumeist nichts als Liebe. In diesem einen PPunkte bleiben sie sich treu, und wenn Liebe ihnen in netter, hübscher Form von einem Manne geboten wird, der demjenigen, dessen Leidenschaft eben verslammte, durchaus unähnlich ist, so Wundern sie sich selbst, daß ihnen bisher der andere gefallen konnte. Man schiebt die Wandlung, die mit dem Manne vorgegangen ist, der Frau zu und sie weiss selbst ofi nicht, wie es kam, dass der Mann, in dessen Gesellschaft sie zuerst so gern war. sie nun ma los langweilt und ein anderer, von ihm «rundlich Verschiedener ihr Intereffe feffelt. Rur die ganz routinierten Frauen haben es weg, daß die Anfänge fast immer gleich und immer schön und interessant sind, ob der Mann nun schlank oder robust, dunkelhaarig oder blond
Der ideale Mann.
MM» Frauen nur für Schönheft empfänglich?
Von
Elsa Tauber-Wien.
Der Geschmack der Menschen ist und bleibt wandelbar, besonders der Geschmack der Frauen für Männer. Dagegen werden auch die Studentinnen der amerikanischen Oakland- Universitäts nichts sagen können, die auf dem Wege einer Umfrage als Jdealtypus den «roßen, schlanken, blonden, braunäugigen, sportlie- benden und intelligenten Mann ausstellten. Diese Entscheidung für ein Idealbild bleibt zumeist eine Theorie, denn wenn es ernstlich dazu kommt, sich zu dem Manne fürs ^anze Leben netschließen zu müssen, sind meist ganz andere Eigenschaften als ein gut gezogener Scheitel und hübsche Augen maßgebend. Man nimmt vor allem den, der da ist, und gewöhnlich entspricht der dem Ideal nicht im geringsten. Dieses Ideal aber — ist es tatsächlich auch bei der einzelnen Frau ihr ganzes Leben hindurch unveränderlich?
Manche Frauen bleiben sich wohl auch tn ihrem Geschmack den Männern gegenüber treu, aber als Regel darf es durchaus nicht hmge- nommen werden, daß alle ihr ganzes Leben hindurch immer an den Männern eines gewissen Typs Gefallen finden. Gesetzt den Fall, eine Frau hat sich leidenschaftlich in einen Mann verliebt, der tatsächlich ihrem Schönheitsideal vollkommen entsprach. Sie gefiel ihm ebenfalls und er war während der ersten Zeit der liebenswürdigste, scharmanteste, netteste Kavalier, den man sich denken kann. Nun soll es jedoch gar nicht so selten Vorkommen, daß Männer sich im Laufe der Zeit, ob sie nun mit einer Frau verheiratet sind oder nicht, gründlich ändern und daß aus einem reizenden, aufmerksamen Gefährten ein stets gereizter, ewig nörgelnder, recht unanzenehmer Patron wenigstens für die eine Frau wird, die er langsam sat bekommen hat und dass er nun seinen Unmut fühlen läßt. Ist es da ein Wiut- 6er, wenn er ihr den ganzen TYP verekelt? Zn ihrer eigenen Uebenaschung bemerkt sie eines Tages, daß sie, die früher immer nur die schlanken Blonden mochte, plötzlich Sympathien für den robusten Dunkelhaarigen empfindet, insbesondere wenn er ihr mit der Liebenswürdigkeit entgegentommt, die sie bei ihrem bisherigen Kavalier in den letzten Wochen bitter vermissen mußte. Mit einem Male mag sie die sehnigen Sportgestalten nicht mehr, es tut ihr wohl, den Kops an eine breite Schulter lehnen zu können, sobald sich ihr diese Schütter nur als Stütze bietet. Und es kann sogar vottom- men, daß Frauen der schönen oder allgemein Mr interessant geltenden Männer müde werden, daß sie nicht einmal mehr den Kinoschauspielertyp mögen und an einem Manne Gefallen finden, dem alles zum Blender fehlt.
Glücklicherweise ist eS so, denn wie kämen sonst die meisten Männer, die bei Gott nicht die geringste Aehnlichkeit mit dem Apollo vom Belvedere oder Konrad Beith haben, zu Frauen,
er nicht mit seinem Eheweib behaftet. Die,e Dame, die abwechselnd die Busenfreundin und Todfeindin meiner Fran ist, kann von ihrer Mutter nur aus purer Bosheit in die Welt gesetzt worden sein. Trotz alledem aber gibt es sechs Lebewesen, die können dieser Frau Petermeier alles recht machen, und das sind ihre sechs Kinder. Ich Pflege dieses halbe Dutzend nur das .Mißgeburtenkabinett" zu nennen. Wenn Herr Petermeier kein „anderer Mann wäre, müßte er schon einen ganzen Dschungel von Rohrstöcken an seinem Nachwuchs entzwei geprügelt haben. Aber Herr Petermeier — na, reden wir nicht davon.
Meine Frau läßt Sie bitten, über Pfingsten mit uns nach dem Chiemsee zu fahren! sagte ich am Telephon. Huch nein! hauchte die Petermei- crin. Der Chiemsee ist so naß. Philippchen darf absolut keine Feuchtigkeit haben, und Adol^ chen--Vielleicht fahren wir dann nach
fern Kochelsee, der ist nicht so naß! zischelte ich (O Gott, warum gibt es keinen Fernboxer!) Kochelsee? Huch nein! Der liegt so hoch, und Egonchen bekommt von der Höhenlust--
Auch Reichenhall soll ich Ihnen Vorschlägen! (Wie sagt doch der wackre Valentin im Faust?: .Könnt ich dir nur an den dürren Leib?") — Reichenhall? Huch nein! Reichenhall hat so laue Lust und Aurorachen-- t _
Setze dich auf eine Kanonenkugel und lasse dick in die Wolfsschlucht schießen! dachte ich und
Linr gute plaftih: „Lank" von Bahar Garuens.
Auf einer Berliner Kunstausstellung wird diese gut gelungene Plastik des Bild- Hauers Oskar Garvens gezeigt.
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ist. Mitunter, wenn der bisherige Verehrer gar —"-----
zu herrisch und eigenwillig war, erscheint es sogar ganz angenehm, um den weicheren, an- chmiegsameren, rücksichtsvolleren Typ kennen zu fernen und umgekehrt. Wenn im Laufe der Zeil der eine dann gar zu grob, der andere zu gleichgültig wird, versucht es die Frau eben mit dem andern, wenn sich gerade Gelegenheit dazu bietet. Die Gelegenheit aber ist das Ausfchlag- «ebende. Die Frau wählt ja meist nicht, sie wird gewählt und stellt sich gefühlsmäßig um und ein, wie es gerade von ihr verlangt wird. Sie findet nicht mit jedem Manne, der sich chr nähert den seelischen Kontakt, aber durchaus nicht nur mit dem einen, der einem gewissen Typ entspricht, selbst wenn dieser Typ durcy eine Rundfrage festgelegt ist. Und hat ein Mann die Absicht, eine Frau zu heiraten, merkt sie seine sich ständig gleichbleibende Gcsnh.s- toärme, die getoisseraßemn von dem ernsthaften Hintergrund ausströmt, bann begräbt sie alle Ideale von Männerschönheit, wie sie ihr einstens vorschwebten, leichten Herzens und findet beit am schönsten und begehrenswertesten, der ihr nicht nur ein Heim, sondern auch die Ruhe des Herzens schenken wist.