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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 101. Amtliches Organ der Stadt Kaffel

Sonnabend, 1. Mai 1926

Amtliches Organ der Stadt Kaffel 16. Jahrgang

Bannt Der Kanzler die Fürstengefahr?

Ausbruch des englischen Kohlenstreikö für heute Nacht erwartet.

Auf falschen Wegen.

Glossen und Streiflichter vom Tage.

Noch immer, wenn unter dem Feuerkuß der Maiensonne die verzauberte Erde ihre träum» tiefen Märchenaugen aufschlug, sich in glitzern­des Blütenbrautgeschmeide hüllte und ihr glückdurchschauerter Leib dahinschwang in Glanz und Fülle im brausenden Rhythmus kos­mischer SterneNretgen . . . Noch immer ist es dem Menschen eingeboren,daß sein Gefühl hinaus und aufwärts dringt, wenn über ihm im blauen Raum verloren, ihr schmetternd Lied die Lerche singt« daß seine uferlose Sehn­sucht sich dem göttlichen VersüngungSprozeß der Weltseele vermählt und zu Frucht und Blüte reist, daß sein Hirn und Blut und Wesen, hin- eingerisien in den Strom des Werdens, vom Duft der Dolden, vom Glutblick der Sonne, vom Balsamhauch der Lüste beschwingt, vorwärts stürmt zu fernher blauenden Höhen, daß un­durchdringliche Rätsel sich lichten, Seelen sich erschließen, die lange sich versagten. Ja selbst der Rauhreis des Elends schmilzt von erlösche- nrn Herzen, daß sie ausatmend einem GlückS- ftrahl enlqegenschmachten.

«ei» Wunder, wenn auch die gärenden Lei­denschaften der Mafie Mensch jetzt schroffer aus­einanderprallen, nur daß sich leider wieder aus dem Rummelplatz der Politik die Unver­söhnlichen gleichsamum des Kaisers Bart' m den Haaren liegen und daS Ausland an de» Zäunen sich verständnisvoll zuschmunzelt. . . WaS in aller Welt frommt einem parteipoli­tisch übersättigten, aber leiblich und seelisch um so mehr entkräfteten Duldervolk das zu den Reichstagssenstern hinausgeschmetterte Für­stengezeter der extremen Parteihäuptlinge, die an dem ganzen Wirrwarr doch nur Schuld sind? In der Treibhaushitze des Parlaments ist noch nie eine unverzerrte, unantastbare, un­sterbliche Weishett gezüchtet wordeq. wenn hier auch Eiterbeulen aufgestochen» muffige Winkel ausgeräuchert, wucherndes Gestrüpp ausgerodet werden, die dem Heilungsprozctz im Wege ste­hen. Ist den Volkstribunen die wirtschaftliche und geistige Selbstbesinnung der lang­sam genesenden Masten um ein Fürstengericht seil? Und seien es auch ein Paar Millionen Rentenmark oder ein paar Tausend Morgen Land: Ist es nötig, die kaum begrabene Streit­axt wieder gegen des Bruders Haupt zu schwin­gen, um eines versunkenen Schattenreichs willen?

Man kann der Regierung ebensowenig wie denFlügelparteien' den Vorwurf ersparen, daß sie in selbstsüchtiger Verblendung die Fol­gen ihre Halsstarrigkeit nicht abgesehen, nicht papierne Mauern eingeristen haben, die bei gu­tem Willen nicht standhalten können. Ueber- flüffig die schweren Reichstagskannonaden sür und gegen die F ü r st e n e n t e i g n u n g, die doch keine Mehrheit findet. Ueberfliistig die gutgemeinten aber hilflosen Abfindungsgesten der Mittelparteien, die kaum noch beachtet wer­den. Denn man weiß jetzt, der Volksent­scheid ist unausbleiblich, weiß auch, daß sich zwanzig Millionen für die Enteignung kaum zufammenfinden werden. Oder sollte uns damit gedient sein, daß Reichstag, Reickskabi- net und . . . vermutlich auch Reichspräsident durch einen Volksspruch hinweggefegt werden? Oder glaubt man wirklich, mit den widerspen­stigen Parteien leichteres Spiel zu haben, wenn ein paar Millionen weniger aufmarschieren? Wie man's dreht und tr nbet es bleibt ein aus­sichtsloses Hasardspiel, das sich bei stärke­rer Initiative v.no schmiegsamerer Diplomatie hätte vermeiden lasten, zumal man doch auf ei­nen von allen Parteien tragbaren Ausgleich zurückgreisen muß, nachdem kostbarstes Gut an Nerven, Zeit und ... innerer Schlagkraft zweck­los vertan ist, die uns beute immer noch so bittet not tut. Diese zwingenden Ueberlegungen haben nun auch gestern die Deutsche Volk s- partet bestimmt, den Reichskanzler zu einem Schritt anzuspornen, damit die Fürstensrage nicht zur Schicksalsfrage des deutschen Volkes wird.

Denn die Stimmung unserer Loear.wgenos- sen ist wegen der Rußlandehe noch immer ge­reizt. die sprossende Völkerbundsaat ist mehr wie einmal total v.rhagelt und . . . unser Frei­heilsgeist stößt sich noch immer an den Draht­verhauen am Rhein, unser Volkswirtschafts- Wille an den Fallftittern fremder Handelstore die Schädel blutig. Mit wuchtigen Hieben hat hier der Kanzler kürzlich Bresche gelegt, ar­gen die Zollschranken gedonnert der Handels- Verständigung das Wort geredet, wie sie zurzeit auch In Gens von den Wirtschaftskapitänen an»

gestrebt wird. Zweifellos läuft alles darauf hinaus, die lähmende ProduktionSkrife in allen Industriestaaten durch einschneidende Maßnahmen (Stabilisierung, Zollabbau, Meistbegünstigung, Rationalisierung) zu besei­tigen, wenn sie nicht, wie zur Stunde die eng­lische Kohlenkrise, zur Katastrophe ausarten soll.

Greift der Kanzler ein?

Drängen der Bolkspartei im Fürstenkonflikt. (Prival-Telegramm.)

Berlin, 30. April.

Wie die Blätter melden, hat gestern der Bor- sitzende der volkspartetlichen Reichstagssraktion, Scholz, den Reichskanzler um ein aktives Ein­greifen in die rstenabsindungssrage ersucht. Das Reicksskabinett wird sich heute mit dieser Frage befassen. Während ein Blatt meldet, daß Dr. Luther sich den Vorschlägen der Deutschen Vollspartei gegenüber ablehnend verhalten hat, glauben andere an die Bereitschaft des Reichs­kanzlers, sobald als möglich einen Ges ehe nt- warf über die Fürstenabfindung dem Reichs» tage vorzulegen, der im Gegensatz zu de« Som- promißeutwnrf der Regierungsparteien mit einfacher Mehrheit angenommen werden kann.

*

3n Berlin wird morgen nicht neörutft

Berlin, SO. Juni. In einer Delegiettenver- sammlung der Berliner Buchdrucker wurde -in­stimmig beschlossen, an der völligen ArbeitSruhc am L Mai festzuhalten.

Nur keine Ausflüchte!

Pariser Abrüstungsmärchen für den 18. Maft (Eigener Drahtbericht.)

Paris, 30. April.

Die französische Delegation für die Entwasf- nungskonferenz, die am 18. Mai in Gens be­ginnt, setzt sich auS den Abgeordneten Paul Boncour, dem Grasen Plauxet und dem Oberstleutnant Requiem zusammen. Die De­legation vertritt folg. Leitsätze: 1. Die Entwass» nung kann nur durchgeführt werden, wenn die Sicherheitgewährletstet ist (!). (Damit hat Deutschland Anspruch aus die stärkste Wehrmacht, da es von allen Seiten bedroht ist. D. Red.) 2. Die Art und Weife, wie ein Land abrüsten kann, ohne seine Sicherheit zu gefährden, muß von den allgemeinen Möglich­keiten feiner wirtschaftlichen, industriellen und militärischen Kraft, die es im Falle eines Kon­fliktes nutzbar machen könne, abhängen. 3. Die Bewaffnung bildet ein Ganzes. Da keine Unterscheidung möglich ist zwischen der Bewaft- nung zu Lande und zu Wasser, dürften beide Fragen nicht voneinander getrennt werden.

Gr schütten dle Faust.

Mussolini als Abgott des Volkes.

-(Eigener Drahtbericht.)

Rom, 30. April.

Bei der Wiedereröffnung der Kammer be­tonte der Vorsitzende Casertane, daß die Anschläge gegen Mussolini nur die Ergebenheit und die Anhänglichkeit des Volkes für ihn ver- stärkt hätten. Der faschistische Generalsekre­tär äußerte sich ähnlich Mussolini gab zu ver­stehen, daß er augenblicklich andere und anders geartete Sorgen habe. Auf keinen Fall werde aber der Faschismus sein Programm ausgeben. Aves sei vorgesehen; man solle es hier und auch anderswo wissen. Die eiserne Hand des Faschismus werde das Geschick des itafle- nischen Volkes weiter lenken. Eine lange, u u. beschreiblichr Beifallskundgebung begrüßte die Worte Mussolinis.

Tief im Schulberftumpf.

Washington läßt Frankreich leben.

(Eigener Drahtbertcht.)

Paris, 30. April.

Ziemlich unerwartet wurde heute Nacht eine Meldung aus Washington verbreitet, die inzwi­schen bestätigt worden ist, daß das Schulden­abkommen zwischen Frankreich und Amerika unterzeichnet worden ist. Frankreich ver­pflichtet sich, innerhalb zweiundsechzig Jahren eine Gesamtsumme von 6,647 Millionen Dollar zu bezahlen. Darin ist das Kapital mit 3 340 606 378 Dollar angesetzt, der Rest ent­fällt aus die Zinse n Die volle Kapitalschuld beträgt 2 933 365 231 Dollar, die sogenannte Handelsschuld (Kriegsvorräte) 407 341 145 Dollar. Die ersten beiden Annuitäten betragen

dreißig Millionen Dollar, die beiden folgenden 32% Millionen Dollar. Dann steigen die Anuitäten nach und nach auf 125 Mill. Dollar.

Wieder Krieg im Riff?

Morgen läuft der Waffenstillstand ab.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 30. April.

Rach einer Havasmelduug wird hettte früh ein letzter Versuch zur Erzielung eines Ver­gleichs zwischen den französische« und spani» scheu und den Risdelegterte« gemacht werden, nachdem die Rifdelegierten keine einzige der vier FriedenSbedingungen angenommen haben. Der Waffenstillstand werde am 1- Mai ablau­fen. Wenn nicht ein Umschwung in der Auf­fassung der Rifleute zu verzeichnen sein werde, sei der Abbruch wahrscheinlich.

Noch 18 Tote an Bord.

Aber der Marokkodampfer läuft auS.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 30. April.

Wie HavaS auS Marseille berichtet, wurde daS Auslaufen drS DampfersSidi Ferruck" gestattet, obwohl die überlebenden Araber ihre früheren Aussagen, daß außer de« gefundenen zwanzig toten vermutlich noch achtzehn Araber in de« doppelttm Böden des Schisses elngeschlofsen seien, aufrechterhalten. Em Polizeibeamter bleibt a« Bord. Der Staatsan­walt beschäftigt sich auch mit einer ähnlichen heimlichen Einschiffung an Bord des nach Südamerika bestimmten DampfersAsi­na". Zwei Heizer seien fefigenommen worden.

Sin räftewafter Fall.

Staatsanwalt, Auto, Maschinengewehr.

tDmch Funtfpruch.)

Chicago, 30. April.

Der Mord an dem Staatsanwalt Swig- gins, der vorgestern auf einer Jnspektions- fahrt durch das Berbrecherviertel aus einem sei­nen Kraftwagen überholenden Automo­bil er s ch o s s e n wurde, ist, trotzdem mehr als hundert Verhaftungen vorgenommen morden sind, noch vollständig ungeklärt. Teilweise nimmt man an. daß der Staatsanwalt einer Ver­wechslung zum Opfer gefallen ist; teilweise spricht man von einem Racheakt. Es ist scst- gestellt, daß sich die Mörder eines neuen Ma­schinengewehrs der Polittitruppe bedient haben, das 1500 Schutz in der Minute abgibt.

Heule Rächt Kohleniireik?

England wettet tausend zu eins.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 30. April.

Rach Schluß der Beratungen zwischen dem industriellen Ausschuß des Geweplschaftskon- gresses und den Bergarbeiterführern unter dem Vorsitz Baldwins erklärte der Führer der Eisen­bahner Thomas, man könne mit 1000:1 daraus rechne«, daß eS zu einer Stillegung der Kohlengrube« kommen werde. Ei» Blatt deutet an, daß möglicherweise die Staatsunter stützung für die Kohlenindustrie fottgesetzt wird, um eine Anstellung der Arbeit heute um Mit­ternacht abzuwenden. Ter fünf Millionen Ar­beiter umfassende Gewerkschaftskongreß werde heute für den Fall des Scheiterns der Kohlen­oerhandlungen einen Sympathiestreik erwäge».

*

Unannehmbare Vorschläge.

London, 30. April. (Eigener Drahtbericht. Die gesamte Presse hebt den Ernst der Kohl-it- krise hervor. Baldwin habe gestern den Äerg- atbeiterführern gegenüber zum Ausdruck ge­bracht, daß die Grubenbesitzer wahrscheinlich bereit seien, auf der Grundlage eines Achtstnn- dentages einen nationalen Mindesiprozentsatz von einundzwanzig über dem Standart vom Fahre 1914 statt, der auaenblicklichen dreiund- oreißig anznbieten. Nach Ansicht der Berg- rrbeiterführer sei dieser Vorschlag unannehmvo

*

3hir Se i orwinnen!

London, 30. April. (Eigener Drahtbericht. > ES verlautet, daß Baldwin den Wunsch gc- ;u6crt h"be, die R e q i e r n n " s z u 1 ch ü > > für de» Bergbau einige Tage über den 30. April hinaus zu zahlen, um auf diese Weise eine Fortsetzung der Verhandlungen zu ermöglichen. Die Grubenbesitzer wollen heute m der Lage sein, Vorschläge zu unterbreiten.

VerfOkudelles Gelb?

Wenn zuviel in einem Land regieren.

Land e t bc« t'äroencntett habe», die folgen- ben, nachdenkliche» Betrachtungen:

Die Verwaltung des Deutschen. Reiches wird, soweit es sich um reine Reichsangelegenheiten handelt, von zehn Rrichsministerien geleitet. Einschließlich des Reichskanzlers gibt es elf Reichsminister. Dazu kommen fünf- unbfünfjig Minister der Länder, so daß das deutsche Volk das seltene Gluck hat,

von sechsundsechzig Ministern regiert zu werden. Der Großstaat Preußen hat acht Minister. Natürlich muß Bayern, obwohl es nur ein Fünftel der preußischen Bevölkerungs­zahl aufweist, ebensoviel Minister haben. Sach­sen mit einer Bevölkerungszahl, die an Zahl etwa der Westfalens entspricht, leistet sich sieben Minister. Württemberg (Bevölkerungszahl gleich Provinz Brandenburg), Baden (gleich Provinz Ostpreußen), und Hessen (gleich Pro­vinz Oberschlesicn), halten sich je vier, Thürin­gen (etwa gleich Provinz Schleswig-Holstein), Mecklenburg-Schwerin (gleich Stadt München), Oldenburg (gleich Stadt Breslau), Braun­schweig (etwa gleich Stadt Essen) und Anhalt (gleich Stadt Stuttgart) je drei, Mecklenburg- Strelitz (gleich Stadt Plauen ' V.) zwei Mi- nister usw. Jeder K^er fünLeohfünfzig Län- derminister - Zeh ^r.gen sou es auch von hohen, mittlMsi ufftt fein Bewenden sich. Es ist doch klar: SDiW.fer totLe Ministerien haben, und zu einem gehören nun einmal Staatssekretärs" te, wirkliche und unwirkliche Geheim. ty.i sterial- und Regierungsdirektoren, L und Regierungsräte usw., usw., bis /Gunter zu dem Diener, der dem Minister in den Man­tel hilft. Dasselbe Spiel wiederholt sich natür­lich in den Provinzorganisationen der einzel­nen Länder. Preußen hat zwölf Oberpräsiden­ten, 12 Landeshauptleute, 32 Regierungspräsi­denten, und 26 Polizeipräsidenten; Bayern hat acht Regierungspräsidenten, Sachsen vier Kreis­hauptleute; Baden vier Landeskommiffare; Hes­sen drei Provinzialdirektoren; Oldenburg zwei Regierungspräsidenten usw. Der Kopf schwirrt einem, wenn man ein Reichs- oder Staats­handbuch durchblättert und dabei erfährt, wel­che gigantische Fülle hervorragender Persönlich- feiten es in Deutschland gibt und welches

Heer von hohen und höchsten Beamte«

bemüht ist. das deutsche Volk zu regieren. Au­ßerdem hat aber nicht nur das Reich feinen Reichstag, in dem die gewählten Vertteter des ganzen Volkes sitzen, und einen Reichsrat, dem die berufenen Vertreter der Länder angehören, es hat auch jedes Land feinen eigenen Landtag, Preußen dazu noch einen Staats­rat als Vertretung der Provinzen. Für die Reichs- und Landesgefetzgebung gibt es also (ohne Reichsrat, Reichswirtschaftsrat und preu­ßischen Staatsrat) in Deutschland neun­zehn Parlamente! Der Reichstag besteht zurzeit aus 493, der preußische Landtag aus 450 Mitgliedern, alle übrigen Landtage (einschließ­lich der Bürgerschaften der drei Stadtstaaten) haben zusammen 1155 Abgeordnete. Bei der Gesetzgebung und Verwaltung deS Deutschen Reiches Witten also

' 2098 Volksvertreter

mit, ohne die 66 Mitglieder des ReichsratS, die 326 Mitglieder des Reichswirtschaftsrats und die 77 Mitglieder des preußischen Staatsrats und ohne die zahllosen Mitglieder der Parla­mente der Selbstverwaltung. Um ihr staatliches Eigenleben zu betonen, unterhalten einige Län­der zu allem Uebersluß auch »och diplomatische Vertretungen innerhalb des Reiches. I« Ber­lin gibt' es zurzeit acktundzwanzig .Diploma­ten" der Länder. Sachsen allein, dessen Haupt­stadt drei Schnellzugstunden von der Reichs- bauptstadt entfernt ist, beschäftigt in feiner Ber­liner Gesandtschaft einen diplomatischen Stab von zehn Herren (ein Gesandter, drei Ministe­rialdirektoren. ein Ministerialrat, vier Lega- üonsräte und ein Legationssekretär), während B. die deutschen Botschaften in Paris und inaora mit je neun, die deutschen Botschaften n Rom. Moskau. Washington und Tokio mit -e sieben, die deutschen Botschaften in London und Madrid mit ie sechs Berufsdiplomaten auskommen. Der Freistaat Preußen unterhält nur noch eine Gesandtschaft, nämlich in Mün­chen Bayern hat Gesandtschaften in Berlin rind Stuttgart, ferner Generalkonsulate in Hamburg, Dresden und Frankfutt a. M Es ist das einzige deutsche Land, das auch noch eine Gesandtschaft im Auslande unterhält, näm*