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Kasseler Abendzeitung
Hessische Abendzeitung
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SRtttlttttCr 56. Einzelnummer 10 Pf„ Sonntags 15 Pf.
Sonntag, 7. März 1^26
Einzelnummer 10 Pf^ Sonntags 15 Pf.
16. Jahrgang
Kabinett Briand heute morgen gestürzt.
Europa von morgen.
Frühlingsstürme in Natur und Politik.
Nun Hal der nordwärts trollende mürrische Winterriese sich nochmal den vorausgespreng- ten, beflügelten Frühlingsherolden zur Wehr gesetzt, blies ihnen Gewitterstürme, Flocken und Körner ins Gesicht, daß der allzu jäh mporge- schossens Blumenflor sich schauernd an den Busen der Mutter Erde schmiegte und der erste grüne Knospenflaum in Busch und Hag fröstelnd zusammenfnhr. Tödlicher Märzreif, eisige Aprilschauer, herber Maienfrost werden das Glück junger Frühlingstage noch oft befallen, aber nicht ersticken können, werden auch nicht alle tausend Blütenträume unsrer Seele reifen lassen. Aber durch Sturm und Wetter» «aus blauen in stählernem Glanz die fernsten Bergkuppen, als wolle jeden Augenblick der nie erhaschte, ewig wechselnde Falter der Sehnsucht dahinter emporflattern. Und wie der gärende Saft in Scholle und Schaft quillt in uns die untrügliche Gewißheit auf, daß wie über Furchen und Flanken der Erdrinde so auch über die verödete Menschen-, Völker- und Weltseele nun bald sich heilige Hoffnungssaat und duftende Blumenteppiche spannen werden. An allen Orten und von allen Kanzeln der Belt haben er dieser Tage wieder die Redegewalti- fen Europas sich feierlich zugeschworen, nicht urch den Rauhreis des Mißtrauens und der Niedertracht die sprossende Friedenssaat zu vergiften. Tatsächlich hat sich denn auch der in den Schweizer Alpen entfesselte Föhn soweit gelegt, daß das Berliner Zwillingspaar Luther- Stresemann mit gutem Gewissen durch die dunkle nordische Märznacht hebt linden Süden entgegenbrausen kann. Junker Jörg bat in Gestalt des Reichskanzlers wieder einmal nach den diabolischen Versuchern... Briand- Chamberlain das Tintenfaß geschleudert »nd der Spuk der deutschen Knebelung ist nun bis zur Zeit der Traubenreife zurückgewichen. An Schwedens unwiderruflichem „Nein" ist der plumpe, wenn auch fein ausgetüftelte Ueder- rumpelungsversuch der Locarnoverschwörer verpufft, wobei sich freilich der edle doppel, züngige Hosenbandritter Chamberlain vor seinen Landsleuten und dem Völkerparkett erheblich das moralische Rückgrat verstauchte. Diese mit dem franko-slavischen Völkerblock kokettierende Schaukelpolitik wird dem listenreichen Völkerbundiniriganten über kurz oder lang, das steht heute schon fest, den Ministerstuhl kosten, denn kein Volkstribun kann auf die Dauer, will er nicht ein Mussolinchen werden, gegen sein Land regieren.
Halten wir besagten Schulmeister und Erzdiktator dabei gleich ein wenig hei den Rcck- schötzen. Er hat in Rom und allenthalben im Mittelmeer, den Kolonien usw. wieder seine Raketen steigen lassen, hat sich erst den jugo- slav i sche n, dann den gr l ech i scke n Außenminister in den Quirinal geladen, nicht ßlos um die Balkan- und Mittelmeerländer sanft bei einer Havanna in römisch« Jmperatorträumr einzuwiegen. Sein düstrer Ehrgeiz zimmert vor allem — und jetzt heißt es die Ohren spitze« — an dem Gerüst, das von Paris über Rom, Belgrad, Athen, Warschau bis an die Ostsee stoßen soll, um dem werdenden Großdeutsch- land eine unüberwindliche Eisenmauer ent« gegenzusteüen. Denn er weiß wohl, daß seine gegen den Anschluß ausaestoßene Kriegsdrohung, soweit sie ihn selbst betrifft, eine lächerliche Farce ist. Aber auf den Schultern der Slavenmillionen (auch Rußland möchte er in diesen Block spannens hofft daS Napoleon- chen selbst die Geschicke Eurovas leiten zu fön» «en und sei es gegen den Spruch des Völkerbundes, von dem er selbst nie viel Aufhebens gemacht hat. D ar u m gab Herr N i n t s ch i t s ck aus dem gelben Haus in Belgrad auch sofort seine Karte in Briands Amtszimmer ab, der sich aber diesem .Kompakt* noch nicht sofort mit Haut und Haaren verschreiben wollte. Was werden die Berliner Matadoren diesen neuen Einkreisungsrankünen und der Völkerbund dem gefährlichen Sprenannosversuch entgegentür- men? Stärkung der Ratsautorität auf Deutschlands Kosten, wie es Chamberlain plant? Damit kämen wir vom Regen in die Traufe. Oder ober gegen den Bund der Ausbeuter eine Front der Ausgebeuteten aufrichten, zusammen mit Rußland. Oesterreich und den Unterdrückten tn Asien, Afrika und der ganzen Welt? Ein gigantischer Plan, der leider ein wirtschaftlich und politisch geschwächtes zerstückeltes, ohnmächtiges Volk vorfindet und darum unaua, führbar bleibt. So bleibt uns denn nichts als mutig und entschlossen den eingeschlagenen Weg bis ans Ende zu gehen: Mobilmachung der wirtichastlichen und moralischen Kräfte Deutschlands, die wir zur Stunde noch kaum in die Bagsckale werfen konnten. Mit Tatsachen und nicht mit Phantomen haben wir zu rechnen, wobei wir um unserer eigenen Eri- stenz willen, im ehrlichen Spiel zupacken
MGenserTagung aber nichtbedroht.
Briand geht trotz Rücktritts mit Vollmachten nach Genf.
P a r i s, 6. März 7 Uhr 55 Minuten früh. (Privattelegramm). Das Kabinett Briand ist soeben im Lanfe der Beratung über die Steuergesetze gestürzt worden. Beim Titel „Zahlungssteuer» beantragte der Kom» munit Ernest Lafent deren Zurückstellung. Briand stellte die Vertrauensfrage und ist bei bte Abstimmung hierüber mit etwa 50 Stimme« in der Minderheit geblieben.
Paris, 6. März (Eigener Drahtbericht.) Wie AavaS meldet, wird Briand heute Abend trotz des vollzogenem Rücktritts doch nach Genf abreisen.
müssen, wo sich ein Vorteil bietet. Daß «s sich hier in erster Linie um die Wschüttlung der schikanösen M i l i t ä r k o n t r o l l e, der sinnlosen Rheinland - und Saarbesetzung, Schuldlüge ustv. und um Wiedererlangung der vollen StaatSsouveränität handelt, ist hier so ost ausgesprochen worden, daß diese Andeutung genügt. Darüber hinaus aber wird es dem wehrlosen, geknechteten, aber geistig überragendem deutschen Moses obliegen, das in sich selbst und untereinander zerfallene Europa zu sammeln, die ehernen Gesetzestafeln der Kultur und Menschlichkeit und... der gemeinsamen Gefahr von außen mit Donnerstimme aufzurichten, wenn die weiße Rasse nicht im .heiligen" aber blinden Egoismus sich selbst verzehren und ein Raub und Spielball mächtigerer Wirtschaftsrivalen werd-n soll-
Inzwischen ist nun über Nacht auch Bri, a n d s wankender Thron geborsten, eine Pariser Bombe, deren Knall freilich weder Frankreich noch die große Weltgeschichte tiefer erschüttern wird, da Briand, wie der Draht noch in letzter Stunde erkennenläßt, seine Genfer Mission unter allen Umständen durchführen soll. Ob diese neue Situation für die deutschen Belange besonders aussichtsvoll ist, werden schon die ersten Sonntag-Duelle erweisen. Für Frankreich und seine Bundesbrüder dürften die nun etwas schemenhaft zusammengeschrumvsten Vollmachten Briands keine allzuscharse Waffe sein.
F. R.
(Sine stürmische Nacht.
Krgch um den... Tabak. — Briand macht Ernst (Eigener Drahtbertcht.)
Paris, 6. März.
Die Kammer haste nach einer Nachtsitzuns, bis 6 Uhr morgens die Steuer-Artikel noch nicht erledigt. Die vom Senat vorgeschlagenen und in der Kammer bereits abgelehnten Steuern auf Alkohol und Zucker wurden abgelehnt ebenso die Erhöhung des T a ba k p r e is e s auf 2,25 Franken, die der Senat beantragt hatte. Daraus wurde ein Vorschlag eingcbracht den Preis aus zwei Franken zu erhöhen. Ties wurde mit 246 gegen 243 Stimmen abgelehnt. Infolge dieser Abstimmung verlangte Abg. Malvy, daß die Sitzung unterbrochen würde. Es ent- stand eine große Erregung über die Folgen dieser Ablehnung. Schließlich erklärte Briand, er werde morgen Frankreich in Genf nicht ver- treten mit einer parlamentarischen Meinung, wie er sie bis jetzt erlangt habe. Unter dem Drucke dieser Siede hat die Kammer dann den Tatzakpreis von 130 auf 2,10 Franken erhöht.
*
Briand ist tot Es lebe Briandl
Paris. 6. März. (Privatrrlegramm.) Bei der Abstimmung ftimmtcn die Sozialisten und die Kommunisten geschloffen gegen die Regierung. Die Radikalen und Sozialistischen Re- publikanmer stimmten für das Kabinett, ebenso die Radikale Linke. Die LinkSrepublikaner haben sich getrennt, während die Rechte gegen die Re- qierung stimmte. Bei Verkündung deS Ergeb- niffeS rufen die Radikalen und die Mittelparteien: „Es lebe Briand!" Briand verläßt unter dem R<-ifall der Linken und der Mittelparteien den Saal mit sämtlichen Ministern.
Das letzte Nein!
Schweden läßt keinen Kandidaten zu.
(Durch Funkspmch-
Stockholm, 6. März.
Unmittelbar vor seiner Abreise nach Genf gab der Minister des Aeußeren, Anden. im Reichstag folgende Erklärung ab: Eine Erwei. terung der ständigen RatSfitze über den Rahmen der Großmächte hinaus, müsse auf die stärksten Bedenken stoßen. Rur die Rücksicht auf sie Intereffen des Völkerbundes und nicht die Rücksicht auf die Sonderintereffen einzelner Staaten dürfe maßgebend sein. Jedenfalls müsse die Frage der Neugestaltung des Rates
auf später vertagt werden. Schweden werde sich jetzt an keine bestimmte Lösung dieser verwickelten und bedeutungsvollen Frage binden. Sämt- liche Parteien schlossen sich nachdrücklich den Ausführungen des Ministers an.
Ein glMiiches Gelingen! Deutschlands Vertreter nach Genf unterwegs.
(Privat-Telegramm.)
Berlin, 6. März.
Die deutsche Delegation ist gestern abend um 10 Uhr 5 Minuten mit dem fahrplanmäßigen Zuq nach Genf abgereist. Der Reichspräsident hatte seine besten Wünsche für ein gutes Gelingen der Mission aussprechen lassen. Die De- legation besteht auS vierundzwanzig Mitgliedern, deren Namen größtenteils bekannt sind. Auf dem Bahnsteige hatten sich neben zahlreichen Herren des Auswärtigen Amtes auch vier Minister, sowie — ein besonderer Aki der Cour- teoifis — der Schweizer Gesandte eingefunden.
Hie Dolßdie Fürst.
Kabinett u. Regierungsparteien sind sich einig. (Privat-Telegramm.)
Berlin, 6. März.
Das Reichskabinett stimmte gestern laut Pressenotiz dem neuen Kompromitzentwurf zur Fürstenabfindung einstimmig zu. Ueber den Inhalt deS vorliegenden Kompromiß- Entwurfs verlautet, daß das einzusetzende Sondergericht unter dem Präsidenten des RiechSgerichts, Dr. SimonS auS vier juristischen und vier Laienbefltzern gebildet werden soll. Es soll eine klare Scheidung zwischen dem Staatsvermögen und dem Privatbesttz der Fürstenhäuser erfolgen. Der gesinnte Besitz, der auf einen Akt der Souveränität zurückgeht, soll entschädigungslos an den Staat fallen, während für die Entschädigung der Fürsten nur der einwandfreie Privatbesitz in Frag« kommen soll. Der Staat soll aber auch die Enteignung solcher Teile des Privatbesitzes betrei- den können, an deneu ein öffentliches Interesse besteht. — Bei den Besprechungen des Kanzlers mit den Regierungsparteien wurde in allen Punkten eine grundsäWche Einigung erzielt, wobei die Fraktionen das letzte Wort haben.
Schon jetzt durchgefallen.
Polen gibt das Rennen auf. (Eigene D'ahtmeleung.)
London, 6. März.
Ein Berichterstatter schreibt: Die erste Sorge Chamberlains in Gens werde sein, eine Konferenz mit den Delegierten der Dominien uns Indiens über die Frage der Ratssitze abzuhalten. Polen soll sich jetzt bereit erklärt haben, bis zum nächsten September mit der Verwirk lichung seiner Forderungen zu warten. Es werde dann aller Voraussicht nach einen nichtständigen Sitz im Rare erhalten.
Wie der Mär-sturm tobt.
Bier Tote unter den Kloftermauern. (Eigener Drahtbertckit.)
Rom, 6. März.
Das gestern gemeldete Anwetter herrschte heute morgen, wenn auch mit verminderter Heftigkeit, in ganz Italien an In Perugia und Umgebung ist Schneefall eingetreten. In Messina stürzte ein altes Kloster em. Durch den Einsturz der sehr alten Klostermauern infolge der Krstft des Windes wurden die benachbarten Baracken zerstört und dabei vier Per so- nen getötet und drei schwer verletzt.
Wenn Fürsten freien.
Herzensromane nach dem Umsturz.
Daß Sie ehemalige« LanSesfiirfte«. Sie Prinzen unS Primesflnnen, Sie einstmals de« Ton in der vornovemberlichen Gefellfchast angaben, nicht ganz in Vergesienbeit geraten, dafür sorgen nicht blotz AbfinSnngsvrozrffe. Volksbegehren und SonSergerichte. sondern auch Ser weltberühmte Gotbaisch« HoskalenSer. der allen Stürmen Ser Seiten nnS allen Umwälzungen zum Trotz jahraus, jahrein, nun schon 163 z)ahre lang allen, die davon wiffeu wollen, berichtet. War erzählt uns das soeben erschienene Jahrbuch für 1926 wieder für bemerkenswerte Dinge! Für den, der zwifchen den Zeilen zu lesen versteht, entrollen sich in den knappen und doch so inhaltreichen Zeilen ganze Romane wie z. B. in der folgenden Notiz:
»Prinz Wilhelm Viktor Karl August Heinrich Sigismund, geb. Kiel 27. November 1896, Leutnant z. S. a. D., Angestellter der Firma Schlubach, Sapper u. Co. in Hamburg, vermählt Herrenhaus Hemmelmark bei Eckernförde, 11. Juli 1919 mit Charlotte Agnes, Prinzessin von Sachsen-Altenburg, geb. 4 März 1899, z. Zt. Tinca Santa Sofia, San Andres Osuna, Guatemala."
Der Hohenzollernsprotz, von dem hier die Rede ist, ist der zweite Sohn des Prinzen Heinrich von Preußen. Einst wohlbewährter U-Boot-Offizier, hat er nach dem Umsturz, rasch entschlossen, sein Leben neu gezimmert, hat die Vertretung des genannten angesehenen Hambur. gor Handelshauses übernommen, und seine junge Gattin, die erstgeborene Tochter des letzten Altenburger Herzogs Ernst II., hat als mutiges Prinzetzchen, das Leid und Freud mit dem Gatten teilen will, den Gemahl selbst bis nach dem fernen Guatemala begleitet, wo sie ihn als. bald, fern der Heimat, im neuen Hausstand mit einem munteren Söhnlein beschenkte.
So wenig, wie diesem Prinzen an der Wiege gesungen worden ist, daß er einst als kaufmännischer Angestellteer wie seine unzähligen Kollegen aus dem Bürgerstand sein Brot in manchmal gewiß harter Arbeit verdienen würde, so hat wohl auch kaum der ehemalige sächsische Kronprinz Georg je daran gedacht, als er im Felde stand, daß er statt Krone und Purpur einst den schlichten Priesterrock tragen würde, wie sein Onkel, der Priester und Philosophieproseflor in Freiburg in der Scheiz, und daß ihn der Gotha von 1926 als Weltpriester der Diözese Meißen aufführen würde. Als Priester hat übrigens Kronprinz Georg in jüngster Zeit auch verschiedene Male bei Familienereigniffen des Hauses Wettin fungiert, er segnete den Ehebund seiner jüngsten Schwester Monica Pia, die jetzt mit ihrem Gatten, dem „Tr. Joseph Franz, Erzherzog von Oesterreich" auf dem Rosenhügel bei Budapest in glücklicher Ehe lebt, auch nahm er die Taufe des kleinen Prinzen ®ero vor, des zweiten Söhnchens des Prinzen Ernst Heinrich der mit feiner luxemburgischen Gattin in München Aufenthalt genommen hat.
Nirgends aber macht sich der Wandel der Zeiten in bezug auf die deutschen Fürstenhäuser so geltend, wie bei den Eheschließungen. Heiraten aus dynastischen Gründen gehören eudgül- tig der Vergangenheit an. „Mesalliancen", die früher in die höfische Chroniqne scandaleuse gehörten, sind jetzt an der Tagesordnung. Auch ein ehemals regierender deutscher Fürst hat eine solche Ehe geschlossen: Fürst Adolf zu Schaumburg-Lippe, der nach seinem Thronverzicht die dem Bürgerstand entsprossene geschiedene Gemahlin des Prinzen Eberwyn zu Bentheim unv Steinfurt heiratete, eine geborene Bischoff-Kort- Haus. Die ehemals morganatische Gednahlin des Kaisersobnes Oskar, die Gräfin von Ruppin, ist bekanntlich durcv die Revolution zur regel» reürten preußischen Prinzessin avanciert, dagegen Hot ihre Schwägerin, die 1920 geschiedene Gattin des Prinzen August Wilhelm, geborene Prinzessin Alerandra Viktoria von Schleswig-Holstein, den ehemaligen Korvettenkapitän Arnold Rü- mann geheiratet und lebt jetzt in München gut- bürgerlich, wie in Heiligendamm „Ihre Hoheit, Frau Schmidt", die Witwe des Prinzen Heinrich XVII von Reuß j. L-. die fetzt den Rittmeister a D. Robertt Schmidt als Gatten erkor.
Einen ganz besonders reichhaltigen Beitrag zum Kajüte! der einst als Mcsalliancene bezeichneten fürstlichen Herzensheiraten liefert daS reutzische Fürstenhaus, dem bekanntlich auch die zweite Gemahlin Wilhelms TI. entsiammt Deren Sckwcster, Prinzessin Marie, ist mit einem ein- fachen, übrigens katbolischen Freiherrn von Gnagnoni verheiratet Prinz Heinrich XXXVII. Kapitänleutnant a. T, lebt, wie der Gotha verrät, in einer nicht von seinem Haus anerkannten Ehe" mit einer Dome, deren Name der sonst so gut unterrichtete Hofkalender durch einen Gedankenstrich und drei Punkte ersetzt Anch die Ebe des Prinzen Heinrich XTJL, Rittmeisters a. D„ hat nicht den Beifall des fürstlichen Hauies ge«