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Kasseler Neueste Nachrichten

einmal dorthin, zum

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Knigge im Kino

ölche Gabr« ans Licht.

Fehrenbach t.

Sn oer Ba!-re des Verstorbene«.

2. Beilage.

Sonntag, 28. Marz 19"6.

Nr. 74.

Sechzehnter Jahrgang.

Die ideale Frau.

Eine von außerordentlich vifelen Ansichten.

Die Raupenbahn hat sich rasch ohgehäuiet. Unsere Kasselaner trauten der Sache nicht. ,91«?,* »i» Aiihf*»-* t>on den Mejjebummel-

Seitdem Balzac die »Frau von dreißig

Jahren- und Bourget die toon vierzig enthcdte. baden Vie

lageS. Oilenkundige Ungeschicklichkeiten und bedauerliche Mißerfolge können das Gesamtbild nicht trüben und nichts an der Feststellung ändern, daß Fehrenbach fltti ein Kämpfer für Recht upd Freiheit des Vaterlandes gewesen ist. Im Anschluß an das Vorstehende verwei­sen wir unsere Leser auf die neuen Nachrichten über Fehrenbachs Ableben.

hat A>l seiner Stelle laufen . . . Esel! Immer rin in die Manege . . . Erwachsene werden ge­beten. sich vorher ncch einmal im spiegel zu dc- tiadrten . . . man kann nie wissen . . . die Ver- wechselungsgesahr ist bei solchen Reittieren groß!

Auevandalen und häusliche Krabehler können sich ausbildcn imalles kaput schmeißen . . Krach, immer mang das Porzellan, je vrehr Schechen, desto mehr Glück. Auch em . . .Heb Aua und Hand .. .1* Und nun wollen die Messe- onkcls den FriedrichSplatz haben . . . Messerummel rings um den steinernen Fried­rich . . . eine bekannte Persönlichkeit, die des­halb bekragt wurde, lehnte entrüstet ab.Tas fehlte grade noch . ._. wo sollen dann die Exmit- rietten mit ihren Möbeln hin?!

Das war für mich die rechte Zett zum . . . Rodeln! Von elf Meter hoher Schanze gmgs in sausender Fahtt abwärts über Geländebucke, lung hinweg zu .glatter* Landung ... der Rodelschlitten stand . . . wir l a g e n! DaS war nicht in Gannisch, das war nicht in Oberhof, das war im Weichbild der guten Stadt Kastel, das war aus der . . . Messe! Noch einmal waren wir auf der Leisterschen Wiese, fuhren turchs Wasser, besahen dieberühmtesten Attrakttonen* und ließen unS di« Zukunft saaen . . . nein, ich verrate nichts . . . o Gott, was habe ich noch alles zu erwarten!

Kasseler Merlei.

. . . kommt doch der Lenz gegangen! / Beim Rodeln. ' Vom Pferd auf den Esel. / Großes Strrichlonzert im Rathaus. / Kein Geld...!

Der Frühling kam mit Sang und Klang und wer sich morgens am Nullpunkt einen Schnupfe:-, hott, turicn ihn in der Mittagssonne wieder aus. Die Schwäne der Auegewäiser sind wieder losackassen und aus dem Bassin wird gegonoelt. Sogar die Wagen mit Speiseeis sind schon da.. der FriedrichSplatz wimmelt nur so von solchen, die in Sonnenschnsucht leben, die ersten weißen Röcke gibts zu sehen und die ersten Hutlosen... wenn doS kein Frühling ist, dann . . .!

Anmut aber selten ausgeprägte Persönlichkeit und deshalb kann daS junge Mädchen den an­spruchsvollen Mann aus die Dauer nicht fei* sein Diemittelalterliche* Frau aber besitzt in ihrem Auftreten eine Suggcttivkrast, die auf den Mann auch dann den Eindruck nicht der- sohlt, wenn die Frau im körperlichen sinne nicht mehr anziehend tfL Die reife Fran hat bereits viel erlebt; sie ist ruhig geworden und duldsam; sie will nicht mehr mit ihrem Kopf durch die Wand, sie weiß auf den Mann einzu. gehen, sie versteht ibn und ist ihm die beste Gr- lähttin Das weibliche Geschleckt hat Vie Ga­be, sich so harmonisch und allseitig auszubilden, wie eS dem Mann nur selten gelingt. Rwon de Sennles sah nock mit 80. Jahren die Man- nerwelt zu ihren Füßen. Dte glücklichsten Ehen sind durchaus nickt immer die, die man Anfang der Zwanzig eingeht. Die Frau tu reiferen Jahren bringt dauerhaftere Werte in dte Ehe, die nickt so rasch verfliegen wie em hübsches Gesicht und eine gute Figur Sie wird häufig ihres Erfolges sicher sein, wo Schönheit und Jugend versagen.

Jede? Altor der Frau hat seine Reize aber die beständigeren zeigen sich erst in höheren Jahren. Die Ent-altung einer eigenen Per- sönlichkeit, die nach Goethehöchstes Gluck der Erdonkinder* ist, verleiht besonders der Frau einen nie versagenden Zauber: sie erhält da­durch in ihrem Auftreten, in ihrer Unterhal­tung und in ihrem We'en eine Grazie, die sie auch ne* im Alter verführerisch erscheinen laßt. Diese Eigenschaft ist es, die so häufig der rei- en Frau alle Huldigungen zuträgt, auch wenn ic fick in einem KrciS von jüngeren Damen be- ludet. Nur Reise und Erfahrung bringen

Jahren* entdeckte, haben die MSnnrr immer,Unsere Kasselaner tr mehr Verständnis für die Dame in reiferen sagte eineHübsche' - ....

Jahren bekommen. Wenn sie zu den seelischen Abonnenten,ma toffen uns mdd Zudecken < Da und den Charaktereigenschaften, die nur eine hals nicht einmal der Hinweis aus einefuß« fänaere Erfahrung und eine geschlossene Welt- Minute* . . .Ganz zu ging eS ja nichr.

Der frühere Reichskanzler Konstantin ~ e h- renbach ist Freiing mittag, wenige M ttcn vor drei Uhr sanft entschlafen, ohne das Be­rn ustsen wiedererlangt zu haben, Im Dterbe- zir mrr weilten sämtliche Angehörige.

Konstantin F ehrend ach, der dritte Reichs­kanzler der deutschen Republik, wurde am 11. Januar 1852 zu Wellendingen im badi­schen Gchwarzhald geboren. Er studierte zu­erst Theologie, dann Jura, war Stadtrat in Freiburg L B, gehörte 1913 dem badischen Landtag an. dessen P r ä s i de n t et von 1907 bis 13L9 war. Seit ISO?, gehörte er als Zen- trumsabgeordnerer dem Reichstag an, desseit Präsident er 1918 wurde, mit dem 14. Februar 1919 wurde er Präsident der Rational« Versammlung. Er leitete dies Amt unter Wuierigften Verhältnissen mit großem Geschick. Rach den Reichstagswahlen im Juni 1920 bil­dete Fehrenbach den sogenanntenBlock der Mitte. eine M i n d er h e it S k o a li t io n aus Zentrum, Vollspartei und Demokraten, für deren Regierungss rogtamm er aber auch die Zustimmung der Sozialdemokraten zu erlangen Wußte.

In die Zeit der Regierung Fehrenbach fällt die Konferenz von Spaa. die u. a. die Herab­setzung der Reichswehr aus 100 OOO Mann sost- leflte. Fehrenbach führt« in Spaa die ersten unmittelbaren Verhandlungen mit den Regie­rungshäuptern der Entente. Die Reparations­frage blieb in Spaa offen und wurde, nachdem auch hie Londoner Konferenz kein Ergebnis ge­zeitigt hatte, durch das bekannte Londoner U l i im a t u m zunächstgereglt*. Diesem Ul­timatum unterwarf sich Oie Regierung Fehren- dach n i cht, sie heMoß am 4. Mai 1921 --- »inen Tag, bevor die Londoner Konferenz die Ent­scheidung in ultimativer Form traf, einstimmig den Rücktritt. Die Regierungskrise wurde dann durch die Bildung des Kabinetts W i r th beendet. Fehrenbach übernahm Ende 19-23 an Stelle von Marr die Leitung der Zen- trumsfraktion.

Ueberall unbestritten ist Fehrenbachs gutes Wollen, seine Persönliche Unantastbarkeit. Sein geben wat ein Leben für sein Volk, ein Leben im Dienste seines Volles. Er War einer der Hüter der Ordnung und Würde des Reicks-

W!e man sich vor der Leinwand benimmt.

Der selige Kriegs- und Domänenasiessor Adolf von Knigge ist zwar nie ins Kino gegan­gen, aber deshall» bat er doch sein welchttmntes Puch über denUmgang mit Menschen* auch für dte Kinobesucher geschrieben, denn hier sind trotz der Verschiedenheit der Zeiten gewisse ollge- mein gültige Regeln festaeholten, die der Mensch immer int Verkehr mit den Mitmenschen b her- nnett sollte. Pa die schlechten Manieren im Kino leider international sind, fo gilt auch bei nnS dis Schilderung, dis ein englischer Schriftsteller von dem Kinovublikum entwirft.

Ein Prediger des guten Tons würde im Kino gar vieles zu tad ln wissen; er würde feststellen, daß die Gewohnheit, die Titel laut zu lesen, für die in der Nähe Sitzenden nicht gerade an­genehm ist, und er würde den Kinobesuchern einschärfen, daß alle Menschen s hen und die meisten tonn ihnen auch selbständig lesen können. Rur in Japan ist cd noch der Brauch, daß die Titel von einem befonberen Angestellten laut voroelcsen werden Bei unS war das in den Kindheitstogen übl'ch, ist aber heute längst ab» aekomm n. Laute Bemerkungen über die Film­handlung sind ebenfalls wenig angebracht. Man sollte nickt gerade bann, wenn die Spannung im Filmdrama ihren Höhepunkt erreicht hat, mtt Ungestüm in ein? RBbe eindringen und fätnt» s,che Sitzenden zum Al'fstehen zwingen, um ei­nen noch in der Mitte freig bliebenen Platz ge­räuschvoll einzunehmen. Auch sind die Füße der anderen nttftt gerade diejenigen Stellen, auf die man mit Vorliebe treten darf. Ebenso darf man das Dekorieren des Platzes mit Mantel. Hut. Pel-boa ufw. nickt foto tt treiben, daß der Dahintcrsitzende ständig dadurch belästigt wird.

Beim Verlassen des Saales sollte man nicht gerade durch das dickteste Gedränge sich mit aller Gewalt den Weg bahnen, um ein va»r Se­kunden früher heraus,»kommen. Da? Essen im Kino betreibe man so geräuschlos wie möalick: auch Ist es nicht erwünscht, daß M"n da.s Papier, in das man fein Brot eingewickelt hatte, auf der Erde verstreut oder die Avsclsinenfch'len «egen läßt. Es gibt auch eine Grenze für das innige Zufommenstecken der Köpfe, da.s vielleicht für die Beteiligten sehr anaenebm ist, ober den Dahinterfitzenden die Möglichkeit nimmt, durch den Zwischenraum hindurckzusehen. Unterbot» mngen sollen, auch w-nn eS sich um die wichtig­sten häuslichen Angelegenheiten bandelt, mög­lichst letse geführt werden, denn nicht immer In» ter ssisrt die Umsitzenden mehr, was Tante Ber­tha macht und wieviel der neueste Hut gekostet hat, alS der Film selbst.* Barry.

Zurück in die Stadt. Im Rathaus wird gioßeS Streichkonzert veranstaltet mit Liedern . oh ... der Tert ist von dem Dezer­nenten, die Musik von der Etattommission. Uno wie gestrichen wird. Der arme Dezernent, dem einfach eine ganze Million gestrichen wird . . . wo schiebt er sie nun wieder unter?

man munkelt, daß eine Probeeinäfcherung- im Krematorium vorgenommen werden soll . . . vorgesehen sind all die Wünsche und Hoffnun­gen aus der Bürgerschaft, die zu riesigen Men- bündeln angewachsen sind. Die Etatredner seien gewarnt ... die Hauptsache ist jedenfalls . . der Etat ist wieder hübsch stimmend . . ge- macht!

Das Rathaus wurde zur Arena ... zur Streichmusik gibt es noch Jongleureinlags ... und wie wird jongliert mit Zahlen. Und da außerdem noch Arbeitslosen-Demonstration an» gekündigt tooroen ist

. . . wir fangen diestille Woche* wirflich würdig* an!

Ma» sollte nicht «vr^.ParsifalS* absetzgn...!

Do löst der Frühling ungeahnte Kräfte; aus- Richt nur das, auch Kasfechausbesitzer. Mein Freund Henner Cc-efter imSchmoll" denkt.ckvn an seinen großen Umzug. Er denkt aus Pflücken seiner Rosen von Varasdin, um damit nach den Bürgersälen zu ziehen! Und wenn das Herz auch bricht . . . schmolle nicht!

Leerer wird es schon in den Lokalen, Müde gähnt darin die Einsamkeit Und die dünnen Geldbehcflter träumen Von vergangner guter alter Zett. Jeder Kaffe!aner fühlt sich wchl jetzt Wie im Fuldabett der nasse Fisch . .. Endlich ist das Ideal geschaffen . . . Jeder Gast hat seinen eignen Tisch! Seht da sitzt er seine langen Stunden Mit Geduld und leerer Tafle ab Und ergibt sich holden Frühlingsttäiimen, Denkt an Rucksack, denkt an Wanderstao. Ja. er denkt der starken Lebenskräfte, Denkt wie alles knospet, alles schwellt Und... ob nicht ein solches Frühlingswerden Ihm könnt blühen... ihm und seinem.. Geld; Geld... das ist die große Zauberformel, Alles Hoffen ist dann versteckt . . .

Kommt nickt bald ein solcher Frühlingsrcgen Gute Nacht ..dann sind wir...eingeweckt! Es ist so gar nicht vorosterlich in Kassel. Der Osterhase wackelte, als er mir seinen Antritts­besuch abstattete, verdächtig mit den langen Löf- fein. Auch er meint, das Kasseler Großstadtleben licae im erschlaffenden -. . Sommerschlaf! Gute Nacht..ck R. H.

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