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Kasseler Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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fUtttlttltCt 66. Einzelnummer 10 Sonntags 15 Pf.

Freitag, 19. März 1926

Einzelnummer 10 Pf., Sonntags 15 Pf.

16. Jahrgang

Vor schweren Stürmen in den Parlamenten.

Die Locarnopolitik wird unter allen Umständen fortgeführi.

Das Ende vom Lied.

Ein großer Aufwand nutzlos vertan.

Mit dem letzten prunkvollen Aufzug des Mi­nisterreigens im Genfer Reformationssaal hat gestern eine der erbärmlichsten, schamlosesten Komödien des Jahrhunderts einen ebenso rau- schenden wie innerlich verlogenen Abschluß ge­funden. Und alle tröstlichen Friedensbeteuerun­gen des Locarnoverräters Chamberlain und alle Tränen der Rührung, die der Ränke­schmied B r i a n d um das verschmähte deutsche Aschenbrödel und den opferwilligen Edelmut der Völkerbundfreunde vergoß, konnten nicht dar­über Hinwegtäuschen, daß an dem frevelhaften Spiel eines politisch unzurechnungsfähigen Tropenvolks die aufsteigende Morgensonne über Europa geplatzt ist wie eine Seifenblase. Wenn der Völkerbund cs zuläßt, daß irgend ein wahn­witziger tropenkranker Amokläufer die mühsam gepflanzten Friedenshürden der Weißen Rasse niedertrampelt, dann freilich sollte man ihm einen Mühlstein um den Hals hängen und ihn im Genfer See ersäufen, wo er am tiefsten -st. Niemand wird es gelüsten, nochmal auf dem Federkiel durch die wüste Genfer Walpurgis­nacht zu reiten, die wir in allen Stadien getreu­lich abkonterfeiten. Nur das schnöde Komplott sei hier noch einmal dem vernichtenden Urteil der Mit- und Nachwelt preisgegeben, das man hinter Deutschlands Rücken in Locarno schmie­dete, als man dem edlen Polenhäuptling Skrzynski als Entgelt für den ausgefallenen Ost­pakt den Sitz im Völkerbundsrat an Deutsch- landsSeite versprach. Auch Luther hat dieses feige Spiel niedriger gehängt. Damit hatte man dem deutschen Michel die erste Fußangel gelegt, und erst als diese von Schweden und den Tschechen schnell entschlossen aus dem Wege geräumt war, schob man den dunklehäutigen Brasilianer vor, der mit leeren Phrasen und brutaler Unzulänglich­keit den Wortbruch der Locarnoverschwörer decken mußte.

Schon jetzt ist der in wenig Tagen angerich- tete Schaden so riesenhaft, daß das schwer er­schütterte Vertrauen in den ehrlichen Willen und dasgute Europäertum" des Völkerbundes erst in Jahren wieder aufgebaut werden kann. Nicht nur, daß Amerika und R u ß l a n d sich hohn­lächelnd von der Genfer Harlekinade abwenden und auf die verzerrten Grimmasien der Haupt- akteure mit Fingern weisen werden, auch die Mißvergnügten in der ganzen Welt werden dreister ihr Haupt vor dem brüchigen Weltrich­terstuhl erheben, deffen Autorität und Schlag­kraft einen tödlichen Stoß erlitten hat. Moskau aber wird mit verdoppeltem Eifer an die Aus­saat der Weltrevolution gehen und seine Arme liebend den schwachen Seelen entgegenbreiten.

Nun will man zwar auf den Genfer Trüm­mern das zarte Locarnoreis weiter hegen und pflegen und Briand-Chamberlin habenden Deutschen für diese Großmut trotz des Genfer Affronts kniefällig Dank gesagt. Ob es wieder bei diesen frommen Augenaufschlägen sein Be­wenden haben wird? Denn es wäre Selbst­täuschung, wollte man übersehen, daß trotz allem die Besatzung noch das Kommando in den be­setzten Gebieten führt. Von Besatzungsvermin­derung in den besetzt gebliebenen Gebieten ist keine Rede, vielfach sind sogar neue Besat­zungslasten entstanden. Ueber die Besat­zungsfristen verlautete bisher nichts und wir fürchten, daß man nach dem Genfer Zusammen­bruch auch fernerhin nichts hört. Seit Mona­ten verhandelt man in Paris über die deutsche Luftfahrt, prüft man in der Botschafterkon- Serenz die letzten Berichte über den deutschen kntwaffnungsstand und vieles andere. Auch ohne besondere Betonung wußte man längst, daß all diese Fragen in der Schwebe gelassen wurden, weil man erst den Ausgang der Genfer Verhandlungen abwarten woll­te. Sehr bedeutsam sind die Saarfragen, die jetzt in Genf bereits unter Mitwirkung des deutschen Ratsvertreters entschieden werden soll­ten. Die deutschen Minderheiten in den ver­schiedenen Staaten von Versailler Struktur hat­ten ihre Hoffnung aus den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund gesetzt.

Es gehört ein sehr fester Glaube und ein sehr großer Optimismus dazu, um hinter der Vertagung des deutschen Ausnahmegesuchs auf den Herbst, hinter den Ursachen dieser Ver­tagung nicht Strömungen zu vermuten, die an einer Hinausschiebung der deutschen Mitarbeit im Völkerbund ein Interesse haben. Die deutsche Regierung und das deutsche Parlament wer­den eS sehr wahrscheinlich nicht vermeiden, .die Verursachungsfrage näher zu erörtern- und

aus dem Ergebnis dieser Erörterungen die sich ergebenden Schlußfolgerungen zu ziehen, -r-

*

Auch Amerika ist tief enttäuscht.

Rewyork, 18. März.

Die amerikanische Presse gibt der Ansicht Ausdruck, dass der Völkerbund in seinem An­sehen stark gelitten habe. Man habe sich zwar auf Jniriguen gefaßt gemacht, doch habe man in Amerika geglaubt, daß Deutschland zum Schluß doch in den Völkerbund ausgenommen werden könne. Man rühmt den außerordentlichen Ver­söhnungswillen Deutschlands. Brasilien sei für den Zusammenbruch nicht verantwortlich zu machen, sondern Italien, das hinter ihm stand.

Das Kainszeichen brennt.

Chamberlain-Briand sind gerichtet.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 18. März.

In einem Leitartikel heißt es über dos Ver­brechen von Genf u. a.: Kein Vernünftiger wird durch den Versuch der Hauptverschwörer in Genf getäuscht werden, die gesamte Schuld auf Brasi­lien zu schieben. Briand und Chamber­lain sind gemeinsam unmittelbar ver­antwortlich für die schmachvollen Vorgänge der letzten zehn Tage. Beide keh­ren in ihre Hauptstädte zurück als geschla­gene und in Mißkredit gebracht« Staatsmänner. Chamberlains erste Hand­lung beim Zusammentreffen mit Baldwin müß­te die Einreichung seines Rücktrittgesuchs fein. Chamberlain habe die moralische Führer­schaft in Genf zerstört. Ein Genfer Sonder­bericht schreibt, Deutschland verlasse Gens stärker, als eS bei seiner^Ankunft gewesen fei.

Sin Mitzttauensaniroa gegen Shamver aln.

London, 18. März. (Eigener Drahtbericht.) Aus dem Unterhaus berichtet Reuter, daß der Oppositionssiügel der Arbeiterpartei und der Liberalen bei der UnterhanSdebatte der Regie­rung kritisch entgegentreten werden. Die Oppo­sition könne allein einen Mißtranensan- trag nicht durchbringen doch sei eine Abstimmung sehr wahrscheinlich.

Der große Bankerott.

Locarno als letzter Strohhalm.

(Eigener Drahtbericht.)

London, 18. März.

Reuter erfährt: In zuständigen Kreisen Lon­dons wird daraus hingewiesen, die Genfer Be­sprechungen hätten das vor der Zusammenkunft des Rates entstandene Gefühl zerstreut, daß der Vertrag von Locarno nicht dem Buchstaben getreu ausgeführt werden sollte. Tie Locar- iwmächte hätten jetzt endgültig erklärt, daß sie an ben Grundsätzen der Verträge festhalten. Was die Erfüllung der Lovarnoverträge ver- hiiwerl habe, feien die völlig natürlichen natio­nalen Aspirationen gewisser Mächte gewesen, und diese Aspirationen zu befriedigen, habe man in der kurzen Zeit in Genf keine Möglichkeit gefunden. Macdonald bezeichnet «n einer Un­terredung die Verschiebung der Genfer Ver­handlungen als einen Fehlschlag erster Größe. Das Ansehen Englands sei in Genf sehr ver­mindert worden. Pflicht des Unterhauses sei eS, das Ansehen wieder zu heben. Ein Blatt schreibt, die feit vielen Tagen ins Werk ge­setzten Intrigen hätten sowohl die Anhänger, als auch die Gegner des Völkerbundes an ge­ekelt. Der Vorsitzende der VSlkerbundsunion, Pros. Gilbert M n r r a ti erklärte, eS fei ein po­litischer Fehler erster Größe, Deutichland am Völkerbünde fern zu halten.

Größer als das SchlMal.

Wie Deutschland den Geist von Locarno rettete. (Eigene Drahtmeldung.)

Paris, 18. März.

In der gestrigen Vollsitzung des Völkerbundes wandte fick Briand mit folgenden Worten direkt an Deutschland: Was Deutschland angeht, so muß ich sagen, daß feine Vertreter die Schwie­rigkeiten mit einem Herzensadel behandel ten, dem ich als Franzose meine Anerkennung zollen muß. Weit davon entfernt, ein Gefühl der Bitterkeit zu zeigen, haben sie alle Völker da­von in Kenntnis setzen wollen, daß das Frie­denswerk von Locarno unversehrt weiter besteht, und daß eS sich weiter entwickeln soll. Wr haben nicht gezögert, dieses offene Bekennt­

nis zu unterschreiben, zu dem die Deutschen die Initiative ergriffen haben, was ich anerkenne und wozu ich sie beglückwünsche. Es ist aber notwendig, daß Deutschland morgen mit seiner ganzen Autorität, die eine große Na­tion wie Deutschland besitzt, unter uns den Platz einnimmt, der ihm zustcht. Deutschland wird begreifen, daß im Völkerbund der Geist der Gleichheit Regel ist, daß man dort die Vorein­genommenheit einer Nation gegn die andere nicht kennt. (?) Morgen werden die Schwierig­keiten, auf die wir heute gestoßen sind, über­wunden fein, wenn wir unseren Wissest und un­sere Bemühungen dem Werke der Erneuerung widmen. Deutschland muß jedoch fühlen, daß hier eine tiefe Enttäuschung darüber herrscht, daß man das ins Auge gefaßte Ziel nicht hat verwirklichen können. Es ist notwen­dig, daß diese Versammlung mit einer mora­lischen Kundgebung, die der konkreten Auf­fassung des gesteckten Zieles vorausgeht, schließt. Briands Vorschlag (Siehe auch zweite Seite) wurde später einstimmig angenommen.

Wie sich die Geister scheiden.

Zustimmung ober Verstimmung in Berlin?

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 18. März.

Die Regierungsparteien beurteilen das Ergeb­nis der Genfer Tagung wesentlich anders als die Deutschnationalen. Durch die gemeinsame Erklärung der Locarnomächte sei die Sicherheit für die Fortführung der einmal eingelei­teten europäischen Friedenspolitik gegeben. In einzelnen werde noch festzustcllen sein, ob und in welchem Umfange die Auswirkungen der Locarnoverträge weiterlaufen. Die Regierungs­parteien glaubten mit guten Gründen eine g e - schlossene Front zur Verteidigung der bisherigen außenpolitischen Linie einnehrnen zu können. In dieser Beziehung würden sie auch mit der Unterstützung der Sozialdemokraten rechnen können. Eine andere Meldung bezeich­net die Stimmung bei den Regierungsparteien als nicht einheitlich. Ans dem rechten Flügel des Zentrums, bei der Deutschen Volks­partei und bei der Bayerischen Volkspartei herr­sche Verstimmung über^die Genfer Vorgänge.

Driantz-Girefemann für ben alten Kurs.

Paris, 18. März. (Eigener Drahtbericht.) Havas meldet aus Genf: In der Frage des Ein­tritts Deutschlands in ben Völkerbund werden England und Frankreich beantragen, daß Deutschland in der Kommission zur Reor- gauisatton des Völkerbundes vertreten sei, da dies das sicherste Mittel sei, die Wiederkehr von Ereignissen wie in dieser letzten Tagung zu vermeiden. Briand und Stresemann sind, so scheint es, entschlossen, nicht länger zu warten, die Schiedsgrundsätze, die den wesentlichsten Be­standteil der Abmachungen von Locarno bilde­ten, auf die Beziehungen der beiden Länder auch künftig in Anwendung zu bringen.

Dunkle RücftrMsgerachte in London.

London, 18. März. (Eigene Drahtmeldung.) Laut Pressenotiz ist man in gut unterrichteten politischen Kreisen in London der Ansicht, daß Chamberlain sich vollkommen gerechtfertigt habe und daß keiner Nation eine Schuld zuzu­schieben sei. Gerüchte über einen Rücktritt Chancherlains finden keinen Glauben.

Noch in Weiter Ferne.

Amerika zweifelt an der Abrüstungsidee.

(Durch Fxnkspruch.i

Washington, 18. März.

In RegierungSkreisen verlautet, daß der Zu fammeniritt des vorläufigen Abrüstungsaus­schusses angesichts der Verschiebung der Auf­nahme Deutschlands bis zum September weiter vertagt werden wird. Damit werden die Sym­pathien für eine Beteiligung Amerikas an der Abrüstungstanung nachteilig beeinflußt wer­den. Im Abrüstungsausschuß würden weit­gehende Meinungsverschiedenheiten zutage tre­ten, was eine Erörterungsdauer von mindestens einem Jahr wahrscheinlich machen würde. Man bezweiftlt, daß die Abrüftungserörterungen in Europa ein wirkliches volles Ergebnis zur Folge haben werben. Richt alle Regierungen scheinen zur Zeit eine Abrüstung zu wünschen, sondern führen nur den Artikel des Versailler Vertrages aus, der die Signatarmächte auf ein Abrüstungsprogramm verpflichtet, das durch DMtschttnds Abrüstung bedingt war,

Mr bleiben die Alten.

Luthers Fazit aus dem Genfer Konkurs.

(8in abgekartetes Spiel. Für Deutschland on« annebmbar. Brasiliens trauriger Trumvb. Schlecht vorbereitet! Locarno als Richtschnur.

Gens, 18. März.

Reichskanzler Dr. Luther führte gestern vor Pressevertretern aus: Deutschland war schon 1924 aus eine Anfrage beim Völkerbund durch­aus berechtigt, feinen Ratssttz als gesichert anzu- fehen. Dentscherfeils wurde bann noch einmal im Juni 1925 unter ben Voraussetzungen, die sich aus den im Herbst 1924 erhaltenen Antwor­ten der Ratsmächte ergaben, zugesagt. Dann kam der Vertrag von Locarno zustande; er ist ju­ristisch noch nicht, indessen politisch Wirksam geworden. Unbeschadet ihres Ausmaßes ist die Tatsache des Eintretens von f»genannten Rück­wirkungen uebestreitbar. Demgemäß stellt die Verpflichtung des gestrigen CommuniguLs, Lo­carno weiter wirken zu lassen, eine bedeutungs­volle Kundgebung dar. Der Kanzler verwies bann barauf, daß offenbar vorher bereits Bin­dungen bestanden haben, die uns unbe­kannt waren. Das Festhalten an den Grund­prinzipien, mit denen wir nach Genf kamen, war deshalb unumgänglich notwendig, weil unsere ganze Werbearbeit für Socarno auf diesen Ge- bankengang aufgebaut war. Schon in Ham­burg habe er betont, daß

webet eine Vergrößerung, noch eine wesent­liche Kräfteverschiebung

im Rat von Deutschland zugelassen werden konnte. Deshalb war z. B. der Vorschlag, Schwe- den im Rat durch Polen zu ersetzen, unmöglich, der letzte Versuch aber, der Ersetzung zweier Mächte durch zwei andere wesentlich gleichberech­tigte vorsah, tragbar. Spaniens angekündig­tes Verhalten Zustimmung zu dem deutschen Ratssitz und eigene Zurückziehung von Mitar­beit im Völkerbund wäre allerdings schon ein höchst unangenehmes Ereignis gewesen. Die Ablehnung Brasiliens indessen hat wie ein Naturereignis gewirkt. Sie war im höchsten Grade schwerwiegend und wurde von der Versammlung des Völkerbundes als eine außerordentliche Schädigung empfunden. Die organisatorischen Vorbereitungen zur Ver­hütung von solchen Zwischenfällen hätten nach Lage der Dinge jedenfalls nicht den deutschen Teilnehmern abgelegen. Die völlige Einig­keit der Locarnomächte, die einmütige Zustim­mung der übrigen ergibt aber für uns die Auf­gabe, auch in der Völkerbundrichtung entschieden weiter zu arbeiten und den Stand der Dinge so zu betrachten, daß wir uns bemühen, zum Segen für bas deutsche Volk eine Entwick­lung zu fördern, die uns im weiteren Verlaufe doch noch als Mitglied in den Völkerbund und in den Rat führt.

* * * Sin NSgNchkS Ende.

Aber Deutschland hält an Locarno fest.

Genf, 18. März.

Bor Vertretern der ausländischen Presse nn- tersttich Außenminister Stresemann die Tatsache, daß auf deutscher Seite von der Ab­sicht der tatsächlichen Erweiterung des Rates bis wenige Tage nach der Absendung des deut­schen Antrages nichts bekannt war. Der jetzige Stand der Dinge könne keinesfalls Deutschland jur Last gelegt werden. Die Wellung einer Schuldfrage lehnte Dr. Stresemann in diesem Zistammenhange ab und meinte, daß es für das Leben der Völker wichtiger sei, nach Mitteln des Ausgleichs als nach Schuldigen zu suchen. Die Mächte seien sich klar gewesen, daß die Locarnoverträge zwar juristisch noch nicht in Wirksamkeit getreten seien, daß sie aber politisch von allen Teilen als Grundlage der Zusammenarbeit anerkannt werben, und daß nach jeder Richtung diese Politik so geführt werden solle

als ob Deutschland schon Mitglied t>cS Völkerbundes wäre.

Und dieses Zusammenwirken der beteiligten Mächte sei deshalb notwendig, weil die Idee des Völkerbundes nicht dessen hinreichend starke Organisation im Herzen der Mensch­heit einen ferneren Stoß erlitten hatte. Tas gelte besonders für Deutschland, wo gerade die Aussicht auf das Genfer Ergebnis die Abaei- gung gegenüber dem Völkerbund und schwer überwundene Bedenken gegenüber der Locarno- Politik aufgeräumt hätte. Das Zurücktreten deS Gedankens der wenigstens teilweisen Universa­lität hinter verhältnismäßig kleine Einzelinier- effen werde man in Deutschland kaum verstehen. Die erschwerte Stellung der Regierung gegen­über per tzgurschcq Oefsinttlichkeit dürfe sie frei-