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emmtafl, 7. MLr, $926.

Kasseler Neueste Nachrichten

16 Jahrgang. Nr. 66.

dauert, daß die niedrige Besoldung der Militär

das gewerbliche Spielen zu verbieten.

Neues aus Kastel

weitere zehn Jahre vorgesehen.

i

And nochmal der Dolchstoß.

Graf zu Eulenburg als Kriegsschuldzeuge.

Berlin, 6. März.

Am Untersuchungsausschuß für die Kriegs­schuld wurde ein Schreiben des Großadmirals von T i r p i tz mitgeteilt, in dem dieser darlegt, daß er von Anfang an zum Einsatz der Flotte geraten habe, aber nicht mit seinem Rat durchgedrungen sei. Hierauf legte Abg. Gras zu Eulenburg seine persönliche Aus- afsung zur Dolchstotzfrage folgendermaßen dar: ,,Es ist meine feste Ueberzeugung, daß Deutsch­land zu einem anderen Frieden, einem wesent­lich besseren Krirgsausgang gekom­men Ware, wenn nicht die revolutionäre Agita- uonsich ausgewirkt und den Umsturz herbeige- ührt hätte. Daß Deutschland wehrlos dem Feinde ausgeliefert wurde, war die Folge des von langer Hand vorbereiteten Umsturzes. Die Revolution war der letzte, der tödliche Stoß in den Rücken der Kampffront.

turnen, Sport und Spiel.

Rttderverein am Realgymnasium IL Jtn großen Stadtparksaal fand gestern abend eine Abendunterhaltung des Rudervereins am

hende oder künftige Verpflichtungen zu sichern. Für Rechtsstreitigkeiten ist ein Vergleichsverfah­

ren vorgesehen. Der Vertrag wird für di: ~

Haß, Gewalt, Selbstsucht hinter Worten als Ta­ten wuchern, da muß christlicher Zorn solche Schäden und Schädlinge abwehren. Zorn ist Empörung des Guten wider das Böse, Haß aber ist Neid gegen das Gute und Zeichen eines be­schränkten Sinnes. Wahre Duldsamkeit ist sitt­liche Strenge gegen sich selbst. Wer di:se Strenge aber ausübt, weiß, wie schwer der Weg zum Bcsserwerden ist und aus diesem Wissen heraus wird er nicht hart, nickt hassend, sondern lie­bend schauen und mitwirken, daß dem wirklich ehrlich Ringenden geholfen werde.

Sie Re chswkhr Ist gut.

Kein Mißtrauen gegen Geßler.

Berlin, 6. März.

In der Reichswehrdebatte stellte gestern Abg. Rönneburg (Dem.) mit Genugtuung fest, daß ytfet auch von den Rechtsparteien die real- politrsche Lage richtig eingeschätzt wird. Die Reichswehr hat durchaus ihre Pflicht getan, und dem Chef der Heeresleitung v. S e e ck t ist dafür größte Anerkennung zu zollen. Abg. Leibi (B. Vp.) betont: Die von Professor Quidde in einer pazifistischen Schrift veröffentlichten Mitteilungen über die angeblichen

Geheimrüstungen in Bayern seien in fanatistischer Weise erfunden

Wien fn Armen VmgS.

Der Schiedsvertrag für zehn Jahre unterzeichnet

Wien, 6. März.

Der gestern von Dr. Kamek und Dr. Beresen unterzeichnete Schiedsgerichtsvertrag enthält

u. a. den gemeinsamen Willen, die friedliche Austragung von Streitigkeiten über die bcste-

Ser erste tag des Volksbegehrens.

Im Reich belebter als in Berlin.

Der erste Tag des Volksbegehrens schloß für Berlin mit 36109 Stimmen ab, die in 306 Berti- ner Wahllokalen abgegeben wurden. An vielen Stellen der Stadt spielten sich erregte Szenen deswegen ab, weil die Kontrolle der Stimmbe­rechtigten überaus scharf und nicht überall mit der nötigen Schonung durchgrführt wird. Im Reich spielt sich die Abstimmungshandlung mit viel größerer Anteilnahme der Leifentlichkeit ab als in Berlin. Im Rheingebiet und Westfalen soll es zu lebhaften Demonstrationen großer Ar­beitermassen gekommen sein. Erfährt das Bolksbegehr nach derStimmenabgabe bei der Be­

ratung im Reichstag was als sicher anzuneh­men ist eine Ablehnung, dann wird cs zum Volksentscheid gestellt. Hierfür sind mehr als zwanzig Millionen Stimmen erforderlich. Ta die Rechtsparteien Stimmenthaltung üben, ist hier eigentlich die Tatsache einer absolut öffent­lichen Stimmabgabe zu verzeichnen.

Sayern und die DSlkischen geven «nteignvy

lichkeit, mit den guten und schlechten Eigen­schaften, die sie haben, einwandfreies Zeugnis ablegen-für das Leben, wie es ist.

Ruppel schwärmt nicht und gaukelt weder sich noch anderen einDer Mensch ist gut" vor; aber er sagt, eindringlich sagt er's in jedem Buch von neuem: Der Mensch sei gut! So ist dieser Dichter, der das Dasein kennt wie nur einer, ein Mitmensch im schönsten Sinne, ein Mensch, zu dem keiner vergebens kommt denn Allen hat er etwas zu sagen, ein Wort mitzugeben aus den Weg durchs Leben, das im Herzen dessen, der es hörte, wohnen bleibt, um Frucht zu tragen bis ans Ende."

ungerechtfertigt erscheinen lassen und zu einer anderen Haltung dem Kyffhäuser- b u n d gegenüber nötigen würden. Nach einer Rede des Abg. Kuhnt (Soz.) wird die Aus­sprache geschlossen. Das Gehalt des Wehrmini­sters wird gegen die Stimmen der Sozialdemo­kraten und Kommunisten bewilligt. Das kom­munistische

Mißtrauensvotum gegen den Reichswehr­minister wird abgelehnt.

Abg. S ch ö p f l i n (Soz.) beklagt die Konkur­renz, die den Zivilmustkern von den Militär­musikern gemacht wird. Dr. Geßler be-

Dft T-riUarve-ter stimmen zu.

Breslau, 6. März. Aus Landeshut wird gemeldet: Die Lohnverhandlungen in der hiesi­gen Textilindustrie sind nunmehr zu einem be- friedigenden Abschluß gekommen und zwar wurde der bisherige Tarifvertrag mit vierwöchi­ger Kündigungsfrist verlängert.

fltnannten Grafen Waldeck nicht ebenbürtig: Graf Hermann eine Klara v. Jäckel, die später Gräfin wurde, Graf Friedrich im Mai 1919 eine junge Stettinerin namens Gertrud Koblin mehr über ihre Personalien hat der Gotha sckcinbar nidit in Erfahrung gebrackst. Zum Schluß noch eine Neigungsheirat im Hause Wit­telsback: Herzog Christoph,Oberst!. a.D.,Sohn des verstorbenen Herzogs Maximilian Emanuel, ver­mählte sick ohne Angabe von Jahr, Tag und Ort und weitere Personalien mit Anna Si- big. Weist dos Buch auch viele Lücken auf, so ist daran sicherlich nicht die tüchtige Sckristleitung schuld, sondern ihre fürstlichen und hochfürstlichen Mnarbetter, auf deren Angaben sie ja angewie­sen ist. Ernst Haardegen.

3mmer tiefer in den Sumpf.

Windischgrätz und die Seinen unter Verdacht.

Budapest, 6. März.

In der Frankensälschungsaftäre wurde eine * Anklageschrift gegen Dr. BelaBarcgha ein- gcbrachi. Vargha sollte nach Stockholm gehen, Nadoffy, Prinz Windischgrätz und Raba hatten ihm einen falschen Paß verschafft. Da er aber kein Visum erhielt, würde der Plan auf- gegeben. Die Anklageschrift erhebt nun gegen Nadossy die Anklage wegen Urkunden­fälschung als Anstifter und gegen den Prin­zen Windischgrätz, Raba^ Vargha als mitschuldig

Ein Abgeordneter läßt sich nicht ausfragen.

Budapest, 6. März. Abg. Markgraf Palla­ll i eint verweigerte gestern vor der Polizei seine Zeugenaussage und verlas eine Erklärung, in der er ausführte, daß er int Sinne des Jm- munitätsrechts einzig und allein der Na­tionalversammlung verantwortlich sei.

LomitggsgeLsnken.

Seid duldsam!

Durch den regenüberrieselten Februarmorgen zog der Amsel Sang klarschlagende Welle, und noch ungläubig, dann aber froh lächelnd, ver­spürte der Mensch, daß Frühling naht, wo über braunglänzenden Aeckern der Pflug geht und die Lerche sich jauchzend in dem Himmel verliert. . . Die Amsel ist eine schlimme Gesellin. Seit sie ihre Waldvogelscheuheit ablegte und sich es sind erst einige Jahrzehnte her an Menschen- nähe gewöhnte, weiß man, wie sie Erzfeindin der Finkin und Meisen ist. Sie plündert ihre Nester, verfolgt und verjagt unduldsam die Klei­nen, Zierlichen, Harmlosen. .

Die moderne Zeit predigte Toleranz, aber heu­te ist Wesen und Begriff des Wortes bereits uns fremd geworden. Die Zeit des aufgeklärten Ab­solutismus brackte Geister hervor, die religiöse und politische Duldsamkeit vredigten. Sie sahen nicht im Andersgläubigen den Bösartigen, den Vernichtungswerten, nicht im politischen Gegner den persönlichen Feind. Die Fackel der Aufllä- rung sollte hincinleuchten in die dunklen Gassen des Irrtums, Hasses und der Gewalt.

Wie fern stehen wir den Begriffen der Tole­ranz, Tugend, Sitte, Gesetz. Unsere Kulturideale sind vom Zweifel zernagt, zusammengebrochen; Kampf allen gegen alle herrscht. Wer eine an­dere Flagge liebt wie wir, wird gehaßt; wer manchmal Wein liebt statt Wasser, wird als Ver­brecher am Menschengeschlecht ausgestellt. Der kleinlichste, engstirnigste Fanatismus fübrt zur politischen, religiösen und kulturellen Sekten­bildung und gerade dieLebensresotmet". Neu­töner, die .Freien", .Vorgeschrittenen", ^Füh­renden" sind von einem Dünkel, einer Selbstge­rechtigkeit und einem Haß gegen die anderen Be­fangenen, daß auch ihre schönsten Reden nicht darüber hinweatäu'cken können: Sie sind im Charakter wie jene Amsel, nur fingen ft» nicht

Wer aber im Sinne Cbristi lebt und wirken will. weiß, daß viele Meinungen und Abwei­chungen nicht schlechthin gut oder böse sind. Wo

»er Begrüßung. Deutschland in Not, so geht »er Ruf heute durch unser Vaterland. Das deutsche Reich wieder aufzurichten, Volk und Vaterland nach den Wirrnissen der Kriegs- und Nachkriegszeit zur Gesundung zu bringen, ist Aufgabe des ganzen Volkes. Dazu bevarf cs auch der Mitarbeit der Jugend, die als kom­mendes Geschlecht in erster Linie berufen ist, Wiederaufbauarbeit zu leisten. In unserer Ju­gend liegt die Zukunft des Vaterlandes. In diesem Sinne will auch der Ruderverein sein Teil beitragen unsere Jugend zu starken, tat. kräftigen Männern zu machen, die den großen Ausgaben der Zeit gewachsen sind. Daß es der Verein an tatkräftiger Arbeit nicht hat fehlen lassen, bewiesen die im Vorjahr errungenen Preise. Mit herzlichen Worten des Dankes an alle Freunde und Gönner des Vereins schließt der Vorsitzende.

Zwei deutschen Volksliedern der Klasse V6 folgt ein Schauturnen der Kleinen das viel Heiterkeit erregt. Die Art des Schauturnens neigt stark von der sonstigen Schablone ab und findet ungeteilten Beifall. Der kleine Oxenius plaudert in launiger Form über den Ruderver­ein und seine Arbeit. Besonderes Jntrresse wird dem Film .Unser R. V." entgegengebracht. In anschaulichen.Bildern, vom Weserfilm Kas­sel festgehalten, rollt das Leben und Treiben am Bootshaus über die weiße Wand. Manch bekanntes Gesicht taucht auf und wird mit fröh­lichem Lacken begrüßt. Lustige Schattenspiele, mit Parodien Schillerscher Gedichte gewürzt, beschließen den Reigen der Ausführungen.

Eine reichhaltige Tombola hat für jeden Teilnehmer etwas übrig. Terpsichorens Jün­ger folgen nur zu gern dem Ruf der Kapelle Wisotzkv, die wohl fröhliche Stimmung brächte, wenn sie hier nicht selbstverständlich wäre. Ein Abend wie dieser unter der fröhlichen Jugend bringt doch immer wieder Sonnenschein in un­ser Alltagsleben. Hoffentlich ist der Lohn für die ftohen Stunden nicht ausgeblieben, «ee«

Schau- und Werbeturnen der Henschel-Werke.

Morgen, Sonntag, nachmittag veranstaltet der Verein im Saale Wolfhagerstraße &7 ein Schau- und Werbeturnen. Alle Abteilungsn,

etwa 56 000 Mark, die für den Prozeß vor dem Reichsgericht etwa 65 500 Mark betragen.

Wilhelm IL und die falsche Rentenmark. In einem Hanauer Bäckerladen wurde von einem jungen Mann ein falscher 5 Mk. Schein in Zah­lung gegeben, der den Vermerk tragt: Dieser Schein ist zur Abfindung des Ex-Kaisers Wil­helm II. bestimmt und darf nur zu diesem Zwek- ke ausgegeben werden. Wilhelm löst diesen Schein gegen einen richtigen ein. Holland, den 1. April 1920- Deutsche Rentenbank. Bund Deutscher Deserteure.

Wertet die Altrentner auf! Ein Reichstags­antrag fordert, daß Werke, die eigene Perrflons- kassen vor der Inflationszeit gehabt haben ihren Altrenmern eine Aufwertung ihrer Be­züge gewähren, die den früher geleisteten Bei­trägen entspricht.

Wie sie in fremder Erde ruhen. Eine An­frage (Dntl.) im Landtag will wissen, ob massive Grabdenkmäler, Steinplatten usw. un­ter Belassung der Einheitskreuze auf die Kriegergräber in Frankreich gesetzt werden dür­fen und was unter der vorgeschriebenenEin­heitlichkeit der Anlage" zu verstehen ist.

Der Landtag hilft.

Eine Winzeraktion. Interessante Abstimmungen Berlin, 6. März.

Mit Ausnahme der Kommunisten haben sich alle Landtags-Parteien dahin geeinigt, den Winzern durch Annahme des folgenden Ausschußautrages sofort und wirksam zu hel­fen: Die Zollsätze für Auslandswein sollen neu festgesetzt werden. Großzügige Maßnahmen zur Hebung des Absatzes deutscher Weine sind zu treffen. Die Weinsteuer soll außer Kraft ge­setzt werden. Steuerstundung und Kredite sind zu gewähren. Preußens elf Millionen sind so­fort zu verteilen. Weiter wird der Gesetzent­wurf über die

Regelung der Gewerbesteuern für 1925/26 beraten. Die Vorlage bestimmt im wesentlichen, daß die bisher geltenden Vorschriften bis zum 31. März 1927 verlängert werden. In der Ab­stimmung findet der Antrag der Deutschen Volkspartei Annahme, der den steuerfreien Be­trag auf 1500 Mark erhöht. Weiter wurde der volksparteiliche Antrag angenommen, der allgemein die vierteljährliche Zahlung der (.Ge­werbesteuer einführt, während die Vorlage bei der Steuer nach der Lohnsumme monatliche Zahlung vermöglichte. Unter großer Heiterkeit wird dann aber der so geänderte Gesetzesteil gegen die Rechte abgelehnt. Damit schließt die zweite Beratung. In der dritten Lesung werden gegen die Rechte die vorerwähnten Be­stimmungen der Regierungsvorlage wegen der Zahlungstermine wiederhergestellt. Sonst wurde die Vorlage nach den Ausschußbeschlüs- sen angenommen. Bei der Beratung über die Zwischenlösung zur Hauszinssteuer wird der Zentrumsantrag angenommen, der die Steuer st d e n oder niederschlagen will bet Minderbemittelten, Rentnern usw. Mit diesen Aenderungen wurde die Zwischenlösung -n zweiter Lesung angenommen.

Aus Bolilil und Wirtschaft.

Ein teurer Eisenbahnerprozeß. Die Lohnkla­ue der Eisenbahner gegen die Reichsbahn ist be- anntlich abgewiefen worden. Die Kosten belau- en sick auf rund 43 000 Mark. Tie Unkosten der ' nächsten Instanz, des Kammergerichts, würden

Der Dichter am Katheder.

Zum Tode des Schriftstellers Otto Ernst.

In Groß-Flottbek bei Hamburg ist gestern der bekannte Schriftsteller Otto Ernst im 64. Lebensjahre gestorben. Am 7. Oktober 1862 in Ottensen geboren, wurde er Volksschullehrer und verheiratete sich 1887 mit einer Kollegin Helmy Scharge. 1901 legte er sein Lehramt nie­der. Durch feine ErziehungskomödieFlachs- nrann als Erzieher" und die Asmus Senper- Romane hat er sich einen guten Namen in der deutschen Literatur geschaffen. Unsere Leser kennen ihn auch durck seine Sammlungen von Geschichten von der Waterkante. Ein nicht un­beträchtlicher Kreis beklagt in ihm einen guten iyamlllenfreund, wohl gar einen Ekkehard des deutschen Volkes, der immer mit treuem Auge über der Nation gewacht und sie zum Guten ermahnt hat. Sein Werk war ebenso wie seine Ziele wenig einheitlich. Er schrieb bald wie em Lehrer voll Milde, bald wie der Schulmei- ter, der alles vertragen kann, nur keinen Wi- derivruch. Insbesondere in den letzten Jahren, in dieser Zeit einer an sich begreiflichen allge­meinen Erregung war Otto Ernsts Kampflust noch mehr gestiegen. Zum Schmerz mancher alten Freunde, die einst mit ihm um Liliencion eine Art Weimar an der Elbe gebildet hatten heg er in politisches Tiefland. Doch bleibt er uns mit seinen früheren Werken ein lieber freund, mit dem wir immer wieder gern plaudern.

Lucie Höfffch im Lustspiel.

BahrsPrinzip" im Kleinen Theater.

Die Köchin Lene Kuk gibt dem Lustsviel Prinzip" des Wiener Dichters Hermann Bahr Daseinsberechtigung. Um den mittleren Akt in der Küche der Gräfin Aagern ist das ganze Lust­spiel herumgeschrieben. Hier toirtt sich das Prin­zip des biederen Dr. Esch, fernen Kindern in Liebesdingen völlig freien Willen zu lassen, un­erwartet komisch aus: Der begeisterungssähige Prömaner Hans hat sich in die Köchin verliebt und verlobt. Mama und Papa machen nun der resoluten Schwiegertochter einen Anstands- besuck, um die Wahl ihres Sohnes zu prüfen. Tie Unterhaltung, die sich nun entwickelt, von der Entrüstung über die Zumutungen der Dok­torsleute bis zu der glücklichen Vorstellung, eine vornehme Madame zu werden, gehört zu den wirksamsten, wenn nicht besten Lm'tspielszenen. die wir besitzen. Wenn die Köchin dann noch von der fähigsten Darstellerin solchersaftigen" Ge­stalten gespielt wird, kommt man aus dem La­cken nicht mehr heran. Lucte Höflich nimmt die Lene Kuk ebenso ernst wie ihren Weibsteu- fel, ihre Rose Bernd: Sie gestaltet mit vollkom­menem Ernst und wirkt deshalb mit der unmit­telbaren Stärke unfreiwilliger Komik, die sich in dem Besuch bei Doktors zu einer Höhe hinauf- Pielt, an der Bahr keinen Anteil mehr hat: Wenn Lene Kuk ihre Verlegenheit hinter dem Interesse an Korbmöbeln versteckt und die abso­lute Minderwerftgkeit ihres neuen Bräutigams

durch herrische Geste zu verstehen gibt, gestaltet die Höflich mit den oleichen Mitteln, mit denen unser größter Komiker Max Pallenberg seine Rolle auz dem Lustspiel in die Improvisation hebt. So wurde das Prinzip aus einem Lust­spiel von Bahr eine Improvisation von Lucie Höflich. Es ist verständlich, daß die übrigen Darsteller, unter denen Hans Steinau hervor-- ragte, zur bloßen Folie werden mußten, obgleich üe_ im Einzelnen gute Lustspielfiguren auf die Bühne stellten. Die Hauptszene, dieKüche", hatte Hellmuth Schubett sehr lebenswahr einge­richtet: Es fehlte nicht einmal die Wasserleitung. Ter Beifall war endlos. G. M. V.

worden. Aus Bayern werde viel Falsches von den Linksparteien verbreitet. In Frankreich wird die Jugend schon vom vierten Lebensjahr an militärisch ausgebildet Abg. v. Ramin (Völk.) erklärt, die kleine Reichswehr kann nicht einmal einen Verteidigungskampf führen. Das bedauern ja auch die republikanischen Parteien, die sich zu meiner großen Freude jetzt zum Gedanken der W e h r h as t i g k e i t bekannt haben. Wenn die Republik diesen Geist der n a- t;analen Entwicklung übernimmt, bann wird sich auch unsere Haltung zu ihr an« b em. Reichswehrminister Dr. Geßler er­klärt: Das Reichsbanner verfolge jetzt Tenden­zen, die einen Ausschluß seiner Mitglieder aus den Kriegervereinen durchaus

fttnden, doch ist hier wenigstens der Name der Satttn: Charlotte, geschiedene Lent, geborene Nawrath, nicht verschwiegen. Die reußische Prinzeß Barbara ist bereits seit Vorkriegszeiten mit dem Prediger an der Berliner Dreifaltig­keitskirche v. Lütttichau verheiratet. Eine nahe Verwandte des entthronten Königs Ferdinarck von Bulgarien, Prinzeß Klementine von Ko- burg, vermählte sich erst vor Monatsfrist mit einem Hern Eduard Georg von Heller, über des­sen Personalien sich der Gotha auch noch aus- fckweigt. Die Lippesche Prinzeß Anna Christine hat sich einen Doktor der Staatswissenschaften, Wilhelm v. Oswald in Hannover zum Gatten erwählt. Prinzessin Marie von Hohenzollern- Sigmaringen ist seit November vorigen Jahres Gattin des Freiherrn von und zu Waldgries in Bozen, während ihr Bruder, PrinzWbrecht, der sich als Rtttcrgutsbesttzer bezeichnet, auf seine Burg NaMedy am schönen Rhein Ilse Margot von Friedeburg als Burgfrau heirnsührte.

Ein sehrmorganatisches" Haus sind die Waldecks. Der Gotha berichtet da zunächst von der nickit ebenbürtigen Ehe, die Graf Alexander, preußischer Major b. R., in London mit Luise Dransfeld geschlossen hat. Luise wurde später als Frau von Gellen in den Adelstand erhoben, einige Jahre nach dem Krieg wurde die Ehe ge­schieden und nun vermählte sich die Geschiedene mit ihrem Schwager, dem Grasen Georg. Auch ohne hausgesetzliche Genehmigung", wie der Goiha streng ordnungsgemäß vermeldet. Ucbri- gens heirateten auch die beiden Brüder der eben«

Keine omtiiche Propaganda erlaubt.

Äuf eine Anfrage (Dtn.) hat der preußische Minister geanttoortet, daß die Parteien für das Volksbegehren den Gemeindebehörden noch Propagandamaterial übersenden kön­nen. Sie sind jedoch ausdrücklich darauf hinge­wiesen worden, daß weitere amtliche Be­kanntmachungen als die über Art, Tag und Stunden nicht in Betrackl kommen und daß insbesondere Ausrufe <Plakate) von Parteien u;w., die sich für oder gegen den Gesetzentwurf aussprechen, keineswegs zum Gegenstand einer Veröffentlichung gemacht werden dürfen.

Der Mensch fei aut!

Ein Wort über den Dichter Heinrich Ruppel. (Zu unserer Novelle:Das Kirmeskleid".)

Innerhalb der jüngeren Generation hessi­scher Dichter muß der aus der Rhön stammende Lehrer Heinrich Ruppel, der in Homberg lebt, mit an erster Stelle genannt werden.

Ueber das Werk und die Art des jetzt 40jäh- rigen Heinrich Ruppel gibt Will Scheller in seinem soeben erschienenen sehr empfehlens­werten Buch überheutige deutsche Dichtung in Hessen" (Heimatschollen-Verlag in Melsungen) folgendes bemerkenswette Urteil:Auch er be­schäftigt sich, wie so mancher dichtende Zeitge­nosse und Landsmann, in mannigfacher Weise mit den Nöten, die das deutsche Volk betroffen haben, und deckt dabei viele Quellen auf, aus denen die Gesundung guillt. Familie, Heimat, Vaterland sind die drei hohen Ideale, die ihn zum Erleben Gottes führen zu einem Er­leben, das ihm, durck einen Blick in die hei­matliche Landschaft oder in die Augen gelieb­ter Menschen reichlich vermittelt, die Kraft gibt gegen die Gottesfeindschaft im Denken und Handeln der Zeitgenossen dichterisch anzn- kärnpfen. Das tut er, dem doch der lvrische Ton so liedhaft melodiös von der Lipve kommt, in Bauerngeschichten von manchmal holzschnitt- artiger Prägung. Ihre Gestalten sind, m't wenigen Strichen gezeichnet und mit sparsamen Farben koloriert, Menschenbilder, die vor dem Lesenden wie leibhaftige Erscheinungen empor« wachsen und in all ihrer unverfälschten Mensch-

München, 6. März. In einer Erklärung der bayerlschen Staatsregierung wird festgestellt, daß diese auf einem entschieden ablehnenden Standpunkt zur Frage der Enteignung der Für- steuvermögen stehe - Auch die Völkischen.,^,,, vup1C erlassen einen Aufruf gegen die Eintragung, musiker es leider unmöglich mache, ihnen m die Listen zum Volksentscheid. * " ' - - ~ --

_ ,. _ , . ... .. . Realgymnasium 2 statt, die sich eines regen Be-

.en vorgesehen, -er Vertrag wird für die -an», suchs erfreuen konnte. Die Schüler-Ruderer er von zehn Jahren abgeschlossen und ist für " hatten ein abwechselungsreiches Programm zu- " sammeugesteüt, das bei allen Besuchern vollen

Beifall fano. Nach einem einleitenden Marsch eines Schülerorchesters sprach der erste Vor- sitzende, Werner E b e rh a r d t, herzliche Wort:

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