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KaWer Neueste Nachrichten

Sechzehnter Jahrgang.

1. Beilage.

Donnerstag, 13. Mai 1926.

Goldrausch.

In den neucntvcckten Goldfelder» Kanadas. Von unserem Londoner Mitarbeiter.

Das Eldorado am -Rote« Set". I Wen« bet Sdmet schmilzt ... I Samariter «ad Abenteurer. Die neue Diamanteustadt. I Wasser in der Wüste.

Hart nordwestlich von Hudson an der Cana- dian National Railway erstreckt sich ein Seen- System, das durch den English River und seine Nebenläufe gebildet wird. Auf der Karte ge­sehen, gleicht das System dem Durchschnitt einer Propeller-Konstruktion. Den unteren Flügel nahe der Bahnlinie bilden die eng nebe> -nan- der liegenden .Verlorener See* und .Einsamer See*. Der in derselben Richtung stch erstrecken­de entfernteste See ist der .Rote See*. Dieser mit seiner Umgebung ist das neue Eldorado. Ein jeder Zug bringt eine frische Ladung von Goldsuchern und Abenteurern aller Art nach dem einsamen, noch in völlig primitivem Zu­stande befindlichen Weiler. Hier beginnt der Strom nach dem hundertvierzig englischen Mei­len entfernten, nur auf kaum sichtbarer Fährte erreichbaren, schneebeherrschten Miner-Lager am Roten See. Es hat sich als fast unmöglich her­ausgestellt, ihn von Winnipeg aus zu erreichen. Eine Flugzeuggesellschast hat ihren Paffage- preis nach dem Eldorado von zweihundert auf hundert Dollar ermäßigt. Täglich werden über hundert Anmeldungen auf Plätze registriert.

Kaufleute, Agenten, Spekulanten, Inhaber von Ausrüstungsgesellschasten haben ihre wack­ligen Bnden nebeneinander gedrängt aufge­stellt und machen Vermögen in dem Durchein­ander. Ein jeder schläft über seinen Besitztü­mern. um sie auch nachts vor Raubanfällen zu schützen. Die wildesten, phantastischsten Preise werden gefordert und von den vom Goldrausch Erfaßten bezahlt Pferde und Hunde kosten fast unerschwingliches Geld. Die meisten Neuankom­menden sehen sich gezwungen, trotz der Schnee­stürme und Wolf-Schwärme, trotz des lauernden Gesindels, zu Fuß aufzubrechen.

Allftündltch kann man die Aufbrechenden, Säcke mit ihrer Habe über ihre Schultern ge­bunden in die Schnee-Oede hineinwandern se­hen. Glücklich, wer wenigstens ein leichtes Zelt ergattern konnte. Der Rote See selber und seine User liegen tief unter Schnee begra­ben. Das fieberhafte Erwerben von Claims ist also nichts wie leichtsinnigstes Lotteriespiel. Die Zelte der Claims-Anpreisenden, welche auf die Leichtgläubigen spekulieren, ziehen sich aber auf zwanzig Meilen hin. Sie brauchen das Gold nicht erst zu suchen. Es wird ihnen ja aufge­drängt. Und natürlich haben sie selber niemals die verkauften Claims untersucht.

In all dem wilden Treiben bietet das Kana­dische Rote Kreuz einen Lichtpunkt. Ein Eisen- bahnwagen ist als Hospital eingerichtet, und dort werden täglch Hunderte von Patienten be­handelt. Zwei tapfere Damen, Miß Rathbnrn und Miß Wilkinson aus Toronto, sind damit beschäftigt, eine in die Schneewüste vorgeschobe­ne Station zu errichten.

Wie dort im hohen Norden, ist weit im Sü­den der Rausch ausgebrochen, aber es gilt einem noch höheren Ziele: Diamanten. Dort in Transvaal, westlich von Johannesburg, liegt an der Bahn die Station Ventersdorf, und un­fern davon der .Schwarze Platz*, Swarchlaats. Hier hat in voriger Woche die amtliche Freiga­be des neuen Dimnanten-Distriktz stattgefunden und es kam zu einem Wettrennen von über 6000 Starten, Männern und Frauen. Vor acht Wo- chen war dort noch nacktes Feld. Jetzt springt eine Stadt, wie ein Pilz in Existenz, denn es sind bereits für Wer 10000 Sterling Diaman­ten gefunden. Der Glaube ist im steten Wach­sen, daß dort ein neues reiches Diamantenfeld festgestellt ist. Von allen Teilen des Landes drängten die Gierigen zur Startstelle, in A-W- mobilen, Gefährten und auf Ponys. Aber es gab ein doppeltes Gedränge, denn nach dem

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Gesetz mußten sich alle Bewerber zur festgesetz­ten Stunde in einer Linie versammeln, und 'dann brach der Ansturm los, zu Wagen, zu Pferde und zu Fuß. Auch eine Zahl junger Bewerberinnen befand sich in der dichten Reihe aber nicht in Kleidern. Es gibt dort keinerlei Bequemlichkeiten des Lebens. Insbesondere ist das Wasser sehr knapp. Der Preis stieg gleich zu Beginn auf eine halbe Krone für ein kleines Fäßchen, und es war kein Quellwasser.

Aus aller Well

Amuuvfen unterwegs zum pol.

Amundsens Luftschiff .Norge* ist Dienstag vormittag um zehn Uhr von Kingsbay aus zum Nordpolflug mit vierzehn Mann Besatzung auf­gestiegen. Der amerikanische Marineflieger Byrd, der erste Bezwinger des Nordpols, und sein Pilot Bennett, gaben dem Luftschiff in ihrem Flugzeug noch etwa eine Stund« lang das Geleit. Amundsen will sich nicht, w*e Byrd, ramit begnügen, von Kingsbay aus zum Nord­pol und wieder zurück zu fliegen, sondern et hat die Absicht, di« ungeheuren unbekannten Flächen zwischen dem Pol und Alaska zu er­forschen. Das Luftschiff wurde bis zur Grenze seiner Leistungsfähigkeit mit Gas und Brenn­stoff angesüllt; die .Norge* ist jetzt mit 19000 Kubikmeter Wasserstofsgas gefüllt und hat 6000 Kilogramm Benzin an Bord. Ein Gespann Volarhunde befindet stch an Bord der »Norge* um Schlittenexpeditionen am Pol zu ermög­lichen. Die Lebensmittelvorräte sind für zwei Monate brechnet. Oslo hat bereits das Amund- sen-Luftschiff während der Fahrt angerufen. Die Expedition wird nach Amundsens Erklä­rung etwa zehn dis vierzehn Tage dauern.

Die Leidenschaften de« RegerivnigS.

Der französische Präsident Doumergue hat über ein Gnadengesuch zu entscheiden, das in seiner Art einzig ist. Gnora IV., damals Kö­nig von Dschugu, ist vom Gericht in Darkar zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er einen kleinen Neger seinem Götzen ge­opfert haben soll. Gnora behauptet, daß die Anklage eine Erfindung seiner Feinde sei, und daß der Götze, der den Neger gefressen hat, ganz einfach ein Löwe gewesen sei. Der unglückliche Monarch hat den Pariser Advokaten Greffe be­auftragt, den mächtigen Häuptling Doumergue um Gnade für die gefallene afrikanische Ma­jestät zu bitten. Gnora erklärte, daß er sich aus Götzen überhaupt nichts mache und nur zwei Leidenschaften besitze, Kautabak und Automo- bilsahren. Gnora bittet den großen Häuptling Doumergue um die Erlaubnis, nach Paris zu kommen, wo er beweisen will, daß Gnora einen schwarzen Körper, aber ein weißes Herz besitzt.

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Lützow fchrv r belastet.

Im Lützow-Prozeß kam der Hauptbelastungs­zeuge, der ehemalige Schüler des Angeklagten Dr. v. Lützow, zur Vernehmung. Es handelt sich um die gemeinsame Reise, die Lützow und der Zeuge nach der Odenwaldschule unternom­men haben, wobei sie in einem Ort, an den sich der Zeuge jetzt nicht mehr erinnert, übernachtet haben. Lützow hat während des Uebernacktens

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im Hotel bereits versucht, ihn zärtlich zu be­handeln. Dann später in der Odenwaldschule hat Lützow wieder Zärtlichkeiten versucht, die allerdings schon bedenklicherer Art waren. Erst in Berka, wohin der Zeuge dem Angeklagten folgte, ist es dann zu Vorgängen gekommen, die durchaus strafrechtlicher Natur waren. Der Vorsitzende macht die im Zuschauerraum zahl­reich anwesenden Damen darauf aufmerksam, daß sie hinausgehen möchten, da sich die Dinge, die jetzt zur Sprache kommen, nicht für Frauen eignen. Von den anwesenden Damen aber rührt sich keine.. Die Art und Weise, wie Der Zeug« sich später von Lützow löste und der un­geheure Konflikt, in dem er damals stand und der sich in seinem Verhältnis zu seinem Lehrer, zu seinen Mitschülern und auch zu seinen Eltern auswirkte, erschüttert sämtliche Beteiligten des Gerichts. Der Angeklagte Lützow ist außerordent­lich «.regt und macht sich eifrig Notizen.

* Prozeß um ein amputiertes Bein. Ein höchst eigenartiger Prozeß stand vor kurzem in Boma in Belgisch-Kongo zur Verhandlung. Etn Negerkönig, dem ein schwerer Unfall zugestotzen war, mutzte sich ein Bein amputieren lassen. Nachdem die Operation glücklich beendet war, verlangte der schwarze König sein Bein zurück, um es, wie er sagte, aufzueflen. Der Arzt, ein Weitzer, weigerte sich, indem er auf die Tatsache hinwies, daß im Kongo der Kannibalismus untersagt ist. Der Negerkönig suchte sich 'inen Rechtsanwalt und strengte gegen den wider­spenstigen Arzt einen Prozeß an. Das Gericht verurteilte die Klinik dazu, dem Negerkönig sein abgenommenes Bein zurückzugeben.

* Bluttat im Jähzorn. In Rievenich bei Trier geriet der 65 Jahre alte Landwirt Stef­fens, Vater von elf Kindern, mit seiner Frau in Streitigkeiten. Als die 22jährige Tochter den Streit schlichten wollte, griff der Vater zum Messer und erstach das Mädchen.

* Todessturz beim Pferderennen. Bei einem Frühjahrsrennen in Hollmstedt im Kreise Har­burg überschlug sich das Pferd des Rittmeisters Eberhardt von der Kavallerieschule in Hanno­ver. Eberhard stürzte fo unglücklich, daß er sich die Wirbelsäule brach und tot unter feinem ebenfalls toten Pferd hervor-ezogen wurde.

* Uhrenschmuggel an der deu:sch-schweizerischen Grenze. Bei einer Grenzkontrolle wurde ein Waldshuter Geschäftsmann, der 14 Uhren von der Schweiz nach Deutschland einschmuggeln wollte, verhaftet. Der Verhaftete hat im Laufe der letzten zwei Jahre ungefähr 5000 Uhren im Werte von etwa ICO 000 Mark von der Schweiz nach Deutschland eingeschmuggelt. Die ge­schmuggelte Ware wurde durch Mittelspersonen nach Homberg (Schwarzwalds weitergeleitet.

* Festliche Tage in Athen. Im Stadion von Athen wurde ein Fest veranstaltet, das den vor­geschichtlichen. klassischen und mittelalterlichen Festen Griechenlands nachgebildet war. Die Trachten und Tänze aus der Zeit der Perser­kriege und der byzantinischen Kaiser waren den alten Vorlagen genau nachgebildet, lieber 50000 Zuschauer wohnten der Vorstellung bei.

* Revision im Mordprozetz Sack. Die Ver­teidiger des in Frankfurt zum Tode verurteil­ten Anton Gens und des zu drei Jahren Ge­fängnis verurteilten Kellnerlehrlings Heinz Corty haben gegen das Urteil des Schwurge­richts Revision eingelegt.

* Verhängnisvoll« Wendung. Ein Motor­bootsunglück ereignete sich in der Nähe von Bohnsack bei Danzig. Durch eine verkehrte

Wendung schlug daS Motorboot voll Wasser und sank in wenigen Minuten. Von den beiden In­sassen konnte nur einer gerettet werden.

* Selbstmord eines Knaben. Aus bisher unbekannten Gründen hat in Burg (Dillkreis) ein 13jähriger Knabe seinem Leben durch Er- hängen ein Ende gemacht. Der Knabe hatte mittags das elterliche Haus verlassen und wur­de um fünf Uhr am Schafsgraben an einem Baum hängend tot aufgefunden.

* Begnadigte Mörder. Die wegen Ermor­dung ihrer Ehefrauen zum Tode verurteilten Sattlermeister Max Kahm aus Coswig und Arbeiter Willy Wölfen aus Mehringen bei Dessau wurden zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Das gleiche ist kürzlich bei dem Kassenboten Wiedecke aus Jonitz bei Dessau, der seine beiden Kinder mit dem Gewehrkolben er­schlagen hatte, und bei dem Musiker Karl Pohl aus Preckleben geschehen, der seine Frau nachts im Bette erschossen hatte. Alle vier Mörder büßen ihre Strafe im Zuchthaus Coswig ab.

Die Tragödie einer Familie.

Eine 16jährige Batermörderin.

Wie die Trunksucht eines Mannes eine ganze, Familie in den Abgrund stürzen kann, das zeig­te eine Verhandlung vor dem Gericht in Halle a. S., vor dem sich ein 16jähriges Mädchen we­gen Ermordung des Vaters zu verantwotten hatte. Im Jahre 1904 heiratete ein junger Mechaniker ein Mädchen aus solider Familie; die beiven lebten 16 Jahre lang miteinander in glücklichster Ehe. 1920 knüpfte der Mann ein Verhältnis an; das junge Mädchen, das sich keines guten Rufes erfreute, bekam ein Kind und bei Mechaniker wurde von ihr als der Va­ter bezeichnet. Er hatte für das Kind ziemlich erhebliche Alimente zu bezahlen, obwohl er fel­senfest davon überzeugt war, daß er nicht der Vater war. Aus Wut und Aerger darüber ergab er sich dem Trunk; er hörte auf zu arbeiten, kam Nacht für Nacht betrunken nach Hause, tobte ge­gen Frau und Kinder und verlangte sortwäh- rend Geld von seiner Familie, um es wieder zu vertrinken. Als eines Abends wieder schwerer Stteit in der Familie ausbrach, stürzte sich der Mann auf die Frau los, riß ihr ein Bündel Haare aus und bearbeitete sie dann mit einem Schraubenschlüssel, so daß sie mit vielen bluti­gen Wunden am Boden liegen blieb. Dann wollte er die 16jährige Tochter mit einem Ben erschlagen. Schließlich griffen Schutzpolizeibe- amte etn und der Manu wurde aus der Woh­nung entfernt. Da beschloß die 16jährige Toch­ter, den Vater durch Morphium zu beseitigen. Sie schütcte das Pulver in einen Tops Kaffee, den der Vater austrank. Auf dem Marktplatz brach er mit Magenkrämpfen zusammen; er wurde in die Klinik gebracht, wo er bald nach der Einlieferung starb. Als Todesursache stell­ten die Aerzte Alkoholvergiftung fest. Eine Verwandte, der die Tochter ihre Tat eingestan- den hatte, erstattete Anzeige.

In der Verhandlung wttrde festgestellt, daß die Frau des Mechanikers aus Kummer über das geben ihres Mannes und aus Nahrungs­sorgen zweimal einen Selbstmordversuch be­gangen hatte und daß stch auch vor wenigen Monaten das 16jährige Mädchen in die Saale gestürzt hatte ,ttm ihrem Leben ein Ende zu machen, daß sie aber von Vorübergehenden ge­rettet worden war. Die Tochter, die allgemein als durchaus solid und arbeitsam geschildert wird, erklärte vor Gericht, daß sie die Tat mit vollem Bewußtsein begangen habe, da sie es für ihre Pflicht gehalten habe, die Mutter von dem Wüterich zu befreiten. Bei der Verhand­lung wurde durch erneute Sachverständigen-Ur- teile erwiesen, daß der Mechaniker nicht dem Morphium, sondern einer Alkoholvergiftung er­legen ist. Das Gericht anerkannte die Notlage und die Motive des Mädchens und bcrurtctltc die Angeklagte wegen versuchten Totschlags zu IVi Jahren Gefängnis.

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16> Roma« von B. v. d. Lanken.

Er fand alles recht und begreiflich, was sie wollte, aber etwas kleinlaut klang es doch, als er jetzt sagte, er wolle sich damit zufrieden ge­ben. Eugenie trat neben ihn, legte die Hand aus seinen Arm:

Sie wissen es am besten, Magnus, wie meine Ehe war, wie Hermann und ich mitein­ander standen es scheint mir fast unmöglich, ihm einen Nachfolger zu geben. Ich kann* sie stockte.

Sie können Hermann noch nicht vergessen,* ergänzte er leise,und mir liegt nichts ferner, als Sie zu drängen, etwas zu beschleunigen, was langsam und allmählich kommen muß. Vergessen werden Sie ihn ja nie, das weiß ich, aber vielleicht wird doch ein Zeit kommen, wo Sie ertragen können, einen andern an seiner Stelle zu sehen. Nur eins möchte ich Ihnen noch fegen, Eugenie, ich verlange keine heiße Liebe, die werden Sie wohl niemals mehr zu vergeben haben. Wenn ich nur annehmen darf, daß Ihnen IhrJa* keine Ueberwindum kosten würde. Schon der Gedanke, baß Sft mein sein, sich mir anvertrauen wollen, daß ich das Recht habe, Sie zu umsorgen, für die Kin­der zu sorgen, die Sie lieben, unseres Her manus teuerstes Vermächtnis, schon das ist vie' für mich und wird mich beglücken.*

Er konnte n'cht weiter sprechen, er nahm ihre Hände und^e sie. Seine Treue rührte sie aber war ihr unmöglich, ihm dasJa* zu geben, dos er ersehnt«.

.Lieber Magnus, es scheint mir noch un denkbar, eine neue Ebe schließen zu sollen. Wem wurde ich Wohl mich und die Kinder lieber an vertanen. als Ismen? Ab-- fAben Si- selb' n cht Ansprüche auf einMehr*, als ich es Jbuen geben kann? Eine Witwe, die Mutter a»reift Kinder? Würde ein junges Mädchei Ihnen nicht mehr brinaen?*

Er schüttelte den Kovf.

»ein, Eugenie, auch ich bin kein junger Wann mehr. Auch über mein Herz sind Stürme

bingebrauft Jugendstürme, sie sind längst ver­rauscht. Was jetzt mein Herz erfüllt, das ist eine tiefe, innige Liebe für Sie; wie könnte da eine andere Frau mir Glück bringen ? Wenn es Ihnen heute noch nicht möglich ist, sich zu entscheiden, ich kann warten, und ich warte gern. Sie selbst aber sollen sich frei, ganz frei fühlen, durch nichts sind Sie gebunden an mich und sollte ein anderer über Ihren Weg gehen, dem Ihr Herz sich zuwendet, nicht weiche Sen­timentalität soll sie hindern, sich ihm zu eigen zu geben. Ich bin ein Mann und werde über­winden, was überwunden werden muß.*

Magnus, bester, treuester Freund!* Sie reichte ihm beide Hände, er küßte sie.

Und nun lassen Sie uns für heute scheiden.* fuhr er fort,meine nächste Nachricht erreicht Sie aus Baden-Baden.*

Aber Sie sagten, daß es Ihnen nicht mög­lich gewesen sei, mich aus Ihrem Leben aus­zuschalten,* sagte sie zögernd.

Er kämpfte mit einer kurzen Verlegenheit:

Freiwillig nein, freiwillig wohl nicht gut, aber wenn es sein muß. Denken Sie, Kusine, daß es ja zehn zwölf Jahre sein mußte. Ich liebte Sie, seit ich Sie zum ersten Male gesehen, damals, als Sie auch Hermann kennen lernten. Ihr Herz entschied für ihn ich lernte es, mich bescheiden.*

So lange schon? O, Magnus, Sie haben gehandelt wie ein Held!*

Er lächelte trübe.

Nein, Kusine, nur so, wie jeder Ehrenmann aehandelt hätte im umgekehrten Fall Her­mann ganz bestimmt.*

Er hatte seinen Wagen bestellt, und es war tut, daß sie sich trennen mußten.

Als sich die Tür hinter ihm geschlossen, wollic sie ihm nachstürzen, ihm zurufen:

Bleib, bleib du und kein anderer wird emals meiner Kinder Vater,* aber sie konnte "ch nicht von der Stelle rühren, und als wieder Leben in ihre Gestalt kam, war das Roll m der Wagenräder schon verklungen.

An dem Tisch an dem sie eben 'Vfeffen. kniete Eugenie Sieverstorp nieder, legte die

Arme auf die Platte, barg ihr Gesicht hinein und schluchzte bitterlich, heiß, leidenschaftlich.

Sechstes Kapitel.

Der Spätsommer und Herbst waren vergan­gen, November ins Land gerückt, überall graues Schweigen, Nebel und brauende Dumpfheit. Gräfin Dorneck ist nach Berlin in ihr Winter- auartier übergestedeli, aus den Gütern traten in jenen vergangenen Zeiten die großen Schlach­tereien in den Vordergrund des Interesses. Die fetten Gänse, die vollgewichtigen Schweine kom­men unter das Schlachtmesser, und mit Stolz erzählen sich die Gutsdamen von ihren zahlrei­chen Würsten und dicken Speckseiten, und die Herren verlangen auch ihr Teil Anerkennung, weil sie mit dem Futterkorn nicht gespart haben

In Rosenhagen pflegt man neben den ma­teriellen Notwendigkeiten des täglichen Lebens auch die Kunst und die Literatur. Einmal, zweimal, wöchentlich kommt man zusammen zum Lesen und zum Musikmachen. Der Flügel ist nun vom Gartensaal in Baronin Eugenlens kleinen Salon geschafft, der neben ihr.m Wohn­zimmer liegt, und in diesen Räumen vereint sich der kleine Kreis. Häufiger, daß die Rc- derns nach Rosenhagen, als daß die Gutsher­rin nach Posedorf kommt. Dann liest Redern vor, und die beidn Damen nähen Pup?enklei- ber. Der große Kasten mit allerlei Stoffresten und Flicken steht auf einem Stuhl, und ihm entnehmen sie Bänder, Spitzen und allerlei Zu­taten zum Ausputz. Denn Weihnachten rück heran.

Meist ist es kurz vor Mitternacht, wenn das Ehepaar, warm vermummt, mit den flinken Pferdchen den kurzen Weg nach Posedorf zu­rücklegt. Für jeden einzelnen bilden diese Abende kleine Glanzpunkte in der Einförmigkeit des ländlichen Winters. Man merkt es kaum, wie die Tage vergehen und daß man eigentlich fast gar nichts von den anderen Nachbarn hört und sieht. Die Entfernungen sind zu weit, und im Grunde sind diedrei Getreuen* am liebsten unter sich. Nein, sie merken es nicht, wie fester und fester etn Band sich um zwei Seelen schlingt. Auch Helene ahnt nichts, wie sollte sie? Kein Wort könnte es ihr verraten, kein Blick sie wissen es ja selbst nicht, wie es

um sie steht. Und so schön ist dieser geheimnis­volle Dämmerzustand des Empfindens, dies traumhafte Hinneigen von einem zum andern dies Sichfreuen auf die Stunden des Beisam­menseins, dies Scheiden, wo schon die heim­liche unausgesprochen« Freude des nahen Wie- versehens im Druck der Hände, im Blick der Augen lag. Zuweilen kommt Wangelin, aber er komimt, wenn er ziemlich sicher ist, die andern nicht zu treffen, er will die kurze Zeit des Zu- fammenfeinS allein fein mit Eugenie. Sic sprechen unbefangen wie Freunde, deren gutes Einvernehmen niemals getrübt ist.

Ganz unerwartet kam in dies gemütliche Winterleben eine Einladung der Gräfin Dorneck an ihre Nichte. Sie erzählte es eines Abends, als man zu britt um den runden Tisch des Sofaplatzes saß und Fredrichs eine Schale mit Obst und frischgebackenen Pfeffernüssen aufge­stellt hatte.

Sie wollen fort?* rief das Ehepaar wie aus einem Munde.O nein, das geht doch nicht!*

Eugenie blickte lächelnd von einem zum andern, ihre Augen leuchteten wie von heim­lichem Gluck.

Wollen Sie tyich nicht fortlassen?*

Nein, das wollen wir nicht,* rief Helene, was soll ich anfangen ohne Sie, liebe Baronin?*

Und ich? Und Fink und die Kinder?* warf Redern dazwischen, aber sie hatte die kleine Pause wohl bemerkt, die er dann rasch aus­füllte, indem er Fink und die anderen nannte.

Nun, eine Ewigkeit bleibe ich ja nicht fort. Aber haben Sie keine Sorge. Allein habe ich überhaupt keine Lust zu fahren, wie wäre es. wenn wir drei zusammen auf zwei bis drei Tage nach Berlin flitzten und ein paar Atem- Züge Großstadtluft mit nach Hause brächten? Kosten darf uns die Reife nicht viel, und ich möchte vorfchlagen, wir beide Frau Helene und ich, wohnen bei Tante Minette.*

Der Plan fand freublgen Beifall, ja, Redern vor allem hatte Verlangen, mal wieder das Leben da draußen zn spüren Schließlich ober einigte man sich doch dahin, daß man zusammen­bleiben und in einem Hotel wohnen wollte,