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Kasseler Abendzeitung

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Mittwoch, 12. Mai 1926

Nummer 110. Amtliches Organ de« Stadt Kassel

Amtliches Organ der Stadt Kassel 16. Jahrgang

Ein WaffensMstanö im Flaggenkampf.

Ein deutlicher Wink.

Luthers Tage gezählt.

Am 12. Mai jährt sich der Tag. an welchem Reichspräsident Hindenburg den Eid aus die Verfassung ablegte. Das deutsche Volk hatin dem abgelaufenen Jahr die Bestätigung daM erhalten, daß der große Heerführer des Welt­krieges sich auch als Reichspräsident von 'encn hohen Grundsätzen leiten ließ, die sein Handeln jederzeit bestimmt haben. Das Schicksal fugt es jetzt, daß der Gedenktag des 12. Mai tm Schatten der ernsten Krise steht, die sich tm Zusammenhang mit der neuen Flaggen» Verordnung entwickelt hat, und vielleicht ist keine andere Frage so dazu geschaffen, dem gegenwärtigen Reichspräsidenten die plelsachen Bedingtheiten seines hohen Amtes fühlbar zu machen, wie der neu entflammte Streit von schwarz-weiß-rot gegen schwarz-rot-gold. Nach­dem sich zunächst der Innenminister Dr. K u l z und sodann der Reichsarbeitsmimster Dr. Brauns eifrig bemüht halten, den entstan­denen Konflikt beizulegen, ist sich das Kabinett dahin einig geworden, daß die neu« Flaggen- verordnung geeignet sei, den Farbenkampf zu mildern, und daß die Verordnung deshalb be­stehen bleiben müffe. Gestern hat Dr. Luther dann von neuem versucht, mit den Führern der vier Koalitionsparteien eine Verständigung zu erzielen.

Die Demokraten haben nun den gestern ver­öffentlichten Brief des Reichspräsidenten, der eine Einheitsflagge für alle Parteien an­regt, zum Anlaß genommen, um ihren Wider­stand gegen die Flaggenverordnung und die nach ihrer Ansicht darin zum Ausdruck kom­mende innenpolitische Haltung zu einem direk­ten V o r st o ß gegen Dr. Luther ausznaestalten. In den Besprechungen vom Montag Mittag ist dem Reichskanzler von demokratischer Seite in deutlichen WoWrten gesagt worden, daß die zu­gespitzte Situation eine wesentliche Entspan­nung erfahren würde, wenn der Kanzler die Konsequenzen aus der an seinem Vorgehen geübten Kritik zöge und von feinem' Amte zu­rücktrete. Es wurde hinzugesetzt, daß dieser demokratischen Auffassung von der Lage sich auch das Zentrum angeschlossen habe, obwohl dessen Vorstand sich erst heute nach der Kanz­lerrede im Reichstag schlüssig werden will. Das Ergebnis bestand für di« Linke im wesentlichen in der sicheren Annahme, daß die Tage Dr. Luthers gezählt seien. Und zwar sechst in dem Falle, daß Dr. Luther nicht freiwillig zuruck- trete, und sechst dann, wenn der Mißfrauens- antrag der Soziachemokraten keine Mehrheit fände. Nach demokratischer Ueberzeugung war das aber unbedingt zu erwarten. Zur Erörte­rung stehe, so hieß es, nur noch der Zeitpunkt der Demission Dr. Luthers, und wenn sie nicht jetzt erfolge, so werde sie mit tötlicher Sicher­heit und binnen ganz kurzer Frist bei irgend­einer anderen Gelegenheit zur Tatsache werden. Aus all diesen Dingen erkennt man, wie verhängnisvoll sich die Situation kompli­ziert hat, Im besonderen macht man Dr. Luther auch einen Vorwurf daraus, daß er sich allzu passiv verhalten habe, als die neue Flaggenverordnung bei den Demokraten und beim Zentrum auf so starken Widerstand stieß. Der ganze FlaggenkonMkt gehe aber aus­schließlich und allein den verfaffungsmäßig verantwortlichen Staatsmann an und das sei Dr. Luther. In der Presse wurde deshalb auch Hindenburgs persönliches Eingreifen in den Flaggenstreit allgemein als ein neuer Beweis Mr'das dauernde Bestreben des Reichspräsi­denten ausgefatzt, zu seinem Teile alles zur Abschwächung und Beseitigung der inne­ren Gegensätze zu tun. Und wie immer auch der Kampf zwischen dem Reichstag und den opponierten Regierungsparteien ausläuft. am Schlüsse des ersten Jahres seiner Präsidentschaft darf Hindenburg aus dieser allgemeinen und einmütigen Bestätigung seiner hohen staatsbür­gerlichen Einsicht die Erkenntnis entnehmen daß man nicht nur tot deutschen Volk sondern auch in den verschiedenen parteipolitischen Lagern dir Integrität seines politischen Wil­lens anerkennt und würdigt.

* * *

Der gordische Knoten.

Kann ihn Luther durchhauen? (Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 11. Mai.

Man glaubt in volksparteilichen Kreisen drei Möglichkeiten für den Kanzler erblicken zu können. Entweder er regiert parlamentartsch und vermeidet jede Beunruhigung der Koali- tionskurse oder er regiert ohne oder gegen das Parlament, und gebraucht diejenigen Macht­mittel zur Durchbringung der Gesetze, die die Reichsverfaffung vorsieht. Die dritte Lösung sieht man in der Aufnahme der Deut sch- nationalen in das jetzige Kabinett Luther,

die jedoch gegenwärtig nicht mehr in Frage kom-1 men, solange die Deutschnationalen außenpoli­tisch keine Konzessionen zu machen gedenken. An die Möglichkeit eines Koalitionsbündnifles mit den Sozialdemokraten denken die volksparieili- chen Führer in der Stunde noch nicht.

Sine Flagge für alle.

Die Regierung gibt nach. Stichtag 1. August. (Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 11. Mai.

Wie ein Nachrichtenbüro erfährt, hat sich das Reichskabinett in der gestrigen Nacht- und heu­tigen Vormittag-Sitzung entschlossen, in der Flaggenfrage Entgegenkommen zu zeigen. Der Erlaß soll bis zum 1. August praktisch nicht in Anwendung gebracht werden. Man nimmt an, daß bis dahin eine Gesamtlöfung der Flaggen­frage im Sinne des Hindenburg-Briefes erfolgt sein wird, sodaß die Verordnung dann ohne wei­teres gegenstandslos seinwürde.

(Sine Mehrheit für Luther?

Auf dem Wege zur EinheitSflagge. (Privat-Telegramm.)

Berlin, 11. Mai.

Ein Blatt glaubt, daß die Ausfassung in der demokratischen Fraktion sür die Unterstüt­zung des Mißtrauensvotums (Soz.) überwiegt. Es sollen noch Erörterungen über einen Vorschlag schweben, der auch bei den De­mokraten einen Stimmungsumfchwung herbei- führen könne. Danach soll die Flaggenver­ordnung vorläufig nicht in Kraft treten, bis die Einigung über eine Einheitsflagge erreicht ist. Die Tägl Rundschau gibt der Mei­nung Ausdruck, daß das Zentrum, Deutsch­nationale, Deutsche Volkspartei. Bayr. Volks­partei und Wirtschaftspartei gegen den Miß­trauensantrag stimmen werden. Die Völkischen, die wahrscheinlich einen eigenen Mitz- trauensantrag einbringen werden, wür­den sich bei dem sozialdemokratischen Antrag der Stimme enthalten. Damit wäre eine

Mehrheit gegen den sozialdemokratischen Mißtrauensantrag

gesichert, selbst wenn die demokratische Reichs- tagsfraktion geschlossen gegen ihn stimmen soll­te. Eine Zentrumskundgebung erwartet, daß die Fraktion alle verfassungsrechtlichen Mittel anwendet, um dem deutschen Volke die alter­erbten Nationalfarben als Symbol freiheit­lichen Volksstaates Schwarz-Rot-Gold unver­ändert auch fernerhin zu erhalten.

*

Vreutzen geoen den Flaggenerlaß.

Berlin, 11. Mai. (Privat « Telegramm.) Ein Demokratenblatt meldet, die preußische Re­gierung hat beim Reichspräsidenten gegen die neue Flaggenverordnung Einspruch erho­ben und sie als verfassungswidrig be­zeichnet, weil der Reichs rat vorher nicht ge­hört worden ist. Diese Frage wird den Reichs- rat voraussichtlich am Freitag beschäftigen.

Minen in Gens.

Frankreich tritt für Umwälzungen ein. (Eigener Drahtbericht.)

Genf, 11. Mai.

Paul Boncour vertrat in der gestern eröffne­ten Studienkommiffion für Umgestaltung des Bölkerbundsrats die Auffassung, daß die E r h ö- hung der Zahl der Ratmitglieder deshalb notwendig sei, weil in bestimmten Fällen bei Nichtteilnahme der an einem Streitfall beteilig­ten Ratsstaaten an den Beratungen die Zahl der Ratsmitglieder so gering wäre, daß der Rat er­heblich an moralischer Autorität einbüßen wür­de. Boncour erinnerte ferner daran, daß die Versammlung sich wiederholt dafür ausgespro­chen habe, daß bei der Verteilung der nichtstän­digen Ratsfitze die geographischen Verhältnisse berücksichtigt werden müßten. Matsuda-Fapan betonte: An der Unterscheidung zwischen ständi­gen und nichtständigen Ratmitgliedern müffe un­bedingt festgehalten werden. Eine Erhöhung der Zahl der Ratsmitglieder sei nur in gerin­gem Umfange möglich. S t o e b o r g - Schweden legte dar: Die Festsetzung periodischen Wechsels der nichtständigen Ratsmitglieder sei das Grund­problem der ganzen Ratsfrage. Der Ausschuß müsse sich über diese Frage schlüssig werden, da­mit die Versammlung im September sie zur Entscheidung bringen könne. Zweifellos würde durch eine erhebliche Ratserweiterung die Bedeutung und das Prestige der Versammlung

erheblich beeinträchtint werden. Schließlich ver­langte er, daß die Einstimmigkeiisklausel unbe­dingt aufrecht erhalten wird. Der Vertreter Chinas verlangte die Vermehrung sowohl der ständigen als auch der nichtständigen Rats- sttze. Präsident Motta stellte fest, daß man sich in zwei Punkten vollständig einig sei, 1. darüber, daß die Einstimmigkeitsklausel nicht aufgehoben werden solle, und 2. darüber, daß der Ausschuß keine Vorschläge machen solle, die als Abänderung des Bölkerbundyaltes an­gesehen und ausgelegt werden könnten.

Was sie Mes erfinden. Jugoslaviens Völkerbundphantasien.

(Eigener Drahtbericht.) .

Genf, 11. Mai

Die jugoslavische Regierung hat dem Völker­bund für nichtständige Mitglieder ein System vorgeschlagen, nachdem jeder Staat jederzeit min­destens indirektimRatvertreten wä­re. Zu diesem Zwecke schlägt Jugoslavien die Schaffung von halbstündigen Ratssitzen vor, die für die Dauer von sechs bis acht Jahren an die Kleine Entente, die skandinavischen Län­der und die südamerikanischen Staaten vergeben und etwa in jedem zweiten Jahre im Turnus besetzt würden. Cuba schlägt vor, außer den ständigen amerikanischen Ratsmitgliedern zwei weiteren amerikanischen Staaten einen nichtstän­digen Ratssitz zu gewähren. Die Wahl der nicht­ständigen Ratmitglieder soll mit einfacher Mehr­heit erfolgen, ihr Mandat soll 4 Jahre dauern.

Heule fliegt Amunösen.

Der Wetterdienst ist bestellt.

(Eigener Drahtbericht.)

Oslo, 11. Mai.

Ein Blatt erhiett folgendes Telegramm aus Tvomsö: Das hiesige geophystsche Institut hat oon Amundsen den Auftrag erhalten, von heute früh ab alle Wetternachrichten von nordnorwe­gischen und nordrussischen Stationen zu senden. Dies dürfte auf einen Start am heutigen Tag hindeuten. Das Wetter ist andauernd ausge­zeichnet auf Spitzbergen.

Unterdrückte Wahrheiten.

Lloyd George ruft zum Frieden. (Eigene Drahtmeldung.)

London, 11. Mai.

_ Auf eine Anfrage im Unterhaus erwiderte Churchill, ein vo '.ufiges Belieferungs­verbot mit Papier sei gegen daS Arbeiter­blatt ebenso wie gegen viele andere Blätter, darunter eine große Anzahl Londoner Zeitun­gen, ergangen. Ein Arbeitervertreter b' 'teerte sich darüber, daß eine wichtige Anregung für Wiederherstellung des Friedens vom Regierungsblatt nicht gebracht wurde. Lloyd George sagte in feiner Rede, er habe dem Minister des Innern nahe gelegt, die Machtbefugnisse mit voller Unpartei­lichkeit auszuüben. Heute wolle er die Auf­merksamkeit aus die Unterdrückung deS Aufrufs christlicher Kirchen lenken, in dem es heißt: 1. Die Gewerkschaften sollen den General­streik absagen: 2. die Regierung soll die Unterstützung der Kohlenindustrie für eine be­grenzte Pertode erneuern und 3. die Kün­digungen der Grubenbesitzer sollen zurückgezo­gen werden. Die Radiogefellschaft habe An­weisung erhalten, den Aufruf nicht zu verbrei­ten, und das Regierungsblatt habe ihn auch nicht gebracht. Das entfremde die christlichen Kirchen der Regierung. Churchill bat das Haus, nicht zu urteilen, bevor es die Schwierig­keiten der Regierung erwogen habe.

(Sine wankende Front.

Der Verkehr kommt wieder in Gang.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 11. Mai.

lieber die Lage im Berkehrsgewerbe berich­tet ein Blatt: Allein bei einer Linie find gestern zwölftausend Angestellte wieder zur Arbeit zu­rückgekehrt. In Huddersfield versehen wieder zwanzig Prozent der Straßenbahnange- stellten ihren Dienst, in Liverpool fünfundachtzig Prozent. In Hüll sind mehrere hundert Hafen- und Dockarbeiter wieder zur Arbeit gekommen. In Wolverhampton haben sich 250 Angestellte der Eisen- und Stahlwerke wieder in ihren Be­trieben gemeldet, ebenso ist in anderen Provinz­orten eine Abnahme des Streits zu verzeichnen.

Der Streik verloren?

Bilder aus dem Stratzenleben der City.

(Von unserem Londoner Korrespondenten.) London» den 9. Mai.

Nun hat sich Asiens schon so sachte inje- wohnt, meinte der Landsturmmann Anfang Mat 1916 im Schützengraben am Chemin des Dames, wo man damals nur demonstratives Feuer hätte. Dieser Ausspruch kann auch aus di« gegenwärtige Situation des Streiks angewandt werden. Ruhig zieht man in Hellen Scharen nach der Citv. die Mehrzahl zu Fuß, bte Glück­licheren auf dem Fahrrad oder dem Motorrad. Die hingenGents" natürlich mit einer Freun- din hinter oder neben sich. Das gehört sich so, man will doch zeigen, daß man zu leben ver- steht. Die längst beiseite gestellten Fahrräder sind ans der Rumpelkammer hervorgeholt und notdürftig in ihren früheren Zustand versetzt worden. Manche haben noch komische oder gar keine Sitzgelegenheiten. So mußfte sich eng -m »ihn" »reffen, die Arme zärtlich um seine Taille geschlungen, die beste Vorbedingung für schwere Unfälle. Aber das stört den Genuß der Fahrt nicht weiter und in tollem Tempo sausen sie um eine scharfe Ecke in den dichten Haupt- ström hinein. Wer sich an eine solche Ecke stellt, bat eine interessante Morgenunterhaltung . . , Die Warenhäuser, Fahrrad- und Autogeschafte haben in den letzten Tagen fabelhafte Geschäfts gemacht. Die Ford-Verkaufsstellen haben stättsten Absatz zu verzeichnen. Auchunabhan- gige Autobusse sind im Verkehr, aber man sieht sie noch selten. In jedem

fährt ein Schutzmann mit.

Nach amtlicher Mitteilung wurden gestern 250 neue Omnibusse zugelassen. Freilich ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, aber butten tere Entwicklung wird sich in raschem Tempq vollziehen. Es ist eine goldene Zeit für arbeite lose Chauffeure. Immerhin besteht die Aussicht, daß sich auch der übrige Verkehr bald wieder heben wird. Verschiedene Strecken sind mit Freiwilligen wieder in Bettieb gesetzt. Diö Zentratbnbn, die London von West nach Ost dmchsckneidet, verkehrt auf ihrer ganzen Länge, hält nirgends, nur auf ein­zelnen. besonders wichtigen Stationen. Wenn man die Gesamtlage betrachtet, so ergibt üch ledenfalls, daß sich die Streikleitung in der Er­wartung einer steigenden Lähmung des Transportwesens getüncht hat. An der Gdgware Road sah ich einundzwanzig Auto-, taren hallen, die auf di« »besseren" Herren der Citv warteten. Diese sitzen, wie immer, freien« ruhig bei ihren »Eiern mit Speck", nur die ge­wohnte Friihstückszeitung fehlt vielfach noch. Wer auch das wird bald anders werden. Der Arbeiterführer Thomas, der von allen Sei­ten gleich geschätzt wird, verließ kürzlich das Unterhaus mit Tränen in denAugen, in wankender Haltung, ein gebrochener Mann. Seine tapfere Fran faßte ihn fest unter den Arm und führte ibn zu dem bereitstehenden Auto. Kürzlich geriet ich in einen großen Hör, wo wohl vierhundett Mann sich langsam nach den Eingängen des langen Holzschuppens vor­wärts schoben, in dem sich die

Meldestelle für die Freiwilligen befindet. Vertreter aller Berufe waren zur Stelle. Krastwagenführer, Techniker usw. Bis zum Wend des Tages vor Streikbeginn wur­den sechstausend Mann eingestellt. Siebzigtau­send waren schon vorher in den Listen einge­schrieben. Die Einstellungen scheinen auch gestern flott vorwätts gegangen zu fein. In den gro­ßen Provinzstädten steht es ebenfo und man braucht, wie ick höre, im ganzen nicht mehr als zweihundetttausend Mann. Eins mußte den Fremden besonders auffallen: es lag ein merk­würdiges Schweigen über den Massen. Nirgends ein lautes Wort, ein« lärmende Auseinander­setzung. Ich mußte unwillkürlich an die Gene­ralstreiks in Berlin denken, bei denen es leb­hafter zuging . . . Der Hyde-Park ist ge­schloffen. aber ick erhielt Eintritt. Ein höchst« interessanter Anblick bot sick mir dar: Langs flache Schuppen mit Milchausgabestellen, Küchen und Kantinen für die Angestellten und Chauf­feure. Aus den langen geraden Fahrstraßen, auf denen sich sonst die eleganten Privatautos mit dichten Abständen folgen, endlose Kolonnert von Lastautos jeder Att. Man hat den Ein­druck eines militärischen Lagerlebens, liebere! musterhafte Ordnung und zuverücktliche Hal­tung. Gestern stand vor den Wellington-Kaser- nen eine lange Kolonne von Lastkraftwagen. Abteilungen des Garde-Grenadier- und des Coldstream-Garde-Regimentes hatten gerade bte Beladung ber Autos beendet. Dann zog die Ko­lonne in verschiedenen Abteilungen, jede von Panzerwagen begleitet, von bannen In Liverpool wurden von einem Truppen schift zwei Regimenter gelandet, die durch die City