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Mittwoch. 24. Mär, 1966.

Kasseler ReaeSe Nachricht«

16. Aahrsms. Ht. KL

ölbg. Dr. Breitscheid(Soz.)ausdrücklich auf das Wort zerzichtet hatte. Graf Westarp führte aus: Wir lehnen mit Schärfe den Opti­mismus ab, der den Versuch macht, die Genfer Vorgänge zu beschönigen oder gar als einen Er­folg der Genfer Politik hinzustellen. Mit Em­pörung erfüllt uas, was der Völkerbund als Ganzes, was insbesondere auch die Vettrags- gegner von Locarno Deutschland vor und bei den Verhandlungen in Genf zugefügt haben. Ms eine Demütigung empfinden wir es, daß die deutschen Unterhändler trotz aller Anregun­gen und Zusagen der Gegenseite mit ihrem Aufnahmegesuch in Genf zebn Tage lang haben warten müssen, um unverrichteter Sache wieder abzuziehen. Hat der Herr Außenminister die Politik von Locarno und Genf eingeleitet und federführend betrieben, so ist der Herr Reichs­kanzler Träger der gleichen Politik nicht nur, weil er nach der Verfassung für deren allgemei­ne Richtlinien ist, sondern weil er sie durch seine Teilnahme an den Verhandlungen in Locarno, London und Genf auch bis in die Einzelheiten hinein sich zu eigen gemacht hat. Jeden Versuch, das Schicksal und die Verantwortung der beiden Herren zu trennen, lehnen wir ab. Gemeinsam war die Arbeit der beiden Herren, gemeinsam ist der Erfolg oder Mißer­folg. Wir sehen lediglich einen

vollen Zusammenbruch, einen Deutschland schwer schädigenden Mißerfolg

der Völkerbundpolitik Luther-Sttesemann. (Sehr war, rechts.) Wir müssen das Verhalten der beiden deutschen Delegierten ebensao m i ß b i l - Ilgen, wie wtr ihr Verhalten in Locarno miß­billigt haben. Wir sind durch die Ereignisse von Genf noch darin bestärpt worden, daß der Weg in den Völkerbund hinein ein falscher ist. Des­halb beantragen wir die Rücknahme des deutsche» Eintrittsgesuches. (Lebh. Beifall.)

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Eine Lehre für den zweiten Gang

Abg. Dr. Haas (Ztr.): Wenn vor Deutsch­land und der Welt die Frage aufgeworfen wird, ob die Vertragsgegner Deutschlands in der Fortsetzung von Locarno das erforderliche Maß von ehrlichem Willen und konsequenter Ver- tragstteue gezeigt haben, wer wagt diese Frage mitla" zu beantworten? Die Rückwir­kungen, die aus dem Geiste von Locarno und den Zusagen Briands gefolgert werden mutz­ten, haben nicht das Ausmaß angenommen, das der Größe des damaligen politischen Umschwun­ges und der von Deutschland gebrachten Opfer entsprach. Die Grundursache für den üblen Ausgang in Gens liegt darin, daß man ohne ir­gend einen erkennbaren Wink in Locarno bereits hinter unserem Rücken mit Polen Händedrücke austauschte und ihm einen Sitz im Völkerbund versprach. Chamberlain ist bei feiner Rückkehr von der Patt-Konferenz in Locarno von den englischen Politikern wie ein Fürst gefei­ert worden, der Kontrast zwischen damals und heute ist mit Händen greifbar. Genf kann für alle eine heilsame Lehre darstellen. Nach dem vergeblichen erste muß der notwendige zwei­te Gang nach Genf gedeckt werden durch Ga­rantien, die in bindender Form derartige Mög­lichkeiten ausschließen, wie sie sich dort zeigten.

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Wenn w e wieder noch Genf gehen

Hoffentlich besser vorbereitet!

Abg. Frhr. v. Rheinbaben (Vpt.) billigt die Haltung der deutschen Delegation in Genf. Wir haben auch ein deutsches Interesse daran, daß die Locarnoverträge recht bald rechtlich bin­dende Kraft erlangen. Diese Verträge sind ein Stück des Befreiungskampfes, den Deutschland führt. Die Unehrlichkeit und Illoyalität unse­rer Gegner in Genf waren vorhanden und konn­ten von uns nicht mit gleichen Mitteln überwunden werden. Die Außenpolitik sollte endlich dem Parteigezänk entzogen werden. Wir sollten erklären, daß die Ausnahme P o l e ns in den Völkerbund für uns eine außerordentlich schwere Belastung bedeuten würde, weil

Polen sich Deutschland gegenüber niemals auf den Rechtsstandpunkt gestellt hat. Wenn Deutsch­lands Eirttritt in den Völkerbund überhaupt noch einmal in Frage kommt, dann nur nach festen Sicherungen gegen eine Wiederholung olcher Dinge, wie sie in Genf vorkamen. Auch wir halten den Völkerbund in seiner jetzigen Form für den Hort der Scheinheiligkeit und der Intrigen. Um diesen Zustand zu ändern, müssen wir gerade hinein in den Völ­kerbund, denn wir dürfen dem Kampf um un­sere Geltung nicht schwach und feige ausweichen. (S. a. den heutigen Leitartikel.) Abg. Stock- k e r (Komm.) verurteilt das Verhalten der deut- schen Delegation in Genf und warnt vor dem Eintritt in den Völkerbund. Genf bedeute den vollständigen Schiffbruch des Völkerbundes. Der Geist von Locarno habe sich als eitel Schwindel erwiesen. Herr Stresemann ist in Genf von Chamberlain jämmerlich belogen und betrogen worden. Der Völkerbund hat sich wieder als ein Machtinstrument der Entente ge­gen die schwächeren besiegten Staaten und ge­gen Sowjetrußland erwiesen.

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Schafft einen neuen Völkerbund!

Zuspruch und Einspruch von rechts und links.

Abg. Graf v. Bernstorff (Dem.): Von einer deutschen Niederlage in Genf kann man nicht reden. Der Völkerbund hat aller­dings eine Niederlage erlitten und ist in eine schwere Krise geraten. Eine Reform des Völkerbundes liegt gerade im deutschen Inte­resse. Der Völkerbund war bisher gefährlich als Machtinstrument der Siegerstaaten. Das würde sich aber nach Deutschlands Eintritt än­dern. In der Frage der Ratssitze ist gegen Deutschland mindestens ein Versprechensbruch, wenn nicht ein Vertragsbruch begangen worden, ebenso von Brasilien ein Wort- bruch. Wir haben bisher wenig gesehen von der höheren Moral, die die Anderen immer uns gegenüber für sich in Anspruch nahmen. Genf hat bewiesen, daß der Völkerbund mancher Reformen bedarf. Deutschland kann aber in seinem eigensten Interesse nicht von jener Ver­ständigungspolitik abgehen, die den Eintritt in den Völkerbund notwendig macht. (Beif. b. d. Dem.). Abg. Dr. Bredt (W. Vgg.): Dem Reichskanzler trauen wir zu daß er in die Kom­mission geht und uns dann wieder vor fer- tigeTatsachen stellt, wie in Locarno, wo es auch mit einer harmlosen Kommission angesan- gen hat. Wir dürften unter keinen Um­ständen damit einverstanden sein, daß die Bedingung der Einstimmigkeit der Beschlüsse aufgehoben wird. Solange diese Bedingung besteht, bietet uns das Veto Brasiliens einen ausgezeichneten Präzedenzfall für die künftige Vertretung unserer Rechte. Deutschland muß jetzt abwarten, wie der Völkerbund seiner inne­ren Schwierigkeiten Herr wird. Ein Eintritt kann erst in Frage kommen, wenn wir wissen, wie der Völkerbund sich weiter entwickelt. Abg. Graf v. Lerchenfeld (B. Vpt.): Die Her­ren Luther und Stresemann sind in Genf etwas zu optimistisch gewesen. Wenn die Bayerische Volkspartei trotz dieses Mißerfolges der Billi­gungsformel zustimmt, so tut sie es, weil sie die Fortsetzung der Außenpolitik wünscht, deren Ziele sind: Los von Versailles auf friedlichem Wege, Herstellung und Wahrung von Freiheit und Gerechtigkeit, Ausmerzung des BegriffsBesiegte und unterdrückte Völ- kr". Die Weiterberatung wird auf Dienstag und zwar 11 Uhr vormittags vertagt.

Kutisker gegen De. Unblutig.

Eine interessante Beleidigungsklage.

Berlin, 23. März.

Iwan Kuttsker trat gestern gegen die Kukirol- fabrik, gegen Dr. Unbluttg als Kläger auf. Kuttsker hielt sich durch einige von der Kuttrol- sabrik veröffentlichte Reklame-Illustra­tionen beleidigt, in denen er als Schieber,

Wucherer und Ausbeuter charakterisiert worden ei. Seine Anwälte verfochten die Ansicht, daß ihr Klient durchaus nicht nötig habe, sich das ge­fallen zu lassen. Bisher sei nichts erwiesen, was derartige Ausdrücke rechtsettigcn könne, also müsse der Beklagte bestraft werden. Der Ver- leidiger Dr. Unblutigs meinte, in der Hauptver- handluug gegen Kutisker würden vielleicht Dinge zur Sprache kommen, die den Ausdruck Schteber noch als einen Ehrentitel erscheinen ließen. Man müsse die Strafakten gegen Kutisker etwa vierzig Bände herbeiztehen und den Vorsitzen­den des Untersuchungsausschusses als Zeugen und Sachverständigen vernehmen. Schließlich wurde die Beleidigungsklage ausgesetzt, bis zur Beendigung der Hauptverhandlung in der Sttafsache Kutisker und Genossen.

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Um 24 Millionen ärmer.

Berlin, 23. März. Laut Preflenottz gibt die preußische Staatsbank den Gesamwerlust von rund vierundzwanzig Millionen Mark an Kutisker, Barmat und Holzmann bekannt. Die Gebrüder Barmat haben bereits wieder zwei neue Erwerbsgesellschaften gegrün­det und ins Handelsregister eintragen lassen.

G tickstage am Rh-in.

Rheydt, 23. März.

Brausender Jubel der befreiten Städte.

Zur Begrüßung des Reichspräsidenten durch den Oberbürgermeister und die Spitzen der Be­hörden hatten sich gestern etwa tausend Personen auf dem Bahnhof eingefunden. Auf dem Bahn­hofsvorplatz hatte sich eine nach Tausenden zah­lende Menschenmenge versammelt, die, als sich der Reichspräsident zeigte, in brausende Hurrarufe ausbrach uitb das Deutsch­landlied anstimmte.

Auf die Begrüßungsansprache dankte Hinden­burg uit folgenden Worten: Ich weiß daß ihre gewerbeflcißigc Industriestadt in den letzte» Jah­ren schwere Zeiten durchgeuacht, und daß alle Kreise der Bevölkerung hart gelitten haben. EL ist mir aber auch bekannt, wie treu und unver- zagt alle Bewohner Ihrer Stadt durchgehalten und wie sie echten Baterlandssinn durch die Tat gezeigt haben. Ich spreche ihnen hierfür namens des Reiches Tank und Anerkennung aus und freue mich, die Vertreter der Stadt auch persön­lich kennen zu lernen. Unter den Klängen der Musik und brausenden Hochrufen erfolgte bald darauf die Weiterfahn nach MÜnchen-Glad- b a ch. Den Bahrkörper entlang bildete eine dichte Menschenmenge und die Schuljugend Spalier.

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Roch zwei treue Rhein öchter.

Dank und Gruß an München-Gladbach.

Auch in München-Gladbach wurde der Reichspräsident mit brausenden Hochrufen und mit Ansprachen begrüßt, in denen die unver­brüchliche Stammes- und Blutsgemeinschaft von Rhein und Reich betont wurde. Der Reichspräsi­dent dankte u. a. mit folgenden Worten:

Auch Sie, meine Herren, haben schwere Zei­ten hinter sich, aber Sie haben sie in tapferer vaterländischer Haltung und in musterlfastcm Zuiammenhalten durchgekämpft. Es ist mir eine besondere Freude, Ihnen hierfür auch persönlich danken und meine Befriedigung aussprechen zu dürfen. Bleiben Sie dem Geiste, der Sie in die­sen Jahren der Not geleitet hat, auch ferner treu, so wird München-Gladbach, das in der sozialen Bewegung Deutschlands eine so wichtige Rolle inne hat bald feine Wunden geheilt haben und wieder machtvoll unter den rheinischen Städten dastehen." Der Reichspräsident brachte zum Schluß ein Hurra aus das deutsche Vaterland aus. Nach 15 Minuten Aufenthalt fuhr der Reichspräsident unter den Klängen des Deutsch- landSliedes nach Krefeld weiter.

Bei einem Abendessen in Krefeld brachte Oberbürgermeister Dr. Johannsen einen Trinksprnch aus, aus den Hindenburg mit war­men Motten, in denen er das Wohlergehen Kre­felds feierte, erwiderte. Als Hindenburg in der

Stadthalle eintras, wollten die O v a l i ont » kaum ein Ende nehmen. Hier ergriffen Oberbürgermeister Dr Johannsen und Reichs- arbeitsminister Braun das Wort. (S. a. L s)

Aus vollilk und Wirtschaft.

Auck den Zeitungen geht es schlecht. Seit dem 1. März haben dreizehn Zettungett und Zeitschriften im Rheingebiet die Gcsckafts- aufstcht beantragen müssen, lieber die Rostocker Zeitung wurde gestern der Konkurs verhängt.

Ein Kindesmörder als Abgeordneter. Bei einer Pariser Nachwahl wurde ein gewisser Henri de St eriIIt in die Kammer gewählt, der als Fliegeroffizier während deS Krieges den Zirkus Hagenbeck mit Bom­ben bewarf und dadurch den Tod von 257 deutschen Kindern herbeigeführt hat. Er kommt in Stichwahl mit einem Kommunisten. Im Wahlfeldzug hat sich Kerelli als wüster Deutschenfeind betätigt.

Die jüngste deutsche Provinz. Der preußische Versassungsausschuß bestimmte betreffs der Provinzen Ober- und Niederschlesien, daß die schlesische Lebensversicherungsanstalt eine ge­meinsame Einrichtung beider Provinzen werden soll, ebenso die schlesische Provinzialhastversiche­rungsanstalt. Das Gesetz soll am 1. Thril 1926 in Kraft treten. , _

Der neue Saar - Präsident... ein Kanadier. Der Vötterbundrat ernannte gestern zum Nach­folger des bisherigen Präsidenten Rauft den Kanadier Stephens, der bereits seit mehreren Jahren der Regierungskommisston angehörte, zum Präsidenten der Regierungs­kommission des Saaraebiets.

Wie sich der Aankee vermehrt. Am 1. Juft 1926 wird Amerika voraussichtlich 117136 Oft) Einwohner gegenüber 113 493 720 im Jahre 1925 haben. Seit 1920 hat sich die Einwohnerzahl jährlich um etwa zwei Millionen erhöht.

Neues aus KM.

Die Leute von der Messe.

Gibt es keinen geeigneten Messeplatz?

In der Schützenhalle kamen die Messeleute zu einer Versammlung zusammen und schütte­ten ihre Herzen aus. Vermißt wurden Vettre- ter der Stadt. Zunächst gab es Beschwerden über zu hohe Budenpreise und Platzgelder. In Leiner Stadt Deutschlands feien die Preise der­art hoch. Obwohl, so fragte man, ein seßhafter Geschäftsmann für 16 Quadratmeter auch 75 Atk. pro Woche bezahlt? Bei der allgemein schlechten Geschäftslage sei es an der Zeit, auch in Kagel abzubauen, anstatt die Preise von Messe zu Messe höher zu setzen. Nach ungefährer Schätzung bleibe für die Stadt Kassel zu jeder Messe ein Ueberschuß von rund 10 000 Mk.! Und da werde stets behauptet, die Messe rentiere sich nicht!

Gerave über diesen Punkt gab es, wie immer in solchen Versammlungen, eine lebhafte Aus­sprache. Man rechnete aus, daß viele Fremde allein zur Messe nach Kassel kommen und alle:: Geschäftsleuten zu verdienen geben. Das sei ein Beweis dafür, daß die Messe noch für alle Teile zu recht bestehe I Es wäre nur bedeutend schöner, wenn Schau- und Verkaufsmesse zu­sammen liegen würden. Beschämend fei es für eine Stadt, daß sie nicht mal einen derart geeigneten Platz zur Verfügung stellen könnte. Der Ueberschuß könnte sich dann verdoppeln, aber, so bemerkte man ironisch, die Stadt braucht ja kein Geld! Das gesamte Bild der Messe sei bis auf den Ständeplatz zwischen Wilhelms- und Theaterstraße unverändett geblieben, ein Cafe durch riesenhaften Aufbau einiger Buden gänz­lich verschwunden.

Und dann das unheimüiche Bild zur Nacht­zeit ... es steht fast lebensgefährlich aus . . . der halbe Bürgersteig ist durch Buden verstellt, die teilweise mit alten Lumpen behangen sind! Ursprünglich sollten dort nur sogenannte Neu- heitenverkäuser mit Tischen stehen, die nachts weg­geräumt werden, aberunfachmännische" Platz-

Unerfüllbar.

Die Geschichte eines Testaments.

Sali Ben Rabun war gestorben. Er war ein reicher Mann, besaß große Güter und alles, was sein Herz begehrte. Aber er hatte ein böses Weib. Im seinem Testament bestimmte er nun, daß seine Frau erst dann In den Besitz des Genusses seines Vermögens gelangen solle, wenn sie einen Manu gefunden habe, der ihm vollständig glich. Sali Ben Rabun war stark von Leib, mußte eine Riesenbrille tragen, er trank nur Wasser und Milch und betete den gan­zen Tag.

Das Testament, auf dessen genaue Vollftrek- kung der Richter als Freund Beu Rabuns genau achtete, sprach sich im Lande umher. Alles was hinkte und Brillen trug, nur Wcssser und Milch trank, meldete sich bei der Witwe. Aber so gern sie diesen oder jenen als Gatten genom­men hätte, immer hatte der Richter etwas aus- zusetzen.

Da klopfte einst ein Bettler an der Tür der Witwe. Er war wie alle Betllettwohlbelcibt, trug eine große Brille auf der Nase, hinkte aus dem linken Fuße, und als ihn die Witwe lieb­reich fragte, was er trinke, antwortete er ihr in sanftem Tone, daß er niemals einen Trollen Wein, nur immer Wasser und Milch getrunken habe und daß die Moschee sein liebster Aufent­halt wäre. Die Witwe nahm den Mann in ihr 5>aus, kleidete ihn prächtig und stellte ihn schließlich dem Richter vor, der die Bedingung des Testaments erfüllt sah und der Witwe das Vermögen auslieserte.

Jahre vergingen. Der wohlbeleibte Bettel­mann wurde immer magerer und suchte oftmals Rochem, den Frankenwirt, auf, von dem er sich spät abends in schwankendem Schritt entfernte .£ft gab es Zank im Hause der ehemaligen W'twe, und die schrille Stimme der Reichen übertönte die sanfte des Bettlers.

Eines Tages starb die Frau des Bettlers plötzlich nach längerer Krankheit. In ihrem Testamente aber hatte sie bestimmt, daß ihr Mann erst dann in den Besitz des vollen Genus­ses ihres Vermögens gelangen könne, wenn er

»ine Frau gefunden hätte, die ihr vollkommen gleiche.

Als ihr Mann von dem Testament erfuhr, legte er seine schönen Kleider ab, zog seine alten Lumpen wieder an, nahm seinen Bettelstab aus der Ecke und wanderte hinaus aüf die Land­straße. Die Mädchen des Ortes liefen dem Wahnsinnigen nach, bis sie ihn an einer Moschee erreichten, wo er betend ausgestreckt lag. .Gleich ich nicht deiner toten Frau?" fragte die Eine, ein liebliches Geschöpf von sechzehn Jahren. .Bin ich nicht so wie deine verstorbene Frau?" fragte die Zweite, eine dralle Schönheit mit kohlschwarzen Augen.Und komme ich denn nicht in Betracht?" fragte die Dritte, eine reife Dame mit üppigem Körperbau. Der Bettler lag noch immer am Boden und betete, da nahte ein keifendes Weib, das ihn mit dem Fuße trat und ihm bedeutete, daß er auf ihrem Bettelplatz liege und ihr Geschäft störe, für das sie dem Moscheediener im Jahre viel bezahlen müsse. Ihre Augen zeigten einen bösen Blick und ihr Mund schien Gift und Galle zu speien. Der Bettler erschrak, ergriff seinen Stab und ent- ftoh, und dankte Gott, daß der Richter nicht in der Nähe war. Tann wäre er verloren gewesen.

Peter Prior.

Rur ein Traum

Ein Ehclnstspiel im Kleinen Theater.

Dies Lustspiel Lotbar Schmidts hat den Vor­zug, v o r der Hochflut der seichten, sranzösischcn Scbwänke entstanden zu sein, die die deutschen Theater seit Jahren Überschwemmen. Es ver­sucht nickt. Wie das Verneuil-WildescheMan soll nicht heiraten", die Armseligkeit der Hand­lung durch geistlose Pikanterie zu Würzen Jongliert nickt aufdringlich mit dem Ebeb'.ucks- ihem.., der letzten Zuflucht der heutigen Lustspiel- dichter, sondern zieht nur die lustige Konsequenz ans einer Eheentgleisung, die mehr der verfüh­rerischen Luft einer Maiennacht als der Leickt- lebigkeit der beteiligten Personen zuzu­schreiben ist.

Da der flüssige Dreiakter in erster Besetzung unter Chmelnitzkys geistvoller Regie aus einem geschmackvollen Hintergrund sich abspielt, ist man

zwei Stunden restlos vergnügt. Hans Clasen, erst erfolgreicher Liebhaber, dann Ehemann in Gewissensnöten, betont den ergötzlichen Gegen­satz zu dem vitaleren Junggesellen und Haus- sreund, dem Walter Krausbauer einen Stich Naturburschentum gibt. Elfriede Wcdow ist die Frau, um die sick alles dreht, die ihren kleinen Fehltritt ihrem Mann alsTraum" gesteht und mit ihren liebenswürdigen Spielmitteln den dezenten, aber fröhlichen Ton des Stückes an­gibt. Lissi Rimböck sprudelt frisch undweane- rifd)" in die Maiszene, Willi Braune formt knapv und drastisch seine kurze aber wirksame Rolle. Georg Schiff Platzt mit seiner Rekruten- Schabloue etwas unvermittelt in die verliebte Lustspielatmosdhäre. Wir wünschen dem unter­haltsamen Lustspiel ein langes Leben. V.

Konzert des Ora orienverelns.

Mozarts Requiem in der Lutherkirche.

Tas zweite Konzert des Oratoricnvereins batte am Sonntaa abend eins andäcktige Zu­hörerschaft in der Lutherkirche versammelt. Das Programm hrachie aussckließlick Werke' von Mozart: nach der maurerischen Trauermusik und dem ChorLaudate bominum* das Regniern, dessen Entstehung int Leben des dem Dasein so liebevoll hingegebenen Komponisten eine symbo­lische Rolle spielte.

Das Orckester des Jnstrumentalvereins Kas­sel wurde unter der geschickten Leitung des Mu­sikdirektors Hallwachs seiner Aufgabe, die Mo- zartsche Musik in ihrer adligen Innerlichkeit zu gestalten, aut gerecht. Und auf der sicheren Grundlage des Orchesters vermockten die Sän­ger des Oratoriumsvereins einen schön ausgcgl. Chorklang zu entfalten, wenn sick auch zuzeiten ein gewisses Uebergewicht der Frauenstinrmcn bemerkbar machte, das manchmal die Männer­stimmen, einmal auch wohl das Orchester leicht beschattete Im übrigen verdient der Chor alle Anerkennnug, namentlich auch für die sickere und klare Gestaltung konttapunkttscher Stellen.

Auch bie; Solopartien lagen in guten Händen Allerdings überwog die Sopranistin Elisabeth Pennrich ihre Partner Dela Gott helft (Alt), Mar Hafet (Tenor), Kurt Griebe

(Baß) immerhin merklich an Stimmfülle und -schönheit. DasTuba, mirrnn" kam anfangs etwas bläßlich, doch erhielten dafür die auf reine Schönheit gestellten Teile wie die Strophen desRecordare" desto tiefere Formung Be­sonders das von der adligen Linienschönheit Mozattscher Kunst ganz erfüöteBenedictus" hinterließ einen tiefen Eindruck.

Als Ganzes stand das Konzert auf beachtlicher Höhe, was mit der Schlußfuge des Chors noch einmal eindringlich m Erscheinung trat. Dr. O.

Man lernt nie aus.

Sternenbanner (englisch: Stars and stripes Sterne und Streifen") nennt man im interna­tionalen Verkehr kurz die Flagge der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Jeder Bundesstaat ist in der Flagge mit einem Stern vertreten.

Tohuwabohu ist eine Bezeichnung für einen Zustand wüsten Durcheinanders. Tas Wort stimmt aus dem Hebräischen und findet sich z. B. im ersten Buch Moses, 1, 2 (deutsch und die Erde war wüst und leer) Tohuwa­bohu bedeutet hier die Entwicklungsstufe inner­halb der Schöpfung, ,» der eine Trennung zwi­schen Himmel, Erde und Meer noch nicht erfolgt war.

Im luftleeren Raum sind die Lichterschci- nungen viel glänzender, da dann der Wider­stand der Atmosphäre nicht überwunden zu wer­den braucht.

Die Redensartdas Tischtuch zwischen uns ist zerschnitten" rührt von einer symbolischen Handlung her, die im Mittelalter üblich mar. Hatte ein Ritter die Stcmdesehre verletzt, fo wurde durch einen Herold bei der Tafel an sei­nem Platze das Tischtuch durchschnitten, sowie fein Teller und das Brot umgekehrt.

Ter Bommi ist ein afrikanischer Fisch, der springen und klettern kann. Diese Art Fisch kann infolge ihrer eigentümlichen Atmungsorgane stundenlang außerhalb des Wassers leben. Er verläßt oft fein nasses Element, um. sich auf Bäumen Insekten zu fangen.

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