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Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 83. Amtsblatt der Stadt Kassel

Sonnabeud, 10. April 1926 Amtsblatt der Stadt Kassel 16. Ja e tätig

Endlich freie Bahn in den Stiften ?

Reichskanzler Luther frischt in München die alte Freundschaft mit Bayern auf

Am Zukunftötor.

Aprilwetter in der Außenpolitik.

Von

Prof. Dr. Willst Hellpach, Staatspräsident a. D.

Funktioniert hat der Völkerbund bisher nur als politische Realität, als eine neue Art von in­ternationaler Atmosphärenbildung, die es er­leichtert. Wettergewölk am Völlerhorizont recht­zeitig zu zerstreuen indem sie die verantwortli­chen Staaten und Staatsmänner zu einer Hal­tung nötigt, die vor der Welröffentlichkeit be­stehen können muß. Es ist wahrscheinlich, daß damit überhaupt neue Methoden der auswärti­gen Politik sich ankündigen. Freilich dürfen wir nicht so naiv sein, nun etwa auf die Harmlosig­keit der weltöffentlichen Auseinandersetzung im Gegensatz zu der Giftgefahr der alten Geheim­diplomatie zu setzen. ES kommt dem Frieden der Welt zugute, daß die Grauen eines großen Krieges noch in frischer Erinne­rung sind. Einen neuen Krieg anzuzetteln. ist heute schwerer, als eS in einem späteren Zeit­punkte sein wird, wenn jene Erinnerung einmal verblaßt ist. Und Meinungsverschiedenheiten, wie sie bet der letzten Konferenz in Gens aus­traten, können unter Umständen auch einmal da­durch erschwert werden, daß ihr Austrag in al­ler Oesfentltchkeit erfolgen muß. Man weiß, daß Rachgeben vor anderen zuweilen eine Unmög­lichkeit sein kann, während es sich in der Stille wohl arrangieren läßt. Aber die Notwendigkeit, in regelmäßigen Zeitabständen zusammenzukom­men, um Fragen der internationalen Politik ru diskutieren, kann ihre Rückwirkung auf die Art solche Fragen von Anfang an anzupacken nicht verfehlen. In der Politik ist es eine wichtige Sache, darauf zu achten, daß die Gewohnheiten der Welt sich ändern. Ob sie sich besiern, ist eine davon verschiedene Frage. Den geänderten Gewohnheiten Rechnung tragen, ist ein Teil der politischen Kunst, es gehört zur Kenntnis der Politik als eines ewig flüfligen Elementes, wor­aus Bismarck so entscheidenden Wert gelegt hat.

Darum wundert es uns nicht, daß der in Genf am schwersten Diskredidierte die Be­rufsdiplomatie alten Stils ist. Leider trifft das im ganzen Umfange gerade auch für Deutschland zu. Zwischen Locarno und Genf hat die deutsche nicht das geleistet, was von ihr hätte erwartet werden müssen, nämlich die Entlarvung besten, was in Genf unhemm­bar anS Tageslicht kam. Die deutsche Außenpo­litik der letzten sechs Monate ist gut geführt, aber schlecht bedient worden. In der Aera Wil­helms des Zweiten war es im großen Ganzen umgekehrt; damals hatten wir an zahlreichen Stellen gute und wachsame Beobachter, Erkun­der und Warner, aber die Berliner Führung der Gesamtpolitik wußte mit diesem Generalstab nichts anzufangen. Es ist schwer zu sagen, wel­ches Verhältnis gefährlicher werden kann. Wir sehen mit Sorge aus den Zustand, daß schon wieder das deutsche Parlament sich um die Ver« sastung nicht kümmert, in der sich die deutsche Diplomatie befindet, vor allem nicht um die Grundsätze, nach denen die Stellenbesetzungen erfolgen. Auch bei der Debatte über die Außen­politik der Regierung ist jüngst dieses Thema viel zu kur, gekommen. Und doch wäre es sogar für den Außenminister nur eine kleine Erleichte­rung, wenn der Reichstag ihm sagte, daß seine Politik in der Ausrichtung und, soweit er sie sel­ber führen konnte, gut gewesen, aber von einem diplomatischen General st ab schlecht bedient worden sei. Der Staatssekretär des Außenministers, der ja als eine Art General­quartiermeister der diplomatischen Generalität für diesen Personalapparat in erster Linie ver­antwortlich ist, wird nach Locarno-Genf einmal gründlich zum Reckten sehen muffen. Denn die Nation hat ein Lebensintereffe daran, daß in dieser Festung und in ihren Außenforts auf jeg­lichem Posten nur der allerbeste Mann steht, der dafür überhaupt aufgetricben werden kann. Die Durchleuchtung der Diplomatie muß in unseren Parteien ganz anders zum Gegen­stände kundiger Kritik gemacht werden, als es noch immer der Fall ist.

Sieht man das Faktum Völkerbund richtig an, nämlich als einen neuen Schauplatz politi­schen Handels und Verhandelns, *uf dem zwangsläufig sich aufs neue Methoden der in­ternationalen Politik durchsetzen werden, so ge­winnt man auch das richtige Urteil über unsere Haltung zu ihm und seiner Zukunft Wir muffen ihm aus den Vernunftswidrigkeilen, in denen er steckt, heraushelfen, die Einstimmigkeit seiner Aktionen, nämlich derer auf die es ankommt ist sein Todeskeim, erniedrigt ihn zum polnischen Weltreichstag. Das Liberum Veto muß

fallen, und kein Hinschielen aus einen Augen- blicksvorteil, den es auch uns einmal bringen könnte, darf uns verführen, an diesem Punkte eine Konzession zu machen Mag der Genfer Bund völkerrecktllch so viel oder so wenig wer­den, wie er will: Unter allen Umständen haben wir Anlaß genug, seine Existenz als Schauplatz internationalen politischen Verhandelns zu wünschen und zu sichern. Wir müssen ihn darum in seiner Konstruktion gründlich reformie­re n h e l f e n.

Lichtblauen Himmel kennt die internationale Politik nicht. Außenpolitik ist ein ununterbroche­ner sorgenvoller Kamps, in dem die Kräftean­spannung keinen Augenblick ohne Lebensgefahr nachlaffen darf. Dies haben alle wirklich großen Staatsmänner gewußt. Eine kluge, weitaus- schauende Führung der deutschen Außenpolitik, gestützt aus einen rücksichtslos nach dem Fähig­keitsmaßstabe gesiebten diplomatischen Staat, wird in der sachgemäß umgebauten politischen Arena zu Genf besser als in der Berliner Isolie­rung Gefahren bannen, von denen alles Leben einer Nation ewig umlagert bleibt und Erfolge ernten, die auch einem schwer heimgesuchten Reiche nicht versagt sind. Wenn es nur unverzagt alle Kräfte einsetzt, und alle Allusionen daheim- läßt, sobald es den Schauplatz des internationa­len Wirkens betritt. Denn die Auferstehung ei­ner Nation ist niemals ein Wunder der Stünde, sondern ein opfervolles Sicherheben in der grau­en Alltagsarbeit von Generationen.

dürfen wir endlich Degen?

Eine günstige Entscheidung steht bevor.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 9. April.

Wie ein diplomatischer Korrespondent meL bet, wird die Entscheidung Der Alliierten über dir veutsllje Luftschiffahrt in Deutschland große Befriedigung Hervorrufen und wesentlich zur Beseitigung der Schwierigkeiten beitra- geu, die immer noch einem internationa­len Luftverkehr über Deutschland im Wege stehen. Die Bestimmungen, Die noch immer Den Bau von Eindeckern beschränken, würden zum großen Teil erleichtert werden. Das Gleiche gelte hinsichtlich Der Beschränkungen über die Pferde st ärke der Motoren. Das Verbot ür Mitglieder Der Reichswehr, sich in Der Luftschiffahrt ausbilden zu laffen. soll Dagegen bestehen bleiben.

Die Einrichtung der Luftwege Paris-Köln, Berlin-Warschau sei von der deutschen Dele­gation zugestanden worden. Dagegen sei die Frage des Rechtes dieses Ueberfliegens der ge­genseitigen Gebiete noch ungelöst.

*

Die Luft in Montabaur ist rein.

Montabaur, 9. April. (Eigener Drahtbericht.» Die hiesigen Resttruppen sind jetzt abgerückt: somit ist Montabaur von Den Desatzungstruppen geräumt. Sämtliche beschlagnahmten Ge­bäude usw. sind an ihre Eigentümer zurückge- gangen. Nur die französische Gendarme­riebrigade bleibt vorläufig noch hier.

*

Immer neue Sluohäfen.

Erfurt, 9. April. (Privattelegramm.) Die Städte Aschersleben und Goslar beab­sichtigen, demnächst Flughäfen zu errichten.

Gin leerer Mlnisserstudl.

Briand läßt Malvy fallen.

(Eigene Drahtmelvung.)

Paris, 9. April.

Innenminister Malvy hat gestern abend Dem Ministerpräsidenten Briand seine D e m i s - i o n überreicht Die Gründe für den Rücktritt ind nach HovaS nicht im Gesundheits­zustand Malvys zu suchen. In dem heutigen Ministerrat wird der N a ch f o l g e r MalvyS be- timmt werden. Laut Pressenotiz wird Mal­vy in einer neuen Mission, die auf Marokko Bezug nimmt, nach Madrid gehen.

Freundschaft ist Selb.

Coolidge als Apostel der Gerechtigkeit.

(Durch Ranftonid».,

Washington, 9 April.

Bei der Grundsteinlegung für ein Pressege­bäude führte Coolidge aus: Eine der ernstesten Pflichten der Regierung ist Die Anbahnung und Erhaltung freundschaftlicher Beziehungen zu allen fremden Ländern. Eine Grundlage hier­

für bUDet unser Außenhanbel. Interna­tionale Freundschaft und Sympathien stellen also einen nicht zu unterschätzenden Geld­wert Dar, Freundschaft und Sympathien wer­den aber nicht dadurch gefördert, daß man an­dere Völker verunglimpft und K a r r i k a t u - ren von ihnen entwirft. Hierdurch kommt viel-, mehr eine feindliche Gesinnung zum Ausdruck, die Keime zu künftigen Kriegen legt Wir sollten einsehen, daß auch andere Völker Rechte zu vertreten haben, und daß sie be­rechtigt stnd, ihre Interessen zu fördern.

*

Lernt Such oeffer tenntni

Washington, 9. April. (Funktelegramm.» An einer weiteren Ansprache vor dem ersten panamerikanischen Journalisteykongreß trank Coolidge daraus, daß öfters Versammlun­gen abgehalten wurden, als Mittel, die Völker der westlichen Halbkugel einander näher zu bringen. Er sagte, der Nachrichten-Austausch unter den amerikanischeil Nationen sei einer der wichtigsten Faktoren gewesen, ein befferes Ver­ständnis unter den Ländei herbeiznsühren.

Luther in der LöwenhöM.

Ein Freundschaftsbesuch in München.

i j<rt» ii i el»'irnniin

München, 9. April.

Dr. Luther wird voraussichtlich in Der lontt ienoen Woche aus Anlaß einer " u l (u r e 1 ten Veranstaltung in Begleitung anderer Minister nach München kommen und der baye­rischen Regierung einen Besuch rbftatten. Er dürfte Dann auch eine Ansprache halten.

* * *

Wie wir hierzu erfahren, stehl der Besuch :m Zusammenhang mit den Bestrebungen, die bayrlsche Verwaltung zu vereinfachen, die Staatsfinanzen ourch Sparmaßnahmen zu entlasten und die wirtschaftlichen Interessen des Landes im Hinblick auf die Hilfsmaßnahmen des Reiches gewahrt ru wissen. Es handelt sich veiter nm den von der Reichsregierung in Er­wägung gezogenen Plan, den Ländern wieder ein beschränktes Steuereinziehungsrecht zu geben, und allmählich den Finanzausgleich durch ein besonderes Steuersystem der Länder zu er-- etzen. Erst kürzlich hat die bayrische Regierung die Presseangrifk» auf1 Die Reichsaußenpolitik abgelehnt Reichskanzler Dr. Luther wird also eine durchaus sreundiiche Atmosphäre antreffen

Schlimmer statt besser.

Erschreckende Elendszahlen ans Sachsen.

(Priva,«Telegramm.»

Dresden, 9. April.

Laut Pressenotiz hat sich Die Zahl Der beim Sächsischen Arbeitsministerium eingegangenen Anzeigen über beabsichtigte Betriebsstill, legungen im März auf nicht weniger als 61g belaufen gegen 324 im Februar.

Im brennenden Vetroleum.

Die Tanks noch nicht gelöscht.

(Durch Fuuksprnch-

Rewyork 9. April.

Der durch Blitzschlag hervorgerufene Brand mehrerer Vetroleunibchälter in St. Louis Obis- vo konnte noch nicht gelöscht werden. Man be­fürchtet ein Uebttflreifcn des Brandes auf neunzehn weitere Behälter. Die Feuerwehr mußte das brennende Petroleumgelände abgra­ben. An einem anderen Ort wurden gleichfalls zwei Petroleumtanks, die je 750 000 Fässer Pe. trolenm enthielten, durch Blitzschlag zur Explo­sion gebracht. Bisher wurden z w e i T o t e und zwei Verletzte festgestellt. Der Sachschad-n wird auf etwa zwanzig Millionen Dollar geschätzt.

Menn man heimlich trinft.

Amerika, das Land der Alkoholverbrecher.

(Dur» Funkspruch)

Washington, 9. April.

Im Senatsausschuß für die Untersuchung Der Alkoholfrage führte der Demokrat Brennan aus, das Antialkoholgesetz sei ein n a t i o n a 1 e r Skandal und habe gest igerte Trunksucht, Un­moral. Bestechlichkeit, Geisteskrankheit Fälle von Blindheit infolge Genusses von schlechtem Alkohol im Gefolge gehabt und zu einer Steigerung Der Verbrechen geführt.

Drei Eisenkönige.

August Thyssens Glück und Ende.

Hobe (Säfte itt der Billa Hügel. Wilhelm H. bei Stumm. Der Louderiing in Mülheim, üet reichste Mann Deutschlands. Aergcr in der >amitte. Ter Tob» als Schnldenmacher nnb -bemann. Ein ungarischer Baron. Au der ^»ndenbnrgtafel. Im Gespräch mit Brann.

Von dem großen Dreigestirn der Eisenkönige Krupp, Stumm, Thyssen, ist nun auch der letzte, August Thyssen, auf seinem Schlosse Landsberg bei Kettwig an der Ruhr, sünsund- achtzig Jahre alt, gestorben. Sie alle drei waren völlig verschiedene Typen. Krupp, der reich­ste und jüngste unter ihnen er starb schon 1902 End: der vierzig war nur Erbe. Die großen 18S7 von seinem Vater ererbten Werre leitete ein neunköpfiges Direktorium aus Kaufleuten, Juristen und Technikern, er selbst repräsentierte die Firma nach außen. Kaiser und Könige empfing er auf seinem prachrvollen oberhalb de? Ruhrtales gelegenen Besitz V i l- l a H ü g e l, re saß im Reichstag, später im Her­renhaus, und wohnte jeden Winter einige Wo­chen im Hotel Bristol in Berlin, wo seine Gattin und er große Geselligkeiten gaben. Auch »König- Stumm war Erbe. Durch Energie und Tüchtig­keit wurde er einer der reichsten Männer Deutschlands. Wie Krupp liebte er es, zu repräsentieren. Er war jahrzehntelang sreikou- iervativer Neickstnpsabgeordn«ter, wohnte im Winter im KaisiU.of und , 'i dorr Hr-7g"ss'" schäft, Diploma ten und Politiker bei sich. Wie Krupp in der Villa Hügel empfing er verfchieoe» ne Male auf seinem schönen bei Saarbrücken ge­legenen Schlosse H a l b e r g den Besuch Wilhelms des Zweiten, und wohl nichts ist ihm schmerzlicher gewesen als die Tat­sache, daß sich der Kaiser infolge unbedachtsamer Leußerungon, die er getan hatte, in den letzten Lebensjahren er starb 1901 von ihm zu- riickzog. Völlig verschieden vrn diesen beiden Männern lebte und toirt.e August Thyssen. Nichts lag ihm ferner als Repräs nfaticn oder Bezi Hungen zum Hos. Er hat Wilhelm den Zweiten niemals gesehen. Er haßte jedes ge­sellschaftliche Hervortreten und wohnte bis 1903 in einer bescheidenen Villa in Mülheim an der Ruhr. Auch später lebte er im Schlosse Lands- berfl ganz zurückgezogen und fuhr

jeden Morgen mit der Straßenbahn

in sein Büro in Mülheim. Daß er kein Auto benutzte, sondern, wie er es von früher gewohnt war, mit der Straßenbahn fuhr, war vielleicht typisch für die Geschlossenheit seiner Persönlich­keit, die an gewissen von ihm für richtig erkann­ten Prinzipien starr festhielt. Und letzten Endes gab ihm der Erfolg recket. Er ist heute wohl der reich st e Mann Deutschlands. Aber der liebe Gott sorgt dafür, daß die Bäume nickt in den Himmel wachsen. Die großen geschäMi- cken Erfolge August Thyssens und die berechtig­te Freude an ihnen wurde durch häusliches U u g e m a ck zum großen Teil wieder aufgeho­ben. Von seiner Frau trennte er sich frühzeitig und konnte, da er strenger Katholik war, nicht wieder geraten. Auch fein zweiter Sohn August, der einzige unter seinen Söhnen, der gesellschaftlichen Ehrgeiz batte, machte ihm viel Kummer. Während sein ältester Sohn Fritz Ihn als rockte Hand geschäftlich zur Seite stand, ein» fach und arbeitsam wie der Vater, bevorzugte Anguss das mondäne Treiben in Berlin, an der Riviera u. anderen fashionciblen Kurorten Auf besonderen Befehl des Kaisers wurde er Re» erveof izier bei den Gardehusaren in Potsdam Hier lernte ihn der Monarch bei einem LiebeSmahl kennen und schloß die erste und einzig» längere Unterhaltung mit ihm mit den nicht msßzuverstehenden Worten: .Ich hcsfe, Sie aus der nächsten Kieler Woche mit einer

tipptoppen Segeljacht wiederzusehen."

Tas alles kostete Geld, viel Geld, und wenn auch die Ausgaben des Sohnes völlig im Rah­men des väterlichen Vermögens biteben, so är­gerte sick Doch der sparsame August Tbvffen se­nior scklagrübrend. daß August Thyssen iuntor ihn so viel kostete. Es kam zu allerlei Differen­zen und unerauieklichen Prozessen zwi'cken Vater unv Sohn, die ungesäbr 1910 ahfinaen und jahrelang dauerten. Nock im Kriege lebte. August Tyssen junior auf Kosten seiner Gläubi­ger im k>otel Esplanade, und erst kurz vor dem Umftun bezakte der alte Thyssen die Schul' > feines Sohne« und söhnte sick mit ihm ->us. jüngste Schn Thyssen?, Heinrich Thyff.'n heiratete die Tochter ein*? ungari­schen Großgrundbesitzers Baron Boruemissa