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Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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Nummer 118. Amtliches Organ der Stadt Kassel
Sonnabend, 22. Mai 1926 Amtliches Organ der Stadt Kassel 16. Jahrgang
Warum wird der Mein noch nicht frei?
Die Zukunft ist kiar.
Meilensteine für Innen- und Autzenkurs.
(Von Staatssekretär z. D. Frhr. v. Rheinbaben.)
Ich möchte auf Grund der außenpolitischen Klärung in Gens und in Anlehnung an frühere Vorschläge eine sehr wichtige innerpolirische Schlußfolgerung für die weitere Handhabung des parlamentarischen Systems bei uns ziehen. Das abschließende politische Werturteil über das in oer Studienkommisflon erzielte Ergebnis steht schon heute fest: Deutschland zieht im September allein als ständiges Mitglied in den Völkerbund ein; die Vermehrung und Wahl der nicht ständigen Ratsmächte erfolgt nach freier Entscheidung durch die Bundesversamm- luna und nicht etwa auf das Geheiß Frankreichs oder irgend einer anderen Versailler Großmacht und die durch stärkere Beteiligung südamerikanischer Staaten und hoffentlich auch Chinas an der Arbeit im Völkerbundscat verstärkte Universalität entspricht ganz besonders dem deutschen Interest«. Ein ganz neuer und gegenüber dem Versailler Bunde innerlich reformierter Völkerbundsapparat wird ins Leden treten und durch deutsche Mitarbeit wird er sich vorteilhaft von dem bisherigen unterscheiden müssen. Das ist das Wesentliche und alles andere tritt an Bedeutung hinter ihm zurück.
Und was dabei für uns Deutsche besonders interessant war. ist die Tatsache, daß die unter Hinweis auf den angeblich gegen den Volker- bundsgeist verstoßenden Abschluß des Berliner Vertrages mit Rußland zunächst so laut erhobenen Einwände in den Genfer Beratungen gar keine Rolle gespielt haben. Mit anderen Worten: Die in dem deutsch-russtschen Neutra- litätsvertrag eine besondere Rolle spielende Frage der selbständigen deutschen Entscheidung in bezug auf die etwaige Bezeichnung Rußlands als Angreifer in einem Konflikt mit einem dritten Staat (zum Biespiel mit Polen oder Rumänien) bleibt genau so, wie ste zwischen Deutschland und Rußland bereits geregelt worden ist. Locarno, Berliner Vertrag und Völkerbund sind in das Mr Deutschland passende und heut mögliche gemeinsame Schema gebracht. So naht sich nunmehr der Zeitpunkt, an dem nach der vorläuft- gen Reparationsregelung durch die Dawrs- gesetze auch das Vertragswerk von "ocarno im Westen und Osten völkerrechtliche Gültigkeit erhillt und Deutschland sowhl als ständiges Mitglied des Völkerbundsrates wie in seinem neu geregelten Vertragsve-rhältnis zu Rußland weite und neue Zukunftsaufgaben vor sich steht. Und aller Voraussicht nach wird im Herbst dieses Jahres ein weithin sichtbarer Meilenstein deutscher Nachkriegsentwicklung erreicht [ein.
Gewiß steht neben diesem Meilenstein keine Bank zum Ausruhen. Wir müssen weiter zu Gleichberechtigung und Freiheit und manchem mag die Vorwärtsbewegung viel zu langsam gehen. In den besetzten Gebieten des Westens halten tue Kri^sgegner unter Führung Frank- reiechs unter Bruch feierlicher Zusagen noch heute die doppelte Truppenstärke, als sie unter der so oft zitierten .Auswirkung von Locarno" und aufgrund der Botschafternote vom November 1925 betragen dürfte. Von vorzeitiger Räumung der zweiten und ritten Zone verlautet nichts. Die Frage der künftigen militari- schm Völkerbundskontrolle ist voller Fallstricke. Die fetzt beginnenden Mrüstungs- verhandlungen in Genf verheißen wenig Gutes und erfordern lange und zähe Anstrengungen. Der polnische Staatsstreich weist mit elementarer Wucht auf die Notwendigkeit einer völligen Neuregelung des Verhältnisses Polens zu seinem deutschen Nachbarn.
Gleichzeitig kündet bei uns selbst die zunehmende Last der Daweszahlungen immer stärker die Forderung an, in Verbindung und Berück- stchtiaung der allem Anschein nach nur ganz allmählich weichenden deutschen Wirtschaftskrise den Sachverstäflndigenplan wirklich dem verarmten und von PoincarL ausgeplünderten Deutschland „anzupassen" und gewisse Revisionsmöglichkeiten ernsthaft ins Auge zu fassen. Diese Aufgaben werden sich weder mit Illusionen und Wünschen, noch aufgrund irgendwelchen plötzlichen Umschwungs zu Deutschlands Gunsten lösen lassen. Die große Wahrscheinlichkeit spricht vielmehr dafür, daß wir diese Aufgaben im sieten Ringen nach außen und in steter Anpassung an die Methoden und äußeren Formen der Nachkriegspolitik nach dem Prinzip der Nützlichkeit, des Ausgleichs der Interessen und der prattischen Zusammenarbeit mit anderen Ländern zu lösen haben werden! Für alle diejenigen, die in vaterländischer Einstellung diese hier gegebene Darstellung im Großen und Ganzen für richtig halten, ergibt sich aus ihr aber mit zwingender Logik der folgende Rückschluß aus die in
ne r e P o l i t i k: Es wäre zu alledem, was wir an innerpolitischem Hader und parteipolitischer Zerrissenheit noch bis in die letzten Tage immer wieder bei uns erlebt haben, eine schwere Hemmung für die deutsche Zukunft, wenn in ihr die Parieipolitik sich weiterhin so stark nach außenpolitischen Grundsätzen, Weltanschauungen oder falsch gesehener formalistischer Propaganda und Agitation orientieren würde. Der Zeitpunkt naht heran, an dem nun wirklich die Forderung zur Tat werden muß, daß allein die Einstellung zum inneren Wiederaufbau und die innere Konsolidierung Deutschlands zum Maßstabe für die Zusammenarbeit der politischen Parteien in Koalitionsregierungen werden muß. Die letzte Abstimmung im Reichstag, die der Regierung Marx den Antritt ihrer Tätigkeit ermöglichte, hat mit aller Deutlichkeit die Wege d a s ü r freigernacht. Insofern könnte nach dem aus vielen Gründen zu bedauernden Rücktritt des Herrn Dr. Luther aus den Ereignissen dieser Tage der Keim einer gesunderen Entwicklung in unserem ganzen innerpolitischen Leben aufgehen. Und außerdem: Die deutsche Außenpolitik käme wahrhaftig auch nicht schlecht dabei weg, wenn künftig bei aller Freiheit der Kritik im Einzelnen Deutschnationale bis Sozialdemokraten grundsätzlich hinter ihr ständen!
Zft das Locmnog-M?
Ein Befreiungsfchritt für den Rhein. (Privat-Telegramm.)
Berlin, 21. Mai.
Stete demokratische Korrespondenz will wissen, dach die Reichsrogierung eine Demarche in der Besetzungsfrage vorbereite, die voraussichtlich kurz nach Pfingsten erfolgen soll, und deren Grund darin liege, daß der Abgang von Truppen aus der zweiten und dritten Besetzungs- zone immer noch geringer sei, alS der Zustrom der Truppen aus der ersten Zone.
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Berlin, 21. Mai. (Privattelearamm.) Das Reichskabinett hielt gestern nachmittag seine erste Sitzung über das Arbeitsprogramm der Reichsrvgierung ab. Größere politische Fragen will man erst nach den Pkingstferien regeln.
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Wien...am Rhein.
Festwoche zur Pflege der Blutsbrüderschaft. (Privat-Telegramm.)
Köln, 21. Mai.
Boni 6. bis 13. Juni d. I. findet unter der Devise „Donau und Rhein" hier eine Festwoche statt, die das Verständnis für das Denken und Fühlen unserer Stammesbrüder wecken und vertiefen, die Kenntnis von dem hohen Stande ihres geistigen und kulturellen Lebens vermitteln und die fteundschaftlichen Bande brüderlicher Gesinnung verstärken soll. Es sind u. a. Aufführungen des Wiener Burgthea- ters (Medea von Grillparzer) und Saht von Wildgans) vorgesehen. Der Dichter W i l d - g a n s wird aus eigenen Dichtungen vorlesen. Ein Abend ist der österreichischen Musik unter Professor Schalk gewidmet. Prof. Dr. Reu- wirth wird einen Lichtbildervortrag über den österreichischen Barock halten und der österreichische Bundesminister für Unterricht, Dr. Schneider über das Bildungswesen sprechen. Auch der Wiener Männergesangverein wird in dieser Zeit in Köln anwesend fein.
Wie es Euch gefällt.
Volkspartei gegen Volksentscheid. Dem. neutral. (Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 21. Mai.
Die gestern abend ausgegebene Parole der deutschen Bolkspartet lautet: Keine Be- teil igung am Volksentscheid; jeder bleibe der Abstimmung am 20. Juni fern. In der gestrigen Sitzung der Demokraten ist die Abstimmung für den Volksentscheid freigegeben.
Ein schwarzer Lag.
Streiknachwehen und -Lehren im Unterhaus.
(Eigener Drahtbericht.)
London, 21. Mai.
Im Unterhaus wurde gestern mitgeteilt, daß durch den Generalstreik die Zahl der A r b e i 1 s- losen um weit mehr als eine halbe Million gestiegen sei. Bei der Finanzvorlage erklärte Snowden, daß die Arbeiterpartei die Finanzvorlage ab lehne, da die Ausgaben
ungeheure Erhöhungen aufwiesen. Snowden richtete an Churchill die Frage, ob er Mitteilun- gen über seine Verhandlungen mit P e r e t ma- chen könne, und trat unter dem Beifall des Hauses für eine Zusammenarbeit, bei der sowohl dem Standpunkte der Arbeiterschaft als auch des Kapitals Rechnung getragen würde, ein. Churchill erwiderte einleitend, er könne über die Schuldenverhandlungen mit Frankreich keine Mitteilungen machen, da diese noch andauerten. Weiter führte Churchill in Erörterung des Streiks u. a. aus: Es wäre eine große Ungerechtigkeit gegenüber der Landwirtschaft und vielen anderen Industrien, wenn man sich zu einer Politik der ständigen Subventionierung der Kohlenindustrie verpflichten würde. Jederman weiß, daß das nur Gegenmaßnahmen seitens Deutschlands und andere-- Länder zur Folge haben würde. Ein Regierungsvertreter erklärt, die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund im September solle unbedingt erleichtert werden.
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Lloyd George in Ungnade.
London, 21. Mai. (Eigen« Drahtmeldung.) Ein Blatt dementiert, daß Lloyd Georges Rücktritt vom Vorsitz der liberalen Partei bevorstehe, betont jedoch, daß tatsächlich ernstliche Meinungsverschiedenheiten zwischen den liberalen Führet* entstanden seien. Lloyd George hat es während des Generalstreiks abgelehnt, an einer Sitzung der liberalen Führer tellzunehmen und in einem Schreiben gegen Abhaltung der Sitzung* Einspruch erhoben.
Die Kohlevkr se frißt weiter
London, 21. Mai. Die Bergarbeiter- konferenz hat die Vorschläge Baldwins zur Beilegung des Bergbankonflikts a b- gelehnt. Die Grubenbesitzer werden die offizielle Antwort heute vormittag übermitteln.
Ein Fehdebrief an Msudsli
Der Präsidentschaftskampf entbrennt.
(Durch Funtspruch»
Warschau, 21. Mai.
Der Nationaldemokratische Volksverband huldigt in einer Kundgebung allen, die auf Seiten der rechtmäßigen Regierung gekämpft haben, fordert ihre sofortige Freilassung und die rasche Einberufung der Nationalversammlung außerhalb Warschaus. Abgesehen von der gesamten Linken scheint auch der überwiegende Teil des Zentrums für Warschau Wahlort zu fein. Der vereinigte Block der Linksparteien beschloß gestern, Pil- sudski als Präsidentschaftskandidaten der Linken auszustellen. Sejmmarschall Kataj will auf keinen Fall kandidieren.
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Keine Diktatur in Voten.
Aber das Parlament wird aufgelöst.
(Eigene Drahtmeldung.)
Paris, 21. Mai.
Pilsudski, Generalstabschef rin Warschau, erklärte einem Pressevertreter, er habe die frühere Regierung vertrieben, weil unehrenhafte Leute die Macht in der Hand hatten. Die Generäle waren zum Teil ebenfall korrumpiert.
Paris, 21. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Ter polnische Innenminister äußerte sich zn einem Pressevertreter, die Regierung habe die Möglichkeit der Ausrufung der Diktatur ausgeschlossen. Ans die Frage, ob nicht eine Opposition zwischen der Regierunq und dem zu wählenden Präsidenten möglich sein werde, da die Mehrheit der Nationalversammlung dem rechten Flügel des Zen- trums angehöre, erklärte der Minister, das fei unwahrscheinlich, denn die Wahl des Präsidenten werde da§ Ergebnis eines Kompromisses fein. Außerdem werde das Parlament nach der Wahl seine Auflösung beschließen.
Wie der FrakN, so der Rubel
Teuerungsnöte im Sowjetreich.
(Eigene Drahtmeldung.)
Königsberg, 21. Mai.
Ein Blatt meldet aus Leningrad: Die ausländischen Devisen steigen in Rußland schnell weiter. Die Sowjetkommissare in Leningrad haben wieder Höchstpreise für Lebensmittel festgelegt. Die Stadtverwaltung b-tt die Wiederausgabe von Lebensmittelkarten beschlossen. Große Unruhe herrscht in der Arbeiterschaft, da die staatlichen Betriebe jede Lohnerhöhung grundsätzlich ablehnen.
Gold und Verbrechen.
Amerika unter der schwarzen Hand.
Die Witwe des M»lti«illio»8rS Regina» Bauderbilt bat Amerika mit ihrer totne« Tochter Gloria, der Erbin oon zehn Millionen Mark, heimlich verlalien. Seit einiger Zeit erhielt Sra» Banderbilt fast täglich Ervref» f e r b r i e f e. Auch wnrden Berfnche gemacht, ihr Töchterchen »n entführen. An diese neueste Dollarfensatio» knüvft ein Blatt die folgenden ersprießlichen Betrachtungen:
In den letzten Jahren hat die Zahl der Verbrechen in den Vereinigten Staaten eine so große Zunahme erfahren, daß man die schwersten Befürchtungen hegt. So ist es in allen amerikanischen Großstädten: schlimmer noch als. in Newyork sind die Züstände in Chikago, wo im vorigen Jahr mehr Morde verübt 1 ur« den Äs in ganz England zusammen. Der General Dawes hat die amerikanische Regierung sowie die Oessentlichkeit durch ein Memorandum aufmerksam gemacht, in dem es heißt: „Chicago befindet sich heute in der Hand der Über den Gesetzen stehenden „Lehnherren" der Sünde. Die Bürger der Stadt sind sozusagen steuerpflichtig der „schwarzen Hand". Mit
Terrorismus, Kinderraub und Meuchelmord
zwingen ste den Einwohnern ihren unbedingten Willen auf. Die schwarze Hand hat viele, schwerreiche Mitglieder. Die schwarz« Hand ist mit der Polizei in vollständigem Einverständnis, sie betätigt alle gesetzwidrigen Geschäfte. Sowohl das Gebiet der Stadt wie auch die verschiedenen Verbrechen teilten sie unter sich auf, dulden keinerlei Einmischung in ihre Angelegenheiten und bestrafen mit dem Tode diejenigen kleineren Verbrecher, die den Mut haben, in ihren Wirkungskreis einzudringen." Des weiteren teilte Dawes mit, daß die einflußreichen Banditen für die Mitglieder der Staatsanwaltschaft Banketts veranstalten und die führenden Beamten der Polizei mit Schmuck und Automobilen beschenVen, daß ein Bandit, Edward Bel« delli, der einundvierzig Morde begangen hat, nach seinem Tode durch ein „Millionendollar- begräbnis" geehrt wurde, an dem sämtliche Räuberbanden Chikagos teilnahmen, und datz die Zeitungen gezwungen wurden, festzustellen, daß kaum je ein amerikanischer Bürger so feierlich auf feinem letzten Wege geleitet worden sei ufto. Wenn dem so ist, und man darf, wie gesagt, in der Glaubhaftigkeit des Generals Dawes nicht zweifeln, dann besteht die wohlbegründete Vermutung, daß in dem gesellschaftlichen Mechanismus der Vereinigten Staaten nicht nur eine Schraube losgegangen ist, sondern daß das ganze Gestänge sich bedrohlich gelockert hat. Dawes sagt ja auch ferner noch, daß in allen Großstädten ähnliche Zustände herrschen; nur in Chikago fei es am schlimmsten, weshalb er einen erbarmungslosen Ausrottungskrieg für nötig halte. Letzteres ist leicht gesagt, aber schwer zu tun. Schon lange hörten wir von
Panzerautos mit vielen Schießscharten und zwanzig bis dreißig Schwerbewaffneten, deren die Santen, die Juweliere und auch Privatpersonen in Newyork sich zum Transport von Geld und Wertsachen bedienen. In jeder Stadt Deutschlands würde selbst während der Zeit der schlimmsten Kriegsverwilderung eine Geleitmannschaft von zwei Polizisten für jeden beliebig großen Geldtransport ohne Panzerauto genügt haben. Das Brigantentum in den U. S. A. scheint demnach eine Macht zu fein, die man mit den gewöhnlichen polizeilichen Mitteln nicht mehr abweifen kann. Ein« solche Macht wie Dawes sie schildert, kann aber nicht heranwachsen und bestehen, ohne den stärksten Rückhalt in der Bevölkerung selbst, nicht nur im Proletariat, sondern auch im Bürgerstande. Es wäre ganz abwegig, wollte man diese Dinge mit den Zuständen des „Wild- West" vergleichen, die ehedem an den Grenzen der amerikanischen Zivilisafion obwalteten. Dort verzichtete die Staatsgewalt auf eine Be- tätigung und Überließ es den Bürgern, sich selbst zu schützen. In CHAago und anderen Großstädten aber hat die Staatsgewalt den Schutz der Bürger übernommen und somit den Selbstschutz mit allen seinen Wildheiten onsge- schaltet. Tas Räuberwesen richtet sich also gegen alle und jeden. Es entstehen nun folgende Fra- gen: 1. Ist das zweifellos von weiten Kreisen des Volles gestützte Räubertum in den U. S. A. nicht vielleicht die Frucht einer alle Grenzen schlichten Begreifens überschreitenden Zivilisation, der das ethische Vermögen her Menschen nicht ebenso rein und ebenso schnell zu folgen vermag, 2. Ist es ein Rückschlag gegen die Mechanisierung des Lebens in seiner spezifisch amerikanischen Form? 3. Ist es die Frucht einer Lehre, dte den Erfolg, gleich, wie er erreicht wird, als eine sittliche Legitimation anerkennt? Diese Fragen drängen sich zunächst auf. Zumal dir