Kasseler Neueste Nachrichten
dem
sein durchaus vornehmes Auftreten die
ein unglückliches Liebesverhältnis zu sein.
28)
Von Hermann Weick,
Im Morgensonnenschein lag der See. Dir Wasser glitzerten in tausend Farben. In User
nähe tänzelten, vom leichten Wind
gewiegt.
kam. hielt zu fahren
Das beliebte Familienblatt für Stadt und Land, wer seiner Zeitung einen Dienst erweisen will empfehle sie weiter.
See hinaus. Die Bewegungen taten ihm wohl Rasch durchzog das klein« Schiff das Wasser Nun war es in der Mitte des Sees, um den sich wie ein dunkler Kranz der Wald wand.
werden laut. Ein Sträfling stutzt und dreht, sich um, er trägt einen Schlapphut und ein klei- ner schwarzer Schnurrbart gibt dem etwas ^^brischen Gepcht eine weltmännische Note.^uu» oieuviu, een<n neuen «enugereten, vor Es ist einer von den Relegierten, die dauernd allem Hypotheken- und Darlehnsschwindelrien, des Landes verwiezen sind. Er hat bessere Tagelzur Saft aeleat werden, r ~ '
nennt sich Roman v. Prot), eine geschiedene Frau Antonie Maria Morrmann aus Schöneberg und der Fabrikbesitzer Paul Wagenführer aus Stendal, denen sieben Betrügereien, vor
* Feuersbrunft in Pommerellen. In dem ^ommerellischen Dorfe Czycztowo im Kreise Könitz brannten fünfzehn Häuser mit Anbauten nieder. Die Abgebrannt >n konnten von ihrem Hab und Gut nichts retten, und auch ein großer Teil des lebenden Inventars wurde von den Flammen vernichtet.
Raffeier Neueste Nachrichten
Die schöne Otero.
Erinnerungen einer großen Tänzerin.
Nr. 89.
Sechzehnter Jahrgang.
1. Vellage.
Sonnabend, 17. April 1926.
Fellmar nickte wie geistesabwesend. Ja, ja .... so hatte Ellen Petry damals gesagt. Nun war die Zeit bald abgelaufen .... dann würde Ellen nach Südamerika reisen ... und er würde sie nie mehr sehen .... nie mehr ....
Ein Schluchzen brach aus Hans Fellmar. Er fühlte in dieser Sekunde, daß er nie mehr froh sein würde. Sein Leben war in Ellen aufgegangen. Was nützt da alle Gegenwehr ... diese Liebe war stärker als alles Andere . . .
In diesen Tagen sang Fellmar zum ersten Male den Tristan. In den beiden ersten Akten war er matt. Wie geistesabwesend, beinahe mechanisch bewegte er sich auf der Bühne.
Aber im dritten Akt, als Tristan auf dem Krankenlager sehnsuchtsvoll nach Isolde, der Retterin, ruft, war Fellmar ein Anderer. War er noch Tristan? .... War er der Sänger, der seine Rolle sang und spielte? . . .,
War nicht das Theater plötzlich heißes Leben geworden? ....
Nicht Tristan war er mehr .... Sein eigenes Leben stand auf dem Spiel .... die eigene Not schrie er hinaus .... auf daß Ellen, die Geliebte, ihn in der Ferne höre ....
Himmelhoch loderte Fellmars Liebe kn den wehen Klängen der Musik. Sein Leid, feine Zot, seine Schmerzen .... rissen sie nicht die Geliebte zu ihm heran? ....
n / " • : ®u darfst nicht fort von mir, mein Leben Ware sonst Vernichteti .... stöhnte seine seele .... während Tristan sich in Todesschmerzen ausbäumte . . .
Die Menschen im Zuschauerraum bebten vor Erregung. Niemand dachte mehr an Theater Sie alle fühlten unbewußt, daß hier ein Schick- al sich erfüllte .... daß hier ein Mensch in höchster Not nach einem andern Menschen rief.
Die Zuschauer saßen, nachdem der Vorhang gefallen, noch eine Weile still da. Niemand wagte, sich zu rühren. Es lag wie ein schwerer Sann auf den Menschen. Sie blickten scheu umher und schienen sich zu wundern, daß sie sich im Theater befanden.
Endlich zerriß Händeklatschen die Sttlle. Aber zum Erstaunen der Zuschauer kam 'einer der Künstler vor den Vorhang.
„ZumachenI* schrie eine Dame erregt und griff gierig nach dem Gewinn, der ihr gerade zugefallen war.
Fellmars Geld ging zur Neige. Er hatte nur noch ein paar Mark in der Tasche.
Ein toller Gedanke blitzte in ihm auf. Wenn ich jetzt den Tisch packe und ihn umwerfe und alles Geld fällt zu Boden... wie würden sich diese Weiber und diese Männer darüber stürzen! Das gäbe ein Schreien und Gekeife und blutige Köpfe!
Er lachte laut hinaus. Die ihm zunächst Sitzenden zuckten erschreckt zusammen. Der Bankhalter warf ihm einen raschen Blick zu. Er kannte diese Ausbrüche von Spielern, die verloren hatten. Der Eine lachte, der Andere beulte, der Dritte ging hin und schoß sich eine Kugel in den Kopf...
Fellmar warf nochmals einen Geldschein auf Den Tisch. Er verlor.
Langsam stand er auf und ging zur Türe. Das Mädchen, dem er vorher das Geltz gegeben hatte, kam ihm in die Garderobe nachgeeilt.
.Warte einen Augenblick," sagte sie. .Ich gehe mit dir!"
zahlreichen Straftaten sehr erleichterte. Sinh» lau war im Januar 1925 in Köln festgenommen worden. Man schrieb ihm damals etwa 50 Hotel- und Pensionsdiebstähle zu, die größtenteils in Berlin verübt worden waren. Infolgedessen wurde Lindlau auch nach Moabit gebracht. Hier gelang es ihm, die Wärter zu täuschen, so daß er versehentlich entlassen wurde. Seitdem hatte man seine Spur verloren.
* Zwei Knaben ertrunken. Im Stadtpart von Chemnitz ertranken zwei Knaben im Alter von elf und sieben Jahren, die unbefugterweise in die noch nicht geöffnete Schwimmanstalt ein» gedrungen waren.
* Mord aus Eifersucht. In dem Dresdener Vorort Neu-Ostra erschoß der 24jährige Stra- ßenbahnschaffner Kokot die Frau des Landwirts Merb und verübte dann Selbstmord. Zwischen Kokot und Frau Merb batte ein Liebesverhältnis bestanden. Die Eifersuchtstat erfolgte nach einer erregten Auseinandersetzung.
zahllose Segelboote auf und nieder.
Fellmar bestieg ein Boot und ruderte in den
Er sah sie kühl an.
„Danke!" sprach er von oben herab und wandte sich zum Gehen.
Er spürte keine Müdigkeit nach her durchspielten Nacht. Seine Gedanken waren seltsam wack. Er hatte keine Lust, jetzt zu schlasen.
Das nächste Auto, das des Weges er an und befahl, ihn nach Wannsee
Der Sieger.
Roman eines großen Tenors.
Das Gträslingsfchiff.
Von St. Martin de M nach Cayenne.
Meafcheamaterial für die fraozölikchc S traf ko lo ulr. / Wiedereröffnung des Bagno Schutt, «ud Schicksale der Verbrecher, / Letztes Ge- lett / Die Seufatw» für die nächste Mmfchau.
Zwei Geistlich« eröffnen den Seite gehen schwarzgekleidete Strafvollzug. Es fehlt nur her Leichenwagen, um das Bild vollständig zu machen. Aber die Toten sind ja da. nur marschieren sie selbst mit. Hinter der Absperrung wird es leben- btg, Taschentücher werden geschwungen, Ruse
Feierliche Stille herrschte. Wie eine große Glocke wölbte sich der tiefblaue Himmel über der Erde.
Die Nacht mit ihrem wilden, häßlichen Geschehen war für Fellmar versunken. Kein Gedanke daran kehrte wieder.
Er sah über den See, sah das Spiel der Wellen, sah den dunkeln träumenden Wald und konnte die Blicke nicht mehr vom Himmel lösen, an dem verheißungsvoll die Sonne strahlte.
Er hatte die Ruder eingezogen. Leicht schaukelte das Boot auf dem Wasser.
Fellmar batte den Begriff für Zeit und Ort verloren. Eine weiche, träumerische Stimmung war Über ihn gekommen.
Er lauschte in sich hinein. Ihm war, als töne eine leise, zarte Stimme. Die fang von einer Sehnsucht, die wie ein Wunder auf geblüht war , . . von einer Liebe ohne Ende .... von einer Hoffnung, die fortan fein Leben erfüllen würde....
„Ellen!" sprach Hans Fellmar leise.
Er wußte in diesem Augenblick, daß er Ellen liebe und daß diese Liebe nie mehr aus seinem Leben schwinden würde.
St. Martin de Re, im April.
-®or nunmehr zwei Jähren hat der franzö- Mche Journalist Albert Londres mit seinem erschütternden Buch über die Hölle des Bagno ungeheures Aussehen erregt. Die Oeffentlich- kett begann sich ernsthaft mit den Verhältnissen tn den französischen Strafkolonien zu beschäftigen; bte französische Kammer ging mit den Verantwortlichen streng ins Gericht, und der Justizminister erließ eine Verordnung, nach her teine Deportationen mehr stattfinden sollten. So lag der Dampfer, der die in Käsigen emgesperrten Sträflinge so oft über den Ozean gebracht hatte, untätig im Hafen von St. Martin de Re vor Anker. Die Verbrecher blieben auf der Zitadelle von St. Martin in sicherem Gewahrsam, jenem Gefängnis, dessen Schrecken seinerzeit auch ein Teil der deutschen Nuhrgesangenen hat auskosten müssen. Im Laus der Zett war nun die Belegschaft dieses Ersatzbagnos ständig gewachsen. Auch ministerielle Versprechungen sind nicht für die Ewigkeit bestimmt, und so hat dieser Tage das Ge- fangenenschiff doch wieder Arbeit bekommen. „La Martiniere", ein ehemaliger deutscher Frachtdampfer, hat von ihrer Vorgängerin, der alten und nunmehr abgetakelten „Loire" die Käsige übernommen, fünfzehn Quadratmeter groß, mit dicken Eisenstäben, hinter denen nun 680 Sträflinge die fünfzehntägige Ueberfahrt nach Cayenne überstehen müssen. Zweihundertundneun sind zur Zwangsarbeit verurteilt, hundertsiebzig sind rückfällige Verbrecher, die dauernd des Landes verwiesen sind der Re dieser traurigen Fracht wird in Algier an Bord genommen werden. Seit zwei Wochen befinden sich die Sträflinge „in Bereitschaft", was Mr sie einige Erleichterungen mit sich bringt. Sie brauchen nicht zu arbeiten, sie bekommen Fleisch zum Mittagessen und täglich , einen Viertelliter Wein. I
$n dem Städtchen St. Martin herrscht reges Leben. Die paar Dutzend Soldaten und fünfzehn Gendarmn haben alle Mühe, die Menge am Hafen zurückzuhalten. Die Bewohner der Insel, auf der es sonst so langweilig zugeht, wollen diese Sensation nicht versäumen, und vom Festland sind auch ein paar Neugierige herübergekommen, um sich dieses nicht alltägliche Schauspiel nicht entgehen zu lassen. Unter den Zuschmrern fallen besonders Mädchen ^^"^e Männer von einer für gewisse Kreise typischen Eleganz auf. Sie sind gekommen, um irgendeinem Angehörigen Lebewohl zu sagen. Ein altes, schwarzgelleidetes Frauchen sucht sich in bte vorderste Reihe zu drängen. Sie kennt sich hier nicht aus, sie ist arm, und diese Reise hat sie wahrhaftig nicht zu ihrem Vergnügen gemacht, ebne Zweifel eine Mutter, hie ihren Sohn zum letzten Mal sehen will. Natürlich fehlen auch amerikanische Kinooperateure nicht, die diese Szene für die nächste Wochenschau festhalten wollen, obwohl der Justizminister derartige Aufnahmen streng verboten hat.
Die Uhr schlägt gerade halb drei nachmittags. Das Festungstor öffnet sich, die Soldaten bilden Spalier, und da erscheint auch schon unter dem Torbogen der erste Trupp der Sträflinge. Das sind die Rückfälligen, die Unverbesserlichen, die nun dem Mutterland auf ewig Lebewohl sagen müssen. Sie sind paarweise mit den Händen aneinander gekettet, in dumpfem Schweigen trotten sie langsam dahin, als wollten sie einem Toten das Geleit geben.
*■-- Zug, ihnen zur ' Beamte vom
Die berühmte spanische Tänzerin Caroline Otero beginnt die Veröffentlichung ihrer Memoiren unter dem Titel „Die Erinnerungen der schönen Otero". Daß es sich hier um ein nicht alltägliches Leben und nm ein spannendes Buch handelt, geht schon aus der Vorrede hervor, die Claude Valmont beigesteuert hat.
"Ein frühreifes Kind des schönen Andalusien, wo die Früchte rasch reifen und die Frauen sich schnell entwickeln," schreibt er, „debütierte die Otero schon als Tänzerin in einem Alter, wo sonst die kleinen Mädchen noch auf der Straße spielen, und sie verließ das Theater zu einer Zeit, da die meisten Künstler erst ihre größten Erfolge haben. Der geschickteste und erfindungsreichste Romanschriftsteller könnte keine so romantische Folge von Ereignissen zusammenstellen, wie die verschiedenen Phasen dieses Künstler- und Frauenlebens. Vor allem packt den Sefer die unglaubliche Vermischung tragischer Ereignisse, leidenschaftlicher Konflikte und plötzlicher Glückszufälle, in denen sich hie Persönlichkeit dieser kleinen Andalusierin offenbart, die allein und hilflos in Paris beginn! und sich zu der gefeiertsten und beneidet- sten Frau aufschwingt. Mr die schöne Otero haben sich Männer ruiniert und andere das Leben genommen. ^Ninuschka" sagte zu ihr her Prinz Pierre, „ruiniere mich, aber verlasse mich nicht." Die Amerikaner nannten sie eine . selbst- mordende Sirene". Bei all ihren Abenteuern blieb diese Bacchantin des Leidenschaststanzes aber nicht kühl und unbewegt, sondern sie nahm elbst den feurigsten Anteil, und sie erzählt diese Liebesdramen mit leidenschaftlichem Gefühl.
Die Otero hat die betannteftn Persönli^ei- ten der Zeit von 1890 bis 1914 gekannt. Berühmte Künstler und Schriftsteller, Herrscher und Finanzleute, Schauspielerinnen und Abenteurerinnen ziehen in ihren Schilderungen an uns vorüber. Sie hat ein gutes Gedächtnis und sie hat in ihrer ereignisreichen Laufbahn o manche Dokument: gesammelt, die von kulturgeschichtlichem Reiz sind."
* Kaufmann, Lebemann und Defraudant.
Nach Unterschlagung von 100000 Mark ist her AYI(^ ^vtrÄ— IBürovorsteher Alexander Queller, her bei einer
»Zfillß QIIPF Fabrik in Berlin-Moabit tätig war, wo die
*** Auszahlung von Wochenlöhnen zu seinen Ob-
Meviel sind 12 Äotzre Zuchthaus wert? Itepenbeiten gehörte, geflüchtet. Er hat es ~ Im Jahre 1911 wurde der Fleischer Eduard, Erstanden, in «anz raffinierter Art und Weise Trantmann aus Neuhof bei Münsterberg vomlä.^ Listen zu falschen und Damen von Hand- Schwurgericht in Glatz wegen Totschlags, be- Erkern einzusetzen, die gar nicht beschäftigt gangen an der unverehelichten Emma ©ahber, «^"ichlagungen reichen jahre-
zu zwölf Jahren Zuchtbaus verurteilt, die er Tage nach her Flucht stellte
auch verbüßt hat. Es stellte sich nachher heraus, Polizei. Queller ist geständig,
daß als Tater nicht Trautmann, sondern der ,^?^^rschlagene Geld will er größtenteils Münsterberger Massenmörder Denke in grage Tb in Lokalen her Lebewelt durch
kommen konnte, und im Wiederaufnahmeverfah- gebracht haben.
reu wurde Trautmann auch freigesprochen. Der ., * Selbstmord aus Nahrungssorgen. In Rechtsbeistand des Rehabilitierten forderte! ^rer in Berlin-Schöneberg gelegenen Wohnung nunmehr eine Entschädigung des Trautmann wurde die 46jährige Ehefrau (flfa Engel mit ür unverschuldet verbüßte Strafe. Er hat bieIJmi" bier Kindern, drei Söhnen und einer Entschädigung auf 39000 Mark berechnet. Der, Tochter, durch Leuchtgas vergiftct tot ausgefun- Fiskns will diese Summe nickt zahlen, weil sie ®en- Das Motiv zur Tat ist nach den Ermitt- ihm zu hock erscheint. Da nun aber Traut- fangen der Polizei in Nahrungssorgen zu mann und fein Anwalt auf Entschädigung in! ,
der verlangten Höhe bestehen, hat TrautmannI. * Ein berüchtigter Hoteldieb verhaftet. Einer gegen den Fiskus einen Zivilprozeß angestrengt, orr gewandtesten und berüchtigsten internatio- * nalen jpotelhie'be, der schon wiederholt hinter
<Sin interessanter Vocvstavlerorozeb 2'toar- dem es aber immer .«- JL A* • ä .äyÄwxtt & ^iamens—Roman Prot Kadzilowski (er selbst leinen gebildeten und eleganten jungen Mann,
Neunzehntes Kapitel.
Mit Übermenschlicher Kraft rang Fellmar gegen die Gewalt des Gefühls, das ihn ganz in Besitz genommen hatte. Aber das Gefühl wuchs noch mit jedem neuen Tag.
Wohin soll das führen? .... dachte er und wußte keinen Weg mehr.
Einige Male war eine leise Hoffnung, der Gedanke in ihm aufgestiegen, ob Ellen vielleicht auch ihn liebe. An jenes freundliche Wort, das ne während der Bayreuther Tage zu ihm gesagt hatte, krampfte er sich. Jeden freundlichen Blick Ellens wertete er nun wie eine Gnade.
Aber rasch fpr,i<e pix Ernüchterung. Was bin ich ihr? ... . Sind biete kleinen freundlichen Äeußerungen Beweise einer Liebe? ....
Und bann bie letzte, schwerste Erwägung, die jede Hoffnung in ibm zertrümmerte: Würde Zllen dem anderen Manne übers Meer folgen wenn sie ibn nickt liebte? ....
Eifersucht fraß an ihm. Er sah nun Ellen
immerfort bei dem Anderen .... er hörte, wie sw ihm liebe Worte sagte .... in feinen Armen sah er sie liegen ....
Fellmar hatte bis dahin keine Frau wahrhaft geliebt. Nie war das Empfinden für eine Frau tiefer in fein Wesen gedrungen.
Nun aber war etwas in ihm erstanden, das ihn von Grund aus verändert hatte. Ein Gefühl, dessen Größe er kaum erfassen konnte.
Er rief Ellens Namen sehnsuchtsvoll hinaus. Er stöhnte ihn in wilden Träumen.
Sein Berus machte ihm keine Freude mehr.
Wozu finge ich eigentlich noch? .... dachte er. Damit die Leute im Zuschauerraum sich amüsieren? .... während mir so elend zu Mute ist! .... Man sollte überhaupt kein Theater spielen! .... Das Leben spielt genug Komödie mit uns! ....
Landes verwiegen sind. Er hat bessere Tage zur Last gelegt werden. Tas eigenartige Ge- et toaE Hauptmann in her französi- präge gibt dem Prozeß die Person des Haupt- schen Armee und sogar Ritter der Ehrenlegion, angeklagten, des Polen, der einen bewegten Aber die Goldborten an seinem Käppi und sein Lebenslauf u. a. als Spion hinter sich hat u.stch Ordenskreuz haben ihn nicht vor Betrügereien —nach eigenen Angaben — als Student u. Her- ""Ebenen er es so toll trieb, daß erlienreiter im In- und Ausland betätigt hat. „9, o1«! reif für Cayenne wurde. Er macht Er ist vorbestraft wegen Kokainschmuggels nach em Zeichen. Inmitten her Menge reckt sich!Antwerpen und will diesen Schmuggel im Aus- eine geschminkte Frau in die Höhe und ant- trage des Breslauer Polizeipräsidenten ausge- wortet ihm mtt ihrem Taschentuch; ihr schwär- führt haben, um politische Spionage damit zu ^f^enmantel und der kostbare Pelz passen verschleiern. Ein englischer Kapitän Garner, schlecht m diese Umgebung. Sie lächelt ihm zu, der jetzt eigens zu dem Prozeß von London nach ihr rotgeschmlnkter Murck öffnet sich, als sollte Breslau gekommen ist, wurde durch den Polen noch etwas Liebes sagen, sie ruft ein um 240 englische Pfund geschädigt. Für die- das so beiläufig und selbst- ses Geld hatte Kadzilowfli das Kokain erstan- verstandlich klingt, als ob der, dem es gilt, den, das er bann nach Antwerpen weilerver- nur eine kleine Reise vorhabe Sie ist seine kaufte. Der Pole versuchte, hem Prozeß ein Braut und nach St. Martin gekommen, um sich politisches Gesicht zu geben, und hatte u. a bem ehemaligen Hauptmann und Ritter der einen Breslauer PoUzelkommissar laden lassen, Ehrenlegion antrauen zu lassen; aber her Iber über die politischen Angelegenheitn ver- nichts davon wissen wollen. Ein nommen werden sollte. Zu dem Prozeß sind letzter Blick, und der Verbannte geht weiter, 55 Zeugen geladen, unter ihnen eine große mtt ziisammengeblssenen Lippen, still wie alle Anzahl schlesischer Adliger, andern; nur einer aus dem Zug, ein großer, _____
dicker Mann, hem die Bereitfchaftszeit äußer- »
Uch reckt gut bekommen ist, schluchzt vor sich hin •„ T, SW®rb ?-,n. Tagelöhner
Die Kinoleute haben sich auf dem Dach eines Langenau in Schwaben überfiel nach einem
kleinen Weißen Hauses am Hasen postiert Sie J’.0™uJgegangenen Streit seine 75 Jahre alte
Gendarmen werden aufmerksam und jagen sie Schwiegermutter und ermordete sie. Nachdem herunter. Es ist nichts mit der Ausnahme. Jetzt |~Jje totgeschlaaen batte, hackte er der Leiche die ist der Zug an der Kaimauer angelangt. Ein und bie Hände ab und steckte sie tn einem Sträfling gibt bem Geistlichen zum letztenmal Sack. Die furchtbare Tat geschah in Abwesenheit bie Hand unb steigt dann auf der kleinen fccr Fran des Mörders. Der Mörder wurde schwankenden Leiter hinunter in die breite verhaftet.
Schaluppe, die von einem Schlepper aufs M:er * Ein hartnäckiger Selbstmörder. Ein tragi- ,irna^§(.flc30^\toertien lE. Die Sirene heult, sches Ende nahm der aus Verona (Italien) genommen. Die Volksmenge stammende bekannte Tenor Pietro Giuli, der Ab'chiedsrufk auf einer Reise von Barcelona nach Oporto 3et?u4er '2 der Mittagssonne. Der aus dem Schnellzug sprang. Schwer verletzt Mürber hn’rn^r -Zebt an der wurde er ins Spital in Oporto gebracht; dort
?° sturzte sich der Sänger aus dem Fenster des »» Dte Sträflinge gehen Spttalzimmers in die Tiefe, wo er zerschmettert
bet ?m Bauch des Äiffe? "Schon SWS«I ®e«Äeint
bereit zur Abfahrt, als die verflixten Amerikaner auf kleinen flinken Booten, die sie in aller Eile im Hasen aufgetrieben haben, heranflitzen. sie kmbeln heftig; es ist ihnen also doch gelungen, die Sensation auf den Filmstreifen zu bannen, was ist diesen Leuten unmöglich? Nun beult die Tampffirene vom Sträflingsschiff, ein letzter Gruß an bie Küste von Rö, an Europa Die Anker werden gelichtet.
Er begann, Ellen zu hassen.
Warum ist sie nach Bayreuth gekommen, wenn sie doch diese Zukunftspläne hatte? . . . Sie wäre in Brasilien mit ihrem Arzt glücklich geworden, auch wenn sie mich nicht auf der Bühne gesehen hätte! . ... Es war eine Laune bon ihr ... . und ich habe jene Tage so ernst unb wichtig genommen!
Er verbiß sich in diese Gedanken. Die Schuld, daß er so litt, bürdete er Ellen auf.
Bis jäh diese harte Stimmung verwehte und feine Gedanken einen ganz anderen Weg gingen.
War er nicht ungerecht gegen Ellen? .... War sie nicht Herrin ihrer Entschlüsse? ....
Habe ich mich all bie Jahre her um sie gekümmert? .... backte er . . . Nein! Es war mir gleichgültig, was sie trieb, tote ihr Dasein sich gestaltete.
Einmal zuckte her Plan in ihm auf, an Ellen zu schreiben. Aber sogleich verwarf er ben Einfall wieher.
Sie mag ihres Weges gehen! ... Ich muß mit bieser Sache zu Ende kommen! ....
Als er eines Tages auf ben Kalender blickte, wurden seine Augen starr. Der Oktober war angebrochen.
Klang da nicht eine Stimme auf: „Ich habe mir ein halbes Jahr Bedenkzeit ausgebeten."