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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung

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Mittwoch, 21. April 1926

Nummer 82. Amtsblatt der Stadt Kassel

Amtsblatt der Stadt Kassel 16. Jahrgang

Wird uns die Golömillimöe gesperrt?

Vaflaglerflügk mit Riesenzeppeiinkn von Leningrad nach Tokio.

Gesperrtes Eigentum.

Poliiil und Geld im Weißen Hans.

Die Hoffnungen, daß das Gesetz über die Freigabe des deutschen Eigentums glatt vom amerikanischen Parlament erledigt wer­den würde, sind leider über Nacht enttäuscht worden. Wenn es auch noch nicht Getoißhcu ist. daß die Eigentumsbill endgültig erledigt ist, so tritt in jedem Falle eine Verschiebung der Erledigung bis zum nächsten Herbst ein. iHHei weitere wird von dem Ausfall der Herb st- wählen abtzängen, bei denen voraussichilta das Gesetz über die Vermögensrückgabe eine leidenschaftliche Wahlparole für die eine dezw für die andere Partei bilden wird. Die Ent­wicklung der Dinge, die besonders in Deutsch land ärgste Enläuschung hervorzurufen geeignet ist, ift selbst den amerikanischen Regierungskrei­sen völlig überraschend gekommen. Der Gesetzentwurf stammle von dem Repräsentanten Ogden Mills, nach dem auch daZ Gesetz übet di« Rückgabe des im Kriege beschlagnahmten deutschen Privateigentums benannt worden ist. Mills gab am Sonnabend plötzlich die Er- ab, daß er sich an der Weiterberatun^ deS Gesetzes nicht mehr beteiligen werde. Damit rüclle alio der Pate des Geietzen:wurjes von dem ihm zur Verteidigung anvertrauten Objekt ab und machte die vorläufige Weiterberatung der Angelegenheit unmöglich.

Persönliche Interessen spielen in die parla­mentarischen Kämpfe hinein, und es ist nut schwer zu übersehen, tote weit persönlicher und parteipolitischer Eigennutz bei der Verun­glimpfung des Gegners die Hand im Spiele haben. Schatzsekretär Mellon selbst ist nach der Behauptung ocs yitigeotoneic» Garner Aktionär und Vorsitzender der Mergenthau; Linotype Company, also einer amerikanischeu Gesell,Mit aus deutschem Boden. Diese Ge­sellschaft hat ebenso wie ander« rein deutsche Unternehmungen Entschädigungsansprüche ge­gen die Regierung der Union gestellt, und zwar mit dem Erfolge, daß bereits ein großer Teil davon etwa im Betrage von einer Million Goldmart von der gemischten Gntschädigungs- kommission als berechtigt anerkannt worden ist. Garner wirft nun Mellon und anderen Depu­tierten vor, daß ihr Interesse am Zustandekom­men des Entschädigungsgesetzes daraus 'urücl- zuführen sei, daß ihre ^ntschädigungsforoerun- gen unverzüglich aus einer amerikanischen An- leihe befriedigt würden. Mellon soll auch Ak­tionär von fünf verschiedenen Firmen sein, die von der gemischten Kommission Beträge zu for­dern Hütten, zugleich sei er der Mann, der den ganzen Gesctzenttourf ausgearbeitet habe. Mel­lon behauptet allerdings, er hätte nicht ge­wußt, daß die mit ihm in Verbindung stehen­den Gesellschaften i'gendwelcke Ansprüche gegen Deutschland batten.

Die Angrifse haben natürlich einen stark poli­tischen Einschlag. Garner ist Demokrat und hofft mit seiner Partei die wenig populäre Vor­lage zu Fall zu bringen und sich mindestens eine günstige Wahlparole für den Herbst zu schaffen. Daher sind die republikanischen Par­teiführer bei dem Präsidenten Coolioge rätig. um ihn zu größter Vorsicht zu mahnen. Auck die republikanische Presie vermag kaum ihre Ge­nugtuung zu verbergen und betont die Pflicht der amerikanischen Staatsmänner, sich mehr nm die Jnterellen der Amerikaner, als um diejeni­gen der deutschen Staatsangehörigen zu küm mern. Trotzdem dürfte in dieser Angelegenheit das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Wenn auck das Rückgabegesetz große Gegnerschaft in der öffentlichen Meinung gefunden hat, so hat der amerikanische Bürger dock keine rechten Ein­wendungen dagegen zu erheben, daß das fremde Privateigentum zurückgegeber wird, nur wehrt man sich dagegen, daß diese VermöpenSrückgabe mit einem ungeheuren >t- n a n z i e l l e n Nutzen für die amerikanischen Kriegsgläubiger verbunden fein soll Ter Kampf zugunsten oder zu Ungi asten des Gesetzes ist also mit dem Zwischenfall noch fei- i eswegs entschieden Vor allem darf nicht über- sihen trerben, daß nach Beendigung des Kriege? anerikanisches Kapital auch nach Deutschland geflossen ist in einem Ai smaße. wie es noch nie der Fall war. Vor sick tige amerikanische Politiker warnen dahe' 9t' aierunn und öffentliche Meinung, durch dtt Erteilte Rückgabe des deutschen Vermögens nicht einen Prä? denzfall zu schassen, der unter Umständen eines Tages für die amerikan,fchen Interessen verhängnisvoll werden könnte. In jedem Falle hat das Ereignis seine Rückwirkung

aus die deutschen Börsen nicht verschickt, denn die sogen. »Freigabewerte- erlebten gestern den ersten tiefen und nachhaltigen Sturz.

Die geotze DoKarkomödie.

Riesengewinne bei der deutschen Freigabe. kDurch Fn'ikspruch^

Rewyork, 20. April.

Abg. Garnau (Dem.) hat gestern Im Re­präsentantenhaus vierzehn Gesellschaften und Persönlichkeiten genannt, denen nach seiner Be­hauptung aus dem von Mills eingebrachten Gesetzentwurf über den Ausgleich der deutsclsen amerikanischen Entschädigungsansprüche b e« sondere Vorteile erwachsen würden. Un­ter den Genannten befindet sich die Oelgesell- schaft mit über zwölf Millionen Dollar, ver­schiedene Fleischkonservenfabriken mit einer Million, verschiedene Jndustriegesellschaften mit über eine Million, ferner drei Gesellschaften, bei denen Abg Mills Direktor ist, mit 260 000 Dollar, weiterhin Firmen, an denen I. P. Morgan interesstert ist, mit 2 243 000 Dol­lar, Firmen, an denen Th. A. Lamont interes­siert ist, mit 3 600 000 Dollar und solche, an de­nen OttoSahu interessiert ist, mit 1340 000 Doll.

Sme erlitte öNahnuna an oen Dvlkervunv

Washington, 20. April. (Funkdienst.) Staats­sekretär K e 11 o n g erklärte in seiner Note an den Gesandten in Bern, daß es bedauerlich wäre, wenn dec Völkerbundsrat oen Eindruck erwecken würde, daß wesentliche Schwierigkeiten einen direkten Meinungsaustausch mit den verschiedenen Sianatarmächten im Wege stehen. Es seien keinerlei neue Vereinbarungen notwendig, um den Bedingungen und Vorbe­halten Wirkung zu verleihen, auf Grund deren die Bereinigten Staaten bereit find, dem Ständigen Gerichtshof beizutreten.

* * *

Das Tagesgespräch der Völker.

Annahme oder Zurückstellung des Gesetzes? kDmch Funkspruch )

Washington, 20. April.

In Washingtoner Kreisen ist man der An­sicht, daß trotz des letzten Zwischenfalls bei ver Beratung der Mills-Bill die Annahme der Frei­gabevorlage durch Repräsentantenhaus und Se­nat noch in dieser Session nicht ausgeschlossen fei. Mellon empfahl heute abermals die An­na h m e der Vorlage, da diese die einzig prak­tische Lösung darsteve. Er stehe aber auch jeder anderen Lösung unvoreingenommen gegenüber. Er bat die Opposition im .Kongreß nm praktische Vorschläge statt einer zerstörenden Kritik. Das Schatzamt erklärte, daß Mellon bei der AuS arbeitung der Vorlage nicht bemerkt habe, daß ibm aus der Vorlage Vorteile erwachsen wür­den Der Finanzausschuß wird sich in der nach- ften Sitzung mit anderen Vorlagen beschäftigen maß möglicherweise praktisch die Zurückstel l u n a der MillS-Bill für diese Selfion bedeutet.

Gegen oen Maulhelden Tftuffol ni.

Washington, 20. April. (Reutertelegramm.) Im amerikanischen Senat erklärte gestern Se­nator Walsh (Dem.), die TripoliSfahrt des italienischen Premiers strotze von kriegerischer Prahlerei. Die Annahme der italienkschen Schnldenregelung würde lediglich Muffolini. dem eber st en Diktator helfen, seine Finanzen in Ordnung zu bringen, sodaß er einen neuen Krieg vom Zaune brechen oder solange prahlen könne, bis die Angst allgemein sei.

Läuft er aueewanver?

len Mindestlohnes zuzustimmen. Die Aussichten für eine BefeitigungderKoh- lentrife haben sich dadurch gebessert. Macdonald wird am Donnerstag bei der dritten Lesung den Angriff gegen die Er­sparnisvorlage eröffnen. Dieser seltene Fall deutet auf Die starke Gegnerschaft hin, dir in den Kreisen der Arbeiterpartei und der Liberalen gegen das Gesetz besteht.

*

Der erste Deuifckie im Londoner Parlament

London, 20. April. (Eigener Drahtbericht.) Laut Pressenotiz wird heute zum ersten Male seit Ausbruch des Krieges ein Deutscher im Parlamenisgebäude sprechen und zwar der Journalist Alsons Paguet aus Frank furt. der vor einer privaten Gesellschaft über das Thema »Deutschland und der Völ­kerbund einen Vortrag halten werde.

3m Zeppelin nach Tokio.

Der Luftplan eines deutschen Fliegers.

«Eigene Drahtmeldung )

Moskau, 20. April.

Der deutsche Kapitänleutnaitt BrunS, Gc- rceralsekretär für den TranSarktischen Flugver­kehr, ift in Leningrad zu Besprechungen ein* getroffen. BrunS, der einen Plan zur Herstel­lung regelmäßiger transsibirischer Luft- v«vkehrSlinien auSgearüeitet hat, erklärte einem Pressevertreter, daß nur Luftschiffe von erheblich größerem Umfange als dieNorge" als ein sicheres, rentables Lust- verkehrSmittel zur ständigen Verbin­dung zwischen Westeuropa und Ostasten in Betracht kommen könne. DaS von BrunS ent­worfene Flugfchift ist 275 Meter lang und bietet allen Komfort. Die von BrunS vorgesehene transsibirische Linie soll von Leningrad über Wologda nach Tokio führen.

Wozu der Lärm?

Beim Rußlandvertrag keine Friedensgefahr. «Eigener Drahcve-tchl.»

London, 20. April.

Zum deutsch-russischen Vertrag schreibt ein Blatt: sei ausgeschlossen, daß rin auch noch so inniges Verhältnis zwischen Deutschland mr> Rußland eine Gefahr für den Frieden bedeute, trotzdem die Nachricht, daß Deutschland daran fei, einen politischen Vertrag mit Rußland zu schließen, demselben Argwohn und der- selben Feindseligkeit begegne, wie seinerzeit der Rappallovertrag Deutschland habe ebenso gut das Recht, Vercräge mit andere» Mächten abzuschließen, wie Frankreich. daZ zahlreiche derartige Verträge abge­schlossen hat. Um irgendwelche Gefahren in einem derart,gen Einvernehmen zu beseitigen, müsse mau Deutschland zu einem frühest mög­lichen Zeitpunkt zu einem Mitglied des Völkerbundes machen, wie eS in Locarno versprochen wurde.

*

Ungeduld Oer Cane en - Dor OemAvschkutz«

Berlin. 20. April. (Privattelegramm.) Wie derVorwärts" mitteilt, hat Abg. Hermann Müller bei dem Vorsitzenden des Auswärti gen Ausschusses, Hergt, die Einberufung des Ausschusses zwecks Erörterung des deutsch-russischen Vertrages bean­tragt. Der Abschluß der Verhandlungen Über den Vertrag wird noch für diese Woche erwartet.

Kritische Zeiten für den Völkerbund. kPrlvet-Tekegramm)

Genf, 20. April.

Laut Pressenotiz rechnet man, wenn die Korn Mission zur Urngeftattuna »es Rats ohne Erfo<a ,,iSe,nandergeftt, mit dem Austritt einer ganzen Reihe von St-aien aus Sem Völkerbund ver voi feiner schwierlafien Stunde stehe Ame­rikas Ablehnung der Teilnahe an den Schiedsgerichtsvertrags - Berhandlunaen am l September bat in Genf stark enttäuscht.

3n letzter Stunde.

^enbefitzer l-»en ein. Macdonalds Attacke (Eigene Drabttneldnng.)

London, 20. April.

Blätiermeldungcn zufolge sind die Zechen- ücsitzer bereit, dem Grundsatz eines n a t i o n a -

Der Griff in die Kaffe.

Millronenunterschlagung beim Autoverbarcd. (Prival-Telegramm.)

Berlin, 20. April.

Laut Pressenotiz sind beim Reichsverbant ser Automobilindustrie große Unterschlagunger aufqedeckt worden. Der Kassierer Schäufler if verhaftet worden. Er hat bisher Veruntreuun­gen in Höhe von 69 HO i Mark eingeräumt Wei ere Untersck'ksnunaen in Höbe von 39 000 Mark ind ihm nachgewiesen worden. DaS Vor- ito«bSmi»«lfeti Dr für Ser! in# sowie zwei weitere Angestellte find von ihren Aemtern -»spendiert worden Außerdem ist gegen einen vereidigten Bücherrevisor und eine Berlin«, "lnflationSbank die Untersuchung eingelcttci worden. Der Verband soll um rund eine Mil­lion Goldmark aekchädiat worden fein.

Braten der presse.

Das Ende eines Wiener SkandalprozeffeS.

Wie schon in einem Teil bet gestrigen Ausgabe gemeldet, wurde in den, Wiener Bektechungs- »roreh gegen den Ehe-redakienr Alerandci Weib und den Jnseratenckes Alberi Fuchs criterer zu liebe» Monaten, schweren Kitters, letzterer W vier Äonaten schweren «ertere verurteilt, lieber dielen interessanten Sag ausirr« fub bei Wiener Berichte-itotter eines Berlin« Blattes wie folgt:

Der anstäuckl-gcn Presse, tue ja die Regel bildet, tote es in jedem anderen Berus auch der «all ist, trat der StaatSanwait in keiner Weise zu nahe, und wenn er es als ein Bedürfnis der Oeffenrlichkeit bezeichnete, unanständige Journa­listen aus dem Berufe zu beseitigen, so hat die Presse ein womöglich noch größeres Interesse da­ran als die Oeffentlichteit. Weiß selöer bat zu Anfang des Prozesses zugegeben, daß seine Hand­lungenint schlimmsten Falle" als Bestechung bezeichnet werden könnten, er hat es zugegeben, weil Bestechung nach dem bisher geltenden Recht straflos bleibt, während Erpressung kriminell faßbar ist Vor dem Tribunal der Standesehrc aber ist der bestochene Journalist genau so zt> verurteilen, wie vor Gericht der Erpresser. Daß jedoch auch das strafrechtliche Delikt hier vorlag, ergab sich schon daraus, daß der Großindustrielle C a st i g l i o n i seinerzeit mit seinem Rechtsan­walt verhandelt hat, ob er nicht Erpressungsan­zeige erstatten solle, woraus er dann ans »guten Gründen" verzichtete, d h., weil er eben die Les- fentlichkcit scheute und mit Gerichten nicht gern zu tun hatte.

In welches Milieu man mit diesem Prozeß binabaestiegen ist, dafür nur eine Einzelheit als Beifpkcl: bei einem dieserGeschäfte" hörte der Zahlende das Telephongespräch des Vermittlers mit dem Empfänger des Geldes, eben Weiß, an, und die Mitteilung lautete:Sie wissen, wo ich bin, ick übernehme hier vierundzwanzig Ballen (sollte heißen Millionen Kronen), geht in Ord- uung." Dieser Jargon kennzeichnet das. was da vorging, hiulütiglich.Geht in Ordnung" Spott uns Hohn! Daß auch die Zahlenden in vielen Fällen bestochen haben, darunter Herr Eastiglt- oni, aber auch andere hohe Funktionäre groger Unternehmungen ist gerichtsnotorisch auch das geht in Ordnung" Dabei ergab sich das pikan­te Schauspiel, daß der andere Generalgewaltige der österreichischen Kriegs- und Jnslationsge- winner, Herr B o s e l, dem Blatt zwei Milliar» den gab, als er hörte, daß sonst C a st i g l t o n i Einfluß au« dieses gefährliche Blatt gewinnen könnte. Wollte er verhindern, daß Eafltglioni sich die Angriffe des Blattes vom Halse schasste? Be­zeichnend dafür, tote angreifbar man sich in man. chcn Kceisen der Hochfinanz gefühlt hat, ist die Aussage des Direktors der Annoncenexpedition Haasenstein u Vogler, daß er die ständige Mis­sion übernorne» hatte,herumzuschnüsfeln, to-iS es Neues in den Zeitungen gäbe", d. h was für Angriffe in den Revolverblättern bevorstän. den. Es war ein reges, gegenseitiges Zusam­menarbeiten ztoischen den Preßpriraten und den Condotttert dec Inflation. Der Staatsanwalt konnte mit Recht in seinem Plaidoyer sagen, er habe die gesamte Bevölkerung hinter sich, und darauf hingewiesen daß auf Wunsch aller Partei- en jetzt im Parlament ein Gesetz zur Bekamp, suua von Mißbräuchen tm Pressewesen beraten wird, worunter Korruption verstanden ist, ein Gesetz, das, durch den Fall Weiß veranlaßt, auch Bestechung unter Strafe stellen soll.

Der Prozeß war aber nickt bloß ein Skandal- Prozeß, er war selber ein Skandal. Ter Ange- flagte bat ihn mit allen Mitteln seiner Technik zu einer Sensation nach anderen Richtungen ouf- zubauschen gesucht Man versuchte. au8 diesem gestrandeten Freibeuter einen politischen Märtv- rer zu machen, einen Vorkämpfer der Freiheit, der politischen Finsterlingen geopfert werden solle, und einer der Verteidiger leistete sich den Satz:Dieser Prozeß ist der Begm» der Reakti­on!" Herr Weiß selber suchte sich bengalisch zu beleuchten, indem er behauptete, in Budapest würde man ihn den tapferen Vorkämpfer der Rechte des Volkes! in die Donau geworfen, in Rom erstochen baden, in Oesterrreich habe man ihn vor Gericht geschleppt; und ein Verretdiger sekundierte ihm mit der Enthüllung, daß der un« garische Reichsverweser Horthy dohinterstecke, der seinenblutigsten Gegner" Herrn Weiß mit Hilfe der österreichiscken Behörden erle­digen wolle! Für alle diese Behauptungen ist keinerlei Beweis beigcbracht worden, die Staats- anwaltschast hat die Erzählungen von einem Ein­greifen des Justizministers in aller Form als glatte Erfindung gekennzeichnet

Um C a st i g l i o n i, an dem die Erpressung begangen worden ist, möglichst zu diskreditieren, warf ihm die Verteidigung vor, er habe im Krie«