Kasseler Neueste Nachrichten
Kasseler Abendzeitung
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Hessische Abendzeitung
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Nrrmnrer 64. Einzelnummer 10 ?f„ Sonntags 15 Pf.
Mittwoch, 17. März 1926
Einzelnummer 10 Pf, Sonntags IS Pf. 16. IahrgiMY
Rumänien als neues Hindernis.
Umwälzungen im Völkerbund.
Schweden und Prag verzichten zu Gunsten Polens und Hollands.
Wenn alles alattgeht. — Wie wird der Völkerbund aussehen! — Die Lösung und Eintritt Deutschlands am Mittwoch? — Brasilien und Rumänien sind noch nickfl abgesunden. — Briand schmunzelt. — Wie wird sich Deutschland stellen?
Genf, 16. März.
Heute Rächt wurde bekannt, daß die Staaten der Kleinen Entente endgüttig vereinbart hätten, daß die T s ch e ch o - S l o w a k e i auf ihren RatLstt? zusamemn mit Schweden verzichten soll, um den Weg für Dänemark oder Holland freizumachen. Man ist dabei, dieser Neuwahl in der Versammlung eine Mehr- lseit zu sichern. Staatssekretär v. Schubert hat gestern 1 acht mit dem französischen Delegierten Louchcur die letzten Vereinbarungen fest- gclegt für den Fall, daß diese« Argument zur Lösung der Krise heute vom Rat endgültig genehmigt wird. Danach wird heute im Rate der t-ücktritt von Benesch und Unden provisorisch festqelegt wneden. Vie Völkerbundsver- sammlunq würde dann
Mittwoch Vormittag die Aufnahme
Deutschlands in den Völkerbund beschließen, In einer folgenden Ratssitzung mit Deutschland wird dann die Demiffion Schwedens und der Tschecho-Sslowakei bekannt gegeben. Am Mittwoch nimmt die Versammlung dann die Neuwahlen vor und erledigt der Rat den Rest seiner Tagesordnung: Saar, Wirtschafts- und Abrüstungskonferenz. Es sind jedoch noch nicht die Schwierigkeiten des brasilianischen Wider st an des gegen die Umgestaltung des Rats überwunden, die in der Tat ernster sein sollen, als man gestern annahm.
(Sin groteskes Ansinnen.
Deutschland soll sich auch für Rumänien binden! (Eigener Drahlbencht.)
Genf, 16. März.
Bei dem bekannten schwedisch-tschechischen Verzicht, >o meldet ein Wolff Vertreter, war das Wesentliche, daß bei der Abstimmung Schweden wiedergewahlt würde, oder ein anderer Staat von gleicher Bedeutung, wie z. B. Holland an feine Stelle tritt. Dabei ist nun aber offenbar neben dem einen Versprechen an Polen plötzlich ein neues Versprechen auf Gewährung eines nichtständigen Sitzes im Rate an Rumänien für die ausscheidende Tschecho- Slowakei aufgetaucht. Es wird nun anscheinend Deutschland angefonnen, sich an einer bindenden Zusage in Bezug auf die Wahl Rumäniens für die nächste Session zn beteiligen. Von einer solchen deutschen Erklärung kann keine Rede
fein. Das oberste deutsche Grundprinzig ist, sich zuguunstcn keiner Macht in der zukünftigen Handlungsfreiheit beschranken zu (affen. Die deutsche Einwilligung setzte bisher die
Beibehaltung des gegenwärtigen politischen Kräfteverhältnisses
voraus. Auch das bedeute schon für die öffentliche Meinung in Deutschland eine außerordentliche Belastung. Voraussetzung dabei aber war, daß mit einer solchen Lösung das französische Versprechen an Pol en, von dem alles Nebel ausgeht, definitiv abgogolten sei. Dazu tritt nun das geradezu groteske Ansinnen betreffs Rumänien. Fevrnfalls steht fest, daß die deutsche Regierung ebensowenig für Rumänien wie für Polen sich für den Eintritt in den Völkerbund binden wird. Dieser Grundsatz wird von den meisten Völkerbmidsmächten geteilt.
Roch nicht groß genug.
Auch Rumänien als Bölkerbundskandidat.
(Eigener Drahtbericht.)
Köln, 16. März.
Ein Genfer Berichterstatter meldet um 1,30 Uhr nachts: Für die geflaute Lösung, daß Polen und Holland die Ratsfitze von Schweden und der Tschechoslowakei übernehmen sollen, besteht die letzte Schwierigkeit, abgesehen von Brasi- l i e n, in dem Wunsche der Kleinen Entente, sich für den September eine Vertretung im Völkerbundsrat durch Schaffung eines siebenten, nichtständigen Sitzes für Rumänien zu sichern. Würde diese Forderung angenommen, so wäre damit der ganze Sinn des ohnehin schon kaum tragbaren Kompromifles umgeworfen. Deutschland würde sich durch Annahme dieser neuen Forderungen trotz aller seiner Zu- geständniffe ausdrücklich dazu verpflichten müssen, der bekämpften Erweiterung zuzustimmeu.
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3Ronn gegen Mann.
Genf, 16. März. (Privattelegramm.) Im Anschluß an verschiedene Bormittagsbespre- chungen bei der deutschen Delegation wird heute nachmittag eine Zusammenkunft zwischen L u - ther - Stresemann und Briand- Chamberlain stattfinden. Wie der Woss- Vertreter erfährt, handelt es sich dabei um eine wichtige, vielleicht entcheidende Aussprache.
Hinauf oder hinab?
Was wird nach Schwedens Umfall?
Die letzte Stütze droht umzufallen. Der schwedische Delegierte in Gens, Unden, hat ans Stockholm neue Instruktionen erhalten, die ihn zu der Erklärung veranlassen, daß Schweden bereit sei, auf seinen nichtständigen Ratssitz zu verzichten, um Raum zu schassen für eine andere Macht. Diese Macht wäre Pole n; Die Begründung, die Schweden für seine Absicht abgibt, stützt sich auf Argumente juristischer Art, Es sagt, daß es schon vier Jahre dem Rate angehöre, obwohl der regelmäßige Turnus drei Jahre betrage. Und bann, da bei einem sreiwil- ligen Ausscheiden Schwedens und einer Neuwahl Polens die Anzahl der Ratssitze nicht vermehrt wäre, so sei der grundsätzliche schwedische Standpunkt aufrecht erhalten. Man wird mit recht bitteren Gefühlen diese Begründung durchlesen müßen. Sie ist eine Wortklauberei, die dem Buchstaben recht geben will, aber dem Inhalt selbst ins Gesicht schlägt.
Unsere Vorliebe für das schwedische Volk in allen Ehren! Aber sie kann uns nicht davon abhalten, zu sagen, daß. wenn diese Absicht Undens sich verwirNicht, die schwedische Regierung restlos kapituliert hat. Das sie ihren festen, ehrlichen Willen, den sie in den letzten Tagen mit fo erfreulicher Energie zeigte, gebeugt hat unter das Joch einer anscheinend jetzt die Welt beherrschenden Ententemachtpolitik. Schweden wollte das Recht der kleinen Nationen im Völkerbund schützen, es wollte dem Gedanken Wahrheit geben daß dieser Genfer Bund seinen papternen Gesetzen nach ein Weltbund aller Nationen sein sollte, keine Ga r a n t i e - Versicherung einiger Großmächte, die den glücklichen Ausgang des Weltkrieges auf ihrer Seite bucken konnten. Der Schutz hat ver- fagt. Im Gegenteil, der Umfall Schwedens ist der schwerste Schlag, den bas Selbstbestim- mungsreckl der mittleren unb kleinen Rationen je erlitten hat. Jetzt ist ber Völkerbund kein Weltbund der Rationen mehr, jetzt ist er nur bas, als was ihn Brianb, Mussolini unb Chamberlain schon immer angesehen haben. Unb Deutschlanb? Die beutscke Delegation in Genf vertritt anscheinenb ben Standpunkt, daß es ihr nickt gegeben sei, Schweden zu hindern, auf feinen Ratssitz zu verzichten, unb daß es auch kein Vetorecht besitze, um den Eintritt Polens auf Grund einer Wahl durch die Vollversammlung zu machen. Da s eine gibt wenigstens die deutsche Delegation zu erkennen: Die Basis der ganzen Verhandlungen ist immerhin nicht mehr so günstig, wie sie gewesen ist.
Die Basis! Ja, wo ist diese Grundlage, auf der die deutsche Delegation ihre These verfechten wollte? Aufgegeben, zerflogen in nichts, in dem Augenblick, als die Delegation zu erkennen gab, daß bindende Zusicherung für eine Ratserweiternng doch vielleicht jetzt schon gegeben werden könnten. Es ist schwer, den Karren, wenn er sich einmal auf der schiefen Ebene befindet, zum Stehen zu bringen. Es ist schwer, in einer Sackgasse den Ausweg zu finden. Man kann sich doch nicht gut den Schädel an ber Wand einrennen. Denn was wir in Wirklichkeit verhinbern wollten, was bet Kernpunkt ber Betrugsabsichten gegen Deutschland war, das ist bittere Wahrheit geworden. Das bankrotte Polen, das niemals eine Großmacht fein kann, sitzt uns zur Seite, um in freund- schaftslicker Ratskollegialität darüber zu wachen, daß nicht an feiner Grenze gerührt wirb.
So die Sachlage, wie sie sich bis jetzt verschoben hat. Darüber darf fein Zweifel fein: Diese Regelung wäre nicht nur cm Sieg ber französischen These auf der ganzen Linie, sie würde auch die Voraussetzungen illusorisch machen, unter denen wir uns bereit erklärt hatten, den Weg nach Genf anzutreten. War der .Geist von gocarno"nur ein Vorwand, ein schützendes Mäntelchen, eine Atrappe, die die wahren Ziele unserer Gegner etwas verhüllen sollen? Die Atrappe hat sich sehr rasch geöffnet. Wer Augen hat zu sehen und Ohren zu hören, ber weiß jetzt, was sich in Genf in Wirklichkeit ereignet. Das deutsche Volk sieht natürlich fieberhaft ber Erklärung seiner Bevollmächtigten entgegen, bie Anschluß darüber bringen wird, ob uns ber Genfer Weg ins Dunkel ober zu lichten Höhen führen wirb, wie man uns seit Locarno tausendmal versichert hat.
* * *
Briand strahlt...
Nur Brasilien macht ihm Sorge.
Paris, 16. März.
Der Havasvertreter teilt mit: Brianb habe gestern abenb mit angenlckeinlicher Befriedigung gnkündigen können daß die französisch-deutsche Seite der Genfer Krise fo nut toie geregelt fei. lieber Undens unb Benesch freiwenbenbe
Sitze seien bie Meinungen noch geteilt. Allerbings habe ber brasilianische Vertreter bie Kanbibatur seines Landes aufs neue ausgestellt und die Bemühungen, ihn umzustimmen, seien nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Alle Hoffnung dürste jedoch nicht aufgegben werben. Sübame- rika wolle seinen Einfluß bahin ausüben, daß bie Demarche Mello Franco nicht ben Bemühungen bes Völkerbundsrates zuwiberlaufe.
Nicht mehr als acht Stunden. Der Rormalarbcitstag für Deutschland gesichert.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 16. März.
Nach einer kurzen Eröffnungsansprache Baldwins in ber Arbettszeiikonferenz führte Arbeitsminister Dr. Brauns aus, daß eine friedliche Zusammenarbeit Europas nicht nur auf politischem, sondern auch auf Wirtschaft lichem, sozialem und kulturellem Boden gesucht werden müsse. Nacki dem Kriege war ber uneingeschränkte Acht-Stnndentag bis Enbe 1923 in Geltung. Rach dem Währungs- und Wirt- fchaftsruin mußte dann unter großen Opfern für die Sozialpolitik bie noch heute in Geltung bestnbliche Verordnung über die Arbeitszett vom Dezember 1923 erlassen werden. Die deutfche Regierung erblickt in dieser Verordnung nut eine Rotgesctzgebung, die sie, sobald wie möglich wieder abzuschafsen bestrebt ist. Bon 10,9 Millionen deutschen Arbeitnehmern hatten nach ber letzten Statistik 1295 037 eine regelmäßige Arbeitszeit von weniger als acht, unbvierzjg Stunden pro Woche. Die regelmä ßige Wochenorbeitszeit von achtunbvierzig Stunden hatten 8 432 421 Arbeitnehmer. Eine Arbeitszeit von mehr als achtundvierzig Stun-I den hatten nur 1 ISO 635 Arbeitet, also nur ein Zehntel ber von der Statistik erfaßten Arbeit-i
nehmerschaft. In diesem Zehntel haben ben größten Anteil bie landwirtschaftlichen Betriebe Erst in weitem Abstand dahinter kommt bie Me toDinbuftrie. Die Tarifverträge lassen natur« gemäß Uebcrstunben zu, bie ja auch nach bcm Washingtoner Abkommen grnnbsätzlich gestattet sind. Aus biesem Bilde ergibt sich, daß die Rückkehr zu einem Rormalarbeitstag von acht Stunden für Deutschland keineswegs eine Unmöglichkeit bat stellt. Deshalb bemühen wir uns wieder zum Normalarbeitstag von acht Stun den zurückzukehren. Ein neuer Gesetzentwurf wird noch im Sommer dem Reichskabinett zugehen. Mr wollen jedoch auch dann bas Gesetz ergehen lassen, wenn, was wir nicht wünschen eine Ratifizierung durch die westeuropäischen Staaten nicht gleichzeitig erfolgen sollte.
DerX^öeszug von Gan Jose
Sechzig Meter in bie Tiefe. — Fast 200 Tote.
(Eigene Drahtmekbung.)
Rewyork, 16. März.
Die genaue Zahl ber Opfer beim Eisenbahn unglück von San Jose in Costarika wirb mit huubertbreiunbneunzig Toten unb zweinnbsieb zig Berwunbeien angegeben, barunter nenn Schwerverletzte. — Die Regierung von Cofta- rika hat eine breitägige Rationaltrauer angeorb- net. Tas Rote Kreuz von Costarika hat eine Sammlung zugunsten bet betroffenen Familien eingeleitet. Die brei Wagen sind in einer
Tiefe von sechzig Metern obgestürzt.
Die meisten Opftr finb Bauern ober Arbeiter. Ganze Familien finb umgekommen. TU Bevölkerung ans bet Umgebung ist massenhaft zur Hilfeleistung geströmt. Der Zugführer ist verhaftet worben. Der Unfall wirb bem tim« staube zugeschrieben, daß ber Zug für bie Flußbrücke zu schwer belastet war.
ES glänzt der See.
Frühlingstage am Fuß bes Montblanc.
Bin nrauüoieS Alvcnpauorama. — Damvfersc- wimmel auf dem Tee. — Edles Rebcnblnt. — Ein perle«r.'kraii»tes Ufer. — I« «alerifcbe« San« fange. — Purpurnes Alpenglühen.
Die Geflabe bes Genfer Sees ,an beffen Wellende sich die Stadt des Völkerbundes erhebt, so schreibt ein Berliner Blatt, gehören zu den schönsten Gegenden des gesegneten Schweizerlandcs. Besonders in den ersten Frühligstagen, die in diesem Jahre ungewöhnlich früh gekommen sind, entfaltet das Land hier seine zauberischsten Nerze. Die Diplomaten und Prefleleute, bie zur großen Tagung nach Genf gehen, unb alle bie vielen, bie überall babei gewesen sein müssen, geraten nun mitten in bte Herrlichkeit des ersten Frühlings hinein. Der Genfer See liegt wie eine nach Süden offene Sichel zwischen den starren und schroffen Zacken der Savoyer Alpen im Süden, gekrönt vom Montblanc, und den lieblicheren, aber doch noch bis zu Höhen von über zweitaucnd Metern ansteigenden Freiburger Alpen im Norden. Im Westen heben sich die sanft geschwungenen Züge des Schweizer Jura hinter der herrlichen Seenkette empor, die mit dem Bieler See beginnt und sich im Mnrtener und Neuenburger See bis zum Genfer See fortsetzt. Beide Seeufer haben aus der ganzen Länge des Sees Bahnverbindung, die zahlreichen reizenden Orte an den Usern sind also jederzeit auf bequemste Weise zu erreichen. Dazu kommen die zahlreichen eleganten Dampfer, die in den verschiedensten Kursen ben See durchfurchen. Besonders
abendliche Fahrten auf dem leuchtenden Wasser
sind von unvergeßlichem Reize. Ungefähr fünf- nndflebzig Kilometer lang und an der breitesten Stelle etwa vierzehn Kilometer breit dehnt sich das wunderbare kristallklare Gewässer in seiner zwischen lichten Grün und tiefstem Blau sich wandelnden Färbung von Bouveret an der Mündung der Rhone in den See bis nach Genf, wo sie den See eilenden Laufes wieder verläßt. Die ganze Nordküste und die Strecken von Genf bis Hermance und von Bouveret bis St. Gin- golph gehören zur Schweiz, das übrige Südufer ist französisch. Von der Rhonemündung bis nack Gens liegen alle die lieben Nesterchen in hcrrli- cken Garten- und Parkanlagen, die übergehen in üppig grünende Felder, und an den Steilhängen cmporlletternde Weinterraffen. Zwichen Mon- treux und Lausanne gedeihen die herrliche!». Weine der Vaux, während sich weiter westlich zwisckien Lausanne und Genf eine zweite, nicht minder berühmte Weingegend, die CSte, ausdehnt. Wie die Perlen einer Kette schließen sich die zahllosen Städtchen und Dörfer aneinander. Fast alle haben malerische alte Baulichkeiten uns schöne Winkel. Von vielen steigen kühne Bergbahnen empor zu den nahe gelegenen Höhen. Während unten im Tale schon das große Blühen begonnen hat, tummelt man sich dort oben noch beim Wintersport. Beginnt man die Wanderung im Osten, so wecken die Namen Dilleneuve, Chillon, Territet, Montreux und Vevey die Erinnerung an herrliche Tage. Der belebteste Hafen des Genfer Sees ist ber von Luchy, ber Hafenstadt von Lausanne.
Lausanne ist bie Perle bes Nordufers.
In herrlicher Lage thront sie am aufsteiqenden Gestade. Eine Drahtseilbahn verbindet sie mit dem tiefgelegenen Hafenort. Weiter nach Westen zu treten die Ufer des Sees näher zufamme», fo baß er hier ben Einbruck eines gewaltigen Stromes erweckt. Enblich ist Genf bie Stabt des Völkerbunbes. erreickt. Auf beiben Seiten der hurtig zu Tal fchießenden Rhone baut sich bie fchöne Stabt auf. Sie bietet bei länacrcm Aufenthalt bcm Reisenben eine Fülle schöner Ausflüge unb geschichtlicher unb wissenschaftlicher Einbrücke, bie aber alle bem einen, bem neuesten, weicken müssen: bem Eintritt Dcutschlanbs in ben Völkcrbunb. Hart am Scc liegt bas hohe Gebäube, in bem bas erste Parlament fast ber ganzen Welt tagt. Herrlich ist bas Panorama, bas sich bem Blicke von einer ber. Brücken ober von ben Kais bietet. Die stattlichen Dampfer kommen an unb fahren Wieber ab. Zahllose Fischerboote mit ihren bunten lateinischen Dop- velsegeln beleben ben strahlenden Wasserspiegel. Und im Süden und Osten steigt bie Majestät bes Hochgebirges über bet Herrlichkeit in ber Tiefe empor. Silbern erglänzen bie fernen
Schneefirnen im Strahle ber Frühlingssonnc.
Wenn biese bann hinter ben Jurahöhen ber» sinkt, bann verleiht sie ihnen einen immer tiefer glühenden Glanz, bis endlich bie ganze Hockge- birgswelt in Flammen aufzugeben scheint. Allmählich verglüht auch biescS Feuer, unb in im-