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Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

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Nummer 80. Amtsblatt der Stadt Kassel

Mittwoch, 7. April 1926

Amtsblatt der Stadt Kassel 16. Iahrgaug

General pangalos wird Präsident?

Ende oder Verschärfung des Bürgerkrieges in China?

Eine glücklose Ehe.

DaS Elsaß macht sich von Paris WS.

Von Dr. Paul Rohrbach.

Die Autonomiebewegung in Elsaß-Lothrin- acn ist da, und sie ist in Lothringen keineswegs schwächer als im Elsaß. Gerade in Metz, einer Stadt, die immer auf der französischen Seile der Sprachgrenze gelegen hat und auch im Mit­telalter nur politisch zu Deutschland gehörte, hat ganz vor kurzem die erste bewaffnete Aus- einandertreibung elsaß-lothringischer Demon­stranten stattgefunden. Was man noch vor wenigen Jahren für ganz unwahrscheinlich halten mußte, was in der Zeit gleich nach der französischen Besetzung völlig undenkbar er­schien, ist jetzt Tatsache: Es wird offen darüber diskutiert, ob die Elastz-Lothringer als natio­nale M i nd e r h e i t in Frankreich nicht den Völkerbund anrufen könnten, um Schutz vor der Vergewaltigu»a ihrer Sprache und Art durch Frankreich zu finden! Im Organ Herriots wendet sich der Abgeordnete Jules Uhrh leidenschaftlich gegen die Idee eines Pfus!- ferstaates zwischen Frankreich und Deutschland, muß aber zugeben, daß die autonomi- stische Bewegung in Elsaß-Lothringrn wirklich da ist, daß sie eine wachsende Gefahr für Frankreich bedeutet, und daß ihr mit den energischsten Mitteln «in Ende gemacht wer­den müffe. Man solle den Elsaß - Lohringern ein für alle Mal sagen, daß über den öffent­lichen Gebäuden des Landes die Trikolore Wehe, und daß in ihr die Buchstaben R. F. ein­gezeichnet seien: Rtpubliaue Franc ciise!" Andernfalls würde man eine Bewegung bekom­men, die so gefährlich ist wie die flämische Be­wegung für Belgien!"

Der Verfasser tut so, als ob in Elsaß- Lothringen nur der Klerikalismus unbot­mäßig sei. DieGefahr" sitzt viel tiefer. In der Schweiz, wo gar keine Neigung besteht, die Dinge mit antifranzösischen Augen zu sehen, ment man auch schon aus. .Feuer im Elsaß?" ist die Ueberschrift eines Artikels im Berner Bund", der besorgt feststellt, daß sich von neuem eine elsaß-lothringische Frage erhebe. Das Feuer, dessen aufsteigenden Rauch man jetzt auch schon von weitem sehen kann, ist in Elsaß-Lothringen durch den Angriss der Regierung in Paris auf di« elsaß-lothringische Sprache im besonderen angezündet worden. In Elsaß-Lothringen stehen täglich 455000 deutsch­sprachigen ZeitungSexemplaren nur 68 000 französische gegenüber. Es ist aber ein uner­meßliche Unterschied in der Tonart, die in den deutsch geschriebenen Blättern heute im Ver­gleich zu der Zeit vor fünf oder vor sieben Jähren begegnet. Teils sind neue scharf elsaß-lothringisch eingestellte Organe entstan­den, teils haben die alten sich genötigt gesehen, damit sie ihre Abonnenten nicht verlieren, ihre Haltung der immer entschiedener werdenden Volksstimmung anzupaflen. Ein Blatt in Metz erzählte neulich von einem Bauern aus Lothringen, der die Briefe seiner Kinder nicht mehr lesen kann, und sagte dazu:

Im Lande der Barbarei konnte der gute Papa die Briefe seiner Kinder lesen, sie schrieben deutsche und auch französische, im Lande der Zivilisation und des Fortschritts kann er das nicht mehr. Er blecht Steuern, daß ihm die Fingernägel bluten, aber er darf nicht verlangen, daß seine Sprößlinge in seiner Sprache schreiben lernen."

In einem anderen Artikel werden dem Leser die folgenden praktischen Regeln, die man in Paris mit besonderem Vergnügen gelesen haben wird, ans Herz gelegt: 1. Wähle nur Verteidiger unserer Muttersprache. 2. LieS eine gute deutfprachige Zeitung, welche deine Sprachkenntnisse unterhält und sich deiner sprachlichen Interessen wahrnimmt. 3. Besteh« darauf, daß die im Schulprogramm vorgesehe­nen deutschen Unterrichtsstunden vom Lehrer ge­wissenhaft ausgenützt werden. 4. Singe deut­sche Kirchen- und Volkslieder, fordere vom Lehrer deiner Kinder, daß er deutsche Ge­sänge einübt Sing mit deinen Buben und Mädels in Feierstunden denLindenbaum", Dort unten in der Mühle",3n der Heimat ist es schön" usw.

Am 29. November verlangte in Straßburg die Partei der katholischen Konservativen im Elsaß für Elsaß-Lothringen eine besondereregionale" Verwaltung, mit eigener Kammer und selbstän­digem Budget. In der Resolution wurde ver­langt, daß von Paris aus lediglich die großen nationalen Fragen geregelt werden, wie die Außenpolitik, die Wehrpflicht, das nationale Budget und die nationale Gesetzgebung. Die in der deutschen Zeit im Elsaß geschaffenen Einrichtungen sollen allintegrierende Bestand­

teile der nationalen Gesetzgebung" betrachtet werden und dementsprechend nur nach Befra­gung der gesetzlichen Vertretung Elsaß-Lothttn- gens abgeschafst werden. Im übrigen soll dem Elsaß eine weitgehende Selbständigkeit eingeräumt werden, denndie Anwendung der französischen Verwaltungsmethoden hat zu grausamen Enttäuschungen und schwe­ren Schädigungen der elsässischen Beläng« ge­führt". Insbesondere verlangte die Entschlie­ßung, daß die Beamten in Elsaß-Lothringen beider Sprachen mächtig fein müssen.

Zu Beginn deS Jahres haben die zwei an Zahl stärksten Parteien Elsaß-Lothringens, die Kommunisten und die katholisch« Volkspartei, in offiziellen Parteikundgebungen gleichfalls weitgehende kulturelle und politische Autono- m i e verlangt und bei deren Verweigerung mit dem Appell an den Völkerbund gedroht. Im Januar wurde unter der Führung von Dr. Eugen Ricklin eine besondere elsaß-lothringische Autonomistenpartei ins Leben gerufen, und diese stellte in ihrer offiziellen Geburtsan­zeige ausdrücklich fest, daß die Autonomiecon­ditio sine qua non* für ihr Verbleiben auf dem Boden des Versailler Vertrages fei, und daß sie grundsätzlich auf dem Recht bestehe, falls nötig an die Pforte in Genf zu klopfen. Die Reihe dieser Zeichen könnte fortgesetzt werden; für diesmal mag sie genügen. Die Franzosen ihrer­seits werden nicht fähig oder Willens sein, sie richtig zu deuten. Wenn sieben Jahre nach der Wiedervereinigung mit der Mutter Frankreich" die Elsaß-Lothringer schon ihre Bedingungen dafür stellen, daß sieauf dem Boden des Ver­sailler Vertrages" bleiben wie weit werden sie dann nach abermals sieben Jahren sein, wenn, wie sicher zu erwarten,Mutter Frank­reich" die Rute des Zentralismus und der Sprachenverfolgung weiter schwingt?

Wird Iangaws gewählt?

Die meisten Stimmen bei der Präsidentenwahl.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 6. April.

Pangalos erklärte einem Pariser Zeitungs­vertreter, er habe bei den Präsidentschaftswahlen in zwölf Departements neunzig Prozent der Stimmen erhaften. Wenn auch die Wablen in den übrigen 23 Departements am 11. April zu seinem Gunsten ausfielen, würde er daz Ministerprüfidium und das Kriegs- Ministerium übernehmen.

Die Schlacht verstummt.

Ein Waffenstillstand vor den Toren?

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 6. April.

Ein Blatt meldet aus Peking: Am Montag mittag wurde der Waffenstillstand zwischen den kriegführenden Generalen von Peking abgeschlos­sen. Die Hauptstadt Peking ist vorläufig von dem Waffenstillstand a u S g e f ch l o f s e n, bis die Regierung TuantschijuiS zurück­getreten ist. Infolgedessen werden die Bom­benwürfe auf Peking fortgesetzt. Die natio­nale Armee ist in Mulden eingerückt und hat daS bolschewistische Standregiment ausge­hoben. Die kommunistischen Rädelsführer wur­den standrechtlich erschossen. Rach einer ande­ren Meldung a«S Peking soll Wupeifu mit General Feng eine Allianz abgeschlos­sen haben, womit er in das feindliche Lager ab­schwenkt. Die beiden Heerführer hätten sich ver­pflichtet, feindliche Truppen nnzugreifen.

Sin Snve des Bruderkriege« t

Peking, 6. April. (Kabeltelegramm.) Bon zuverlässiger Seite wurde berichtet, daß General Kung Waihfi als Vertreter Wupeifu8 hier eingetroffen ist, um als Bevollmächtigter mit den nationale n Führern zu verhandeln.

Auf Tob und Leben.

Ein verwegenes Banditenstück nm Balkan.

(Privat-Telegramm.)

Berlin, 6. April.

Aus Mailand wird gemeldet: An der Grenze zwischen Italien und Jugoslavien drangen drei schwer bewaffnete und maskierte Banditen in die Kaffenräume eines kleinen Bahnhofs ein. Zwei Männer hielten die vier Beamten u. zwei Andere mit ihren Revolvern in Schach, wäh­rend der dritte die Kaffe durchstöberte, in der er 250000 Lire fand. Bei der Verfolgung entkam der Bandit, der das Geld hatte, über einen

Fluß, während die beiden anderen, die alarmier­ten Zollbeamten und faschistische Miliz mit Feuer empfingen. Ein Faschist wurde getötet, zwei Zollbeamte und ein Eisenbahner schwer verletzt. Schließlich wurden die beiden Räu­ber von den Angreifern niedergeschossen

Schreckenstage in Veking.

Fliegerbomben im Zentrum der Stadt.

(Kabeltelegrarnrn.)

Peking, 6. April.

Gestern morgen warfen mandschurische Flug­zeuge zwölf Bomben in der Nähe der Tempel des Ackerbaues und des Himmels ab, wo sich zahlreiche Menschen versammelt hatten, um der alljährlichen Zeremonie der Baumbepflanzung beizuwohnen. Die Zuschauer zerstreuten sich in Panik, doch waren glücklicherweise keine Verluste an Menschenleben zu verzeichnen.

Taube Obren in Madrid.

Vernichtungskampf gegen Abd cl Krim.

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 6. April.

Die spanische Regierung veröffentlicht eine offiziöse Auslassung über die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen mit Emmissären Abd el Krims. Die spanische Regierung halte den Augenblick zum Friedensschluss noch nicht für gekommen, da das Prestige und die Macht Abd el Krims noch nicht genügend nie- dergerungen feien. Spanien wünsche eben­so wie Frankreich, so rasch wie möglich Frieden zu schließen, wolle jedoch die Sicherheit haben, daß sie nicht wieder in einiger Zeit gezwungen sei, eine neue Kampagne zu unternehmen.

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ein? gefallen? Drufenfestung

Paris, 6. April. (Eigener Drahtbericht.) Nach einer amtlichen Mitteilung erreichte bei der Säuberung des HermongebieteS in Syrien die eine Abteilung am 1. April Otani, die andere, die den Jordan überschritt, bemäch­tigte sich am 2. April der Bestung Banias. Beide Abteilungen zogen am 3. April in M e j - del ein, einem Hauptschlupswinkel der Drusen.

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Tausend? ohne Obdach

Paris, 6. April. (Privattelegramm.) Aus Kairo wird gemeldet, daß in T a n t a h durch eine ungeheure Feuersbrunst 612 Häuser einge- äschert wurden. Zweiunddreißig Personen sollen in den Flammen umgekommen sein. Nach einer weiteren Meldung sind durch die Feuers­brunst über viertausend Personen ob» dachloS geworden sein. Die Regierung hat die öttlichen Behörden angewiesen, unverzüg­lich Vorsichtsmaßregeln zu treffen.

Gestörter Osterfrlede.

Ein nächtlicher Ueberfall aus Wehrwolfleute.

(Eigener Drahtbericht.)

Halle, 6. April.

Hallens« Wehrwolfleute, die zu einer vier- tätigen Wanderfahrt nach Hinsdorf in An­halt sich zusammengefunden hatten, wurden in der Ncnht zum zweiten Lstertage vom etwa hundert Kommunisten überfallen. Rach einer schweren Schlägerei tonten die Haupträdelssüh- rcr der Kommunisten ssestgenornmen werden. Bon den Wehrwolfleuten wurden acht verwun­det, darunter einer lebensgefährlich. Die Kom­munisten hatten mehr als zwanzig Verletzte.

Kritische Tage im Riff.

Friedensfühler oder Offensive?

(Eigener Drahtbericht.)

Paris, 6. April.

Laut Pressenotiz erhält sich beharrlich das allerdings an oinziöser Stelle nicht bestätigte Gerücht, daß Abd el Krim die Enffendung einer Kommission «ms höheren Beamten vorgeschla- gen habe, die mit französischen bezw. spanischen Delegierten die Friedensmöglichkeiten prüfen solle. Nach einer Meldung aus Fez zeigen die Riflabylen eine lebhafte Tätigkeit an der ganzen Front, vor allem am Unid Lam wo starke Abteilungen der Senhadja eingetroffen sein sollen. Einer Radio-Meldung zufolge hat die erwartete Rifoffensive bereits am 3. April begonnen. Danach h«chen die Ris-Ka- bylen an drei Stellen der Front angegriffen. Di« dort ansässigen Stämme find zurückgewichen.

Zn den Lüften Voran.

Im Welfflughasen der Lufthansa.

(Von unserem Berliner Berichterstatter.) .

I» de« lebte« zwei Jabre« bat trotz der 8er« iailler Luftbarrikade« die Lustsahrt ei«e« Um­fass erreicht «ad eine« A«ffchw«»s se«om- tnen, der ««sebeserlich «ad s«geaS«t ertöten, selbst wen« «a« eine bemmnasstose Bewe- guagsfreibett als Grnsdlaae dieses Ansschwnn- ges angenommen hätte. Rn« siehe« wir vor einem neue« Abschnitt in der Geschichte der ittueen dentsche« Berkehrslnstsahrt. über den nufer Mitarbeiter berichtet.

Berlin, 31. März.

Die beiden großen Gesellschaften, die bisher das deutsche Streckennetz beflogen, Junkers und Aero-Lloyd, haben sich zur Deut­schen Lufthansa vereinigt. Obwohl es auch in den vergangenen Jahren keineKonkurrenz" im geschäftlichen Sinne gab, und die Luft, gleich­mäßig aufgeteilt, beiden Gesellschaften Raum zur freien Entwicklung gab, ist doch erst durch den Zusammenschluß eine einheitliche Organisa­tion entstanden, die ihr Reh völlig frei von pri­vaten, geschäftlichen Grundsätzen, rein nach den Anforderungen des Verkehrs, immer mehr aus- breiten kann und als gleichberechtigter Verkehrs­faktor neben der Reichsbahn oder den großen Schiffabttslinien auftreten darf. Die neue Luft­hansa, die

am 6. April die Streckenflüge

auf dem gesamten deutschen Verkehrsnetz auf­nimmt, daS insgesami vierzehntausend Flug­kilometer pro Tag umfaßt, hat sich der Presse vorgestellt. Aus kleinen Anfängen wurde ein Riesenwerk, aus provisorischen Baracken und Hallen auf dem einstigen großen Exerzierplatz Berlins wurde der großartige Zentralflug- hafenTempelhof, der einzig in feiner Art in ganz Europa dasteht. Man hatte bis vor kur­zer Zeit bet den Dingen des Flugwesens doch noch das Gefühl des Anfangens, der Kinder­krankheit, des Primittven. Wenn man jetzt mit den großen Autobussen der Lufthansa aus dem Zentrum der Stadt in wenigen Minuten nach dem Flughafen fähtt, so hat man sofort den un­beschrankten, bleibenden Eindruck des großarti­gen Verkehrsknotenpunktes, der vollendeten tech­nischen Einrichtung, die wie ein Uhrwerk exakt nach festgelegten Grundsätzen arbeitet, wie ir­gend ein großer Hauptbahnhof oder ein bedeu­tender Küstenhafen. Die Lufthansa gibt einen Flugplan für das Frühjahr 1926 heraus. Er übertrifft schon bei weitem die ersten Fahrpläne, die die preußischen Staatseisenbahnen in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts Heraus­gaben und die ganze äußere Aufmachung ver­mittelt das Bild des nach Minuten geordneten regelmäßigen Betriebs. Ein Lufthansaführer sprach von den kulturellen Wetten des Lustfahtt- aedankens, die nur ins Reale umgesetzt werden tonnen, wenn die gesamte öffentliche Meinung rückhaltlos hinter dem Unterneh­men stehe daS die deutsche Lufffahtt ttotz bet hemmenden Bestimmungen zu einer Höhe ge­führt hat, die heute allein schon

einzigartig in Europa

ist und die dennoch nur der Anfang einer kom­menden Entwicklung fein soll. Die Führung durch die Anlagen des Flughafens, die Besichti­gung der Maschinen und ein Rundflug über ben Zentralhafen hätten auch Leute begetfiert, und für ben Gedanken hingerissen, die ben Proble­men bet Suftfibrt vielleicht noch skeptisch gegen­übergestanden hätten wenn es überhaupt noch solche Leute gibt. Drei riesige Hal- l e n bieten ben in Berlin stationierten Flugzeu­gen Unterkunft. Weitere noch größere ftnb im Bau. Wie sprungbereite Raubvögel saßen die großen silberglänzenden Maschinen Im Viereck vor ben Hallen aufgestellt auf der glatten Fläche des Hafens. Die großen breitnotorigen Limousi­nen bet Junkerswerke, bie die Strecken noch Skandinavien, nach London und Moskau befliegen, die zahlreichen Heineren, aber in ihrer Wirkung noch immer gigantischen Fünf-, Sechs- und Achtsitzer von Junkers, die gleichgroßen Ma­schinen des einstigen Aero-Lloyd, bie von Fokker stammen, unb die leichten zierlichen Apparate Dorniers, bie Dornier-Korne- 1 e n. Vor zwei hohen Antennentürmen, die ben Wetterdienst und den sonstigen Vetteht mit ben Flugzeugen besorgen, steht gleich einem Leucht- türm bie Verkehrswatte, von bet aus das Lan­den und Starten bet Maschinen birigiert wird. Optische, Licht- unb Rauchsignale bezeichnen den Lanbungsort für die Maschinen, in der

Nacht weisen riesige Scheinwerfer

ben Weg. Dann der Flug selbst es hastet nicht mehr das Omen des Außergewöhnlichen, des Erlebnisses an ihm. Das vergangene Jahr