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Kasseler Neueste Nachrichten

Hessische Abendzeitung

Kasseler Abendzeitung

Mittwoch, 3. März 1926

Nummer 52. Einzelnummer 1(1'ISL Sonntags 15 W

Einzelnummer 1» Pf. Sonntag« IS Pf. 16. Iabrg

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Der Reichspräsident fährt durch Leipzig.

DirGlhikUder Davids

Eine Einheitsfront gegen die Kriegsschuldlüge.

Der bekannte amerikanische Schriftsteller H. G. S ch e s s a u e r, der den Kamps gegen den von seiner Helmatnation verschuldeten Schmach­frieden von Versailles als seine Lebensaufgabe betrachtet, hält gerade jetzt, wie er in der Zeit­schriftDas deutsche Vaterland" darlegt, den Augenblick zur Herstellung einer nationalen Einheitsfront für gekommen und schreibt: Im Grunde genommen, und an der Wurzel ge­faßt, ist die Fruge der Kriegsschuld gar keine Frage. Die allgemelnen Gründe und Ursachen des Krieges standen schon am ersten Tage klar da. Deutschlands moralische Verteidigung, Deutschlands Standpunkt sind kaum verändert. Die historischen Tatsachen, die diplomatischen Verwickelungen, die am Anfang in manchem Punkte noch unklar waren, haben sich inzwischen geklärt; beinahe ausnahmslos zugunsten Deutsch­lands. Die gesprengten Archive haben ihre für Deutschlands Feinde verderblichen Ge- heimnisie ausgespien. Punkt für Punkt ist aus Deutschlands Verteidigung eine vernichten­de Anklage gegen seine Feinde geworden. Unwiderlegbare Beweise türmen sick berghoch. Aus den Ländern der Alliierten selbst entsprin­gen jetzt Alliierte für Deutschland. Die Wahr­heit marschiert, wie man sagt. Aber die Wahr­heit war immer da sür den, der sie sehen oder hören wollte. Aber wer, mit Ausnahme der Deutschen, wollte sie hören oder sehen? Und endlich ist sie so verdreht und verzerrt worden, daß selbst mancher Deutsche sie nicht mehr kennt.

Manchem Deutschen ist es auch unbekannt, daß den Feinden seines Landes (nicht ehema­lige, sondern immer noch Feinde und zwar ak­tive) seine Unschuld am Krieg ebenso klar ist, wie ihnen ihre eigene tatsächlich bewußte Schuld. Das bedingt das Unfruchtbare in der ganzen riesenhaften Arbeit und Forschung um dieser Kriegsschuldsrage. Emsig, unaushörlich arbeiten die Deutschen an dem Aufbau einer mächtigen Pyramide von dokumentarischem Material, entlastend sür sie, belastend für ihre Feinde. Es ist als ob sie sich selbst überzeugen wollen, vatz sie nicht schuldig sind Dieses Be­streben beweist aber schon eine gewisse An- k r ä n k e l u n g durch das moralische Gift, das von der Entente in die Welt gesät worden ist. Der allzu große Ernst der Deutschen beruht auf der Annahme, daß ihre Feinde es ebenso ernst meinen, daß sie ebenso fest an die Schuld Deutschlands glauben, wie die Deutschen es ihnen zumuten. Auch hier beweist sich Der Deutsche nicht nur leichtgläubiger, sondern vom menschlichen Standpunkt aus als viel höher stehender als seine Widersacher Ein ame­rikanischer Journalist hat kürzlich gemeint, diese Deutschen sind so naiv und glauben, daß. wenn es ihnen gelingt, ihre Unschuld zu beweisen, man das gefällte Urteil über sie als eine Ungerecht!g- leit einfach aufheben würde. Ste beurteilen andere nach sich selbst aber auch diese Beur­teilung, irrtümlich wie sie auch sein mag. ist eine Art Freisprechung für die Deutschen. Sie beweist, daß der Deutsche noch Glauben an Ver- nunst und Gerechtigkeit hat, daß et sogar Fein­den, die et jetzt gründlich kennen sollte, noch Großmut und Gerechtigkeitssinn zu- schteibi. Der Deutsche weiß, daß. wenn er oder seine Regierung einen Krieg aus vermutlichen moralischen Gründen geführt hätte und eS dann dem Besiegten gelungen wäre, seine Unschuld zu beweisen und auch die Tatsache, daß er ein Opfer wat. dann würde der deutsche Geist auch versuchen, das begangene Unrecht wieder gut zu machen. DaS ist eine Gedankenwelt, die nur von Idealisten bewohnt oder bevölkert wird Und die StiegSschulofrage ist jetzt leider zu einer idealistischen, sogar zu einer theoreti- fchen gemacht worden, indem man ste nicht sofort zu einer praktischen gemacht hat.

Schmunzelnd und großzügig geben hie und dort die Feinde zu. daß aus ihrer Sette .auch Irrtümer" gemacht worden sind. Ja. ste find loqar bered, Deutschland von einem groyen Teil der Schuld zu entlasten und ste irgend- welchen ungretibaten Begriffen, wie Den euro­päischen Zuständen. Der Gebeimdiplomatie «die sie immer noch eifrig betreiben) usw aufzula­den Denn sie wissen, daß nach ihremJt o d e t der Macht Deutschland allen moralischen An­spruch aus Wiedergutmachung verloren hat. cr^er Anspruch mag in den Wolken, sogar aus dem Himmelszelt geschrieben werden - aus Erden herrscht nicht die Moral, sondern bar Schwert Die Berge von Beweisen von Deutsch­lands Unschuld, von der Schuld der Entente wachse immer höher Dock wird das Krein Von De-tl-^'c-ndt M 'tnrtim diese Berge stets zu einem Golgatha machen, bl8 der furchtbare Bann, Den die verbrecherische Uebermacht aus­

übt, gebrochen wird und die Paralyse der Ver­nunft aushört aber in einem solchen Aus­maß und mit einer solchen Wucht, daß kein Sy­stem der Gewalt gegen das unerhörte Unrcch. mehr bestehen tnnn.

Deutschland als doppeltes Opfer, erstens des lang vorbereiteten Weltkrieges und zweitens des ungeheuren Gewaltfriedens hat eine doppelte Ausgabe. Erstens eine po­sitive und passive die Aufstapelung der ver- nichteden Wahrheiten, um sich von der Schuld­lüge zu befreien zweitens eine offensive und aktive die Schuld ihrer Gegner zu beweisen in unaufhörlichen immer wiederholten Ankla­gen. Fehlt der Apparat? Fürchtet man, daß die große Verleumioungs- und Verdunkelungs­maschine der Entente wieder in Tätigkeit tritt? Kann der deutsche David an den Entente-Go­liath heran? Ja, wenn er seine Schleuder zu handhaben versteht und einen schweren, spitzen Stein wählt und sein Arm die Kraft des Volkes bnrf'eöt. Bis ietzt haben die Deut- chen ihren Nutznießern und Tyrannen selbst die besten Helfershelfer geliefert durch ihre, der Deutschen, Uneinigkeit. Aber «egen den einigen zielbewutzten Geist eines ganzen Vol­kes, der mit Wahrheit gewappnet ist und a n - greift, ist das Schwert machtlos.

Willkommen in Leipzig.

Herzliche Begrüßung des RcichSpräfidenten.

kPrivar.Teleoromm >

Leipzig, 2. März. Der Herr Reichspräsident traf mit den Herren seiner Begleitung heute vormittag um 9,45 Uhr hier ein. Der Reichs­präsident mochte einen sehr frischen Eindruck. Von der in der BahnhofslMe dichtgedrängt stehenden Menge wurde er mit immer wieder­holten Hochrufen begrüßt. Der Reichsprasi deut wurde am Bahnhof von Ministerprästdent Heldt und dem Justizminister Tr. Büngel sowie Oberbürgermeister Dr. Rothe herzlick willkommen gel,eitzen. Ferner waren erschie­nen Reichsgerichtsprüsident Dr. Simons, Ober­reichsanwalt Dr. Ebermayer usw. Auf dem Bahnhofsvorplatz schritt der Reicher sttzew von der Menge mit stürmischen Hochrufen be grüßt, die Front der Ehrenkompanie ab und nahm deren Vorbeimarsch entgegen.

Diel Geschrei, Wenig WoNe.

Schlecht verteilte Rtchrmillionen.

(Eigener Drahtbericht.)

Berlin, 2. März.

Im ReichStagSuntersuchungsausschutz für Dis Ruhrkredite wurde gestern das Ergebnis in einem starken Bande vorgelegt. Der dritte Fragenkomplex war. wie es möglich war, daß ohne Anführung des Reichstages oder eines Ausschusses die Ausschüttung der Gelder erfolgt ist. Man hatte bereits geglaubt, Uneben­heiten festftellen zu können, die aber inzwischen aUSgeglickMn worden sind. Das Untersuchungs­ergebnis lautet: Im RuhrbeMban find Zins­vergütungen in Höhe von 26 Millionen gezahlt worden. Der Unterausschuß stellte fest, daß da­bei der Ruhrbergbau eine wesentliche Bevor­zugung geenüber den mittleren und Ueinen Betrieben erfahren habe. Außerdem seien die Arbeitnehmer im Bergbau nach dem Inkraft­treten der Micnmverträge durch Lohnherab­setzung erheblich geschädigt worden.

Gin teures Mund.

Rüstungsmärchen alS RheinkSder.

(Eigene DrahtmeNmng.)

Pari«, 2. März.

Abg. Spinasfe «flirte im «erlaufe der Locarnodebatte, er könne begreifen, daß auch ein provisorisch entwaffnetes Volk von sechzig Milli­onen, wie Deutschland eS sei, im Bergleich zu Frankreich, daS zwar mächtig bewaffnet, aber finanziell waffenlos und dazu durch innere Streitigkeiten zerklüftet fei, gewissen Leuten Angst einflößen könne Man müsse in der Er­füllung der Entwaffnungsklauseln, hauptsächlich aber in der Unterzeichnung der Abkommen von Locarno einen formellen Beweis des guten Willens Deutschlands stnden, der nach dem Vertrag zur R ä n m n n g des linken Rhein- uferS führen müsse. Abg Fabry erklärt, die Räumung des linken RheinuserS sei vor allem an die Sicherheit Frankreichs gebunden. Biele Abaeordnete glaubten, daß Deutschland sich nicht nur entwaffnet habe, sonder« daß eS sich in einer für Frankreich sehr

bennruhiqenden Weise wieder bewaffnet habe. Wir sind der «nstcht, daß in gewisser Hinsicht das linke Rheinufer eine nicht zu unter- sch........ Garantie bietet, dmn wenn Frank­

reich angegriffen werde, werde eS sehr »urteil« haft (ein, daß Daß Kampffeld sich im Gebiete

seiner Feinde und nickt in Frankreich befinde. Abg. Spinasfe fährt fort: Ich begreife, daß Sie ängstlich sind In dem Gedanken, daß die Br linken Rheinufers ein Ende neh­men wird. Aber wir haben einen Vertrag mit Deutschland, den wir zu beobachten haben.

zw-ier Lnc^mywnitay.

Chamberlain Will fick mit Lrither-Stresemann einigen.

(Eigene D»ahtmeldung.)

London, 2. März.

Wie die Blätter melden, Wird am Sonntag abend in Genf eine inoffizielle Zusammenkunft zwischen Chamberlain, Lord Cecil, D» Luther und Dr. Stresemann stattfinden, bei der die infolge der polnischen Forderung entstandene Lage erörtert werden soll. Man werde auf alle Fälle Die Lösung dieser Frage durch eine Vereinbarung zu erreichen suchen. Bei einem Sieg der einen »Der anderen Seite würde die ursprüngliche Verstimmung bestehen bleiben. Es heißt, Großbritannien werde als einzig angemessenes Verfahren Vor­schlägen, daß man sich gemeinsam um Den Be­ratungstisch versammelt unDLocarno- methoden zur Anwendung bringe."

Die bayrische Faust.

Stark nach außen, geschloffen nach innen.

(Privat-Telegramm.)

München, 2. März.

In einer Versammlung der Bayerischen Volkspartei führte Ministerpräsident Heldt u. a. aus: Ich höbe durch meine Rede über Süd­tirol nicht als bayerischer Außenminister aus­ländische Beziehungen regeln wollen. Was td; aber als deutscher Mann gegenüber einer Frage, Die uns auf dem Herzen brennt, zu sagen habe, lasse ich mir nicht unmöglich machen durch Die Stellung, Die ich als Ministerpräsident eines Landes bekleide. Hinsichtlich der von Reichs pochninister Stingl berührten Frage des Föde­ralismus erklärte Dr. Held: Der deutschen Reichseinheit wird durch Rücksichtnahme auf Die Eigenart der Stämme des deutschen Volkes mehr gedient, als durch einen Berliner Zen­tralapparat. Aus der gegenwärtigen, sehr ern­sten Wirtschaftskrise können wir nur durch Zu­sammenfassung aller Kräfte und Kreise unseres Volles herauskommen. Deutschland werde erst dann wieder in der Lage sein eine starke Aus­landspolitik zu macken, wenn im Innern Ge­schlossenheit der Auffassung herrsche. In einer Entschließung gegen das Volksbegehren über die völlige Enteignung der Vermögen der deutschen Fürstenhäuser Wird die Bayerische Volkspartei aufgefordert, sich der Stimme zu enthalten.

Annsbruck braust auf.

Bon den Faschisten gereizt.

(Durch Funkfprnch.»

Wien, 2. März.

Eine Abteilung italienischer Eisenbahner ließ sich aus dem Hauptbahnhof in Innsbruck photo­graphieren. wobei als Hintergrund eine aufge- pslanzte italienische Trikolore mit dem Bilde Mussolinis benutzt wurde. Alle Teilnehmer hatten daS Zeichen des Faszi ange­legt. Gegenüber dem ruhige« Einspruch deutsch- österreichischer Eisenbahner erfolgte eine schar­fe Erwiderung der Italiener, doch gelang e« dem «tationSvorstand, einen tätlichen Zu- sammenstoß durch sein Eingreifen z« verhindern

Jubelnde Grüße.

Im Aut» vom Bahnhof zum «usstellungsplatz. (Eigene Drahtmeldung.)

Leipzig, 2. März.

Die Fahrt durch die Stadt nach dem AuSstel« sungsgelände erfolgte in einem mit Blumen ge­schmückten Automobil, dem eine Abteilung Poli­zei vorauSritt. Reben dem Reichspräsidenten hatte Ministerpräsident Held Platz genommen. Drei weitere Wagen folgten. Während der Fahrt wurde der Reichspräsident von der Bevölke« r u n a onf daß Herzlichste begrüßt. Ein »tun« zeuggeschwader kreuzte über den Straßen sowie über dem «usft-llungSg'lände. Nach halb elf Uhr traf der Reichspräsident auf Dem AuSstellungSgelände ein. b-grüßt von r-nem Tusch der ReickSwebrkavelle., fowe von den Hochrufe« einer vieltausendköpfigen Menge.

Diener der Nepub-ik. Ankündigung einer großen Verwaltungsrefocm.

Berlin, 2. März.

Im Haushaltsausschuß entrollte Jnnemnini- ster Dr. Külz ein umfassendes Verwaltungs- irogramm. Er habe die Verabschiedung eines Gesetzes betreffend Schaffung eines Reichs- Verwaltungsgerichts und eines Gesetzes über die R e i ch s e i n h e i t auf dem Gebiet des öffentlichen Rechtes beantragt. Es müsse end­lich eine einheitliche Stelle geschaffen werden, der unter Schonung berechtigter Wünsche der Länder die einheitliche Entscheidung in wichtigen Reichsfragen übertragen werden könne. Er hat ferner einen Gesetzentwurf zur Prüfung der Verfassungsmäßigkett von Reichsgesetzen vorgelegt. Eine Buro- reform wird geschaffen, wobei die Erfahrun­gen des Sparkommissars berücksichtigt werden. Im Innenministerium sei soeben eine Muster- unb Probe-Registratur für die Reichsbehörden mit allen technischen Neuerungen eingerichtet, wobei mit manchem alten Zopf aufge­räumt wurde. Weiterhin soll das Reichs­recht gesammelt werden im Interesse einer einfache« und übersichttichen Gesetzgebung.

Von den insgesamt 10 732 Veröffentlichungen auf dem Gebiete des Reichsrechts sind zweifel­los 7488 gegen st andslos geworden. Aber auch von dem Rest wird noch ein großer Teil Wegfällen. Heber den Beamtenaustausch mit den Ländern seien bereits Richtlinien vereinbart. Der junge Beamte dürfe nicht lebensläng- lichimMinisterium bleiben, sondern nach zwei bis drei Jahren in die Verwaltung des Landes zurückkehren, um dann evtl, mit den Er­fahrungen der Praxis wieder in den Reichs­dienst zu gehen. Aber auch ältere Beamte sollten nach Möglichkeit ausgetauscht werden. Weitere Punkte betreffen Erledigung der Be- amtengesetze und Fortbildung der Be­amten. Der Minister forderte die

Erhaltung des Berussbeamtentums auch für die Republik. Der Beamte soll die republikanische Staatsform bejahen. Ohne die Freiheit der Meinungsäußerung zu beschränken, soll der Beamte in der Kritik der Regierungs­maßnahmen und der Volksvertretung maßvoll sein, Takt und Würde bewahren. Ein neues Beamtenrecht soll den Pflichtenkreis und die Rechte der Beamten nach neuzeitlichen Be­griffen regeln. Ein Beamtenvertretungsgesetz soll dem Beamten einen mitbestimmenden Einsluß auf die Gestaltung seiner persönlichen Angelegenheiten sichern. Ein Dienststrafgesetz ist vorgesehen. Die gesamte Arbeit des Beamten muß sich unter den beiden großen Gesichtspunk­ten vollziehen: Die Beamten sind

Diener der Gesamtheit, nicht einer Partei! Abg. Sollmann (Soz.) kritisierte die Bedrückung der kommunistischen Partei, insbesondere in Bayern. Abg. v. Kar- dorff (D. Vp.) hält es für zu weitgehend, wenn man verlange, daß die Beamten über­zeugte Republikaner sein müssen; natürlich ge­böte es der Takt, daß der Beamte nicht die Re­publik schmähe, aber mehr als korrektes Beneh­men im Amt und außerhalb des Amtes gegen­über der Republik dürfe man nichr fordern. Das führe nur zu einer Gesinnungsschnüffe- l e i übelster Sorte. Abg. Berndt (Dtn.): Di- Erklärung des Ministers stelle eine Kampf­ansage gegen alle Beamten dar, die nicht überzeugte Republikaner seien. Außerdem sei die Erklärung des Ministers verfassungswidrig. Dbg. K o ch-Weser (Dem.) erklärte den Gedanke« für unmöglich, einem vom Reichstag unabhän­gige Reichsregierung tu bilden Der Redner trat hierauf für eine Wahlreform ein; daS Reich müsse eine gewisse Möglichkeit haben, in den Ländern wichtige Fragen gebührend zu be­einflussen. Die republikanische Gesinnung müsse bei allen öffentlichen Amtshandlungen voraus­gesetzt werden Nach weiterer Aussprache ver­tagt sich der Ausschuß.

Sinheiissroni im Reichstag.

Aber nur für die deutsche Amtssprache in Genf.

Berlin, 2. März.

Beim Haushalt des Reichsarbeitsmini­steriums ersucht Abg. Graßmann (Soz.) am schleunigste Vorlegung des angekündigten Ar­beitszeitgesetzes mit dem Acht-stunden. tag. Der Redner wünscht Anerkennung der deutschen Sprache als Dritte offizielle Amts- svrache des internationalen Arbeitsamts. Abg. Thiel (V. P.) begrüßt Die Einheitsfront von links nach rechts für die deutsche Amtssvrache im internationalen Arbeitsamt. In der eigent­lichen Leitung sei Deutschland zur Zeit übet*