Hessische Abendzeitung
Kasseler Abendzeitung
ZnedwiOTttfe: ®i«6etmWe <Bd<6aft*«teetflra Bellt <m»rototoe ®d(MM. anaeiotn Zeil« 20 A, 8amilienan»etetn Seife M 4,JNdn« Zttfeoe» dabÄort 4 A. Reklame» btt Zelle 75 A. CffertoeStibr 20 A (bei Zusenüung -er Offerten 80 4). Rechnunasbekräae stirb innerhalb 5 Taaen $u bezahlen, tztrr die RrLNs- leit aller Lurch Fernsprecher anfgegebenen Anzeige», sowie für Aninabme-ate» nnä Plätze kann nicht garantiert »»erden. Für Anzeigen mit besonders schwierigem Satz 100 Prozent Ausschlag. Druckerei: Schlachthofstrohe 28/30. Geschäfts- stelle: «ülnische Strabe 5. gegenüber der Svohrltrahe. Vernfvrecher 051 und 052.
Die Kasseler Renetten Nachrichten erscheine» wöchentlich sechsmal uachnrittag». Der AbonnewentSoreiS beträgt für den Monat 2.— X bei freier Zunellun» ins Haus, in der Geschäftsstelle abgeholt 1.80 X. Durch die Post monatlich 2.— X ansschlietzlich Zustellungsgebühr. Verlag und Redaktion Schl-chthofstratze 28^0. Fernsprecher 951 und 952. Für unoerlangt eingesandte Beiträge kann die Redaktion eine Verantwortung oder Gewähr in keinem Falle übernehmen. Rück- Adlung des Bezugsgeldes ober Ansprüche wegen etwaiger nicht ordnungsmatziger Lieferung ist ansgeschlosie». Postscheckkonto Frankfurt am Main Nummer 6380.
Nummer 80. Amtsblatt der Stadt Kassel
Mittwoch, 7. April 1926
Amtsblatt der Stadt Kassel 16. Iahrgaug
General pangalos wird Präsident?
Ende oder Verschärfung des Bürgerkrieges in China?
Eine glücklose Ehe.
DaS Elsaß macht sich von Paris WS.
Von Dr. Paul Rohrbach.
Die Autonomiebewegung in Elsaß-Lothrin- acn ist da, und sie ist in Lothringen keineswegs schwächer als im Elsaß. Gerade in Metz, einer Stadt, die immer auf der französischen Seile der Sprachgrenze gelegen hat und auch im Mittelalter nur politisch zu Deutschland gehörte, hat ganz vor kurzem die erste bewaffnete Aus- einandertreibung elsaß-lothringischer Demonstranten stattgefunden. Was man noch vor wenigen Jahren für ganz unwahrscheinlich halten mußte, was in der Zeit gleich nach der französischen Besetzung völlig undenkbar erschien, ist jetzt Tatsache: Es wird offen darüber diskutiert, ob die Elastz-Lothringer als nationale M i nd e r h e i t in Frankreich nicht den Völkerbund anrufen könnten, um Schutz vor der Vergewaltigu»a ihrer Sprache und Art durch Frankreich zu finden! Im Organ Herriots wendet sich der Abgeordnete Jules Uhrh leidenschaftlich gegen die Idee eines Pfus!- ferstaates zwischen Frankreich und Deutschland, muß aber zugeben, daß die autonomi- stische Bewegung in Elsaß-Lothringrn wirklich da ist, daß sie eine wachsende Gefahr für Frankreich bedeutet, und daß ihr mit den energischsten Mitteln «in Ende gemacht werden müffe. Man solle den Elsaß - Lohringern ein für alle Mal sagen, daß über den öffentlichen Gebäuden des Landes die Trikolore Wehe, und daß in ihr die Buchstaben R. F. eingezeichnet seien: Rtpubliaue Franc ciise!" Andernfalls würde man eine Bewegung bekommen, die so gefährlich ist wie die flämische Bewegung für Belgien!"
Der Verfasser tut so, als ob in Elsaß- Lothringen nur der Klerikalismus unbotmäßig sei. Die „Gefahr" sitzt viel tiefer. In der Schweiz, wo gar keine Neigung besteht, die Dinge mit antifranzösischen Augen zu sehen, ment man auch schon aus. .Feuer im Elsaß?" ist die Ueberschrift eines Artikels im Berner „Bund", der besorgt feststellt, daß sich von neuem eine elsaß-lothringische Frage erhebe. Das Feuer, dessen aufsteigenden Rauch man jetzt auch schon von weitem sehen kann, ist in Elsaß-Lothringen durch den Angriss der Regierung in Paris auf di« elsaß-lothringische Sprache im besonderen angezündet worden. In Elsaß-Lothringen stehen täglich 455000 deutschsprachigen ZeitungSexemplaren nur 68 000 französische gegenüber. Es ist aber ein unermeßliche Unterschied in der Tonart, die in den deutsch geschriebenen Blättern heute im Vergleich zu der Zeit vor fünf oder vor sieben Jähren begegnet. Teils sind neue scharf elsaß-lothringisch eingestellte Organe entstanden, teils haben die alten sich genötigt gesehen, damit sie ihre Abonnenten nicht verlieren, ihre Haltung der immer entschiedener werdenden Volksstimmung anzupaflen. Ein Blatt in Metz erzählte neulich von einem Bauern aus Lothringen, der die Briefe seiner Kinder nicht mehr lesen kann, und sagte dazu: •
„Im Lande der Barbarei konnte der gute Papa die Briefe seiner Kinder lesen, sie schrieben deutsche und auch französische, im Lande der Zivilisation und des Fortschritts kann er das nicht mehr. Er blecht Steuern, daß ihm die Fingernägel bluten, aber er darf nicht verlangen, daß seine Sprößlinge in seiner Sprache schreiben lernen."
In einem anderen Artikel werden dem Leser die folgenden praktischen Regeln, die man in Paris mit besonderem Vergnügen gelesen haben wird, ans Herz gelegt: 1. Wähle nur Verteidiger unserer Muttersprache. 2. LieS eine gute deutfprachige Zeitung, welche deine Sprachkenntnisse unterhält und sich deiner sprachlichen Interessen wahrnimmt. 3. Besteh« darauf, daß die im Schulprogramm vorgesehenen deutschen Unterrichtsstunden vom Lehrer gewissenhaft ausgenützt werden. 4. Singe deutsche Kirchen- und Volkslieder, fordere vom Lehrer deiner Kinder, daß er deutsche Gesänge einübt Sing mit deinen Buben und Mädels in Feierstunden den „Lindenbaum", „Dort unten in der Mühle", „3n der Heimat ist es schön" usw.
Am 29. November verlangte in Straßburg die Partei der katholischen Konservativen im Elsaß für Elsaß-Lothringen eine besondere „regionale" Verwaltung, mit eigener Kammer und selbständigem Budget. In der Resolution wurde verlangt, daß von Paris aus lediglich die großen nationalen Fragen geregelt werden, wie die Außenpolitik, die Wehrpflicht, das nationale Budget und die nationale Gesetzgebung. Die in der deutschen Zeit im Elsaß geschaffenen Einrichtungen sollen all „integrierende Bestand
teile der nationalen Gesetzgebung" betrachtet werden und dementsprechend nur nach Befragung der gesetzlichen Vertretung Elsaß-Lothttn- gens abgeschafst werden. Im übrigen soll dem Elsaß eine weitgehende Selbständigkeit eingeräumt werden, denn „die Anwendung der französischen Verwaltungsmethoden hat zu grausamen Enttäuschungen und schweren Schädigungen der elsässischen Beläng« geführt". Insbesondere verlangte die Entschließung, daß die Beamten in Elsaß-Lothringen beider Sprachen mächtig fein müssen.
Zu Beginn deS Jahres haben die zwei an Zahl stärksten Parteien Elsaß-Lothringens, die Kommunisten und die katholisch« Volkspartei, in offiziellen Parteikundgebungen gleichfalls weitgehende kulturelle und politische Autono- m i e verlangt und bei deren Verweigerung mit dem Appell an den Völkerbund gedroht. Im Januar wurde unter der Führung von Dr. Eugen Ricklin eine besondere elsaß-lothringische Autonomistenpartei ins Leben gerufen, und diese stellte in ihrer offiziellen Geburtsanzeige ausdrücklich fest, daß die Autonomie „conditio sine qua non* für ihr Verbleiben auf dem Boden des Versailler Vertrages fei, und daß sie grundsätzlich auf dem Recht bestehe, falls nötig an die Pforte in Genf zu klopfen. Die Reihe dieser Zeichen könnte fortgesetzt werden; für diesmal mag sie genügen. Die Franzosen ihrerseits werden nicht fähig oder Willens sein, sie richtig zu deuten. Wenn sieben Jahre nach der „Wiedervereinigung mit der Mutter Frankreich" die Elsaß-Lothringer schon ihre Bedingungen dafür stellen, daß sie „auf dem Boden des Versailler Vertrages" bleiben — wie weit werden sie dann nach abermals sieben Jahren sein, wenn, wie sicher zu erwarten, „Mutter Frankreich" die Rute des Zentralismus und der Sprachenverfolgung weiter schwingt?
Wird Iangaws gewählt?
Die meisten Stimmen bei der Präsidentenwahl.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 6. April.
Pangalos erklärte einem Pariser Zeitungsvertreter, er habe bei den Präsidentschaftswahlen in zwölf Departements neunzig Prozent der Stimmen erhaften. Wenn auch die Wablen in den übrigen 23 Departements am 11. April zu seinem Gunsten ausfielen, würde er daz Ministerprüfidium und das Kriegs- Ministerium übernehmen.
Die Schlacht verstummt.
Ein Waffenstillstand vor den Toren?
(Eigene Drahtmeldung.)
Berlin, 6. April.
Ein Blatt meldet aus Peking: Am Montag mittag wurde der Waffenstillstand zwischen den kriegführenden Generalen von Peking abgeschlossen. Die Hauptstadt Peking ist vorläufig von dem Waffenstillstand a u S g e f ch l o f s e n, bis die Regierung TuantschijuiS zurückgetreten ist. Infolgedessen werden die Bombenwürfe auf Peking fortgesetzt. Die nationale Armee ist in Mulden eingerückt und hat daS bolschewistische Standregiment ausgehoben. Die kommunistischen Rädelsführer wurden standrechtlich erschossen. — Rach einer anderen Meldung a«S Peking soll Wupeifu mit General Feng eine Allianz abgeschlossen haben, womit er in das feindliche Lager abschwenkt. Die beiden Heerführer hätten sich verpflichtet, feindliche Truppen nnzugreifen.
Sin Snve des Bruderkriege« t
Peking, 6. April. (Kabeltelegramm.) Bon zuverlässiger Seite wurde berichtet, daß General Kung Waihfi als Vertreter Wupeifu8 hier eingetroffen ist, um als Bevollmächtigter mit den nationale n Führern zu verhandeln.
Auf Tob und Leben.
Ein verwegenes Banditenstück nm Balkan.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 6. April.
Aus Mailand wird gemeldet: An der Grenze zwischen Italien und Jugoslavien drangen drei schwer bewaffnete und maskierte Banditen in die Kaffenräume eines kleinen Bahnhofs ein. Zwei Männer hielten die vier Beamten u. zwei Andere mit ihren Revolvern in Schach, während der dritte die Kaffe durchstöberte, in der er 250000 Lire fand. Bei der Verfolgung entkam der Bandit, der das Geld hatte, über einen
Fluß, während die beiden anderen, die alarmierten Zollbeamten und faschistische Miliz mit Feuer empfingen. Ein Faschist wurde getötet, zwei Zollbeamte und ein Eisenbahner schwer verletzt. Schließlich wurden die beiden Räuber von den Angreifern niedergeschossen
Schreckenstage in Veking.
Fliegerbomben im Zentrum der Stadt.
(Kabeltelegrarnrn.)
Peking, 6. April.
Gestern morgen warfen mandschurische Flugzeuge zwölf Bomben in der Nähe der Tempel des Ackerbaues und des Himmels ab, wo sich zahlreiche Menschen versammelt hatten, um der alljährlichen Zeremonie der Baumbepflanzung beizuwohnen. Die Zuschauer zerstreuten sich in Panik, doch waren glücklicherweise keine Verluste an Menschenleben zu verzeichnen.
Taube Obren in Madrid.
Vernichtungskampf gegen Abd cl Krim.
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 6. April.
Die spanische Regierung veröffentlicht eine offiziöse Auslassung über die Wiederaufnahme der Friedensverhandlungen mit Emmissären Abd el Krims. Die spanische Regierung halte den Augenblick zum Friedensschluss noch nicht für gekommen, da das Prestige und die Macht Abd el Krims noch nicht genügend nie- dergerungen feien. Spanien wünsche ebenso wie Frankreich, so rasch wie möglich Frieden zu schließen, wolle jedoch die Sicherheit haben, daß sie nicht wieder in einiger Zeit gezwungen sei, eine neue Kampagne zu unternehmen.
¥
ein? gefallen? Drufenfestung
Paris, 6. April. (Eigener Drahtbericht.) Nach einer amtlichen Mitteilung erreichte bei der Säuberung des HermongebieteS in Syrien die eine Abteilung am 1. April Otani, die andere, die den Jordan überschritt, bemächtigte sich am 2. April der Bestung Banias. Beide Abteilungen zogen am 3. April in M e j - del ein, einem Hauptschlupswinkel der Drusen.
*
Tausend? ohne Obdach
Paris, 6. April. (Privattelegramm.) Aus Kairo wird gemeldet, daß in T a n t a h durch eine ungeheure Feuersbrunst 612 Häuser einge- äschert wurden. Zweiunddreißig Personen sollen in den Flammen umgekommen sein. — Nach einer weiteren Meldung sind durch die Feuersbrunst über viertausend Personen ob» dachloS geworden sein. Die Regierung hat die öttlichen Behörden angewiesen, unverzüglich Vorsichtsmaßregeln zu treffen.
Gestörter Osterfrlede.
Ein nächtlicher Ueberfall aus Wehrwolfleute.
(Eigener Drahtbericht.)
Halle, 6. April.
Hallens« Wehrwolfleute, die zu einer vier- tätigen Wanderfahrt nach Hinsdorf in Anhalt sich zusammengefunden hatten, wurden in der Ncnht zum zweiten Lstertage vom etwa hundert Kommunisten überfallen. Rach einer schweren Schlägerei tonten die Haupträdelssüh- rcr der Kommunisten ssestgenornmen werden. Bon den Wehrwolfleuten wurden acht verwundet, darunter einer lebensgefährlich. Die Kommunisten hatten mehr als zwanzig Verletzte.
Kritische Tage im Riff.
Friedensfühler oder Offensive?
(Eigener Drahtbericht.)
Paris, 6. April.
Laut Pressenotiz erhält sich beharrlich das allerdings an oinziöser Stelle nicht bestätigte Gerücht, daß Abd el Krim die Enffendung einer Kommission «ms höheren Beamten vorgeschla- gen habe, die mit französischen bezw. spanischen Delegierten die Friedensmöglichkeiten prüfen solle. Nach einer Meldung aus Fez zeigen die Riflabylen eine lebhafte Tätigkeit an der ganzen Front, vor allem am Unid Lam wo starke Abteilungen der Senhadja eingetroffen sein sollen. Einer Radio-Meldung zufolge hat die erwartete Rifoffensive bereits am 3. April begonnen. Danach h«chen die Ris-Ka- bylen an drei Stellen der Front angegriffen. Di« dort ansässigen Stämme find zurückgewichen.
Zn den Lüften Voran.
Im Welfflughasen der Lufthansa.
(Von unserem Berliner Berichterstatter.) .
I» de« lebte« zwei Jabre« bat trotz der 8er« iailler Luftbarrikade« die Lustsahrt ei«e« Umfass erreicht «ad eine« A«ffchw«»s se«om- tnen, der ««sebeserlich «ad s«geaS«t ertöten, selbst wen« «a« eine bemmnasstose Bewe- guagsfreibett als Grnsdlaae dieses Ansschwnn- ges angenommen hätte. Rn« siehe« wir vor einem neue« Abschnitt in der Geschichte der ittueen dentsche« Berkehrslnstsahrt. über den nufer Mitarbeiter berichtet.
Berlin, 31. März.
Die beiden großen Gesellschaften, die bisher das deutsche Streckennetz beflogen, Junkers und Aero-Lloyd, haben sich zur Deutschen Lufthansa vereinigt. Obwohl es auch in den vergangenen Jahren keine „Konkurrenz" im geschäftlichen Sinne gab, und die Luft, gleichmäßig aufgeteilt, beiden Gesellschaften Raum zur freien Entwicklung gab, ist doch erst durch den Zusammenschluß eine einheitliche Organisation entstanden, die ihr Reh völlig frei von privaten, geschäftlichen Grundsätzen, rein nach den Anforderungen des Verkehrs, immer mehr aus- breiten kann und als gleichberechtigter Verkehrsfaktor neben der Reichsbahn oder den großen Schiffabttslinien auftreten darf. Die neue Lufthansa, die
am 6. April die Streckenflüge
auf dem gesamten deutschen Verkehrsnetz aufnimmt, daS insgesami vierzehntausend Flugkilometer pro Tag umfaßt, hat sich der Presse vorgestellt. Aus kleinen Anfängen wurde ein Riesenwerk, aus provisorischen Baracken und Hallen auf dem einstigen großen Exerzierplatz Berlins wurde der großartige Zentralflug- hafenTempelhof, der einzig in feiner Art in ganz Europa dasteht. Man hatte bis vor kurzer Zeit bet den Dingen des Flugwesens doch noch das Gefühl des Anfangens, der Kinderkrankheit, des Primittven. Wenn man jetzt mit den großen Autobussen der Lufthansa aus dem Zentrum der Stadt in wenigen Minuten nach dem Flughafen fähtt, so hat man sofort den unbeschrankten, bleibenden Eindruck des großartigen Verkehrsknotenpunktes, der vollendeten technischen Einrichtung, die wie ein Uhrwerk exakt nach festgelegten Grundsätzen arbeitet, wie irgend ein großer Hauptbahnhof oder ein bedeutender Küstenhafen. Die Lufthansa gibt einen Flugplan für das Frühjahr 1926 heraus. Er übertrifft schon bei weitem die ersten Fahrpläne, die die preußischen Staatseisenbahnen in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts Herausgaben und die ganze äußere Aufmachung vermittelt das Bild des nach Minuten geordneten regelmäßigen Betriebs. Ein Lufthansaführer sprach von den kulturellen Wetten des Lustfahtt- aedankens, die nur ins Reale umgesetzt werden tonnen, wenn die gesamte öffentliche Meinung rückhaltlos hinter dem Unternehmen stehe daS die deutsche Lufffahtt ttotz bet hemmenden Bestimmungen zu einer Höhe geführt hat, die heute allein schon
einzigartig in Europa
ist und die dennoch nur der Anfang einer kommenden Entwicklung fein soll. Die Führung durch die Anlagen des Flughafens, die Besichtigung der Maschinen und ein Rundflug über ben Zentralhafen hätten auch Leute begetfiert, und für ben Gedanken hingerissen, die ben Problemen bet Suftfibrt vielleicht noch skeptisch gegenübergestanden hätten — wenn es überhaupt noch solche Leute gibt. Drei riesige Hal- l e n bieten ben in Berlin stationierten Flugzeugen Unterkunft. Weitere noch größere ftnb im Bau. Wie sprungbereite Raubvögel saßen die großen silberglänzenden Maschinen Im Viereck vor ben Hallen aufgestellt auf der glatten Fläche des Hafens. Die großen breitnotorigen Limousinen bet Junkerswerke, bie die Strecken noch Skandinavien, nach London und Moskau befliegen, die zahlreichen Heineren, aber in ihrer Wirkung noch immer gigantischen Fünf-, Sechs- und Achtsitzer von Junkers, die gleichgroßen Maschinen des einstigen Aero-Lloyd, bie von Fokker stammen, unb die leichten zierlichen Apparate Dorniers, bie Dornier-Korne- 1 e n. Vor zwei hohen Antennentürmen, die ben Wetterdienst und den sonstigen Vetteht mit ben Flugzeugen besorgen, steht gleich einem Leucht- türm bie Verkehrswatte, von bet aus das Landen und Starten bet Maschinen birigiert wird. Optische, Licht- unb Rauchsignale bezeichnen den Lanbungsort für die Maschinen, in der
Nacht weisen riesige Scheinwerfer
ben Weg. Dann der Flug selbst — es hastet nicht mehr das Omen des Außergewöhnlichen, des Erlebnisses an ihm. Das vergangene Jahr