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Meier Neueste Nachrichten

Kasseler Abendzeitung

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Hessische Abendzeitung

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Nummer 30. Einzelnummer Ist Pf, Sonntags 15 Pf.

Freitag, 5. Februar 1926

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Keine volle Freiheit in den Lüften.

In der DawkStGlinge

' Was der deutschen Arbeiterschaft draht.

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Prof. John Maynard Keynes-London.

Der in europäischen Wirtschastssragen als erste Autorität geltende Verfasser stellt unS fol­genden beachtenswerten Artikel zur Verfügung: Die Früchte der deutschen Niederlage scheinen zunächst sehr verlockend. Trotzdem steht im Hin­tergründe droheng und gefahrverheitzend ein Gespenst. Deutschland hat seine Reparationen noch nicht beglichen, es hat sogar noch nicht einmal begonnen, sie zu bezahlen. Trotz der außerordentlich günstigen Resultate, die die Kommissare und Kontrolleure in ihren Berich­ten erwähnen, spürt man in ihren Dokumenten einen Unterton der Unsicherheit und der Sorge. Sie alle wissen, daß die wahren Schwierigkei­ten noch kommen werden und daß sie nicht etwa schon überwunden sind. Die Schwierigkeit des Tranfter. Komitees besteht nämlich darin, in den nächsten drei Jahren den Fehlbetrag von fünfzig Millionen Pfund in einen Ueberschutz von hundert Millionen Psund zu verwandeln.

Gott sandte Jonas einen Kürbis, um ihn in seiner Rot zu schützen, aber Gott setzte auch einen Wurm in dieser Kürbis. In der letzten Hälfte des Jahres 1925 begann der Wurm der D ef l a t i o n das deutsche Wirtschaftsleben zu zernagen. Die von der Reichsbank einze. lührie Politik der Krediteinschränkung routBe immer wirkungsvoller. Der Preisspiegei stieg nicht weiter, so daß die hohen Zinssätze, die von der Reichsbank für die Gescyästsdar- lehen gefordert wurden, nicht mehr durch hohe Preise ausgeglichen wurden. Die Wirtichrfts- geschrchte hat verschiedentlich bewiesen, daß in solchen Fällen eine Pfoduktionreinscbräukltng vorgenommen wird. Die Anzeichen für eine solche Produktionseinschränkung machten sich dann auch bald bemerkbar. Der Prozentsatz der beschäftigungslosen Arbeiter stieg, die Anzahl der Kurzarbeiter war in ständigem Wachsen be- flilffen. Die Konkursstatistik zeigte eine erschrek- kende Zunahme, die Preise von Jndustriewerten sanken rapide. Reichsbankprästdent Schacht hat die Millionengrenze der Arbeitslosen durch eine rücksichtslose Anwendung desselben äußerst zuverlässig arbeitenden Systems überschritten, durch das in England der Gouverneur der Bank of England Norman eine entsprechende Ziffer erreicht hat.

Wenn nun etwa 10 Prozent der deutschen Arbeiterschaft staatliche Erwerbslosenunter- stützung erhalten, so ist das sicherlich nicht ein Umstand, der reparationsfördernd wirken könnte. Ich habe von Anfang an aus dem Standpunkt gestanden, daß das Reparationspro­blem, sobald man wirklich an dessen Lösung mit Ernst herangehl und das geschieht jetzt zum ersten Male ein L o h n p r o b l e m für den deutschen Arbeiter werden muß. Die ganze Tätigkeit des Transferkomitees wird sich also und je länger die Zeit dauert, m einem um so schärferen Maße daraus konzentrieren, den Lebensstandard der deutschen Arbeiterschast herabzudrücken. Die erste Phase des Dawesplanes hat Deutschland die ihm so notwendige Atempause gegeben und ihm gestattet, seinen Kredithunger durch Aus­ländsanleihen zu stillen. Von dieser Entwick­lung hat natürlich die deutsche Arbeiterschaft prositiert. Die gefährliche Arbeitslosig- teit. die wir letzt erleben, ist meiner Meinung nach die erste Episode der zweiten Pbafe. nämlich deS Versuches. Preise und Lohne durch ein System der Krediieinschränkung kstfstlich berabzndrucken. Ich kann mir vorstellen, daß diese Methode teilweise hen Erfolg hat, die Löhne zu senken. daS Transferkomiiee braucht aber nicht nur niedrige Löhne, sondern auch einen stark entwickelten Ausfuhrhandel, und ich zweifle sehr, ob die Methode der Kredit- einschrankung diesen doppelten Erfolg zeitigen kann Vielleicht wird daS Komitee mit der Zeit dazu gezwungen sein, den Lohnabbau durch direkte Maßnahmen ontuareifen.

Gesunde Finanzpolitik* hat die deutsche Volkswirtschaft an der Gurgel genau so wie sie au der Kehle der englischen Wirtschaft sitzt. Ich kann mir vorstellen, daß sich mit der Zeit eine Situation ergibt, in der keine deutsche Regie­rung, die sich ort die Vorschriften deS Transfer- Komitees hält, mehr vom Volksvertrauen getra­gen ist. Sollte dieser Zeitpunkt eintreten, welche Mittel haben die Allierten dann, das deutsche Volk gefügig zu machen? Ein Vorgehen der westlichen Mächte mit dem ausgesprochenen Ziel, den Lebensstandard in Mittelevrova herab,u- drücken, wird der Sache des Kapitalismus sicherlich nicht förderlich fein Ich kann den vp- tunißi scheu und friedlichen Ton des ersten

Jahresberichtes nicht teilen und sehe der Zukunft mit größter Sorge entgegen. Hier­zu gehört, daß die Kreditlage soweit als mög­lich erleichtert wird und daß man sich bei den Miierten noch für einige Zeit mit mäßigen Er­folgen begnügt. Wie die Dinge beute liegen, ist Deutschland ein nicht zu unterschätzender wirt­schaftlicher Gefahrpunkt Europas.

Der gefeffelte Ikarus.

Drei Verbote für die deutsche Lustschissahrt.

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 4. Februar.

Ein diplomatischer Berichterstatter spricht von wesentlichen Fortschritten in der Luftfahrt­konferenz zwischen den deutschen und alliierten Sachverständigen. Deutschland habe sich bereit erklärt, dem Reichstag eine neue Luftfahrt- Gesetzgebung zu unterbreiten, die die drei Punkte einschließt bezüglich deren die Alliierten entschlossen seien, ihre bestehrnden Verbote anfrecht zu erhalten: Nämlich aller Flugzeuge über eine gewisse Pferdestärke hinaus, Ver­bot von Kamvfeindeckern und Verbot der Fliegerausbildung von Mitgliedern der Reichswehr.

Wie wir von unterridrteer Seite hierzu er­fahren. gibt die Melduna kein zutreffendes Bild vom Stand der Verhandlungen, über die nach gemeinsamer Vereinbaruna erst nach Abschluß der Konferenz berichtet werden soll.

*

Belgien hfi't fo« vu'ver «rocken.

Brüssel, 4. Februar. (Eigene Drahtmeldung.) Der Kammerausschuß hat sich mit der Frage be­schäftigt, ob die zur K ü st e n v e r t e i d i g u n g bestimmten Torpedobootsmannschaften und Marinetruppen beide halten werden sollen. Die Beratung wird nächste 'Woche nach Prüfung des Protokolls fortgesetzt. Der Vor­schlag, die Militärdienstzeit auf sechS Mo­nate herabzusetzen, wurde abgelehnt.

Deckt Btth'en Vie SäWr?

Scharfe Parlamentsattacken von links.

(Eigene Drahtmeldung.)

Budapest, 4 Februar.

In der Nationalversammlung erklärte Abg. Peyer (Soz.), die Regierung dürfe nicht den Untersuchungskommiffar in einer Angelegenheit spielen, über deren Vorbereitungen sie Kennt­nis hatte. Die Anllageschrist behauptet, der Brief des Ministerpräsidenten an Baron Po- ronyi enthalte folgenden Passus:Die Regie­rung wird alle solche Manipulationen auf das schärfste verfolgen" DaS ist unwahr. Die Anflageschrift behauptet, Baron Poronyi hätte dem Ministerpräsidenten eine beruhigende Ant­wort gegeben: auch das entspricht nicht der Wahrheit (Gr. Lärm.) Unwahr ist auch, daß eS keine Beweise gegen die Behauptungen gibt, alS ob die Angeklagten von einem näher nicht zu bezeichnenden patriotischen Zweck geleitet wor­den feien. Die Regierung, deren Oberbeamte kompromittiert find, möge ihren Platz verlassen.

ververdüchUr» Scftultze, Die Drckmaschlne

Budapest, 4. Februar. (Funkdienst.) Die Polizei stellte hinsichtlich des angeblich tn die FranesfälschungSaffäre verwickelten Schultze, der sich noch in Budapest aufhalten soll, fest, daß dieser seinerzeit im Hotel Royal nicht polizeilich gemeldet war. Die beschlagnahmte Druckma­schine wurde gestern von ftanzöstschen Beam­ten u. einem Leipziger Fabrikvertreter besichtigt.

*

<Sraf Teleky härt zu Beidien

Budapest, 4. Februar. (Funkdienst.) Der bisher parteilose Abg. Graf Teleky hat ge- stern seinen Eintritt in die Einheitspartei ange­meldet, weil im gegenwärtigen Augenblick jeder Schritt, der auf die Schwächung der Position des Grafen Bethlen abziele, mit einer Schwä­chung des Landes gleichbedeutend fei Es sei patriotische Pflicht eine» jeden Ungarn, mit ganzer Kraft fich hinter^Graf Bethlen zu stellen.

2m Kreuzfeuer des Derdvrs.

Budapest, 4. Februar. Arivattelegramm.) Gestern wurden Prinz Windischgrätz, Radossy. Gerö sowie die verhafteten An­gestellten deS Kanhographlschen Instituts im Beisein der französischen Beamten verhört.

Noch mehr saiicye Taufender k

Budapest, 4. Februar. (Eigener Drahtbericht) Der französische Bank-Bertreter begibt sich von

hier nach Brüssel, da dort falsche Tausend Franken-Roten anfgetaucht sein sollen.

Aus nach G-nf!

Der Eintrftt im Ausschuß beschlossen.

(Eigene Drahtmeldung.)

Berlin, 4. Februar.

Im Auswärtigen Ausschuß deS Reichstages nahm gestern daS gesamte Reichskabinett an den Verhandlungen über den Völkerbundein­tritt teil. ReichSaußenminister Str e s e- mann legte in cwSftthrlicher Rede seine Stel­lungnahme dar. Nach längerer Aussprache wurde folgender Antrag mit 18 gegen 8 Stimmen an­genommen:

Es bestehen keine Bedenken, daß die ReichSregierung von der Ermächtigung zum Ein tritt Deutschlands In den Völkerbund Gebrauch macht. Ueber die Gegenanträge gebt der Aus­schuß zur Tagesordnung über. Der deutschnatio­nale sowie ein kommunistischer Anirag auf Ab­lehnung bezw. bedingten Eintritts wurden end­gültig für erledigt erklätt.

Der Vöttekbvnd als Erlöser.

Saar und Minderheiten warten.

(Eigener Informationsdienst.)

Berlin, 4. Februar.

Deutschlands Eintritt in den Völkerbund wird besonders von den Minderheiten und vor allem von dem Saargebiet herbeigesehnt, da der Franrose Ra ult die Beschwerden so ge­schickt umzubiegeu und abzuwenden verstand, daß lange Zeit der Völkerbund Mne Veranlas­sung sah, im Saargebiet nach dem Rechten zu sehen. Rault. der die Geschäfte Frankreichs im Saargebiet besorgte, wird in wenigen Wock-en wahrscheinlich durch einen Engländer abge­löst werden. Der Saarbevölkerung ist daran ge­legen, daß dir Versprechungen, die mon von Genf aus gemacht hat, auch gehalten und durch- geführt werden. Daß also die Regierungskom­mission in der Behandlung aller Vorfälle eine gerechte und neutrale Haltung einnimmt und nicht versuche, die Bevölkerung dauernd in anti- deutschem Sinne zu beeinflussen Dasselbe gilt von den übrigen deutschen Minderheiten. Weder ein übertriebener Pazifismus noch ein über­spannter Nationalismus werden die Aufgabe der Negierung und die Wege der Verständigung der Völker ebenen helfen, sondern einzig die Kreise, die dem AuSlande aegenüber nüchtern und sach­lich eingestellt und zur positiven Arbeit bereit find.

*

Was bringt Seipel r

Berlin, 4. Februar. (Privattelegramm.) Der frühere österreichische Bundeskanzler Dr. Sei­tz e l ist gestern in Berlin eingetroffen. Er wurde vom österreichisch. Gesandten Dr. Frank begrüßt.

Steuern unter Gib.

Die Kammer stimmt gegen den Finanzminister. (Eigene Drahtmeldung.)

Pari», 4. Februar.

Bei Beratung des Artikels 58, der die obli­gatorische Deklarationöpflicht vorsieht, erklärte der Finanzminister in der Sammer, daß die Regierung seine Ablehnung fordere. Trotzdem wurde der erste Teil deS Artikels, der eine grundsätzliche eidesstattliche Erklä­rung vorsieht, angenommen Ein Antrag, die jährliche Erneuerung der Deflaratton zu be­seitigen, wurde abgelehnt, worauf dann ein wei­terer Dell deS Artikels 58 genehmigt wurde. ES kann keinemZweifel unterliege», daß Attikel 58 in der Gesamtabstimmung angenommen wird.

SooNdge zürnt.

Eine Abrüstungskonferenz im Weißen HauS?

(Dur» Funkkvrach)

Washington, 4. Februar

In unterrichteten Steifen teilt man mit, daß Präfident Enolidge infolge Ber Vertagung der vorbereitenden Abrüstungskonferenz von neuem daran denke, eine solche nach Washington einzuberufen. Er fei auch der Anficht, daß die Abrüstung zur Tee nur von einet Konfe­renz, in der die Seemächte vertrete« feie«, zu­friedenstellend behandelt werde« könnte, wäh­rend in Genf auch die nicht maritimen Mächte vertreten fein würden. Ferner laufe eS seiner Pflicht zuwider, wenn nicht schon vorn nächste« Jahre a« eine erhebliche Ersparnis für HeereSausgaben gemachten werden könn­te: die- umsomehr als Coolidge bei seiner Amtsübernahme die Abrüstungsfrage befonderS in den Vordergrund gestellt habe.

Lieber alles in derWelt

Als in Köln die FreiheitSglecken hallte«. (Ein Stimmungsbild uns. rhein. Mitarbeiterin.), Motto: Im Rbein, Im heiligen Strome Da spiegelt sich in oen Gell u Mit seinem großen Dorne Das grobe heilige Söln.

Eine Stunde Erlebnis! Ja, wirklich eine einzige Stunde nur. Aber eine Stunde, di« Jahre in sich schließt, die in ihrer hehre» Größe nie wiederkehrt. Eine Stunde, die al» Geschenk Gottes unauslöschlich und unvergeß­lich in der Seele lebt, die wirklich kein ge­wöhnliches, sondern ein weltgeschichtliches Er­eignis ist.

Und die Vorfreude auf diese Stund«. War ste denn nichts? Diese Fahrt am Rhein entlang an diesem sonnigen, weichen Sonntag, der Seit chendust und Frühling ahnen ließ?!

Schattenhaft grau, hineinschrassiert in Me Berge, die Burgruinen, kleine behagliche Städte mit altersgrauen Wachttürmen zu ihren Füßen, in majestätischer Ruhe dahtngleitend, der Rhein. Silbriges Sonnenlicht spielt in den leise rau­schenden Wellen, wie Nixenlachen klingtS. Wer weiß, vielleicht rüsten die Rheintöcbter, vielleicht gar Vater Rhein selbst auch zum Befreiungssest im heiligen Köln, wer weiß,---! Und

Fahnen überall. Fahnen, dre Jahre lang in Kästen und Schränken träumtcn, letzt sind sie wieder erwacht. Sie freuen sich der Freiheit, ste grüßen ihre Schwestern, die auf den Schiffen tm Frühlingswinde wehen. Von Schlössern und Burgen, von Turmzinnen und fchiesergedcckteu Häusern flattern sie. Die ärmlichste Hütte, di« zersallenste Mauer, köstlich ist sie geschmückt. Festtag überall. Befreiungssest. Selbst Vater Blücher tn Caub ist fahnenumwallt. Mit einem dicken Lorbeerkranz geschmückt, sieht et zufrieden und hoffnungsvoll hinüber zur Pfalz im Rhein.

Eine Fahrt vergeht schnell, wenn sie voll Fröhlichkeit ist, wenn Schritt für Schritt die Fest- stimmung wächst. Paßreviston 'n Niederlahn­stein, dem Brückenkopf von Koblenz. Meinetwe­gen! Aber dann gehts wieder in deutsch be­schleunigtem Tempo weiter. Bald rasselt der Zug von Deutz aus über die Hohenzollernbrücke.

Ach Köln, heiliges Köln, wie hast du dich geschmückt! Umhüllt vom Purpurmantel der Abendröte, spiegelst du dich im Rhein! Fahnen- umwallt die hohen Giebel, die spitzen Erker, dar­über hinaus bis in den Himmel ragend die Türme des Doms. Und Völker, die dir hul­digen, die von nah und fern herbeieilen, deinen Ehrentag zu feiern. Menschen! Menschen! Wie­viel? Es ist nicht zu Überzahlen. Aber von frohen, festlich gestimmten Menschen kann man nie zu viel haben! Zwar drängt man sich, tritt sich auf die Füße, stößt sich biauflecktg aber wen kümmert das! Wer wird an solchem Feier­tag derlei übel aufuehmen. Nirgends ist ein Mißflang, man ist nur glücklich miteinander, ja, man befreundet sich.Parteien?"Hier kennt man nicht rechts und links!"Klassenunter­schiede?"Unsinn, so etwas gibts hier nicht!" Alles ist einig, alles hat nut ein Interesse, ge­meinsame Rot, gemeinsame Freude schmiedet zusammen, und wenn auch in den verschieden­sten Dialekten, deutsch ist man, deutsch empfindet man, stolz ist man darauf, «tn Deutscher z u sein! Und so wartet man denn also ge­meinsam auf daS deutsche Erlebnis, aus die eine Stunde um Mitternacht, dir für künftige Gene­rationen Weltgeschichte fein wird.

Eine Uht schlägt zwölf Mal! Da lodet» an hohen Pvramiden Flammen empor, züngeln hinauf an der köstlichen Fassade des Doms, tau­chen die gothischen Spitzbogen der Portale in magisches Licht und zaubern rosa Röschen aus den zierlichen Ornamenten. Ein Schwarm wei­ßer Tauben fliegt ausgeschreckt durch die zucken, de Glut hinauf in die Türme, dir sich wie gigan­tische zum Himmel weisende Silhouetten vom Mond beschienenen Nachthimn- ' ebbeben liche Stille unter all den Hunderttausenden, di« den Domplatz und Bit angrenzenden Häuser, Dächer und Straßen füllen. Und dann daS Wunder! DteDeutsche Glocke am Rhein" fängt an zu läuten. Zwei Töne nur. harmo. nisch ausgeglichen, aber jeder Ton tn tausend­fachem Widerhall voll und schwer durch die Luft gleitend, nachschwingend und vibrierend m köst­lich rein abgestimmtem Metall. Zwei töne, bte einen in innerster Seele packen, vor denen man fliehen und doch auch wieder betend auf den Knien liegen möchte. Töne, die übet Land und Rhein hallen, weitergetragen werden von bett Wellen, tn der Luft entschweben bi« in all« Welt. Ueberirdische töne, vom Himmel kom­mend und zum Himmel roieber aufsteigend, a» den Grenzen rüttelnd, die armen Menschenver­stand trennen vom Unsichtbaren. Unbegreiflichen!

Lodernde Flammen und Glockenläuten. Oh