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Rr. 36. 16. Jahrgang.

Staffelet Neueste Nachrichten

Freitag, 12. Februar 1926.

Die Heimatliebe und das durch sie bewegte lie­bevolle Versenken in die Geschichte und Eigenart der Kultur und Sitte des von der Natur geseg­neten Fleckchens Erde zwischen Fulda und Schwalm hat im Kasseler Knüllgebirgsverein eine Pflegstätte gefunden. Ein fesselnder Vortrag von Landesinspektor Knauf über unsere Vorfah­ren in der Schwalm zeigte uns, was in der Schwal,m noch an unerforschten Schätzen ruht und aufgedeckt zu werden verdient. Der Vortrag war ein Ansporn zu reger Mitarbeit auf dem Gebiete der Heimatgeschichte, ein Gang durch die gesamte Geschichte der Schwalm von den Anfän­gen bis auf unsere Tage. Opfer an Gut und Blut war den Schwälmer stets ein hervorragen­des Maß von Tapferkeit und Treue eigen. Diese beiden Mannestugenden sind leuchtende Sterne in der Geschichte der Schwalm. Der Aberrd bot schließlich noch des Knülldichters Konrektor Kranz, Kassel, neueste Schöpfung in Gestalt von vier jahreszeitlichen Gedichten in Schwälmer Mundart, die den Knüll und die Schwälmer be­singen. Und so schied die Knüllgemeinde mit herzlichem Treudruck gemäß den Worten des Dichters:

Daos wär net hcbsch, daos wär net schieh?

Mich dicht, nechts Schenners geb's net mich! Dieses Werk in Schwälmer Mundart bedeutet: Das wäre nicht hübsch, das wäre nicht schön, mich deucht, was Schöneres gibt es nicht'/ H.K,

Hochwasser und Lastautos.

Wankende Häuser der Hafenstraße.

Im RestaurantZu den drei Hasen"' fand gestern abend eine Versammlung ver Anwoh­ner der Hafenstratze statt. Keine Sonder­gruppe wollte man bilden, so wurde betont, sondern dem Bürgerverein Ostend mit fertigen Vorschlägen kommen. Gerade die Anwohner der Hafenstratze seien durch das Hochwasser und würden weiter durch den ständig zunehmenden Lastkrastverkehr mitgenommen. Ein gemein­sames Vorgehen der Anwohner sei deshalb not­wendig. Dem Bürgerverein wolle man seine Wünsche unterbreiten, damit dieser an matz- gebender Stelle die nötigen Schritte unterneh­men könne. Der Verkehr nach dem Hasen durch die Hafenstraße habe üble Begleiterscheinungen mit sich gebracht. Die Häuser seien nicht stabil gebaut, sie könnten auf die Dauer diese Er­schütterungen nicht aushalten... auf Garten- land, das 1% Meter mit Fuldakies aufgesüllt sei, habe man gebaut. Der Kiesboden müsse unter dem Drucke weichen und

durch dauernde Unterspülung durch das Hochwasser beschleunige sich dieser Zer- setzungsprozetz.

Schon jetzt seien Häuser um 35 Zentimeter ge­sunken. In einer regen Aussprache wurde dres nochmals unterstrichen. Man appellierte an die Pflicht des Magistrats und der Polizei, -rl.

QJtif vem Wochenmarkt.

Mehr Angebot als Nachfrage.

Der heutige Markt nahm wieder einmal einen "schwachen Verlauf. Immerhin war er besser als der am Dienstag. Butter gab cs wenig und die kleinen Bestände waren rasch ver­griffen. Dagegen gab es reichlich Eier ... bei diesem milden Wetter sind die Hühner sleißig beim Legegeschäft. Fleischmarkt und Fischmarkt zeigten Ueberangebot. Am Fischbrunnen sah man meist grüne Heringe. Besser besetzt war der Markt am Druselturm. Die leichte Besse­rung ändert nichts an der Tatsache, daß es wie­der größeren Ueberstand gab, namentlich bei Gemüse. Es wurde zu alten Preisen verkauft.

Ausgerechnet... Wintersport!

Der erste diesjährige Maskenball.

Es war nichts mit der Wintersahrt gen An- dreasberg zum Winterzauber im Harz, es war nichts mit dem Schnee, der als Eintagsfliege der Frau Holle kam, aber schön war es gestern abend beim Maskenball des Wintersport­vereins Wilhelmshöhe-Kassel im blühenden Apfclgartcn, in der sonnigen und grü­nenden Maienlandschaft, wozu der Parkettsaal des Stadtparks, der bekanntlich das Hauptquartier des Prinzen Karneval ist. ver­wandelt wurde. Lenz und Blüten... ausgerech­net .. . Wintersport!

Da waren alle, die sonst in Wolle auf den Bergen sind, in zarter Seide und duftigen Far­ben, hauchfein gewebten und gesponnenen. Ein wirklicherBall in Bunt". Aber. . . wer war es? Die Larven ließen nur ahnen, was sie deckten. Zwei Pierrots wandeln spähend durch den Saal, halten Ausschau nach Schönheit. Und finden viel. Dort die schicke indische Tem­peltänzerin, stolz und erhaben und dennoch rei­zend. Und dann der schon berühmte Goldpsau, mit Schneid getragen, ein goldenes Gedicht. Wir hätten sie unbedingt in engste Preiswahl gezogen. Und da die weiche Anima, das trau­te Seelchen ... sie sollte Rosalinde heißen. Das liebe Dirndl im Schmuck langer Zöpfe lgottlob, die gibt es noch!) ... wo ist die Prit­sche geblieben, die es dem grünen Pierrot ent­lockte? Und lieb lacht auch die fesche Zigeuner­prinzeß mit dem rasselnden Tambourin. Aber ... da ist ja auch das Skilottchen, Frau Holle vom Meißner, die Schirmherrin der Breuer- Schanze am Hcrbsthäuschen . . . der dickköpfige Cerberus von dort paßt so gar nicht zu dem netten Colombinchen, in das die Schneeschuh­meisterin verwandelt worden ist .. . Frgu Hol- lens Rache . . . oder Dank?

Sehr ihr wohl da steht er.

Garst'aer Struwwelpeter ...!

O nein, garstig ister nicht, tm Gegenteil, genau wie der süße Rotrock mit herrischem Zy­linderhut! Noch mehr der Erinnerungen ... es führte zu weit . . . und warum bisher nur Da­menin die Ziddung gebracht? Einfach des­halb: Damen u. Herren: 4:1 ...wer Mann war Hahn im Korbe, umschmeichelt, umworben . . . o, wenn's doch immer so wäre! Damen, die ver­gessen sind, mögen denSpäher, der heute auch nicht ansgcschlasen hat. nicht töten! Und die nichtnotierten Herren, besonders die große Pierrotkonkurrenz, wir wissen, daß wir alle schön gewesen sind! Und wenn ausgerechnet auf diesem Ball der Frauenmehrycit einPhi­lister im Nachthemd mit Nachtkerze .seine Frau

sucht ... auch er hatte Auswahl im Ersatz! Die Demaskierung bannte auch sonst alle Furcht! Aber der Staatsanwalt möge sich mal mit dem .Standesamt im Saale befassen, in demalls- zu neue Trauringe eintrafen ... cs könnte Bio- und Triogamie vorgekommen sein ... ausgerech­net beim Wintersportverein! Wir haben vor­gezogen, dasverschwiegene Eckchen zum roten Punkt zu inspizieren, mit und ohne . ..

Mitternacht hatte längst geschlagen, als ein Fackelzug durch die blühende Landschaft zieht und die Musik spielt:Der Mai ist gekom­men ... Maibegrüßung ... ausgerechnet Win­tersportverein!

Als die richtige Schupo kommt und dem Tanz nach neuesten und auch ältesten Weisen ein Halt gebietet, wird das Ergebnis einerVolks­abstimmung mit Stimmzetteln bekannt gege­ben: Die Schönsten sind Schorsche Kahl," der Meister des Schneeschuhs und sein Schwesterchen ... Kameradschaftlichkeit hat nachgeholfen ... deutlicher konnte Beliebtheit nicht bekundet werden.

Und das Fazit... ein nächtliches Frühlings- fest voll Sonne und Freude beim . . . Winter­sport . ..! R. H .

Aus dem Ttelffie des Films.

Was Steine erzählen."

Im Jahre 1914 sahen wir in den damals Königlichen Schauspielen den Einakterzhklus Marksteine. Historische Episoden und Anek­doten waren hier geschickt dramatisiert. Etwas ähnliches schwebte den Verfassern des im Palast- Theater laufenden FilmsWas Steine erzählen vor. Es entstand eine zwanglose Bilderfolge unpersönlicher Art, in der eine altbekannte Wrangel-Anekdote durch ihre Unbefangenheit angenehm auffällt. Im Beiprogramm rast Re­ginald Denny alsBlitz-Schofför Wer die wei­ße Wand -r ein auf Verwechslung aufgebauter amerikanischer Lustspiel-Fikm, dessen Höhepunkt ein fabelhaft aufgenommenes Auto-Rennen ist. Auf der Bühne findet Theo Briefe mit seinen rheinischen Vorträgen dankbare Hörer. =schk.

Hört ihr jungen Männer!

Die furchtbarsten der Krankheiten.

Im Auftrage der Landesversicherungsanstalt sprach gestern abend der Kasseler Facharzt Dr. Bernstein überDie Gefahren der Ge­schlechtskrankheiten. Der große Saal des Evan­gelischen Vereinshauses war überfüllt. Viele Hunderte mußten vor gesperrten Türen wieder mnkehren. Der Vortragende betonte eingangs, daß die Landcsverstcherungsanstalt in verschie­denen Richtungen tätig ist, um die Gefahren zu dämmen, die die Geschlechtskrankheiten mit sich bringen. Diese Behörde hat eine Bera­tungsstelle eingerichtet, in der jedermann erster Rat (nicht Behandlung) unentgeltlich er­teilt wird. Weiter übernehme die Landesvcr- sicherungsanstalt bei Unbemittelten, die zum Kreise der Landesversicherung gehören, die Sur» kosten. Sowohl für die Kranke», als auch für die Allgemeinheit ist diese Einrichtung von be­sonderer Bedeutung: Der Ansteckungsherd wird hierdurch wesentlich eingeschränkt, die Schäden werden also schnellstens beseitigt!

Dr. Bernstein schilderte dann den Verlauf und die Gefahren der wesentlichsten Krankheiten. Sie seien grundverschieden in ihrem Auftreten, Wesen und Verlauf und jede würde durch ein anderes Gift hervorgerufen. Es könne demnach eine Geschlechtskrankheit aus der anderen her- vorgehen, möglich sei aber, daß ein Mensch gleichzeitig mit allen drei Krankheiten angestcckt würde Jede jeweils Heranwachsende Jugend benötige dringend der Aufklärung. Redner zählte die Komplikationen auf, die die einzelnen Krankheiten im Gefolge hätten, er wies auf die schweren Schädigungen, die der Tripper fchon in gar manche Familie gebracht und wies auch gleichzeitig darauf hin. daß nach heutiger ärzt­licher Anschauung gefäßzersetzender Erkrankungen der großen Schlagader, Rückenmarkschwindsucht und Gehirnerweichung auf frühere Geschlechts- krankheiten (Syphilis) zurückzuführen feien.

An Hand von zahlreichen klaren Lichtbildern zeigte der Redner die verschiedenen Formen der Aus schlüge, die die Syphilis hervorriefen und richtete in seinem Schlußwort die Mahnung im Falle einer Ansteckung recht frühzeitig einen Arzt aufznfuchen, da es für Verlauf der Krankheit von wefentlichstem Einfluß sei, ob die Behand­lung früh oder spät begonnen habe. Der Vor­trag hinterließ einen tiefen Eindruck. -rl-

Aicht nur tm Aktien pari...

Beschwerden aus der städtischen Kaserne.

Gegen die Zustände in den städtischen Woh­nungen (besonders im Aktienpark) sind die Ver­hältnisse in der städtischen Kaserne der Westend- siraßc geradezu paradiesisch. Vielleicht sind Die­sem oder Jenem die kilomeierlangen Gänge noch aus vergangener Dienstzeit in guter Erinnerung. Nun stelle man sich dies mal heute vor, wo acht bis zwölf Familien in Linienfront nebeneinan­der wohnen! Daß da keine Grabesstille herrscht, wenn sich fünfzehn bis zwanzig Kinder im Pa­rademarsch üben, leuchtet wohl ein. Man nehme mal eine ernste Erkrankung eines Familien­mitgliedes an! Die Abortverhältnisse wären tragbar, wenn Brüder einträchtig nebeneinander wohnten, aber nicht, wie bei mir geschehen, daß Tür und Klinke mit reinem gewissen Etwas übertüncht werden. Eine Beschwerde an zu­ständiger Stelle war bisher erfolglos. Auch der Hausmeister ist in diesem Falle machtlos, da ihm die Unterstützung des Hausbesitzers fehlt und der ist ... die Stadt!

Die Keller sind . . auf den Fluren unterge­bracht. Ob dies im Sinne des städtischen Ge­sundheitsamtes liegt, läßt sich schwer enlschet- dcn. Jedenfalls steht fest, daß die Gerüche und Vermoderungen, die hier ausströmen, auch von einer nicht fein ausgebildeten Nase leicht wahr­genommen werden. Lassen sich die Keller wirk­lich nicht, wie allgemein üblich, unterhalb der Wohnungen verlegen? Hier wäre wirklich eine dankbare Aufgabe des städtischen B a u a m t S. Vielleicht lassen sich diese Massenquartierver- hältnisse durch Anbrinanna von noch einigen Eingängen beheben. Es ist scheinbar eine ganz besondere Leistung der Stadt, gerade in solche Rämne auch noch össentlicheZahl st eklen hinzulegen, scheinbar zur Hebung des Fremden­

verkehrs. Und die Beschaffenheit des Flures bei nassem Wetter ... der Augiasstall ist ein Prunk­aal dagegen gewesen.

Wäsche im Winter ist ein besonderes Kapitel . . .arme Hausfrau, der jede Möglichkeit zum Wäschetrocknen außer der Salonküche fehlt. Be­kanntlich befinden sich in der städtischen Kaserne sehr große Dachböden, wo mit wirklich wenig Geld Bodenkammern und Trockenräume bei ent­sprechender Einteilung der Familien sich Herrich­ten ließen. H. A.

fahren Die Tiefdrucksurche, die Mitteleuropa in westöstlicher Richtung durchquert, wird sich etwas nordwärts verlagern, sich aber gleichzeitig ab» schwächen. Unser Gebiet liegt an ihrer warmen Seite, sodaß die milden Temperaturen an halten. Niederschläge, die noch auftreten, werden unerheblich sein.

Bis Freitag abcnd

lautet die Wettervorhersage: Neblig, später wolkig, meist trocken, Temperaturen wenig ver­ändert, schwache südöstliche Winde.

Lokalnachflchlen vom Tac,r.

Wichtig für Jnvalidenrentenempfängcr. Die Auszahlung der Notstandsunterstützung für den Monat Februar 1926 findet unter Vorlage der gelben Ausweiskarte in der Hofbarake des Rathauses wie folgt statt: am Montag, den 15. Februar 1926, Nr. 1800, Dienstag, 16., Nr. 801-1600, Mittwoch, 17-, Nr. 16012600 Don­nerstag, 18., Nr. 26013400. Freitag, 19., Nr. 34014200, Sonabend, 20., Witwen und Waisen, Nr. 1300, Montag, 22., 301 bis Ende. Die fest­gesetzten Zahltage sind unter allen Umständen einzuhalten, da Nachzahlungen nicht stattsinden.

4- AbermalsDie Ehre". Im Kleinen Thea­ter wird am morgigen Freitag Sudermanns Ehre zu volkstümlichen Preisen gegeben.

4- Zur letzten Ruhe. Gestern nachmittag wurde mit großen Ehren unter Beteiligung von Abordnungen der Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger sowie der Sanitätswache Orle- ansstratze und Fuldabrücke, sowie der Friseur­innung der Heilgehilfe Hoffmann zur letz­ten Ruhe geleitet. Die überaus stattliche Bc- teiligunq ließ die Beliebtheit erkennen, der sich der so tragisch aus einem Leben der Nächsten­liebe Gerissenen erfreut hat. Nach der kirch­lichen Handlung rief ihm Malermeister Ehscl für dieGenossenschaft ehrende Worte ins Grab.

Neue Handwerksmeister. Heinrich Barthel- Elgershauscn. Richard Diphel - Harleshausen. Heinrich Ide und Friedrich Sickmeier aus Kas­sel bestanden gestern vor der Handwerkskammer zu Kassel die Meisterprüfung im Malerhandwerk.

4- Ein abgefeimter Schwindler. Ein Bettler, der sich nach vorgelegten Militärpapieren als ehemaliger Vizewachtmeister der Artillerie Hartmann ausweist, erschien vor einigen Tagen aus einem Büro und bat unter Tränen den an­wesenden Beamten um eine Reiseuntcrfiützung, da er auf der Fahrt Bitterfeld nach Barmen fei und kein Geld besitze; er erklärte, er wäre vom hiesigen Artillerieverein geschickt. Nachdem er eine Unterstützung erhalten hatte, ging er zu der Frau des Beamten in die Wohnung und er­klärte, er wäre von ihrem Mann gesandt, der kein Geld bei sich gehabt hätte, sie solle ihm Geld geben, was auch im guten Glauben erfolgte. Dieser Schwindler sucht anscheinend Kriegerver­einsvorsitzende auf.

Der Tod in der Fulda. Unterhalb der Drahtbrücke wurde gestern ein Mann im Alter von 65 bis 70 Jahren tot aus der Fulda gezo­gen. Seine Persönlichkeit konnte bisher nicht festgestellt werden. Der Tote ist etwa 1,65 bis 1,70 Meter groß und hat untersetzte Gestalt, volles Gesicht, breite Nase, blaue Augen, röt­lich-blondes Haar und gleichfarbigen struppigen Schnurrbart. Seine graubraune Hose zeigt Fischgrätmufter. Er trug derbe schwarze Schnürschuhe mit Zwecken und Eisenkappcn. Gestrickte grauwollene Handschuhe sind viereckig gemustert und am Handgelenk aus roter Wolle gestrickt. Ein Geldtäschchen war leer. In den Taschen sand sich sonst außer einem Taschentuch nur ein Schlüssel an einen Karabiner. Sach­dienliche Mitteilungen werden an die Krimi­nalinspektion, Erkennungsdienst, erbeten.

4- Allerlei vom Tage. In einem hiesigen Ge­schäft kamen Verschlungen zu Tqge, vre sich eine langjährige Angestellte, die das wen- gehendste Vertrauen der Leitung besaß, in den letzten Jahren zuschulden kommen ließ. Die g»> fälschten Bücher hielt sie an einem gewissen Oert- chen verborgen. Es heißt, daß die Unterschla­gungen 30 000 Mark insgesamt ausmachen. Da­für besorgte sie sich u. a. eine vollkommene Aus­stattung. Die Untersuchung ist noch nicht abge­schlossen. In der Müncheberg st ratze fand gestern abend eine wüste Schlägerei statt Die Ursache war ein vorher stattgefundenes Skat­spiel, wobei einem der Spieler Falschspiel vor- geworfcn worden war. Der Beschuldigte wurde so übel zugerichtet, daß er sich nur mit Hilfe von Vorbeikommenden nach seiner Wohnung be­geben konnte. Wieder gingen gestern nachintt- tag in der Wilhelmsböher Allee ein paar schen- gcwordene Pferde durch. Ein Lehrling, der mit seinem Handkarren nicht schnell genug ans- weichen konnte, wurde'umgerissen und erlitt stark blutende Verletzungen. Er wurde mit einem Wagen der elterlichen Wohnung zugeführt. Am Dienstag nachmittag kam ein Lastkraftwagen im Kirchweg infolge der nassen Fahrbahn ins Rutschen und fuhr gegen ein Gespann, dessen Pferde fcheuten und dem Diakonissenhaus zulie- fen, wo es aufgehaltcn wurde. Im 3immer 39 der Kriminalpolizei befindet sich ein fast neuer Rodelfchlitten, der jedenfalls aus einem Diebstahl stammt.

Veranstaltungen am Freitag. Staats- theater: Paul Wegener imTotentanz, 7>< Uhr. Kleines Theater:Die Ehre, 8 Uhr. Wehrjugend Schillbund: Vortrag Oberlt. Roßbach, Bürgersäle, 8 Uhr. ®e= birgsfest aus der R höu, Stadtpark, 8 Uhr. Mittcld. Flnaverband, Hauptversammlung Maus, 8% Uhr. Tante: Karneval und Lumpenball, 8 Uhr. Mctrovol: Tom Mir, der Cowboy. Heute Donnerstag, Weinhaus 23 in $ e r ft u6 en.- Ein Abend am Nil, 8 Uhr.

Warnung vor falschem Sammler.

Der Vorstand des Hess. Diakonissenhauses teilt mit, daß kürzlich ein Mann unter Vor­weisung eines Flugblattes um Gaben für oas Hessifche Diakonissenhaus gebeten hat. Die Kol- lcktanten haben stets polizeiliche Legitimation, Genehmigung des Regierungspräsidenten und Sammellisten bei sich. Das Haus freut sich über jede Gabe, die für seine Arbeit gespendet wird, aber es warnt dringend vor Schwindlern und bittet, sich die Legitimation pon dem Kollektan- ten zeigen zu lassen, damit die Spenden nicht in unberufene Hände kommen.

Tie Wetterlage.

Laut Frankfurter Wetterdienst hat die Wet­terlage seit gestern früh wenig Acnderung er-

Letzte Meschen.

Amerika Im Schneegrab.

Die schwersten Stürme feit vierzig Jahren.

Newyork, 11. Februar.

Der ganze Nordosten der Vereinigten Staa­ten wurde von einem der schlimmsten Schnec- stürme seit dem Jahre 1888 heimgesucht. Zwan­zig Eisenbahnzüge blieben im Schnee stecken, der stellenweise zehn Fnst hoch liegt Alle Schu­len im Staat Ncwyork und in anderen Staa­ten sind geschlossen. Fabriken und Handels­plätze liegen ganz still oder halten einen be­schränkten Betrieb aufrecht. In Newyork ist der Verkehr gestört. Zwanzigtausend Straßen - reiniget arbeiten fieberhaft, um die Straßen freizumachen, da sonst die Versorgung der Stadt mit Lebensmitteln gefährdet wäre.

Ein zersplittertes Kabinett.

Zwei neue Minister in Polen?

Warschau, 11. Februar.

Der Heeresausschuß hat den vielumkämpsten Heeresentwurf an die Regierung zurückverwic- fen. Der Ministerrat konnte noch nicht zu einem einstimmigen Beschluß kommen. Da der Forde­rung des Marschalls Pilsudski mögli­cherweise Genüge geleistet werden kann, bleibt der Rücktritt Zeligowski in der Schwe­be. Anstelle des zurückgetretenen Ministers Moraszewski wollen die Sozialisten den Abg. B a r l i ck i in das Koalitionsministcrimn entsenden, um ihm die Bearbeitung der Min­derheitsangelegenheiten zuzuweiscn.

©treifultimotum an Varis.

Kampffront der elsässischen Eisenbahner.

Paris, 11. Februar.

Havas meldet aus Straßburg: Die Eisen- bahngcwerkschaft hat Minister de Monzie fol­gende Forderungen übersandt: Die Anpassung der Löhne und Gehälter an die B e 11 e u e r u n g der Lebenshaltung, Durchführung des Achtstun­dentages ujw. Einstimmig bringt der Aktions­ausschuß seinen Willen zum Ausdruck, die For­derung durch den Streik durchzusetzen und die Kampffront auf alle elsässischen und lothringischen Organisationen auszudehneu.

Sieben Bomben gegen Vrimo de Rivera.

Paris, 11. Februar. (Prtvattelegranrm.) Aus Barzeloim wird berichtet, daß auf General Primo de Rivera mehrere Attentate versucht worden seien. Im ganzen seien an verschiede nen Punkten der Stadt, jedesmal an einer Stelle, wo sich Primo de Rivera hinbegcben hatte oder hinbegeben wollte, sieben Bomben explodiert. Die Attentate sollen wegen der be­vorstehenden Aburteilung der letzten Attentäter verübt worden fein.

Schrecken bei einer Desin'eNion.

München, 11. Februar. (Privattclegramm.) Bei der Desinfektion einer Wohnung explodierte heute früh der Apparat infolge Bildung von Knallgas. Die Manern wurden teilweise einge­drückt. Im weiten Umkreis wurden alle Fenster­scheiben zertrümmert. Zehn Personen wurden v e r 1 e tz t. Die Straße ist mit Glas- Scherben und Trümmern Übersät. Weiteren Meldungen zufolge wurden sogar fünfund­zwanzig Personen verletzt, davon eini­ge schwer. Die Ecke des Hauses ist völlig eingc- stürzt. Weiter Hansteile sind bedroht.

Der verfcheuch« Brennerspuk.

Wien, 11. Februar. (Privattelegramm.) Die zweite Mussolinirede, welche die Blätter unklar und schwächlich bezeichnen, gilt ihnen als Be­weis einer sich steigernden Nervosität in Rom, die geeignet sei, weitere ernstliche Befürchtun - gen zu rechtfertigen. Allerdings habe Musso­lini das Schlimmste, die Kriegsdrohung gegen Oesterreich weginterpretiert, indem er die Bren- nerwacht nur als defensiv verstanden haben will.

Wie 5talten6 yreffe lügt.

London, 11. Februar. (Eigener Drahtbe­richt.) Die Blätter halten Mussolinis zweite Rede für etwas gemäßigter als die erste. Ein römischer Berichterstatter sagt jedoch, die ita­lienische Oessentlichkeit werde allmählich von der Presse zu der Ueberzeugung gebracht, daß Pläne bestehen, die Brenner Grenze zu verletzen und natürlich fei die ganze Nation bereit, sich zu ihrer Wertridigung zu erheben.

Scerckuder auf dem Goldschiff.

Hongkong, 11. Februar. (Funkdienst.) See­räuber, die als Fahrgäste an Bord waren, he> mächtioten sich des kleinen französis-' -n Dampfers Jade" unp leiteten ihn nach der Küste von Kwantung, wo sie Gold im Werte von 10000 Pfund Sterling von Bord schafften. Die Passa­giere blieben unbehelligt.

Selbstmord einer Herzogin.

Berttn, 11 Februar. (Privattelegramm.) Die 27jährige Marchesa Gabriele Serra-Manichedda, eine Tochter des russischen Advokaten Blinaer- monn und eine Schwester der Schauspielerin TOaria Orska, wurde heute in einem Hotel, Un­ter den Linden, erhängt aufgcsundcn. Ter Be­weggrund zur Tat ist noch unbekannt.

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für den polttitoen Tef! Krw !H a tt: ,üi den lofilen und 6e'mntte:I R Sennemann: Mr den nnter- haltenden Teil Aerwan Bonao «n,eiaenteil: Ber- antwortlich Konrad WachSmann -f tt «rertaa Kalkeier Neueste Nachrichten lkterdln--» »och! Kalle!.