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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Nummer 115. Amtliches Organ der Stadt Kaffe!

Mittwoch, 19. Mai 1926

Amtliches Organ der Stadt Kaffe! 16. Jahrgang

General Haller enlsesselt den Mrgerkrieg.

ausgehoben,

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Ein Schlag aufs Haupt.

Schwere Hieb« für die Spanier im Rif. (Durch Funtspruch )

verlautet, daß die H a n d c l s s ch u l d c n Frank­reichs an England nicht behandelt werden.

Doch noch ein Bürgerkrieg

Haller im Gefecht mit Pilsudski.

(Eigener Drahtbericht.)

Das Rätsel von igis.

Noch ein Urteil über die Marinrmeuterei.

Im Weltkriessausschuh trat heute Abgeordneter Brünuiusbaus tBp.» betreffs der Ma- rinemeuterei des Sabres 1917 der kürzlich »er* ofsentlichten Ansicht des Abgeordnete» Ditt­man» wie folgt eutgege«:

Haller, 18. Mai.

Mehreren Blättern zufolge soll in Pofen eine Gegenregierung ausgerufen worden sein, an deren Spitze General Haller stehe. Die Eini- gmmsverhandlungen zwischen Posen und War­schau sollen Montag Nacht ergebnislos abge­brochen worden fein. Zwischen KalvMerieabtei- lungxn der Truppen des Gmterals Haller, die bei Kalisch und Lodz stehen, und Pilsudskitrup- pen hätten sich bereits größere Gefechte entwik- kelt. Bis jetzt sollen Haller siebenundzwanzig-

»n « W«.

Sine Gegenregierung unter Haller k

Paris, 18. Mai. Eine Meldung aus Posen bestätigt, daß General Haller den bewaffne­ten Widerstand gegen Marschall Pilsudski zu organisieren gedenke. Siationalistischc Abgeord­nete entfalteten in Posen eine große Tätigkeit. Die Lage sei ernst und der Kampf zwischen den Anhängern Pilsudskis und den Regierungs- truppen werde fortgesetzt. Gestern habe die Ka­vallerie von Posen Wilamow, den Stammsitz des Königs Johann Sobieski, wohin sich Mit­glieder der alten Negierung flüchteten, besetzt.

von fünfundzwanzig Psg. pro Tag und Kopf vorhanden war. Aus den Men ist ersichtlich, daß man die auf einigen Schiffen bestehenden Schwierigkeiten der Verpflegung dazu benutzte, um eine systematische Verhetzung der Mannschaften auch in politischer Beziehung zu betreiben. Abg. Brünninghaus warf deni Abg. Dittmann vor, die Aussage in seiner Broschüre tendenziös zusammengefaßt wiedergegeben zu hoben. Gegenüber der Behauptung Tüt* manns, daß in den Prozessen gegen die Matro­sen der Untersuchungsführer terroristisch versah, re» sei, ging Brüninghaus ausführlicher auf die Fälle Rebe und Calmus ein.

Warschau wieder genesen.

Warschau, 18. Mai. (Privattelegramm.) Am Montag wurden in Warschau die dreihundert Opfer des Staatsstreiches beigesetzt. Für Pil­sudski wurden in Lublin und Lwow eindrucks­volle Kundgebungen veranstaltet. Ministervrä-

Kur» und bündig.

Kein Vertrauensvotum für Marx. Mißtrauen? (Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 18. Mai.

Wie Reichskanzler Dr. Marx gestern den Brr- tretern der Parteien mitteilt, wird die Regie- rnngerklärung auf die Flaggen Verordnung des Reichspräsidenten nicht näher eingehen. Man wird sich lediglich auf die endgültige Vereinigung der Flaggenfrage be­schranken. In der Frage der Fürftenab- flndnng wird erwogen, die Vorlage als nicht verfassungsändernd zu erklären, wodurch die einfache Mehrheit zu ihrer Annah­me im Reichstag genügen werde. Die Regie­rungserklärung wird nur ganz kurz und forma- er Natur sein. Auch die Fraktionen werden ,ch auf die Abgabe einer kurzen Erklärung be­schränken, sodaß man hofft, die Debatte bereits am Mittwoch zu Ende führen zu und am Donnerstag die Psingstserien be­ginnen zu können. Ein Vertrauensvotum werde nicht verlangt werden. Ob Mitztrauens- anträge kämen, müsse abgewartet werden.

Aber öle Kadyien gehen zurück.

Paris, 18. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Nach einer Meldung aus Rabat haben die Ris- kabylen Tarqui st geräumt, das nach der Aufgabe von Aydir als die Hauptstadt Abd el Krims angesehen worden ist.

Tanger, 18. Mai.

Nach einer Meldung aus AlhucemaS haben die Spanier dort bei ihren Operationen schwere Verluste erlitten. Dreihundertsechzig Mann von der Fremdenlegion sollen bis auf den letzten Mann getötet oder gefangen genommen worden sein. Kaufleute in AlhucemaS senden ihre Wa­renvorräte nach Melila zurück in Erwartung ei­nes baldigen starken Angriffes Abd el KrimS. Mehr als hundert Spanier find in der Nähe von Tetuan gefallen. Die Zahl der Verwundeten bei den letzte« Kämpfen ist groß.

Gegen ober Flucft.

Pilsudski ist Polens Schicksal.

Unter Neu-Polens Baumeistern wohl die stärkste Individualität, so schreibt ein Blatt. Und darum zweifellos der populärste Mann im zeitgenössischen Polen. Keiner wird dort so verehrt und geliebt, keiner so angefeindei und gehaßt. Solche Männer müssen, ob sie wollen oder nicht, zum Segen oder zum Fluch ihrer Umgebung, ihres Vaterlandes und ihres Vol­kes werden. Ihr ungebändigt starkes Sehnen nach rastloser Betätigung wächst über sie selbst hinaus, ihr Wille wird krank, wenn er nichts mehr zu beherrschen hat. Schon auf der Schul­bank im Wilnaer Gymnasium begann er sich im nationalpolitischen Sinne zu betätigen, schon da­mals gehörte er einem Zirkel polnischer Revo­lutionäre an, schon als Knabe genoß er die erste Wonne und den ersten Schmerz eines Rebellen­führers. In Petersburg wurde er dann später als Student vollkommen schuldlos, als angeb­licher Teilnehmer an einem Konchlott gegen den Zaren verhaftet u. nach Sibirien verbannt,

Die Behauptung, daß die Spitzelaussagen die Hauptgrundlage in der Anklageschrift und der Urteile bilden, ist geradezu eine Ungeheuer­lichkeit. Abg. Brün -nghaus verlas die Aus­sagen der Angeklagten und Verurteilten, aus de­nen sich ergebe, daß es sich um politische Angelegenheiten und keineswegs um Verpstk- aungssragen gehandelt habe. Wie sehr die Leute verhetzt waren, wie verhängnisvoll die Disziplin und Kampfkraft der Flotte vorüber­gehend Schaden gelitten hatte, geht unzweideu­tig aus einem Brief der Besatzung derWest­falen" hervor, der an den Kommandanten des Schiffes gerichtet war, worin gefragt wurde, aus welchen Gründen Kameraden verhaftet wor­den seien. Sollte, so heißt es in dem Brief, un­sere Hoffnung auf Beantwortung unserer Fra­gen sich nicht bestätigen, so machen wir darauf aufmerksam, daß wir mächtig genug sind, unse­ren Willen zu erzwingen, wenn es sein muß, mit Gewalt. Dieses eine Dokument beleuchtet blitzähnlich die ganze Schwere der Situation. Abg. Brünninghaus behandelte sodann die Vor­gänge auf dem SchiffPrinzregent Luitpold", die sich am 1. August 1917 ereigneten. Damals gingen neunundvierzig Heizer heimlich voii Bord, zogen in geschlossenem Zuge zum Deich und kehrten erst zum Mittagessen wieder an Bord zurück. Am vorhergehenden Abend hatte jemand an die Befehlstafel angeschrieben: Wenn morgen kein Kino, dann Ausflug ohne Erlaubnis." Elf Leute, die Rädelsführer, wur­den mit Arrest bestraft und darauf folgte als Demonstration gegen die Bestrafung der Aus- ug von rund vierhundert Mann. Der Heizer Beckers hat freiwillig dem Unter* uchungsführer zugegeben, daß die Erzwingung des Stockholmer Beschlusses, Generalstreik der flotte durch die Organisation, erreicht werden sollte.

Hollanv schon wieder überschwemmt.

Amsterdam, 18. Mai. (Durch Funkspruch.) Die Maas ist infolge starker Regensälle in den letzten achtundvierzig Stunden um rund zwei Meter gestiegen, ebenso mehrere Nebenflüsse. Das Wasser ist in mehrere Dörfer eingcdrun- g«u. Der Schaden ist ^beträchtlich.

Hochwasser wett und breit

Rom, 18. Mai. (Eigener Drahtbericht.) In Verona wurden dreiTote im Hochwasser der Etsch gefunden. Der Fluß hat mehrere Be- zirke überschwemmt. Verschiedentlich sind die Verbindungswege durch Erdrutsche zerstört worden. Auch der Po hat drei Bezirke voll­kommen isoliert. Das Hochwasser des Oglio hat die elektr. Werke und Telephonlinie beschädigt.

Sin zarter Wink nach Moskau.

London, 18. Mai. Eigener Drahtbericht.) Der Präsident des Handelsamtes Cunliffe Zister erklärte im Unterhaus, manche Leute überschätzten, was der russische Markt England bieten könne. Die Entwicklung der Möglichkeiten des englisch-russischen Handels läge nicht bei der britischen Regierung, sondern bei der Regierung Rußlands, denn nur diese Re­gierung könne die Bedingungen und Voraus­setzungen dazu schaffen. Die Wirtschaftskonfe­renz in' Genf würde nicht eine solche von Regie­rungsvertretern fein, sondern eher eine Konfe­renz von kaufmännischen Sachverständigen.

Berlin, 18. Mai. Abg. Brüninghaus (Vpt.) schilderte kurz das System der Selb st - verfassung auf den Schiffen. Die Behaup. ttmg, die Offiziere hätten auf Kosten der Mann­schaften ein Schlemmerleben geführt, feien schon aus diesen Verhältnissen als vollkommen aus der Luft gegriffen zu bezeichnen. Während die Tafelgelder der Offiziere während des Krie- aes überhaupt nicht erhöht wurden, geschah dies mit den Verpflegungsgeldern der Mannschaften in sehr erheblicheim Maße, sodaß schließlich nur noch eine Differenz zu zu Gunsten der Offiziere von fünfundzwanzig Psg. pro Tag und Kopf vorhanden war. Aus den Akten ist ersichtlich,

Man könne doch nicht von Terror sprechen, wenn der Untersuchungsrichter einem Angeklag­ten selbst die nötigen Materialien zur Verteidi- aung aushändige. Rebe hat in seiner Vertei­digungsschrift die Worte geprägt:Zur Selbst* Verteidigung ist das gemeinste Mittel gerade gut genug". Diese Ansicht des Rebe mußte dem Bc- richterstatter Dtttmann aus den Akten bekannt sein. Aus den Akten ergibt sich auch, daß Rebe zwei Briefe an die Adresse Dittmanns geschickt hat. Die Absendung dieser Briefe hat Rebe erst geleugnet. Rebes Gesinnung ergibt sich aus dem Text zweier bei ihm beschlagnahmter Briefe, worin er die russische Revolution ver­herrlicht und weiter schreibt: .Der Anarchie von oben muß die Revolution entgegengestellt wer- den." Es handelt sich hier nicht mehr um die Abstellung von Mißständen, sondern um das Ltreikprogramm aktiver, vor dem Feind befindlicher Soldaten. Auch im Falle Calmus sind die Beschuldigungen gegen den Marine* instizbeamten Dr. Lösch durchaus unrichtig. Sc* kann sei, daß Calmus 'Aussagen grobe Unwahr­heiten sind. Aus den Akten ist auch ersichtlich, daß von einem erpreßten Geständnis des Cal­mus keine Rede fein kann. Calmus machte von einem Recht, zu leugnen, sehr ausgiebigen Ge­brauch. Erst durch die Aussage eines Mitbe* Huldigten hat er sich dazu verstanden, Angaben zu machen. Ich stelle.fest, daß die Behauptungen, die Geständnis der Angeklagten wären er-

stdent 6. D. Witos hat sich in feine Heimat bcileinstimmung erzielt sei oder nicht. Und, so Krakau begeben. Telegr-chh und Telephon sind schloß Peret, in so kurzer Zeit könneii wir kaum wieder in normalem Betrieb. Die milttärischclhoffen, eine Vereinbarung zu vollenden. ES Kontrolle der Telephonaespräche ist ......... . ....

ebenso die militärische Pressezensur.

Im russisch-japanischen Krieg vollzog sich die Wandlung des sozialistischen Agitators zum Soldaten. Der Verlaus der Ereignisse festigte nämlich in ihm die Ueberzeugung, daß die zari- stifche Herrschaft in Polen nur durch militä­rische Macht gestürzt werden könne. Seither konzentrierte er seine ganze Energie in dieser Richtung und widmete sich der Organisierung von Iugend-Schützenbataillonen aus galizischem Boden, aus denen dann im Jahre 1914 die pol­nischen Legionen entstanden. Gleichzeitig ver­senkte er sich in das Studium der militärischen Wissenschaften, um sichn binnen wenigen Jah­ren zu einem hervorragenden, erstklassigen Sttategen auszubilden. Pilsudskis weitere Le­bensschicksale sind aus der Geschichte des Welt­krieges allgemein bekannt. Man weiß, daß er von seinen Legionären, die später den Grundstock der polnischen Armee bildeten, geradezu ver­göttert wurde. Sie folgten ihm blindlings und mit jenem rührend restloien Vertrauen, wie es etwa nur Napoleons Grenadiere oder Wallensteins Soldaten ihrem Führer entgegen* brachten.

Vom Vertrauen der überwiegenden Mehr­heit seines Volkes emporgetragen, übernahm er nach dem Umsturz als prov.isorischer Staatsprä­sident die oberste Leitung der Staatsgeschäfte in der neuen polnischen Republik. Er behielt feine alte, bescheidene Uniform des einfachen Legionärs mit der schmucklosen Maciejowka, der altpolnischen Soldatenkappe, an, peinlich jedem Glanz und jeder Prachtentfaltung der Repräsentation ausweichend. Er wollte nut der erste Diener seines Volkes fein. Nach der Wahl des definitiven Staatspräsidenten zog sich Pilsudski, nachdem er einige Monate lang den Posten eines Generalstabschess bekleidet hatte, ins Privatleben zurück. Grollend sah er feine Gegner mächtig werden und schmieoete unaufhörlich seine eigenen Pläne, in kritischen Augenblicken immer wieder feine Macht und seinen Einfluß in die Wagschale der Ereignisse werfend.. Wohin treibt ihn jetzt das Schicksal?

Äst das ein Mai!

Unwetter, Winter «. Lawinen im blatten Süden (Eigener Drahtbericht.)

Rom, 18. Mai.

Das Unwetter in Norditalien haft an. Es werden wieder Eisenbahnvevlehrsstörungen ge­meldet. arbeitet, welche in der Adameilogruppe an der Herstellung eines Kaiwrls arbeiteten, wurden von einer Lawine überrascht. Diese riß ieben Arbeiter mit. Bisher wurden nur zwei Lerchen gefunden. In der Schweiz find durch nredengegangene Lawinen acht Bahnlinien ge­sperrt. In der Riviera herrscht Winterkälte. San Remo meldet NM Grad.

Ein Stutz! für Deutschland?

Bis zum 28. Juni ober später vertagt.

(Eigener Drahtbericht.)

Genf, 18. Mai.

I« der Völkerbundkommisfion gab gestern der Vertreter Brafiliens zu verstehen, er wün­sche eine Lösung der Krise, die den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ermögliche. Die endgültige Stellungnahme über die ftändi- gen Ratssitze, die nur noch von Brasilien und Spanien beansprucht werden, sowie die Festsetzung der Gesamtzahl der Ratsmitglieder soll am 28. Juni oder auch später erfolgen, falls sich bis dahin Brasilien und Spanien noch nicht für eine Vereinbarung auf Grund des ange­nommenen Entwurfs entschieden haben sollten.

Wenn es um Schulden getzt.

Ein harter Kamps der Finanzminister.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 18. Mai.

Finanzminister Peret erllärte Pressevertre- ern, er und Churchill hätten nach einer

Formel der Uebereinstimmung gesucht, aber bis­her hätten sie noch keine solche gefunden. Er hoffe, daß die Nacht Schatzkanzler Churchill und ihm selbst Rat bringen werde. Er fahre Mittwoch vormittag nach Paris ab und zwar unabhängig davon, ob vollkommene Ucber«

wo er nicht weniger als fünf Jahre seines Le­bens verbringen mußte. 1892 tn seine Heimat zurückgekehrt, stellte sich Pilsudski ganz in den Dienst der gefahrvollen .unterirdischen" politi­schen Arbeit, die es sich zum Ziele gesetzt hatte, den Zarismus zu stürzen und Polens staatliche Unabhängigkeit wieder herzustellen. Pilsudski schloß sich damals der polnischen so­zialistischen Partei an, auf deren Organisierung die Partei war natürlich ein Geheimbund er bestimmenden Einfluß nahm.

Im Jahre 1894 gründete er das Partei­organ .Robotnik" (»Der Arbeiter"), das zu-j nächst geheim gedruckt nub vertrieben werdest mußte. Sein Hauptmitarbeiter war damals ein junger Schriftsetzer aus Kalisz namens Stanis­law Wojezechowski, derselbe, der jetzt welch seltsame Schicksalssügung! als Staatspräsi­dent von seinem einstigen Kollegen gestürzt wurde. Lange Aeit war Pilsudski, von eini­gen Parteifreunden unterstützt, zugleich Redak­teur, Setzer, Drucker und Expeditor des Blat­tes, dessen Redaktion und Druckerei immer wie­der in andere Städte verlegt werden mußte, um die rufsifche Polizei zu täuschen. Eines Tages wurde Pilsudski verhaftet und im berühmten zehnte" Pavillon der Warschauer Zitadelle ein* fleferl Aber er entfloh und wieder konnte der gefürchtete .Wiktor" (so lautete sein partei­politisches Psestdonhm) zur höchsten Besturzuna der russischen Polizei seine unterirdische Arbeit aufnehmen.

Sie rücken nicht ab.

Posener Regimenter vor Warschau. Alter Kurs.

(Eigener Drahtbericht.)

Warschau, 18. Mai.

Die Stadt gewinnt langsam ihr gewöhnliches Aussehen. Der Ausnahmezustand ist aufgeho­ben worden. Bei Warschau stehen noch Posener Regimenter mit der Front gegen die Haupt­stadt. Die Versuche, sie zum Abmarsch in ihre Garnisonen zu bewegen, find bis jetzt ohne Er­folg geblieben, angeblich weil die nach dem Westen führenden Eisenbahnlinien noch verstopft sind. Eine Gruppe von Senatoren und Abge­ordneten der d r e i R e ch t s p a r t e i e n hat sich in Posen gegen Warschau als Einberu­fungsort der Nationalversammlung ausgespro- chen ,da in der Hauptstadt die Bedingungen für eine freie Aussprache nicht gegeben seien. Außenminister Z a l e s k i erklärte gestern Presse­vertretern, daß er die Politik des Grafen Skrzynski fortsetzen wolle. Er wolle auch bei den Militärbehörden int Sinne der Aufhebung amtlicher Zensurbeschränkungen hinwirken.