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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer Ivo Amtliches Organ der Stadt Kassel Freitag, 3V. April 1926 Amtliches Organ der Stadt Kassel 16. Jahrgang

Scheitert der Marokkosrieöe?

Rettet die Wirtschaft

Der

Lleberall

fein Geld

Sterndolde Vfiafterstene in Sachsen.

Dresden, 29. April. (Privattelegramm.) Die deutfchnationale Fraktion deS sächsischen Land­tages und Abg. Sehnirch (Soz.) als Vorsit­zender des Ha>,Shaltungsausschusses beantrag­ten, wie ein Blatt hört, di« Einsetzung eines Untersuchungsausschusses zur Nachprüfung der vom früheren sächsischen und jetzigen Reichs- finanzminifter Dr. Reinhold 1925 erteilten Aufträge für Kleinpflafter. Da die genügende Zahl von Unterschriften vorhanden ist, wurde dem Anträge seitens des Plenums ftattgrgeben.

In Verbindung mit der Verhaftung dreier ungarischer Geldfälscher in Wien wurde heute in der Wohnung eines gewissen Michael I ä - ger eine Haussuchung vorgenommen, wobei in einem versteckten Koffer tausend Stück falsche Ein-Millionen-Kronrnnoten gesunden wurden. Zwei andere mit der Fälscherbande in Verbin­dung stehende Personen sind in Haft, ein drit­ter Beteiligter wird steckbrieflich verfolgt.

Tod des vormaligen Kaiser« Tiwang hat in der Stadt Seoul eine ungewöhnliche Erregung her­vorgerufen. Die Polizei ist eifrig tätig, um die Ordnung unter der ungeheuren Menschenmenge anfrechtzuerhalten. Dabei haben koreanische Po­lizisten, die die Menge zurückzntreiben versuch ten, einen Japaner getötet und einen zweiten verwundet.

Englands Schatzkanzler im Parieifeuer. (Eigener Drahtbericht.)

unter Hinweis auf das Vorbild Amerikas ein und sagte, den Dominions sollte Vorzugs- behandluug auf lange Zeit gewährt werden. Gegenüber einer Aeußerung von Wallhcad (Arbeiterpartei) bemerkt Mar Aeill namens der Regierung, das) die russische Regierung im Gegensatz zu den anderen Regierungen bisher ihre Schulden abgeleugnet habe. In einem Schlusswort erklärt Churchill, er kön­ne sich keines Budgets erinnern, das einen so schwächlichen und innerlich widersprechenden Widerstand gefunden habe. Was die Forderung nach grösserer Sparsamkeit betreffe, so seien keine positiven Vorschläge gemacht worden.

(Sin verfrühter Schreck.

Chamberlain den» nicht an Kolonierückgabe.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 29. April.

Bei de, Budgetberatung im Unterhaus er klärte Sir Robert Hörne (Konservativ): Zu ta­deln sei an Churchill, dass die Ausgaben von Jahr tu Jabr grösser würden Die gegen wärtige Lage der Industrie gestatte eine 8 t« Minderung der Ausoaben -richt. Hörne tritt für Erleichterung der Steuerlasten der Industrie

(Sin grausiger Fund.

Das Marokkanergrab unter den Schiffskohle«.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 29. April.

Auf einem Paffagierdampfer, der von Algier gestern in Marseille eintraf, wurden im Kohlenbunker die Leichen von zwanzig Marokkanern entdeckt, die, um die Ueber- ahrt umsonst zu machen, dort von einem Un­ternehmer untergebracht worden waren, der unter dem Heizraum Höhlen gegraben hatte, um sie der Kontrolle zu entziehen. Vier Matrosen des Dampfers wurden verhaftet. Es cheint sich um eine Art von Sklavenhan­del zu handeln. Da es unmöglich ist, den Kah­lenberg zu durchsuchen und da der Dampfer heute wieder in See geht, werden die Leichen erst im Verlaufe der Rückreise nach Philippville zum Vorschein kommen.

sprechenden Massnahmen beantworten.

* 21!» Koreas Kaiser starb

Tokio, 29. April. (Kabeltelegramm.)

Noch mehr falsche Millionen

Neue Sensationen in Budapest.

(Eigener Drahtbericht.)

Budapest. 29. April.

Endlich verdaut!

Paris, 29. April. (Eigener Drahtbericht.) Kammer und Senat haben um '3.30 Uhr vor­mittags das Budget mit 393 gegen 151 Stim­men bezw. 272 gegen 7 angenommen und sich bis zum 27. Mai vertagt.

Der verkürzte WohNahrtoetat.

Bei der Beratung des Gesetzentwurfs der Volkspartei, Demokraten und Sozialdemokraten, der bestimmt, daß in der Vollsitzung des Reichsrats die Stimmen Preußens gemäß der Entscheidung der Vorberatung einheitlich durch ein vom Staatsministerium bestimmtes Mitglied abgegeben werden, es sei denn, daß sich mehr als zehn Stimmen der Provinzialver­treter in der Minderheit b.funden haben, stellt sich die B e s ch l u ß u n f ä h i g k e i 1 des Hauses heraus. Damit ist dieser Gegenstand erledigt. Beim Wohlsahrtsetat finden die Ab­striche von etwa zwei Millionen Mark die Zu­stimmung des Hauses. Der Antrag (83. Vg.) auf Auflösung des Wohlfahrtsministeriums wird abgelehni Bezüglich des Wohnunas- und Siedlungswesens sollen die Landtagsbe- schlüffe zur Hebung der Wohnungsbautätigkeit beschleunigt durcbgesührt werden. Bei der Ge­stütsverwaltung findet unter anderem der Ausichußantrag Annahme, der ein besser ausreichender Zollschütz für Pferde der« langt, dann den Ausschußbeschlüssen zum Do­mänenetat und nimmt eine Reihe von Akt« trügen zugunsten der Pächter und Siedler an. Beim Landwirtschaftsetat betont Mi­nister Dr. Steiger. daß die landwirtschaft­lichen Schulen jetzt einen höheren Staatszuschuß erhalten als vor dem Kriege. Der Zuckerzoll sei ausreichend. Nach weiterer Debatte wird der Landwirtschaftsetat beendet.

Noch ein Vollsbegehren.

Für Landtagsauflösung in Hessen.

(Eigener Drahtbericht.)

Darmstadt, 29. April.

Die Parteivorfitzenden der Landtagsfraktio­nen deS Hefflschen Landbundes, der Deutschen Volkspartei und der Deutschnationalen Volks- Partei haben heute beschlofleu, unverzüglich das Volksbegehren aus Landtagsaus­lösung in Hessen durchzuführen. Die Par­teien find übereingekommen, bei der Neuwahl des Landtages einen gemeinschaftlichen Wahlvorfchlag aufzustellen.

Auf dem toten Gleis.

Die Regierung al« Zuschauer im Fürstendrama.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 29. April.

DaS Reichskabinett hat sich gestern abend in einer längeren Sitzung mit der durch das ge­scheiterte Fürstenkompromitz entstandenen Lage beschäftigt. Es soll dabei erneut zu der Aus­fassung gelangt sein, an seiner bisherigen pas­siven Einstellung zu dieser Frage auch weiterhin festzuhalten. Die Demokraten be­schlossen, ihren Antrag auf angemessene Abfindung der Fürsten aufrecht zu erhalten. Bei seiner Ablehnung wird die Fraktion ge­gen die entschSdigungslose Enteig­nung stimmen. Die Volkspartei erklärte sich sowohl gegen den sozialdemokratisch-kommunisti­schen EnteignungSantrag als auch gegen den demokratischen Zusatzantrag.

Der Reichskanzler als Wegbahner.

Reichskanzler Luther schloß sein« schon aröb« tenleiis gestern veröffentlichte, vom Glauben «n den Aufstieg der deutschen Wirtschaft getragen« Red« auf dem I n d u ft r te- utui r><t nieik tag mit folgenden interessanten Ausblicken:

Berlin, 29. April.

Die Steigerung der Produktionsfähigkeit saft aller Länder wirkt sich dahin aus, daß immer mehr Länder ihren eigenen Maflenbedars selbst zu decken unternehmen. Unter den Schwierig« ketten, die dadurch für die EigenauSfuhrländer entstehen, spielt bei Deutschland die Verschmä­lerung seiner Rohstoffgrundlage, darunter der derzeitige völlige Mangel an Kolonialland noch eine besondere Rolle. Unter den Schritten der deutschen Regierung stehen die Bemühungen voran, im benachbarten

Russland neue Absatzmärkte

zu schaffen, wöbe, die Reichsregierung die be­kannte Ansfallbürgschast übernommen hat. Die Verhandlungen über die Finanzierung werden hoffentlich bald abgeschloffen sein. Noch bedeu­tungsvoller ist die Beteiligung deS Reiches an dem Ausfuhrrisiko des deutschen Expor­teurs. Gar keinem Zweifel kann unterliegen, daß alle diese Maßnahmen eine dauernde Grundlage für den internationalen Geschäfts­verkehr nicht abgeben können. Die Reichsregie« runfl geht, wie aus meinen bisherigen Darle­gungen erhellt, bewußt dem Ziele nach, die dcmsche Ausfuhr nach aller Tunlichkeit zu st e i g e r n. Ebenso selbstverständlich aber ist, daß dir Aussuhrfähigkeit nicht durch eine un­begründete Hochhaltung der Inlandspreise, ol|j durch eine Bebrütung des deutschen Volkes. gewonnen werden darf. Eine durchgreifende Lösung wird erst dann erzielt werden, wenn auf dem Gebiet der ErzeugungS- kosten alles geschehen ist, um sie so niedrig wie nur möglich zu hallen. Nach dieser Richtung hat das Reich einen grundsätzlich bedeutungs­vollen Schritt getan, indem eS sich zu einer Steueilenkung entschloß, die bis an die Grenzen deS Möglichen heranging. Nachdem der Kanz­ler daraus hingewiesen hatte, daß auch eine Ver­minderung der Verwaltungsausgaben mit aller Kraft erstrebt werde, sagte er zum Schluffe: Die Arbeit der ReichSregierung wolle die Ueberzeugung stärken und wachrufen, daß es wirklich wieder aufwärts geht. Sol­che Ueberzeugung fei auch begründet, weil die Anzeichen für ein Voranschreiten deutlich er­kennbar seien, die sich zwar langsam entwik- kcln, aber nunmehr aus hoffnungsvoller Bohn. (Der Anfang der Kanzlerrede ist für den gestern nicht bedachten Teil der Ausgabe auf einer In­nenseite wiedergegeben. D. Red.)

den sie das jedenfalls von zwei Seiten tun, vom Somaliland und von Eritrea her. In den zu­gleich gewundenen und geschwollenen Reden, die der Faschistenherzog bisher über seine Ab­sichten von sich gegeben hat, ist natürlich nur von .ökonomischen" Zielen die Rede, indes das kennt man. Um eine Basis für ein Vorrücken von Süden zu schaffen; ist ja schon ein Kolonial­feldzug gegen die widerspenstigen Somalis im Gange. Von hier nach Abessinien hlneinzukom- men, ist aber nur mit den größten Schwierig­keiten möglich, wegen der Unwegsamkeit und WasserlosiAeit des Landes. Auf keinen Fall kann hier eine Armee vorrücken. Selbst mit Flugzeugen wäre ein abessinischer Krieg ein Unternehmen von ungeheuren Kosten und mit höchst unsicherem Ausgang.

Kommt es zum Bruch?

Das Rif beugt sich nicht dem Sklavenjoch.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 29. April.

HavaS berichtet auS Ufchda, die Rifdelegier­ten lehnten die AuSsührungSbesiimmnngen zum Friedensvertrag sogar unter Vorbehalt gewisser Abänderungen ab. Unter diesen Umständen scheinen die Ansichten künftig.als miteinan­der unversöhnlich. Da die spanische und die franzöfische Regierung gefordert hätten, dass bis zum 1. Mai eine Entscheidung getroffen werde, werde man alsdann Über die wirklichen Absichten der Rifleute Bescheid wissen. Man wird ihnen die Rückkehr zu Abd el Krim für drei Tage gestatten. Unterrichtete Persönlichkei­ten halten die Möglichkeit einer Ablehnung der Bedingungen seitens Abd el Krims auch jetzt nicht ausgeschlossen. Die französischen und die spanischen Behörden werden eine intransi­gente Haltung Abd el KrimS sofort mit den ent-

Ohne Dauer kein Drot.

Der Landtag setzt sich für den Nährstand ein.

Berlin, 28. April.

Beim Landwirtschaftsetat erblickt Landwirt­schaftsminister Dr. Steiger seine erste Auf­gabe darin, die landwirtschaftliche Erzeugung auf breitester Grundlage zu fördern. Don be«

Einen gewissen Auslaß besaß Italien, so­lange die Vereinigten Staaten von Amerika Jahr für Jahr unbeschränkt Hunderttausenvc von italienischen Einwanderern landen ließen, teils zu vorübergehender, teils zu dauernde: Niederlassung. Das hat jetzt ausgehört. Ita­liener sind bis auf eine geringe Zahl von der Zulassung ausgeschlossen (Mussolini hütet sich Wohl, gegen dieien Stachel zu loden!) und wenn die amerikanische Regierung für diesen mate­riell und moralisch gleich drückenden Ausschluß durch da? eben ratifizierte Schuldenabkommen vier Fünftel der italienischen Verpflichtungen vom Kriege her an Amerika gestrichen hat, so ist das zwar ein anständiges Schmerzensgeld, aber es hilft Italien nicht zu einem neuen brauchbaren Auswanderungsgebiet. Südame­rika allein reicht auch nicht dazu. Die italienische Politik arbeitet stark in Albanien, doch nach Albanien kann man auch keine italienischen Bauern in größerer Zahl schicken. Nun besitzi Italien Mar R h o d u s und beobachtet von da dauernd die türkisch« Küste, aber de: Sprung wäre doch sehr gefährlich. Bei diesem Suchen nach einem Objekt für überseeische Ex­pansion ist der Blick nun wieder auf Abessi­nien aefallen, wo eS den Italienern schon ein­mal schlecht genug gegangen ist. Am 1. März 1896 erlitt General Baratieri mit einer starken Armee die entscheidende Niederlage gegen bk Abessinier bei Adua.

Abessinien ist der einzige noch unabhängig, afrikanische Staat. Der Kern, das Hochland, aus dem der blaue Nil und der Atbara kom­men. ist nicht größer als Italien, aber im gan »en umfaßt das heutige abessinische Reich Län­der vom vierfachen Umfang mit vielleicht zehn Millionen kriegerischer Einwohner und einem gehörigen Vorrat an Waffen und Munition Am kleinsten, verkehrsvolitisch aber am wichtig­sten unter den europäischen Nachbarländern Abessiniens, ist die kranzöss' y Kolonie Cbo* am südlichen Eingang des Roten Meeres Von hier führt eine von den Frgnzosen gebaute und betriebene Bahn auf das Hochland. Wenn die Italiener Abessinien angreifen wollen, so wer-

... muß größer fein.

Mussolinis Landhunger

Der stärkste Mann in Frankreich, Herr Bri- and, hat vor einigen Tagen in der Budget-De­batte über die auswärtige Politik auf eine An­frage wegen Italien in einer Weise geantwor­tet, die darauf schließen läßt, daß in der Tat aktive italienische Absichten in Afrika bestehen, und daß Mussolini sich bis zu einem gewissen Grade wie weit ift fraglich dafür das Wohlwollen Frankreichs gesichert hat. Briand meinte: Italien vermehrt sich jedes Jahr außerordentlich stark. Es ist daher be- gretflich, daß es dort gleichsam ständig kocht, und daß sich der starke Druck nach außen hin Luft zu schaffen sucht. Briand war klug genug, an diese für Italien freundliche und verständnisvolle Erklärung noch eine leise Ver- Wahrung wegengewisser öffentlicher Aeußernn- ßen* zu knüpfen, die an sichin Erstaunen setzen* könnten, die sich jedochau8 den Bedin­gungen der italienischen Politik* ergäben! Er­fahrene Politiker finden immer eine Form, um Entgegenkommen und Reserve so miteinander zu verbinden, daß sie sich, sobald es vortetthaft erscheint, aus die letztere znrückziehen können.

Der sachliche Inhalt der Briandscheu Worte bedeutet so viel wie grundsätzliches, ettoa8 zu­rückhaltendes Wohlwollen gegenüber den er­kennbar werdenden italienischen Ansdehnungs- plänen über See. Italien hat nun einmal den Fehler gemacht, daß eS sich im Weltkrieg nicht aus die Seite stellte, wo ihm daszweite Ita­lien* jenseits des MeereS gewintt hätte, näm- lich Tunis, die alte römische Provinz Africa. Im Altertum war diese eines der reichsten Mittelmeerländer und eine der Kornkammern Roms; heute leben in ihr an hunderttausend Italiener unter französischer Herrschaft. Wäre Tunis heute italienische, so brauchte Mussolini nicht bloß mit Reden italienische Größe zu mar­kieren, sondern sie wäre als Tatsache allen sicht­bar. Die tripolitanische Sandbüchse, die Ita­lien in Ermangelung eines Besseren vor dem Weltkrieg den Türken sottnahm, ist kein Ersatz dafür, sondern nur eine kolonialpolltische De­koration. ES ist richtig waS Briand sagt, das italienische Volk vermehrt sich jedes Jahr außer- ordenüich. Seine Volksdichte ist noch etwas stärker als in Deutschland, aber mit geringeren tndustriellen Hilfsmitteln und mit einem grö­ßeren Prozentsatz von wenig ober gar nicht kul- turfähigem Boden. Dazu ist die nationale Ver­mehrungsrate höher, daS Wachstum der Volks­zahl also schneller, als in Deutschland. Hieraus stammen die italienischen Röte, die durch den Besitz von Tunis aus lange hinaus hätten ge­heilt werden können.

AoD'enflreif in Sicht«

London, 29. April. (Eigener Drahtbericht.) Ein Blatt berichtet, daß gestern abend in den Verhandlungen zwischen den Zechenbesttzern und den Bergarbeitern sich eine ernste Sage ent­wickelt habe und eS sei dem Premierminister nur mit Mühe gelungen, einen vollständigen Abbruch der Verhandlungen zu verhindern.

London, 29. AprU.

Laut Pressenotiz hat die Andeutung, paß, wenn Deuttchlond in den Völkerbund eingette- ten ist, es ein Solonialmandat wahrscheinlich in Afrika erhalten werde, einige Bestürzung er­zeugt. Konrad Walsh bat bei Chamberlain au- gefragt, ob irgend eine Veränderung in der Po litik der britischen Regierung hinsichtlich der po­litischen Zukunft des Tanganvika - Gebietes eingetreten fei. Chamberlain erwiderte, dass kein Grund für die Annahme bestehe, die bri­tische Regierung hätte ihre Politik mit Bezug auf daS Tanganyika-Gebiet geändert oder be­absichtige eine Aenderung dieser Politik.