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Nummer 90. Amtsblatt der Stadt Kassel

Sonntag, 18. April 1926

Amtsblatt der Stadt Kassel 16. Iahrga«

Luther in München, der König in Berlin.

O blühende Welt!

Schicksalswege der Politik.

So makellos silberblau, so maßlos früh lingsblütenselig, so in märchenbunter., grüu- goloner, duftender Leuchtalut und Knospenfülle waren diese frühen vorpftngstlichen Lenztraum. Himmel über uns ausgespannt, als hätten nie Nebeldunst und Alltagsstaub uns die Quellen des Lichtes verschüttet, als hätten wir nie in Sorgen, Aengsten, bitterkaltem Winterleiv an einer gerechten Weltordnung und am Erbarmen der Nächstenliebe verzagt. Und wenn auch hinter kühlen Regenschleirrn, schwärzlichem Wolkengewimmel die Weckerin alles Lebens und Spenderin alles Glücks sich verbirg», nichts mehr kann das flammende Blühen in Busch und Haag dämmen und neben dem Kirschen» und Schlehenblütenschnee werden bald Rotdorn und rosige Apselblütenballen lodern. Wenn aber Rosen- und Fltederdolden knospend sprin­gen, wird sich die große Himmelfahrtsseynsucht auch in der ärmsten Hütte entzünden, wird un­sere Herzen und Hände beflügeln, daß ihnen kein Werk zu schwer, kein Tag zu dunkel, kein Ziel zu fern mehr deucht und die Himmelssaar der Freude und ein Strom des Glücks unter ihrem sanften Streicheln aufquillt.

Wie kläglich stell' sich diesem brausenden Schöpfungsprozeß daS zerbrechliche Tagewerk von Menschenhand zur Seite. Noch immer seufzen die Völker des Abendlandes unter Ar­beitslosigkeit, Verelendung, Haß und Unfrie- den. Schwer drücken auf Frankreich-Rußland- Polen Teuerung und Finanznot, auf England die Koblenkrise, auf Deutschland Arb.'its- not, Besatzungsfron und Dawesabgaben, sodaß selbst Amerika für eine Milderung des Dlutzinsopfers plädiert, da die Grenze der deutschen Zahlungsfähigkeit erreicht sei. Ohne weitere riesige Anleihen ist Deutschland schon beute außerstande, den Rachen des Reparations- molochs zu stopfen. Dabei ist der Silberstreif-n für den verheißenen Wirtschaftsaufschlvung schon fast wieder verblaßt und selbst Marx- Se v e r t n g haben am Rhein die nächste Zu­kunft grau in grau gemalt, denn der Locarno­pakt hängt noch immer in der Luft, die .Rück­wirkungen" sieben noch immer auf dem Papier und wie dem Völkerbund auS der Sackgasse zu Helsen ist, weiß heute in Europa kein Mensch. Selbst der neueste Berliner Kurs auf Mos» kau, die erste wagemutige Tat seit Jahren, (alles andere, selbst Locarno, war nur ein Lockern der welschen Todesschlinge), bedeute! vorläufig wenig mehr als eine Rücken dek- kung gegenüber dem von Paris-Warschau ge­schmiedeten Randstaaienblock. Denn die durch unsere Millionenkredite genährten russischen Jndnstrieaufträge können bei der drohenden russischen Währungskatastrorhe sehr leicht zu einem Ressusgewand werden...

Frühlingsgeläut schwingt auch über den kampfstillen Rifhöhen, wenn es vielleicht auch die Totenglocken für ein freiheitdurstigcs Berg- Volk und seine unbezwungenen, ungebeugten Helden sind. Aber auch der schlaue Rifkabyle wird die verstörte Friedenssehnsucht der Pa­riser Frankpalienten zu deuten und zu nutzen wissen. Außerdem hat ihm auch Mussolinis Tripoliskavalkade Trümpfe in die Hand gespielt, die Briand vielleicht das Henkerbeil aus der Hand winden werden. Schon hat der italienische Botschafter in Paris bte Tanger­tasten angeschlagen und jedes Kind weiß heute, daß der Afrikaeroberer jederzeit für seine ehr­geizigen Pläne das Schwert zu ziehen willens ist. Und nicht umsonst zittert man am Quai d'orsay bei- dem Gedanken, daß der kriegslustige Faschistenhäuptling eines Tage- die Hand nach dem kostbaren, weißen Tunis ausstrecken könnte, das stark von Italienern durchsetzt ist, von dem Unbebagen zu schweigen, daß nicht nur in Paris über die heimliche Aufteilung Abessiniens unter London und Rom auk- knurrt.

Wir Deutschen ließen dem Nimmersatt an der Tiber gern seinen fetten Happen In den Tropen, wenn er... auch unseren Ansprüchen Gerechtigkeit widerfahren ließ. Denn auch die in Deutschland überzöhliqen Millionen (ein Engländer bat sie auf fünizehn berechnet, in Italien sind es nur drei) wollen sich mit bet Naturgewalt einer Springflut Lebensraum schaffen. Solange es aber den blinden Liktoi von Rom nach unserem mit eigenem Schweiß und Blu, gedüngten Kolonialbesitz gelüstet, so lange werden wir nickt aushören, ihn als Frie­densstörer zu brandmarken und die nackte Faust unter die durchlöcherte Rase zu halten. F. R.

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Denkt auch an ölt anderen

Sern, 17. April. (Eio-ner Drahlbericht.l Ein amtlicher schweizer Bericht besagt, daß der Völkerbund nur dann leben und gedeihen könne, wenn die Staaten gewisse nationale Interessen, die nicht wesentliche Interessen find,

den höheren Interessen der internationalen Gesamtheit der Erde unterordnen.

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Muffol ni rührt oie Werbetrommel

Rom, 17. April. Wie die Blätter berichten, hatte Mussolini gestern mit dem Senator Mar­roni eine Begegnung auf dem Meere bet Sizi­lien und wird noch heute abend in Rom sein. Am Sonntag wird auf den öffentlichen Plätzen aller italienischen Städte ein Fit in von der Tripolisreife Mussolinis aufgeführt wer­den, um das Interesse für die Kolonie anzu­regen. Im Februar betrug die Gesamtzahl der italienischen Auswanderer 19 532, von denen 12 402 auf dem Kontinent blieben, wäh­rend 7130 nach überseeischen Ländern (Argen­tinien und so weiter) auswanderten.

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Wie v!e Leibgarde wLchft.

Rom, 17. April. Ein Blatt berichtet, daß fiei den faschistischen Gewerkschaften im Jahre 1924 1 764 303 Personen eingeschrieben waren, m Jahre 1925 aber 2150551. Die Zunahme trat noch vor Inkrafttreten des faschistischen Gewerkschaflsgesetzes ein.

Berlin in München.

Kanzler und Minister feierlich empfangen. (Prfvat-Telegramm.)

München, 17. April.

Reichskanzler Dr. Luther, Reichsminister Dr. Külz und Finanzminister Dr. Rein- hold trafen, begleitet von dem baherischen Ge­sandten in Berlin, von Preger, heut- vormittag in München ein. Auf dem Hauptbahnhose hat­ten sich zum Empfange u. a, Ministerpräsident Dr. Held und Gesandter Dr. von H a n i e l - Heimhausen eingefunden. Nach der Be­grüßung begaben sich die Herren im Kraftwagen in das Palais des Ministerpräfldenten, wo der Reichskanzler Wohnung genommen hat. Am Vormittag werden die Minister dem Deutschen Museum einen Besuch abftatten.

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Schweben« König vei ylnoenburg.

Berlin, 17. April. (Privattelegramm.) Der König von Schweden weifte gestern aus der Durchreise in Berlin. Nachdem König Gustav Mittags ein Diner bei dem schwedischen Ge­sandten beigewohnt hatte, machte er nachmittags dem Reichspräsidentn eseinen Besuch und nahm um 5 Uhr den Tee bei ihm. Abends reiste Kö­nig Gustav nach Stockholm weiter.

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Arbeilsruhe am 1. Mal

Berlin, 17. April. (Privattelegramm.) Dir »Role Fahne, meldet aus München, daß der Münchener Gewerkschaftsausschuß einstimmig beschlossen habe, am 1. Mai die Betriebe still- zulegen. Die Vertreter des Bezirks Bran­denburg und die Berliner Sozialdemokratische Partei sprachen sich gegen eine gemeinsame Demonstration mit den Kommunisten aug.

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Auch die Münd ner feiern.

Hann.-Münden, 17. April. (Privat - Tele­gramm.) Der GewerkschastS-OrtsauSschutz be­schloß, den ersten Mai durch vollständige Ar­beitsruhe in den Betrieben zu feiern.

Sörftenrdtfel und fein Ende.

Das Kompromiß ein Berfassungsbrnch (Privat-Telegramm.)

Berlin, 17. April.

Im Gegensatz zu anderen Blättern melde' die Linkspresse, daß der neue Fürstenkompromif jon der Reichsregierung als v e rf a s f u n g S - ändernd betrachtet werde. Justizmrnister Dr Marx soll gestern erklärt haben, daß nach Auf- affuna der juristischen Sachverständigen zur Annahme des Gesetzentwurfes unzweifelhaft eine Zweidrittelmehrheit erforderlich sein werde, da der Entwurf in den Bestimmungen Iber die Enteignung über den Verfaffungsrah- men hinausgehe. Dieser Auffassung hatten sich auch die Vertreter der Parteien anaeschloffen.

Siehe auch Depeschen zweite Seite.)

Noch weit vom Bankerott.

Moskau straft die Schwarzseher Lügen.

(Eigener Drahtberttht.)

MoSkau, 17. Aprtl.

Halbamtlich wird mitgeteilt: Eine deuische Agentur verbreitet eine angeblich von Bucharin tu Moskau gehaltene Rede, worin derselbe er­klärt haben soll, daß der Sowjetunion der wirtschaftliche Bankerott drohe, wenn nicht un­verzüglich Hilfe geleistet werde. Bucharin be­

findet sich indessen bereits seit dem 25. März auf Urlaub außerhalb Moskaus. Er hat die ihm unterschobenen Erklärungen weder vor, noch während seines Urlaubs gemacht. Die Bucharin zugeschriebenen Worte wurden tat­sächlich unlängst von Bandervelde in einer Versammlung in Brüssel ausgesprochen. Eben­so falsch sind die Nachrichten über eine augeb- "che Schließung der Moskauer Fondsbörse die nach wie vor arbeitet und ohne Unterbre­chung tägliche Wertenotierungen herausgibt.

Wie stehl t« In Rußland aus?

London, 17. April. (Eigener Drahtbericht.) Ein Blatt meldet, daß vier konservative Parla- mentsmftglieder heute zum Studium der dorti­gen Verhältnisse nach Rußland absatzren.

Ein Locarno der Wirtschaft.

Englands Furcht vor dem schwarzen Gespenst. (Eigene Drahtmeldung.)

London, 17. April.

Der englische Hygieneminister stellte gestern Abend in Slokton die Frage, ob es heute, nach Loearno, nicht möglich fei, einen industriellen Frieden zwischen Deutschland, Frankreich, Eng­land, Belgien und Italien aüzuschließen, um die Gefahr eines Grubenarbetterstreiks zu ver­mindern. Bei der Zwangslage für England dauernd die staatliche Unterstützung für die Kohleninduftrie aufrecht zu erhalten, müßten sich für die Zukunft unheilvolle Folgen erge­ben. Dadurch werde für die übrigen Länder die Konkurrenz verschärft. Aus diesem Grunde sei die staatlichr Unterstützung nicht langer möglich.

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Frauen als rrevensmster.

Teuerungs- und Lohnkrise am Kanal.

London, 17. April.

Ein Blatt erfährt, daß eine Gruppe von Ar­beitslosen plane, die große heutige Kundgebung von dreißigtausend Frauen zugunsten des Friedens in der Industrie während ihres Umzuges durch die Straßen zu sprengen. Besondere polizeiliche Vorkehrungen sind ge­troffen. Laut Statistik waren die Lebenshal­tungskosten in England im letzten Monat durch­schnittlich achtundsechzig Prozent höher als in der Zeit vor dem Kriege. Im Vormonat wa-' reu sie zweiundsirbzig Prozent und im letzten Jahre fünfundsiebzig Prozent höher.

Gin armer Schlucker.

Washington übt Großmut an Paris, lEigener Drahtb-nckn j

Paris, 17. April.

Wie Havas aus Washington berichtet, ist die Grundlage für ein französisches Schuldenabkom­men gefunden. Man spreche von einer Einglie­derung der Handelsschulden in die Ge- samtheit der politischen Schulden und von Zahlungserleichterungen für die ersten Jahreszahlungen, die wesentlich geringer sein werden, als die vom vorigen September.

Eine fette Kost.

Rom-London verteilen Abessiniens Fell.

(Eigener Drabibettckt.)

London, 17. April.

Ein Blatt bestätigt den Abschluß einer ita­lienisch-britischen Vereinbarung über die Wirt­schaftsrechte in Abessinien. Ta Abessinien Mitglied des Völkerbundes ist, wird das Ab­kommen nach der Ratifikation beim Völker- bundsfekretariat hinterlegt werden. Italien erkennt daS ausschließliche Recht Groß­britanniens auf den Jsana-See an, wäh­rend England den italienischen Eisenbahn- b a u im Hinterland von Erythräa oder dem italienischen Somaliland, das Abessinien be­rühren könnte, vorbehaltlos gestattet.

Acht Lage vor Anker.

Die Nordpolfahrer ruhen in Leningrad aus.

(Durch FunkspruM

Leningrad, 17. April.

Das LuftschiffSorge" wartet hier für eine Woche die Fertigstellung eines Anlegema- st e s in Spitzbergen ab, das man in vierzig Stunden zu erreichen hofft. Man rechnet auch mit einem kurzen Aufenthalt auf Vardoe. Durch Die Strapazen und den Frost, Der in Der Gondel Drei GraD erreichte, war Die Mannschaft von Der Fahrt sehr ermüdet, sieht aber Der Wei- terfahrt mit Zuversicht entgegen. Tausende be­suchen das Luflschift. Sein Kommandant, Ka­pitän Robile, erhält viele Glückwünsche.

Lieber dem Nordpol.

Wenn Amundsen das Geheimnis lüstet.

Eia vbaataftiicker Tran». Die Lai« im Pol» eiS. Gibt es Mensche« in der Eiswüste? T«S Laad der Freiheit »ad des arotzea «schweigens.

Amundsen äußerte sich über seine bevorstehen­de Polarfahrt folgendermaßen: Wir werden das ungeheuere Gebiet von 2/2 Millionen unbekann­ter Quadratkilometer überfliegen. Und auch wenn wir kein Land sehen, wird es ein wunder- bares Erlebnis bleiben, als erste Menschen einen Teil des Erdballes überblickt zu Haden, welcher bisher allen Versuchen gespottet hat. sich seine Geheimnisse rauben zu lassen. Unsere Expedition ist in elfter Beziehung eine geographische. Wir fliegen ja viel zu schnell, als daß wir eingehende wissenschaftliche Beobachtungen machen könnten. Wir sind

Landjäger auf der Jagd

nach dem eigenartigsten Stückchen Land auf der Welt. Nach einer OaseimEise, die, falls sie existiert, mehr Wert ist wie irgendein Stück Land in der Welt von gleicher Größe. Derjenige, der niemals im arktischen Gebiete war, kann sich nicht vorstellen, wie schwer es tft. den Weg übers Po­lareis zu j indem Nur Derjenige, der wirklich einmal in Kontakt mit dem Treibeis gekommen ist, kann sich eine Ahnung von den ungeheuren Schwierigkeiten machen, die sich dem Forscher in den Weg stellen. Es ist behauptet worden, daß es ungefährlich sei, sich ohne Proviant in die Eis­wüste zu begeben, weil man fein Leben durch die Jagd fristen könne. An d-n Küsten.(*<> dies der Fall sein. Aber ick weiß mit Gewißheit, daß ti in den inneren Eisregionen gänzlich unmöglich ist, ohne mitgeführten Proviant zu existieren. Im Winter 1922/23 verhungerten bte Eingeborenen ganz in der Nähe der Stelle wo wir mit der ,9JZaub* vor Anker lagen. Täg­lich zogen sie auf Die Jagd, aber immer wieder sahen wir sie mit leeren Händen zurückkehren. Zirka dreihundert Kilometer von dem Platz, wo wir im Eise festsaßen, verhungerten sie. Je nörd­licher man kommt, desto seltener trifft man auf Tiere. Bei unserem letzten Flug über 2000 Kilo­meter Polargebtet haben wir im ganzen

nur einen Seehund und drei Vögel

gesehen. Es ist also gänzlich unmöglich, den mit» geführten Proviant zu entbehren und nur von der Jagdbeute zu leben. Trotzdem liegt es in den Grenzen der Möglichkeit, daß im Innern der Eiswüste Menschen leben, falls dort Land vor­handen ist, wo sie sich aufhallen können. Ich setz« den Fall, daß unter Umständen inmitten des Ei­ses sich eine große Insel aus feftem Land befinden kann. Wahrscheinlich würde diese von tiefem Wasser umgeben fein. In den Somermo- naten zieht sich das Eis bekanntlich zurück und bann gibt es auch Seehunde und Vögel. So könnte man an einer solchen Stelle wohl existie­ren, immer vorausgesetzt, daß festes Land vor­handen ist. Das Klima dort ist günstig. In den Somermonalen sogar relativ mild, und in der übrigen Zeit des Jahres hilft Die Wärme der Sonne. Es ist unter Umständen nicht ausge­schlossen, daß die Mannschaft eines verschlagenen Walfiscksanges sich auf einer solchen Insel fest­gesetzt und vermehrt hat, daß aber das Treibeis ihr jede Möglichkeit, nach dem Festlande zurück- zukehren, abgeschnitten bat. Ein solcher Gedanke erscheint phantastisch, aber ich habe doch oft da­rüber nachdenken müssen. Findet sich in der Nähe des Nordpols ähnlich wie am Südpol Land, ist die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen Aber wir glauben kaum, eine solche Ko- lerne zu entdecken. Jedenfalls wäre es das

dramatischste und wunderbarste Erlebnis in der Geschichte der Menschheit. Nichts ist schließlich unmöglich. Man hat mich ost gefragt, was wohl das Besondere der nördlichen und südlichen Polarregion sei. Ich kann darauf nur erwidern: Der Friede-die absolute Ruhe, das Gefühl vollständiger Freiheit und der Gedanke, tun zu können, nrng einem beliebt Es gibt Menschen, die in dieser Ei-wüste in der Einsam­keit wahnsinnig werden Aber ich fühle mich dort wohl und fühle mich niemals einsam. Man lebt eben und arbeitet um sein Leben zu fristen und sein Ziel zu erreichen Ich tveiß nicht, ob es mög- lick fein wird, das Luftschiff zur Erforschung der arktischen Gebiete zu verwenden. Vielleicht wer. den die hohen Berge dem Unternehmen allzu große Hindernisse in den Weg legen. Aber das ist ein interessantes Problem, das der Fachmann erforfdten mag. Nebst anderen Vorteilen hat der Luftweg in der Polarzone auch den der weitert Ueberblicke Aus meinem letzten Fluge zum Bei­spiel überschaute ich in siebzehn Stunden 300 000 Kilometer Sich zu Fuß mit Schlitten durch diese Eiswtiste zu arbeiten, wäre unmöglich gewesen. Die beiden Pole waren während vieler Jahre das Ziel abenteuerlustiger »iänncr. Stets hat das Mhsterium des Unbekannten über diesen ge-