Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung Hessische Abendzeitung
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Donnerstag, 1. April 1926
Nummer 77. Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Ps.
Einzelnummer 10 Pf, Sonntags 15 Pf. 16. Jahrgang
Nur der Wille des Diktators gilt.
Driands Verzweiflungskampf gegen die Finanzkataflrophe.
Anfang vom Ende?
Wenn Briand den Franksturz nicht meistert.
Die inner« Lage Frankreichs ist schon seit eint» gen Monaten geradezu verzweifelt. Seitdem das LinkLkartell nach etwa l^jährigem Bestehen zerschlagen worden ist, konnte eine ständige Re- gterungSmehrheit nicht mehr erreicht werden. Cfl schon nach wenigen Tagen folgte eine Krisis der anderen, kaum hatte ein Kabinett sich eingearbeitet, als es von einem anderen abgelöst wurde, um selbst nach einigen Tagen wieder ge. stürzt zu werden. Dabei stehen sich die viel zu zahlreichen Parteien in kleinlichen Eifersüchteleien schroff gegenüber. Keine gönnt der ande. ren auch nur den geringsten Vorteil, überall zeigen sich die bösen Folgen eines entarteten Parlamentarismus. Stande nicht der tüchtig« Briand bei allen Teilen des Parlaments in so hohem Ansehen, so wäre die Katastrophe schon längst eingetreten. An Krisen fehlt «S in keiner Woche. Auch der gestrige glän- »ende Lanzenritt der alten Kämpen Briand- Patnlevt war umsonst. Mit einer Mehrheit Von allerdings nur drei Stimmen setzten Kommunisten und Sozialisten di« Kürzung des Syrien - Kredits durch, ein Vorfall, wie er bisher in der französischen Kammer noch nicht vorgekommen ist, denn trotz aller ansäng. lichen Weigerungen wurden bisher immer noch die Gelder bewilligt, wenn eS sich um einen Krieg Frankreichs handelte. Die Weigerung hat somit eine weitcrgehende Bedeutung und ist ein deutlicher Zeichen, wie verworren die Verhältnisse tn der französischen Kammer sind.
Ein weiterer Beispiel der traurigen innenpolitischen Lage gab die Wahl im zweiten Pariser Wahlkreise. Aber obwohl der Faschisten- kandidat, der frühere Flieger de Kerilli», daraus hinwieS, daß er im Jahre 1916 erfolgreich Bomben über Karlsruhe abgewor- fen und sich dadurch ein großes Verdienst erworben habe (!), war der französische Mittelstand anderer Ansicht, eS geschah daS Unerhörte, daß zahlreiche bürgerliche Stimmen den Kommunisten zum Siege verhalfen, die dadurch tn der Kammer zwei Stimmen mehr erhielten. Die dauernden inneren Krisen haben aber nicht nur schwere politische Folgen, sondern werden auch aus dar wirtschaftliche Leben übertragen. Roch keiner der letzten vier Finanzminister hat sich durchsetzen können. Jeder Versuch, dar Bud- ger durch neu« Steuern oder in anderer Weise wenigstens einigermaßen auszugleichen, schei- terte daran, daß bi« Parteien jedesmal die in Aussicht genommenen Finanzreformen oft aus den kleinlichsten Gründen sabotierten. Jeder noch so ernsthafte Versuch zu einer Finanzreform mußte wieder aufgegeben werden, da die nötige Mehrheit der Kammer fehlte. Die Folge davon war, daß der französische Kranken Immer mehr gefallen ist und heute nur vierzehn Pfennige gift. Stile Bemühungen, die Wäh- rung zu stabilisieren, sind gescheitert. Jetzt scheint der Anfang vom Ende da zu sein, die große Inflation vor der Tür zu stehen. Sie wird noch dadurch vermehrt, daß am 29. März an der Newyorker Börse eine große Panik auS- brach, deffen Hauptursache der Frankensturz war. Nicht wenige, früher als wohlhabend geb tende und in Börsenkreisen besonders angesehene Bankiers haben ihr ganzes Vermögen verloren. In weiten Kreisen der Bveölke- rung kam eS zu wilden AuSbrüchen der Erregung. die Panik, wie man sie fett langen Jahren noch nicht erlebt hat, ergriff sehr weite Kreise.
In Paris sieht man «in, daß man die Sa- nierung des Franken allzu lange auf die weite Bank geschoben hat, eS muß unbedingt und zwar rocht schnell etwa- geschehen, sonst ist die Jnfla- tton unvermeidlich. Und was daS gerade im jetzigen Moment bedeutet, wo Amerika wegen der Vorgänge in Gens und der Rückzahlung der Kriegsschulden Frankreich ge- radezu feindlich gegenübersteht, daß weiß ein jeder. Aber bei der Zusammensetzung der fron- zösischen Kammer wird wohl keine Partei nachgeben wollen Keine wird eS über sich bringen, dem Varerlande ein Opfer anzubieten, umso- mehr, als sie wiflen, daß man in Frankreich die jetzige Kammer und ihre Arbeitsweise herzlich satt hat. Allgemein sehnt man sich nach einer neuen Regierung, die den Abgeordneten gegenüber ein stärkeres Rückgrat Hut. Lei dieser Sachlage ist et auch zweifelhaft, ob Briand aus die Dauer imstande sein wird, daS Mini- sterpräsidium beizubehaften, das er jetzt allerdings schon zum lehnten Male führt. Schon bei feinem letzten Sturze unmittelbar vor der Völkerbundskonserenz in Gens hat er
sich bekanntlich dahin geäußert, daß er der ewigen Kämpfe wirklich müde ist, und jeder Renner der Verhältnisse kann dem sonst so tatkräftigen Diplomaten das wohl nachfühlen. Es ist wirklich eine schwere Ausgabe, mit einer solchen Kammer die Geschäfte zu führen, besonders wenn alle noch so gut gemeinten Versuche die unbedingt nötige Finanzresorm durchzuführen in so kläglicher Weise und aus nichtigen Gründen sabotiert werden. Auf der anderen Seite weiß aber Briand auch nur zu genau, daß er der einzige Mann in Frankreich ist, der die Lage retten und vielleicht noch meistern kann. Sein von jeher sehr großer Ehrgeiz wird ihn daher veranlasien, doch noch auf seinem Posten so lange auSzuharren, biS eS wirklich zu einer endgültigen Entscheidung kommt. M.
Sie Krise ohne Sn de.
Basel, 31. März. (Eigener Drahtbericht.i Aus Paris Win» gemeldet, bc": auch die An» nähme deS Vertrauensvotums Ms Finaitzkrifr noch nicht beendigen werde. Der Senat scheine nicht geneigt, die Gesetze biS Ostern zu verabschieden und ein Defizit von zwei Milliarden Franken bleibe weiter unbesetzt.
Bon Muffottnls Gnaden.
WSe es in einer modernen Diktatur aussieht (Eigene Drahtmrlüv--ä.j
Rom. 31. März.
Mussolini hat gestern vor dem großen faschi- stischcn Rat seiner Genugtuung über die ungeheuren Kundgebungen am 28. März aus Anlas des siebente» Jahrestages der Gründung der faschistischen Partei Ausdruck gegeben. Rach einer von Mussolini eingebrachten Tagesordnung bleibt die Zahl der Senatoren unbegrenzt Sie werden entweder auf Lebenszeit unmittelbar vom König ernannt und gehören dann keinem Verband an, oder sie werden von Verbänden präsentiert und vom König auf neun Jahr« ernannt. Die Zahl der von den Gewerkschaften präsentierten Senatoren darf nie- malS geringer fein, als diejenige der von den Unternehmerverb ändcn präsentierte.
*
Mussolinis neuer Adjutant
Rom, 31. März. (Eigener Drahtbericht.) Unter Vorsitz Mussolinis ernannte der Große Faschistische Rat in einer Nachtsitzung als Nachfolger Farinareis znm Generalsekretär der Fa- schistischen Partei den Abg. Augusto T u r a t t.
Faßt Italien f(härter an!
Amerika und das Lchuldenabkornmen.
(Eigener DrahtßbrtckN.l
Washington, 31. März.
Jrn Senat wandte sich Senator Howell gegen die Ratifizierung des italienischen Schul- denabkonnnenS und erklärte, Amerika müsse auf- hören, die Rolle deS WeihnachtSman- nt§ für Europa zu spielen. Jede bisherige Schnldenregelung habe die Annullierung des Kapitals vorgesehen. Bei der italienischen Regelung werde dem mexikanischen Volk ein Defizit an Zinsen von fiebenundfechziz Millionen Dollar jährlich auferlegt. Großbritannien habe bessere Bedingungen von Italien erhalten alS Amerika.
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Stallen« letzter Pfennig ?
London, 31. MSrz. (Eigener Drahtberlcht.) Reuter berichtet au8 Washington, daß die bei- ben Mitglieder der Schuldenlommission Hoover und Smoot die ernsten Folgen einer Vereitelung des italienischen Tchuldenabkommen» betonten. Smoot erklärte, daS Abkommen stelle ben allerletzten Pfennig dar, den Italien zahlen könne. Hoover erklärte, die Richt- ratisizierung durch den Senat würde Italien jeder moralischen Verpflichtung zur Rückzah- ung seiner Schulden entheben.
Seichen der Seit.
Arbeitslosenkrawalle auch In London.
(Eigener Droht bericht.)
London, 31. März.
Gestern wurde da« ParlamentSgebäudc stark bewacht, da eine Kundgebung der Arbeitslosen aitgelünbigi war. Der Zug der Demo« ftranten, bet nur 250 Mann zählte, wandte sich aber nach dem H v d e p a r k, wo er sich in kleine Gruppen auslöste. AlS gegen Abend der Ber luch gemacht wurde, einen neuen Zug zu bilden ging berittene Polizei gegen die Menge
vor. ES kam zu einer halbstündigen Schlägerei, wobei zahlreiche Personen verletzt wurden. Zwölf Verhaftungen wurden vorgenommen.
Briands Stunde schlägt.
Wird er die Steuerschlacht gewinnen?
(Eigener Drahtbetickn.»
Pari», 31. März.
Nach der Rede de» Finanzministers Peret wurde bei der Diskussion über die Kopfsteuer beschlossen, die zahlreichen Abänderungsanträge dem Finanzausschuß zu überweisen, der noch gestern abend darüber beschließen sollte. Die Kammer vertagte sich zur Weiterberatung des Gsetz enirourfs auf den heutigen Mittwoch. Briand wird am Schluß der Debatte die Vertrau- en»f rage stellen. Gestern kam eS in Paris zu großen Stratzenunruhen. Der Polizeibericht meldet fünfzig Verhaftete und fechzehn Ber- letzte. — Beim Ausgabebüdget für 1926 hat der Senat im ganzen 680 Millionen Franc gestrichen
Lernt von den Deutschen!
Engländer bewundern itnfere Bergwerke.
(Eigene Trahtmeldung.)
London, 31. März.
Ei» Berichterstatter, der b« nach Deutschland entsandte Abordnung von acht verga-rbeitern gegleitet, schreibt aus Esfeu: Die in einem Bergwerk angebrachte Losung „Ordnung, Spar- fcmieit, Pflichtgefühl" könne al» der Kern, der die individuelle Gegend des Ruhrgebietec leitenden Grundsätze angesehen werden. Der Berichterstatter hebt die Reinlichkeit der deutschen BergwerkSstädte und Dörfer und di« dort herrfckftnde Leistungsfähigkeit und Gründlich ..herrschende Leistungsfähigkeit und Gründlichkeit hervor.
Varis kriegsmüde.
Harte Friepenöbedingungrn für Abd el Krim (Eigener Drahrdertchr.)
Paris, 31. Mär,.
Die gestrigen Besprechungen zwischen dem Ministerpräsidenten B et and, dem Generalresidenten für Marokko, Steeg, KriegSministe, Painlevt und Marschall Pttain galten dar allem der Prüfung eines Marokkofriedens Frankreich und Spanien können, so schreibt ein Blatt, nicht über di« Gewährung gewisser begrenzter Verwaltungs- und Wirtschaftskonzessionen an die Risftämme hinausgehen. Die Souveränität dcS Sultans mutzten dlc Rifleute formell anerkennen. Frankreich und Spanien würden die Polizei-'ontrolle in ihren Zonen übernehmen und die Stämme mützten entwaffnet werben. Abd el Krim soll bereit fein, die Souveränität anzierrkennen.
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ein ßrotfflflr« f se ien Syrien.
Jerusalem, 31. März. (Eigen« Drahtmel- düng.) Die Blätter melden, daß gestern anläß lich des Besuchs des franz. Kommiss, de Jou- uenel von arabischer Seite ein Streik erflärt worden ist, um gegen das französische Vorgehen in Syrien zu protestiere«.
Karols Wiederkehr?
General AvereScu al» Kronprinzeafceund.
(Eigener DrabibenckN)
Mailand, 31. März.
Die Nrbernahme der Regierung durch Sen General AvereSeu in Rumänien überrascht die italienische Presse , die die Lage noch nicht für ein Ministerium unter dem unversöhnlichen Gegner BratianuS für reif hält Dina iäit die Wiedereinsetzung de» Kronprinzen Karol in alle feine Rechte für gesichert, nachdem er stet« für AvereSeu gegen Brutto gestimmt hat.
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General AvereSeu, der währe«, des Weltkrieges Korpskommandeur war, schloß 191« den Porsriedensvertrag mit den Mittelmächten, nachdem er am 9. Februar 1918 Ministerpräsident geworden war. Er bat dann in verschiedenen Reaierunaen eine Rolle gespielt. Die ganzen Verhältnisse sind verhältnismäßig chwer zu überblicken Ein Beweis dafür, daß die Lage nickt ganz ohne Gefahr ist. ist Bit Tatsache daß Bukarest tn Alamzustand versetzt worben ist. weil wieber einmal Gerüchte über einen beabsichtigten Staatsstreich im Umlauf sind.
Go war Bismarck..
Der Kanzler plaudert mit bem Hausarzt.
Dl« (»eben erWcaene« „Gttvräche ViSmarckS" (Berlag Otto Stenberg nab feo., Berlins, bl« ein lebensvolles Bild eines «uferet motzten Sptodimcitter entrollen enthalten atu» noch aagebrudte AaS fvrüche des eijetwui Rangiere, die mir an feinem beatmen UL Geburtstag unseren Leiern »erlegen.
Ter Hamburger Arzt Dr. Eduard C o h ett kam als Hausarzt in Friedrichsrnh bald in ein näheres Verhältnis zum Fürsten, der sich ihm gegenüber mit einer selbst bei Bismarck ungewöhnlichen Rückhaltlosigkeit aussprach. Dr. Cohen Hal sich stets sosort Aufzeichnungen gemacht. Unter dem 20. September 1880 berichtet Dr. Cohen: Al» er (Bismarck) in di« diplo- matische Laufbahn kam, war daS Französische Usance, aber nur wenige konnten anständig«» Französisch schreiben, so daß et die Sloten meist selbst verfassen mußte. Nachher habe ex da» abgestellt, verlange aber von Diplomaten, daß sie nicht bloß «ui französisch sprächen, sondern schrieben. Eine Dame empfahl ihm ihren Schn mit den Worten, daß er perfekt ftalienisch, französisch und englisch spräche. BiSrnarck sagt«, dar sei für einen Oberkellner eine ach- lungswerte Eigenschaft, aber znm Diplomaten gehöre auch, daß er gut schreiben könne und sonst ein gebildeter Mann sei. Einer, d«r einen offenen Kops hab« und plattdeutsch spräche, sei ihm lieber als ein Esel, der sieben Sprachen $ Bismarcks Ansichten über den Liberalismus, über Bürokratie und Presse beleuchtet folgend« Aufzeichnung: Er selbst (Bismarck) hatte einen streng absolutistischen Vater, wuchs aber mit enschieoen liberale» Ideen auf. Wäre xr zufällig nach Jena gekommen, so wär« rr m die Burschenschaften getreten und wahrscheinlich hätte er dann mit Fritz Reuter aus der Festung s itz e n müssen. — Die preußisch« Bürokratie sei ihm stets ein Greuel gewesen. Er habe ihr auch aenug zu schassen gemacht Er könne versichern, daß, so lange er an der Regierung bleibe, die liberale Richtung nicht in Gefahr käme.
Der Kaiser habe ihn in den aus- wärngen Angelegenheiten Schwieligleite» gemacht, da habe er ihm geschrieben, wenn er wünsche, daß Bismarck die innere Reform mit Nachdruck in di« Hand nehmen soll«, so müsse er ihm in den auswärtigen Dinge» freie Hand lasse». Der Kaiser habe ihm letzthin einen Bries von zwölf Bogen selbst geschrieben. Da» sei allerdings rührend, aber die Antwort koste entsetzlich v'.e! Zelt. Er könne ihm nicht für alle» und jede» feine Gründe auSeinanderfetzen. Die Hoffprache selbst sei umständlich, er könne nicht einfach sagen: Magistät sind aus dem Holzwege. oder: es ist einfach Blech, waS Euer Ma» leftät sagen, oder: Euer Majestät haben von »er Politik Ansichten eines Quartaner», sondern daS müsse alle» in flut gesetzten Redensarten anfledeutet worden. DaS koste aber sehr viel Zeit. Seit Schleswig - Holstetn habe er ihm alles schrittweise a bring en müssen, und meist gelinge es nur, wenn man immer den KabinetlSrevokver zur Hand habe, itzespräch über den neuen Band. Reden sc» Abgeordneten Bismarck. AIS ich bemerkte, daß er wob! auch nicht alleS wiederholen möchte, was er damals gesagt, meinte er: Beiletb« nicht. eS wächst ber Mensch mit seinen Zielen. BiS 1844 sei er einfacher Landedelmann, gewe» fern der seinen Kohl gebaut hätte und deffen höchstes Ziel gewesen sei, im Lauft bet sichre seine Besitzung zu verbessern und zu ver- irüßern, hie und da eine Parzelle zuzukauftn. Än praktische Politik habe er nie gedacht. D« ibm die preußische Bürokratie immer zuwider gewesen fei. so hätten ihn feine Freunde für einen vorgeschrittenen Liberalen gehalten. Aber das Jahr 48 mit seinen erbärmlichen Phrasen, mit ber Feigheit von oben, bet länzlichen Zerfahrenheit, habe ihn in Wut versetzt. Da habe er sich mit Leidenschaft auf die Politik aeworsen.
Gespräch über bW Abel War mit mir ein» verstanden, hast ber Abel heruntergekommen, nichts lerne, nichts wisse. Aber Bismarck meint, auch die Bürgerlichen täten nichts mehr, wenn ile satt zu essen hätten. ES fehle den Deutfchen überhaupt an Energie sie müßten alle täglich eine halbe Flasche Champagner trinken. Der Hofadel hänge a» armfeligen Aeußer« l’drffitett, und der alte hob« Adel habe einen entsetzlichen Dünkel und Hochmut und poch« ruf den alten Stammbaum.
In einer Unterredung vom 6. Januar 1881 äußerte sich Fürft Bismarck sehr freimütig über das Parteiunwesen. Er, BiSrnarck, könne mit den zetzt verwickelten Parteien nicht» a n f o n g e n. Die einzige Pattei, die eine Majorität hüben könne, sei das Zentrum, und